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Popkultur

Rock And Roll Circus: Ein Blick hinter die Kulissen des wilden Stones-Spektakels

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Michael Randolph

Die Idee, etliche Größen der Musikwelt in einem Zirkuszelt zusammenzubringen und das ganze Spektakel zu filmen, hatten Mick Jagger und der Regisseur Michael Lindsay-Hogg. Ein einzigartiges Unterfangen, das im Dezember 1968 unter dem Titel The Rolling Stones Rock And Roll Circus Musikgeschichte schreiben sollte. Der Mitschnitt, der ursprünglich für ein einstündiges Weihnachtsspecial der BBC gedacht war, blieb jahrelang unveröffentlicht und galt zwischenzeitlich sogar als verschollen – bis 1996 erstmals eine restaurierte Version davon auftauchte.

von Martin Chilton

Der Regisseur Lindsay-Hogg hatte sich zuvor schon mit der Musiksendung Ready Steady Go! einen Namen gemacht, und Jagger war Fan seiner Arbeiten. „Michael und ich hatten nun diese Idee, wobei es im Grunde darum ging, verschiedene Acts aus der Musikwelt mit Zirkuseinlagen zu kombinieren – um das Ganze einfach außergewöhnlich und surreal wirken zu lassen. Die Musiker sollten aus möglichst unterschiedlichen Ecken kommen“, so Jagger, der die Auswahl zusammen mit dem Regisseur traf.


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The Rolling Stones hatten kurz zuvor ihr Beggars Banquet-Album veröffentlicht, und nun wollten Jagger & Co. also die wichtigsten Kollegen ihrer Zunft zusammentrommeln: Auch Bands wie Traffic und Cream erhielten eine Einladung – konnten jedoch nicht teilnehmen, weil sie sich kurz davor auflösen sollten. Die Liste der Teilnehmer ist deshalb nicht weniger beeindruckend: Unter anderem waren The Who, John Lennon, Yoko Ono, Eric Clapton, Taj Mahal, Jethro Tull und Marianne Faithfull mit von der Partie.

Vorbereitungen, Proben und der eigentliche Dreh

Vor dem Drehbeginn am 11. Dezember 1968 ging es hektisch zu in London: Proben und Testläufe fanden an drei Locations statt (Marquee Club, Olympic Sound Studios und Londonderry House Hotel). Auch wurden in letzter Minute noch Songs von der Setlist gestrichen – so z.B. eine Version von Peggy Sue (Buddy Holly), die eigentlich Lennon, Jagger und Clapton zusammen präsentieren sollten. Als Kameramann setzte Lindsay-Hogg auf Tony Richmond, der danach unter anderem den Horrorklassiker Wenn die Gondeln Trauer tragen oder auch Der Mann, der vom Himmel fiel mit David Bowie drehen sollte. Um die ganze Wucht des Rock And Roll Circus festzuhalten, verwendete Richmond die neueste Kameratechnologie, ein französisches Fabrikat, 16mm Film. Den Sound fingen Glyn Johns und Jimmy Miller mit der mobilen Einheit des Olympic Studios ein. Auch Kostüme mussten natürlich haufenweise genäht werden – dafür war John McKenna verantwortlich.

Der Dreh selbst fand schließlich in den Studios von InterTel im Stonebridge House in Wembley statt. Als Publikum dabei: Mitglieder des Stones-Fanclubs, glückliche Gewinner*innen einer NME-Verlosung und auch ein paar Hells Angels-Jungs aus den Staaten, die sich gerade in England aufhielten.

„Bringt den wahnsinnigen Optimismus einer Ära zum Ausdruck“

Das Studioinnere wirkte wie eine Zirkusmanege, in der neben den Musikern auch Artisten von Sir Robert Fossetts Circus auftraten – u.a. Trapezkünstler, Feuerspucker, Clowns und Akrobaten. Auch ein Tiger und ein boxendes Känguru waren dabei. Eigentlich sollte nur am 11. Dezember gedreht werden, aber erst am nächsten Tag um fünf Uhr morgens gingen die Kameras wieder aus. Inklusive Umbauten dauerte das Spektakel somit rund 15 Stunden. „Ja, die Clowns und die Stones kamen gut miteinander aus“, erinnert sich Lindsay-Hogg, heute 78, in einem aktuellen Interview mit der L.A. Times.

Photo: Michael Randolph

„Auch im Backstage-Bereich war’s fantastisch“, erzählt er weiter. „Sie alle saßen zusammen in einem Raum: John Lennon, Mick Jagger, Pete Townshend, Eric Clapton. Und spielten den Blues mit Gitarren und Mundharmonika. Keith Moon spielte mit Löffeln auf der Tischkante.“

Noch spektakulärer sah es auf der Bühne aus: ausgefallene Outfits, lässige Sprüche, klassischer Sixties-Sound. Auch die Supergroup The Dirty Mac, bestehend aus Lennon, Richards, Clapton und dem Jimi-Hendrix-Schlagzeuger Mitch Mitchell, hatte an jenem Tag ihren einzigen Auftritt vor Publikum. Eine Show zum Ausrasten. „Der Rock And Roll Circus bringt den wahnsinnigen Optimismus einer Ära zum Ausdruck“, schrieb der verstorbene David Dalton hinterher, ein Augenzeuge, der damals live miterlebte, was erst vor wenigen Monaten die Besucher abermals in die US-Kinos locken sollte – und nun auch als Deluxe-Edition in den Handel kommt.

The Rolling Stones Rock And Roll Circus: Wer alles dabei war und was in der Show genau passierte

11. Dezember 1968, 14 Uhr: Die einleitenden Worte von Mick Jagger

Um Punkt 14 Uhr trat Mick Jagger in die Manege. Natürlich als Zirkusdirektor – mit roter Jacke und Zylinder. „You’ve heard of Oxford Circus“, holt er aus, wirft dann noch den Piccadilly Circus in den Raum, um dann bei der größten aller Zirkusshows anzukommen: „… and this is The Rolling Stones Rock And Roll Circus…

Einzug der Gladiatoren/Sir Robert Fossetts Circus

Nach Jaggers Abgang ist eine Minute lang die Aufnahme eines Triumphmarschs zu hören: Der „Einzug der Gladiatoren“, geschrieben im Jahr 1897 vom Tschechen Julius Fučík. Tatsächlich marschierten derweil die Vertreter von Sir Robert Fossetts Zirkustruppe ein – u.a. zwei „Kleinwüchsige“ und der Muskelmann Milton Reid.

Der Moment, als Jethro Tull Elvis einen Korb gaben

Jethro Tull

Weiter ging’s mit der erst kurz davor gegründeten Band Jethro Tull aus Blackpool. „Der erste Act des Abends ist…“, holte Jagger aus, woraufhin Yoko Ono rief: „Yethro Tull!“ Der Song: Eine grandiose Version von A Song For Jeffrey inklusive Flötenintro und einem Ersatzmann (Tony Iommi von Black Sabbath). Offensichtlich von den Artisten inspiriert, spielte Ian Anderson seine Flöte übrigens auf einem Bein stehend – was allerdings so aussah, als könnte er jeden Moment umkippen und auf der Nase landen.

The Who

Keith Richards stellte The Who mit den Worten „And now, ladies and gentlemen, dig The Who“ vor. Die Band – bestehend aus Pete Townshend, Keith Moon, John Entwistle und Roger Daltrey – gab daraufhin alles und präsentierte eine verspielte Version ihrer Mini-Oper A Quick One, While He’s Away, inklusive jenem Mittelteil, mit dem sie sich vor dem zugfahrenden Ivor the engine driver verneigen.

Photo: Michael Randolph

Over The Waves

Weiter ging’s mit einer Aufnahme des beliebten mexikanischen Walzers Sobre Las Olas/Over The Waves, der schon im 19. Jahrhundert von Juventino Rosas komponiert wurde und später unter anderem als Gitarrenversion von Willie Nelson Weltruhm erlangen sollte. Die Stones brauchten genau genommen nur einen 45-sekündigen Ausschnitt als musikalisches Zwischenspiel, während die Zirkusleute die Bühne umbauten.

Taj Mahal

Der nächste große Act war der US-Bluesmusiker Taj Mahal, der ganz ohne Vorstellung auf die Bühne kam. Flankiert wurde der Sänger und Gitarrist von dem Bassisten Gary Gilmore, Schlagzeuger Chuck Blackwell und Gitarrist Jesse Ed Davis. Zunächst spielten sie eine Version des 1966 komponierten Stücks Ain’t That A Lot Of Love (aus der Feder von H. Banks und W.D. Parker), das sie erst kurz zuvor aufgenommen hatten, woraufhin Taj Mahal auch noch eine Version von Checkin’ Up On My Baby von Sonny Boy Williamson zum Besten gab – die jedoch im finalen Mitschnitt nicht mehr auftauchen sollte.

Marianne Faithfull

Stones-Schlagzeuger Charlie Watts hatte die Ehre, „die schöne Miss Marianne Faithfull“ vorzustellen, die in jenen Tagen Jaggers Freundin war. Die Sängerin, die in einem bodenlangen Satinkleid auftrat und während der Performance Jaggers Hand hielt, sang die Ballade Something Better, geschrieben von Gerry Goffin und Barry Mann, wobei sie von einem Instrumental vom Band begleitet wurde. Produzent der Single war übrigens ebenfalls ihr Freund Mick.

Feuerschlucker & Supermodel

Den nächsten Act stellte Keith Richards vor: Danny Kamara, ein bekannter Feuerschlucker aus London. Seine „Assistentin“ war Donyale Luna, jene Schauspielerin, die es wenige Jahre davor als erstes farbiges Model aufs Cover der britischen Vogue geschafft hatte.

The Dirty Mac

Beatles-Star John Lennon und Mick Jagger scherzten während der nächsten Bandankündigung: sich selbst nannte Lennon „Winston Leg-Thigh“, seinen Stones-Kollegen „Nigel“. Er sei zudem drauf und dran, gleich mit „deinem eigenen Soul-Brother Keith Richards“ aufzutreten…

Den Namen The Dirty Mac soll Lennon angeblich in Anlehnung an Fleetwood Mac gewählt haben. Die Supergroup, die nur dieses eine Mal zusammenkam, bestand neben ihm aus Keith Richards (Bass), Eric Clapton (Leadgitarre) und Mitch Mitchell (Schlagzeug), der sonst Mitglied von The Jimi Hendrix Experience war. Neben Lennon (ganz in Jeans) war Mitchell mit seinen glatten blonden Haaren kaum zu erkennen. Ihr Song: Yer Blues vom grandiosen White Album der Beatles, das kurz zuvor erschienen war.

Yoko Ono

Lennon, der auch im Gaukler-Outfit auftrat, stand gleich danach noch einmal mit seiner Partnerin Yoko Ono auf der Bühne. Die japanische Künstlerin tauchte aus einer überdimensionalen schwarzen Tasche auf – als Hexe, ebenfalls ganz in schwarz, mit spitzem Hut. Das Set war improvisiert: Eine fünf Minuten lange Version von Whole Lotta Yoko (auch als Her Blues bekannt), wobei sämtliche Mitglieder von The Dirty Mac aushalfen. Dazu spielte auch der Geigenvirtuose Ivry Gitlis mit.

12. Dezember 1968, 2 Uhr früh: The Rolling Stones

Es war schon knapp zwei Uhr in der Früh, als John Lennon mit den Worten „And now…“ dazu ausholte, die Stones anzukündigen. Die legten direkt los mit Jumpin’ Jack Flash, und nachdem Lennon zusammen mit Ono zwischenzeitlich der BBC ein Interview gegeben hatte, waren beide am Schluss des Sets wieder da: Neben Parachute Woman und No Expectations spielten Jagger & Co. auch die erste gefilmte Live-Version von You Can’t Always Get What You Want.

Für den Gitarristen Brian Jones, der etwas benommen wirkte, während er die Slide-Gitarre zu No Expectations besteuerte, war es der letzte Auftritt mit den Stones. Und obwohl auch das Publikum nach dem inzwischen knapp 15-stündigen Zirkus-Marathon an diesem Punkt kaum noch Energiereserven hatte – „Die Leute waren radikal-festlich drauf, als die Stones auf die Bühne gingen“, sagte Pete Townshend später –, brachte Jagger die Leute noch ein weiteres Mal zum Ausrasten, indem er während Sympathy For The Devil seinen Oberkörper entblößte und ein aufgeklebtes Luzifer-Tattoo präsentierte.

Den Schlusspunkt des Sets, das nach drei Stunden im Kasten war, markierte eine ausgelassene Mitsingversion von Salt Of The Earth, bei der auch Bill Wyman (Bass), Nicky Hopkins (Klavier) und Rocky Dzidzornu (Percussion) mitwirkten und alle durchs Publikum liefen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.2.1998 kommt Falco bei einem Autounfall ums Leben.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.2.1998.

von Christof Leim

“Österreichs einzigen Popstar von Weltrang” hat ihn einmal jemand genannt: Hans Hölzel alias Falco. Am 6.2.1998 stirbt er bei einem Autounfall in Übersee.

Hier könnt ihr euch die Greatest Hits von Falco anhören:

Falco kommt als Johann „Hans“ Hölzel 1957 in Wien zur Welt. Schon früh wird eine hohe musikalische Begabung und sogar ein absolutes Gehör festgestellt. Anfangs spielt er Gitarre, später dann Bass in Jazz-Bands. Ein Musikstudium am Wiener Konservatorium lässt er nach einem Semester links liegen, um „richtiger Musiker“ zu werden. Anfang und Mitte der Achtziger fährt Falco dann fette Erfolge ein mit Songs wie Der Kommissar und Jeanny. Rock Me Amadeus schaffte es sogar als einziges deutschsprachiges Lied an die Spitze der US-Charts. In den Neunzigern wird es jedoch sehr still um den Musiker.

Kurz vor der musikalischen Rückkehr

Doch 1998 nimmt er ein neues Album namens Out Of The Dark (Into the Light) auf. Angeblich hört er es vor seinem Tod über eine Stunde in seinem Auto, um die Reihenfolge der Songs zu bestimmen. Damals hält er sich gerade in Dominikanischen Republik auf. Gegen 16:40 Uhr an jenem 6. Februar verlässt der Sänger ein Restaurant namens Turist Disco, das an einer Straße zwischen den Städten Villa Montellano und Puerto Plata liegt. Als er vom Parkplatz fährt, kracht ein Reisebus ungebremst mit 100 km/h in seinen schwarzen Mitsubishi Pajero-Geländewagen. Der Musiker stirbt sofort, zwei Wochen vor seinem 41. Geburtstag. 

Bei der Obduktion stellt sich heraus, dass Falco nicht nur mit einem Blutalkohol von 1,5 Promille unterwegs war, sondern auch Kokain und Cannabis konsumiert hatte. Ein tragisches Ende für „Österreichs einzigen Popstar von Weltrang“, wie einmal genannt wurde. Out Of The Dark (Into the Light) erscheint am 27. Februar 1998, drei Wochen nach seinem Tod, und erreicht in Deutschland, Österreich und der Schweiz die obersten Plätze der Charts.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 5.2.1935 kommt Alex Harvey zur Welt.

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Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.2.1935.

von Timon Menge und Christof Leim

Besonders geradlinig verläuft die Karriere von Alex Harvey und seiner Sensational Alex Harvey Band nicht. Dennoch gehört der schottische Musiker zu den bekannteren Gesichtern der britischen Rockmusik der Siebziger. Heute hätte er Geburtstag gefeiert. 

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Alex Harvey anhören: 

Das Licht der Welt erblickt Alexander James Harvey am 5. Februar 1935 in einem Arbeiterstadtteil von Glasgow. Bevor er seinen Weg als professioneller Musiker einschlägt, jobbt er unter anderem als Kellner und als Dachdecker. Zeitweise graviert er sogar Grabsteine. Zu Beginn der Fünfziger begeistert er sich für Dixieland-Jazz und Skiffle, bevor er ab 1954 selbst die Bühnenbretter betritt.

Im Vorprogramm der Beatles

Ab 1958 reist Harvey mit seiner Big Soul Band durch England und Deutschland. Schnell entwickelt er sich zu einem der Aushängeschilder der britischen R&B-Szene, obwohl er auch Rocksongs zum Besten gibt. So spielt er am 20. Mai 1960 mit seiner Big Beat Band im Vorprogramm von Johnny Gentle And His Group. Hinter dem Kürzel „His Group“ verbirgt sich niemand Geringeres als die späteren Beatles, die zu jener Zeit noch aus John Lennon, Paul McCartney, George Harrison, Stuart Sutcliffe und Tommy Moore bestehen. Es handelt sich um den ersten Termin einer siebentägigen Schottland-Tour.

Hier tourt Alex Harvey mit. Eigentlich heißen die Beatles zu jener Zeit aber noch The Silver Beetles. Wer hat George sofort erkannt?, Foto: Buchcover

Gegen Ende der Sechziger versucht er es als Solokünstler, doch der Durchbruch bleibt aus. Der folgt dann zu Beginn der Siebziger, nach einem kleinen Umweg als Session-Musiker für die Londoner Inszenierung des Musicals Hair. Denn jetzt gründet er die Sensational Alex Harvey Band.

Die großen Erfolge

Mit der Gruppe bleibt Harvey während der gesamten Siebziger erfolgreich, steigt von 1976 bis 1978 allerdings kurzzeitig aus. Schon auf dem Debüt Framed (1972) liefert die Band Granaten wie Midnight Moses und den Titelsong Framed aus der Feder des Songschreiber-Duos Jerry Leiber und Mike Stoller ab. Zeitgleich erobert der Glam Rock das Vereinigte Königreich und später auch den Rest Europas. Harvey und seine Mitmusiker greifen den Stil auf. So entdeckt er zu jener Zeit sein legendäres, schwarz-weiß-gestreiftes Shirt. Gitarrist Zal Cleminson setzt noch einen drauf und tritt in Pantomime-Schminke und gelb-grünem Overall auf.

Mit einer Coverversion des Tom-Jones-Songs Delilah landet die Band 1975 einen Top-Ten-Hit, auch der Song The Boston Tea Party (1976) feiert große Erfolge. 1978, kurz nach Harveys Rückkehr, erscheint mit Rock Drill das letzte Album der Band. Im Anschluss veröffentlicht er zwei weitere Soloplatten und geht ab 1979 wieder auf Tour. Doch leider stirbt Alex Harvey am 4. Februar 1982 einen Tag vor seinem 47. Geburtstag an Herzversagen. Er hinterlässt zwei Söhne, einen aus jeder seiner beiden Ehen.

Zeitsprung: Am 9.1.1975 endet die Geschichte der Beatles offiziell

 

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Popkultur

10 Songs von Alice Cooper, die man kennen sollte

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Alice Cooper
Foto: Grant Lamos IV/Getty Images

Schock-Schminke, Schauer-Schlangen und schreckenerregende Songtexte: Alice Cooper hat den Schockrock zwar nicht erfunden, doch er hat ihn als erster auf die Spitze getrieben. Seit knapp 60 Jahren steht er nun auf der Bühne. Diese zehn Songs gruseln uns bis heute — auf die gute Art!

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Alice Cooper anhören:

Ob Vincent Damon Furnier schon bei seiner Geburt am 4. Februar 1948 geschminkt war, ist nicht überliefert — doch wir gehen davon aus. Die Geschichte seiner ersten großen Band Alice Cooper reicht bis ins Jahr 1964 zurück. „In der Highschool haben uns alle gehasst“, erinnert er sich in einem Interview mit der Schweizer Illustrierten. „Sehr lange Zeit mochte uns wirklich niemand.“ Das ändert sich Anfang der Siebziger, denn mit ihrer Single I’m Eighteen gelingt Alice Cooper der Durchbruch. In Windeseile erobert die Gruppe die Musikwelt; ab Mitte der Siebziger spielt Furnier seine Rolle als Alice Cooper solo weiter. „Ich wollte einen Charakter spielen, der so ist, wie ich mir den besten Rockstar aller Zeiten vorstelle“, erzählt er. „Also habe ich Alice so kreiert, wie ich das wollte: ein bisschen böse, lustig, total gruselig, aber auch elegant. Alice ist mein allerliebster Rockstar.“ Unserer auch! Das sind seine zehn besten Songs.

1. I’m Eighteen (1970)

„I’m eighteen and I like it“ — Selten wurde die Volljährigkeit mit mehr Begeisterung besungen. Ursprünglich handelte es sich bei I’m Eighteen um eine achtminütige Jam-Session, doch Produzent Bob Ezrin überredete Alice Cooper dazu, den Song auf drei Minuten einzudampfen. Zum Glück — acht(zig)minütige Jam-Sessions gab es in den Sechzigern nun wirklich genug.

2. Under My Wheels (1971)

Bei Under My Wheels handelt es sich um die erste Single vom vierten Alice-Cooper-Album Killer (1971). Seitdem hat er das Stück auf wirklich jeder(!) Tour zum Besten gegeben, weshalb Under My Wheels Platz drei von Coopers meistgespielten Live-Songs belegt. 1988 nahm Cooper die Nummer übrigens noch einmal auf, und zwar mit Guns N’ Roses. Im Gegenzug ist Cooper auch in The Garden von Use Your Illusion I zu hören.

3. School’s Out (1972)

Keinen Song hat Alice Cooper häufiger live gespielt: Mehr als 2.900(!) Mal war School’s Out auf den Konzerten des Schockrockers zu hören, also quasi acht Jahre lang jeden Tag einmal. Dass Cooper und sein Publikum so viel Freude an dem Stück haben, überrascht nicht. Schließlich hat er selbst einmal gesagt: „Die beiden schönsten Zeiten des Jahres sind der Weihnachtsmorgen und der Beginn der Sommerferien.“

4. No More Mr. Nice Guy (1973)

Wer hinter diesem Titel Autobiografisches vermutet, ist auf dem richtigen Weg. In No More Mr. Nice Guy beschäftigt sich Cooper mit den Reaktionen der Kirchengruppe seiner Mutter auf seine mitunter okkult-gruseligen Bühnenauftritte. „Jetzt gibt es keinen Weg zurück“, meint er mit dem Titel. Gut so! Was hätten wir in den vergangenen Jahrzehnten bloß ohne unsere Tante Alice gemacht.

5. He’s Back (The Man Behind The Mask) (1986)

Ganze 13 Jahre liegen zwischen dem vierten und dem fünften Song unserer Liste. 13 Jahre, in denen Alice Cooper erfolgreich solo durchstartete, aber auch heftig abstürzte. An manche seiner Alben aus den Achtzigern kann er sich aufgrund seines Drogen- und Alkoholkonsums noch nicht einmal erinnern. Dieser Titel passt also zu seinem Mini-Comeback 1986 — und zum Soundtrack des Films Freitag der 13. Teil VI – Jason lebt.

6. Poison (1989)

Wann immer es um die größten Rockhymnen aller Zeiten geht, darf dieser Song nicht fehlen. In den Achtzigern hatte sich Alice Cooper durch seine Alkohol- und Drogeneskapaden beinahe selbst ins Aus geschossen, doch mit seinem 18. Studioalbum Trash gelang ihm der große Sprung zurück in den Mainstream. Bis heute handelt es sich um seine erfolgreichste Platte — und das nicht zuletzt aufgrund großer Hits wie Poison.

7. Bed Of Nails (1989)

Auch Bed Of Nails stammt von Coopers Über-Album Trash und geriet gleich hinter Poison zum zweiterfolgreichsten Song der Platte. Komponiert hat Cooper das Stück zusammen mit seinem Ex-Bassisten Kane Roberts, seinem Produzenten Desmond Child sowie mit Diane Warren, die nicht nur für Rockgrößen wie Elton John, Tina Turner und Aerosmith tätig war, sondern auch für Popstars wie Whitney Houston und Britney Spears.

8. Hey Stoopid (1991)

Hey Stoopid gehört nicht nur zu Alice Coopers berühmtesten Songs, sondern der Meister des Schockrock begrüßte für das Stück auch jede Menge Gaststars im Studio. Slash, Ozzy Osbourne, Steve Vai, Joe Satriani: Sie alle geben sich in der Nummer die Klinke in die Hand und unterstützen ihren Kumpel Alice bei seinem Rock’n’Roll-Auftrag. Die Botschaft des Songs: „Hey Dummerchen, lass das mit den Drogen doch einfach sein …“.

9. Snakebite (1991)

Wie oft Alice Cooper im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere von Schlangen gebissen wurde, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Doch wir wissen, dass es sich bei Snakebite um einen seiner allerbesten Songs handelt! Inhaltlich ist die Nummer quasi vertonter Machismo. „My face is tattooed in your shoulder / Your name is scratched into my bike“, singt Cooper darin. Na dann …

10. Feed My Frankenstein (1991)

Wer den Rockfilmklassiker Wayne’s World kennt, liebt bestimmt auch Feed My Frankenstein von Alice Cooper. Vor der legendären „Wir sind unwürdig!“-Szene besuchen die beiden Chaoten Wayne und Garth in dem Streifen nämlich ein Konzert des Schockrockers und kommen in den Genuss seiner damals brandneuen Single. Heute gehört die Nummer zu Coopers späten Klassikern — aus gutem Grund!

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Sechs Anekdoten, die nur aus dem Leben von Alice Cooper stammen können

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