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Popkultur

Zeitsprung: Am 1.9.2010 startet Apple das Musiknetzwerk Ping. Wer kennt es noch?

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Steve Jobs stellt „Ping“ vor - Foto: Ryan Anson/AFP via Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 1.9.2010.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

„Facebook und Twitter treffen auf iTunes“: Am 1. September 2010 bringt Apple mit iTunes Ping ein eigenes soziales Netzwerk an den Start, das Steve Jobs in der jährlichen Apple Keynote mit Pauken und Trompeten ankündigt. Doch das Projekt steht von Beginn an unter keinem guten Stern und geht nur zwei Jahre später sang- und klanglos unter. Was ist da passiert? 

Seht euch hier Steve Jobs Ankündigung zu Ping auf der Apple Keynote 2010 an: 

Ein soziales Netzwerk, das Fans mit Musikerinnen und Musikern verbindet: In der Theorie klingt iTunes Ping gar nicht schlecht. Doch schon vor dem Start bahnen sich erste Probleme an. Allein der Titel des Netzwerks sorgt für Verwirrung: Ein Hersteller für Golfausrüstung hält die Rechte des Namens und muss erst eine Vereinbarung mit Apple eingehen, damit der das neue Apple-Baby überhaupt so heißen darf. Der Wortgebrauch in der Internetgemeinde verankert das Verb „to ping“ gedanklich außerdem fest mit einer technischen Prüfung der Datenübertragung. Nicht die besten Voraussetzungen für Apple. 

Viel Wind um nichts?

Doch bei der jährlichen Apple Keynote ist von solchen Schwierigkeiten keine Rede. Steve Jobs preist stattdessen fleißig die Vorzüge des großen neuen Features in iTunes 10 an: Man kann auf Ping sowohl anderen Menschen als auch Bands folgen, ihre Lieblingsmusik teilen und Beiträge verfassen. Letztere erscheinen in einem News-Feed, der an den von Facebook anlehnt. 

Der Apple-Chef bezeichnet Ping als Mischung aus „Facebook und Twitter, die auf iTunes treffen“, jedoch auch als „etwas anderes: Es dreht sich alles um Musik.“ Zunächst sieht es gut aus für Ping: Innerhalb kürzester Zeit hat der Dienst mehr als zwei Millionen neue Abonnements zu vermelden.

Prominente Fürsprache

Unterstützen lässt sich Steve Jobs bei seiner Präsentation unter anderem von Pop-Queen Lady Gaga , die Ping in einer Videobotschaft vorstellt. Coldplay-Frontmann Chris Martin beschließt das Event mit einer Darbietung seiner Hits Viva La Vida und Yellow

All das Getöse kann jedoch nicht über die Schwächen hinwegtäuschen: Neben der Tatsache, dass das soziale Netzwerk inmitten der iTunes-Oberfläche schlichtweg optisch untergeht, dient es auch im Gegensatz zur Konkurrenz nicht wirklich dem sozialen Austausch. Vielmehr soll Ping den Verkauf von iTunes-Titeln unterstützen.

Dem Untergang geweiht

Das rigorose Filtern von „unangebrachten“ Inhalten (darunter zum Beispiel auch schwulen- und lesbenfreundliche Beiträge von Leuten wie Lady Gaga) tut sein Übriges, um der Allgemeinheit den Spaß an der Plattform zu nehmen. Der größte Fehler liegt jedoch woanders: Beim Start zeigt Steve Jobs zunächst eine Demoversion, die die Integration von Facebook beinhaltet, eine Kooperation mit einem Social-Media-Giganten also, die maßgeblich zum Erfolg des neuen Netzwerks beitragen soll. Doch in letzter Minute platzt die Vereinbarung. Auf die Facebook-Funktionen wartet man bis zum Schluss vergeblich. 

Unmengen an Spam und Fake-Accounts von vermeintlichen Bands, Künstlern und Künstlerinnen geben dem sozialen Netzwerk den Rest. Am 30. September 2012 wird Ping von Apple eingestampft

Zeitsprung: Am 27.6.1994 bieten Aerosmith den ersten Download-Song an.

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