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Popkultur

Der Hexer an den Tasten: 7 Wahrheiten zum 70. Geburtstag von Genesis’ Tony Banks

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Tony Banks
Foto: Kevin Nixon/Future via Getty Images

Er gründete Genesis, er veränderte den Einsatz von Keyboards in der Rock-Musik nachhaltig, er wurde 2015 ganz offiziell zum Prog God gekürt: Tony Banks war vielleicht nie die Stimme von Genesis. Aber sehr wohl das Gehirn. Eine Gratulation in Anekdotenform.

von Björn Springorum

Hört hier die größten Hits von Genesis:

Vor 70 Jahren kommt Anthony George Banks in East Sussex zur Welt. Ausgerechnet als jüngstes von fünf Kindern, da muss man schnell lernen, sich ganz hinten anzustellen. Tut er, vertieft sich lieber in Musik, verfällt dem Piano und der klassischen Musik. Die wird ihm zwar von einem unfähigen Klavierlehrer fast erfolgreich ausgetrieben, doch irgendetwas überlebt in Banks. Etwas, das ihn mit 13 im elitären Charterhouse-Internat in Surrey mit Peter Gabriel zusammenbringt. Anfangs verbindet beide nur die Ablehnung dieser strengen Institution, bald darauf entdecken sie ihre gemeinsame Leidenschaft für Musik. Erst gründen sie die Schülerband Garden Wall. Dann, Anfang 1967, holen sie sich Mike Rutherford und Anthony Phillips, um eine neue Band zu gründen. Ihr Name: Genesis.

Zufrieden in der zweiten Reihe

Wer als jüngstes von fünf Geschwistern aufwächst, muss entweder sehr laut sein oder sich sehr gut mit sich selbst beschäftigen können. Banks entscheidet sich früh für Zweiteres. Nie drängt es ihn in den Mittelpunkt, auch später nicht, als Gehirn der größten Prog-Rock-Band der Welt. Als Prog-Architekt, als Logistiker der Band, ist er mit dem Platz in der zweiten Reihe zufrieden. „Mein Job“, sagte er oft, „ist es, den Frontmann gut aussehen zu lassen.“ Und da es sich bei Peter Gabriel und Phil Collins um zwei Lichterscheinungen hinter dem Mikrofon handelt, hat er da entsprechend wenig zu tun.

Sie können doch noch tanzen: Genesis geben Comeback bekannt!

Der Hexer an den Tasten

Das Keyboard hatte noch nie den Ruf, ein cooles Instrument zu sein. Banks sieht das anders. Er regiert ein Reich, in dem Hammonds, Mellotrone, ARP Pro Soloists und Yamaha-Synthesizer den Ton angaben. Und bringt eine klassische Eleganz in den Sound einer Rock-Band, die man zuvor nicht für möglich gehalten hätte. Ohne seine elaborierten Arrangements und Keyboard-Soli in Stücken wie Firth of Fifth, The Cinema Show oder Watcher Of The Skies wäre Genesis dieser verwunschene, bisweilen fast schon mittelalterlich anmutende Zauber verloren gegangen. Und ohne den wären Werke wie Selling England By The Pound oder Foxtrot halt auch nur anständige britische Prog-Rock-Werke. Der Musikhistoriker Wayne Studer hält ihn deswegen für den „geschmackvollsten Keyboarder des Prog Rock“.

Einmal Surrey, immer Surrey

Obwohl Banks in East Sussex ganz im Süden Englands aufwuchs, sind es wohl vor allem die im Norden angrenzende Grafschaft Surrey und das Örtchen Godlaming, denen er verfällt. Dort besucht er das Internat, dort gründet er Genesis, dort baut er sich mit seinen Bandkollegen 1980 das legendäre Studio The Farm, das früher mal ein Kuhstall gewesen ist. Bis heute wohnt Banks auf einem Anwesen ganz in der Nähe des Internats. Verständlich: Die Gegend um Godlamning gilt als lebenswerteste und wohlhabendste des ganzen Landes.

Ist Phil Collins wieder cool?

Tony, der Songschreiber

Ewig der Mann im Hintergrund, hält sich Tony Banks in der Ära Peter Gabriel auch beim Songwriting in bester englischer Höflichkeit zurück. Sicher, er trägt zu jedem einzelnen Song etwas bei, überlässt das Gros der Arbeit aber gern den anderen. Nach Gabriels Weggang tut er sich dann aber doch hin und wieder als Komponist hervor. Mad Man Moon oder die Abschlusshymne Afterglow von Wind And Wuthering gehen zuvorderst auf sein Konto. An Invisible Touch ist er natürlich auch beteiligt, aber er muss nicht unbedingt darüber sprechen. Lieber schon lässt er sich über die Prog-Phase von Genesis aus, die er bis heute am allermeisten mag.

Ein Akkord zu viel

Dafür, dass Tony Banks ein prägendes Mitglied einer der erfolgreichsten Rock-Bands aller Zeiten war, ist seine Solokarriere fast schon surreal erfolglos. Zahlreiche Soloalben, Projekte, Soundtracks und Orchesterwerke gehen auf sein Konto, doch gehört hat die gefühlt niemand. „Das ist okay“, sagte er vor einigen Jahren mal, „ich hatte ja den Erfolg mit Genesis.“ Woran es lag, brachte er 2015 mit dem Titel einer seiner Compilations auf den Punkt: A Chord Too Far nannte er sie, ein Akkord drüber. Seine Musik war eben immer schon komplexer als die von Peter Gabriel, Mike Rutherford und Phil Collins zusammen.

Der Schnorchel-Vorfall

Mindestens ebenso wichtig wie die Musik sind in den Siebzigern und Achtzigern die ausschweifenden, exzentrischen Genesis-Bühnenshows. Insbesondere Peter Gabriel muss hier als Flamboyant par excellence geehrt werden, der immer wieder neue Fantastereien auf die Bühne brachte. Rabenmenschen, Schlangenwesen, Untote, Geister, Füchse, Menschen in gigantischen Blumen oder maskiert von geometrischen Formen – ein Genesis-Konzert war damals immer auch Theater. Tony Banks war das immer alles viel zu wild. Er wollte Keyboard spielen und nicht im Zirkus auftreten. Einmal ließ er sich dann aber doch hinreißen: 1981 trug er mal einen Schnorchel, als sie Who Dunnit spielten. Oh behave, Tony!

Der langweiligste Popstar aller Zeiten

Tony Banks weiß, dass er kein extravagantes Leben führt und deswegen für die Boulevardpresse herzlich uninteressant ist. Umso mehr genießt er das ruhige Leben mit seiner Frau Margaret, die er 1972 während der Arbeiten an Foxtrot heiratete. Damals war aufgrund der Aufnahmen nur ein einziger Tag Flitterwochen drin, weswegen Genesis es ihrem Keyboarder gestatteten, seine Frau mit auf die nächste Tournee zu nehmen. Vielleicht darf sie Ende des Jahres zum großen Comeback ja auch wieder mit.

Fragen, die wir uns nach dem Genesis-Comeback stellen

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