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Popkultur

Zeitsprung: Am 28.12.1983 ertrinkt Dennis Wilson von den Beach Boys.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.12.1983.

von Christof Leim

Mit den Beach Boys zu Ruhm und Reichtum gekommen, lebt Dennis Wilson ein unstetes Leben und lässt es krachen. Das wird ihm zum Verhängnis: Er stirbt am 28. Dezember 1983, als er betrunken einen Tauchgang unternimmt.


Hört hier in die besten Songs der Beach Boys rein:

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1983 ist Dennis Wilson ziemlich weit unten angekommen. Der Drummer der Beach Boys war zwischenzeitlich aus der Band geflogen, hat fünf Ehen mit vier Frauen hinter sich und eine starke Vorliebe für Alkohol, Kokain, Heroin, Gefahr und Zerstörung.

Dabei lief es anfangs bestens: Die Beach Boys verdienen schon früh viel Geld, und die Damen fliegen auf Dennis, den „mittlere“ Bruder von Carl und Brian Wilson. Als einziger in der Band kann er tatsächlich surfen und pflegt den „kalifornischen Lebensstil“, den die Gruppe in ihren Songs besingt. Zwischenzeitlich veröffentlicht er mit Pacific Ocean Blue (1977) sogar ein Soloalbum, lässt sich allerdings auch mit Sektenführer Charles Manson ein. Ende der Siebziger verschlechtert sich die Stimmung in der Gruppe, Dennis’ exzessives Partyleben und seine unsteten musikalischen Leistungen machen es nicht besser (und er ist nicht mal der einzige Problemfall).

Die Beach Boys in besseren Zeiten, mit Dennis Wilson in der Mitte

Im November 1983 stellen ihm die Kollegen nach Ende einer Tour deshalb ein Ultimatum: Entzug oder Rauswurf. Damals lebt er ohne festen Wohnsitz und schlägt sich bei Freunden durch. Eine Therapieanstalt in Arizona verlässt er nach zwei Tagen wieder, begibt sich aber am 23. Dezember 1983 in eine Entzugsklinik im kalifornischen Santa Monica, wo er bis zum Abend des 25. bleibt. Nach einer Schlägerei mit einem Freund seiner Noch-Ehefrau muss er sich in einem anderen Krankenhaus behandeln lassen, macht sich aber auch hier nach wenigen Stunden wieder vom Acker – und kippt einen Wodka nach dem anderen.

Dennis Wilsons 1977er-Soloalbum sorgte für Streit bei den Beach Boys

Am Abend des 27. Dezember meldet er sich bei einem alten Freund namens Bill Oster, dessen Boot Emerald mal neben Wilsons Harmony im Pier von Santa Monica vor Anker lag. Wie der Rolling Stone berichtet, behauptet der Musiker, sich am nächsten Tag erneut in den Entzug begeben zu wollen. Aber vorher will er es sich nochmal auf der Emerald gut gehen lassen. Die ganze Nacht bleiben Wilson, seine neue Freundin, Oster und dessen Verlobte wach, trinken und reden. Dennis Wilson schläft danach schlecht und schwitzt stark. Am nächsten Tag ernährt er sich von Wodka und Sandwiches – und fängt irgendwann an, neben dem Boot zu tauchen. Wie sich rausstellt, sucht er Gegenstände, die er drei Jahre zuvor an gleicher von seinem eigenen Schiff ins Wasser geworfen hatte, etwa Hochzeitsfotos, einen Beutel mit Silberdollars und einen Werkzeugkasten. Zwischendurch trinkt er noch eine Flasche Wein und schwätzt einem „Bootsnachbarn“ sogar noch mehr Alkohol ab.

Dann unternimmt er seinen letzten Tauchgang: Einmal kommt er noch zum Luftholen zurück an die Oberfläche und verschwindet wieder. Bill Oster glaubt zunächst, der Musiker wolle sich unter oder hinter dem Boot verstecken. Doch Dennis Wilson taucht nicht wieder auf.

Die alarmierte Hafenpolizei findet nach einer halbstündigen Suche seine Leiche. Manche forensische Pathologen gehen davon aus, Wilson ein „Schwimmbad-Blackout“ ereilte, eine plötzliche Bewusstlosigkeit unter Wasser. Sein Blutalkoholspiegel von über zwei Promille hat sicher nicht geholfen. Dennis Wilson wird nur 39 Jahre alt, er hinterlässt fünf Kinder. Am 4. Januar 1984 wird der Musiker auf See bestattet, was normalerweise nur Marineangehörigen vorbehalten ist. Möglich macht das Präsident Ronald Reagan. Bei der Beisetzung läuft sein Song Farewell My Friend.



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