Join us

Popkultur

Janis, Amy, Freddie: 10 Stimmen, die die Welt zum Beben brachten

Published on

Foto: Hulton Archive/Getty Images

Ist ein Song immer nur so stark wie der Mensch, der am Mikrofon steht? Wenn ja, dann wird er in den Händen dieser Sängerinnen und Sänger zu einem Werkzeug mit der seltenen Macht, die Welt zu verändern. Ein Rundgang durch die ruhmvolle Halle der puren Stimmgewalt.

von Björn Springorum

In der Geschichte der Pop- und Rockmusik gibt es jede Menge schlechte, sehr viele durchschnittliche, einige gute und eine Handvoll sehr gute Stimmen. Die Macht, die Welt aus den Angeln zu heben und die Musikgeschichte neu zu schreiben, die haben und hatten nur die wenigsten. Ihre Stimmen hielten die Zeit an, veränderten den Stoff, aus dem die Realität besteht, hören auch Jahrzehnte später nicht auf, die Menschen zu bewegen, zu inspirieren, zu retten. Zehn Beispiele für die heilende Kraft der Musik – und die unerklärliche Magie, die irgendwo zwischen Lunge, Stimmbändern und Mund entsteht.

Amy Winehouse

Im Juli jährt sich der tragische Tod der Amy Winehouse bereits zum neunten Mal. Ihre dramatische Geschichte ist ebenso unvergessen wie ihr beispielloser Stimmumfang. Ihre Gabe, traditionellen Jazz-Gesang mit R‘n‘B und innig empfundenem Soul derart elegant und anmutig unter einen Hut zu bringen, wird wohl nie von ihrem Zauber verlieren. Dass sie sich nicht scheute, die Risse in ihrer Seele mit ihrem Gesang nach außen zu tragen, macht ihre Stimme zusätzlich zu einer Kostbarkeit, die man eigentlich zum nationalen Kulturgut erklären müsste.

Freddie Mercury

Diese Power! Dieses Charisma! Diese Stimme! Freddie Mercury Stimmgewalt hat längst auch Wissenschaftler und Forscher auf den Plan gerufen. Sein epischer Stimmumfang (übrigens eher Bariton als Tenor, wie Studien herausfanden) umfasste schwindelerregende drei Oktaven, was aber noch nicht mal das Erstaunlichste an diesem Jahrhundertkünstler ist: Mercury konnte deutlich schneller als andere Sänger zwischen einzelnen Tonlagen umschalten. Seine Stimmbänder eilten allen anderen voraus, könnte man also auch sagen.

Adele

Adele hat eine gewaltige Stimme. Und mit gewaltig meinen wir: epochal, weltbewegend, umwerfend. Ohne die allergrößte Technikerin zu sein, liefert sie mit ihren Stimmbändern pure, volle, tiefe Emotion, vollendet mit einem Timbre, das automatisch dafür sorgt, dass man ihr jedes Wort glauben möchte. 2017 sang sie sich dann sprichwörtlich die Seele aus dem Leib und beschädigte ihre Stimmbänder. Warten wir also mal ab, wie sie uns auf ihrem noch für diesen Sommer angekündigten neuen Album begegnen wird.

Stevie Nicks

Eine starke Stimme ist die halbe Miete. Wenn sie dann noch mit einer mystischen, ätherischen und ganz und gar andersweltlichen Bühnenpräsenz daherkommt, dann haben wir es mit dem Stoff zu tun, aus dem die Musiklegenden bestehen. Stevie Nicks ist so ein Fall, bei dem auch noch wunderbar poetische, bildhafte Texte dazukommen. Einerseits verletzlich und pur, andererseits kraftstrotzend und überlegen: eine Stimme für die Geschichtsbücher.

Janis Joplin

Roh, gequält und durchdringend schrie Janis Joplin ihren Schmerz in die kranke Welt hinaus. Es war aber eben nicht nur ihr Schmerz, es war der kollektive Schmerz einer paralysierten amerikanischen Nation, den sie in sich trug. Ihre Schreie, ihre langgezogenen Töne, ihr Flüstern, ihr Gesang… hier ging es um weit mehr als nur um Musik. Janis Joplin – der fatalistische, stürmische, freie, Mensch gewordene Sturm.

Axl Rose

Die harten Fakten gleich mal zu Beginn: Der Stimmumfang von Axl Rose toppt sogar den von Mariah Carey! Und während wir nicht extra erwähnen müssen, dass von seiner früheren Wucht nicht mehr allzu viel übrig geblieben ist, erinnern wir uns doch gern an sein kolossales Jaulen, das die Achtziger nachhaltig formte. Nur Mike Patton (Faith No More) schafft noch mehr: wo Rose bei unglaublichen fünf Oktaven eingeordnet wird, kommt Patton sogar auf sechs.

Joni Mitchell

Man muss nicht unbedingt laut singen, um gehört zu werden. Insbesondere in ihren frühen Jahren betörte die Liedermacherin mit ihrer fast schon zurückhaltenden, aber doch durchdringenden Stimme. Vom Mezzo-Sopran wandelte diese sich schon Mitte der Siebziger in das tiefere Alt. Anfangs, so sagte sie, sang sie so hoch, weil sie es eben konnte. Gute Entscheidung!

Steven Tyler

Wer Demon of Screamin‘ genannt wird, betört uns gewiss nicht mit lieblichem Gesäusel. Und in der Tat ist Steven Tyler einer dieser Sänger, die selbst Geschrei noch virtuos wirken lassen. Aus seiner Bewunderung für James Brown schmiedete der Tenor-Gigant seinen ganz eigenen Signature-Gesang, der mit seinen spitzen Schreien längst in die Annalen der Rockwelt eingegangen ist.

Aretha Franklin

Keine Liste über die großen Stimmen des 20. Jahrhunderts ohne diese Grande Dame der Gesangswelt. Sie forderte R-E-S-P-E-C-T ein, sang in einer Stimme, die gleichzeitig von Freude und Schmerz künden konnte, die Gospel, Soul und Jazz so tief verankert hatte, dass das Studium ihrer Gesangstechnik eigentlich an Universitäten gelehrt werden sollte. So kathartisch ihre Musik, so beispiellos ihre Drei-Oktaven-Stimme; kein Wunder, dass sie gemeinhin als „Stimme Amerikas“ bezeichnet wird.

Ray Charles

Er besaß eine Stimme, die man sofort erkannte und auf ewig erkennen wird: Ray Charles, der blinde Soul-Pionier, der so ziemlich jedem Genre der US-amerikanischen Musik Starthilfe gegeben hat. Er singt, er schreit, er ruft, er brüllt, er spricht, alles wunderbar kontrolliert und dennoch unzähmbar und wild: Songtexte sind bei dieser Stimme vollkommen überflüssig. Man spürt auch so, worum es geht.

Latest Music News

Don't Miss