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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.1.1984 gehen Ozzy & Mötley Crüe auf Tour. Auweia.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.1.1984.

von Christof Leim

Ozzy Osbourne und Mötley Crüe zusammen auf Tour: Das kann nicht gut gehen. Der „Madman“ und die Chaoten aus L.A. überbieten sich an Dekadenz und Ausschweifung. Los geht der Wahnsinn am 10. Januar 1984. Und ja, auf diesem Trip passiert auch die Sache mit den Ameisen…

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Hört hier in Shout At The Devil von Mötley Crüe rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Zu Beginn des Jahres 1984 hat Ozzy gerade sein drittes Soloalbum Bark At The Moon draußen. Nach dem Tod seines Wundergitarristen Randy Rhoads und einer Phase der Selbstfindung (und Selbstbetäubung) steht der Sänger wieder ganz oben in der Hard Rock-Welt. (Ein Porträt des Meisters findet ihr hier). Die Tour war schon im November in Europa gestartet, zum Line-up gehören neben Jake E. Lee, dem neuen Sechssaitenvirtuosen an Ozzys Seite, noch die alten Bekannten Bob Daisley (Bass) und Don Airey (Keyboards), außerdem Drum-Veteran Carmine Appice, der schon für Jeff Beck, Rod Stewart und Vanilla Fudge getrommelt hatte.



Bei Mötley Crüe stehen nach der Veröffentlichung von Shout At The Devil (1983) die Zeichen zwar auf Sturm, aber bis zur Weltherrschaft fehlt noch ein Stück. Am 28. Mai 1983 spielen sie vor ganz großer Kulisse beim zweiten US Festival (alles dazu hier) und hinterlassen einen gewaltigen Eindruck, offensichtlich auch bei Ozzy und seiner Frau und Managerin Sharon Osbourne. Die beiden laden die Band ein, die US-Daten der Bark At The Moon-Tour zu eröffnen, was ihnen zum ersten Mal die Möglichkeit gibt, in den ganz großen Hallen aufzutreten. Schlagzeuger Tommy Lee bedankt sich dafür ausdrücklich in seinem Buch Tommyland: „Die Tour war überall ausverkauft und einen Gig in einer pickepackevollen Arena zu spielen, war der verfickte Himmel für eine Band mit unserem Status. Ich stehe auf ewig in ihrer Schuld.“



Nichts für Kinder: die Crüe-Biografie „The Dirt“

Mötley mögen zu diesem Zeitpunkt noch nicht die großen Stars sein, doch in bei Wein, Weib, Gesang stehen sie schon ziemlich weit vorne. Deutlich formuliert: Drogen, Sex und Zerstörung gehören bereits zum Tagesgeschäft. Wie sich allerdings rausstellen sollte, fällt das im Vergleich zu Ozzy alles unter „Amateurkram“. Denn während der Achtziger macht niemand, wirklich niemand dem „Madman“ in Sachen Dekadenz etwas vor. Das weiß Nikki Sixx, Bassist der Kalifornier, allerdings noch nicht. In der berüchtigten Bandbiografie The Dirt von 2001 schreibt er: „Wir hielten uns für die bösesten Geschöpfe auf Gottes Erdboden. Niemand trieb es so oft und so wild wie wir, und niemand kam so unbehelligt mit diesem Benehmen davon. Wir hatten keinerlei Konkurrenz. Aber dann trafen wir Ozzy.“

Die erste gemeinsame Show findet am 10. Januar 1984 in Portland, Maine statt, und von Anfang verstehen sich Headliner und Support blendend. „Er hat uns unter seine Fittiche genommen und dafür gesorgt, dass wir uns wohl dabei fühlen, jeden Abend vor 20.000 Leuten zu stehen“, erklärt Sixx und mutmaßt, ohne diese Tour wären Mötley Crüe eine von vielen typischen L.A.-Bands geblieben: „schon irgendwie Stars, aber nie durchgestartet“.

Nikki erzählt weiter, dass Ozzy kaum einen Abend in seinem eigenen Tourbus verbringt, in dem gelegentlich auch seine erst wenige Monate alte Tochter Aimee samt Mutter Sharon mitreist. Stattdessen hängt unser Mann lieber bei der Crüe rum, um mit ihnen nächtelang durch intensives Tischriechen ein ungesundes südamerikanisches Exportprodukt aus der Welt zu schaffen. Dabei will jede Partei die krasseste sein: Auf der einen Seite die vier Wilden aus Los Angeles, auf der anderen Seite der „Madman“ aus England, der es schon zu Zeiten von Black Sabbath hat krachen lassen wie kein Zweiter (und daran fast zugrunde gegangen wäre). „Diese Tour wird noch jemanden das Leben kosten“, kommentiert Ozzy damals laut seiner Autobiografie I Am Ozzy (2010) die anstehende Konzertreise. Der damalige Mötley-Manager Doc McGhee sieht sogar richtig schwarz: „Jemand? Ich glaube, wir werden alle dabei draufgehen.“



Ebenfalls nichts für Moralapostel: Ozzys Autobiografie

In seinem Buch schreibt Osbourne: „Das Problem war Mötley Crüe. Sie waren vollkommen verrückt, und das empfand ich natürlich als Herausforderung. Genau wie bei John Bonham hatte ich das Gefühl, ich müsste ihren Irrsinn noch übertreffen, sonst hätte ich meinen Job nicht erledigt. Aber das empfanden wiederum sie als Herausforderung, also hatten wir jeden Tag rund um die Uhr Action, Action, Action. Die Konzerte waren dabei der leichteste Part. Schwierig war, die Pausen dazwischen zu überleben.“ Einmal wacht Ozzy nach einer Tankladung voll Sake auf dem Mittelstreifen einer zwölfspurigen Autobahn auf. Er kann sich retten und muss mal, also pinkelt er gegen ein Auto – das sich prompt als ziviles Polizeifahrzeug entpuppt. So geht es weiter. Wir empfehlen als kurzweilige Lektüre der Kategorie „Nicht zu Hause ausprobieren“ ausdrücklich die entsprechenden Kapitel von The Dirt und Am Ozzy. Hier ein kleiner Überblick über die weiteren „Erfolge“: In Memphis klauen Ozzy und Crüe-Sänger Vince Neil ein Auto und fahren es zu Schrott, in New Orleans gerät die Reisegruppe in eine Messerstecherei, und in Nashville macht Ozzy eine ganz besondere Sauerei in der Toilette von Tommys Lees Hotelzimmer, auf die wir hier nicht weiter eingehen wollen. Ein Wahnsinn. Laut Nikki Sixx tut das alles Ozzy in lichten Momenten immer wieder leid, die Mötley-Jungs selbst sind von solchen unvermeidlichen Einsichten allerdings noch ein paar Jahre entfernt (was darin gipfelt, dass Sixx an Weihnachten 1987 für zwei Minuten an einer Überdosis stirbt).

Einen fast schon traurigen Höhepunkt erreicht das Ganze in Lakeland, Florida, als die Tour bereits über einen Monat durch Nordamerika marodiert: Wie in The Dirt zu lesen steht, fallen die Musiker am Mittag des 23. Februar aus dem Bus und stolpern ins Hotel, wo sie sich ohne Umschweife zur Bar begeben. Nach den Worten von Sixx trägt sich dann folgendes Begebenheit zu: „Ozzy zog seine Hose aus und steckte sich einen Dollar in die Arschritze. Den hat er dann allen Anwesenden angeboten. Als eine ältere Dame ihn ausschimpft, greift er ihre Tasche und rennt weg. Später taucht er am Pool auf – und trägt das Kleid der Dame, das er in ihren Sachen gefunden hat.“ Und dann passiert es: Der drogensüchtige Ozzy braucht Nachschub, aber es gibt kein weißes Pulver mehr. Trotzdem lässt er sich von Nikki einen Strohhalm reichen. Mit dem geht er zu einem Riss im Betonboden, aus dem sich eine Ameisenstraße schlängelt. Nikki denkt sich noch „Das wird er nicht tun“ – als Ozzy genau das tut: Er zieht die Ameisen wie eine Linie Koks in die Nase.



Damit nicht genug: Agent Doppel-O rafft laut der Schilderung in The Dirt das Kleid, pinkelt vor aller Augen los, kniet nieder und leckt die Plörre auf. Sein Kommentar: „Mach mir das erstmal nach, Sixx!“ Der kann das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und begibt sich – wenngleich widerstrebend – ebenfalls ans „Werk“ und denkt sich: „Naja, es kommt ja aus meinem Körper…“ Doch Ozzy legt noch einen drauf – und hilft mit. Woah! Mötley Crüe müssen einsehen, dass sie bei aller Verdorbenheit nicht mithalten können: „Von dem Moment wussten wir, dass es jemanden gibt, der – egal was wir gerade anstellen – krasser und ekliger drauf ist als wir.“ Ozzy selbst allerdings gibt in seinem Buch zu Protokoll: „Wenn mir heute jemand Storys über diese Tour erzählt, weiß ich nicht, ob sie stimmen oder nicht. ‚Ozzy, hast du wirklich eine Ameisenstraße geschnieft?‘, und ich habe keine Ahnung. Möglich ist es.“



Kein Wunder also, dass Ozzys Frau Sharon wieder zur Tour stößt, um Kraft ihrer natürlichen Autorität für Ordnung zu sorgen. Eine gute Idee, denn Ozzy geht fortan früh ins Bett, hält seine Nase sauber und Händchen mit der Gemahlin. Wenn die allerdings für eine Weile abreist, lässt der Sänger das dünne Mäntelchen der Zivilisation wieder fahren und haut auf die Sahne, dass es nur so eine Art hat. Als unbestrittene Chefin der ganzen Operation verfügt Frau Osbourne auch, dass die Supportbands sich ebenfalls zurückhalten mögen. „Sie hat uns überhaupt keinen Spaß zugestanden“, findet Nikki. Mötley lassen sogar Shirts drucken mit der Aufschrift: „No Fun Tour: ’83-’84“. Der Mötley Crüe-Bassist erzählt, dass er Mama Sharon sogar um Erlaubnis bitten muss, auf den Shows „Damenbekanntschaften“ machen zu dürfen für, sagen wir, weiterführende Gespräche nach der Show im privaten Rahmen.

Das Drama auf diesem Kriegszug beschränkt sich nicht mal auf Feierei: Der damalige Ozzy-Drummer Carmine Appice gilt in der Rockszene selbst als Star und will deshalb eigene Shirts verkaufen. Sharon und Ozzy erlauben es ihm sogar. Allerdings muss der Mann irgendwann feststellen, dass aus jedem seiner Shirts sein Gesicht fein säuberlich rausgeschnitten wurde. Am 3. März 1984, knapp zwei Wochen nach dem „Ameisenvorfall“, übernimmt Tommy Aldridge das Schlagzeug.

Mit einigen Unterbrechungen sind Ozzy und Mötley Crüe alleine in den USA an die drei Monate zusammen unterwegs. Bei der letzten Show überschüttet Ozzys Band die Vorgruppe mit Mehl und Senf, wie in Tommyland zu lesen steht. Die Crüe-Musiker revanchieren sich, in dem sie in Mönchsroben auf der Bühne auftauchen, die ablegen und mit „blanken Waffen“ zwischen den Musikern herumlaufen. Keine Frage: Musikalisch geben die beiden Truppen ein tolles Hard Rock-Paket ab, doch nach dem letzten Ton des Abends bedeutet diese Kombination regelmäßig Chaos und Dekadenz. Es mag nur die Hälfte dieser Geschichten stimmen, aber ein Kern an Wahrheit reicht hier schon. Die Achtziger haben ihren Ruf sicher nicht aus Versehen bekommen…

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Credit Header-Foto: Ron Galella/WireImage

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Popkultur

Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.1.1974.

von Christof Leim

Im Januar 1974 spielen Fleetwood Mac Konzerte in den USA. Das wäre eigentlich ein Grund zur Freude für Classic Rock-Fans, doch leider steht da niemand auf der Bühne, der auf den aktuellen Platten oder den letzten Touren gespielt hat. Anders formuliert: Nur der Name Fleetwood Mac geht auf Tour, die Band blöderweise nicht. Das finden Besucher und Veranstalter natürlich befremdlich, zumal sie das oft erst am Showtag erfahren. Was ist da passiert und wer steckt hinter den „Fakewood Mac“?

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Hört hier in die damals aktuelle Platte Mystery To Me rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Wer sich Anfang 1974 ein Konzertticket für Fleetwood Mac kauft, der erwartet auf der Bühne die Musiker der gerade neuen Platte Mystery To Me: Schlagzeuger Mick Fleetwood und Bassist John McVie zum Beispiel, dazu Sängerin Christine McVie und die Gitarristen Bob Welch und Bob Weston. Doch schon bei der ersten Show der Tour am 18. Januar 1974 ist keine einzige Person dieses Line-ups anwesend. Niemand. Stattdessen spielen fünf Unbekannte Fleetwood Mac-Songs.

Da muss also etwas vorgefallen sein. In einem Artikel des Rolling Stone von damals erzählt der Manager Clifford Davis: „Ich habe mich entschieden, etwas an der Band zu ändern, insbesondere auf der Bühne. Und das habe ich getan. Ich war immer schon der Anführer, der entscheidet, wer mitspielt und wer nicht.“ Eine krasse Ansage, aber Davis geht noch weiter: „Ich möchte endlich den Eindruck zerstreuen, dass dies Mick Fleetwoods Band ist. Diese Band war immer schon meine Band.“

Die echte Band Ende 1973: Welch, Fleetwood, McVie, McVie (v.l.) – Pic: Promo

Doch wie kommt der Mann dazu? In jenen Jahren verlieren Fleetwood Mac ständig ihre Gitarristen: Danny Kirwan fliegt 1972 raus, was den Abbruch einer Tour bedeutet. Im Herbst 1973 wird dann Bob Weston gefeuert, weil Drummer Mick kann es nicht länger mit ansehen, dass sein Kollege ein Verhältnis mit seiner Frau Jenny hat und damit auch in der Öffentlichkeit nicht hinter dem Berg hält. Autsch. Damit endet auch die erste Tour zu Mystery To Me vorzeitig. Dem Manager passt das gar nicht, angeblich nennt er das „unprofessionell“. Als die Musiker dann sogar eine Pause einlegen wollen, in der Mick sich um seine unvermeidliche Scheidung kümmern muss, stellt er kurzerhand eine Ersatztruppe zusammen und schickt sie in den USA auf die Straße.

Das Ersatzaufgebot besteht aus Musikern der Band Legs, die eine Single unter der Ägide des Managers veröffentlicht hatte: Sänger Elmer Gantry, Gitarrist Kirby Gregory, Bassist Paul Martinez und  Pianist John Wilkinson. „Ich habe mich aber entschieden, Mick zu behalten“, erklärt Davis im Rolling Stone. Allerdings habe der kurzfristig wegen privater Probleme wieder zurück nach England fliegen müssen. Also setzt sich Craig Collinge hinter das Schlagzeug.

Der erste Auftritt findet statt in Pittsburgh am 18. Januar 1974. Wenig überraschend gibt es dort umgehend Streit mit dem Veranstalter, und auch die Fans sind nicht erbaut. Deshalb muss Davis von nun an jeden Abend auf der Bühne verkünden, dass ganz neue Musiker spielen werden und Mick Fleetwood selbst, so ein Ärger, es leider nicht geschafft habe. Gut kommt das nicht an, doch es wird noch schlimmer: Eine Woche später rollt der Tross nach New York, wo 30 Minuten vor der Show feststeht, dass Elmer Gantry nicht singen können wird. „Das ist mir noch nie passiert“, röchelt er gegenüber dem Rolling Stone. Dummerweise hat sich ausgerechnet für diesen Abend die versammelte Musikpresse angekündigt. Noch doofer allerdings: Niemand sagt den Veranstaltern rechtzeitig Bescheid. Die hätten mit ein wenig mehr Vorlauf die Sause noch absagen können, jetzt aber stehen nach den Vorgruppen Kiss und Silverhead 3.400 Fans in der Halle und warten. Also fällt die Entscheidung, die „Band“ ohne Frontmann auf die Bühne zu schicken. Nach einer halben Stunde Boogie-Jam machen 800 Fans von dem Angebot Gebrauch, ihr Geld zurückzubekommen…

Das kann alles nicht lange gut gehen. Es gibt sogar die Geschichte, dass der langjährige Tourmanager John Courage irgendwann das Equipment versteckt und so dafür sorgt, dass die Konzertreise unter falscher Flagge gestört und abgebrochen wird. Kein Wunder also, dass der Spuk der„Fakewood Mac“ ziemlich schnell wieder vorbei ist und Clifford Davis mit Anlauf gefeuert wird. Ein unvermeidbares gerichtliches Nachspiel klärt zwar die Namensrechte eindeutig zu Gunsten der echten Fleetwood Mac, doch es bremst die Band mehrere Monate aus.

Die Musiker der Zweitbesetzung kehren zurück nach England und gründen die Band Stretch, die im November 1975 einen Hit landet mit dem Song Why Did You Do It?. Dessen Text kann mal an als klassisches Beziehungsdrama lesen, aber die meisten Kommentatoren sehen hier eine direkte Attacke auf Mick Fleetwood – weil der sich schließlich von der unglücklichen Tour zurückgezogen habe (was der weiterhin dementiert). Fleetwood Mac verstärken sich indes mit dem Gitarristen Lindsey Buckingham und der Sängerin Stevie Nicks und gehen in den Folgejahren durch die Decke. Der Rest ist Geschichte…



Titelfoto: Michael Putland/Getty Images

Zeitsprung: Am 11.7.1975 starten Fleetwood Mac ihrem gleichnamigen Album durch.

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Zeitsprung: Am 17.1.1949 erblickt Mick Taylor das Licht der Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Mick Taylor zählt zu den versiertesten Gitarristen der Rockgeschichte und hat die Diskografie gleich zwei großer Bands mitgeprägt: John Mayall’s Bluesbreakers und The Rolling Stones. Als Solomusiker tourt er seit 1974 um die Welt. Am 17. Januar feiert Taylor Geburtstag.

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Hört hier in sein Soloalbum Mick Taylor rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.

Der Jugendliche

Mick Taylor kommt am 17. Januar 1949 in Welwyn Garden City in England zur Welt und wächst im Ort Hatfield auf. In seiner Jugend gründet er die Bands The Juniors und The Strangers, mit denen er sogar im Fernsehen auftritt und eine erste Single veröffentlicht. Ab 1965 spielt er als Mitglied von The Gods mit Musikern wie Brian Glascock (später bei Dolly Parton und Iggy Pop), mit seinem Bruder John Taylor (Jethro Tull), Ken Hensley und Lee Kerslake (beide Uriah Heep) sowie Greg Lake (King Crimson, Emerson, Lake & Palmer).

Der Bluesbreaker

Etwa zur selben Zeit besucht Taylor ein Konzert von John Mayall’s Bluesbreakers in seiner Geburtsstadt. Als Mayalls Gitarrist Eric Clapton aus ungewissen Gründen nicht auftaucht, fragt Taylor den britischen Bluesveteranen in der Pause kuzerhand, ob er einspringen soll. Nach kurzer Bedenkzeit ist Mayall einverstanden. Später sagt Taylor dazu: „Ich habe in dem Moment gar nicht daran gedacht, dass das eine tolle Gelegenheit ist. Ich wollte bloß auf die Bühne und Gitarre spielen.“



Der junge Gitarrist beeindruckt den Bandleader so sehr, dass die beiden ihre Telefonnummern austauschen. Als Mayall ein Jahr später einen Ersatz für Peter Green sucht, erinnert er sich an das Nachwuchstalent. Von 1966 bis 1969 tourt Taylor mit der Gruppe, spielt Alben wie Crusade (1967), Bare Wires (1968) und Blues From Laurel Canyon (1968) ein. Er profiliert sich als hervorragender Blues-Gitarrist mit Jazz-Einflüssen, seine Karriere nimmt Fahrt auf.

Mick Taylor mit den Stones 1972 – Pic: Larry Rogers/Wikimedia Commons

Der Rolling Stone

Als die Rolling Stones im Juni 1969 ihren Gitarristen Brian Jones feuern, legen John Mayall und Stones-Keyboarder Ian Stewart bei Mick Jagger ein gutes Wort für Taylor ein. Die Stones laden ihn ein, nehmen einige Songs mit ihm auf – und rekrutieren den damals 20-jährigen als neues Mitglied. Sein Bühnendebüt gibt er am 5. Juli 1969 bei einem kostenlosen Konzert im Londoner Hyde Park. Mehr als eine Viertelmillion Zuschauer pilgern zu der Show, nicht zuletzt deshalb, weil sich das Konzert spontan zu einem Brian Jones-Tribut entwickelt: Der Stones-Mitgründer war zwei Tage vorher gestorben.



In den kommenden Jahren gestaltet Taylor eine wichtige Phasen der Truppe mit: So spielt er nicht nur die legendären Platten Let It Bleed (1969) und das Livealbum Get Yer Ya-Ya’s Out! (1970) ein, sondern auch die Klassiker Sticky Fingers (1971) und Exile On Main St. (1972). Im Zuge der Aufnahmen zu It’s Only Rock ’n Roll (1974) kommt es jedoch zu Querelen zwischen den Musikern. So hat Taylor nach eigenen Aussagen die Songs Till The Next Goodbye und Time Waits For No One mitverfasst, wird aber nicht als Songschreiber genannt. Überhaupt: Bei ihm stellt sich das Gefühl ein, mit den Rolling Stones alles erreicht zu haben. Außerdem ist dem Gitarristen der immense Drogenkonsum der Gruppe nicht geheuer. Im Dezember 1974 verlässt er die Band, seine Nachfolge tritt Ron Wood von Faces an, nachdem sich diese aufgelöst haben.



1995 sagt Mick Jagger in einem Interview mit dem Rolling Stone über Taylor: „Er hat Großes geleistet und für mehr Musikalität in der Gruppe gesorgt. Sein Stil ist sehr flüssig und melodisch. Das hatten wir vorher nicht und haben es bis heute nicht. Weder Keith noch Ronnie Wood spielen wie er. Es war sehr gut für mich, mit ihm zu arbeiten.“ Kein Wunder also, dass sich die Wege der Musiker auch in folgenden Jahrzehnten kreuzen und Taylor immer wieder mit seinen alten Kollegen auf der Bühne steht.



Der Solokünstler

Nach seiner Zeit bei den Stones widmet sich Mick Taylor den unterschiedlichsten Projekten. So spielt er mit Mike Oldfield, Little Feat, Bob Dylan, Carla Olson, Alvin Lee und Mark Knopfler, heuert gelegentlich bei seinem alten Arbeitgeber John Mayall an und gründet eine Band mit Jack Bruce von Cream. 1977 unterschreibt er einen Solo-Plattenvertrag mit Columbia Records, 1979 erscheint sein erstes Album Mick Taylor. Seine zweite Platte unter eigenem Namen lässt bis 1998 auf sich warten und trägt den Titel A Stone’s Throw.

Der Gitarrist

Taylor erzählt mit jedem Solo eine Geschichte anstatt bloß sein handwerkliches Können unter Beweis zu stellen. Da verwundert es nicht, dass zum Beispiel Slash von Guns N’ Roses den Briten als Einfluss nennt. New York Times-Musikjournalist Robert Palmer bringt Mick Taylors Karriere folgendermaßen auf den Punkt: „Er ist der fähigste Gitarrist, der jemals für die Rolling Stones gespielt hat. Taylor war nie ein Rocker oder gar eine Rampensau, sondern ein Blues-Gitarrist mit dem melodischen Gespür eines Jazz-Musikers.“ Respekt. Wir sagen: Happy Birthday!



Titelfoto: Dina Regine/Wiki Commons

Zeitsprung: Am 5.12.1968 feiern die Rolling Stones “Beggar’s Banquet” – mit einer Tortenschlacht.

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„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

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Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

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Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

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