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Popkultur

Die musikalische DNA von Limp Bizkit

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Wenn der Name Limp Bizkit fällt, folgt darauf entweder verächtliches Schnauben oder ein genüsslicher Zungenschnalzer. Kaum eine Band polarisiert dermaßen stark, ob nun in der Rap-Szene oder im Metal-Zirkus. Von Genre-Puristen wurde die Musik von Fred Durst, Wes Borland, Sam Rivers, John Otto und DJ Lethal regelmäßig abgelehnt. Und die komischen, komplett überzeichneten und nicht selten bewusst sinnfreien Texte dieser Band erst! Ja, Limp Bizkit sind ein schwieriger Fall. Insbesondere ihr Frontmann Fred Durst, der sich zwischenzeitlich als glühender Verehrer Vladimir Putins outete und in der Vergangenheit mit homophoben und frauenfeindlichen Aussagen auffiel. It’s his way or the highway…


Hört euch hier einen Vorgeschmack der musikalischen DNA von Limp Bizkit an:

Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“.

Doch Limp Bizkit wurden immer ernster genommen, als sie selbst es waren. Allein die Wahl des Namens, die auf eine pubertäre Tradition – sprechen wir es aus: Kekswichsen – bezog, sollte bewusst abschrecken. Wer sich davon nicht beirren ließ, war als Fan willkommen. Doch ungeachtet der manchmal ziemlich bescheuerten Inhalte: Im Kern ist Limp Bizkit eine Band wie fast jede andere. Fast. Denn welche andere Gruppe würde schon die Dave Matthews Band genauso als Einfluss nennen wie Mr. Bungle und Tool? Wo treffen denn sonst eine Leidenschaft für Black Flag und den Wu-Tang Clan aufeinander? George Michael, The Who und Paula Abdul haben Limp Bizkit gecovert. Wie passt das zusammen? Wir versuchen mal, mit Blick auf die musikalische DNA der Band etwas Ordnung ins Chaos zu bringen.


1. Faith No More – Epic

Limp Bizkit haben das Crossover-Genre nicht erfunden. Auch waren Rage Against The Machine, ein früher Einfluss der Bizkits, keineswegs die ersten, die Rap und Rock zusammen dachten. Tatsächlich lassen sich schon sehr früh in der Rap-Geschichte Beispiele für musikalische Ansätze finden, in denen das eine Genre mit dem anderen eine (un-)heilige Allianz einging. Als Wegbereiter dessen, was unter dem Schlagwort Nu Metal bekannt wurde, gelten allerdings Faith No More. Als die 1998 aufgelöste Band nach ihrer Reunion im Jahr 2015 ein neues Album vorlegten, erinnerte sich Billy Gould nicht sonderlich wohlwollend an Limp Bizkit.

„Wir haben uns allein dadurch schuldig gemacht, dass wir sie auf eine Tournee mitgenommen haben“, sagte er gegenüber dem deutschen Metal Hammer. „Was darin gipfelte, dass Fred Durst unser Publikum als ‚Schwuchteln‘ und ‚Tunten‘ beschimpfte und sich dafür persönlich bei uns entschuldigen musste. Aber obwohl sie jeden Abend gnadenlos ausgebuht wurden, haben sie es doch erstaunlich weit gebracht, was genauso merkwürdig ist wie bei uns.“ Nicht nur musikalisch also waren die Crossover-Vorreiter von Faith No More für Limp Bizkit wegweisend. Tatsächlich konnten Durst und seine Mannen die Lücke füllen, die Faith No More nach ihrer Trennung 1998 hinterließen.


2. KoЯn – Blind

Den Startschuss für Limp Bizkits Karriere allerdings gaben, wie hätte es auch anders sein sollen, KoЯn ab. Die waren 1995 kurz nach der Veröffentlichung ihres selbstbetitelten Debütalbums mit der Hardcore-Band Sick Of It All auf Tour. Durst, der sich bisweilen vergeblich als Manager der Bizkits ausgegeben hatte, um die A&Rs verschiedener Labels auf seine Band aufmerksam zu machen, lud die Gruppe um Jonathan Davis zu einem Bier und ein paar Tattoos ein. Obwohl die Band von seinen Künsten an der Maschine nicht angetan war: Bassist Fieldy ließ sich zumindest ein Demo aufschwatzen.

Der Rest ist Nu Metal-Geschichte: KoЯn luden Limp Bizkit auf gleich zwei Tourneen ein und verschafften ihnen damit bei einem größeren Publikum Gehör. Der Durchbruch war damit vorbereitet und selbst ohne Plattenvertrag konnten Limp Bizkit bald ganze Hallen füllen. 2016 zogen beide Bands erneut um die Welt. „Ihr habt in eurem Leben vielleicht ein paar coole Konzerte erlebt, aber ich kann euch versichern, dass ein Abend mit KoЯn und Limp Bizkit für immer und immer euer liebster sein wird“, prophezeite Durst damals. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Studio trafen beide aufeinander – siehe das bizarre Rap-Battle zwischen Durst und Davis auf All in the Family.


3. George Michael – Faith

Als Live-Act konnten Limp Bizkit ihr Publikum mit geballter Energie und einer abgefahrenen Performance überzeugen. Um die Sache noch etwas spannender zu gestalten, coverten sie zwischendurch unter anderem Faith, einen Song vom ehemaligen Wham!-Mitglied George Michael. Wer hätte gedacht, dass deren groovender Akustik-Funk sich für eine alles umwälzende Metal-Interpretation anbieten würde? Wohl nur Durst, Borland, Otto, Rivers und Lethal, die ihr Cover trotz Protest von Produzenten Ross Robinson auf ihr Debütalbum bringen wollten. Als der eine härtere Version des Stückes hörte, war er Feuer und Flamme.

Und Michael selbst? War nicht ganz so überzeugt. „Was wir aus seinem Umkreis gehört haben ist, dass er es hasst und uns gleich mit, weil wir das gemacht haben“, erklärte Borland gegenüber MTV im Jahr 1999. „Offensichtlich verachtet er unser Cover geradezu.“ Ganz anderes erzählte Durst dem Rolling Stone. „Meines Wissens nach liebt er den Song“, brüstete er sich. „Ich bin mit seinem Kram aufgewachsen, von den Wham!-Zeiten an. Er sah immer klasse aus, hatte Supermodels in seinen Videos. Ich wusste nicht, dass er schwul war – das war mir egal.“ Ähm, okay!?


4. Puscifer – Momma Sed

Wichtiger als die Anerkennung George Michaels war den fünf Mitglieder die einer anderen Band: Tool. Die 1990 gegründete Gruppe gehört zu den kauzigsten im gesamten Business. Ihre Musik ist extrem komplex und hat bisweilen völlig rätselhafte Texte, die nicht selten voller anzüglicher Anspielungen waren. Derweil Mastermind Maynard James Keenan mit seinem Alternative Rock-Projekt A Perfect Circle auch mal eine sanftere und eingängigere Seite von sich zeigte, stachen Tool wie auch Keenans späteres Nebenprojekt Puscifer heraus wie der Mittelfinger aus der Faust.

Mit dem Song Nobody Loves Me von ihrem Debütalbum Three Dollar Bill, Y’all $ zollte die Band den Kollegen mehr als explizit Tribut: Im Breakdown des Stücks imitiert Durst eindeutig den verhallten Gesang des Eigenbrötlers, der über die Blumen so gar nicht begeistert war. „Wenn die Kantinenfrau aus der High School dich angräbt, dann nimmst du das zwar als Kompliment auf“, erklärte er süffisant in einem Interview. „Aber du gehst dann doch nicht gleich mit ihr aus, oder?“ Autsch!


5. Elvin Jones – „Tune Up“: Elvin Jones’ Solo (Live)

Aber so war das schon immer mit Limp Bizkit: So viel die Band auch austeilte, so viel mussten sie im selben Zug einstecken. Oftmals wurde über die ganzen Querelen vergessen, dass es sich bei Limp Bizkit um eine Band handelte – eine Band wohlgemerkt, bei der durchaus talentierte Musiker zugange waren. Am ehesten ein Schattendasein führte stets Schlagzeuger John Otto, obwohl sein druckvolles, groovendes Schlagzeug doch erst das Fundament des Bizkit-Sounds ausmacht.

Hättet ihr gedacht, dass Otto ein echter Jazz-Nerd ist und sich für brasilianische sowie afro-kubanische Musik interessiert? Nein? Wärt ihr je drauf gekommen, nachzufragen? Auch nicht? Klarer Fehler! Otto ist ein vielschichtiger Charakter, der voll für die Musik lebt. Jazz ist seine Hauptreferenz. „Als ich anfing, Jazz zu hören, habe ich die Musik nicht verstanden“, gab er in einem seinen seltenen Solo-Interviews zu. „Aber ich dachte mir: ‚Diese Typen hätten kein Problem, irgendeine Art von Musik zu spielen.‘“ So flexibel wollte er hinter dem Kit ebenfalls sein und studierte die Soli großer Jazz-Drummer wie Elvin Jones ebenso wie das, was Rock-Helden wie John Bonham hinter der Schießbude leisteten.


6. Pearl Jam – Alive

Ohne Otto würden Limp Bizkit völlig anders klingen. Mehr noch: Vielleicht hätte es die Band ohne ihn nie gegeben. Denn er erst führte seinen Cousin an die Musik, einen gewissen Sam Rivers – besser bekannt als der Bassist der Bizkits! Rivers spielte zuerst im Schulorchester die Tuba, bevor er Metal und Rock für sich entdeckte. Black Sabbath und Megadeth nennt er als große Einflüsse, am meisten aber hat ihn wohl Jeff Ament von der Band Pearl Jam inspiriert. Ob er dafür verantwortlich ist, dass die Bizkits gerne mal deren Superhit Alive covern? Möglich ist es.

Rivers wurde unversehens zum Musiker, lebt seinen Beruf aber mit voller Leidenschaft aus. So sehr, dass er sich dabei schon mal selbst Verletzungen zugezogen hat: Bei einer Tour mit Kid Rock ärgerte er sich so sehr über den schlechten Sound, dass er seinen Bass in Einzelteile zerlegte und sich dabei die Hand verletzte. Autsch! Seine Leidenschaft mit dem Rock-Sound der frühen und mittleren neunziger Jahre – Nirvana, Soundgarden und eben Pearl Jam – teilt er übrigens mit Fred Durst. Wenig überraschend, schon klar.


7. Anthrax – Bring The Noise

Aber für Überraschungen ist bei Limp Bizkit nun mal jemand anderes verantwortlich: Wes Borland. Der Gitarrist mit den schrägen Bühnenoutfits hat über die Jahre einen Stil entwickelt, der unverwechselbar ist. Wer auch immer von Limp Bizkits Inhalten abgeschreckt wird, dürfte in der bisweilen extrem experimentellen Gitarrenarbeit der Band sein Heil finden. Von Songs wie Stuck angefangen hin zu den elaborierten Licks auf dem Album Gold Cobra oder natürlich seinen zahlreichen Nebenprojekten: Borland ist ein Genie, Punkt.

Aber wie landet so einer eigentlich bei einer Rap-Metal-Truppe? Ganz einfach: Nachdem sich Borland als Teenager vor allem für Punk, Hardcore und Metal interessierte, brachte ihn das Anthrax-Cover von Public Enemys Bring the Noise auf einen anderen Pfad – genau jenen Pfad, den später auch Limp Bizkit auch betreten sollten. Dazu gesellte sich der Einfluss seiner Gitarrenlehrer: Der erste brachte ihm bei, auf die Kraft seines Gehörs zu vertrauen, während der andere ihm ein paar Lektionen in Sachen Jazz mitgab. Selbst John Zorn oder Aphex Twin gibt er als Einflüsse an. Das Ergebnis klingt nach wie vor einzigartig. Wes Borland ist eben unnachahmlich!


8. Rage Against The Machine – Killing in the Name

Von Anthrax hin zu Rage Against the Machine war es nur ein kleiner Schritt. Und ohne RATM wären Limp Bizkit wohl dennoch nicht möglich gewesen. Durst gab im Laufe seiner Karriere einige Rapper als Inspiration an, mit Genre-Größen wie Raekwon oder Method Man hatten sie einige ihrer Helden sogar bei sich zu Gast im Studio. Schwieriger ist da schon das Verhältnis der Band – insbesondere Durst und dem ehemaligen House of Pain-Mitglied Lethal – zu Eminem, obwohl sie doch eigentlich im selben Boot sitzen sollten. Doch Ems Beef mit Everlast weitete sich auch auf die befreundeten Bizkits aus…

Aber zurück zu Rage Against the Machine: Die mögen Limp Bizkit auch nicht. „Ich entschuldige mich für Limp Bizkit“, sagte deren Bassist Tim Commerford 2015 in einem Interview. „Wirklich. Ich fühle mich gräßlich, weil wir die Inspiration für so einen Bullshit geliefert haben.“ Auweia! Der Diss hat aber eine lange Vorgeschichte: Schon 2000 störte Commerford die Dankesrede von Durst und Co. bei den MTV Music Awards. Der grinste schon damals entspannt: „Der Typ ist Rock’n‘Roll, er sollte den Award bekommen!“ Bis heute covern die Bizkits gerne Killing In The Name und widmen ihre Version „der Rap-Rock-Band, mit der alles angefangen hat“, so Durst. „Als ich das Stück zum ersten Mal hörte, traf es mich mitten ins Herz!“


9. Ice-T – New Jack Hustler (Nino’s Theme)

Die zarten Gefühle Dursts für Rage Against the Machine, sie wurden und werden wohl nie erwidert. Selbst mit seinen eigenen Kollegen überwarf er sich mehr als einmal. Borland führte eine kleine On-Off-Beziehung mit der Band und selbst DJ Lethal war für einige Jahre nicht an Bord. Dabei bringt der gebürtige Lette, der zuerst mit House of Pain seine Erfolge feierte, doch das gewisse Etwas in den Sound der Band mit ein. Leor Dimant, wie er eigentlich heißt, versteht sich weniger als DJ, der ein paar Scratches für eine Rock-Band beisteuert, sondern vielmehr als Sounddesigner.

Sein Handwerk hat er von Grund auf gelernt und war schon mit 16 Jahren gemeinsam mit Everlast auf Europa-Tour – mit Muttizettel im Gepäck! Die beiden waren damals mit Ice-T und dem Rhyme Syndicate unterwegs. „Ich traf Ice-T und dachte mir, ‚Oh mein Gott, ich sitze hier in Ice-Ts Haus und Darlene [Ortiz, Ice-Ts damalige Frau] macht mir ein Sandwich. Es kann gar nicht besser werden!‘ Aber dann wurde es besser“, lachte er. Dass er eines Tages bei einer Metal-Band hinter den Decks stehen würde, war aber noch nicht abzusehen.


10. Richard Cheese – Nookie/Break Stuff

Aber wer hätte schon Limp Bizkit voraussagen können? Der kometenhafte Aufstieg der Band kam wie aus dem Nichts. Trotz oder gerade weil sie so ziemlich jedes Fettnäpfchen mitnahmen. Wirklich verstanden haben den Humor dieser Band jedoch nur wenige – selbst ihre eigene Fanbase nahm die Texte der Gruppe bisweilen ernster als diese selbst. Doch was passiert eigentlich, wenn ein augenzwinkernder Song persifliert wird? Das ist einerseits in „Weird Al“ Yankovics Angry White Boy Polka zu hören und andererseits in den Big Band-Versionen von Nookie und Break Stuff, die Richard Cheese aufnahm.

Mit seiner Band Lounge Against the Machine nahm der Komiker Mark Jonathan Davis – ja, wirklich, wie der KoЯn-Sänger! – allein dem Namen nach die Tradition des Rap-Rocks auf die Schippe. Niemand war vor ihm sicher. Radiohead, The Prodigy, die Beastie Boys und Nirvana veräppelte er im Frank Sinatra-Stil auf dem Debütalbum Lounge Against the Machine, das 2000 erschien. Ein alberner Spaß, der Lyrics wie „You better watch your back / ‘cause I’m fucking up your program / And then you’re stuck up / You just lucked up / Next in line to get fucked up / Your best bet is to stay away motherfucker“ als das entlarvte, was sie im Kern schon immer waren: wunderbarer Blödsinn.


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25 Jahre „Three Dollar Bill, Y’all“: Limp Bizkit starten ihren Kreuzzug des schlechten Geschmacks

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Limp Bizkit
Foto: Brenda Chase/Getty Images

Nu Metal ist längst auf dem Vormarsch, als Limp Bizkit mit ihrem Debüt Three Dollar Bill, Y’all um die Ecke biegen. Der provokante, für viele abstoßende White-Trash-Appeal von Fred Dursts wilder Bande ist 1997 für viele dann aber doch noch zu viel.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Three Dollar Bill, Y’all anhören:

Limp Bizkit liebt man oder hasst man. Dazwischen, so kann man nach 25 Jahren sicher sagen, gibt es nicht viel Spiel. Genau so wie es sich Fred Durst damals also vorstellte, als er zu Beginn der Neunziger eine Band gründet. Durst steht auf Hip-Hop ebenso wie auf Heavy Metal, skatet, liebt Tattoos, Beatboxen und Breakdancen. Ziemlich viel Cringe-Potential natürlich für einen weißen Dude Anfang 20 in North Carolina. Aber Hobbys sind eben Hobbys.

Nach Stippvisiten bei bedeutungslosen Lokalbands hat er genug und nimmt die Dinge einfach mal selbst in die Hand. Gesegnet mit jeder Menge Selbstbewusstsein, einen gewöhnungsbedürftigen Sinn für Humor und einer Vorliebe für Provokation kann er Bassist Sam Rivers und dessen Cousin, Jazz-Drummer John Otto von seinen Plänen überzeugen. Bald darauf wird das junge Glück ergänzt von Gitarrist Wes Borland. Als Durst einen zweiten Gitarristen an Bord holen will, um den Sound breiter und variabler zu gestalten, funkt Borland dazwischen: Nö, nix da, sagt der, ein Gitarrist reicht völlig. Stattdessen stößt DJ Lethal von House Of Pain zu der jungen Band, völlig begeistert davon, wie er sich hier im Vergleich zu seinen alten Hip-Hop-Buddies ausleben kann: Knallharter Sound, kompromisslose Attitüde, hohes Aggressionspotential und eine durchaus originelle Vermischung von Rap und Metal.

Das Beachtenswerte: Ohne es zu wissen, schart Fred Durst schon in den frühen Tagen ein Line-Up um sich, das bis zum heutigen Tag unverändert bleiben und gemeinsam über 40 Millionen Tonträger verkaufen soll. Nicht schlecht für die selbstgefälligen Visionen eines gelangweilten Twens mit großer Klappe. Aber das ist bei Fred Durst eben immer schon so: Große Klappe, was dahinter.

Schocken um jeden Preis

Er ist es auch, der seiner Band den Namen Limp Bizkit gibt. Er will die Menschen bewusst anwidern, will sie abschrecken und schon sehr frün die Spreu vom Weizen trennen. Wer sich schon von diesem Namen abschrecken lässt, denkt er sich, ist für die Musik eh nicht bereit. Damit soll er Recht behalten: Mit ersten Demo-Songs erregen sie zwar durchaus die Aufmerksamkeit einiger Plattenfirmen, ausnahmslos wird jedoch verlangt, die Band solle ihren Namen ändern. Nicht mit Durst! Der sieht lieber mit Wohlwollen, wie sich seine Band eine Kult-Anhängerschaft erarbeitet. Klar, Korn und die Deftones feiern damals schon große Erfolge; für den expliziten, trashigen, inhaltlich fragwürdigen, überzeichneten bewusst geschmacklosen Nu-Metal-Abriss hat man damals aber einfach noch keine Schublade.

Fred Durst ist überall unterwegs, um für seine Band Werbung zu machen, gibt sich schon auch mal als deren Manager auf, um dick aufzutragen. Wes Borland derweil entwickelt sein Faible für bizarre Kostümierungen, die schon bald einer der Hauptgründe sind, weshalb immer mehr Menschen zu Shows von Limp Bizkit kommen. Irgendwie kann Durst sogar Korn davon überzeugen, seine Band mit auf Tour zu nehmen, obwohl sie damals noch nicht mal einen Plattenvertrag haben.

Geschmacklos und stolz drauf

Den gibt es dann irgendwann doch – und natürlich ohne Namensänderung. Fred Durst kennt die Mechanismen der Industrie zu diesem Zeitpunkt schon beeindruckend gut. Dass er das Limp-Bizkit-Debüt trotzdem Three Dollar Bill, Y’all nennen muss – Queer as a three dollar bill ist eine homophobe Beleidigung –, ist mehr als nur ein Kopfschütteln wert. Aber da hat er sich eben schon eingeschossen auf seine Antihaltung, auf sein gezieltes Anecken, Anwidern, Anpissen.

Was George Michael wohl davon hielt?

Dafür hätte allein der Sound der Platte gereicht: Was am 1. Juli 1997 erscheint, ist ein verstörend hart produziertes, chaotisches, wütendes Album, das hörbar von Tool oder den Deftones geprägt ist, aber zu gleichen Teilen mit breitbeinigem Rap-Gehabe aufwartet und völlig unsubtil auf die Fresse gibt. Pollution ist ihr erster kleiner Hit, mit Counterfeit machen sie sich schon auf ihrem Debüt über Bands lustig, die sie kopieren. Klar, auch ihr anarchisches, tollwütiges Cover von George Michaels Faith, in Undergroundkreisen damals längst Legende, findet sich auf Three Dollar Bill, Y’all wieder. „Wir wussten, dass wir nur auffallen können, wenn wir die Leute schocken“, so Wes Borland damals. „Das bewegt die Leute.“

Scheint zu klappen: Nach dem Release touren sie im Vorprogramm ihrer Helden von Faith No More (wenn auch vor einem sehr ablehnenden Publikum), werden mehr und mehr von MTV entdeckt. Das Album wird zum Erfolg und zündet eine neue Stufe in Sachen Nu-Metal-Welteroberung. Man muss nicht mögen, wie Fred Durst in seinen Texten mit Frauen umgeht; man muss aber immer im Hinterkopf behalten, worum es ihm seit Tag eins bei dieser Band geht: Darum, dass sich die Menschen angewidert abwenden. Das zumindest ist spätestens 1999 allerdings passé: Der Nachfolger Significant Other verkauft sich gleich mal 16 Millionen Mal. Liebe oder Hass: Respekt vor Fred Dursts genialer Strategie muss man haben. Und die Songs, die knallen auch 25 Jahre später noch.

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10 Songs, die jeder Limp-Bizkit-Fan kennen muss

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Popkultur

Scum: Napalm Death und ihr Split-Album mit sich selbst

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Scum Album Cover

„"40 Songs in 33 Minuten: Zeitverschwendung kann man Napalm Death auf Scum wahrlich nicht vorwerfen. Bei der Produktion der Platte sieht das ein wenig anders aus, denn das Debüt der Briten erscheint in zwei Etappen — und am Ende sind darauf quasi zwei unterschiedliche Bands zu hören.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Scum anhören:

Kaum eine Band hat die Extreme der Krachmusik derart ausgelotet wie Napalm Death aus Birmingham. 1981 gegründet, startet die Gruppe ab 1985 so richtig durch. Napalm Death spielen zu jener Zeit regelmäßig im Birminghamer Club The Mermaid, wo sie nicht nur allein auf der Bühne stehen, sondern auch so ziemlich jede Band von außerhalb supporten. Einige Monate, Besetzungswechsel und Demos später kapern sie ein Studio und nehmen ihr erstes Album Scum auf — oder zumindest einen Teil davon. Die Platte entsteht nämlich in zwei Hälften.

Während ihres ersten Studioaufenthalts entstehen Stücke wie The Kill, Death By Manipulation und You Suffer ein. (Mit You Suffer landen die Briten später im Guinness-Buch der Rekorde, doch dazu gleich mehr.) Zwar hatten die Musiker diese Nummern schonmal für ein Demo aufgenommen, doch für die Albumversion treten sie das Gaspedal noch ein wenig tiefer durch und spielen die Kompositionen um einiges schneller. Die Kosten für das Studio übernimmt Mermaid-Veranstalter Daz Russell. Er bietet der Band außerdem an, die Aufnahmen über sein neues Label zu veröffentlichen, doch Napalm Death behalten die Master-Bänder lieber für sich. Die Begründung: Russell hatte die Musiker nie dafür bezahlt, dass sie im Mermaid aufgetreten waren.

Scum: Ein Album in zwei Anläufen

Nach den Aufnahme-Sessions wird die Luft in der Band dicker. Gleich mehrere Mitglieder fühlen sich berufen das Steuerrad zu übernehmen, es kommt zum Streit. Erneut dreht sich das Besetzungskarussell, einzig Schlagzeuger Mick Harris bleibt Napalm Death erhalten. 1986 kommt die Gruppe mit Digby Pearson in Kontakt, der gerade sein neues Label Earache Records an den Start gebracht hat. Nach nur wenigen Monaten unterschreiben Napalm Death einen Plattenvertrag mit ihm und Pearson kauft das Master-Band, dass die Musiker bisher zurückgehalten hatten. Mit etwa 20 Minuten Spielzeit befindet sich darauf allerdings gerade einmal genug Material für die A-Seite eines Albums. Also schickt er Napalm Death noch einmal ins Studio, obwohl die Band in der neuen Besetzung noch keine drei Stunden zusammen geprobt hat.

Dass auf der A-Seite eine andere Bandbesetzung zu hören ist als auf der B-Seite, gibt es in der Geschichte der Rockmusik nicht so häufig. Nur Schlagzeuger Mick Harris wirkt an beiden Seiten mit. Am Mikro steht nun Lee Dorrian, der später die Doom-Legenden Cathedral gründen wird. Doch trotz der eigenartigen Produktionsumstände wird Earache Records die erste Auflage des Albums innerhalb weniger Wochen aus der Hand gerissen. Zeitgleich spielen Napalm Death ihre erste Tour.

Zum großen Knall kommt es, als der Radio-DJ John Peel die Band in seiner Radiosendung auf BBC 1 Radio spielt und Napalm Death sogar dazu einlädt, eine der legendären Peel Sessions aufzunehmen. Auf einmal kennt die ganze britische Szene die neuen Krachmacher und Earache gibt eine zweite Auflage des Debüts in Auftrag. Ganze 10.000 Exemplare gehen innerhalb kürzester Zeit über die britischen Ladentheken.

You Suffer: Auf den Punk in 1,316 Sekunden

Einen besonderen Stellenwert auf dem Album genießt der Song You Suffer — und zwar nicht wegen seiner üppigen Länge. Gerade einmal 1,316 Sekunden dauert die Nummer und landet somit als kürzester Song aller Zeiten im Guinness-Buch der Rekorde. Außerdem veröffentlichen Napalm Death das Stück zwei Jahre nach Scum als kostenlose Promo-Single. Auf der B-Seite: Mega-Armageddon Death Part 3 von den Electro Hippies aus England. Auch dieses Meisterwerk dauert kaum länger als eine Sekunde, was den beiden Bands einen weiteren Rekord beschert: den der kürzesten Single aller Zeiten.

Heute gehören Napalm Death seit vielen Jahrzehnten zu den festen Institutionen der Krawallmusik. Mit Mick Harris verlässt im Jahr 1991 der letzte Musiker die Band, der auf Scum zu hören ist, inzwischen stehen vor allem Sänger Mark „Barney“ Greenway, Schlagzeuger Shane Embury und Gitarrist Mitch Harris für den Sound der Gruppe. Dennoch bleibt Scum ein wichtiges Standardwerk, das Ende der Achtziger Grenzen aufbricht, den Grindcore mit Karacho in der Musikwelt etabliert und laut Autor Ian Christe den zehnjährigen Wettbewerb um den schnellsten und härtesten Sound beendet. Bei 40 Songs in einer guten halben Stunde ist das absolut kein Wunder.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 1.7.1945 kommt Debbie Harry von Blondie zur Welt.

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Debbie Harry in den Siebzigern. Foto: Anthony Barboza/Getty Images

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 1.7.1945.

von Frank Thießies und Christof Leim

Kaum eine andere Künstlerin hat für den Frontfrauen-Feminismus und die Stärkung des weiblichen Selbstbewusstsein im Rockgeschäft so viel getan wie Blondie-Sängerin und Schauspielerin Debbie Harry, ohne die es die Karrieren von Madonna bis Lady Gaga vielleicht so nicht gegeben hätte. Am 1. Juli feiert die platinblonde Pop-Pionierin Geburtstag.

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Blondie anhören:

Als Angela Trimble wird sie in Florida geboren, doch bereits ab dem zarten Alter von drei Monaten wächst das nun in Deborah Ann umbenannte Mädchen bereits bei Adoptiveltern mit den Nachnamen Harry in New Jersey auf. Sie zeigt bereits früh viel Fantasie und ein Faible für Glamour. Sie gibt sich sogar tagträumerisch der Fantasie hin, sie könne wohlmöglich die leibliche Tochter von Marilyn Monroe sein. Entsprechend zieht es die junge Dame nach dem College-Abschluss Ende der Sechziger nach New York, wo sie unter anderem als Sekretärin für die britische Rundfunkanstalt BBC, als Kellnerin, Go-Go-Tänzerin und Bunny-Bedienung im Playboy Club Manhattan arbeitet. 

Platin heißt die Devise

Auch der Musik ist Debbie Harry nicht abgeneigt: So singt sie für die Folk-Truppe The Wind In The Willows Background und unternimmt einen ersten eigenen Gehversuch in der Gruppe The Stilettos. Als schicksalsträchtig erweist sich schließlich die Begegnung mit dem Gitarristen Chris Stein im Jahre 1974, mit dem sie fortan fünfzehn Jahre liiert sein wird und dem sie auch danach künstlerisch und menschlich eng verbunden bleibt. Zusammen rufen die beiden zunächst die Gruppe Angel And The Snake ins Leben, die sie kurz darauf aber in Blondie umtaufen. Das langlebige Gerücht, man habe sich nach Hitlers Schäferhund benannt, ist allerdings Quatsch: Blondie nennen sich Blondie, weil so der Spitzname lautet, den die Männerköpfe verdrehende Harry auf der Straße von Bewunderern zugerufen bekommt, nachdem sich ihren eigentlich natürlich rotblonden Schopf einer Wasserstoff-Blondierung unterzogen hatte. 

Zu Pop für Punk?

Im neuen Hauptquartier der Punk-Bewegung, dem New Yorker Kult-Club CBGB’s, gehören Blondie Mitte der Siebziger zur Stammbesetzung auf der Bühne – obwohl sie musikalisch nie wirklich dorthin passen. Auch erweisen sich ihre Platten Blondie (1976) und Plastic Letters (1977) beim Hipster-Publikum noch nicht als so präsent wie gewünscht, auch wenn Harrys platinblonder Powerfrauen-Look, der zugleich Sex-Appeal wie weibliche Selbstbestimmung suggeriert, damals schon viel Anerkennung findet. Dann gerät das dritte Album Parallel Lines (1978), produziert von Mike Chapman (The Sweet, Suzi Quatro), zum großen internationalen Durchbruch und wirft unter anderem den Welthit Heart Of Glass ab.

Das 1979 eilig nachgeschobene Folgealbum Eat To The Beat hält 1979 das hohe Niveau und lässt Blondie unter Harrys stilistischer Führung weiter zur New-Wave-Vorzeigeband werden. 1980 ist Debbie Harry die Frau der Stunde: Ihr Look besteht aus aus Kostümkollaborationen mit dem Designer Stephen Sprouse sowie wortwörtlichen Straßen- und Kellerfunden, zudem verfügt sie über eine starke Persönlichkeit. Mit beidem wird sie kommenden Künstlerinnen wie Madonna oder Cindy Lauper den Weg ebnen. 

Rap-Pionierin & Filmstar

1980 betreten Neuland: Rapture, der Hitsong des experimentellen fünften Albums Autoamerican geht als erster Nummer-eins-Song mit Rap-Gesang in der Strophe in die Popgeschichte ein. Zudem erweist sich das für den Soundtrack des Richard-Gere-Films American Gigolo (Ein Mann für gewisse Stunden) von Harry mit Giorgio Moroder verfasste Call Me erneut ein weltweiter Disco-Tanzflächen-Füller. 

Nachdem Andy Warhol sie in einer Reihe von Fotokunstwerken unsterblich gemacht hat, kurbelt Harry parallel ihre Filmkarriere an. So brilliert sie zunächst im billigen aber charmanten Neo-Noir-Film Union City (1980) und hat einen Auftritt mit Band im Meat-Loaf-Streifen Roadie. 1983 glänzt sie dann in David Cronenbergs Science-Fiction-Klassiker Videodrom. Dummerweise ist es Harrys erstes Soloalbum, KooKoo (1981), welches die Sängerin zwar erfolgreich mit Nile Rodgers (Chic) und Alien-Designer H.R. Giger arbeiten lässt, sie aber auch um einen wichtigen Genre-Filmauftritt beraubt: Nicht auszudenken, in welche Hollywood-Star-Sphären Harry vielleicht noch vorgestoßen wäre, hätte sie Ridley Scotts Angebot annehmen können, in dessen Blade Runner die Rolle des weiblichen Humanoiden Pris zu spielen. Doch diese Offerte fällt leider den Plänen von Harrys Plattenfirma zum Opfer (und wird schließlich von Schauspielerin Daryl Hannah dankend wahrgenommen).

Comeback und Vermächtnis

Nachdem sich Blondie 1982 nach Veröffentlichung des Albums The Hunter vorläufig trennen, verfolgt Harry weiterhin ihre Solokarriere als Sängerin und agiert als Schauspielerin in Filmen wie Hairspray und Copland. 1997 verschlägt es die inzwischen wiedervereinten Blondie zunächst auf Tournee; zwei Jahre später folgt mit No Exit (und dem Hit Maria) auch schon das große musikalische Studio-Comeback. 

Seitdem sind Blondie recht regelmäßig auf der Bühne und mit Plattenveröffentlichungen aktiv; Pollinator, das elfte und jüngste Album der Band, geht auf das Jahr 2017 zurück. Harrys letztes Soloalbum Necessary Evil liegt indes bereits 13 Jahre zurück. Dafür hat sich Frau Harry allerdings auch ihren Memoiren gewidmet. Die Autobiografie Face It erscheint Ende 2019 und zeichnet unter anderem ein lebhaftes Bild der New Yorker Boheme- und Drogenkultur der Siebziger und Achtziger, von der sie und Stein in ihren harten Heroinjahren ein nicht unwichtiger Teil waren. Und wie bei manch anderem männlichen Vertreter der Rockstar-Spezies Schwerenöter, kann man sich auch im Falle Harry nur über das Wunder freuen, dass sie all dies erlebt und überlebt hat und als Grande Dame des Art Punk/New Wave heute noch ihren Geburtstag feiern kann. 

Zeitsprung: Am 3.1.1979 erscheint „Heart Of Glass“ von Blondie.

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