------------

Popkultur

Zeitsprung: Am 21.5.1970 nehmen CSNY „Ohio“ auf, inspiriert von einer Tragödie.

Published on

Foto: Cover

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 21.5.1970.

von Bolle Selke und Christof Leim

Beim Kent-State-Massaker erschießen Nationalgardisten im US-Bundesstaat Ohio ohne ersichtlichen Grund vier Studierende, die gegen den Vietnamkrieg protestieren. Der schreckliche Vorfall schockiert die USA und inspiriert Neil Young zum Song Ohio, einem der bekanntesten Protestsongs der Welt. Am 21. Mai 1970 Jahren nehmen Crosby, Stills, Nash & Young das Lied auf. Hier ist seine Geschichte.

Hier könnt ihr euch das Album So Far anhören:

Die Vorgeschichte: Am 1. Mai 1970, einem Freitag, versammeln sich kurz nach Mittag etwa 300 Studierende der Kent State University außerhalb von Cleveland auf dem grasbewachsenen Campus, um gegen Präsident Nixons Ausweitung des Vietnamkrieges nach Kambodscha zu protestieren. Sie kündigen eine weitere Kundgebung für den 4. Mai angesetzt an. Später in dieser Nacht, nachdem die dreistesten der jungen Leuten Läden in der Innenstadt von Kent zerstören, bittet der Bürgermeister den Gouverneur des Staates Ohio, James Rhodes, um Hilfe. Der holt die Nationalgarde ran, die zweite Instanz der militärischen Reserve der Streitkräfte der Vereinigten Staaten. 

Viel Randale

Am nächsten Abend brennt das sich auf dem Campus befindliche Gebäude des Reserve Officer Training Corps, eines der wichtigsten Rekrutierungsinstrumente der Armee während des Vietnamkrieges. Verantwortlich ist wahrscheinlich eine sehr kleine Gruppe unter den Beteiligten an den Aktionen. Der Republikaner Rhodes wiederum polarisiert stark, indem er die Teilnehmenden der Demo „schlimmer als Braunhemden“ (Nazis) und „kommunistische Elemente“ schimpft und bezeichnet sie als „die schlimmste Art von Menschen, die wir in Amerika beherbergen“.

Neil Young, David Crosby, Stephen Stills und Graham Nash 1970 – Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Am darauffolgenden Montag, dem 4. Mai, wartet die Menge auf die Mittagskundgebung, um gegen die Anwesenheit der Nationalgarde auf dem Campus sowie gegen Nixons Invasion in Kambodscha zu protestieren. Auf Geheiß der Nationalgarde gibt die Universität jedoch ein Verbot der Zusammenkunft bekannt. Die Studis versammeln sich trotzdem – und blicken über ein hügeliges Grün auf eine Phalanx von Soldaten. 

Die Soldaten schießen 13 Sekunden lang

Der Himmel ist wolkenlos, die Frühlingsluft warm und still. Im Laufe des Vormittags beginnt ein Teil der anwesenden Studierendenschaft, mittlerweile an die Tausend Leute, die Armeeangehörigen zu verspotten. Kurz nach Mittag zieht sich eine Gruppe aus der Garde kurz zurück, marschiert ein kurzes Stück in Formation – und schießt 13 Sekunden lang auf die Studierenden. Es werden mindestens 67 Schüsse abgegeben, einige Nationalgardisten verschießen ihr gesamtes Magazin mit acht Projektilen. 

Die Protestierenden sind nicht nur unbewaffnet, die meisten wissen auch nicht, dass die Gewehre der Wachen scharfe Munition enthalten. Vier junge Menschen sterben durch die Schüsse: Allison Krause, Jeffrey Miller, Sandra Scheuer und William Schroeder. Neun weitere werden verletzt. Zwei der Opfer sind völlig unbeteiligt und auf dem Weg zu Vorlesungen, die vier Getöteten sind im Durchschnitt über 110 Meter von den Schützen entfernt. Nach 50 Jahren weiß die Öffentlichkeit immer noch nicht, warum sich die Nationalgardisten umgedreht und geschossen haben.

„Four dead in O-hi-o“

Als Neil Young die verheerenden Bilder des Vorfalls in der Zeitschrift Life sieht, schreibt er, 2.500 Meilen entfernt, das perfekte Lied über das Kent-State-Massaker. Nur drei Wochen nach den Todesfällen, am 21. Mai, nehmen Crosby, Stills, Nash & Young das Stück bereits auf und veröffentlichen es als Single. Das Lied mit dem markanten Refrain „Four dead in O-hi-o“ läuft im Untergrund und Uniradio hoch und runter, während viele größere Sender die Ausstrahlung wegen der Kritik an der Regierung untersagen. Ohio wird zum Schlachtruf einer Generation für den Widerstand gegen die Nixon-Regierung und den Vietnamkrieg.

„Ich wusste, dass Jeff ein Fan von Neil Young war“, schreibt Chrissie Hynde später in ihren Memoiren Reckless: Mein Leben. „Ich war froh, dass Young zu unserem Sprecher, unserer Stimme geworden war. Er hatte großen Anteil daran, dass wir uns aus diesem Schock befreien konnten.“ Hynde, Frontfrau der britischen Rockband The Pretenders, hatte das Kent-State-Massaker persönlich miterlebt. Der Verstorbene Jeffrey Miller war der Freund einer ihrer Freundinnen.

„Das Mutigste, was ich je gehört habe“ 

Selbst heutzutage, im digitalen Zeitalter, stellte es eine Herausforderung dar, eine Single zu schreiben, aufzunehmen, zu mischen, zu mastern und innerhalb weniger Wochen bei einem großen Label zu veröffentlichen. Die Tatsache, dass Crosby, Stills, Nash & Young es in der Vinyl-Ära schaffen, darf man schon  ein kleines Wunder betrachten. Laut Crosby dauert die Aufnahme inklusive der B-Seite Find The Cost Of Freedom gerade mal 24 Stunden. Autor Jimmy McDonough schreibt in seiner Young-Biografie Shakey: „Neil Young hat in zehn Zeilen die Angst, Frustration und Wut der Jugendlichen im ganzen Land eingefangen und sie auf einen schwerfälligen Todesmarsch in der Tonfolge DADGAD gebündelt, der ihre Angst weghämmerte.“ Wem gelten die Frustration und die Wut der US-Jugend? Präsident Richard M. Nixon. 

Die Rückseite der Single-Hülle

Und Neil Young textet: “Tin soldiers and Nixon coming. We’re finally on our own. This summer I hear the drumming, Four dead in Ohio.” Auf Deutsch: „Zinnsoldaten und Nixon kommen. Wir sind endlich alleine. Diesen Sommer höre ich das Getrommel, Vier Tote in Ohio.“ Crosby sagt später, die Tatsache, dass Young Nixons Namen in dem Stück erwähnt, sei „das Mutigste“, was er „je gehört habe“. Schließlich schien es, „als würden diejenigen, die sich gegen Nixon stellten – wie an der Kent State University – erschossen. Neil Young schien überhaupt keine Angst zu haben.“

Lektion gelernt?

Der Komponist selbst hält in den Liner Notes seines Albums Decade, einer 1977 erschienenen Kompilation, fest: „Es ist immer noch kaum zu glauben, dass ich diesen Song schreiben musste. Es ist ironisch, dass ich vom Tod dieser amerikanischen Studenten profitiert habe. Wahrscheinlich die wichtigste Lektion, die jemals an einer amerikanischen Bildungsstätte gelernt wurde.“

Ohio wird im Juni 1970 veröffentlicht und erreicht Platz 14 der Billboard Charts. Auf einem Album taucht der Song nicht auf, sieht man von Compilations und Livemitschnitten ab. Dorian Lynsky nennt in der Zeitung The Guardian (Großbritannien) Ohio das „wohl größte Protestlied: bewegend, unvergesslich und zum perfekten Zeitpunkt erschienen.“

Zeitsprung: Am 30.4.1975 endet der Vietnamkrieg – mit „White Christmas“.

 

Popkultur

Marie Fredriksson wäre 65 geworden: Die Roxette-Sängerin im Porträt

Published on

Marie Fredrikssons HEADER
Foto: Steve Jennings/Getty Images

„"Sie sind der zweitgrößte schwedische Pop-Export, gleich hinter ABBA. Mehr als 30 Millionen Platten haben Roxette im Lauf ihrer jahrzehntelangen Karriere verkauft. Eins der beiden Gesichter der Gruppe: die viel zu früh verstorbene Frontfrau Marie Fredriksson. Sie wurde nur 61 Jahre alt. Das ist ihre Geschichte.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der größten Hits von Roxette anhören:

Zur Welt kommt Gun-Marie Fredriksson am 30. Mai 1958 in der Nähe des schwedischen 200-Seelen-Dorfes Össjö. Als sie vier Jahre alt ist, verkaufen ihre Eltern den Bauernhof der Familie und ziehen in das geringfügig größere Östra Ljungby um. Weitere drei Jahre später stirbt Maries älteste Schwester Anna-Lisa bei einem Autounfall; der Schock in der Familie sitzt tief. „Danach war ich auf mich allein gestellt“, verrät Marie in einem Interview. „Ich war erst sieben Jahre alt.“

Maries Eltern arbeiten Vollzeit, können sich aber keine Kinderbetreuung leisten, weshalb Marie und ihre Geschwister viel Zeit zuhause verbringen. Sie lernen das Notenlesen, singen und üben auf verschiedenen Instrumenten. Dabei spielt auch der Pastor in Östra Ljunby eine zentrale Rolle, der die musikinteressierten Kinder unterstützt. „Ich habe sehr schöne Erinnerungen an Östra Ljungby, sogar nachdem meine große Schwester gestorben war“, erinnert sich Fredriksson. Ihre Musikbegeisterung wird sie nicht mehr verlieren.

Marie Fredrikssons musikalische Anfänge

Als Marie älter wird, entdeckt sie die Beatles, Joni Mitchell und Jimi Hendrix, schreibt sich mit 17 an einer Musikschule ein und komponiert Musik für die Amateurtheaterstücke ihrer Freunde. Das Problem: Keiner aus dem Cast hat einen ähnlichen Stimmumfang wie die junge Musikerin, weshalb sie sich schließlich selbst auf die Bühne stellt. Mit einem Musical, das Fredriksson mitkomponiert hat, tourt die Gruppe durch Schweden — und absolviert sogar einen Auftritt vor dem damaligen Premierminister Olof Palme.

Nach ihrem Abschluss im Jahr 1977 zieht Fredriksson nach Halmstad, wo sie in die Indie-Szene eintaucht und eine Punk-Band gründet — wie man das halt Ende der Siebziger so macht. Die Gruppe heißt Strul und mit ihr feiert Fredriksson ihre erste Erfolge. So spielt sie mit dem Projekt zahlreiche Konzerte und tritt im Fernsehen auf. Zu Beginn der Achtziger ist die Luft raus: Nach einem „desaströsen“ Konzert, das auch noch im schwedischen Radio übertragen wird, lösen sich Strul auf.

Marie Fredrikssons Karriere mit Roxette

Fredrikssons nächstes Projekt heißt MaMas Barn und die Gruppe teilt sich einen Proberaum mit der erfolgreichen schwedischen Gruppe Gyllene Tider. Dort spielt auch ein Herr namens Per Gessle mit — und er soll ein wichtiger Bestandteil von Fredrikssons Leben werden. Zunächst überredet der Gitarrist Fredriksson noch zu einer Solokarriere. Doch 1986 schließen sich die beiden zusammen und gründen eine Band, die Pop-Geschichte schreiben wird: Roxette.

Ob It Must Have Been Love, Listen To Your Heart oder The Look: Im Lauf ihrer jahrzehntelangen Karriere landen Roxette großartige Hits, werden zu Dauergästen in den Charts und feiern auch in Übersee große Erfolge — und das obwohl der amerikanische Ableger der Plattenfirma von Roxette dem schwedischen Duo damals bescheinigt hatte, nicht zum US-Markt zu passen. Sieben Hit-Alben veröffentlichen Roxette von 1986 bis 2001. Doch dann schlägt das Schicksal zu.

Marie Fredrikssons viel zu früher Tod

Als Marie Fredriksson am 11. September 2002 mit ihrem Mann Mikael Bolyos joggen geht, fühlt sie sich plötzlich unwohl. Sie bricht im Badezimmer zusammen, zieht sich dabei eine Schädelfraktur zu und erleidet einen epileptischen Anfall. Nicht „nur“ das: Bei der anschließenden Untersuchung kommt raus, dass sie an einem Hirntumor leidet. Er kann in einer aufwändigen Operation entfernt werden; anstrengende Chemo- und Strahlentherapien sind die Folge. Doch Fredriksson kämpft sich ins Leben zurück.

Gemeinsam mit ihrem Mann nimmt sie neue Musik auf, als eine Art Therapie. Das daraus resultierende Album heißt The Change, erscheint am 20. Oktober 2004 und gerät zu einem vollen Erfolg. „Es waren drei schwere Jahre, aber ich bin gesund“, meldet sich Fredriksson 2005 in einem Interview zurück. Roxette liegen zunächst auf Eis. Das ändert sich im Jahr 2009: Fredriksson und Gessle gehen wieder gemeinsam auf Tour. 2011 erscheint mit Charm School das erste Roxette-Album seit zehn Jahren; drei weitere Folgen.

Im Jahr 2019 wird offensichtlich, dass Fredrikssons Krebserkrankung nicht so besiegt ist wie gedacht. Am 9. Dezember lautet die traurige Nachricht: Marie Fredriksson ist im Alter von gerade einmal 61 Jahren verstorben. Sogar der schwedische König Carl XVI. Gustaf zollt der Sängerin seinen Respekt und sagt: „Für viele Menschen in unserem Land, auch in meiner Familie, ist ihre Musik eng mit Erinnerungen an besonders wichtige Momente im Leben verbunden.“ Sorgen wir dafür, dass die Erinnerung bleibt. Ruhe in Frieden, Marie.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Das sind die 10 ultimativen Roxette-Songs

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 30.5.1980 landet Gary Moores G-Force auf dem Rockplaneten.

Published on

Gary Moores G-Force Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.5.1980.

von Matthias Breusch und Christof Leim

Gary Moores Bandprojekt G-Force wird 1980 als heiße Nummer gehandelt. Aber der „Faktor Mensch“ ist unkalkulierbar. Das in Kalifornien entstandene Album erscheint am 30. Mai 1980 – und bleibt eine Zwischenlandung. Der nordirische Gitarrenhexer setzt seine Welteroberung in Europa fort.

Hier könnt ihr das Album hören:

Am Anfang steht ein großes Missverständnis. Der 27-jährige Gary Moore, seit mehr als einem Jahrzehnt furioser Gitarrist und zunehmend markanter Sänger, verlässt im Juli 1979 abrupt Thin Lizzy während der US-Tour zu die Black Rose und lässt sich in Los Angeles nieder. Dort tut er sich mit dem nur wenig älteren Engländer Glenn Hughes zusammen, der als virtuoser Bassist und Gesangsgenie seit seiner Zeit mit Deep Purple längst ganz oben angekommen ist. Beide sind begabte Songwriter, Moore hat 1978 mit Parisienne Walkways seinen ersten Meilenstein komponiert. Was soll da noch schiefgehen?

Alkohol!

Klären lassen lässt sich die Geschichte nie mehr so ganz, denn Hughes, der 1976 seinen musikalischen Zwillingsbruder und Deep-Purple-Kollegen Tommy Bolin nach dessen Drogentod zu Grabe getragen hat, sieht gesundheitlich zum Ausgang der Siebziger kaum Licht am Ende des Tunnels. Mehr noch: Es bleibt ein permanenter Filmriss, Blackout in Reinkultur. „Die Achtziger sind komplett weg“, erzählt er in späteren – nüchternen – Jahren immer wieder.

Gary Moores G-Force

G-Force 1980 in London: Willie Dee, Gary Moore, Mark Nauseef und Tony Newton. Foto: Fin Costello/Redferns

Nichtsdestotrotz stellt Moore mit Hughes und dem nicht minder vielseitigen Schlagzeuger Mark Nauseef, mit dem er kurzzeitig bei Thin Lizzy gespielt hat, ein Trio zusammen. Diese Mannschaft bekommt noch vor den Aufnahmen seines ersten Albums das Angebot, mit den Shooting-Stars Van Halen auf große Amerika-Reise zu gehen. Die Tour findet statt, aber aus der Besetzung wird nichts. Schon nach den monatelangen Songwriting-Sessions und Proben offenbart sich: Hughes ist nicht in der Lage, eine Konzertreise durchzustehen. Nach einem Streit unter Alkoholeinfluss bricht das Gespann Moore/Hughes auseinander.

Röhren müssen glühen

Aus dem Trio wird ein Quartett. Mark Nauseef, der als umtriebiger Ex-Musikant von The Velvet Underground, der Ian Gillan Band und Ronnie James Dios Startrampe Elf über ein weit gesponnenes Netzwerk verfügt, engagiert zwei alte Bekannte: Keyboarder William Daffern alias Willie Dee unterstützt Gary bei den Vocals, den Bass bespielt Tony Newton, zuvor in Diensten von Jazz-Legende Tony Williams.

Nun weist Gary Moores mit musikalischen Perlen gespickte Laufbahn allerlei stilistische Richtungswechsel auf. Das Album G-Force ist eine frühe Blaupause dieser Kurvenstrecke, wenn auch nicht ohne Charme. Die Single Hot Gossip, wozu auch ein Clip gedreht wird (frech: Poser-Tony mit Doppel-Hals-Bass) schielt auf die Pop-Rock-Charts, You Kissed Me Sweetly hätte auch auf ein ELO-Album gepasst, und I Look At You erweist sich als echtes Fundstück für Liebhaber von Moores monumentalen langsamen Songs.

Die Nummer The Woman In Love mit Saxofon-Einlage erinnert schwer an die Fusion-Zocker The Tubes, Dancin‘  an die dünne Lizzy auf Koks, und mit White Knuckles/Rockin’ And Rollin’  lässt Meister Gary derart die Röhren in seinem Verstärker glühen, dass man nachvollziehen kann, warum die Nummer praktisch der finale Auslöser für seine mitreißende Hard-Rock-Karriere in den Achtzigern gewesen sein muss. Sie gehört für lange Zeit als festes Element in sein Live-Repertoire, was auch das Doppelalbum  We Want Moore! von 1984 eindrucksvoll dokumentiert.

Schnelles Ende

Über die Veröffentlichung des Albums hinaus bleiben G-Force (zu Deutsch: Schwerkraft) lediglich als Liveband vorübergehend eine Einheit. Nach den Ready An‘ Willing-Tour 1980 im Vorprogramm von Whitesnake und den Gigs als Opener der 1981er-Van-Halen-US-Tour zieht Gary weiter: Zunächst als Partner von Greg Lake nach der Auflösung von Emerson, Lake & Palmer, ab 1982 geht dann sein Solo-Stern auf, teilweise basierend auf Ideen, die er bereits mit G-Force im Studio entwickelt hat.

Den Rest der Geschichte kennen wir. In den 1980ern avanciert er mit Nummern wie Out In The Fields, Empty Rooms, Shapes Of Things oder The Loner zum Hexenmeister der Stromgitarre, in den Neunziger zum König des „weißen Blues“. Festlegen lässt er sich jedoch nie. Auch sein experimentelles Album A Different Beat von 1999 gehört mit Songs wie Lost In Your Love in die Abteilung „Zwischenlandung“. Allerdings ohne jedes Missverständnis …

Zeitsprung: Am 26.3.1990 hat Gary Moore immer noch den Blues.

Continue Reading

Popkultur

70 Jahre Danny Elfman: Die 10 legendärsten Stücke des Soundtrack-Hexers

Published on

Danny Elfman
Foto: Mark Von Holden/Variety via Getty Images

Danny Elfman hat die Filmmusik geprägt wie wenige andere. Vom Score der Simpsons bis zu den verhexten Meisterwerken von Tim Burton: Zum 70. Geburtstag des Komponisten hören wir noch mal seine schönsten, genialsten, gespenstischsten Momente.

von Björn Springorum

Über 100 Filme hat Großmeister Danny Elfman in seiner Karriere vertont. Bislang. Als Haus- und Hofkomponist von Tim Burton setzte er dessen gotisch-morbide Schauerwelten musikalisch ebenso perfekt in Szene wie Werke von Sam Raimi oder Gus van Zandt. Vier Oscar-Nominierungen, zwei Emmys und einen Grammy gab es schon dafür. Zu seinem 70. Geburtstag am 29. Mai 2023 lauschen wir noch mal seinen schönsten Spukmelodien und Geisterliedern.

1. The Simpsons Theme (1989)

 Ja, man kennt Danny Elfman eher für dramatische Spuk-Soundtracks voller gotischer Grandezza, doch der Titelsong der berühmtesten Zeichentrickserie stammt auch von ihm. Fun fact: Das ganz zu Beginn gesungene „The Simpsooons“ haben er und seine Freunde eingesungen. Der Legende nach gab es dafür mehr Tantiemen als für das Stück an sich. Gecovert haben das Theme unter anderem Green Day und Weezer.

2. Beetlejuice Intro Theme (1988)

Schon 1988 macht Danny Elfman klar, worum es ihm in seinen Soundtracks geht: Zu Tim Burtons Gruselspaß komponiert er eine ahnungsvolle Horror-Nummer mit den typischen Piano auf Zehenspitzen, den unheilvollen Bläsern und der generellen Stimmung von Mystik, Schalk und Tod. Düster, ja, aber immer mit einem schiefen Grinsen.

3. Batman Main Theme (1989)

Nach eher schrägen Soundtracks irgendwo zwischen gotischem Horror und Fifties-Big-Band wendet sich Danny Elfman für Tim Burtons Batman der dunklen Seite der Klaviatur zu: Sein Main Theme ist ein düster wallendes, dicht orchestriertes Stück voller Streicher und einschüchternder Bläser. Bis heute ein ikonisches Stück Soundtrackgeschichte, das den Oscar verdient hätte.

4. Alice’s Theme (2010)

Tim Burtons Alice In Wonderland ist ein einziger lysergischer Sturz in den Kaninchenbau. Dazu schneidert Danny Elfman in seiner zwölften Zusammenarbeit mit Tim Burton dem Film ein musikalisches Kleid, das perfekter nicht passen könnte: Verwunschen, geheimnisvoll, nicht von dieser Welt. Höhepunkt ist Alice’s Theme, dessen Chöre und Streicher sofort Gänsehaut verursachen.

5. Spider-Man Main Title (2002)

Lange vor dem Marvel-Wahnsinn mit immer mehr verwirrenden Spin-Offs, Sequels und Prequels hat Regisseur Sam Raimi einen bis heute packenden Spider-Man-Reboot vorgelegt. Die Musik zum Film mit Toby Maguire kommt natürlich von Ramis Kumpel Danny Elfman, der seine Trademarks hier um spitze Violinen, majestätische Chöre und ein monumentales Grundgefühl erweitert.

6. Ice Dance (1990) 

Das vielleicht schönste Stück von Danny Elfmans persönlichstem Soundtrack ist das elegische, fragile, wunderschöne Ice Dance. Edward mit den Scherenhänden ist ja eh ein emotionales Meisterwerk, doch gerade durch die Musik wird der Film noch mal auf eine ganz andere, ganz und gar andersweltliche Ebene gehoben.

7. This Is Halloween (1993)

Ein ganz großer Klassiker, nicht nur zu Halloween: This Is Halloween ist einer der Glanzmomente in der Musik von Nightmare Before Christmas, diesem unerreichten Stop-Motion-Meisterwerk. Irgendwo zwischen Gothic-Kabarett und nostalgischem Weihnachtsfest, aber immer mit viel Gefühl. Wie der Film eben.

8. Sleepy Hollow Main Titles (1999)

Tim Burtons Gothic-Horror-Meisterwerk Sleepy Hollow ist ein blutiges Märchen, das in Sachen Ausstattung und Stimmung für immer einen Platz in den Herzen der Cineast*innen einnehmen wird. Die verhexte, beunruhigende, spannungsgeladene Musik von Danny Elfman fasst die entlegenen Wälder Neuenglands und den kopflosen Reiter in die richtigen Töne. Mehr melodramatische Gotik als hier geht definitiv nicht.

9. After Midnight (2002)

Ja, auch an Chicago war Danny Elfman als Komponist beteiligt. Der swingende Bar-Jazz von After Midnight ist ein ziemlich großer Kontrast zu seinen anderen Werken. Und irgendwie auch nicht: Er ersetzt eben einfach mal Streicher und Chöre durch Trompeten und Jazz-Drums, doch das Ergebnis ist immer noch nicht ganz von dieser Welt.

10. Wednesday Main Titles (2022) 

Wenn Tim Burton schon mal eine Serie um einen Spross der Addams Family macht, dann darf sein Freund Danny Elfman natürlich nicht fehlen. Zur erfolgreichsten Netflix-Serie aller Zeiten spendiert er Hauptcharakter Jenna Ortega ein ikonisches Hauptmotiv, das sowohl an die alten Addams-Family-Episoden erinnert als auch modernsten Horrorspuk in Töne fasst.

Bonus: Private Life (1982) 

Einen gibt es noch als Bonus: Bevor Danny Elfman die Kinozuschauer*innen mit seinen Scores verzauberte und verängstigte, spielte er in einer Ska-/Wave-Band namens Oingo Boingo. Dort lebt er sich sehr experimentell aus, singt, spielt Gitarre und schreibt alle Songs. Coole Mucke, keine Frage. Wir sind dennoch nicht böse, dass Elfman dann bald die große Leinwand ins Visier genommen hat.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Die beste Horrorfilm-Musik: 10 Soundtracks mit Gänsehautgarantie

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss