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Popkultur

So war’s: Slash live in Offenbach 2019

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"Ein echter Gitarrenheld bittet zum Tanz. Deshalb ist die Stadthalle in Offenbach an diesem Donnerstagabend im Februar auch pickepackevoll. Quasi kürzlich erst hat Slash mit Guns N’ Roses erst die größten Stadien der Republik bespielt, jetzt stellt er sein neues Soloalbum Living The Dream vor. Die Karriere abseits von Axl & Co. läuft also weiter. Über zwei Stunden stehen Slash, sein Sänger Myles Kennedy und die hochkarätige Band The Conspirators auf der Bühne. Hier sind Könner am Werk, und doch hat die Rock’n’Roll-Show heute neben Höhepunkten auch ein ein paar Längen. Aber fangen wir vorne an…

von Christof Leim

Hier könnt ihr in die Setlist des Abends reinhören:

Klickt auf „Listen“ für die ganze Playlist.

Mit dem Abend in Offenbach starten Slash, Myles und die Conspirators ihre Europatour; vor vier Tagen spielte das Quintett noch in Australien. Zum Vorprogramm stand nicht viel zu lesen, dabei bietet das durchaus Grund zur Freude: Phil Campbell & The Bastard Sons liefern kurz nach acht die erste Runde des Abends. Der ehemalige Motörhead-Klampfer und seine drei Söhne hauen geradlinigen, unterhaltsamen Rock’n’Roll in die Halle. Zur  Setlist gehören dabei natürlich auch Nummern aus Campbells glorreicher und phonstarker Vergangenheit mit Lemmy Kilmister, etwa der Mitsingknaller Born To Raise Hell. Die eigenen Songs wie Get On Your Knees, der drückende Shuffle Dark Days und das Doublebass-Geschoss Ringleader schlagen in eine ähnliche Kerbe, klingen wegen des melodischen Gesangs und aufgeräumteren Bassspiels aber nicht so rabiat wie Motörhead. Frontmann Neil Starr, früher bei Attack! Attack!, kann das Publikum leicht zu Mitsingspielchen und kollektiv gereckten Mittelfingern bewegen und erweist sich als Aktivposten im Bühnenbild, das ansonsten eher statisch wirkt. Mit Silver Machine, der letzten Nummer, die Lemmy für seine frühere Band Hawkwind geschrieben hat, erweist Campbell seinem verstorbenen Weggefährten eine besondere Ehre, und gegen Ende kann nur noch ein Gassenhauer kommen: Ace Of Spades. Das hat Spaß gemacht! Schade, dass die Band deutlich leiser als der Headliner dröhnte.



Slash und seine vier Mitstreiter starten nach einem dramatischen Intro mit The Call Of The Wild, der Eröffnungsnummer des aktuellen Albums Living The Dream. Sie hauen ihre Songs ohne viel Federlesens raus, Ansagen gibt erstmal keine, sondern mit Halo, Standing In The Sun und Ghost mehrere Nach-vorne-Rocker hintereinander. Dabei wird umgehend klar, dass hier fünf exzellente, bestens eingespielte Musiker einen souveränen Job abliefern, wie es nicht jede Band kann. Chef im Ring ist eindeutig Slash, der zur tiefhängenden Les Paul natürlich standesgemäß Zylinder und Sonnenbrille trägt. Wer irgendwann heute noch des Meisters wahres Gesicht sehen will, wird enttäuscht werden: Beides bleibt bis zum Ende an Ort und Stelle.

Überhaupt wirken die Musiker alle ziemlich fit und cool, in Leder und Jeans gekleidet, klassisch langhaarig sowieso. Dass Myles Kennedy fast 50 sein soll, glaubt man kein Stück – optisch nicht, und stimmlich schon gar nicht. Und vermutlich könnte er sein Shirt auch ausziehen, ohne eine schlechte Figur zu machen. Nach fünf Songs, darunter das laut mitgesungene Back From Cali, macht der Mann seine erste Ansage – und wirkt aus dem Stand sympathisch. Wie der Kumpel, der zufällig eine der besten und markantesten Rockstimmen dieser Tage besitzt und sich freut, dass man zu seinem kleinen Konzert gekommen ist.

Sein Boss Slash glänzt im folgenden My Antidote mit einem Hammersolo, in Serves You Right wird es funky, und Sugar Cane steht heute zum ersten Mal überhaupt auf dem Plan. Neben Kennedy und Slash lässt sich noch ein Mann kaum übersehen: Todd „Dammit“ Kerns, der baumlange Bassist in Lederjacke, der mit schwingendem Haar und Dauergrinsen die ganze Bühnenbreite ausnutzt. Jetzt stellt er sich ans Mirko und informiert die Zuschauer freundlicherweise, dass Phil Campbell bei Motörhead gespielt hat – der „verfickt besten Band des Planeten“. Dass hier ein Fan vor uns steht, hört man den nächsten beiden Songs an, für die Kerns das Mikro übernimmt: das live noch punkigere We’re All Gonna Die und Doctor Alibi, das auf dem Album von Lemmy höchstselbst eingesungen wurde. Hier grölt sogar Slash bei den Backingvocals mit. Das macht Spaß und bringt Abwechslung ins Programm.



Nun wird Zeit für eine Ballade: The Great Pretender basiert auf einem melancholischen Gitarrenthema, das an ein aufgewärmtes Parisienne Walkways (Gary Moore) erinnert. Schön, aber kein Höhepunkt. Das gilt auch für Wicked Stone, das außer einem wieselflinkem Hauptmotiv wenig zu bieten hat. Es zieht sich ein bisschen. Und das, obwohl sich das Können der Mannschaft und insbesondere des Anführers schon in Details bemerkbar macht: Die Riffs sind cleverer als anderswo, aber nie verkopft, nicht abgedroschen, aber trotzdem voll Rock’n’Roll. Die Songs als Ganzes allerdings ähneln sich sehr, was dem Set doch gewisse Längen beschert. Hier macht sich leider bemerkbar, dass es wenig Ansagen oder Interaktion mit dem Auditorium gibt. Ohne Frage bieten Slash und seine Gang mindestens gute, oft tolle Rocksongs, und immer mit brillanter Gitarre und ebensolchem Gesang. Doch der Show fehlt vor allem in der Mitte die Dramaturgie, die Abwechslung. Bei Guns N’ Roses mit platinveredelten Welthits, die jeder von uns auswendig kennt, klappt das natürlich einfacher. Im Dutzend hintereinander – dürfen wir es wagen? – ziehen sich die Slash-Myles-Conspirators-Songs tatsächlich manchmal.

Die Actionfiguren auf seiner Wand aus Marshall-Boxen bringt Slash richtig zum Wackeln mit einem langen Gitarrensolo über einen entspannten Grundrhythmus. Ausufernde Gniedel-Einlagen bleiben die Ausnahme an diesem Abend, vielmehr lässt der Mann an den richtigen Stellen der Songs seine Finger fliegen und dehnt höchstens mal ein Outro aus. Nach wenigen Takten wissen wir dann alle wieder, warum der 53-Jährige völlig zu Recht als einer der letzten Gitarrenhelden alter Schule gilt, der neben Geschmack und Ton eine brillante Technik am Start hat und trotzdem immer nach klassischem Rock’n’Roll klingt. Nur eben besser als die anderen.

So langsam biegt die Show auf die Zielgerade ein: Als Song 14 und 15 (!) des Abends erklingen die beiden Singles von Living The Dream, das herrlich treibende Mind Your Manners und das bodenständigere Driving Rain, danach noch By The Sword. Im Gegensatz zu den Touren der Vergangenheit hat die Band bisher nur Stücke von Slashs Soloplatten gespielt, nichts von Velvet Revolver und auch keine Coversongs. Doch einen Klassiker aus der Guns N’ Roses-Schatzkiste haben die Herren im Anschlag: das immergrüne Nightrain, das natürlich mit entsprechendem Hallo begrüßt wird. Vor diesem Publikum gleicht diese Auswahl einem Elfmeter ohne Torwart. Mit acht Bällen. Weitere Ausflüge in den Katalog der großen Hauptband fehlen allerdings, was angesichts der weltweiten Triumphzüge der wiedervereinigten Gunners durchaus Sinn ergibt. Leider werden auch die beiden Snakepit-Alben von 1995 und 2000 komplett ausgespart. Dafür kommt jetzt das ergreifende Starlight mit schönen Harmonien, gesungen von Todd Kerns und Drummer Brent Fizz. Myles Kennedy setzt sich dazu an den vorderen Bühnenrand und zeigt der Welt mal wieder, wie das mit dem Rock’n’Roll-Singen so geht.



Dem Chef wird es mittlerweile ein bisschen warm, also muss ein Roadie Ventilatoren aufstellen und mehrmals die Position optimieren. Jetzt fliegen die Locken schön, also geht es in die Endrunde: You’re A Lie und World On Fire krachen und werden um eine Jamsession ergänzt. Kennedy führt die Fans durch Singspielchen mit ausufernden Melodien, hilft beim Trommeln und schnallt sich eine Gitarre um, als Slash die Finger nochmal ausgiebig fliegen lässt. Eine Zugabe muss sein: Nach Avalon und Anastasia, nach 22 Songs und locker über zwei Stunden Spielzeit winkt die Band dann zum Abschied. Respekt.Bitte, Danke.


Setlist Slash:

The Call Of The Wild
Halo
Standing In The Sun
Ghost
Back From Cali
My Antidote
Serve You Right
Sugar Cane  (Live Premiere)
Shadow Life
We’re All Gonna Die
Doctor Alibi
The Great Pretender
Wicked Stone
Mind Your Manners
Driving Rain
By The Sword
Nightrain (Guns N’ Roses)
Starlight
You’re A Lie
World On Fire
Avalon
Anastasia

Titelfoto: Leonard Kötters/natureofmusic.net


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PJ Harveys Debüt „Dry“ wird 30: Die Wiedergeburt der Patti Smith

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PJ Harvey
Foto: Getty Images

Berstend intensiv, körperlich, kompromisslos: Vor 30 Jahren peitscht uns eine junge, unverfrorene PJ Harvey ihr wegweisendes Debüt Dry um die Ohren. Mitten im Grunge-Bohei wird die Welt Zeuge einer englischen Kulturrevolution.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Dry von PJ Harvey anhören:

Musik und Bildende Kunst gingen für Polly Jean Harvey schon immer Hand in Hand. Die 1969 in Bridport an der südenglischen Küste geborene Sängerin, Künstlerin und Multiinstrumentalistin lernt früh Gitarre und Saxofon, kultiviert aber auch ein ausgewachsenes Interesse an visueller Kunst. Dennoch gibt sie in den Achtzigern erst mal der Musik den Vorzug: Sie spielt in einer Instrumental-Combo und in einer Folk-Band, ehe sie 1988 bei Automatic Dlamini einsteigt und dort unwissentlich die Weichen für ihre Zukunft stellt.

Sonic Youth drängen sich ins Bild

Mit John Parish und Rob Ellis lernt sie in dieser Band zwei wichtige Figuren kennen, die sie auf ihrem Weg in ihre ruhmreiche Solokarriere begleiten werden. Zunächst versucht es Harvey aber mal als Band: 1991 ist für sie Schluss bei Automatic Dlamini, mit den beiden Mitglieder Rob Ellis and Ian Oliver (später ersetzt von Steve Vaughan) gründet sie das Trio PJ Harvey. Zur selben Zeit kommt es zu einer Kräfteverschiebung in ihrem musikalischen Spektrum: Sonic Youth drängen Folk und Blues ein wenig an den Rand, ihre Lust an verzerrter, roher, pulsierender Gitarrenagonie erwacht.

Sie ziehen nach London, wo Harvey ein Studium der Bildhauerei in Betracht zieht. Die Sache mit der Musik, sie traut ihr irgendwie noch nicht so ganz. Selbst als ihrer ersten Single Dress viel Aufmerksamkeit zuteil wird und sie im Zuge dessen sogar von Radiogott John Peel protegiert wird, ist sich die damals 22-Jährige nicht sicher, ob eine musikalische Karriere eine Zukunft hat. Deswegen klinge ihr Debüt Dry auch so wie es klingt, sagte sie 2004: „Dry war meine allererste Chance, ein Album zu machen, und ich dachte damals, es wäre meine letzte. Also steckte ich alles in diese Songs, was ich hatte.“

Reinkarnation der Punk-Urmutter

Dry ist ein bemerkenswert extremes Album. Metallischer Bass, versengender Gitarrensound, dumpfe Percussions, dazu Cello, Kontrabass und diese Stimme. Das hier war nicht eine weitere Alternative-Rock-Band mit einer Frau am Mikrofon. Das war eine Wachablösung, eine Kampfansage an das Patriarchat des Rock’n’Roll. Mehr als jeder andere Vergleich zieht deswegen der mit Patti Smith: PJ Harvey als Reinkarnation der Punk-Urmutter, feministisch, intellektuell, weiblich, einschüchternd talentiert. Dry als das Horses der Neunziger – ein furioses, feminines, poetisches Aufbäumen voller schwerer Gitarren und versengender Lyrik.

Und nicht nur das: Dry ist zudem voller grandioser Songs. Dress als erste Single wirkt schon wie ein krachiges Leuchtfeuer, getoppt von Sheela-Na-Gig, einem dieser Stücke, die heute ebenso emblematisch für die Neunziger stehen könnten wie, sagen wir, Smells Like Teen Spirit. Das abschließende Water hingegen zeigt früh in ihrer Karriere ihre Rolle als Rockmusikerin und Poetin in Personalunion – der Wesenszug also, der auf künftigen Werken sehr viel stärker zum Vorschein kommt.

Schroffer Vorstoß

PJ Harvey ist näher an der feministisch-existentialistischen Poesie von Silvia Plath oder Virginia Woolfe als am Klischee dauerbesoffener Kunstschaffender, ist Lichtjahre entfernt von sinnentleerten Rock-Bands in knappen Höschen. Diese Erniedrigung überlässt sie gern anderen. Sie ist eine hochgebildete Denkerin, eine Intellektuelle in der politische Zeitgeschehen und Mythos kollidieren. Ihre Waffe sind gleichermaßen ihr Stift, ihre Stimme und ihre Gitarre, ihr Debüt ein schroffer Vorstoß in eine Welt, die bislang eher eine andere Art von Frontfrau gewöhnt war. Sie war Engländern, vielleicht liegt es ja auch ein bisschen daran. Doch wo Courtney Love am einen Ende des Spektrums thront, nimmt Harvey liebend gern das andere Ende ein.

Nicht, dass sich PJ Harvey mit ihren Reizen zurückhält, nicht, dass sie nicht sexy, lasziv kann. Ihre Persona und ihre Musik – allen voran ihre allererste jemals veröffentlichte Single Dress – machen aber vom Fleck weg eines klar: Wenn du dich so kleiden willst, dann tu es für dich. Und nicht, um jemand anderem zu gefallen. Nur weil sie eine Frau mit einer Gitarre ist, wollte PJ Harvey nie gefeiert werden, wollte sie nie auf dem Cover eines Magazins landen. Wenn schon, dann bitteschön wegen ihrer Musik. Mission erfolgreich, kann man 30 Jahre später sagen.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.6.1975 treten Cher und Gregg Allman vor den Traualtar.

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Foto: Frank Edwards/Fotos International/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.6.1975.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Vom Traualtar zum Scheidungsanwalt und zurück: Am 30. Juni 1975 heiratet Cherilyn „Cher“ Sarkisian ihren zweiten Ehemann Gregory LeNoir Allman, vier Tage nach Chers offizieller Scheidung von Sonny Bono. Für Gregg ist es bereits die dritte Vermählung. Doch das junge Glück währt nur kurz; neun Tage später will Cher die Ehe auflösen lassen. Letztlich gehen aus der turbulenten Verbindung doch noch ein Kind und ein Album hervor, bevor sie 1979 tatsächlich endet. 

Hört hier das gemeinsame Album Two The Hard Way: 

Als Cher und Gregg Allman im Januar 1975 zum ersten Mal aufeinandertreffen, stehen die Sterne eigentlich schon schlecht für die beiden: Cher befindet sich mitten in der Scheidungsschlacht mit ihrem ersten Ehemann Sonny Bono und kämpft im Zuge dessen auch um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Chastity. In Greggs Leben läuft es derweil nicht weniger chaotisch. Sein Alkohol- und Drogenkonsum nimmt Ausmaße an, der nicht nur die Allman Brothers Band zu zerreißen droht, sondern auch für Ermittlungen der Drogenvollzugsbehörde sorgt. 

Blitzbegegnung

Dennoch schlägt die Begegnung zwischen den beiden ein wie ein Blitz: „Sie roch so, wie ich mir den Geruch einer Meerjungfrau vorstelle“, erinnert sich Allman an das erste Treffen bei einem seiner Konzerte. Dass seine Auserwählte zu dem Zeitpunkt eigentlich ein Date mit Musikmagnat David Geffen verbringt, beeindruckt ihn wenig: „Ich war so unhöflich, ich sagte David nicht einmal ‚Hallo‘, weil ich so geblendet von ihr war.“ Cher gibt Gregg ihre Telefonnummer. Bis zum ersten Anruf vergehen keine 24 Stunden.

Bereits die erste Verabredung endet dank Allman im Desaster: Als Abschluss des Abends liegt er, berauscht vom Heroin, bewusstlos in der Ecke. Cher ignoriert die Warnzeichen jedoch und lässt sich auf eine zweite Verabredung ein. Dieses Mal läuft es besser. In einer Disco trinkt Gregg sich genug Mut an, um mit seiner Angebeteten zu tanzen. Im Anschluss geht es zu Cher nach Hause, wo die beiden sich im Rosengarten näherkommen. 

Eine Ehe wie eine Achterbahn

Ab da passiert alles im Eiltempo. Rund sechs Monate nach dem ersten Treffen, am 30. Juni 1975, heiraten die beiden in Las Vegas. Fans und Presse sind außer sich: Zum einen, weil die Tinte auf Chers und Sonnys Scheidungspapieren noch nicht trocken ist, zum anderen, weil die Popsängerin und der Southern-Rock-Pionier ein derart ungleiches Paar abgeben. Das scheint auch ihr bald zu dämmern – nur neun Tage nach der Eheschließung ruft sie ihren Gatten an, um ihm zu sagen, dass es vorbei ist. Doch der? Ist „so high, dass er mich noch nicht mal versteht“, erinnert sich die Pop-Diva. 

Innerhalb eines Monats gelingt es Allman, seine Frau zurückzugewinnen. Doch die Achterbahnfahrt der Gefühle geht weiter, als im Jahr darauf die Sonny And Cher Show, die erste TV-Sendung mit einem geschiedenen Ehepaar, wieder über die Bildschirme flimmert. Dieses Mal ist es Gregg, der die Scheidung einreicht und sie wieder zurückzieht, als er herausfindet, dass seine Frau schwanger ist. 

Noch eine Chance

Der gemeinsame Sohn Elijah Blue wird am 10. Juli 1976 geboren und scheint das Paar miteinander zu versöhnen. Dem Magazin People gegenüber verrät Cher: „Gregory hat aufgehört zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich habe ihn schon immer geliebt, aber bisher dachte ich, es würde nicht halten. Zum ersten Mal fühlen wir uns wirklich wie verheiratete Leute.“ 

Allmans Solokarriere nimmt derweil wieder Fahrt auf. Das gemeinsame Album Two The Hard Way, welches im November 1977 erscheint, soll ihre Liebe unterstreichen. Bei Fans und Kritikern wird die Platte jedoch eher belächelt; zu unterschiedlich scheinen die beiden Musiker zu sein. 

Es hilft nichts

Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung lassen sich Cher und Gregg zum letzten Mal scheiden. Und dieses Mal zählt’s. Während die dunkelhaarige Schöne sich unter anderem mit Kiss-Gründer Gene Simmons tröstet, zieht es Allman noch im selben Jahr wieder vor den Traualtar. 1979 veröffentlicht Cher mit My Song (Too Far Gone) einen Titel für ihren Verflossenen: 

Now he’s too far gone to hold me, 

Too far gone, he doesn’t wanna know me

Too far gone, and he doesn’t really know 

No, he’ll never get to know his son

Trotzdem spricht sie auch sehr positiv von der gemeinsamen Zeit: „Niemand hat mich jemals so glücklich gemacht wie Gregory“, sagt Cher in einem Interview. Als Gregg Allman 2017 stirbt, zollt die Sängerin ihrem Exmann Tribut. 

Zeitsprung: Am 1.5.1967 heiraten Elvis Presley und Priscilla Ann Beaulieu.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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