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Popkultur

Nina Simones „Sinnerman“ – ein Song, der heute so relevant ist wie vor 50 Jahren

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Foto: David Redfern/Redferns/Getty Images

Vor mehr als einem halben Jahrhundert hat Nina Simone mit ihrer Interpretation des Songs Sinnerman einen Meilenstein aufgenommen – dessen Kernaussage leider bis heute nichts an Aktualität eingebüßt hat. Hier erfahrt ihr die ganze Geschichte dahinter.

von J’na Jefferson

Mit bluesgetränkten Balladen, die bewusst spärlich instrumentiert und in klanglichen Pastellfarben gehalten sind, stellt Nina Simones Album Pastel Blues aus dem Jahr 1965 einen krassen Gegenpol zum Vorgänger I Put A Spell On You dar – schließlich hatte sie nur vier Monate zuvor auf vertonte Ausgelassenheit und wuchtigen Big-Band-Sound gesetzt. Im Verlauf des bewusst kurz gehaltenen Albums nimmt Simone gleichwohl kein Blatt vor den Mund, legt den Finger in persönliche und gesamtgesellschaftliche Wunden, indem sie gleichermaßen Herzschmerz (z.B. die Klavierkomposition Ain’t No Use) und das Rassismusproblem in den Vereinigten Staaten (Strange Fruit) thematisiert.

Überhaupt klang Nina Simone selten so beherzt und mutig wie auf Pastel Blues: Sie zerlegt den Blues in seine Einzelteile, nimmt das Grundgerüst und kreiert darauf basierend etwas, das ganz klar ihre Handschrift trägt, nach Nina klingt. Neun Stücke reichen da vollkommen, um zu zeigen, wie sich Freiheitsstreben und Furchtlosigkeit vertonen lassen: Genau genommen ist dieses Album der beste Beweis dafür, dass der Titel „Hohepriesterin des Soul“ nicht nur absolut verdient, sondern in vielerlei Hinsicht treffend gewählt ist.

Während weite Teile ihres Pastel Blues-Albums eher dezent und zurückhaltend arrangiert sind, unterstreicht das große, 10-minütige Sinnerman-Finale Nina Simones Welt- und Weitsicht sowie die immense Bandbreite ihres Sounds: Ihr Hang zu ungewöhnlichen Instrumentierungen ist hier genauso zentral wie ihr Gespür für die richtige Mischung aus Musik und Message.

Die Geschichte des Songs

Sinnerman ist ein traditioneller afro-amerikanischer Spiritual, der vom Exodus, dem zweiten Buch Mose inspiriert ist. Der Song erzählt von einem Mann, der versucht, vor Gott zu fliehen – „the Lamb“ –, um am Tag des Jüngsten Gerichts dann um Vergebung zu bitten, doch vergebens: Kein Mensch kann es schaffen, dem Zorn Gottes zu entkommen. Die früheste Aufnahme des Stücks ist gar nicht viel älter: Erst 1956 verewigte das Les Baxter Orchestra den Sinnerman in seiner modernen Fassung, wobei sich Baxter und sein Kollege Will Holt die Songwriting-Credits teilen. In dieser Urversion, gesungen und gesprochen von Holt und einem Chor, spielen die Akustikgitarre und die Bläser die Hauptrolle.

Zu Beginn ihrer Karriere machte Nina Simone das Stück Sinnerman regelmäßig zum Schlusspunkt ihrer Konzerte im New Yorker Greenwich Village. Keine zufällige Wahl, wie sie später in Peter Rodis’ Dokumentarfilm Nina: A Historical Perspective klarstellen sollte: „Ich will die Leute so sehr aufrütteln, dass sie zerbrochen und richtig fertig sind, wenn sie einen Nightclub nach einem meiner Auftritte verlassen“, so die Sängerin.

Im Verlauf ihrer Sinnerman-Interpretation nimmt Simone, die mit dem Original-Spiritual vermutlich schon als Kind in Kontakt kam – schließlich war ihre Mutter eine „zutiefst religiöse“ Methodistenpredigerin –, den Blues und den Jazz, zwei Genres aus dem Süden der USA, und krempelt damit das ursprünglich im Folk verwurzelte Original vollkommen um. Sie wendet sich lautstark an den Schöpfer, der ihr vergeben soll für ihre Verfehlungen, um dann auf Scat-Gesänge und kollektive Improvisationen mit dem Publikum zu setzen – was an die Rufe, die Field Hollers auf den Plantagen während der Sklaverei erinnert. Der Höhepunkt ist dann nach knapp vier Minuten erreicht: Der musikalische Befreiungsschlag ist dermaßen ekstatisch und treibend, dass selbst die größten Sünder in die Knie gehen dürften. Der Beat prescht voran, eine Rockgitarre bahnt sich den Weg, das Klavier klimpert dazu, und rhythmisches Klatschen überschlägt sich, was dem traditionellen Sinnerman einen modernen Anstrich gibt – und das Stück ganz klar zum Pflichtprogramm in Simones Diskografie macht.

Die Reaktionen auf den Sinnerman

Es sollte zwar Jahrzehnte dauern, bis ihre Version auch in den Charts auftauchte – Platz 25 in der US-Billboard Jazz Digital Songs Jahrescharts 2016 –, doch seine Relevanz und Wirkkraft entfaltete Simones Sinnerman schon lange davor, ganz unabhängig von den Zahlen. Denn wie so viele der zeitlosen Songs von Nina Simone, diente ihre Version immer wieder als Referenzpunkt, oder Teile davon tauchten als Samples auf – etwa in Songs von Talib Kweli, Timbaland oder Hozier. Eine Coverversion von Alice Smith läuft im Abspann der Netflix-Horrorserie Lovecraft Country, die in den USA der Fünfziger spielt, wo ein Afroamerikaner durch die von Jim-Crow-Gesetzen geprägten Staaten fährt und seinen verschwundenen Vater sucht.

Wie die meisten ihrer Songs, erschien auch Sinnerman in einer Zeit, in der die Nation zutiefst zerrissen und aufgewühlt war: Was die Unruhen von 1965 mit den Black-Lives-Matter-Protesten unserer Zeit gemeinsam haben, liegt auf der Hand – eine schmerzlich lange Zeit, in der viel zu wenig passiert ist. Musik dient immer auch als Spiegel des Zeitgeschehens, und gerade Sinnerman zwingt einen als Zuhörer*in, sich genau umzuschauen in der Welt und in sich reinzuhorchen. Im Idealfall sieht Buße so aus, dass man sich ändert, Fehler erkennt und etwas dagegen unternimmt – und gerade Nina Simones Sinnerman erinnert uns daran, dass ein Umdenken und wirklicher Wandel nicht nur wichtig, sondern unvermeidlich sind, wenn man soziale, moralische und politische Wunden heilen will, die mit den Jahren nur noch tiefer geworden sind.

Die musikalische DNA der Pointer Sisters

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Popkultur

Zeitsprung: Am 2.12.1969 nehmen die Rolling Stones drei Klassiker auf.

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Foto: Stroud/Daily Express/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.12.1969.


von Frank Thießies und Christof Leim

Am 02. Dezember 1969 verschlägt es die Rolling Stones auf ihrer US-Tour in die Muscle Shoals Sound Studios nach Alabama. Die drei Songs, die sie dort in nur drei Tagen aufnehmen, fangen nicht nur perfekt den Country-, Blues- und Roots-Vibe des amerikanischen Südens ein, sondern bilden auch den ersten Grundstock an künftigen Klassikern für das im April 1971 veröffentlichte Album Sticky Fingers

Hier könnt ihr euch Sticky Fingers anhören:

Dass die Stones ein ausgemachtes Faible für die musikalische Ursuppe der USA hegen und somit eine große Liebe zu (Rhythm and) Blues, Country und Soul verspüren, hatten sie bereits auf Platten wie Beggars Banquet  (1968) und Let It Bleed (1969) mit ihrer Adaption des Ami-Sounds eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Deshalb wäre es unverzeihlich gewesen, ein paar freie Tage während der US-Tour Ende 1969 nicht zu nutzen, um in den heiligen Hallen des Muscle Shoals Sound Studios Station zu machen.

Der Sound des Südens

Der Mythos des Örtchens Muscle Shoals geht bereits auf die frühen Sechziger zurück, als in den programmatisch benannten FAME Studios Stars wie Wilson Pickett, Percy Sledge, Etta James oder Aretha Franklin etliche Hits einspielen. Begleitet werden sie bei diesen Sessions von einer höchst patenten Backing-Band, der Muscle Shoals Rhythm Section, bestehend aus Keyboarder Barry Beckett (Keyboards), Schlagzeuger Roger Hawkins, Gitarrist Jimmy Johnson und Bassist David Hood (Vater des Drive-By Truckers-Bandleaders Patterson Hood). Diese Koryphäen sollten später auch als die Swampers bekannt und in Lynyrd Skynyrds Sweet Home Alabama mit den schönen Zeilen „Now Muscle Shoals has got the Swampers/And they’ve been known to pick a song or two“ bewundernd besungen werden. 1969 hatten sie just beschlossen, sich selbstständig zu machen und ihr eigenes Tonstudio zu gründen: die Muscle Shoals Sound Studios

Tradition verpflichtet

Als die Stones dort am 2. Dezember aufschlagen, fehlt von Produzent Jimmy Miller jede Spur, weshalb man kurzerhand Swamper Jimmy Johnson als Tontechniker vor Ort verpflichtet. Nachdem sich die Band warmgespielt hat, geht es ans Eingemachte: You Gotta Move, das Cover eines alten Spirituals, welches erst 1965 vom Blueser Mississippi Fred McDowell gecovert wurde, ist in dieser Umgebung natürlich Pflicht.

An den zwei darauffolgenden Tagen schließt sich die Kür an, zunächst in Form des kompositorisch hauptsächlich Mick Jagger zuzuschreibenden Brown Sugar, eine verschmitzt verschwitzte, funkige Ode an Heroin und die holde Weiblichkeit gleichermaßen. Für den finalen Abend der Aufnahmen glänzt Keith Richards mit einem weiteren künftigen Klassiker im Stones-Katalog – dem akustischen Wild Horses

Bis heute eine Reise wert

Während Wild Horses von Keith-Kumpel und Country-Rock-Vorreiter Gram Parsons und dessen Band, den Flying Burrito Brothers, bereits auf deren Album Burrito Deluxe (1970) unorthodoxerweise –  als bis dato unveröffentlichter Stones-Song gecovert wird, soll es noch bis zum April 1971 dauern, bis alle drei Stücke der Südstaaten-Session der Stones in voller Muscle-Shoals-Pracht auf dem Album Sticky Fingers erstrahlen. Nach den Stones machen in den Folgejahren unter anderen noch Rod Stewart, Bob Seger, Lynyrd Skynyrd und die Black Keys in den Studios halt. Und auch nach den Restaurationsarbeiten und der Wiedereröffnung 2017 nehmen in der Hausnummer 3614 Jackson Highway, die tagsüber zur Touristenattraktion und nachts abermals zum Tonstudio mutiert, heute wieder junge Rockhoffnungsträger wie jüngst die Rival Sons oder die Allman Betts Band auf.

Zeitsprung: Am 5.12.1968 feiern die Rolling Stones “Beggar’s Banquet” – mit einer Tortenschlacht.

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Popkultur

Komplex, überraschend, mitreißend: „Octopus“ der Prog-Legenden Gentle Giant wird 50!

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Gentle Giant
Foto: Jorgen Angel/Getty Images

Am 1.12.1972 veröffentlichten Gentle Giant ihr Album „Octopus“ — ein grandioses Werk zwischen Komplexität, Überraschung und Eingängigkeit.

 von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr euch Octopus anhören:

Es gibt Alben, die schwere Geburten sind. Und es gibt Alben, bei denen von Anfang an alles rundzulaufen scheint — die Ideen, der Vibe, die Stimmung im Studio. Als Gentle Giant am 24. Juli 1972 ins Tonstudio gingen, um ihr viertes Album aufzunehmen, war zweiteres der Fall. „Ich erinnere mich, dass wir uns ziemlich sicher fühlten, als wir dieses Album aufnahmen”, erinnert sich  Gitarrist Gary Green in den Liner Notes der Neuauflage des Albums. „Wir hatten einen guten Haufen Melodien und unsere Studiotechnik (besonders die von Ray) wurde mit jeder Platte besser. Wir experimentierten weiter mit Instrumentenkombinationen, Sounds und Effekten und tauschten unsere Ideen mit dem Tontechniker Martin Rushent aus, der unsere verrückten Ideen voll und ganz unterstützte“.

Großes Selbstvertrauen, große Inspiration

Die Inspiration war so groß wie das Selbstvertrauen, die Band brauchte nicht lange, um dorthin zu kommen, wo sie hin wollte: Am 5. August 1972 waren die Aufnahmesessions schon wieder zu Ende. Herausgekommen ist in diesen wenigen, höchst kreativen Tagen dabei eines der komplexesten, vielschichtigsten und bemerkenswertesten Alben der Prog-Geschichte. Wohin die Reise auf Octopus gehen würde, macht bereits der Opener The Advent Of Purge klar. Extrem vielschichtig, vertrackt, überbordend vor Ideen und Richtungen. Octopus geht seinen eigensinnigen Weg zwischen Prog, Jazz und Klassik. Manchmal meint man auch, etwas Folk-Einflüsse durchzusehen. Es setzt auf Gesangsschichtungen, Kontrapunkte und überraschende  Wendungen, auf das Spiel mit Dissonanzen und Brüchen — nur um wenige Sekunden später wieder plötzlich völlig eingängig daherzukommen.

Literarische und philosophische Inspirationen

Natürlich musste das nicht nur musikalisch, sondern auch lyrisch Anspruch und einen roten Faden haben. So ließ man sich von literarischen und philosophischen Werken inspirieren — unter anderem von den französischen Schriftsteller François Rabelais und Albert Camus. Die Band selbst war zufrieden mit dem Ergebnis. „Octopus war wahrscheinlich unser bestes Album, mit Ausnahme von Acquiring the Taste vielleicht“, erklärte Gründungsmitglied und Multiinstrumentalist Ray Shulman einmal.

Zur Genese des Albums erzählt er: „Wir begannen mit der Idee, einen Song über jedes Mitglied der Band zu schreiben. Ein Konzept im Kopf zu haben, war ein guter Ausgangspunkt für das Schreiben. Ich weiß nicht, warum, aber trotz des Einflusses von The Who’s Tommy und Quadrophenia wurden Konzeptalben fast über Nacht plötzlich als langweilig und prätentiös empfunden.“ Dass die Platte Octopus heißt, soll der Ehefrau von Shulmans Bruder und Bandkollegen Phil Shulman geschuldet sein. Die brachte Octopus als Anspielung auf die Zahl acht (die Anzahl der Tracks) und das Wort Opus ins Spiel.

Ein geniales gut gealtertes Werk

Oft ist es bei Alben, die zu jener Zeit als avantgardistisch gelten ja so, dass man Jahrzehnte später bemerkt, dass sie irgendwie schlechter gealtert sind oder anachronistisch klingen. Bei Octopus ist dies nicht der Fall — das kreative Wagnis von Garry Green, Kerry Minnear, Derek, Ray und Phil Shulman sowie John Weathers klingt heute sogar noch überraschend frisch. Octopus quillt nur so über voller musikalischer Abenteuerlust — und klingt bei aller Raffinesse und allem Intellekt nie verkopft. Im Gegenteil: Manchmal, wie in „Dog’s Life“ geht es textlich geradezu leichtfüßig zur Sache.

2015 hat sich Prog-Superstar Steven Wilson der Platte angenommen und den Mix überarbeitet — so erstrahlte Octopus in Wilsons Remix/Remaster noch besserer Soundqualität. Aber in welcher Version auch immer: Octopus ist ein mitreißendes Abenteuer, das im Plattenregal jedes Prog-Fans stehen sollte. Octopus zeigt auch den besonderen Status, den Gentle Giant in der Proggeschichte haben. Sie wurden keine Superstars wie andere ihrer Kollegen und Kolleginnen — leider! — aber gelten als wichtiger Einfluss für viele Bands, die danach kamen.

Eine großartige Platte und eine unbedingte Empfehlung!

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Popkultur

„Happy Xmas (War Is Over)“: Wie der Protestsong zu einem Weihnachtsklassiker wurde

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John Lennon und Yoko Ono

„And so this is Christmas“: Man könnte mit dem Zitieren des Textes hier aufhören und hätte seinem Gegenüber bereits einen Ohrwurm verpasst. Längst ist der Song aus der Feder von John Lennon und Yoko Ono ein Klassiker in Sachen Weihnachts- und Protestsong – normalerweise nicht unbedingt miteinander verwandte Genres.

von Markus Brandstetter

Dabei sah es zumindest bei der Erstveröffentlichung in den USA zunächst nicht danach aus, als hätte man es hier mit einem zukünftigen Klassiker zu tun. Denn als Happy Xmas (War Is Over) am 1. Dezember 1971 in den Vereinigten Staaten erschien, schaffte der Song zunächst nur mäßige Chartplatzierungen. Gut, der Platz drei bei den Billboard Christmas Singles Chart mal ausgenommen. Das hatte einerseits damit zu tun, dass man Weihnachtssongs, zumindest damals, für gewöhnlich mit etwas mehr zeitlichem Vorlauf veröffentlichen sollte, andererseits schien auch die PR-Abteilung nur wenig motiviert.

Erfolg in Großbritannien

In Lennons Heimat Großbritannien sah das schon besser aus. Allerdings dauerte es bis zum Release dort eine ganze Weile. Aufgrund von einem Streit um Publishing-Rechte mit Northern Songs erschien der Song dort erst am 24. November 1972. Happy Xmas (War Is Over)  schaffte es bis auf Platz vier der Single-Charts, die Platte musste bald nachgepresst werden. Zunächst erschien der Song nur als Single, auf einem Album landete er erst 1975 – auf der Compilation Shaved Fish.

Ewiger Klassiker

Aber was macht Happy Xmas (War Is Over) so bemerkenswert und erinnerungswürdig? Den Slogan ansich hatten Lennon und Ono nicht erfunden, der tauchte bereits in anderen Stücken auf – bei The Doors und John Ochs. Lennon und Ono waren zu dem Zeitpunkt bereits bekannte Aktivist*innen, hatten mit den Bed-Ins, bei denen sie im Bett vor Medienvertreter*innen für den Weltfrieden demonstrierten, bereits für weltweite Aufmerksamkeit gesorgt. Lennon und Ono ließen in zwölf großen Städten Plakate mit den Worten „WAR IS OVER! If You Want It – Happy Christmas from John & Yoko“ errichten.

Bei dem Stück trifft eine eingängige, durchaus weihnachtstaugliche Melodie auf Sozialkritik. Diese kommt aber nicht von oben herab, sondern eher mit besorgt-freundlichem, sanft optimistischen Ton. Lennon wollte Kitsch vermeiden, aber die soziale Message in etwas Eingängiges packen. Es war Lennons und Onos Statement gegen den Vietnamkrieg, der noch bis 1975 wütete und viele Opfer fordern sollte. Man könnte sagen, der Song setzte dort an, wo Give Peace A Chance 1969 aufgehört hatte. „And so happy Christmas / For black and for white / For yellow and red ones / Let’s stop all the fights / A very merry Christmas / And a happy New Year / Let’s hope it’s a good one / Without any fears“ heißt es darin. Unterstützt werden Lennon und Ono gesanglich vom Harlem Community Choir, den Lennon für die Aufnahmen leitete.

Eigenleben

Happy Xmas (War Is Over), produziert von Phil Spector, nahm über die Jahre ein Eigenleben an. Es kam immer wieder in die Charts – die höchste Platzierung erfuhr es nach der Ermordung Lennons 1980 mit Platz zwei der britischen Single-Charts (Platz eins ging damals an Imagine). Er wurde tausende Male gecovert – von Celine Dion und Neil Diamond, von Carly Simon und REO Speedwagon, von Laura Pausini und Miley Cyrus, von Jimmy Buffett, John Legend und Jessica Simpson.

Längst gehört Happy Xmas (War Is Over) in den Kanon der Weihnachtsklassiker – und jener der Protestsongs. Man kann den Fokus beim Hören legen wie man möchte. Happy Xmas (War Is Over) funktioniert als nachdenklicher, altruistischer Weihnachtssong, als Statement gegen Krieg – und als ewig gültige und stets nötige Hoffnung, dass sich die Welt vielleicht doch ein Stück bessert.

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„Imagine“: Wie der kontroverse Song von John und Yoko zur Friedenshymne wurde

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