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Metallica: Welche Schätzchen man in der Deluxe-Box von „…And Justice For All“ findet

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Nach 30 Jahren haben Metallica ihr viertes Album …And Justice For All neu aufgelegt, frisch remastered und in einer Deluxe-Box-Version mit massenhaft Extras ausgestattet. Wir haben uns genauer angeschaut, was man an Schätzchen und Besonderheiten finden kann."

von Christof Leim

Hört hier in die Neuauflage von Justice rein:

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Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die Neuauflage

Mit …And Justice For All können Metallica 1988 trotz komplexer Songs und eines rüden, durchaus umstrittenen Klangbildes einen Verkaufsschlager landen. Die ganze Geschichte des Albums könnt ihr hier nachlesen, alles zu den Songs gibt es hier, und was es mit dem fehlenden Bass auf sich hat, steht hier.



Die Neuauflage gibt es in drei Editionen: das Album alleine als Remaster (CD/LP/MC/Download/Stream), ein 3er-CD-Paket mit ausgesuchten Demos und Liveaufnahmen – und ein Boxset mit 11 CDs, 6 LPs, 4 DVDs, einem großen Buch und ordentlich „Sammelkram“. So setzt die Box also fort, was Metallica in den vergangenen Jahren mit den Neuauflagen ihrer ersten drei Werke angefangen haben. Sie ist ein fettes Teil, fast fünf Kilogramm schwer und etwa so groß wie 28 übereinandergestapelte Schallplatten. Der gesamte Audioinhalt lässt sich über einen Download-Code runterladen und übrigens auch auf Spotify anhören.



Das Remaster

Für das Kernstück der ganzen Angelegenheit wurden alle neun Songs von Blackened bis Dyer’s Eve neu gemastert. Dadurch knallt die Platte ein bisschen mehr, ihr grundlegender Sound hat sich allerdings nicht geändert.



Die Box bietet die Neuauflage als CD-Digipak und als Doppel-LP mit zwei Songs pro Seite – wie früher. Ein interessantes Detail: Auf der Auslaufrille der schwarzen Scheiben findet sich die Gravur „Made on the MetalliPress“, denn die Band besitzt eine eigene Vinylpresse, wie Kirk Hammett in seinem Unboxing-Video erzählt (siehe unten).

Die Schätzchen

Für einen geschmackssicheren Metallica-Freak gibt es einiges zu finden, zu hören und zu gucken. Drei Höhepunkte lassen sich dabei ausmachen:

  • Das Buch: Geschichten, Fotos, Einblicke
  • Live In Seattle ’89: ein neues, sehr gutes Livealbum
  • Die Demos: Wie der Bass scheppern kann…


Schätzchen #1: Das Buch

Fotos, Fotos, Fotos: Der 120-seitige Schinken beeindruckt vor allem mit haufenweise coolen Bildern. Ob im Studio, auf der Bühne, hinter den Kulissen, bei Parties, bei „richtigen“ Sessions, im Eis oder auf Gebirgen – Fotograf Ross Halfin war immer dabei. Was man feststellen kann: Schon damals sah Hetfield auf der Bühne aus, als wäre er acht Meter groß, ansonsten schneidet er meistens blöde Grimassen. Außerdem wirken alle vier nicht selten noch ziemlich jung (was sie ja auch waren), fast immer haben sie Metal-Shirts an, und Lars trägt genaugenommen einen Vokuhila.



Das Buch begleitet die Entwicklung von den Aufnahmen ab 3. Januar 1988 bis zum Ende der Damaged Justice Tour am 7. Oktober 1989. Es findet sich viel Schnipselkram wie Grafiken, Poster, Magazine, Promotexte und Shirts. Die Notizen aus dem Studio,  Songarrangements und Detailanweisungen von Kirk zeigen: Das war echt Fummelei damals in in Prä-Digital-Zeiten.

Die Justitia vom Gerechtigkeitsbrunnen in Frankfurt diente unter anderem als Vorbild für das Cover von „Justice“

Jede Menge Zeitzeugen kommen zu Wort, angefangen mit Produzent Flemming Rasmussen, der das Projekt retten musste, und Mike Clink, den er ersetzte. Steve Thompson und Michael Barbiero, damals verantwortlich für den Mix, nennen die Streitereien über den Sound diplomatisch „kreative Differenzen“, Toningenieur Toby Wright eröffnet, dass Lars bei The Shortest Straw zum ersten Mal Backing Vocals gesungen hat. Wir erfahren auch, dass ein Vorbild zur Statue auf dem Cover in Frankfurt steht, wie Metallica mit dem One-Video erfolgreich ihren Kopf durchgesetzt haben, und was damals die zehn Lieblingsplatten der Musiker waren. Zu Wort kommen Sammy Hagar (Van Halen), Jim Martin (Faith No More), Pushead (Metallica-Grafiker), diverse Mitglieder der Crew, Haus- und Hoffotograf Ross Halfin, Metallica-Intimus Steffan Chirazi und etliche mehr.

Immer wieder ein Thema sind die gute Leistung von Jason Newsted im Studio, die man bekanntermaßen nicht hört, ebenso sein bemerkenswertes Rückgrat in einer allgemein schwierigen Situation nach dem Tod seines Vorgängers Cliff Burton. Leider aber kommt Newsted in diesem Buch nicht zu Wort. (Allerdings veröffentlicht der Metallica-Online-Fanclub ein ausführliches Gespräch mit dem Bassisten.)

Schätzchen #2: Live In Seattle ‘89

Dieses Konzert wurde 1993 schon als Video in der Live Shit: Binge & Purge-Box veröffentlicht – und gilt vielen Fans als eines der besten Metallica-Livedokumente überhaupt. Die Band steht hier echt in Flammen, spielt messerscharf, knüppelhart und mit Groove – da konnte damals niemand mithalten. Nun gibt es diese Show jetzt endlich offiziell zum Hören als Dreifach-Vinyl und mp3, für die Streaming-Freunde auch auf Spotify.



Man kann es auch so formulieren: Mit Live In Seattle ’89 haben Metallica ein geiles neues Livealbum aus ihrer womöglich besten Zeit veröffentlicht. Das fängt schon mit der großartigen Setlist an. Man höre nur den Doppelschlag Blackened/For Whom The Bell Tolls am Anfang oder den Übergang von To Live Is To Die in Master Of Puppets. Zudem hört man The Thing That Should Not Be live eher selten.



Schätzchen #3: Demos und James’ Riff Tapes

Erneut haben Metallica tief in ihren Gerümpelkisten gewühlt und drei CDs mit Aufnahmen gefüllt, die die Entstehung der Songs skizzieren – was zugegebenermaßen vor allem Musiker und Vollnerds begeistern dürfte. Es fängt an mit Hetfields Riff Tapes, die oft nur kleine Fragmente enthalten, aus denen nachher die berühmten Lieder entstanden sind. Es klingt lustig, wie zurückhaltend unser Mann zu rudimentären Sequenzen die späteren Gesangsmelodien summt, als säße er nachts neben seinem Kassettenrekorder und dürfte die Mama nicht wecken.

Zum Teil klingen die Arbeitsproben der Writing In Progress-Versionen noch anders als später, ein Justice-Bausatz quasi. So hingen Eye Of The Beholder und Harvester Of Sorrow mal wie ein Mash-up zusammen in einem Track, oder es hatte der Titelsong einen etwas anderen Chorusgesang. Richtig interessant wird es für die Metalli-Freaks bei den fast fertigen Demos und vor allem den Rough Mixes aus dem Studio. Deren Sound wirkt zwar noch ein bisschen unrund manchmal, auch fehlen Soli oder Vocals, aber hier scheppert der Bass, dass man fast „Hallo Jason!“ rufen möchte.

Und sonst? Live-Mitschnitte!

Die Anzahl der angebotenen Liveaufnahmen üppig zu nennen, wäre eine Untertreibung. Wir haben mal gezählt: Als Audio oder Video finden sich 134 beim Konzert mitgeschnittene Songs. Natürlich hört man die meisten Lieder davon mehrfach (etwa Blackened, One, Puppets oder Seek & Destroy), was ziemlich rasch Abnutzungserscheinungen mit sich bringt. Allerdings finden sich hier auch selten gespielte Nummern wie Eye Of The Beholder, The Shortest Straw und Leper Messiah.

West Hollywood, Mai 1988

Los geht’s mit einer Aufnahme aus dem nur 500 Leute fassenden Troubadour in West Hollywood. Dort absolvieren Metallica zwei Warm-up-Shows für die Monsters Of Rock-Tour, eine davon unter dem Decknamen „Frayed Ends“. Der Sound fällt gewöhnungsbedürftig aus. Damals sind weder das Album noch die erste Single Harvester Of Sorrow erschienen, doch der Song steht schon auf der Setlist. Die Version von Whiplash fällt an diesem Abend so unfassbar schnell aus, dass Kirk sich im Unboxing-Video fragt, „welche Vitamine“ die Band wohl genommen hat. Nicht wenige Fans vermuten daraufhin, diese „Vitamine“ seien sicher von weißlicher Farbe gewesen und durch die Nase eingenommen worden, aber Details bleiben natürlich (k)ein Geheimnis.



London, Oktober 1988

In das legendäre Hammersmith Odeon in der britischen Hauptstadt passen 3500 Fans, und Metallica spielen gleich dreimal hintereinander. Die Tour läuft da schon einen guten Monat, die Metal-Maschine rollt mit Macht, aber aber mehr als Bootleg-Qualität ist leider nicht drin. Seltenes im Programm: Damage Inc. und Battery.

Long Beach, Dezember 1988

In den USA gelten Metallica damals schon als echte Stadion-Headliner, deshalb spielen sie Ende 1988 in der über 13000 Menschen fassenden Long Beach Arena. Und ja, das ist genau der Laden, in dem Iron Maiden Live After Death aufgenommen haben („Scream for me, Long Beach!“). Auch hier zeigt die Band ein bemerkenswertes Energieniveau und spielt vermutlich mehr Justice-Songs als jemals sonst bei einer Show, nämlich vier. Qualität: mittel.



Die B-Seiten

Es gibt nicht viele. Zwei Coversongs hatten Metallica aufgenommen, nämlich Breadfan von Budgie und The Prince von Diamond Head. Die finden sich hier auch in neu gemasterter Form. Wusstet ihr, dass es außerdem sogenannte „Radio Edits“, also gekürzte Versionen, von drei Songs gibt? Bei Metallica heißt das allerdings, dass Eye Of The Beholder, One und …And Justice For All  „nur noch“ fünf bis sechs Minuten lang sind. Wer die Tracks gut kennt, wird sich über fehlende Einzelteile wundern.

Der Vollständigkeit halber seien noch die damaligen Single-B-Seiten erwähnt, acht Mitschnitte, die von einem Gig in Texas (Februar 1989) und eben jenem Seattle-Konzert (August 1989) stammen – und zu den besseren Liveaufnahmen in dieser Box zählen.

Die DVDs

Zum Gucken gibt es einiges auf den vier DVDs mit vielen Konzertpassagen, Backstage-Unsinn und Reportagen.

And Camcorders For All:

Dieses Segment stammt aus Lars Ulrichs Privatsammlung, der Name ist Programm. Das produziert vor allem Zappel-Footage, was an die Pantera-Homevideos erinnert, außer dass hier weniger kaputt geht. Wir sehen zum Beispiel, wie Lars unter der Hallendecke rumklettert, außerdem Unsinn im Flugzeug, Hetfield mit einem ferngesteuerten Auto, der beeindruckende Zusammensturz der Justice-Statue und die Stimmung nach dem allerletzten Gig (die so gut ist, dass Hetfield Fotograf Halfin spontan die Schläfen kahlrasiert). Das wirkt alles ganz amüsant, die immer wieder gleichen Songs dazwischen in höchstens Bootleg-Qualität braucht man nicht.



Das One-Video:

Muss man haben, muss kennen. Hier gibt es nun alle Versionen gesammelt inklusive einer „B-Roll“mit alternativen Auftritten und dem Auftritt bei der berüchtigten Grammy-Verleihung.

Mehr Konzerte:

Ordentlich Spaß macht die Aufzeichnung aus Mountain View vom September 1989: Wir sehen die Justice-Produktion in voller Pracht, die Band geht ab wie nix, vor allem James und Jason, und die Qualität kann man durchgehen lassen.



Das Konzert aus Newark in Delaware vom August 1989 fällt aus dem Rahmen: Metallica spielen hier in einem 1000er-Club, einer College-Bar namens Stone Balloon. Etwas Größeres ließ sich in Delaware nicht finden, aber Lars wollte unbedingt in allen 50 Bundesstaaten auftreten. Metallica feiern die Gelegenheit erstens mit einem Old School-Set mit vielen Songs von Kill ‘Em All, zweitens angeblich mit großzügigem Alkoholausschank bei der Arbeit. Geprobt wird in der Garderobe mit einem Stuhl als Drumkit, und wir wissen jetzt auch, dass Ulrich damals zwei Paar Tennissocken bei dem Trommeln getragen hat. Hurra.



Ansonsten gibt es ein paar rohe Mitschnitte von besagter Monsters Of Rock-Tour im Sommer 1988, bei der Metallica nachmittags als zweite Band auftreten mussten. Das hält die Musiker allerdings nicht davon ab, richtig Alarm auf der Bühne zu veranstalten, und ab 15 Uhr war dann Biertrinkzeit. Die folgende Band Dokken hatte damals regelmäßig einen richtig schweren Stand, aber bei dieser Show steht Dokken-Drummer Mick Brown am Bühnenrand und hat sichtlich Spaß mit Whiplash. Immerhin.

Doku und Interviews:

Wer bis hierhin immer noch nicht genug bekommen hat, darf sich noch über eine Reportage namens Justice On Wheels freuen, für die ein Kamerateam die Reisegruppe besucht hat. Das Filmchen wurde zwar bereits veröffentlicht, aber die Interviews mit Band und Crew erlauben erneut Blicke in den mentalen Maschinenraum der Metallica-Tour. Grundtenor: Es ist der Band immens wichtig, ihr eigenes Ding durchzuziehen und es anders zu machen als die anderen Kinder, woraus resultiert eine grundlegende „Fuck You“-Attitüde resultiert. Des Weiteren spricht der renommierte japanische Rock-Journalist Masa Ito mit allen vier Mitgliedern getrennt und produziert so ein nettes Zeitdokument. (Wir könnten wetten, dass Lars während des Gesprächs mit einem ordentlichen Kater kämpft.)



Das Sammelzeug

Wie schon bei den ersten drei Boxen haben Metallica viel Kleinkram in die Box gepackt, den wir mal „das Sammelzeug“ nennen wollen. Dazu gehört eine Picture Disc von One mit der ebenso bekannten wie coolen Pushead-Grafik, die Kirk „Stumpy“ nennt, ein Pushead-Druck von Shortest Straw, ein Tourpass mit Setlist, vier Patches und eine Mappe mit Drucken von Hetfield handschriftlichen Texten. Sammler werden also versorgt.

Fazit

Mit der Deluxe Box von …And Justice For All kann man sich eine ganze Weile beschäftigen. Es freut das Fan-Herz, in die Welt von Metallica vor 30 Jahren eintauchen zu können. Viele Liveaufnahmen wiederholen sich zwar, weil Metallica ihre Setlisten damals noch wenig variierten, auch reicht die Qualität manchmal nicht aus, mehr als historisches Interesse zu befriedigen. Doch die drei Schätzchen – Buch, Seattle, Demos – alleine bringen großen Spaß, das schmucke Gesamtpaket ohnehin. Mehr Justice geht dann aber echt nicht.



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Zeitsprung: Am 11.1.1967 nimmt die Jimi Hendrix Experience „Purple Haze“ auf.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.1.1967.

von Timon Menge und Christof Leim

Im Januar 1967 nimmt Jimi Hendrix Purple Haze auf, eine der bedeutendsten Singles seiner Karriere. Bis heute weiß der Song zu begeistern und darf auf keiner Classic Rock-Zusammenstellung fehlen. Das Stück wirft allerdings auch Fragen auf…

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Hört hier in Are You Experienced rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Für viele Musikliebhaber dürfte Purple Haze den Erstkontakt zur Jimi Hendrix Experience markieren. Zwar veröffentlicht die Gruppe mit Hey Joe bereits einige Monate zuvor ihre Debütsingle, doch erstens handelt es sich dabei nicht um ein Stück aus Hendrix’ eigener Feder, zweitens belegt Purple Haze die Pole Position auf der US-amerikanischen Variante von Are You Experienced, dem ersten Album der Gruppe. Hey Joe läuft erst an dritter Stelle.



Als die Experience den Song am 11. Januar 1967 in den Londoner De Lane Lea Studios aufnimmt, überrascht Hendrix Schlagzeuger Mitch Mitchell und Bassist Noel Redding mit dem neuen Material. „Er kam herein, summte uns die Melodie vor und zeigte Noel alle Akkorde und Übergänge“, erinnert sich Mitchell in einem Interview. „Ich hörte mir alles an und wir legten los. Wir haben drei Versuche gebraucht, wenn ich mich richtig erinnere.“

Der Alptraum einer jeden Haarbürste: Mitch Mitchell, Jimi Hendrix und Noel Redding von der Jimi Hendrix Experience – Pic: MCA/Promo

Der Hendrix-Akkord: ein E7#9. Tut nicht weh, versprochen. – Pic: Drew Von Buseck/Wikimedia Commons

Als der Song im Kasten ist, verfeinern Hendrix und Produzent Chas Chandler ihn zu zweit. Moderne Mehrspurrekorder machen’s möglich. So ergänzt Chandler die Aufnahme um experimentelle Sounds, die er erzeugt, indem er Aufnahmen über einen Kopfhörer abspielt und ihn um das Mikrofon herumbewegt. Das Ergebnis: ein abgefahrener Echo-Effekt, den man so noch nicht kannte. Für das Gitarrensolo kommt erstmals ein Octaver zum Einsatz, den Toningenieur Roger Mayer gemeinsam mit Jimi Hendrix entwickelt habe. Ebenfalls legendär: die Premiere des Hendrix-Akkords, ein E7#9.

Mit ihrer Veröffentlichung am 17. März 1967 tritt die Single eine Welle des Erstaunens los. Der Song stürmt weltweit die Charts, im Fernsehen läuft er rauf und runter. Sogar Beatles-Bassist Paul McCartney, ein früher Unterstützer der Jimi Hendrix Experience, zeigt sich begeistert und veröffentlicht eine erstklassige Rezension im Melody Maker.

Zahlreiche Mythen ranken sich um den Text des Stückes. Auch Hendrix selbst äußert sich diesbezüglich höchst ambivalent. So soll der Song ursprünglich Purple Haze – Jesus Saves heißen. In einem Interview verrät der Gitarrist allerdings, der Text erzähle von einem Traum, in dem er unter Wasser gelaufen sei. Nach Veröffentlichung des Songs liefert behauptet er außerdem, es handele sich um ein Liebeslied. Hendrix-Biograf Harry Shapiro hält für wahrscheinlich, dass es sich bei Purple Haze um ein „Potpourri an Ideen“ handelt.


Bis heute zählt Purple Haze zu den Klassikern der Gitarrenmusik. So landet der Song nicht nur auf Platz zwei der „100 Greatest Guitar Songs Of All Time“ im Rolling Stone, sondern auch auf der Liste „500 Songs That Shaped Rock And Roll“ der Rock And Roll Hall Of Fame. Sogar die Klassikwelt hört hin und interessiert sich für das außergewöhnliche Arrangement. Man darf gar nicht darüber nachdenken, welch großartige Songs das Gitarrengenie Hendrix uns noch hätte bescheren können, wenn er nicht so früh verstorben wäre.

Zeitsprung: Am 18.8.1969 beendet Jimi Hendrix das legendäre Woodstock Festival.

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Zeitsprung: Am 7.1.1979 brüllen Def Leppard auf ihrer ersten EP.

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"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 7.1.1979.

von Christof Leim und Tom Küppers

Aller Anfang ist schwer. Das gilt gerade für aufstrebende Künstler. Was übrigens auch schon früher nicht anders war. Das merken Ende der Siebziger auch die aus dem britischen Sheffield stammenden Def Leppard. Doch wenn es funktioniert, dann lohnt es sich richtig. Los ging es alles mit einer kleinen EP….

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Hört hier in die Def Leppard E.P. rein:

Klickt auf „Listen“ für die ganze Platte.

Angefangen haben die Burschen als Schülerband. Nach den üblichen Umbesetzungen findet sich eine Kernbesetzung zusammen, die aus Sänger Joe Elliott, den Gitarristen Steve Clarke und Pete Willis, Bassist Rick Savage sowie Drummer Tony Kenning besteht. In der näheren Umgebung erspielt sich das Quintett schnell einen guten Namen, weswegen für den November 1978 ein Studio gebucht wird. Selbstbewusst entscheiden sich die Briten für eine Vinyl-EP anstelle der günstigeren Kassetten-Variante. Die Gesamtkosten belaufen sich laut den Erinnerungen von Joe Elliott auf knappe 150 britische Pfund, die er sich von seinem Vater borgt.

Kurz bevor es in die Fairview Studios ins Hafenstädtchen Hull geht, wirft Kenning die Drumsticks völlig überraschend hin. Um den Termin keinesfalls platzen zu lassen, springt kurzfristig Frank Noon ein, sonst Fellgerber bei The Next Band. Er macht seine Sache durchaus solide und verleiht den drei Stücken Ride Into The Sun, Getcha Rocks Off und The Overture einen ordentlichen Punch. Kurz nach den Aufnahmen übernimmt dann der gerade mal 15 Jahre junge Rick Allen den Platz auf dem Drumhocker, den er bis heute inne hat.

Man kann der Def Leppard E.P. einen gewissen Charme nicht absprechen, unweigerlich kommt einem das Bild von den „jungen Wilden“ in den Kopf. Def Leppard beherrschen ihr Handwerk und orientieren sich in Sachen Tempo und Arrangements an der gerade entstehenden „New Wave of British Heavy Metal“ mit Zeitgenossen wie Blitzkrieg oder den Metallica-Vorbildern Diamond Head.



Nicht nur musikalisch setzen Def Leppard auf Handarbeit: Die Cover der als Erstauflage gepressten 1000 Exemplare haben Mama Elliott und der Sänger selbst zusammengeklebt, einhundert Exemplare bekommen noch eine zusätzliche Textbeilage spendiert, die Joe während seiner Pausen am Kopierer seiner Arbeitsstätte durchlaufen lässt. Am 7. Januar 1979 veröffentlichen Def Leppard ihre EP dann auf ihrem eigenen Label Bludgeon-Riffola.

Der weitere Plan ist einfach: Auf den Auftritten wird die Scheibe zum Schnäppchenpreis von einem Pfund an den Mann gebracht, und jeder, der der Band irgendwie weiterhelfen könnte, bekommt die Def Leppard E.P. zugeschanzt. Und dann passiert es: Irgendwie schafft es ein Exemplar in die Hände des legendären DJs und Radio-Moderators John Peel. Der Legende nach springt Elliott während eines öffentlichen Auftritts von Peel auf die Bühne und drückt ihm die Platte einfach in die Hand.

Fest steht, dass Peel die Def Leppard E.P. tatsächlich in seiner Sendung auf BBC Radio 1 vorstellt, was der Band einen ungemeinen Popularitätsschub beschert. Die Erstauflage ist schnell vergriffen, und nur ein paar Monate später haben die jungen Kerle aus Sheffield tatsächlich den ersehnten Major-Plattenvertrag in der Tasche. Die Originalpressung erzielt mittlerweile Preise um die 400 Pfund – eine ansehnliche Wertsteigerung um satte 400 Prozent!

Für das Albumdebüt On Through The Night (1980) nimmt das Quartett Getcha Rocks Off und The Overture neu auf, Ride Into The Sun wird 1987 für eine Single-B-Seite zu Hysteria neu aufgelegt.


Credit Header-Foto: Chris Walter/WireImage

Zeitsprung: Am 23.10.1995 spielen Def Leppard an einem Tag auf drei Kontinenten.

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Zeitsprung: Am 6.1.1984 veröffentlichen Anthrax ihr Debüt „Fistful Of Metal“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.1.1984.

von Christof Leim und Tom Küppers

Die frühen Achtziger werden gerne zum goldenen Zeitalter des Heavy Metal erklärt. Was dahingehend stimmt, dass Pioniergeist und der frische Wind in der Hartmusikszene einer Band schnell ungeahnte Möglichkeiten eröffnen konnten. Während Slayer und Metallica an der kalifornischen Westküste ihr Unwesen treiben, werden Anthrax in ihrer Heimat New York zur ersten Adresse in der gerade losbrechenden Thrash-Welle.

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Hört hier rein in Fistful Of Metal:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

1981 gründen die zwei Schulfreunde Scott Ian und Dan Lilker eine Band. Sie begeistern sich für Iron Maiden, Motörhead und die „New Wave of British Heavy Metal“, also soll es heftig zur Sache gehen. Wie üblich dauert es eine Weile, bis sich ein halbwegs stabiles Line-up gefunden hat; irgendwann sind Schlagzeuger Charlie Benante, Leadgitarrist Dan Spitz und Sänger Neil Turbin am Start.

Ein erstes, von Manowar-Gitarrist Ross The Boss produziertes Demo bringt 1983 direkt den Plattenvertrag mit dem brandneuen Label Megaforce, das sich gerade anschickt, den legendären Metallica-Einstand Kill ’Em All zu veröffentlichen. Nachdem Anthrax von ihrer ersten Single Soldiers Of Metal noch im gleichen Jahr 3.000 Exemplare unter die Leute bringen können, wartet die Headbangerschaft auf das Debütalbum.

Anthrax in früher Besetzung: Spitz, Bello, Turbin, Benante, Ian

Ende 1983 geht es dann in die Pyramid Studios von Alex Perialas. Kill ’Em All-Produzent Paul Curcio muss aus Zeitgründen absagen, also bietet sich The Rods-Drummer Carl Canedy an. Seine einzige Empfehlung: Er hätte auch mal Bock, eine Band zu produzieren. Ganz einverstanden sind Anthrax mit der Wahl nicht, dafür aber hervorragend eingespielt. Einige der Songs stammen sogar noch aus den Anfangstagen und werden mit entsprechender Routine auf das Band genagelt. Deswegen reichen drei Wochen, um die zehn Songs von Fistful Of Metal einzuhämmern.  

Songs wie Deathrider und das treibende Howling Furies erinnern noch ziemlich deutlich an den klassischen Metal von Iron Maiden und Judas Priest, ansonsten glänzen Anthrax mit unerhörter Energie und Geschwindigkeit. Das Stück Metal Thrashing Mad gerät sogar zum Taufpaten für ein ganzes Musikgenre, weil der Journalist Malcolm Dome vom britischen Kerrang! im Zuge einer Erwähnung dieses Songs erstmalig den Begriff Thrash Metal verwendet. Wie ihre Kumpels Metallica und Exodus beziehen Anthrax ihre Einflüsse aus klassischem Heavy Metal, hochenergetischem Punk Rock und dem neuen Metal aus England. Daraus brauen sie einen neuen, härteren Stil, der anfangs als Speed Metal oder Power Metal bezeichnet wird.

Beim Alice Cooper-Cover I’m Eighteen verzichtet Scott Ian übrigens aus Protest auf eine aktive Teilnahme. Zwar steht er der Idee, einen fremden Song neu aufzulegen, durchaus positiv gegenüber, findet aber diese Auswahl nicht repräsentativ für seine Band. Dan Spitz spielt die Gitarren alleine ein. Der Rest der Aufnahmen verläuft überaus glatt, nur beim Mix müssen sich die Musiker auf Canedy verlassen – und werden enttäuscht. Bis heute zeigt die Band sich unzufrieden mit dem Klang der Platte.



Als Fistful Of Metal am 6. Januar 1984 erscheint, überraschen die Verkaufszahlen alle Beteiligten im positiven Sinne. „Ich hatte die Tape Trader-Szene ganz vergessen“, erklärt Ian Jahre später. Schon das Demo konnte sich in kürzester Zeit durch internationale Tauschringe auf dem ganzen Globus verbreiten. „Es gab deswegen sehr viele Leute, denen wir bereits ein Begriff waren, und die auf unsere Platte gewartet haben.“

Unfassbar bleibt aber das trashige (ohne „h“) Artwork, das die Tradition der Low Budget- Gruselbildchen von Metallica und Slayer weiterführt. „Es ist fürchterlich“, befindet Scott Ian heute. „Die Idee stammt von Neil Turbin, gemalt hat es ein Typ namens Kent Joshpe. Wenn man genau hinguckt, sieht man sogar, dass das zwei linke Hände sind.“ Immerhin gestaltet Joshpe auch das Logo, das die Band heute noch benutzt.

Anthrax liefern hier eine der ersten und damit einflussreichsten Thrash Metal-Platten neben Kill ‘Em All und Hell Awaits (Slayer) ab. Mit Fistful Of Metal haben Anthrax ihren typischen Stil allerdings noch nicht gefunden. Der sollte sich erst mit neuem Sänger Joey Belladonna und neuem Bassisten Frank Bello auf Spreading The Disease (1985) einstellen…


Zeitsprung: Am 23.2.1992 treffen Anthrax auf Al Bundy.

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