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Popkultur

Zeitsprung: Am 20.8.1949 erblickt Phil Lynott von Thin Lizzy das Licht der Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 20.8.1949.

von Tom Küppers und Christof Leim

Zeit für ein kleines Ratespiel: Wir sagen „Phil Lynott“, was sagt ihr? Wahrscheinlich fällt vielen gleich der Evergreen Whiskey In The Jar von Thin Lizzy ein. Doch damit bildet man nur einen Teil der künstlerischen und persönlichen Facetten ab, die Lynott ausmachten. Er war Musiker, Sänger, Poet, Vater, Komponist. Aber auch ein Junkie, Säufer, Weiberheld und eine tragische Rock’n’Roll-Ikone. Am 20. August würde er seinen Geburtstag feiern. Wir gratulieren mit mindestens einer Träne im Auge.

Hier könnt ihr euch die besten Songs von Thin Lizzy anhören

Einfach gestaltet sich die Welt des kleinen Philip Parris Lynott nicht, als er am 20. August 1949 in West Bromwich in Großbritannien geboren wird. Als Sohn eines dunkelhäutigen Vaters und einer in letzter Konsequenz alleinerziehenden Mutter namens Philomena hat man es in den frühen Fünfzigern nicht leicht. Doch als Philip 1957 nach Dublin zieht, um dort mit seinen Großeltern zu leben, bekommt sein Leben eine andere Wendung. Nicht nur, dass er in der Schule plötzlich zu den Beliebteren zählt, auch musikalisch macht er Bekanntschaft mit den frühen Motown-Singles, eine Erfahrung, die ihn bis ans Ende seiner Karriere prägen wird. 

Die ganz frühen Thin Lizzy. Schon da im Zentrum: Phil Lynott

Mit 16 steigt er dann in seine erste Band ein und erreicht ein paar Jahre später mit Skid Row (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen US-Metal-Kapelle) erste Erfolge. Ende 1969 gründet er Thin Lizzy und entpuppt sich schnell als begnadeter Songwriter. Mit einer Coverversion des irischen Traditionals Whiskey In The Jar gelingt 1973 ein Hit.

Der internationale Durchbruch passiert jedoch erst nach der Hinzunahme der beiden Gitarristen Scott Gorham und Brian Robertson und Volltreffern wie The Boys Are Back in Town. Thin Lizzy werden zur festen Größe im harten Rock und brillieren mit unverwechselbaren Harmoniegitarren, brillant-poetischen Texten und immer wieder durchscheinenden irisch-keltischen Einflüssen. Daneben veröffentlicht Lynott schon 1974 seinen ersten Gedichtband Songs For While I’m Away, welches nach seinem Tod in erweiterter Form wiederveröffentlicht wird.

Rockbands leben in den Siebzigern durchaus turbulent, und natürlich stellen Lynott und Thin Lizzy keine Ausnahme dar. Drogen, Frauen und Alkohol sind allgegenwärtig, Phil muss sogar eine Tournee wegen einer Hepatitis-Erkrankung absagen. Die Plattenfirma zeigt sich nicht erfreut über skandalträchtige Meldungen in der Presse und die ständigen Besetzungswechsel in der Band. Doch Lynott hat seine ganz eigene Taktik entwickelt, um dem entgegenzuwirken.

So betritt er einmal die Konzernzentrale seiner Geschäftspartner und hat Dutzende Rosen dabei, die er jeder einzelnen Mitarbeiterin in die Hand drückt und sie regelrecht becirct. Dass währenddessen seine Freundin (und spätere Ehefrau) Caroline sowie die Töchter Sarah und Cathleen zuhause warten: Nebensache. 

Der Chef bei der Arbeit: immer alles geben.

Mit dem fantastischen Black Rose: A Rock Legend setzt Lynott dann 1979 seiner irischen Heimat ein Denkmal und liefert eine seiner lyrischen und musikalischen Glanzleistungen ab. Doch danach geht es bergab. Der kommerzielle Erfolg schwindet, Drogeneskapaden zerrütten das Bandgefüge und vor allem die Gesundheit der Akteure: Thin Lizzy lösen sich 1983 nach ihrem letzten Konzert in Nürnberg auf. 

Thin Lizzy nehmen Abschied – Pic: Harry Potts/Wiki Commons

Lynott selbst ist mittlerweile bei Heroin angekommen und ignoriert sämtliche Warnzeichen seines Körpers, so gut sie auch jeder andere wahrnehmen kann. Trotz dieses Verfalls bringt er – schon während der Thin-Lizzy-Zeit – mehrere beachtliche Alleingänge zustande, etwa sein erstes Album unter eigenem Namen (Solo In Soho, 1980) oder die Kollaborationen mit Ex-Lizzy-Kollege Gary Moore namens Parisienne Walkways (1978) und Out In The Fields (1985). Im Ende 1985 tritt er mit seiner aktuellen Single Nineteen noch mehrfach im Fernsehen auf, doch am 25. Dezember kollabiert er in seinem Haus in Kew und verstirbt am 4. Januar 1986 im Alter von nur 36 Jahren an den Folgen seiner Exzesse. 

Dass Lynott die irische Musikszene revolutioniert hat und einer der größten irischen Rockstars aller Zeiten ist, hat man leider erst nach seinem Tod erkannt. Heute zählt er zum lieb gewonnenen Kulturgut des Landes. 2005 wurde dank tatkräftiger Initiative seiner Familie in unmittelbarer Nähe zu einem seiner Lieblingspubs eine Statue enthüllt, seit 1987 gibt es ein jährliches Vibe For Philo-Gedächniskonzert in Dublin, sogar Ausstellungen wurden Lynott inzwischen gewidmet. Auf die lange angekündigte Verfilmung seines Lebens müssen Fans allerdings noch etwas warten. Aber die Geschichte von Phil Lynott muss einfach noch weiter erzählt werden.


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