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Popkultur

Zeitsprung: Am 22.2.2005 verlässt Brian „Head“ Welch Korn, weil er Gott gefunden hat.

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Foto: Jeff Kravitz/FilmMagic/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.2.2005.

von Tom Küppers und Christof Leim

Schon die Blues Brothers verkündeten einst: „Wir sind im Namen des Herrn unterwegs.“ Und natürlich spielt Religion auch in der Rock- und Pop-Musik immer mal wieder eine Rolle. Doch wohl niemand hat seinen wiedergefundenen Glauben so konsequent in die Tat umgesetzt wie Brian „Head“ Welch, der am 22. Februar 2005 überraschend seine Band Korn verlässt. Der Grund: Gott.

Zum Solo-Schaffen von Brian „Head“ Welch geht es hier entlang:

Seit ihrem selbstbetitelten Debüt gelten die 1993 in Bakersfield, Kalifornien gegründeten Korn als Geburtshelfer des Nu-Metal. Ein prägnanter Bestandteil des Bandsounds sind die dissonanten Gitarren des Duos James „Munky” Shaffer und Brian „Head“ Welch. Mit Alben wie Life Is Peachy (1996), Follow The Leader (dessen Veröffentlichung 1998 von einem kleinen Skandal um einen Korn-T-Shirt tragenden Fan begleitet wird) und Untouchables von 2003 etablieren sich die Musiker dauerhaft an der Spitze der zeitgenössischen Rockbands.  

Korn in der Urbesetzung. Ganz rechts: Brian „Head“ Welch, Bild: Promo

Die Musiker genießen ihren Erfolg, spielen in ausverkauften Arenen, doch Brian Welch wird von Dämonen geplagt. Sex, Drugs und Rock’n’Roll sind eben selbst heute noch ein immer wieder gelebtes Klischee, das Opfer fordert. Er selbst sei schon längst auf dem absteigenden Ast gewesen, erinnert sich Welch 2009 in einem Interview mit dem Las Vegas Review Journal anlässlich der Veröffentlichung seiner Biografie. Aus Amphetaminen, Kokain und verschreibungspflichtigen Medikamenten entsteht in Welchs Leben während der wilden  Zeiten ein gefährlicher Cocktail, der im krassen Kontrast zu seinem Privatleben steht. Hier versucht er, ein guter Vater für seine Tochter Jennea zu sein, für die er nach der Scheidung von ihrer Mutter das alleinige Sorgerecht trägt. 

Hilfe im Drogensumpf

Glücklicherweise wird Welch klar, dass der hedonistische Weg nicht der richtige ist. Er will sein Leben wieder auf die Kette kriegen, kommt aber trotz Entzugskliniken nicht von seiner Sucht los. Bis er das Gespräch mit Gott sucht – und offenbar findet. „Eines Tages habe ich Gott gebeten, mir zu zeigen, wie ich mit den Drogen aufhöre. Und plötzlich war ich dazu in der Lage. Ich schwöre, das ist die Wahrheit.“ Anfang 2005 macht Welch dann ernst und verkündet auf einer Messe vor tausenden Menschen seinen Glauben, was für ihn in letzter Konsequenz nur eins bedeuten kann: den Ausstieg aus seiner Band. 

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Am 22. Februar gibt das Korn-Management dann offiziell bekannt, das Brian „Head“ Welch und seine Mitmusiker fortan getrennte Wege gehen. Der Gitarrist habe sich für Jesus entschieden, heißt es, und würde sein musikalisches Schaffen fortan nur noch diesem widmen. Korn machen zunächst in Viererbesetzung weiter, Welch widmet sich einer neuen Truppe namens Love And Death und schreibt gleich zwei Biografien. In der Folge kommt es zu einem medialen Rosenkrieg zwischen den Parteien, doch 2012 folgt doch ein Happy-End, wie uns Welch anlässlich eines Promotermins in Köln vor ein paar Jahren selbst erzählt. 

Die Tochter will zum Konzert

„Mein Leben verläuft mittlerweile in völlig geregelten Bahnen. Drogen und all der andere Mist sind kein Thema mehr für mich, den Großteil meiner Zeit verbringe ich mit meiner Tochter. Als die eines Tages erzählte, dass in der Nähe ein Festival wäre, wo ein paar ihrer Lieblingsbands auftreten, habe ich mir gedacht: Wir könnten da ruhig mal hingehen. Sie bringt immer gute Schulnoten nach Hause, also hat sie sich eine Belohnung verdient. Ich habe uns dann Pässe besorgt. Irgendwann stand ich dann auf einmal vor meinen alten Kollegen, die ebenfalls auf dort spielten, was mir überhaupt nicht bewusst war. 

Korn 2013 nach der Rückkehr des verlorenen Sohnes, Bild: Universal

Irgendwie haben sich die ganzen Animositäten in Sekunden in Luft aufgelöst, und wir lagen uns in den Armen. Schließlich haben sie gefragt, ob ich nicht Lust hätte, einen Song auf der Bühne mit zu spielen…“ An der Stelle schaltet sich James „Munky” Shaffer kurz ein: „Wir haben unserer Crew dann einfach mal gesagt, dass sie eine Gitarre und einen Amp vorbereiten sollen.“ Welch erzählt weiter: „Anfangs war ich mir nicht sicher, ob ich das wirklich machen soll, aber meine Tochter meinte dann, dass sie Papa gerne mal mit seinen alten Freunden erleben würde.“ 

Emotionale Reunion

Und so passiert es dann:  Am 5. Mai 2012, sieben Jahre nach seinem Ausstieg, stehen Korn wiedervereint mit Head auf der Bühne in Rockingham (kein Witz, der Ort heißt echt so). Ein für alle Beteiligten maximal emotionaler Moment, wie dieses Video zeigt:

In der Folge veröffentlichen Welch und Korn gemeinsam weiter Alben, touren erfolgreich durch die Weltgeschichte, und eigentlich ist kein Ende in Sicht. Dass diese Geschichte ein musikalisches und persönliches Happy End nimmt, stand nicht zu erwarten. Doch Wunder gibt es immer wieder, nicht wahr? 

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