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Popkultur

Gesprengte Rassenschranken: Wie Motown die Welt eroberte

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Foto: Motown/EMI Hayes Archives

Alle lieben Motown. Unabhängig von Alter, Herkunft, Hautfarbe. Wer behauptet, keinen einzigen Titel aus Hitsville zu mögen, der*die hat einfach noch nicht den richtigen gehört. Ganz zu Beginn jedoch, vor etwa 60 Jahren, hatte Motown es als von einem Schwarzen gegründetes Label gar nicht so leicht – schließlich war die Welt in den Köpfen vieler Menschen noch klar in Weiß und Schwarz unterteilt. Doch gerade die vielen Single-Hits des Labels waren wichtig, um die Dinge ins Rollen zu bringen, um Vorurteile abzubauen und Rassenschranken aufzuweichen und schließlich zu brechen.

von Ian McCann

Wenige Jahre nach der Gründung war Motown bereits der Inbegriff eines Soul- und R&B-Labels. Dabei war es nicht nur die Qualität der Songs, denn das Label ließ wirklich nichts unversucht, um immer noch mehr Menschen zu erreichen – ganz unabhängig von Hautfarbe und ethnischen Wurzeln.

Hört hier die größten Motown-Hits:

Dass „black music“ auch ein weißes Publikum anziehen kann, war schon damals nicht neu: Der Jazz hatte es schließlich vorgemacht. Allerdings wussten viele Menschen kaum etwas über die Wurzeln dieser „schwungvollen“ Musik, und wie auch? Schließlich waren viele der bekanntesten Swing-Orchester der 1930er und 1940er auch komplett mit weißen Musikern besetzt! Was sie nicht wussten: Dass Duke Ellington oder auch Count Basie schon vor ihren Favoriten diese Art von Sound gemacht hatten.

Im Popbereich sah es nun mal so aus, dass das weiße Publikum in der Regel stark verwässerte Versionen der Schwarzen Originale präsentiert bekam; dunkle Hautfarbe hatten allenfalls jene Sängerinnen und Sänger, die auf softere Klänge setzten: Nat King Cole oder Harry Belafonte beispielsweise, die damit sogar Superstars wurden. Nachdem mit Elvis ein weißer Musiker entdeckt worden war, der auch R&B-Einflüsse in seine Hits einfließen lassen konnte (über den Erfolg davon brauchen wir nicht zu sprechen), traten danach auch Künstler wie Little Richard, Fats Domino und Jackie Wilson auf den Plan – die ersten Rocker mit afroamerikanischen Wurzeln, was auch funktionierte. Berry Gordy, Jr. hatte für Jackie Wilson erste Hits geschrieben und nutzte diese Erfahrungen, um ab 1959 sein Label aufzubauen: Motown Records.

Ein vollkommen neuer Sound

Gordy hatte erkannt, dass der begnadete Entertainer Wilson es genau genommen geschafft hatte, auch R&B-Songs einem sehr viel breiteren Publikum schmackhaft zu machen. Während andere Labels, inklusive dem von Wilson, daran arbeiteten, jeden Anflug von Soul durch Altbekanntes zu ersetzen, dachte Gordy die Sache konsequent weiter und landete bei folgender Frage: Was wäre wohl passiert, wenn ein Label Wilson wirklich verstanden und ihn so präsentiert hätte, wie er es selbst wollte? Als Gordy Anfang 1959 sein Tamla-Label gründete, startete er genau diesen Versuch: Er wollte echte Soul-Musik aufnehmen – und damit ganz Amerika erobern, weiße wie Schwarze Fans mit diesem Sound begeistern.

Um das zu schaffen, definierte er Standards – in jeder Hinsicht. Der Look: Sie mussten von Anfang an so umwerfend aussehen, wie die Stars, zu denen sie schließlich werden sollten. Die Attitüde: Haltung war gefragt, Coolness wurde ihnen regelrecht anerzogen. Auch die Tanzschritte wurden ausgearbeitet, und dann natürlich der Sound: Die Aufnahmen klangen so, dass man sie schon bald als Motown-Veröffentlichungen erkennen konnte. Nach ein paar Jahren mussten auch die Inhalte neu definiert werden: Wenn die Künstler*innen in den turbulenten Umwälzungen der Sechziger relevantere oder gar kritische Statements machen und Klartext reden wollten, dann hatte das trotzdem harmonisch zu klingen. Revolutionäres, verpackt als radiofreundliche Single, was die Message nur noch weiter verbreitete – siehe Dancing In The Street von Martha And The Vandellas. Ja, selbst Niedergeschlagenheit klang bei den Four Tops noch so eingängig, dass alle auf die Fläche rannten: um zu Seven Rooms Of Gloom zu tanzen.

Übers Ziel hinaus…

Während der langen Hitserie gab es jedoch auch Momente, an denen die Motown-Macher ein wenig übers Ziel hinausschießen sollten – weil sie doch etwas zu sehr auf ein Vegas-Publikum abzielten. So lieferte der Marvin Gaye der Sechziger ein paar extrem sanfte „Jazzy“-Alben ab, die er sich womöglich hätte sparen können, und die Supremes sangen nicht nur Country-Songs, sondern auch etliche Stücke, die man eigentlich von den Beatles kannte. Wirklich innovativ war das nicht, keine Frage. Ebenfalls keine Glanzleistung von Gordy waren ein paar Neuzugänge, die sich gar nicht gut in den Trademark-R&B-Kanon des Labels einfügen sollten: Swing-Veteran Billy Eckstine war kurz unter Vertrag, ja selbst ein britischer Schauspieler wie Albert Finney zierte plötzlich Plattencover. Entscheidungen, die im Nachhinein nur noch deutlicher machen, dass Motown vor allem sich selbst treu bleiben musste, um weiterhin Erfolg zu haben.

Und dann war da ja noch die Sache mit den Sublabels: Rare Earth hieß eines davon, die Rocksparte, gegründet 1969. Mit Get Ready landete die gleichnamige Band, die übrigens auch heute noch aktiv ist (!), einen massiven Hit, was auch für ihre Version von (I Know) I’m Losing You galt. Auch Stoney & Meat Loaf waren dank Rare Earth indirekt bei Motown unter Vertrag, aber der große Erfolg von letzterem kam erst ein paar Jahre später – womit klar war: Die Leute wollten Soul hören, wenn Motown draufstand. Alles andere besorgten sie sich anderswo.

So eingängig die Melodien der klassischen Motown-Ära waren, gab es doch eine etwas knifflige Frage: Wie konnte man die Pop-DJs und Shops dazu bekommen, auch die deutlich politischeren Titel des Labels zu spielen und zu verkaufen? Der Trick bestand darin, dass Motown schon ab Anfang der Sechziger weiße Anwälte, Promoter und Sales-Fachleute engagierte – eine Entscheidung, die von Schwarzen Aktivist*innen durchaus kritisiert wurde. Da es jedoch keine in Stein gemeißelte Regel war, gab es schließlich auch immer häufiger Ausnahmen, und so traten die Künstler*innen und der Labelboss öfter selbst in Aktion: Motown-Stars spielten Instore-Gigs, Mr. Gordy schaute persönlich bei Vertriebsleuten, DJs und Shops vorbei, um die Sache anzukurbeln. Seine Message: „Wir sind ein offizieller Laden, keine Klitsche, die etwas Glück hatte mit ein paar Songs; auf uns könnt ihr zählen!“ – und das konnte man auch.

Gordon 1996. Foto: Kingkongphoto/Wiki Commons

Entertainment für alle

Als Motown schließlich ein Außenbüro in Großbritannien eröffnete, waren die Verantwortlichen so clever, die UK-Kolleg*innen selbst entscheiden zu lassen, was im Königreich unter der Motown-Flagge erscheinen sollte: Die Marke sollte so aufgebaut werden, dass sie zu den lokalen Marktgegebenheiten passte. Doch weil der Sound der ersten Jahre so einzigartig war, benutzten viele Brit*innen den Labelnamen schon beinahe wie einen Künstlernamen: Man hörte halt „Motown“ – oder „Tamla“ –, anstatt von den Miracles oder den Supremes zu reden.

Der Startschuss für die britische Dependance fiel 1965, und die UK-Kultsendung Ready Steady Go! widmete Motown auch gleich ein TV-Special. Inspiriert von den hohen Wellen, die dieses Special schlagen sollte, kümmerte sich Gordy auch daheim um mehr TV-Präsenz: Ein Resultat davon hieß TCB (für Taking Care of Business), ein hauseigenes Format, in dem ein paar Jahre später Diana Ross, The Supremes und The Temptations glänzten. Ein Comic-Format war es dann zu Beginn der Siebziger, das den Erfolg einer anderen Gruppe noch weiter ankurbelte: The Jackson 5ive hieß die (beinahe) gleichnamige Sendung, die sich über 23 Folgen erstreckte und dem Publikum mit jeder neuen Episode zwei neue Hits von Michael Jackson & Co. servierte.

Jede dieser Maßnahmen machte die Songs der Motown-Künstler*innen noch bekannter, und das Element, das sie verbindet – nennen wir es mal: Soul – hat immer wieder dazu beigetragen, Menschen zusammenzuführen, Vorurteile abzubauen, Rassenschranken obsolet zu machen. Funktionieren konnte das gerade deshalb so gut, weil Gordy und seine Künstler*innen eine Sache selbst bei den klar politischen Titeln nie aus den Augen verloren haben: den Unterhaltungs-Faktor. Den nämlich haben alle gespürt, ganz egal, welche Hautfarbe sie hatten…

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Rock Me: 10 Schwarze Künstler*innen, die die Rockmusik für immer verändert haben

Popkultur

Zeitsprung: Am 6.7.1964 läuft der Beatles-Film „A Hard Day’s Night“ an.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.7.1964.

von Timon Menge und Christof Leim

Als die Beatles am 6. Juli 1964 ihren ersten Kinofilm A Hard Day’s Night veröffentlichen, schreiben sie die Regeln einer gesamten Kunstform neu — schon wieder. Hatte man Musiker bis jetzt vor allem als Schauspieler eingesetzt, um mehr Kinokarten zu verkaufen (siehe: Elvis Presley), spielen sich die „Fab Four“ einfach selbst. Wir haben den Streifen unter die Lupe genommen.

Hier könnt ihr euch das Album A Hard Day’s Night anhören: 

Wir schreiben das Jahr 1964. Die Beatlemania droht, das Vereinigte Königreich aus den Angeln zu heben. Zwei Jahre zuvor hatten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr den Song Love Me Do veröffentlicht und den Sprung in die britischen Charts geschafft. Es folgte ein Sog aus aufblühender Jugendkultur und Musikinnovation. Keine 24 Monate später gelten die vier Liverpooler auch international als Phänomen. Die Zeichen stehen auf „British Invasion“, nicht zuletzt aufgrund des legendären Auftritts der „Fab Four“ in der Ed Sullivan Show. Von Kritikern gerügt und von Fans verehrt, kehrt das Quartett Ende Februar aus den USA zurück und beginnt eine knappe Woche später ihr nächstes und bis dato außergewöhnlichstes Projekt: die Dreharbeiten zu A Hard Day’s Night.

Übernehmen ab Mitte der Sechziger die Welt: George Harrison, Ringo Starr, Paul McCartney und John Lennon – Pic: Underwood Archives/Getty Images

Im Gegensatz zu den damals üblichen Musikfilmen, in denen Stars wie Elvis Presley zwar neues Material präsentieren, in der Regel aber in fremde Rollen schlüpfen, schließt A Hard Day’s Night nahtlos an das unkonventionelle Interviewverhalten der Truppe an. Die Herren spielen allesamt sich selbst – und das inmitten des Tohuwabohu der Beatlemania.

Die Handlung: Auf dem Weg zu einer Show muss die Band einer wilden Horde Fans entkommen und findet auch während der anschließenden Zugfahrt keine Ruhe. Es folgen Situationen aus dem vermeintlichen Alltag der Teenieidole, in denen sie immer wieder ihre Songs darbieten. Doch weder im Hotel noch backstage bei einer Aufzeichnung oder während eines Casino-Besuchs mit Pauls Großvater lassen sich Ruhm und Verpflichtungen abschütteln. Letztlich findet das angekündigte Konzert wie geplant statt, die Band gelangt danach via Helikopter in die wohlverdiente Sicherheit. Aufgepasst: Wer genau hinschaut, kann einen noch unbekannten Phil Collins als Komparsen im Konzertpublikum entdecken.

Hat noch nicht einmal im Zug seine Ruhe: George Harrison in „A Hard Day’s Night“ – Pic: Max Scheler – K & K/Getty Images

Die Beatles entscheiden sich damals bewusst für einen Filmemacher, dessen musiknahe Werke die Vier schon länger wegen ihrer unkonventionellen Art mögen; der amerikanische Regisseur Richard Lester stellt ihnen wiederum den Liverpooler Schriftsteller Alun Owen vor und lässt ihn die Gruppe auf Tour begleiten. So entsteht ein Skript, welches auf dem typischen Beatles-Humor und Liverpooler Redensarten basiert und dadurch revolutionär authentisch wirkt. Owen heimst für seine Arbeit im folgenden Jahr ebenso wie der Soundtrack eine Oscar-Nominierung ein.

In Deutschland erscheint A Hard Day’s Night unter dem Titel Yeah Yeah Yeah und wird für die Synchronisation auch inhaltlich stark verändert, wie damals üblich: Diskussionen über Günter Grass und den deutschen Film vor Londoner Kulisse tragen wie die anderen ländereigenen Anpassungen zur internationalen Beliebtheit der Briten bei. Der englische Originaltitel basiert auf einem Versprecher von Schlagzeuger Starr, der im April nach einem anstrengenden Drehtag anmerkt: „It’s been a hard day“. Als er feststellt, dass bereits die Nacht angebrochen ist, ergänzt er seine Aussage schnell um ein „…’s night.“ Regisseur Lester findet die Aussage passend und gibt bei den Musikern einen Song mit der Phrase als Titel in Auftrag. Wenige Stunden später hat Lennon das Stück fertig und notiert es auf einer Glückwunschkarte, die heute im British Museum in London bestaunt werden kann. Deutsche Kinos führen die Komödie erstmals am 23. Juli 1964 vor.

Lennon tut den Film später als Klamauk ab, McCartney hingegen lobt den Schwarz-Weiss-Streifen für die Authentizität seiner Charaktere. Fakt ist: A Hard Day’s Night läutet ein neues Zeitalter des Musikfilms ein und gilt als eines der ersten Beispiele einer Mockumentary. Die Meta-Ebene, auf der sich der Film mit Ruhm und Erfolg auseinandersetzt, erlaubt der Band einen Kommentar zur Beatlemania, ohne sie offen zu kritisieren und Fans vor den Kopf zu stoßen. A Hard Day’s Night kann also als frühe Instanz der in späteren Jahren Beatles-typischen Gesellschaftskritik bezeichnet werden. Für George Harrison hat der Film übrigens noch ganz andere Szenarien zur Folge: Am Set lernt er die junge Schauspielerin Pattie Boyd kennen, die er zwei Jahre später heiratet und die ihn später in nach einer dramatischen Dreiecksgeschichte für Eric Clapton verlässt.

George Harrison und Pattie Boyd 1964 – Pic: Michael Ochs Archives/Getty Images

Zeitsprung: Am 9.2.1964 übernehmen die Beatles die USA – gewissermaßen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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