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Popkultur

Die musikalische DNA von Limp Bizkit

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Wenn der Name Limp Bizkit fällt, folgt darauf entweder verächtliches Schnauben oder ein genüsslicher Zungenschnalzer. Kaum eine Band polarisiert dermaßen stark, ob nun in der Rap-Szene oder im Metal-Zirkus. Von Genre-Puristen wurde die Musik von Fred Durst, Wes Borland, Sam Rivers, John Otto und DJ Lethal regelmäßig abgelehnt. Und die komischen, komplett überzeichneten und nicht selten bewusst sinnfreien Texte dieser Band erst! Ja, Limp Bizkit sind ein schwieriger Fall. Insbesondere ihr Frontmann Fred Durst, der sich zwischenzeitlich als glühender Verehrer Vladimir Putins outete und in der Vergangenheit mit homophoben und frauenfeindlichen Aussagen auffiel. It’s his way or the highway…


Hört euch hier einen Vorgeschmack der musikalischen DNA von Limp Bizkit an:

Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“.

Doch Limp Bizkit wurden immer ernster genommen, als sie selbst es waren. Allein die Wahl des Namens, die auf eine pubertäre Tradition – sprechen wir es aus: Kekswichsen – bezog, sollte bewusst abschrecken. Wer sich davon nicht beirren ließ, war als Fan willkommen. Doch ungeachtet der manchmal ziemlich bescheuerten Inhalte: Im Kern ist Limp Bizkit eine Band wie fast jede andere. Fast. Denn welche andere Gruppe würde schon die Dave Matthews Band genauso als Einfluss nennen wie Mr. Bungle und Tool? Wo treffen denn sonst eine Leidenschaft für Black Flag und den Wu-Tang Clan aufeinander? George Michael, The Who und Paula Abdul haben Limp Bizkit gecovert. Wie passt das zusammen? Wir versuchen mal, mit Blick auf die musikalische DNA der Band etwas Ordnung ins Chaos zu bringen.


1. Faith No More – Epic

Limp Bizkit haben das Crossover-Genre nicht erfunden. Auch waren Rage Against The Machine, ein früher Einfluss der Bizkits, keineswegs die ersten, die Rap und Rock zusammen dachten. Tatsächlich lassen sich schon sehr früh in der Rap-Geschichte Beispiele für musikalische Ansätze finden, in denen das eine Genre mit dem anderen eine (un-)heilige Allianz einging. Als Wegbereiter dessen, was unter dem Schlagwort Nu Metal bekannt wurde, gelten allerdings Faith No More. Als die 1998 aufgelöste Band nach ihrer Reunion im Jahr 2015 ein neues Album vorlegten, erinnerte sich Billy Gould nicht sonderlich wohlwollend an Limp Bizkit.

„Wir haben uns allein dadurch schuldig gemacht, dass wir sie auf eine Tournee mitgenommen haben“, sagte er gegenüber dem deutschen Metal Hammer. „Was darin gipfelte, dass Fred Durst unser Publikum als ‚Schwuchteln‘ und ‚Tunten‘ beschimpfte und sich dafür persönlich bei uns entschuldigen musste. Aber obwohl sie jeden Abend gnadenlos ausgebuht wurden, haben sie es doch erstaunlich weit gebracht, was genauso merkwürdig ist wie bei uns.“ Nicht nur musikalisch also waren die Crossover-Vorreiter von Faith No More für Limp Bizkit wegweisend. Tatsächlich konnten Durst und seine Mannen die Lücke füllen, die Faith No More nach ihrer Trennung 1998 hinterließen.


2. KoЯn – Blind

Den Startschuss für Limp Bizkits Karriere allerdings gaben, wie hätte es auch anders sein sollen, KoЯn ab. Die waren 1995 kurz nach der Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debütalbums mit der Hardcore-Band Sick Of It All auf Tour. Durst, der sich bisweilen vergeblich als Manager der Bizkits ausgegeben hatte, um die A&Rs verschiedener Labels auf seine Band aufmerksam zu machen, lud die Gruppe um Jonathan Davis zu einem Bier und ein paar Tattoos ein. Obwohl die Band von seinen Künsten an der Maschine nicht angetan war: Bassist Fieldy ließ sich zumindest ein Demo aufschwatzen.

Der Rest ist Nu Metal-Geschichte: KoЯn luden Limp Bizkit auf gleich zwei Tourneen ein und verschafften ihnen damit bei einem größeren Publikum Gehör. Der Durchbruch war damit vorbereitet und selbst ohne Plattenvertrag konnten Limp Bizkit bald ganze Hallen füllen. 2016 zogen beide Bands erneut um die Welt. „Ihr habt in eurem Leben vielleicht ein paar coole Konzerte erlebt, aber ich kann euch versichern, dass ein Abend mit KoЯn und Limp Bizkit für immer und immer euer liebster sein wird“, prophezeite Durst damals. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Studio trafen beide aufeinander – siehe das bizarre Rap-Battle zwischen Durst und Davis auf All in the Family.


3. George Michael – Faith

Als Live-Act konnten Limp Bizkit ihr Publikum mit geballter Energie und einer abgefahrenen Performance überzeugen. Um die Sache noch etwas spannender zu gestalten, coverten sie zwischendurch unter anderem Faith, einen Song vom ehemaligen Wham!-Mitglied George Michael. Wer hätte gedacht, dass deren groovender Akustik-Funk sich für eine alles umwälzende Metal-Interpretation anbieten würde? Wohl nur Durst, Borland, Otto, Rivers und Lethal, die ihr Cover trotz Protest von Produzenten Ross Robinson auf ihr Debütalbum bringen wollten. Als der eine härtere Version des Stückes hörte, war er Feuer und Flamme.

Und Michael selbst? War nicht ganz so überzeugt. „Was wir aus seinem Umkreis gehört haben ist, dass er es hasst und uns gleich mit, weil wir das gemacht haben“, erklärte Borland gegenüber MTV im Jahr 1999. „Offensichtlich verachtet er unser Cover geradezu.“ Ganz anderes erzählte Durst dem Rolling Stone. „Meines Wissens nach liebt er den Song“, brüstete er sich. „Ich bin mit seinem Kram aufgewachsen, von den Wham!-Zeiten an. Er sah immer klasse aus, hatte Supermodels in seinen Videos. Ich wusste nicht, dass er schwul war – das war mir egal.“ Ähm, okay!?


4. Puscifer – Momma Sed

Wichtiger als die Anerkennung George Michaels war den fünf Mitglieder die einer anderen Band: Tool. Die 1990 gegründete Gruppe gehört zu den kauzigsten im gesamten Business. Ihre Musik ist extrem komplex und hat bisweilen völlig rätselhafte Texte, die nicht selten voller anzüglicher Anspielungen waren. Derweil Mastermind Maynard James Keenan mit seinem Alternative Rock-Projekt A Perfect Circle auch mal eine sanftere und eingängigere Seite von sich zeigte, stachen Tool wie auch Keenans späteres Nebenprojekt Puscifer heraus wie der Mittelfinger aus der Faust.

Mit dem Song Nobody Loves Me von ihrem Debütalbum Three Dollar Bill, Y’all $ zollte die Band den Kollegen mehr als explizit Tribut: Im Breakdown des Stücks imitiert Durst eindeutig den verhallten Gesang des Eigenbrötlers, der über die Blumen so gar nicht begeistert war. „Wenn die Kantinenfrau aus der High School dich angräbt, dann nimmst du das zwar als Kompliment auf“, erklärte er süffisant in einem Interview. „Aber du gehst dann doch nicht gleich mit ihr aus, oder?“ Autsch!


5. Elvin Jones – „Tune Up“: Elvin Jones’ Solo (Live)

Aber so war das schon immer mit Limp Bizkit: So viel die Band auch austeilte, so viel mussten sie im selben Zug einstecken. Oftmals wurde über die ganzen Querelen vergessen, dass es sich bei Limp Bizkit um eine Band handelte – eine Band wohlgemerkt, bei der durchaus talentierte Musiker zugange waren. Am ehesten ein Schattendasein führte stets Schlagzeuger John Otto, obwohl sein druckvolles, groovendes Schlagzeug doch erst das Fundament des Bizkit-Sounds ausmacht.

Hättet ihr gedacht, dass Otto ein echter Jazz-Nerd ist und sich für brasilianische sowie afro-kubanische Musik interessiert? Nein? Wärt ihr je drauf gekommen, nachzufragen? Auch nicht? Klarer Fehler! Otto ist ein vielschichtiger Charakter, der voll für die Musik lebt. Jazz ist seine Hauptreferenz. „Als ich anfing, Jazz zu hören, habe ich die Musik nicht verstanden“, gab er in einem seinen seltenen Solo-Interviews zu. „Aber ich dachte mir: ‚Diese Typen hätten kein Problem, irgendeine Art von Musik zu spielen.‘“ So flexibel wollte er hinter dem Kit ebenfalls sein und studierte die Soli großer Jazz-Drummer wie Elvin Jones ebenso wie das, was Rock-Helden wie John Bonham hinter der Schießbude leisteten.


6. Pearl Jam – Alive

Ohne Otto würden Limp Bizkit völlig anders klingen. Mehr noch: Vielleicht hätte es die Band ohne ihn nie gegeben. Denn er erst führte seinen Cousin an die Musik, einen gewissen Sam Rivers – besser bekannt als der Bassist der Bizkits! Rivers spielte zuerst im Schulorchester die Tuba, bevor er Metal und Rock für sich entdeckte. Black Sabbath und Megadeth nennt er als große Einflüsse, am meisten aber hat ihn wohl Jeff Ament von der Band Pearl Jam inspiriert. Ob er dafür verantwortlich ist, dass die Bizkits gerne mal deren Superhit Alive covern? Möglich ist es.

Rivers wurde unversehens zum Musiker, lebt seinen Beruf aber mit voller Leidenschaft aus. So sehr, dass er sich dabei schon mal selbst Verletzungen zugezogen hat: Bei einer Tour mit Kid Rock ärgerte er sich so sehr über den schlechten Sound, dass er seinen Bass in Einzelteile zerlegte und sich dabei die Hand verletzte. Autsch! Seine Leidenschaft mit dem Rock-Sound der frühen und mittleren neunziger Jahre – Nirvana, Soundgarden und eben Pearl Jam – teilt er übrigens mit Fred Durst. Wenig überraschend, schon klar.


7. Anthrax – Bring The Noise

Aber für Überraschungen ist bei Limp Bizkit nun mal jemand anderes verantwortlich: Wes Borland. Der Gitarrist mit den schrägen Bühnenoutfits hat über die Jahre einen Stil entwickelt, der unverwechselbar ist. Wer auch immer von Limp Bizkits Inhalten abgeschreckt wird, dürfte in der bisweilen extrem experimentellen Gitarrenarbeit der Band sein Heil finden. Von Songs wie Stuck angefangen hin zu den elaborierten Licks auf dem Album Gold Cobra oder natürlich seinen zahlreichen Nebenprojekten: Borland ist ein Genie, Punkt.

Aber wie landet so einer eigentlich bei einer Rap-Metal-Truppe? Ganz einfach: Nachdem sich Borland als Teenager vor allem für Punk, Hardcore und Metal interessierte, brachte ihn das Anthrax-Cover von Public Enemys Bring the Noise auf einen anderen Pfad – genau jenen Pfad, den später auch Limp Bizkit auch betreten sollten. Dazu gesellte sich der Einfluss seiner Gitarrenlehrer: Der erste brachte ihm bei, auf die Kraft seines Gehörs zu vertrauen, während der andere ihm ein paar Lektionen in Sachen Jazz mitgab. Selbst John Zorn oder Aphex Twin gibt er als Einflüsse an. Das Ergebnis klingt nach wie vor einzigartig. Wes Borland ist eben unnachahmlich!


8. Rage Against The Machine – Killing in the Name

Von Anthrax hin zu Rage Against the Machine war es nur ein kleiner Schritt. Und ohne RATM wären Limp Bizkit wohl dennoch nicht möglich gewesen. Durst gab im Laufe seiner Karriere einige Rapper als Inspiration an, mit Genre-Größen wie Raekwon oder Method Man hatten sie einige ihrer Helden sogar bei sich zu Gast im Studio. Schwieriger ist da schon das Verhältnis der Band – insbesondere Durst und dem ehemaligen House of Pain-Mitglied Lethal – zu Eminem, obwohl sie doch eigentlich im selben Boot sitzen sollten. Doch Ems Beef mit Everlast weitete sich auch auf die befreundeten Bizkits aus…

Aber zurück zu Rage Against the Machine: Die mögen Limp Bizkit auch nicht. „Ich entschuldige mich für Limp Bizkit“, sagte deren Bassist Tim Commerford 2015 in einem Interview. „Wirklich. Ich fühle mich gräßlich, weil wir die Inspiration für so einen Bullshit geliefert haben.“ Auweia! Der Diss hat aber eine lange Vorgeschichte: Schon 2000 störte Commerford die Dankesrede von Durst und Co. bei den MTV Music Awards. Der grinste schon damals entspannt: „Der Typ ist Rock’n‘Roll, er sollte den Award bekommen!“ Bis heute covern die Bizkits gerne Killing In The Name und widmen ihre Version „der Rap-Rock-Band, mit der alles angefangen hat“, so Durst. „Als ich das Stück zum ersten Mal hörte, traf es mich mitten ins Herz!“


9. Ice-T – New Jack Hustler (Nino’s Theme)

Die zarten Gefühle Dursts für Rage Against the Machine, sie wurden und werden wohl nie erwidert. Selbst mit seinen eigenen Kollegen überwarf er sich mehr als einmal. Borland führte eine kleine On-Off-Beziehung mit der Band und selbst DJ Lethal war für einige Jahre nicht an Bord. Dabei bringt der gebürtige Lette, der zuerst mit House of Pain seine Erfolge feierte, doch das gewisse Etwas in den Sound der Band mit ein. Leor Dimant, wie er eigentlich heißt, versteht sich weniger als DJ, der ein paar Scratches für eine Rock-Band beisteuert, sondern vielmehr als Sounddesigner.

Sein Handwerk hat er von Grund auf gelernt und war schon mit 16 Jahren gemeinsam mit Everlast auf Europa-Tour – mit Muttizettel im Gepäck! Die beiden waren damals mit Ice-T und dem Rhyme Syndicate unterwegs. „Ich traf Ice-T und dachte mir, ‚Oh mein Gott, ich sitze hier in Ice-Ts Haus und Darlene [Ortiz, Ice-Ts damalige Frau] macht mir ein Sandwich. Es kann gar nicht besser werden!‘ Aber dann wurde es besser“, lachte er. Dass er eines Tages bei einer Metal-Band hinter den Decks stehen würde, war aber noch nicht abzusehen.


10. Richard Cheese – Nookie/Break Stuff

Aber wer hätte schon Limp Bizkit voraussagen können? Der kometenhafte Aufstieg der Band kam wie aus dem Nichts. Trotz oder gerade weil sie so ziemlich jedes Fettnäpfchen mitnahmen. Wirklich verstanden haben den Humor dieser Band jedoch nur wenige – selbst ihre eigene Fanbase nahm die Texte der Gruppe bisweilen ernster als diese selbst. Doch was passiert eigentlich, wenn ein augenzwinkernder Song persifliert wird? Das ist einerseits in „Weird Al“ Yankovics Angry White Boy Polka zu hören und andererseits in den Big Band-Versionen von Nookie und Break Stuff, die Richard Cheese aufnahm.

Mit seiner Band Lounge Against the Machine nahm der Komiker Mark Jonathan Davis – ja, wirklich, wie der KoЯn-Sänger! – allein dem Namen nach die Tradition des Rap-Rocks auf die Schippe. Niemand war vor ihm sicher. Radiohead, The Prodigy, die Beastie Boys und Nirvana veräppelte er im Frank Sinatra-Stil auf dem Debütalbum Lounge Against the Machine, das 2000 erschien. Ein alberner Spaß, der Lyrics wie „You better watch your back / ‘cause I’m fucking up your program / And then you’re stuck up / You just lucked up / Next in line to get fucked up / Your best bet is to stay away motherfucker“ als das entlarvte, was sie im Kern schon immer waren: wunderbarer Blödsinn.


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Popkultur

Zum 10. Todestag von Ravi Shankar: Wie die Sitar in die Pop- und Rockmusik kam

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Ravi Shankar
Foto: Express Newspapers/Getty Images

Am 11. Dezember 2022 jährt sich Ravi Shankars Todestag zum 10. Mal. Wir erinnern uns an den indischen Ausnahmemusiker — und daran, wie er die westliche Pop- und Rockmusik prägte.

von Markus Brandstetter

Alle Augen und Ohren waren auf Ravi Shankar gerichtet, als der indische Sitar-Spieler an einem Sonntagnachmittag im Juli 1967 die Bühne des Monterey Pop Festivals erklomm und dort gemeinsam mit Ustad Alla Rakha (Tabla) und Kamala Chakravarty (Tanpura) ein hypnotisches, mitreißendes Konzert spielte. Die anwesenden Zuhörer und Zuhörerinnen, darunter auch Jimi Hendrix (der wenig später sein legendäres Konzert auf demselben Festival spielte, bei dem er seine Gitarre verbrannte), waren gebannt von der Komplexität und der Kraft der Ragas.

„Ich sah einige sehr berühmte Leute aus dem Bereich der Rock- und Popmusik. Es war sehr merkwürdig. Sie saßen einfach da, hörten mir zu, schwangen mit und hatten Spaß. Ich hatte sie am Abend zuvor auftreten sehen und sie waren so anders. Danach hatte ich Angst, weil ihre Art, die Show zu präsentieren, so anders ist als unsere. Damals habe ich es nicht bemerkt, ich war aufgeregt, aber später haben mir so viele Leute erzählt, wie sehr das ihr Leben verändert hat, das war sehr bewegend“, erinnerte sich Ravi Shankar an den Auftritt. Und auch wenn er bereits lange davor in der westlichen Welt Fuß gefasst hatte, so war das Monterey Pop Festival der Wende- und eigentliche Startpunkt für ihn: „All die jungen Leute waren so frisch und leidenschaftlich und fühlten sich so sehr von meiner Musik angezogen. Von dem Moment an, als ich meinen ersten Schlag auf dem Instrument (Sitar) machte, wusste ich, dass wir miteinander verbunden waren.“

Ravi Shankar distanziert sich von Woodstock

Es dauerte aber nicht lange, bis Shankars Sympathie für die Populär- und Gegenkultur etwas getrübt wurde. Zwei Jahre nach dem Monterey Pop Festival trat er auf dem legendären Woodstock Festival auf. Allerdings fand er die Drogenaffinität der Festivalbesucher und -besucherinnen alles andere als angenehm — und distanzierte sich später von der Hippie-Gemeinschaft. „Ich fühle mich ziemlich verletzt, wenn ich sehe, dass Drogen mit unserer Musik in Verbindung gebracht werden. Für uns ist die Musik die Religion. Der schnellste Weg zur Frömmigkeit führt über die Musik. Ich mag es nicht, wenn eine schlechte Sache mit der Musik in Verbindung gebracht wird“, so der Musiker. Für Shankar sollten der Rausch, die Ekstase und die spirituelle Verbindung ausschließlich durch die Musik und in der Musik passieren.

Zwei Jahre später, am 23. November 1971, war Shankar — gemeinsam mit seinem Freund George Harrison (dazu gleich mehr) — in der Dick Cavett Show zu Gast, und sprach genau über dieses Thema.

Ravi Shankar und George Harrison

Gehen wir aber gleich ein paar Jahre zurück: Bevor Shankar mit seinem Auftritt auf dem Monterey Pop dem Rock-Publikum die Kunst der Ragas zeigte, war es vor allem einer, der die Sitar in der Popmusik bekannt machte: George Harrison. Der stieß während Dreharbeiten in einem indischen Restaurant auf den Klang der Sitar und war fasziniert.  Wie seine Witwe Olivia Harrison erklärte, war indische Musik für ihren Mann eine Art Erweckungserlebnis: „Als George indische Musik hörte, war das wirklich der Auslöser, es war wie eine Glocke, die in seinem Kopf ertönte. Es weckte nicht nur den Wunsch, mehr Musik zu hören, sondern auch zu verstehen, was in der indischen Philosophie vor sich ging. Es war eine einzigartige Abwechslung.“ Im Jahr 1966 kam es im Haus eines gemeinsamen Freundes zum ersten Treffen zwischen Harrison und Shankar. Die Sitar-Legende erinnerte sich daran: „Ich hatte damals von den Beatles gehört, aber ich wusste nicht, wie populär sie waren. Ich habe alle vier getroffen, aber bei George hat es sofort Klick gemacht. Er sagte, er wolle [Sitar] richtig lernen. Ich sagte, dass es nicht nur darum geht, Akkorde zu lernen, wie bei der Gitarre. Man braucht mindestens ein Jahr, um Sitar richtig zu lernen, weil das Instrument so schwer zu halten ist. Dann schneidet man sich die Finger so ab [zeigt die Spitzen von zwei Fingern – lila, mit Schwielen]. Er sagte, er würde es versuchen. Er schien so nett und aufrichtig zu sein, dass ich ihm das glaubte.“ Harrison wurde zum Schüler Shankars, verbrachte Zeit bei ihm in Indien.

Shankar hasste den Beatles-Song Norwegian Wood

Der Beatles-Song Norwegian Wood, bei dem Harrison Sitar spielte, wurde allerdings ein Jahr vor dem Zusammentreffen veröffentlicht. „Ich erzählte ihm, man habe mir gesagt, er habe die Sitar benutzt, obwohl ich das Lied Norwegian Wood nicht gehört hatte. Es schien ihm ziemlich peinlich zu sein, und es stellte sich heraus, dass er nur ein paar Sitzungen mit einem indischen Burschen gehabt hatte, der in London war, um zu sehen, wie das Instrument gehalten werden sollte und um die Grundlagen des Spiels zu lernen“, erinnerte sich Shankar laut Far Out Magazine. „Norwegian Wood hat angeblich so viel Aufsehen erregt, aber als ich das Lied schließlich hörte, dachte ich, es sei ein seltsamer Klang, der auf der Sitar erzeugt worden war.” Gegenüber dem US-amerikanischen Rolling Stone gestand Shankar, das Beatles-Lied grauenhaft gefunden zu haben, er habe Harrison dies aber nie gesagt: „Um die Wahrheit zu sagen, musste ich meinen Mund halten. Es wurde mir von meinen Nichten und Neffen vorgespielt […] Ich konnte es nicht glauben, weil es für mich so schrecklich klang.“

Wie man richtig Sitar spielt, brachte Shankar seinem prominenten Schüler schließlich bei — unter anderem im Jahr 1968, als dieser ihn in Indien besuchte. Filmdokumente aus dieser Zeit belegen dies. Es kam später immer wieder zu Zusammenarbeiten und Zusammentreffen der beiden Musiker.

Sitarklänge sollte es bei den Beatles daraufhin bei mehreren Stücken geben — nämlich bei Tomorrow Never Knows, Within You Without You und The Inner Light.

Auch dem legendären US-amerikanischen Violinisten Yehudi Menuhin kommt eine wichtige Rolle in der Bekanntmachung Shankars zu. Menuhin war es, der Shankar einlud, in New York City zu spielen und somit der US-Metropole klassische, indische Musik vorzustellen. Der Geiger war bereits in den 1950er-Jahren während einer Indienreise auf die Musik des indischen Virtuosen gestoßen.

Bei Shankars New-York-Gastspiel hatte es sich längst nicht um seinen ersten Auftritt im Westen gehandelt, bereits als Kind ging er mit der Tanzgruppe seines Bruders auf Tour, damals noch als Tänzer und Musiker. Später nahm ihn der Multiinstrumentalist und Komponist Allauddin Khan unter seine Fittiche. Shankar studierte unter Khan indische Klassik, kombinierte später indische mit westlicher Klassik. Aber zurück zu Menuhin: Als Shankar durch den Violinisten erneut im Westen Fuß fasste, bemerkte er das Potenzial indischer Musik hier. Er tourte durch die USA, Großbritannien und Europa, nahm 1956 in London seine erste EP Three Ragas auf. Das gemeinsame Album von Shankar und Menuhin, West Meets East, wurde 1967 zum Welterfolg.

Ravi Shankar ging als einer der wichtigsten Protagonisten der Weltmusik aller Zeiten in die Geschichte ein. Dabei handelte es sich bei seiner Musik, das sei abschließend gesagt, um keine für den westlichen Markt verwässerte Light-Version indischer Musik. Shankar brachte Kulturen zusammen. Er starb am 11. Dezember 2012 und hinterließ zwei Kinder, die selbst beide Weltstars sind: Sitar-Virtuosin Anoushka Shankar und Jazz-Pop-Superstar Norah Jones.

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Popkultur

Bowie, Banken und Urin: 5 Dinge, die ihr über Placebo-Dandy Brian Molko noch nicht wusstet

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Brian Molko
Foto: Ricardo Rubio/Europa Press via Getty Images

Die Geschichte der Rockmusik wäre ohne Placebo und vor allem ihren androgynen Frontmann Brian Molko anders verlaufen. Zum 50. Geburtstag des ewig jungen Peter Pan des Rock’n’Roll haben wir mal ein paar Dinge zusammengetragen, die ihr vielleicht noch nicht wusstet. Aber Achtung: Eins ist ziemlich eklig.

von Björn Springorum

Ach, Brian Molko. Was war da los, als er in den Neunzigern mit Placebo die Alternative-Rock-Welt im Sturm erobert und mit Eyeliner, aufwühlenden Texten über Mental Health, Obsession, Sucht und Femininität einen dringend benötigten Gegenpol zum ewigen Schwanzvergleich der Alphamännchen liefert. Brian Molko, dieser zierliche, verletzlich wirkende Künstler mit den traurigen Augen, wird zur Ikone, zur Galionsfigur einer ganzen Generation. Zu seinem 50. Geburtstag blicken wir auf die unbekannte Seite des Sängers und seine teilweise gewöhnungsbedürftigen Marotten.

1. Brian, der Banker

Wenn es nach Brian Molkos Vater gegangen wäre, einem jüdischen Amerikaner mit französischen und italienischen Wurzeln, wäre der junge Brian ein Banker geworden. Molkos Reaktion ist Rebellion und Aufbegehren, er legt sich sein androgynes Image zu, trägt Nagellack und Lippenstift. Seine Schule verlässt er bald darauf, weil er gemobbt wird, und findet erst in seinem Schauspielstudium in London Erfüllung. Indirekt ist es also Molkos Vater zu verdanken, dass es Placebo überhaupt gibt. Thanks, Dad!

2. Mittelfinger für Homophobie

Brian Molko ist bisexuell. Zu Beginn seines meteoritenhaften Aufstiegs zum Idol und Sexsymbol spielt er gern mit Geschlechterklischees, um gegen Homophobie in der Musik vorzugehen. „Ich wollte, dass homophobe Typen zu unseren Konzerten kommen und denken: ‚Wow, mir gefällt die Sängerin. Ist die heiß!‘ Später würden sie dann herausfinden, dass der Sänger Brian heißt, was dann vielleicht dazu führt, dass man sich ein paar Fragen stellt.“

3. Dreckige Stiefel

Der Song, der Brian Molkos Leben ganz offiziell ändert, ist Dirty Boots vom wegweisenden Sonic-Youth-Album Goo. „Mein Kumpel Nick und ich waren 16, er kam zu mir, wir rauchten einen Joint, löschten das Licht und legten Goo auf“, erinnert sich Molko mal. „Damals spielte ich seit drei Jahren Gitarre, aber alles, was ich glaubte, mit einer elektrischen Gitarre tun zu können, löste sich an diesem Tag in Luft auf. Ein ganzes Universum neuer Möglichkeiten lag vor mir. Bis heute sind Sonic Youth wahrscheinlich mein größter Einfluss. Sie sind die größte Rock’n’Roll-Band aller Zeiten.“

4. Rat vom Starman

Die Freundschaft zwischen Brian Molko und David Bowie gehörte zu den besonders heilsamen Momenten in diesem ganzen irrsinnigen Rock’n’Roll-Karneval. Erst gehen Placebo auf Einladung von Bowie mit ihm auf Tour, später nehmen sie gemeinsam Without You I’m Nothing auf. Das wichtigste Detail dieser Beziehung liegt jedoch im Einfluss, den Bowie auf den damals sehr unsicheren, eskalativen, berauschten Molko hat: „David machte mich zu einem besseren Menschen. Mir wurde das aber erst nach seinem Tod klar. Damals war ich bei Weitem zu

5. Angepisst

Vor vielen Jahren gaben Placebo regelmäßig Meet And Greets für Wettbewerbsgewinner*innen. Bei einem kommt es zu einer unschönen Szene, Molko wird sehr unangenehm belästigt. Seither pinkelte er vor einem dieser Treffen stets auf seinen Zeigefinger. „Sie liefen alle mit ein klein wenig Molko-DNA davon“, sagte er mal. Ist aber lange her, wie er versichert.

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10 Songs, die jeder Placebo-Fan kennen muss

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Popkultur

Tarja im Interview über 15 Jahre „My Winter Storm“: „Ich spürte, dass ein neues Kapitel in meinem Leben begann“

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Tarja
Foto: Frank Hoensch /Getty Images

15 Jahre ist es her, dass Tarja Soile Susanna Turunen Cabuli — besser bekannt nur unter ihrem Vornamen Tarja — ihr Soloalbum My Winter Storm veröffentlichte. Der Longplayer war zwar genaugenommen nicht ihr Solo-Debüt (das war nämlich das finnischsprachige Weihnachtsalbum Henkäys ikuisuudesta, das noch während ihrer Zeit bei Nightwish erschien) – aber ohne Zweifel ein riesengroßer Befreiungsschlag und Meilenstein in ihrem Leben. Zwei Jahre trennten sich Nightwish von Tarja — jene Band, die sie mitgegründet und mit ihrer Stimme so maßgeblich geprägt hatte. Ein schwerer Schlag und ein großer Wendepunkt für die finnische Musikerin.. Umso erfreulicher war es natürlich, dass My Winter Storm bei Fans voll ins Schwarze traf. Das Album wurde zum Riesenerfolg — und zum Fundament für eine immer noch erfolgreiche Solokarriere. Im uDiscover-Interview spricht Tarja darüber, wie alles begann — und wie es sich anfühlt, in Buchform auf ihre Karriere zurückzublicken.

von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr euch My Winter Storm anhören:

Dein Soloalbum My Winter Storm wird dieses Jahr 15 Jahre alt. Kannst du ein wenig über deine Einstellung zu dieser Zeit erzählen – und woran du dich am meisten an diese Zeit erinnerst?

Der Beginn meiner Solokarriere war für mich persönlich eine super spannende Zeit. Ich wollte schon an meiner eigenen Musik arbeiten, als ich noch in der Band war, aber als es dann wirklich losging, fühlte sich alles wie ein Traum an. Jede Person, die mit mir arbeitete, war neu für mich, und ich musste erst einmal Vertrauen zu ihr fassen. Das war schwer, zumal ich nach dem, was mit mir und der Band passiert war, leider jegliches Vertrauen in die Menschheit verloren hatte. Ich war nicht stark genug, um einigen Leuten gegenüberzutreten und ihnen zu sagen, dass mir die Dinge nicht gefielen, wie sie liefen, aber ich habe es irgendwie geschafft, meine Stimme zu finden. Auch das Songschreiben war neu für mich, und ich war mir nicht sicher, ob ich es in mir hatte oder nicht. Erst nach einigen Jahren und mehr Erfahrung begann ich mich beim Songschreiben wohl zu fühlen und hatte keine Angst mehr davor. Für mich klingt mein Debüt-Rockalbum ziemlich unschuldig und erinnert mich daran, wie nervös ich damals war, aber es hat mich beflügelt, meine Karriere zu starten und auf eine bessere Zukunft zu hoffen.

Hattest du von Anfang an eine feste Vorstellung, wohin du mit deiner Solokarriere gehen wolltest?

Auf jeden Fall. Ich hatte ein kristallklares Bild davon, was ich erreichen wollte, aber ich war mir nicht so sicher, wie ich es erreichen sollte. Um meine Ziele zu erreichen, brauchte ich Menschen, die mir helfen, und ich musste mein Selbstvertrauen finden, um sie zu führen. Das war nicht leicht, aber ich bin immer meinem Herzen gefolgt, und nie hat mir jemand gesagt, was ich mit meiner Kunst tun sollte.

My Winter Storm war ein riesiger Erfolg. Es wurde in verschiedenen Ländern mit Gold oder Platin ausgezeichnet — auch in Deutschland. Ich kann mir vorstellen, dass ein solcher kommerzieller Erfolg eine große Erleichterung nach der ganzen Band-Situation gewesen sein muss?

Natürlich war es das, aber was mich noch glücklicher machte, war die Tatsache, dass ich endlich frei war, mich selbst auszudrücken. Ich spürte, dass ein neues Kapitel in meinem Leben begann, und ich war froh, diese Seite aufzuschlagen und weiterzumachen. Es war die Zeit, in der ich produktiv, kreativ und frei sein konnte.


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In Deutschland bist du vor allem in der Metal- und Rockszene bekannt, in Finnland reicht deine Popularität weit darüber hinaus. Ist das für dich ein spürbarer Unterschied, was den Kontakt zu den Fans in beiden Ländern angeht und wie du wahrgenommen wirst?

Ja, das ist ein großer Unterschied. In Finnland bin ich eine Berühmtheit, eine öffentliche Person, wenn man so will. Mein Privatleben ist Gegenstand des Medieninteresses, und manchmal war es für mich ziemlich schwierig, damit umzugehen. Das ist auch einer der Gründe, warum ich nicht mehr in meinem Heimatland lebe. Als Künstlerin stehe ich gerne im Mittelpunkt, aber als Einzelperson bin ich nicht bereit, diese Last zu tragen. Seit Beginn meiner Karriere war mir klar, dass ich diese beiden Dinge in meinem Leben getrennt halten möchte. Mein Privatleben gehört mir. Das brauche ich, um mit einem gesunden Herzen Musik machen zu können.

Finnland scheint ein sehr gutes Umfeld für Musiker zu sein, da viele großartige Bands und Künstler von dort kommen, nicht nur im Rock und Metal, sondern auch im Jazz – in gewisser Weise vergleichbar mit Island. Siehst du das auch so – und wenn ja: warum denkst du, dass das so ist?

Du hast die Landschaft erwähnt. Sie ist ein inspirierender und wichtiger Einfluss für die Künstler in meinem Land, und das war schon immer so. Finnland ist ein ziemlich großes Land mit viel Natur und natürlichen Ressourcen, aber nicht zu vielen Menschen und überfüllten Orten. Unsere Natur ist sehr wichtig für uns. Wir wissen sie zu schätzen und sind stolz auf das, was wir haben. Es ist ziemlich schwierig, die dunklen und kalten Winter zu überstehen, und wenn im Frühling die Sonne am Himmel erscheint, ist jeder ein bisschen überwältigt von der Energie, die von ihr ausgeht. Jede Jahreszeit ist sehr unterschiedlich und dennoch inspirierend.

Letztes Jahr hast du dein Buch Singing In My Blood veröffentlicht, das du im ersten Jahr des Lockdowns geschrieben und zusammengestellt hast. Wie hat sich dieser Rückblick auf deine bisherige Karriere angefühlt, vor allem in einer sehr seltsamen Zeit wie dieser, in der alles still stand?

Die Arbeit an dem Buchprojekt war für mich teilweise wie eine Therapie. Es hat mir bewusst gemacht, wie reich mein Leben war und wie viel ich als Mensch schon erlebt habe. Es hat mich Dankbarkeit spüren lassen. Gerade wenn die Welt stillzustehen schien, musste ich mich auf das Buch konzentrieren, um das Gefühl zu haben, dass ich noch lebe. Es war wundervoll, Hunderte von Fotos durchzugehen, Menschen zu interviewen, die im Laufe der Jahre mit mir gearbeitet haben, und die Erinnerungen wieder aufleben zu lassen, die ich vergessen hatte. Ich habe die Arbeit an dem Buch wirklich genossen.

Was hättest du zu Beginn deiner Karriere gerne gewusst, was du heute weißt?

Ich hätte einige Änderungen an meinen Lebensumständen auf Tournee vorgenommen, um Stresssituationen zu vermeiden und mich zu schonen.

Du veröffentlichst gerade deine erste Best-of-Platte veröffentlicht. Im Grunde habe ich dazu die gleiche Frage wie bei dem Buch: Was war das für ein Gefühl, an einem solchen Rückblick zu arbeiten?

Der emotionalste Teil war für mich die Erkenntnis, dass es mir gelungen ist, eine lange Karriere aufzubauen, in der ich mich frei fühle, meine Kunst zu schaffen, ohne dass jemand die Fäden zieht und mir sagt, was ich tun soll. Die Jahre sind ziemlich schnell vergangen und ich habe es geschafft, an mehreren erfüllenden Veröffentlichungen und Projekten zu arbeiten. Es hat lange gedauert, an dieser Veröffentlichung zu arbeiten. Es ist ein Album, das mir genauso wichtig ist wie jedes andere von mir und ich war froh, es zusammenzustellen; ein Paket aus drei Alben und einer Live-Show. Ich bin meinen Fans einfach super dankbar für ihre Unterstützung und Liebe. Ohne sie würde ich meinen Traum nicht leben.

Es gibt einen neuen Song auf dem Album namens Eye Of The Storm. Kannst du ein wenig über diesen Song erzählen?

Der Song ist schon vor langer Zeit entstanden. Ich erinnere mich, dass ich damals auf der Suche nach meinem Platz in der Welt war. Ich hatte sowohl in Finnland als auch in Argentinien ein Haus und sogar ein Sommerhaus in Antigua in der Karibik, wohin ich zwischen meinen Tourneen fuhr, um mich zu erholen. Wir waren damals als Familie ständig auf Reisen. Ich war gerade erst Mutter geworden und war mir nicht sicher, wo ich hingehöre und was mein Herz will, also schrieb ich ein Lied darüber. Künstlerisch war ich zu der Zeit bereit, die Welt zu erobern und wollte alle neuen Informationen aufsaugen und alles über Musik lernen, aber persönlich fühlte ich einen Aufruhr in mir. Der Song ist von zwei sehr wichtigen Ländern in meinem Leben inspiriert, Argentinien und Finnland. Man kann auch einen Einfluss von Astor Piazzola und Jean Sibelius darin hören.   Nach vielen Jahren und vielen Entscheidungen hatte ich das Gefühl, dass ich bereit war, diesen Song zu veröffentlichen, weil ich endlich Frieden in mir selbst gefunden habe und mich großartig fühle. Diese Best-Of-Veröffentlichung fühlte sich wie der perfekte Ort dafür an.

Du hast kürzlich in einem Interview erwähnt, dass du während der Pandemie sehr produktiv warst. Auf welche neuen Projekte können wir uns freuen – und wird es ein neues Album geben?

Ich arbeite derzeit an drei Albumveröffentlichungen gleichzeitig! Ihr könnt in den nächsten Monaten Single- und Albumveröffentlichungen von meinem elektronischen Projekt Outlanders erwarten. Außerdem schreibe ich Songs für die kommende Rock-Veröffentlichung, die ihr 2024 erwarten könnt. Was das dritte Album angeht… das ist noch ein Geheimnis. Im nächsten Jahr gibt es eine Menge Tourneen: die letzten In the Raw-Touren im Februar und März in Europa und Best of-Konzerte im Rest des Jahres. Am Ende des Jahres gibt es natürlich noch eine Weihnachtskonzerttournee …und vieles mehr. Ich hoffe, wir sehen uns irgendwo unterwegs!

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