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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.6.1985 veröffentlicht Bryan Adams „Summer Of ’69″.

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Foto: Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.6.1985.

von Frank Thießies und Christof Leim

Am 17. Juni 1985 erscheint Summer Of ’69 von Bryan Adams, eine Hitsingle über jugendliche Unschuld und frühe Bands. Dekaden später lässt der Sänger durchblicken, dass sich der Titel sich keineswegs auf eine konkrete Jahreszahl bezieht… Geht es hier jetzt um Nostalgie oder Sex?

Hier könnt ihr euch Reckless anhören:

Beginnen wir von vorne. Als Bryan Adams und sein Songschreibpartner Jim Vallance im Januar 1984 besagtes Lied fertigstellen, hat der Song bereits etliche Variationen durchlaufen. Ursprünglich unter dem Arbeitstitel Best Days Of My Life geführt, entscheidet man sich schließlich für Summer Of ’69. Vallance erklärt dazu recht konventionell und sittsam, dass die Inspiration für den Titel zum einen von dem Jackson-Browne-Song Running On Empty herrühre, der unter anderem die Zeile „In ’69 I was 21“ enthält, zum anderen von dem Film Summer Of ’42  aus dem Jahr 1972. (Für die Vollnerds, und sind wir das nicht alle: Vallance hat sogar eine zeilengenaue Herkunftserklärung des Textes veröffentlicht, steht hier.) 

Bryan Adams selbst jedoch stellt 2008 in einem Interview klar, dass es um sommerliches Liebemachen und – konkreter – um die sexuelle Oral-Stimulations-Stellung namens 69 geht. Auch bei Konzerten und in anderen Interviews erwähnt er das. Warum 23 Jahre später? Man weiß es nicht, aber die Öffentlichkeitswirkung liegt auf der Hand.

Fiktion und Fakten

Für diese Interpretation spricht, dass Adams in besagtem Sommer 1969 erst neun Jahre alt ist und das Jahr von Woodstock, der Mondlandung und den Morden der Manson-Familie somit sicher nicht das prägendste für den Sänger darstellt. Autobiografisch kann der Text von Summer Of ‘69 also schon mal nicht sein. Auf der anderen Seite muss festgehalten werden, dass sich im weiteren Liedtext keinerlei sexuelle Hinweise oder Anspielungen verstecken. Vielmehr beschreit in Summer Of ’69 ein namenloser Ich-Erzähler rückblickend eine Jugenderinnerung an jene Zeit, in der er sich auf einer Second-Hand-Gitarre die Finger blutig spielt und seine erste Schulband auseinanderbrechen sieht. Zudem taucht die Zeile „Summer of ’69“ in den frühen Versionen des Liedes nur ein einziges Mal auf und wird von den Komponisten erst nach der Umbenennung bewusst öfter eingestreut.

Zwei Figuren in der zweiten Strophe haben immerhin zwei ganz andere reale und nicht- fiktionale Vorbilder. Dort heißt es: 

„Me and some guys from school/Had a band and we tried real hard/Jimmy quit, Jody got married/I should’ve known we’d never get far.” 

So lautet Jimmy tatsächlich der Name eines früheren Schlagzeugers aus Adams Band, bei Jody handelt es sich um eine Anspielung auf Jody Perpick, Adams damaligen Tourmanager und Tontechniker, der zur Entstehungszeit des Liedes tatsächlich geheiratet hat und im Video von Summer Of ’69 mit seiner Frau als frischvermähltes Paar auftritt.

Eine Stelle allerdings…

Auch die folgenden Strophen, die mehr von romantischer Natur sind als dass sie von grünschäbeligen Rockbands handeln, gestalten sich so gar nicht (s)explizit. Vielmehr könnte man an diesen Stellen über den Einfluss einer Springsteen-Story wie Thunder Road mutmaßen und diskutieren. Doch das nur am Rande. 

„Standin’ on your mama’s porch/You told me that you’d wait forever/Oh, and when you held my hand/I knew that it was now or never/Those were the best days of my life.” 

Letztendlich bleibt der sexuelle Subtext des Songs Summer Of ’69 also ambivalent. Bis auf eine Stelle: Ganz am Ende, im Outro, singt Adams „Me and my baby doing 69“, und zwar genau hier. Dazu soll er gesagt haben: „Man muss schon Watte in den Ohren haben, um das nicht mitzubekommen.“ An der Stelle wollen wir kurz ein kanadisches Gesetz von 1969 erwähnen, das für einige längst überfällige Liberalisierungen sorgte und unter anderem diese Konsequenz hatte… Zufall?


Was denn nun?

Auf der anderen Seite: Selbst wenn sich im Text keine weiteren Belege für eine sexuelle Eindeutigkeit finden, findet sich darin eben auch kein direkter historischer Verweis auf das Jahr 1969. So wird das Jahrhundert, die „19“, nie genannt. Für sich allein genommen können die Worte Summer Of ’69 in der Tat beides bedeuten: Ein Jahresrückblick sowie eine versteckte Anzüglichkeit. Vermutlich sollte man sich einfach auf den unverfänglichsten Erklärungsansatz einigen: Summer Of ’69 beschreibt einen späten, vielleicht verklärten Sommer der Liebe – der musikalischen wie auch der zwischenmenschlichen. 

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