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Popkultur

Zeitsprung: Am 13.7.1973 veröffentlichen Queen ihr Debüt „Queen I“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 13.7.1973.

von Christof Leim und Tom Küppers

Hier könnt ihr in Queen reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album

Dass sich der Weg auf den Rockgipfel lang hinziehen kann, haben Sänger Freddie Mercury, Gitarrist Brian May, Bassist John Deacon und Schlagzeuger Roger Taylor bereits zu Beginn ihrer Karriere festgestellt. Waren die anfänglichen Live-Schritte schon beschwerlich genug (alles zum ersten Gig hier), gerät die Entstehung des Debütalbums beinahe zu einer unendlichen Geschichte.

Nachdem Queen fast zwei Jahre in und um London an jeder Steckdose gespielt haben, erhält die Band die Chance, in den angesagten De Lane Lea Studios ein Demo mit fünf Titeln aufzunehmen. Doch trotz einer gelungenen Produktion bleiben danach die fetten Angebote der Plattenfirmen aus. Das mag man aus heutiger Sicht nicht so recht nachvollziehen können, aber urteilt bitte selbst:



Deshalb fassen sich die Brüder Barry und Norman Sheffield 1972 ein Herz und bieten ihre Trident Studios für die Aufnahmen des „richtigen“ Debütalbums an. Norman übernimmt zusätzlich das Management. Der nicht ganz unwesentliche Haken an der Sache: Queen dürfen nur dann ran, wenn niemand anders das Studio belegt, weswegen die Sessions in der Regel zu späten Tages- und Nachtzeiten stattfinden. Immerhin verdanken wir diesem Umstand eine ganz wunderbar obskure Solo-Veröffentlichung.



Als die Musiker nämlich eines Tages mal wieder darauf warten, zum Zug zu kommen, wird Mercury vom Produzenten Robin Cable gefragt, ob er ihm nicht mal eben schnell zwei Coverversionen einsingen könne. Der Frontmann nimmt Schlagzeuger Taylor und Gitarrist May gleich mit, gemeinsam nageln die drei die beiden Songs Goin’ Back und I Can Hear Music aufs Band. Das ganze erscheint dann 1973 als Single unter dem köstlichen Pseudonym Larry Lurex.



Mit ihrem Produzenten Roy Thomas Baker, der unter anderem schon für Free und Nazareth gearbeitet hatte, läuft es dagegen nicht so reibungslos. So streiten sich Baker und die Musiker über die Qualität der Percussion-Spuren von Mad The Swine. Konsequenterweise fliegt der Song mangels Einigung komplett vom Album. Erst 1991 taucht er als B-Seite der Headlong-Single und 2011 auf einer Wiederveröffentlichung von Queen I auf.



Vor allem will Baker die Songs des De Lane Lea-Demos noch einmal komplett neu einspielen lassen. Das kratzt gewaltig am Ego der vier Rocker, schließlich sind sie mehr als stolz auf ihre ersten Aufnahmen. Widerwillig einigt man sich auf Keep Yourself Alive als Testballon, aber trotz mehrerer Versuche mit über einem halben Dutzend verschiedener Mixe wird kein zufriedenstellendes Ergebnis erzielt. Nun schlägt die Stunde von Aufnahmetechniker Mike Stone, der sich hinter das Mischpult klemmt und im ersten Anlauf einen Mix hinlegt, den Queen sofort abnicken. Stone wird auch an den nächsten fünf Alben beteiligt sein, Baker darf immerhin noch dreimal ran.



Von Juni bis November 1972 dauern die etappenweisen Aufnahmen. Als in den folgenden Monaten immer noch keine Plattenfirma anbeißt, bringt Trident das Ding am 13. Juli 1973 unter dem Namen Queen selbst in die Läden. Die Presse vergleicht die Musik darauf immer wieder mit Led Zeppelin und steht dem Album grundsätzlich positiv gegenüber. So urteilt der Rolling Stone, das Debüt sei „ein Monster“, nachzulesen hier. Bis heute hat sich von diesem Erstlingswerk, das oft auch Queen I genannt wird, vor allem Keep Yourself Alive gut gehalten, die meisten anderen Nummern verblassen deutlich im Vergleich zu den Großtaten, die noch folgen sollten. Fünf der zehn Stücke stammen aus der Feder von Freddie Mercury, vier von Brian May, eines von Roger Taylor. Beim letzten Track handelt es sich um eine gekürzte und instrumentale Version des zukünftigen Hits Seven Seas Of Rhye. In den Liner Notes zur Platte steht außerdem zu lesen: „Und niemand hat Synthesizer gespielt.“ Vor allem Brian May legt Wert auf diese Anmerkung, damit niemand die mehrstimmigen Gitarrenspuren und Chorarrangements mit elektronischen Instrumenten verwechselt.

Ansonsten bewerten die Musiker selbst ihren Einstand schon damals kritisch, wie Brian dem Guitar-Magazin kurz nach der Veröffentlichung 1973 in die Feder diktiert: „Manches ist wohl überarrangiert. Die Lieder haben sich in den Jahren eben verändert, einige wohl zu viel.“ Außerdem steckt die Band inzwischen längst in den Vorbereitungen zum Nachfolger und unternimmt bereits den nächsten musikalischen Entwicklungsschritt. Queen II erscheint schon am 8. März 1974, nur ein Dreivierteljahr später…


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