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Popkultur

Zeitsprung: Am 15.7.1983 erscheint der Disco-Tanzfilm „Staying Alive“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.7.1983.

von Tobi Wienke und Christof Leim

Es ist quasi Naturgesetz: Auf einen erfolgreichen Film folgt eine Fortsetzung. Doch ganz so megaerfolgreich wie in Saturday Night Fever kann John Travolta nicht durch Staying Alive tanzen, der am 15. Juli 1983 erscheint. Für ein ordentliches Einspielergebnis trotz verheerender Kritiken reicht es aber – auch, weil die Bee Gees wieder beim Soundtrack mitmischen. Was Sylvester „Rocky“ Stallone damit zu tun hat, könnt ihr im heutigen Zeitsprung lesen.

Hier könnt ihr den Soundtrack von Staying Alive hören:

Keine Frage: Der Discofilm schlechthin erschien schon 1977 und heißt Saturday Night Fever. Mit über 237 Millionen Dollar Einspielergebnis steht er heute auf Platz zwei der erfolgreichsten Tanzstreifen überhaupt (hinter Black Swan). Da er bereits nach der ersten Woche alleine in den USA das Fünffache der Produktionskosten eingespielt hat, verwundert es niemanden, dass eine Fortsetzung entsteht – allerdings erst ein gutes Stück später, nämlich 1983.

Drama, Baby

Die Handlung von Staying Alive spielt fünf Jahre nach dem Vorgänger. Tony Manero (John Travolta) wohnt mittlerweile nicht mehr in Brooklyn, sondern in einer Bruchbude in Manhattan, und träumt vom Durchbruch als Tänzer in einer Broadway-Show. Dafür übt er fleißig mit seiner Freundin Jackie (Cynthia Rhodes), die ihn bedingungslos unterstützt, bis Tony der reichen Startänzerin Laura (Finola Hughes) begegnet.

Es kommt, wie es kommen muss: Tony steht nach einer heißen Nacht gänzlich ohne Partnerin da, was ihm die Augen öffnet. Er besucht nach Jahren seine Mutter, die die Funkstille natürlich verzeiht und ihm Mut macht. Tony, Jackie und Laura werden kurz darauf am Broadway für die Show Satan’s Alley engagiert. Nach dem Showdown – einem spektakulären, umjubelten Tanzduett von Tony und Laura – vergibt ihm auch seine Ex. In der Schlussszene stolziert Tony zu den Klängen von Stayin‘ Alive von den Bee Gees über den Times Square, just wie er es in der Eröffnungssequenz von Saturday Night Fever tat. 

Vom Boxen zum Tanzen

Dass diese Geschichte mit den Klischees von Aufstieg aus der Gosse, tiefem Fall und glorreicher Rückkehr spielt, liegt nicht zuletzt am Drehbuchautor und Regisseur des Films: Sylvester Stallone. Ja, der muskelbepackte Star aus Rocky und Rambo ist verantwortlich für einen Tanzfilm und agiert sogar zusätzlich als Produzent. Seit der unsterblichen Figur des Rocky zählt eine solche Phönix-aus-der-Asche-Thematik zu seinen Markenzeichen und seiner Handschrift.

John Travolta und Sylvester Stallone bei der Premiere, Juli 1983, Hollywood – Foto: Jim Smeal/Ron Galella Collection via Getty Images

Diesmal läuft es aber nicht so gut: Staying Alive markiert seine vierte Regiearbeit (nach Vorhof zum Paradies, Rocky II und Rocky III) und bringt gleich allen drei Hauptdarstellern Nominierungen für die Goldene Himbeere ein, einem US-amerikanischen „Negativ-Filmpreis“. Auf der Filmkritikseite Rottentomatoes glänzt Staying Alive bis heute mit einer seltenen Wertung von 0%, und auch 1983 überschlägt sich die Presse mit Verrissen.  

Familienmusik

Trotzdem spielt Staying Alive die Produktionskosten von 22 Millionen Dollar wieder ein, erreicht weltweit sogar beachtliche 127 Millionen Dollar Umsatz. Das Musikalbum zum Film kann mit dem Erfolg des Vorgängers, dem bis heute erfolgreichsten Soundtrack der Filmgeschichte, natürlich bei weitem nicht mithalten, heimst aber neben guten Verkaufszahlen zwei Nominierungen ein, und zwar für den Grammy in der Kategorie „Beste Filmmusik“ und den Golden Globe für den Song Far From Over. Der stammt – Überraschung – nicht von den Bee Gees, sondern von Sylvesters kleinem Bruder Frank Stallone. 

Während die A-Seite des Albums komplett den Bee Gees gehört, prägt Frank Stallone die B-Seite. Vier der sechs Lieder stammen aus seiner Feder, bei dreien davon steht er selbst am Mikrofon und begleitet so erneut das filmische Schaffen seines Bruders, wie er es schon in den ersten beiden Rocky-Filmen getan hatte.

Anderes im Sinn

Die Gebrüder Gibb dominieren dennoch den Soundtrack mit sechs von zwölf Songs. Fünf wurden eigens dafür geschrieben, doch keiner kann auch nur annähernd mit den Hits von Saturday Night Fever mithalten. Kein Wunder: 1983 konzentrierten sich Barry, Robin und Maurice auf ihre Soloprojekte, weshalb sie nur wenig Energie in die neuen Nummern legen, wie sie später zugeben. Ihr Klassiker und Namensgeber für den Film, Stayin‘ Alive von 1977, findet sich hier in einer auf 1:33 Min gekürzten Version. Alles in allem funktioniert die Disco-Mischung auch sechs Jahre nach Saturday Night Fever grundsätzlich gut: Fünf Millionen verkaufte Einheiten des Albums zu Staying Alive weltweit sind alles andere als ein Flop.

Ähnlich wie bei den Bee Gees 1977 bietet der Soundtrack auch der Karriere des „kleinen“ Stallone ein Sprungbrett. Die Single Far From Over landet in mehreren internationalen Charts in den Top 20 und taucht bis heute immer mal wieder auf, wenn in TV-Shows Spannung erzeugt werden soll. Leider bleibt es bei diesem Ein-Hit-Wunder; bis heute wird Frank Stallone vor allem als „der kleine Bruder“ angesehen, der im US-Fernsehen in so genannten Reality-Formaten oder beim Wrestling auftritt und nicht selten mit Sylvester verwechselt wird. Aber das ist mal wieder eine andere Geschichte (die übrigens in der Filmdoku Stallone, Frank: That Is erzählt werden soll).

Zeitsprung: Am 12.7.1979 kracht es gewaltig bei der „Disco Demolition Night“.

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