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Popkultur

„Bitch, I’m Madonna“: 6 Anekdoten, die nur aus dem Leben der „Queen of Pop“ stammen können

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Madonna
Foto: Peter Noble/Redferns/Getty Images

Blonde Ambition: Wer so ehrgeizig wie Madonna den Gipfel des Erfolgs erklimmt, eckt an – und fasziniert. Ersteres tut die Mutter aller Pop-Göttinnen stets mit großem Enthusiasmus, reißt mit ihrem Selbstbewusstsein aber auch konservative Mauern ein. So sammelt sie in ihrer Karriere allerhand bemerkenswerte Anekdoten, die wir euch nicht vorenthalten wollen.

von Victoria Schaffrath

Hört zur Einstimmung in Madonnas Greatest-Hits-Compilation Celebration von 2009 rein:

1. Bevor sie „Madonna“ wird, spielt sie Schlagzeug in einer Post-Punk-Band.

Schaut man auf Madonnas Modestil zum Beginn ihrer Karriere, dann überrascht ein gewisser Punk-Einfluss nicht mehr. Bevor sie 1982 ihren ersten Plattenvertrag unterschreibt, haust sie in einer leerstehenden Synagoge im New Yorker Stadtteil Queens (mehr Punk geht kaum) und hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Ihr Mitbewohner und Lebensgefährte Dan Gilroy versteht sich als Musiker und drückt „Madge“ irgendwann eine Gitarre in die Hand. Den ersten selbstgeschriebenen Song bezeichnet sie als „religiöses Erlebnis“.

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Madonna, nicht faul, traut sich bald mehr zu und beginnt, Schlagzeug zu spielen. Das Paar gründet daraufhin die Band The Breakfast Club und spielt die New Yorker Clubszene auf und ab, sodass sie irgendwann auch im legendären CBGB landet. Ab jetzt will die junge Frau wie ihr Vorbild Debbie Harry Front-Luft schnuppern und verlangt nach dem Platz am Mikrofon, worauf Gilroy nicht gerade großzügig reagiert. Beziehung und Band gehen vor die Hunde; Madame Ciccone zieht weiter zur Post-Punk-Gruppe Emmy, wo ihr Gesang Vergleiche mit Pat Benatar und Chrissie Hynde beschwört. So kann man die 2008 noch kontroverse Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame durchaus gutheißen.

2. Sie verschafft sich mit einer ungewöhnlichen Ansage einen Plattenvertrag.

Ein mittelmäßiges Demo-Tape von Everybody reicht 1982 aus, um Madonna auf den Weg zum Superstar zu bringen. Eine Rohversion der Nummer nimmt sie mit dem DJ Mark Kamins auf, der wiederum Ambitionen hat, zum Produzenten aufzusteigen. Also lädt dieser seinen Label-Kontakt Michael Rosenblatt ein, der ausgerechnet die noch unbekannten Wham! im Gepäck hat, als er bei einer von Kamins’ Clubnächten auftaucht. Natürlich läuft die Gruppe der jungen Sängerin vor die Füße.

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Baby Madame ❌. ……………….. #madamex

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Man tauscht Nummern aus, und wenig später spricht Madonna dann bei Sire Records vor. Rosenblatt wittert bei der Italo-Amerikanerin bereits das gewisse Etwas, weiß aber, dass eine Fehlinvestition Konsequenzen mit sich bringt: „Ich fragte sie, was sie sich hiervon erhoffte. Das frage ich immer, und die falsche Antwort ist, dass man nur seine Kunst machen möchte, denn hier geht es ums Geschäft. Madonna antwortete mit ‚Ich will die Welt regieren‘. Ab da wollte ich sie unter Vertrag nehmen.“

3. Sie verhilft den MTV Video Music Awards zu Ruf und Quote.

Wer gleich drei Einträge in der Liste der krassesten „VMA“-Momente bekommt, muss sich offenbar mächtig ins Zeug gelegt haben. Zum ersten Mal sorgt Madonna 1984 für große Augen: Im Rahmen der ersten MTV Video Music Awards im September des Jahres legt sie einen Auftritt hin, der den Ruf der Show für immer beeinflussen soll. Die Veröffentlichung der Single Like A Virgin steht noch bevor, sodass das Publikum gar nicht so recht weiß, wie ihm geschieht, als die Visionärin da im Hochzeitskleid auf einer festlichen Torte erscheint.

„Die Münder der Leute standen offen“, erinnert sich Madonnas langjährige Publizistin später. Das wundert kaum, denn mit der heiligen Institution der Ehe hat die Performance wenig zu tun: Angefangen beim Gürtel, auf dem gülden die Worte „boy toy“ prangen, bis zu den recht suggestiven Bewegungen, die die passionierte Tänzerin da mit ihrem Schleier vollführt, bricht sie gleich mit einer ganzen Reihe an Tabus. Das verleiht der jährlichen Preisverleihung nicht nur den Ruf einer Skandal-Show, sondern ebnet auch den Weg für Generationen an selbstbestimmten Musikerinnen.

4. Sie rockt Live Aid trotz eines Fauxpas von Black Sabbath.

Rockbands und Knigge-Benimmregeln gehen ungefähr so gut zusammen wie Madonna und Black Sabbath. Beweisstück A: Das Zusammentreffen der beiden Musikgrößen im Vorfeld des Live-Aid-Konzerts 1985. Als die Düster-Briten nämlich ihren Proberaum beziehen, steht plötzlich eine quirlig-kostümierte Frau Ciccone inklusive weiblicher Begleitung im Türrahmen. Vielleicht liegt es am schummrigen Licht oder einfach an Madonnas relativ junger Karriere, aber erkennen tut den enthusiastischen Gast niemand.

Tony Iommi, ganz der Profi, versteht natürlich keinen Spaß, wenn es um wertvolle Probezeit geht – und lässt die Besucherinnen prompt vom Sicherheitspersonal entfernen. „Und dann muss ich mir anhören, dass ich soeben Madonna rausgeschmissen habe. Ein wenig peinlich war das schon“, erinnert er sich in einem Interview. Madonnas Auftritt beim Jahrhundert-Event am Folgetag tut das keinen Abbruch. Neben Legenden wie Sabbath und Queen kann sie sich durchaus behaupten und beweist wieder einmal ihren Sturkopf. Nachdem die Magazine Playboy und Penthouse nämlich ohne ihre Zustimmung uralte Nacktbilder der jungen Frau veröffentlicht hatten, zeigt die Live-AidShow, dass Madonna sich dafür nicht schämt – und schon gar nicht vorhat, sich zu verkriechen.

5. Sie liest Steven Tyler die Leviten – live und in Farbe.

Zu Beginn der Neunziger übernimmt Madonna die volle kreative Kontrolle ihrer Karriere und auch ihrer Aktfotos. Das Album Erotica und der Bildband Sex (übrigens mit einem noch unbekannten Vanilla Ice als Model) sorgen mal wieder für Schlagzeilen und für allerhand unangebrachte Kommentare. Ganz vorn mit dabei: Steven Tyler von Aerosmith. Das mit der Selbstbestimmung und der Belästigung bringt er damals wohl irgendwie durcheinander.

„Madonna, Baby, ich habe dein Buch gesehen“, höhnt er 1994 während einer Preisverleihung, bei der sie die Laudatio vortragen durfte, und hält unheilschwanger seine Hand in die Höhe. „Warum benutzt Madonna wohl diese beiden Finger zum Masturbieren? Weil es meine sind.“ Nach dieser Perle des feinsinnigen Humors braucht auch die scharfzüngige Pop-Ikone einen Moment, um sich zu fangen. Dann holt die personifizierte Blonde Ambition zum Konter aus: „Wenn ich deine Finger benutze, ist es keine Selbstbefriedigung. Es ist sexueller Missbrauch.“ Das lassen wir mal so stehen.

6. Die First Lady des Grunge schmeißt mit Make-up nach ihr.

Nach der Kritik-intensiven Erotica-Phase reicht es Madonna erstmal mit den gewagten Auftritten und sie gibt sich zunächst gediegen. Bereitet sie unbewusst ihre Evita-Darstellung vor? Bei den MTV Video Music Awards 1995 könnte man jedenfalls meinen, es ist nicht Madonna, sondern eine Handelsvertreterin, die da nach der Show ein Interview gibt. Plötzlich fliegt eine Puderdose durch das Bild, und der diametrale Gegensatz zu Madonnas Gebaren kündigt sich an: eine sichtbar aufgedrehte Courtney Love. Die Hole-Frontfrau kann sich da natürlich auf ein tragisches Jahr berufen und weist ganz offenbar ein mittelschweres Drogenproblem auf, das sie im Juli des Jahres bereits dazu bewegt hatte, Kollegin Kathleen Hanna eine zu verpassen.

„Courtney Love braucht Aufmerksamkeit, sie wirft ihren Puder nach mir“, bemerkt die irritierte Madonna, bevor Moderator Kurt Loder die Cobain-Witwe heran beordert. „Nein, tu das nicht, bitte“, versucht die Like-A-Prayer-Schöpferin noch, die Situation abzuwenden, doch zu spät: Es folgen die womöglich unangenehmsten Minuten, die je im Live-Fernsehen festgehalten wurden. Immer wieder nehmen die zwei Medienprofis sich in den nächsten Jahren ins Visier, mal soll kollaboriert werden, mal gibt man sich spinnefeind. Letztlich bringt „Madge“ sowieso nichts aus der Ruhe. Warum? „Bitch, she’s Madonna.“

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40 Jahre „I Can’t Stand Still“: Don Henleys Erste nach den Eagles

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Don Henley
Foto: Pete Cronin/Getty Images

Vor 40 Jahren veröffentlicht Don Henley sein erstes Album ohne die Eagles. I Can’t Stand Still zeigt ihm auf dem Cover neben einem Toaster am Küchentisch. Inhaltlich ist es eine knackige Abrechnung.

von Björn Springorum

Man darf sich zurecht fragen, was es mit einem macht, wenn man in der erfolgreichen US-amerikanischen Rockband aller Zeiten spielt. Wenn man die meisten ihrer Hits im Tandem mit Glenn Frey schreibt und Songs wie Hotel California auch noch selbst singt. Für Don Henley ist nach neun Jahren Eagles klar: Man macht Musik. Was denn sonst? Die Band bricht nach den schwierigen Aufnahmen zu The Long Run und einer kräftezehrenden Tour auseinander, neun Jahre Vollgas, Drogen und Weltruhm gehen eben nicht spurlos an einem vorüber.

Zwischen 1971 und 1980 ist Henley nur im Bandverbund aktiv, ins neue Jahrzehnt startet er als Solitär. Nun, nicht ganz, Henley, mittlerweile 33, ist gerade mit Stevie Nicks liiert, gemeinsam veröffentlichen die beiden 1981 Leather And Lace, ein ordentlicher Erfolg, der Don Henley auch eines zeigt: Es kann eben auch ohne die Eagles funktionieren.

Ganz allein geht es dann doch nicht

Eines wird ihm aber auch bewusst: So ganz allein wird das auch nichts. Also tut er sich mit dem Produzenten und Komponisten Danny Kortchmar zusammen, ein renommierter Starmacher, kaum älter als Henley und fast im Alleingang für den archetypischen Singer/Songwriter-Sound der Siebziger verantwortlich. Carly Simon, James Taylor, Carole King, Graham Nash oder Neil Young, alle arbeiteten schon mit ihm.

Für Don Henley wird Kortchmar nicht nur ein Produzent, sondern gleich ein Bandkollege. Gemeinsam arbeiten sie zwischen Januar und Mai 1982 an I Can’t Stand Still, einem Werk, das als Verlängerung der Eagles angesehen werden kann. Und auch wenn es kein Wunder ist, dass das Album so kurz nach dem Absturz der Adler noch das Echo seiner Vergangenheit in sich herumträgt: Schon vor 40 Jahren legt er die Saat für eine ebenso produktive wie beeindruckende Solokarriere.

Feldzug gegen die Medien

Musikalisch gibt es das, was Fans damals von ihm erwarten, stark unterstrichen von Keyboards, Synthesizern oder weiteren nicht ganz unbekannten Gästen wie Steve Lukather (Toto), Joe Walsh (sein alter Eagles-Kumpan) oder Bass-Titan Bob Glaub; lyrisch hingegen dreht Henley ordentlich auf. Deutlich mehr als bei den Eagles macht er seiner Desillusionierung Luft, singt in Dirty Laundry gegen die Oberflächlichkeit und Sensationsgeilheit der Medien an und landet damit gleich seinen ersten dicken Solohit. Pikant: Henley nutzt auch autobiografische Details für den Song und spielt auf die Berichterstattung rund um seine eigene Festnahme 1980 an, als man eine unter Drogen stehende 16-Jährige bei ihm zuhause in Los Angeles aufgriff. Also, welche damalige Zeitung da nicht groß berichten würde…

Springsteen spielt auf seiner Hochzeit

Ist aber nicht alles: Johnny Can’t Read geht mit dem desolaten Zustand des US-amerikanischen Bildungssystems hart ins Gericht, im Titeltrack thematisiert er recht trocken und ohne Melodrama Beziehungsprobleme. I Can’t Stand Still mag deswegen weniger eine musikalische Überraschung sein. Wohl aber eine inhaltliche, die den großen Rockstar plötzlich als kritischen Beobachter der Gesellschaft ausweist.

Geplant oder nicht: 1982 legt Don Henley eine Solokarriere, die auf Building The Beast (1984) merklich in Gang kommt und bis Cass County (2015) bislang fünf Soloalben und Evergreens wie The Boys Of Summer hervorgebracht hat. Hinter Ringo Starr, Phil Collins und Dave Grohl gilt er außerdem als viertreichster Drummer der Welt. Man kann es auch so ausdrücken: Wenn auf deiner Hochzeit unter anderem Bruce Springsteen, Sting, Shreyl Crow und Tony Bennett auftreten, dann hast du das eine oder andere richtig gemacht.

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Zeitsprung: Am 9.8.1994 lassen Machine Head ihr Debüt „Burn My Eyes“ los.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 9.8.1994.

von Christof Leim

Ein wuchtiger Einstand: Mit ihrem Debüt Burn My Eyes legen Machine Head am 9. August 1994 eine Groove-Metal-Granate hin, die der harten Musik der Neunziger mit fettesten Riffs und quietschenden Obertönen einen Stempel aufdrückt. Dies ist die Geschichte eines Metal-Klassikers.

Hier könnt ihr euch das Brett geben:

Blicken wir zurück ins Jahr 1994: Klassischer Metal befindet sich schon ein Weilchen auf dem Rückzug, der haarige Hard Rock sowieso. Grunge und Crossover sind mit Macht über die Welt der Krachmusik hereingebrochen, die Geschmäcker haben sich geändert. Thrash Metal bewegt sich in Richtung Underground (abgesehen von Metallica) oder ist so groß geworden, dass stilistische Strömungen keine Rolle mehr spielen (vor allem Metallica). Metal insgesamt wird als Genre „kleiner“ und auch extremer, denn Schwarzmetall und Todesblei gewinnen an Zulauf. Rap-Metal-Bands wie Body Count (Debüt März 1992), Rage Against The Machine (Debüt November 1992) sowie Clawfinger (1993) oder Stuck Mojo (1995) und auch Nu-Metaller wie Korn (1994) setzen ebenfalls deutliche Akzente. 

Ein Bindeglied zwischen dem „alten“, klassischen Geballer (ie. Thrash) und der neuen Zeit heißt: Groove. Diesbezüglich haben Pantera schon 1990 mit Cowboys From Hell und vor allem 1992 mit Vulgar Display Of Power gezeigt, wo der Barthel den Mosh holt. Ganz vorne dabei in dieser Welle schwimmt ab 1994 eine kalifornische Band namens Machine Head mit ihrem brachialen Debüt Burn My Eyes. Damals kommt kein europäischer Luftgitarrist in der Disko ohne das obertonquietschende Riffbrett Davidian aus.

The New Bad Kids On The Metal Block: Machine Head 1994 – Pic: Jesse Fischer/Promo

Machine Head entstehen bereits 1991, genauer am 12. Oktober: Da spielen Metallica in Oakland und inspirieren die Kumpels Robb Flynn und Adam Duce, mit einer eigenen Band richtig durchzustarten. Musikalischer Neuling ist der Gitarrist und Sänger Flynn nicht: Bereits als Schüler spielt er bei den Bay-Area-Thrashern Forbidden (als die noch Forbidden Evil hießen) und schreibt sogar ein paar Songs für deren Debüt, etwa das legendäre Chalice Of Blood. Bevor die Platte rauskommt, zieht der Mann aber schon weiter zu Vio-Lence. Da spielt sein zukünftiger Machine-Head-Kollege Phil Demmel. (Ja, Thrash Metal ist ein Dorf.) Als die mit einer lokalen Gang aneinandergeraten (denn Oakland ist eben kein Dorf), verlässt Flynn die Truppe wieder und muss sich sogar eine Weile verstecken.

Metallica & Gang-Kriminalität geben die Initialzündung: Machine-Head-Boss Robb Flynn – Pic: Mick Hutson/Redferns

Den Namen Machine Head für seine neue Band findet Flynn vor allem „cool“, mit dem gleichnamigen Deep-Purple-Album hat seine Wahl nichts zu tun. Adam Duce spielt den Bass, als Leadgitarrist wird Logan Mader engagiert, ein Herr namens Tony Costanza trommelt. Im Schlafzimmer eines Kumpels entsteht ein Demo, das der Band einen Plattenvertrag mit Roadrunner Records beschert. So schnell kann’s gehen. Die Aufnahmen passieren im kalifornischen Berkeley, doch schon nach kurzer Zeit verlässt Costanza die Band und wird durch Chris Kontos ersetzt. Nebenan spielen gerade Rancid Let’s Go ein, Green Day Dookie und Tesla Bust A Nut. Mit ersteren hängen unsere Helden regelmäßig rum, letzteren klauen sie ständig die Süßigkeiten.

Musikalisch bieten Machine Head vor allem auf „Maximum Fett“ getrimmten Metal mit viel Groove – runtergestimmt, breit, stark, wuchtig. Vor allem aber können die vier Musiker nicht nur rüde rumpeln, sondern spielen arschtight und tricksen so konsequent mit natürlichen Obertönen (Flageoletts) herum, dass diese zu ihrem Markenzeichen werden. Als Einfluss steckt hier viel kalifornischer Thrash drin (Metallica, Exodus, Slayer), großzügig angereichert mit punkigem Geboller der Marke Suicidal Tendencies, Biohazard oder Cro-Mags, dazu ein bisschen Industrial und eben Groove satt. Flynns gebellte Vocals beziehen viel Inspiration vom Hardcore, rhythmisch sogar ein bisschen vom Hip-Hop, was 1994 im Metal aber „erlaubt“ und nicht so ungewöhnlich ist. Diese Mischung klingt schon sehr „bad ass“, auch und insbesondere textlich, was ziemlich genau das Leben widerspiegelt, dass die Brüder damals führen – Drogen, Gewalt, Gangs, der ganze Quatsch. Die lyrische Sozialkritik fällt deutlich aus.

Los geht die Sause mit Davidian, der ersten Single und dem bis heute bekanntesten Song der Band mit dem herrlich brüllbaren Chorus „Let freedom ring with a shotgun blast!“ Textlich geht es um die Belagerung der Branch Davidians-Sekte in Waco, Texas, bei der 82 Menschen ums Leben kamen. Old bietet ebenfalls ein unverschämt grooviges Brutalo-Riff, zu dem man (wir sind fast sicher) fahrende Autos umtreten kann. Wir empfehlen als Beleg den Konzertmitschnitt von Hellalive (2003). Old wurde als zweite Single auserwählt und verschaffte der Band einen 43. Platz in den britischen Charts. 

Seine ablehnende Haltung gegenüber Religionen beschreit der Frontmann in Death Church, dem ersten Song, der für Burn My Eyes fertiggestellt und nach eigenen Aussagen massiv vom Album Street Cleaner der Industrial-Brechstangen Godflesh beeinflusst wurde. I’m Your God Now thematisiert die Macht der Drogen, was inhaltlich nicht aus der Luft gegriffen ist: Die Vertragsunterzeichnung am 10. Oktober 1993 feierte Robb Flynn mit Heroin, was er nur knapp überlebte. Das kurze Real Eyes, Realize, Real Lies bleibt weitestgehend ohne Gesang, wir hören aber Nachrichtenschnipsel über die Los Angeles Riots von 1992. Weitere Songs heißen A Thousand Lies, None But My Own, The Rage To Overcome und Block – alles garantiert kein Kuschelrock.

Logan Mader und Robb Flynn – Pic: Mick Hutson/Redferns

Das kommt an und wirbelt wie ein ziemlich brutaler, aber frischer Wind durch die Metal-Welt: Burn My Eyes schafft Platz 25 in Großbritannien, 35 in Deutschland und Top 50 in einigen anderen Ländern; auch in Australien rennt die Band offene Türen ein. Das Rock Hard-Magazin nennt Flynn den „König von Europa“, in Nordamerika allerdings geht erst viel später wirklich etwas. 400.000 Mal wird die Platte in die Läden gestellt und erweist sich als erfolgreichstes Debüt in der Geschichte von Roadrunner, zumindest bis 1999 der (offizielle) Slipknot-Erstling erscheint.

Machine Head touren daraufhin wie bescheuert und bestreiten etwa 1994 das Vorprogramm für ihre Helden Slayer in den USA und Europa. Als sie im nächsten Jahr auf den alten Kontinent zurückkehren, füllen sie die gleichen Hallen bereits als Headliner. Eine Konzertreise in den USA mit Stuck Mojo hingegen erhält wegen maximal dreistelliger Zuschauerzahlen den Spitznamen „Disastour“. Auch den europäischen Festivalzyklus bespielt das Quartett ausführlich, doch Chris Kontos will nicht mit, wird vorübergehend durch Walter Ryan ersetzt und fliegt wenig später raus. Für ihn kommt Dave McClain von Sacred Reich. 

Nach dem Tourzyklus zu Burn My Eyes, der sich über mehrere Jahre erstreckt, machen sich Machine Head an die Arbeit an den Nachfolger The More Things Change (1997). Auf den folgenden beiden Alben (The Burning Red, 1999 und Supercharger, 2001) biegen die Herren dann stilistisch mal hierhin, mal dahin ab und bringen Rap-Vocals, Nu-Metal-Riffs und komische Frisuren ins Spiel, ordentlich auf die Zwölf gibt es immer. Erst Through The Ashes Of Empires stellt den Kurs 2003 wieder auf Metal. The Blackening von 2009 wird sogar als das Master Of Puppets der Neuzeit bezeichnet, aber das sind alles andere Geschichten.

Zum 25. Jubiläum des Albums schließlich kommt es zu einer Dreiviertel-Reunion des Burn My Eyes-Lineups. Man könnte sagen, dass Bandchef Robb Flynn die Ungunst der Stunde ergreift, denn im September 2018 steigen Drummer McClain und Leadgitarrist Phil Demmel (seit 2003 dabei) aus, Bassist Adam Duce war schon 2013 gefeuert worden. Flynn und Duces Nachfolger Jared McEachern kündigen an, den Geburtstag mit einer Tour zu feiern, bei der die Scheibe in voller Länge gespielt werden soll. Mit dabei: Logan Mader und Chris Kontos. 

Machine Head gehören heutzutage zu den großen Bands im Metal, ordentlich etabliert in der zweiten Reihe hinter den Altvorderen Metallica, Iron Maiden, Slayer et al. Man kann sie ansehen als eine der Kapellen, die den Metal der Achtziger, vor allem den Thrash, in die Neunziger und Neuzeit überführt haben. Das liegt vor allem an Burn My Eyes, mit dem Machine Head schon beim ersten Versuch deutliche Spuren hinterlassen können – und headbangenden Gitarristen weltweit ein paar coole Tricks nähergebracht haben. 

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Zeitsprung: Am 8.8.2004 ist bei der Dave Matthews Band die K**ke am Dampfen.

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WMG

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.8.2004.

von Timon Menge und Christof Leim

Im Sommer 2004 tourt die Dave Matthews Band durch die USA. Als die Gruppe in Chicago gastiert, schicken die Musiker ihren Fahrer Stefan Wohl alleine Richtung Hotel. Der kommt auf die Idee, das Busklo über dem Chicago River zu entleeren. Nur fährt unter der Brücke gerade ein Ausflugsschiff…

Hier könnt ihr euch Busted Stuff von der Dave Matthews Band anhören: 

Die Polizei von Chicago staunt nicht schlecht, als sie es am 8. August 2004 mit dem Tourbus der Dave Matthews Band zu tun bekommt. Schlagen sich die Gesetzeshüter im Bezug auf Rockbands üblicherweise mit den typischen „Berufskrankheiten“ wie Drogendelikten oder leichter Körperverletzung herum, hat sich der Fahrer der amerikanischen Jam-Rocker an jenem Tag einen ganz besonderen Fauxpas geleistet, der mehr als 100 Leuten einen echt beschissenen Tag beschert. Leider im Wortsinn… 

Zur Tatzeit befinden sich Dave Matthews und seine Musiker nicht im Bus, Fahrer Stefan Wohl ist alleine unterwegs. Als er sich dazu entscheidet, das Busklo über dem Fluss zu leeren, hat er nicht im Blick, dass gerade das Ausflugsschiff Chicago’s Little Lady unter der Kinzie Street Bridge entlangfährt. Mit voller Wucht erwischt die Ladung die über 100 Touristen.

Für die Betroffenen gibt es auf dem engen Gefährt keine Möglichkeit, dem Sturzbach aus 400 Kilo Fäkalien auszuweichen. Später beschreiben die Passagiere die Masse als „Regen aus faulig riechendem, braungelbem Schlamm“. Als Folge erkranken einige von ihnen, andere müssen mindestens ihre Kleidung entsorgen. „Keiner der Touristen leidet an irgendwelchen Folgeschäden“, stellt Staatsanwalt Robert Egan 2005 im Tribune klar.

Dave Matthews selbst zeigt sich umgehend engagiert und spendet jeweils 50.000 US-Dollar an die Friends Of The Chicago River und den Chicago Park District. „Wir arbeiten eng mit der Stadt zusammen, um all unsere Fragen bezüglich des Zwischenfalls zu beantworten“, erklärt die Band in einem Statement. „Wir möchten jetzt nur, dass der Heilungsprozess beginnen kann.“

Fahrer Stefan Wohl streitet seine Tat zunächst ab. Erst als er mit den Aufnahme einer Überwachungskamera konfrontiert wird, räumt er ein, die Ladung von der Brücke abgeworfen zu haben. Anschließend wird er zu 18 Monaten Bewährung verurteilt, muss 150 Sozialstunden leisten und eine Strafe von 10.000 US-Dollar zahlen. Die Stadt behält den Vorfall als „Poopgate“ in Erinnerung. 

Zeitsprung: Am 4.6.1997 treibt der Leichnam von Jeff Buckley im Mississippi.

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