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Popkultur

Zeitsprung: Am 11.9.1995 sagen Green Day der Sesamstraße ab. Aus Sorge.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.9.1995.

von Christof Leim

Am 11. September 1995 sagen Green Day einen Auftritt in der Sesamstraße ab. Anscheinend aus Sorge. Oder sie haben noch eine alte Rechnung offen. Wegen Ernie.

Hier könnt ihr Dookie von Green Day hören:

In der Sesamstraße haben ja schon viele Showgrößen gespielt: Johnny Cash, Billy Joel und Sheryl Crow zum Beispiel oder B.B. King, Cher und Little Richard, auch neuzeitliche Stars wie will.i.am, Alicia Keys und Pharrell Williams. Die gut gelaunte Kinderserie läuft bereits seit 1969 in den USA, in Deutschland seit 1973, und wir haben sie natürlich alle gesehen. Vielleicht hat die Sesamstraße ja sogar ein kleines bisschen den hervorragenden Musikgeschmack vorgeprägt, den wir hier alle pflegen. Daumen hoch für verantwortungsvolle Programmplanung jedenfalls.

Gefährlich!

Die Redaktion der Serie scheint über die Jahre die jeweils aktuellen Vorlieben in der Musikwelt im Auge zu behalten. Denn als Mitte der Neunziger die Pop-Punk-Welle um den Globus lärmt und Green Day mit Dookie einen herrlich spaßigen Megahit abliefern, lädt die Sesamstraße sie ein. Doch die drei Punks aus Kalifornien sagen am 11. September 1995 ab, heißt es. Warum? Weil sie „mit einem Moshpit aus Fünfjährigen nicht umgehen können.“

In Sorge vor durchdrehenden Fünfjährigen: Green Day – Foto: Promo

Diese Sorge von Billie Joe Armstrong, Mike Dirnt und Tré Cool mag manchen übertrieben vorkommen, aber wir möchten hier mal anmerken: Wer schon mal eine Geburtsparty für Vorschulkinder ausgerichtet hat, weiß Bescheid. Eine „Wall of Death“ ist nichts gegen das Gewusel, und 200 Dezibel kratzen vermutlich gerade mal am unteren Durchschnitt. Eltern können Green Day verstehen. Leider finden sich keine offiziellen Erklärungen und Pressemeldungen zu dieser Absage, lediglich Zitat und Datum geistern durch das Internet. Aber wir finden die Geschichte zu charmant, um euch nicht davon zu erzählen.

Kinderstars bei Bad Religion

Vielleicht haben Green Day ja auch nicht nur Angst vor den wild tanzenden Kinderhorden, sondern eine alte Rechnung offen. Und die hat mit Ernie zu tun, dem weltberühmten Hauptdarsteller der Sesamstraße, der 1970 sogar (im echten Leben!) einen Hit mit seinem Quietscheentchen-Song landet. Denn Ernie – oder genauer: eine Ernie-Puppe – findet sich auf dem Moshpit-Foto auf der Rückseite der ersten Auflagen von Dookie. Entstanden war die Aufnahme 1993 in New York, wo Green Day den Anheizer für Bad Religion gaben.

Das ursprüngliche Backcover von “Dookie”

Doch auf späteren Pressungen der Platte fehlt der knollennasige Star mit dem Ringelpulli. Vielleicht befürchten Green Day Mitte der Neunziger ja, als die Platte durch die Decke geht und alle Welt hinschaut, Beschwerden von der Sesamstraße und Briefe aus Anwaltskanzleien mit den Worten „Copyright“, „Unterlassung“ und „Überweisungsträger liegt bei“.

“Dookie” ohne Ernie

Die Oma ist verwirrt

Vielleicht wiegt damals aber schwerer, dass anscheinend einige Leute eben wegen Ernie hinter Dookie Kindermusik erwarten. „Angeblich soll eine Großmutter die Platte deshalb für ihre Enkel gekauft haben“, erzählt Billie Joe Armstrong in einem Eintrag auf Instagram und wundert sich gleichzeitig, was aus der jungen Frau geworden, die den Herrn Ernie offensichtlich mit zum Konzert gebracht hat. Was wiederum auch Sinn für Verantwortung zeigt, denn einem altgedienten Kinderstar tut eine Punk-Rock-Show auch mal gut.

Bis heute sind Green Day noch nicht in der Sesamstraße aufgetreten und auch nicht in der nicht minder legendären Muppet Show, die sogar einst Bürgerschreck Alice Cooper eingeladen hatte. Die wilden Horden von Fünfjährigen hätten sich vielleicht gefreut…

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