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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.1.1984 gehen Ozzy & Mötley Crüe auf Tour. Auweia.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.1.1984.

von Christof Leim

Ozzy Osbourne und Mötley Crüe zusammen auf Tour: Das kann nicht gut gehen. Der „Madman“ und die Chaoten aus L.A. überbieten sich an Dekadenz und Ausschweifung. Los geht der Wahnsinn am 10. Januar 1984. Und ja, auf diesem Trip passiert auch die Sache mit den Ameisen…


Hört hier in Shout At The Devil von Mötley Crüe rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Zu Beginn des Jahres 1984 hat Ozzy gerade sein drittes Soloalbum Bark At The Moon draußen. Nach dem Tod seines Wundergitarristen Randy Rhoads und einer Phase der Selbstfindung (und Selbstbetäubung) steht der Sänger wieder ganz oben in der Hard Rock-Welt. (Ein Porträt des Meisters findet ihr hier). Die Tour war schon im November in Europa gestartet, zum Line-up gehören neben Jake E. Lee, dem neuen Sechssaitenvirtuosen an Ozzys Seite, noch die alten Bekannten Bob Daisley (Bass) und Don Airey (Keyboards), außerdem Drum-Veteran Carmine Appice, der schon für Jeff Beck, Rod Stewart und Vanilla Fudge getrommelt hatte.



Bei Mötley Crüe stehen nach der Veröffentlichung von Shout At The Devil (1983) die Zeichen zwar auf Sturm, aber bis zur Weltherrschaft fehlt noch ein Stück. Am 28. Mai 1983 spielen sie vor ganz großer Kulisse beim zweiten US Festival (alles dazu hier) und hinterlassen einen gewaltigen Eindruck, offensichtlich auch bei Ozzy und seiner Frau und Managerin Sharon Osbourne. Die beiden laden die Band ein, die US-Daten der Bark At The Moon-Tour zu eröffnen, was ihnen zum ersten Mal die Möglichkeit gibt, in den ganz großen Hallen aufzutreten. Schlagzeuger Tommy Lee bedankt sich dafür ausdrücklich in seinem Buch Tommyland: „Die Tour war überall ausverkauft und einen Gig in einer pickepackevollen Arena zu spielen, war der verfickte Himmel für eine Band mit unserem Status. Ich stehe auf ewig in ihrer Schuld.“



Nichts für Kinder: die Crüe-Biografie „The Dirt“

Mötley mögen zu diesem Zeitpunkt noch nicht die großen Stars sein, doch in bei Wein, Weib, Gesang stehen sie schon ziemlich weit vorne. Deutlich formuliert: Drogen, Sex und Zerstörung gehören bereits zum Tagesgeschäft. Wie sich allerdings rausstellen sollte, fällt das im Vergleich zu Ozzy alles unter „Amateurkram“. Denn während der Achtziger macht niemand, wirklich niemand dem „Madman“ in Sachen Dekadenz etwas vor. Das weiß Nikki Sixx, Bassist der Kalifornier, allerdings noch nicht. In der berüchtigten Bandbiografie The Dirt von 2001 schreibt er: „Wir hielten uns für die bösesten Geschöpfe auf Gottes Erdboden. Niemand trieb es so oft und so wild wie wir, und niemand kam so unbehelligt mit diesem Benehmen davon. Wir hatten keinerlei Konkurrenz. Aber dann trafen wir Ozzy.“

Die erste gemeinsame Show findet am 10. Januar 1984 in Portland, Maine statt, und von Anfang verstehen sich Headliner und Support blendend. „Er hat uns unter seine Fittiche genommen und dafür gesorgt, dass wir uns wohl dabei fühlen, jeden Abend vor 20.000 Leuten zu stehen“, erklärt Sixx und mutmaßt, ohne diese Tour wären Mötley Crüe eine von vielen typischen L.A.-Bands geblieben: „schon irgendwie Stars, aber nie durchgestartet“.

Nikki erzählt weiter, dass Ozzy kaum einen Abend in seinem eigenen Tourbus verbringt, in dem gelegentlich auch seine erst wenige Monate alte Tochter Aimee samt Mutter Sharon mitreist. Stattdessen hängt unser Mann lieber bei der Crüe rum, um mit ihnen nächtelang durch intensives Tischriechen ein ungesundes südamerikanisches Exportprodukt aus der Welt zu schaffen. Dabei will jede Partei die krasseste sein: Auf der einen Seite die vier Wilden aus Los Angeles, auf der anderen Seite der „Madman“ aus England, der es schon zu Zeiten von Black Sabbath hat krachen lassen wie kein Zweiter (und daran fast zugrunde gegangen wäre). „Diese Tour wird noch jemanden das Leben kosten“, kommentiert Ozzy damals laut seiner Autobiografie I Am Ozzy (2010) die anstehende Konzertreise. Der damalige Mötley-Manager Doc McGhee sieht sogar richtig schwarz: „Jemand? Ich glaube, wir werden alle dabei draufgehen.“



Ebenfalls nichts für Moralapostel: Ozzys Autobiografie

In seinem Buch schreibt Osbourne: „Das Problem war Mötley Crüe. Sie waren vollkommen verrückt, und das empfand ich natürlich als Herausforderung. Genau wie bei John Bonham hatte ich das Gefühl, ich müsste ihren Irrsinn noch übertreffen, sonst hätte ich meinen Job nicht erledigt. Aber das empfanden wiederum sie als Herausforderung, also hatten wir jeden Tag rund um die Uhr Action, Action, Action. Die Konzerte waren dabei der leichteste Part. Schwierig war, die Pausen dazwischen zu überleben.“ Einmal wacht Ozzy nach einer Tankladung voll Sake auf dem Mittelstreifen einer zwölfspurigen Autobahn auf. Er kann sich retten und muss mal, also pinkelt er gegen ein Auto – das sich prompt als ziviles Polizeifahrzeug entpuppt. So geht es weiter. Wir empfehlen als kurzweilige Lektüre der Kategorie „Nicht zu Hause ausprobieren“ ausdrücklich die entsprechenden Kapitel von The Dirt und Am Ozzy. Hier ein kleiner Überblick über die weiteren „Erfolge“: In Memphis klauen Ozzy und Crüe-Sänger Vince Neil ein Auto und fahren es zu Schrott, in New Orleans gerät die Reisegruppe in eine Messerstecherei, und in Nashville macht Ozzy eine ganz besondere Sauerei in der Toilette von Tommys Lees Hotelzimmer, auf die wir hier nicht weiter eingehen wollen. Ein Wahnsinn. Laut Nikki Sixx tut das alles Ozzy in lichten Momenten immer wieder leid, die Mötley-Jungs selbst sind von solchen unvermeidlichen Einsichten allerdings noch ein paar Jahre entfernt (was darin gipfelt, dass Sixx an Weihnachten 1987 für zwei Minuten an einer Überdosis stirbt).

Einen fast schon traurigen Höhepunkt erreicht das Ganze in Lakeland, Florida, als die Tour bereits über einen Monat durch Nordamerika marodiert: Wie in The Dirt zu lesen steht, fallen die Musiker am Mittag des 23. Februar aus dem Bus und stolpern ins Hotel, wo sie sich ohne Umschweife zur Bar begeben. Nach den Worten von Sixx trägt sich dann folgendes Begebenheit zu: „Ozzy zog seine Hose aus und steckte sich einen Dollar in die Arschritze. Den hat er dann allen Anwesenden angeboten. Als eine ältere Dame ihn ausschimpft, greift er ihre Tasche und rennt weg. Später taucht er am Pool auf – und trägt das Kleid der Dame, das er in ihren Sachen gefunden hat.“ Und dann passiert es: Der drogensüchtige Ozzy braucht Nachschub, aber es gibt kein weißes Pulver mehr. Trotzdem lässt er sich von Nikki einen Strohhalm reichen. Mit dem geht er zu einem Riss im Betonboden, aus dem sich eine Ameisenstraße schlängelt. Nikki denkt sich noch „Das wird er nicht tun“ – als Ozzy genau das tut: Er zieht die Ameisen wie eine Linie Koks in die Nase.



Damit nicht genug: Agent Doppel-O rafft laut der Schilderung in The Dirt das Kleid, pinkelt vor aller Augen los, kniet nieder und leckt die Plörre auf. Sein Kommentar: „Mach mir das erstmal nach, Sixx!“ Der kann das natürlich nicht auf sich sitzen lassen und begibt sich – wenngleich widerstrebend – ebenfalls ans „Werk“ und denkt sich: „Naja, es kommt ja aus meinem Körper…“ Doch Ozzy legt noch einen drauf – und hilft mit. Woah! Mötley Crüe müssen einsehen, dass sie bei aller Verdorbenheit nicht mithalten können: „Von dem Moment wussten wir, dass es jemanden gibt, der – egal was wir gerade anstellen – krasser und ekliger drauf ist als wir.“ Ozzy selbst allerdings gibt in seinem Buch zu Protokoll: „Wenn mir heute jemand Storys über diese Tour erzählt, weiß ich nicht, ob sie stimmen oder nicht. ‚Ozzy, hast du wirklich eine Ameisenstraße geschnieft?‘, und ich habe keine Ahnung. Möglich ist es.“



Kein Wunder also, dass Ozzys Frau Sharon wieder zur Tour stößt, um Kraft ihrer natürlichen Autorität für Ordnung zu sorgen. Eine gute Idee, denn Ozzy geht fortan früh ins Bett, hält seine Nase sauber und Händchen mit der Gemahlin. Wenn die allerdings für eine Weile abreist, lässt der Sänger das dünne Mäntelchen der Zivilisation wieder fahren und haut auf die Sahne, dass es nur so eine Art hat. Als unbestrittene Chefin der ganzen Operation verfügt Frau Osbourne auch, dass die Supportbands sich ebenfalls zurückhalten mögen. „Sie hat uns überhaupt keinen Spaß zugestanden“, findet Nikki. Mötley lassen sogar Shirts drucken mit der Aufschrift: „No Fun Tour: ’83-’84“. Der Mötley Crüe-Bassist erzählt, dass er Mama Sharon sogar um Erlaubnis bitten muss, auf den Shows „Damenbekanntschaften“ machen zu dürfen für, sagen wir, weiterführende Gespräche nach der Show im privaten Rahmen.

Das Drama auf diesem Kriegszug beschränkt sich nicht mal auf Feierei: Der damalige Ozzy-Drummer Carmine Appice gilt in der Rockszene selbst als Star und will deshalb eigene Shirts verkaufen. Sharon und Ozzy erlauben es ihm sogar. Allerdings muss der Mann irgendwann feststellen, dass aus jedem seiner Shirts sein Gesicht fein säuberlich rausgeschnitten wurde. Am 3. März 1984, knapp zwei Wochen nach dem „Ameisenvorfall“, übernimmt Tommy Aldridge das Schlagzeug.

Mit einigen Unterbrechungen sind Ozzy und Mötley Crüe alleine in den USA an die drei Monate zusammen unterwegs. Bei der letzten Show überschüttet Ozzys Band die Vorgruppe mit Mehl und Senf, wie in Tommyland zu lesen steht. Die Crüe-Musiker revanchieren sich, in dem sie in Mönchsroben auf der Bühne auftauchen, die ablegen und mit „blanken Waffen“ zwischen den Musikern herumlaufen. Keine Frage: Musikalisch geben die beiden Truppen ein tolles Hard Rock-Paket ab, doch nach dem letzten Ton des Abends bedeutet diese Kombination regelmäßig Chaos und Dekadenz. Es mag nur die Hälfte dieser Geschichten stimmen, aber ein Kern an Wahrheit reicht hier schon. Die Achtziger haben ihren Ruf sicher nicht aus Versehen bekommen…

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Credit Header-Foto: Ron Galella/WireImage

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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

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Popkultur

„Pictures At Eleven“ wird 40: Robert Plants Neuanfang mit Phil Collins

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Robert Plant
Titelfoto: Fin Costello/Getty Images

Um ein Haar wäre Robert Plant nach dem Ende von Led Zeppelin Lehrer an einer Waldorfschule geworden. Dann entscheidet er sich doch für die Musik, hört auf Phil Collins und veröffentlicht vor 40 Jahren sein Solodebüt Pictures At Eleven.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Pictures At Eleven anhören:

Der tragische Tod von Jon Bonham am 25. September 1980 besiegelt auch das Ende von Led Zeppelin. Die geplante USA-Tournee wird abgesagt, statt ihren Schlagzeuger zu ersetzen, geben Robert Plant, Jimmy Page und John Paul Jones ihre Auflösung bekannt. Am 4. Dezember 1980 tragen sie die größte und wichtigste Rockband der Siebziger mit einem Statement zu Grabe, das nur mit Led Zeppelin unterzeichnet wird: „Wir möchten verkünden, dass der Verlust unseres engen Freundes und die tiefe Harmonie zwischen und uns unserem Manager dazu geführt haben, dass wir nicht so weitermachen können wir bisher“, heißt es in dem offiziellen Schreiben.

Rudolf Steiner statt Rock‘n‘Roll

Led Zeppelin lösen sich auf, und für einige Zeit sieht es so aus, als würde Robert Plant die Musik an den Nagel hängen. Die zwölf Jahre als Frontmann von Led Zeppelin haben ihn reich und berühmt gemacht, aber natürlich auch ordentlich an seine Grenzen gebracht. Niemand feierte auf Tourneen zuvor derartige Exzesse wie Led Zeppelin. Plant will Lehrer werden und folgt der Rudolf-Steiner-Philosophie – hierzulande besonders durch die Waldorfschulen bekannt. Und irgendwie passt dieser holistische Ansatz doch auch zu diesem Sänger und Texter, der sich immer schon an den Mysterien der Welt abgearbeitet hat, aber auch ein gutes Fantasy-Buch wie Tolkiens Der Herr der Ringe oder walisische Mythologie zu schätzen wusste.

Er wird sogar zur Ausbildung zugelassen, überlegt es sich dann aber doch noch mal anders. Und legt 1982 den Grundstein für eine Solokarriere, die zwar bei Weitem nicht mit den exorbitanten Erfolgen von Led Zeppelin mithalten kann; dafür beflügelt ihn die neugefundene Freiheit, endlich einmal nicht nur auf seinen Brustkorb, seine Haare und seinen Banshee-Gesang reduziert zu werden. Und dafür müssen wir einem gewissen Phil Collins danken. Der ist im Jahr zuvor ebenfalls erstmals als Solokünstler in Erscheinung getreten und hat mit Face Value ordentlich vorgelegt. Jetzt ermutigt er die Hard-Rock-Sirene, es mal als Solitär zu versuchen und stellt ihm gleich noch seine Dienste als Drummer in Aussicht.

„Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst.“

Robert Plant erinnert sich viele Jahre später daran: „Eines Tages kontaktierte mich ein Schlagzeuger und sagte: ‚Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst. Es war Phil Collins. Seien Karriere nahm gerade richtig Fahrt auf und er war total beseelt und positiv und wusste mich zu ermutigen. Niemand konnte sich ausmalen, wie schwierig es damals für mich war, nach allem, was passierte, einen anderen Weg einzuschlagen.“

Das Problem ist ja aber nicht nur ein fehlender Schlagzeuger, sondern auch ein fehlender Komponist. Das war bislang natürlich immer eher Jimmy Pages reich gewesen. Es bringt aber natürlich Vorteile mit sich, der Rockgott der Siebziger schlechthin gewesen zu sein: Robert Plants Adressbuch ist voller spannender Menschen mit einem gerüttelt Maß an Talent und großem Interesse, am ersten Alleingang des Sängers mitzuwirken. Mit dem Gitarristen Robbie Blunt findet er nicht nur ein Bandmitglied, sondern auch einen begabten Komponisten, der sich darauf versteht, gemeinsam mit Plant ein Album zu schreiben, das gleichzeitig nah am Led-Zep-Sound ist und zugleich neue Aromen einbaut.

Befreiungsschlag

Was ab September 1981 in den Rockfield Studios in Wales entsteht, ist ein hervorragendes Hard-Rock-Album mit elektronischen Anleihen, angetrieben von den Schlagzeugern Phil Collins und Cozy Powell und ausgerichtet an Plants mächtigen Schreien. Vielleicht enthält es kein Stairway To Heaven oder kein Kashmir; dafür bietet es einige Songs, die man sich in einem anderen Band-Setup auch auf einem Album von Led Zeppelin vorstellen könnte. Gewollt war das nicht, so Page: „Ich habe viel Schmerzen und Mühen auf mich genommen, meinen eigenen Sound zu kreieren“, sagte er mal. „Irgendwann mitten in den Aufnahmen fragte ich einend er Tontechniker, der auch mit Zeppelin auf Tour war: ‚Ist es zu nah dran? Denn wenn es zu nah ist, hören wir auf!‘ Und er sagte: ‚Aber nein, die Stimmung ist eine völlig andere.‘“ Die Stimmung vielleicht schon. Dennoch sind Slow Dancer und Burning Down On One Side 1982 willkommene Refugien für die immer noch geschockten Zeppelin-Fans.

Sicher spielen Collins und Powell anders als Bonham, sicher hat Robbie Blunts expressiver Stil nichts von Jimmy Page. Doch die Melodien, die epische Breite, die orientalische Verspieltheit und der massive, harte Sound, all das findet sich auch auf Pictures At Eleven. Letzten Endes kann man sich eben immer nur so weit von seinen Schatten lösen wie man es selbst fertig bringt. Für Plant wird das Album zum Befreiungsschlag. Er singt, er komponiert, er produziert – und legt den Grundstein für eine Solokarriere, die auch noch 40 Jahre später blüht.

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Popkultur

Reich und sexy: Das sind die erfolgreichsten Alben aller Zeiten!

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Elton John
Foto: Michael Webb/Getty Images

70 Millionen verkaufte Einheiten von einem einzigen Album, eine sagenhaft erfolgreiche Best-Of und 38-mal Platin: Hier kommen die Geschichten hinter den zehn erfolgreichsten Platten aller Zeiten.

von Björn Springorum

Natürlich werden immer weniger physische Tonträger verkauft. Natürlich verliert das Album als Format weiter an Bedeutung. Natürlich ist Erfolg Ansichtssache. Die Geschichten hinter den zehn erfolgreichsten Mega-Sellern der Musikgeschichte werden dadurch aber nicht weniger beeindruckend. Im Gegenteil. Vorhang auf für das Big Business.

10. Grease: The Original Soundtrack From The Motion Picture (1978)

Verkäufe: 38 Millionen

Ein Soundtrack-Album unter den zehn meistverkauften Platten aller Zeiten? Ja! Spoiler: Und es wird nicht das einzige bleiben! 1978 veröffentlicht, ging die Musik zu Travolta-Dauerbrenner bis heute rund 38 Millionen Mal über die Ladentische. Die Single You‘re The One That I Want ging vielerorts auf die Eins, Barry Gibb von den Bee Gees greift dem Soundtrack kompositorisch unter die Arme, die Filmband Sha Na Na stand schon in Woodstock auf der Bühne.

9. Bee Gees – Saturday Night Fever (1977)

Verkäufe: 40 Millionen

Soundtrack, die zweite. Und John Travolta, die zweite. Der Disco-Kracher der Bee Gees wird 40 Millionen Mal verkauft und hat bis heute allein in den USA. 16 Mal Platin eingeheimst. Damit bekommt man eine ganze Wand dekoriert. Ganze 24 Wochen stand der Soundtrack ohne Unterbrechung an der Spitze der US-amerikanischen Charts und löste 1977 einem schweren Disco-Boom aus, der sich in Schockwellen über die ganze Welt ausbreitete. Stayin‘ Alive und Night Fever stellen den Grammy sicher – und machen Saturday Night Fever zum einzigen Disco-Album, das diesen Preis gewinnen konnte.

8. Fleetwood Mac – Rumours (1977)

Verkäufe: 40 Millionen

1977 ist ein gutes Jahr für Albenverkäufe. Neben den 40 Millionen Platten von Saturday Night Fever gehen gleich noch mal so viel von Fleetwood Macs Beziehungsdrama Rumours weg. Hitzige Streitereien, kiloweise Koks, Hits am Fließband und alle 20 Minuten neue Saiten für die Gitarre: Ein megalomagisches Werk, eine gigantische Soap Opera – und eine der besten Rock-Platten aller Zeiten.

7 . Shania Twain – Come On Over (1997)

Verkäufe: 40 Millionen

Das jüngste Album in der Top Ten der Bestseller ist auch schon wieder 25 Jahre alt. Und wird wahrscheinlich auf ewig das jüngste bleiben: Irgendwie schafft es Shania Twain 1997 mit ihrem dritten Album Come On Over, rund 40 Millionen Exemplare loszuwerden. Es ist das meistverkaufte Country-Album aller Zeiten, das meistverkaufte Album aus Kanada und das in den USA meistverkaufte Album einer Frau. Wow.

6. Eagles – Hotel California (1976)

Verkäufe: 42 Millionen

Die Eagles toppt niemand. Sie ist die einzige Band, die gleich mit zwei Platten in der Top Ten der meistverkauften Alben vertreten ist. Ihr Meisterwerk Hotel California von 1976 gilt unbestritten als eine der besten Rock-Platten aller Zeiten und wurde bislang rund 42 Millionen Mal verkauft. Das Ende der Unschuld, thematisiert im weltverändernden Titeltrack, dazu mit New Kid In Town oder Life In The Fast Lane gleich zwei weitere Klassiker – 1976 läuft es für die Eagles mehr als rund, zwei Grammys sind der Lohn. Gut, neben den vielen Millionen an Tantiemen, versteht sich.

5. Pink Floyd – The Dark Side Of The Moon (1973)

Verkäufe: 44 Millionen

Ach, die Siebziger. Da konnte man selbst mit einem progerssiven, visionären, fordernden Meisterwerk zum Rockstar werden. Genau so ging es mit Pink Floyd, die 1973 mit The Dark Side Of The Moon von vielbeachteten Rock-Tüftlern zu Superstars werden und in die Stratosphäre geschossen werden. Oder noch weiter. 44 Millionen Alben können sie von ihrem Meisterwerk unters Volk bringen – und jedes einzelne davon verdient.

4. Eagles – Their Greatest Hits (1971-1975) (1976)

Verkäufe: 45 Millionen

Die USA lieben die Eagles. In den Vereinigten Staaten ist keine Platte erfolgreicher als Their Greatest Hits (1971-1975). Auch weltweit sieht es ganz okay aus: Rund 44 Millionen Exemplare ihrer Best-Of wurden bis heute verkauft, bis heute gehen hunderttausende Einheiten davon über den Scanner. Das Geheimnis: Zehn Songs, zehn absolute Hits. Und das sogar ohne Hotel California, das erst einige Monate später erscheint und die Kassen gleich noch mal ordentlich füllt.

3. Whitney Houston – The Bodyguard (1992)

Verkäufe: 45 Millionen

Da haben wir es, das erfolgreichste Soundtrack-Album aller Zeiten: Ebenso wie der Film 1992 ein Millionenpublikum rührt, sorgt auch die offizielle Musik für einen absoluten Hype: Zeitweise verkauft sich der Soundtrack eine Million Mal pro Woche, mittlerweile sind es 45 Millionen verkaufte Alben. Das liegt natürlich an Hauptdarstellerin Whitney Houston und ihrem unglaublichen Cover von Dolly Partons I Will Always Love You. Diesen Song kennt wirklich jeder.

2. AC/DC – Back In Black (1980)

Verkäufe: 50 Millionen

Die Welt ist nicht ganz verloren, wenn sich ein Album wie Back In Black satte 50 Millionen Mal verkauft. Das Comeback mit Brian Johnson nach dem Tod von Bon Scott klingt zunächst nach Zerreißprobe und Feuertaufe, wird dann aber zum glorreichen Triumphzug direkt hinein in die Rock-Ruhmeshalle. Kein Rock-Album hat sich öfter verkauft, kein Rock-Album wird sich jemals wieder so oft verkaufen. Hells Bells!

1. Michael Jackson – Thriller (1982)

Verkäufe: 70 Millionen

Das bestverkaufte Album aller Zeiten ist unbestritten Michael Jacksons Thriller. Irgendwie weiß nur niemand so ganz genau, wie oft das Album jetzt genau verkloppt wurde. Die Zahlen reichen von 50 bis 150 Millionen, die geschätzte Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwie dazwischen. So oder so: Es wurden eine Menge Einheiten von Thriller gepresst. Die Produktionskosten liegen bei 750.000 US-Dollar (heute ungefähr das Dreifache), nach seinem Moonwalk-Debüt im Fernsehen verkauft sich Thriller eine Million Mal pro Woche: Schon Ende 1983 waren 32 Millionen Platten verkauft.

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