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Popkultur

The Silver Beetles: Die allererste Tournee der Beatles

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Foto: Michael Ochs Archive/Getty Images

Vor 60 Jahren brechen die Beatles auf ihre erste Tour auf. Noch ohne Ringo und lediglich als Backing-Band, dafür mit Idealismus, staunend großen Augen und unter einem anderen Namen. Die sieben Tage machen sie weder reich, noch berühmt. Aber sie stellen die Weichen für das, was kommt.

von Björn Springorum

Allein die Etymologie der Beatles füllt Bücher und ist Gegenstand akademischer Arbeiten. Niemand kann ganz genau sagen, wann die Jungs aus Liverpool einfach nur noch als The Beatles bekannt waren. Damit ist nicht mal die Vorgeschichte der Fab Four in Formationen wie The Quarrymen gemeint, sondern jene rastlose Phase, in denen sich John Lennon, Paul McCartney und George Harrison mit Stu Sutcliffe und wechselnden Schlagzeugern von einem schlecht bezahlten Arrangement zum nächsten hangeln und dennoch frustrierend auf der Stelle treten.

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Stu Sutcliffe hat die zündende Idee

Ein neuer Name soll es richten. In Anlehnung an Buddy Hollys The Crickets war also zunächst mal Beatals im Umlauf, später macht Stu Sutcliffe, der wahre Urheber des Namens, The Beetles daraus. Dann, weil erfolgreiche Bands meist längere Namen haben, nennt man sich The Silver Beetles. Wann daraus The Silver Beatles und in der Folge lediglich The Beatles wird, ist fast nicht mehr zu rekonstruieren. Und für diese Geschichte eigentlich auch gar nicht wichtig. Im Sommer 1960 flattert nach einem gefloppten Casting dann doch noch ein vielversprechendes Angebot ins Haus: Eine Tournee als Backing-Band für den ebenfalls aus Liverpool stammenden Crooner Johnny Gentle. Der ist damals durchaus angesagt, in der Musikgeschichte aber nicht mehr als eine kuriose Randerscheinung, die zufällig bei der allerersten Tournee der größten Band aller Zeiten dabei ist.

Mit Pseudonymen durch die Highlands

Die Beatles steigen in einen Zug und dann in einen kleinen klapprigen Van. Zwischen dem 20. und 28. Mai 1960 führt die Beat Ballad Show Tour durch Schottlands Highlands, in Weltstädte wie Alloa, Forres oder Nairn. Den Beatles ist das ziemlich egal. Sie bekommen 18 Pfund für die Woche (heute ungefähr 400 Euro), sind unterwegs, auf Achse, on the road wie eine richtige Band. Gut, sie sind nur die Backing Band für einen Kollegen und wurden auf den Plakaten nicht mal namentlich erwähnt. Doch Johnny Gentle And His Group, wie man bezeichnet wird, ist für die jungen Pilzköpfe erst mal genug. Sie finden sich sogar verwegen genug, sich Pseudonyme für diese Konzerte zuzulegen – das erste und einzige Mal. John Lennon wird zu Johnny Lennon, Paul McCartney verwandelt sich in den rassigen Paul Ramon, George Harrison wird Carl Harrison und Stu Sutcliffe mutiert zu Stuart de Staël. Nur ihr kurzzeitiger Drummer Tommy Moore bleibt ganz einfach Tommy Moore. Er war damals schon Ende 20 und wohl zu alt für diesen infantilen Spaß.

Lennon hilft als Komponist aus

Die Beatles nicht. Insbesondere George Harrison, damals gerade 17 Jahre jung, genießt die Zeit weg von Liverpool, von seiner Ausbildung zum Elektriker. Sie haben zwar kaum geprobt vor dieser Tour (ein Dauerzustand in den Tagen vor Hamburg) und kennen Johnny Gentles Songs so gut wie gar nicht; das ändert nichts an dem guten Verhältnis zwischen den jungen Hitzköpfen und Gentle. John Lennon soll Gentle sogar beim Song I‘ve Just Fallen For Someone geholfen haben, den später Adam Faith aufnehmen würde. Es ist eine der ganz frühen kompositorischen Beteiligung des Beatles. Folgende Zeilen gehen wohl auf Lennons Konto, obwohl er nie in den Credits genannt wird:

We know that we’ll get by

Just wait and see

Just like the song tells us

The best things in life are free

Schottische Lektionen in Routine

Gentle selbst erinnert sich an die erste Begegnung so: „Wir trafen uns erst eine halbe Stunde vor dem ersten Konzert an der Location. Zieht man das alles in Betracht, klangen wir eigentlich von Anfang an ziemlich gut. Jeden Abend wurde unser Sound besser – und am Ende der Tour wusste ich, dass diese Jungs so gut wie alle anderen waren, mit denen ich bislang gearbeitet hatte.“ In diesen Zeilen steckt eine zentrale Aussage: Diese schottische Woche bringt den Beatles endlich etwas, das sie bei ihren unregelmäßigen, oftmals völlig chaotischen Engagements in den Monaten zuvor nie zu fassen bekamen. Etwas, das in den endlosen und rauschhaften Hamburger Nächten zu einem Handwerk und dann zu einem Alleinstellungsmerkmal heranwächst: Stabilität und Routine.

Rock‘n‘Roll statt Abitur

Das gilt natürlich nur für das halbwegs geordnete Geschehen auf den Bühnen der Stadthallen und Ballrooms. Abseits davon verläuft die Tour für die Beatles so, wie man es sich vorstellt, wenn fünf halbstarke Jungs aus Liverpool endlich mal losgelassen werden. Überhaupt auf diese Tournee fahren zu dürfen, hat die meisten von ihnen reichlich Überredungskunst gekostet, wie sich Paul McCartney auf Anthology erinnert: „Und hier waren wir nun, mitten in Schottland, obwohl ich doch eigentlich mein Abitur machen sollte.“ McCartney galt zwar als Musterschüler; doch der Beat und der Rock‘n‘Roll zwangen auch bei ihm die Schule irgendwann in die Knie. We don‘t need no education, oder so.

Die Silver Beetles auf ihrer Tour im Jahre 1960 – noch ohne Ringo.
Foto: Keystone/Getty Images.

Lager hinterm Steuer

Was die Beatles damals genau wollen, wissen sie wahrscheinlich selbst nicht so ganz genau. Bei einer Show leiht Gentle George Harrison eines seiner schwarzen Shirts, weil Lennon und McCartney ebenfalls schwarz tragen. So ist zumindest eine Art Uniform zu erahnen, ein Einheitslook, der auf der Reeperbahn verfeinert wird. Hamburg ist Ende Mai 1960 aber ebenso weit weg wie Erfolg, Kohle oder die Beatlemania. Den frühen Beatles ist das egal. Ihnen ist auch egal, dass sie mit weniger Kohle zurück nach Liverpool kommen als sie anfangs in der Tasche hatten. Sie fahren mit einem Van, gesteuert von einem konstant Lager süffelnden Gentle, durch Schottland, teilen sich in den Hotels meist zwei Zimmer, träumen von großen Hallen.

Sie spielen Coversongs für die Provinz, die natürlich nicht ahnt, welchen Musikern sie hier zusehen darf. Es sind unschuldige, nichtssagende, austauschbare Nummern mitten in den Highlands: Buddy Hollys It Doesn’t Matter Anymore und Raining In My Heart, Elvis Presleys I Need Your Love Tonight, Ricky Nelsons Poor Little Fool, Clarence Frogman Henrys I Don’t Know Why I Love You But I Do, Eddie Cochrans Come On Everybody und Jim Reeves He’ll Have To Go bestimmten die Setlist, eigene Stücke sind unter Englands Beat-Interpreten immer noch eher ungewöhnlich. So oder so: Auch Gentle muss bald zugeben, dass seine Backing Band mehr Applaus bekommt als er.

Keine Zeit fürs Krankenhaus

Bei einer der endlosen Fahrten durch Schottlands Wildnis wird der Van in einen Unfall verwickelt. Tommy Moore, der deutlich ältere Schlagzeuger, verliert seine beiden Vorderzähne. Er kommt ins Krankenhaus, wird aber von Lennon persönlich aus dem Bett und am Abend wieder hinter das Schlagzeug gezerrt. Zahnschmerzen hin oder her. Wenig verwunderlich, dass Moore nach der Rückkehr an den Mersey River in Liverpool nur noch ein weiteres Konzert mit den Beatles gibt. Als sie im August 1960 erstmals nach Hamburg aufbrechen, haben sie schon Pete Pest als Drummer rekrutiert. Aber wie alles bei den Beatles, ist das schon wieder eine ganz eigene Geschichte. Nur eines steht fest: Ziemlich genau zehn Jahre nach dieser ersten Tournee erscheint mit The Long And Winding Road die letzte Single der Beatles.

Zeitsprung: Am 1.1.1962 spielen die Beatles für einen Plattenvertrag vor – und werden legendär abgelehnt

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Popkultur

Der „Star Wars“-Soundtrack von John Williams: Die vielleicht beste Filmmusik aller Zeiten

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John Williams
Foto: Janet Knott/The Boston Globe via Getty Images

Pew, pew! Bei dieser Lautmalerei haben Star-Wars-Fans sofort den Weltraum-Cowboy Han Solo vor Augen, wie er mit einem Blaster fiese Sturmtruppler erledigt. Die Krieg-der-Sterne-Reihe lebt aber nicht nur von ihren großartigen Sound-Effekten. Auch die legendäre Filmmusik von John Williams verhalf der Sci-Fi-Seifenoper zu weltweiter Berühmtheit. Was viele nicht wissen: Um den Komponisten für sein Filmprojekt zu gewinnen, rief Regisseur George Lucas sogar seinen Erzrivalen Steven Spielberg an.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch den Soundtrack von Star Wars IV: Eine neue Hoffnung anhören:

„Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis …“ Wenn diese Worte in Blau auf der Kinoleinwand erscheinen, wissen wir: Gleich geht es los. In nur wenigen Sekunden wird die vielleicht berühmteste Fanfare der Welt ertönen. Das Star-Wars-Logo wird das gesamte Bild einnehmen und anschließend immer kleiner und kleiner werden. Ein kurzer Lauftext wird uns erklären, wie die Voraussetzungen für die folgende Geschichte lauten. Und wir dürfen uns auf mindestens 120 Minuten voller Weltraumschlachten, Fantasiewesen und Kindheitserinnerungen freuen. Mit seinem Star-Wars-Universum hat Regisseur George Lucas eine Hollywood-Welt erschaffen, die bereits die fünfte Generation in Folge begeistert. Seinen Anfang nahm der galaktische Erfolg am 25. Mai 1977. Doch beginnen wir noch ein wenig weiter vorne.

Der StarWars-Soundtrack: Klassik-Pomp statt Jazz-Minimalismus

Sein Filmdebüt gibt Star-Wars-Erfinder George Lucas im Jahr 1971 mit der Science-Fiction-Dystopie THX 1138. Schon als er den Streifen fertigstellt, denkt er über eine weniger ernstgemeinte Weltraumgeschichte im Stil des Comic-Helden Flash Gordon nach. Gedacht, getan: Nach seiner zweiten Produktion American Graffiti (1973) widmet sich Lucas dem neuen Projekt mit dem Titel „Star Wars“. Schon im März 1976 hat er den ersten Teil der Weltraum-Saga im Kasten. Was noch fehlt, ist die passende Musik dazu. Zeitgenössische Komponisten wie Henry Mancini orientieren sich für Lucas’ Geschmack zu sehr am Jazz, er wünscht sich den Pomp der klassischen Musik. Steven-Spielberg-Komponist John Williams scheint genau der Richtige für den Job zu sein — also bittet Lucas seinen Erzrivalen Spielberg um ein wenig Schützenhilfe bei der Kontaktaufnahme.

Kurze Zeit später schaut Williams in Lucas’ kleinem Büro in Hollywood vorbei und bespricht mit dem jungen Filmemacher, was zu tun ist. Williams schaut sich den ersten Star-Wars-Film allein in einem Vorführraum an und geht anschließend mit Lucas jede Szene einzeln durch. Lucas wünscht sich die Grundstimmung des austro-amerikanischen Komponisten Erich Wolfgang Korngold und den Bombast von Gustav Holsts Die Planeten. Damit widersetzt er sich dem allgemeinen Trend, denn gegen Ende der Siebziger gibt es in Science-Fiction-Filmen vor allem minimalistische Elektro-Sounds zu hören. Etwa 90 Minuten Filmmusik schreibt Williams für den gut zweistündigen Streifen. Wenige Monate später nimmt er den Soundtrack mit dem London Symphony Orchestra auf — und hat dabei eine Menge Spaß.

Steven Spielberg fürchtet, dass er zu kurz kommt

„So etwas wie der Star-Wars-Soundtrack macht Musikern große Freude“, erzählt Williams später in einem Interview. „Da hat man die Gelegenheit zu Fanfaren und Tuschen. Das ist mir sehr willkommen. Wir konnten das London Symphony Orchestra dafür gewinnen. Sie ließen all die ernste Musik hinter sich und kamen in die Denham Studios. Sie holten die Blasinstrumente raus und wir hatten eine Menge Spaß mit Trommelwirbeln und Tuschen.“ George Lucas, der für die Aufnahmen mit dem London Symphony Orchestra extra nach Europa reist, schwärmt ebenfalls: „Die Musik war einer der Teile des Films, die noch viel besser geworden sind, als ich es erwartet habe.“ Voller Begeisterung ruft Lucas seinen Konkurrenten Steven Spielberg an und spielt ihm per Telefon eine halbe Stunde des Soundtracks vor. Als Spielberg die Star-Wars-Musik hört, bekommt er Muffensausen.

John Williams und Star Wars: eine Erfolgsgeschichte mit Bestand

Der Hintergrund von Spielbergs Bedenken: Gleich nach Lucas möchte auch er selbst wieder mit Williams zusammenarbeiten, und zwar für seinen nächsten Film Unheimliche Begegnung der dritten Art. Doch nun fürchtet er, dass der Komponist sein ganzes Pulver verschossen hat. Unrecht hat er damit nicht. Ob die Titelmusik, die rührenden Klänge zu Obi-Wan Kenobis Tod, die jazzigen (und brüllend komischen) Sounds der Cantina Band oder das große Finale am Ende des ersten Star-Wars-Films: Williams findet stets den richtigen Ton, um die Weltraum-Saga standesgemäß zu untermalen. So sehr, dass er heute gar nicht mehr aus der Star-Wars-Welt wegzudenken ist und auch die Musik für die Episoden 5, 6, 1, 2, 3, 7, 8 und 9 beisteuert. Dabei entstehen viele weitere legendäre Werke, von denen eins besonders herausragt: der Imperiale Marsch.

Ob der Einzug Darth Vaders, der lustige Auftritt zuhause im Bademantel oder der Anruf der unliebsamen Schwiegermutter: Noch heute erfreut sich der Imperiale Marsch aus dem zweiten Star-Wars-Film größter Beliebtheit. Auch die Ewok-Partymusik am Ende des dritten Films, die Liebeshymne Across The Stars aus Episode 2 oder Rey’s Theme aus Episode 7 haben ihren festen Platz in den Geschichtsbüchern der Filmmusik. Gelegentlich gibt Williams in der Musik sogar Hinweise auf den weiteren Verlauf der Handlung, zum Beispiel wenn er in Anakin’s Theme aus Episode 1 auch den Imperialen Marsch zitiert und damit auf Anakin Skywalkers anstehende Verwandlung vom lieben kleinen Jungen zum dunklen Lord Darth Vader anspielt. Solche Momente zeigen, wie eng die Star-Wars-Filme mit Williams’ Musik verbunden sind.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 26.5.1975 kommt die ehemalige Fugees-Sängerin Lauryn Hill zur Welt.

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Lauryn Hill
Foto: Sony BMG/Promo

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.5.1974.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Einmal Weltstar und zurück: Kaum eine Frau prägt den Hip-Hop in den Neunzigern so wie Lauryn Hill. Zunächst mit den Fugees, später als Solokünstlerin lässt sie die Grenzen zwischen Hip-Hop, R&B und Soul verschwimmen und wird zur Schlüsselfigur im Neo-Soul. Zwanzig Jahre später kennt man sie aber auch für Starallüren und Steuerhinterziehung. 

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Hört euch hier das Erfolgsalbum The Score von Fugees an:

Am 26. Mai 1975 erblickt Lauryn Noelle Hill in New Jersey das Licht der Welt. Die Musikalität wird ihr in die Wiege gelegt: Ihre Mutter spielt Klavier, der Vater singt in Nachtclubs und auf Hochzeiten. Ständig tönt Musik durchs Haus, allen voran Stevie Wonder, Aretha Franklin und Gladys Knight. Zu Schulzeiten wagt Hill vor einem Basketballspiel den ersten Schritt auf die Bühne und singt die US-Nationalhymne. Ihre Version von The Star-Spangled Banner kommt so gut an, dass eine Aufnahme davon auch bei darauffolgenden Spielen zum Einsatz kommt. 

Ready Or Not: Die Fugees sind geboren

Anfang der Neunziger trifft Lauryn Hill in der High School erst auf Prakazrel „Pras“ Michel, dann auf Wyclef Jean. Gemeinsam gründen sie mit Fugees eine Band, die die Musikwelt gehörig auf den Kopf stellt: Hills soulige Stimme vervollständigt Wyclef Jeans Raps mühelos, während Pras mit lyrischem Genie für die richtigen Lines sorgt. Ihr frischer Sound verleiht dem bis dahin meist düsteren Hip-Hop geschmeidige R&B- und Soul-Akzente und begeistert Fans unterschiedlicher Musikgenres gleichermaßen. 

1993 unterschreibt das Trio einen Plattenvertrag bei Columbia Records. Obwohl das erste gemeinsame Album kein kommerzieller Erfolg wird, bekommen sie eine zweite Chance: 135.000 Dollar investiert die Gruppe in das Booga Basement; ein Studio, das sie eigens im Keller von Wyclef Jeans Onkel aufbauen. Jean beschreibt die Stimmung als entspannt: „Es gab keinen Druck. Wir haben einfach Musik gemacht, und dann wurde etwas Erstaunliches daraus.“

Vom Studiokeller in den Hip-Hop-Olymp

Tatsächlich wird The Score zum Riesenerfolg. Neben politischen Texten und einzigartigen Beats beeindruckt auch der Aufbau des Albums: Wie der Soundtrack eines Musicals erzählen die Songs eine Geschichte. Vor allem die Singles Fu-Gee-La, Killing Me Softly und Ready Or Not verhelfen den Dreien zum Welterfolg. Das Nummer-eins-Album verkauft sich über 18 Millionen Mal, erhält zahlreiche Auszeichnungen und gilt bis heute als eines der erfolgreichsten Hip-Hop-Alben aller Zeiten.

Doch auf dem Höhepunkt ihrer gemeinsamen Karriere beschließt das Trio, getrennte Wege zu gehen. Als Grund für den Split nennt Wyclef Jean später die turbulente Beziehung zu Lauryn Hill, die für ihn weit mehr als nur Bandkollegin gewesen sein soll. Die Trennung tut Hills Karriere keinen Abbruch: Nur ein Jahr nach der Geburt ihres ersten Kindes veröffentlicht sie im August 1998 das Soloalbum The Miseducation Of Lauryn Hill und manifestiert sich damit endgültig als anerkannte Neo-Soul-Größe. Auf dem Album verarbeitet sie das Erlebte: Während I Used To Love Him von Hills Beziehung zu Wyclef Jean handelt, spricht sie in To Zion über die Liebe zu ihrem Sohn und die Entscheidung, das Kind zu behalten, nachdem ihr zur Abtreibung geraten wurde, um ihre Karriere nicht zu gefährden. Der Erfolg gibt ihr Recht – The Miseducation Of Lauryn Hill schießt auf Platz eins der US-Charts. 1999 gewinnt Lauryn Hill als erste weibliche Künstlerin fünf Grammys, darunter auch Auszeichnungen in den Kategorien „Album des Jahres“ und „Beste neue Künstlerin“.

Der tiefe Fall

Trotz dieses kometenhaften Karrierebeginns folgt schnell die Ernüchterung. Vier Musiker, die an der Entstehung von Hills Album beteiligt waren, behaupten, für ihre Arbeit nicht angemessen entlohnt worden zu sein und ziehen vor Gericht. Eine Reunion der Fugees scheitert ebenfalls, nach Abbruch einer gemeinsamen Tour im Jahr 2007 sagt Pras: „Eher treffen sich Osama Bin Laden und Bush auf einen Kaffee, bevor ich noch einmal mit Lauryn Hill arbeite.“ 2013 wird die Künstlerin wegen Steuerhinterziehung zu einer dreimonatigen Gefängnisstrafe verurteilt.

Während Hill früher für ihr Talent bekannt war, macht die mittlerweile fünffache Mutter heute vor allem durch divenhaftes Verhalten von sich reden. Konzertbesucher der vergangenen Jahre berichten von brüchigen Vocals, verkürzten Konzerten und stundenlangen Verspätungen. In der Szene bleibt ihr Werk dennoch unangetastet: Künstlerinnen und Künstler wie Cardi B, Nicki Minaj und Drake nennen Hill als Inspiration und samplen ihre Songs bis heute.

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Zeitsprung: Am 11.12.1964 wird Soulsänger Sam Cooke erschossen.

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Zeitsprung: Am 25.5.1982 spielen Metallica in einer Schule.

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Metallica High School

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 25.5.1982."

von Christof Leim

Am Anfang einer Weltkarriere muss man die Gigs nehmen, die man kriegen kann. Alle Dorfmetaller, Rockstar-Azubis und hoffnungsvollen Nachwuchs-Headbanger unter uns kennen das. Den Thrash-Giganten Metallica ging das 1982 nicht anders…

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Hört hier das Metallica-Debüt Kill ‘Em All:

Eigentlich läuft es bei Metallica ziemlich schnell: Im Oktober 1981 geht’s los, Lars Ulrich und James Hetfield treffen sich. Am 14. März 1982 spielen sie schon ihre erste Show in einem Laden namens Radio City in Anaheim; da sind bereits 200 Leute am Start. Knapp zwei Wochen später dürfen sie als komplett unbekannte Krachkapelle sogar zwei Konzerte für die NWoBHM-Legenden Saxon im legendären Whisky-A-Go-Go in Hollywood eröffnen.

Doch noch müssen die Stadien, Arenen und Enormodomes noch ein bisschen warten: Ihr fünftes Konzert passiert in der Cafeteria(!) der Back Bay High School im kalifornischen Costa Mesa, der Schule von Trommler Lars Ulrich. Man darf sich fragen, wie unsere Helden auf die Idee gekommen, denn gut läuft das nicht: Zum einen geschieht der Auftritt tagsüber, um 11:15 Uhr während der Mittagspause der Schüler. Zum anderen rocken Ulrich, Frontmann James Hetfield, Leadgitarrist Dave Mustaine und Bassist Ron McGovney in der Kulisse eines Schultheaterstücks, das im Inneren eines Hauses spielt: “Ich stand bei der Eingangstür”, twittert McGovney später, “James und Lars im Wohnzimmer, und Dave in der Küche!”

Lars notiert damals in seinem Metallica-Tagebuch, dass von anfänglich 200 Zuschauern nur 40 übrig bleiben. “Den Tag kann man komplett vergessen”, urteilt er weiter. “Scheiße gespielt, scheiße angekommen, scheiße geklungen. Wirklich fürchterlich.”

Das klingt alles nicht gut, zumal „Schulcafeteria“ mehr nach Diktat, Pausenbrot und Doppelstunde Mathe klingt als nach Sex, Drogen und Rock’n’Roll. Aber immerhin stehen schon fünf zukünftige Metalliklassiker auf der Setlist: Hit The Lights, Jump In The Fire, Metal Militia, The Mechanix (das zukünftige The Four Horsemen) und als Livepremiere Motorbreath. (Bei der ersten Show hatte es erst zwei eigene Stücke gegeben; die Jungs waren damals also echt schnell.)

Historische Premiere

Daneben spielen unsere junge Helden ausgesuchte NWoBHM-Cover, die 1982 in Kalifornien nur eingeweihte Headbanger kennen: Blitzkrieg von Blitzkrieg, Killing Time von Sweet Savage, Let It Loose von Savage und zwei Nummern von Lars’ Lieblingen Diamond Head: The Prince und Am I Evil?. (Nachlesen könnt ihr die Setlist hochoffiziell auf der Metallica-Homepage.)

Eine besondere Bedeutung kommt diesem Gig jedoch wegen eines anderen Details zu: Ihre ersten Gigs hatten Metallica mit nur einem Gitarristen (Mustaine) bestritten, während Hetfield lediglich gesungen hat. Bei vierten Gig am am 23. April in Costa Mesa übernimmt einmalig ein Herr namens Brad Parker die zweite Gitarre, doch das funktioniert so gar nicht. Auf der Back Bay High School an diesem 25. Mai 1982 spielt Hetfield dann zum ersten Mal auf der Bühne ebenfalls Gitarre – und einer der erfolgreichsten Metal-Frontmänner ist in seinem Element angekommen.

Danach geht es weiter Schlag auf Schlag: Ron McGovney wird durch Cliff Burton ersetzt, die Band zieht nach San Francisco, nimmt eine Reihe an Demos auf, die den weltweiten Tapetrading-Untergrund aufmischen, darunter das so genannte Megaforce Demo, das ihnen den Plattenvertrag beschert. Ein gutes Jahr nach dem Auftritt in der Schule erscheint schon Kill ‘Em All

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Zeitsprung: Am 8.12.2013 spielen Metallica in der Antarktis.

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