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Popkultur

„A Letter To The Beatles“: Wie ein Scherz der Four Preps nach hinten losging

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Die Four Preps mit Rick Nelson im Jahr 1958. Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

The Four Preps sind eine Vocal-Pop-Band, die ab den Fünfzigern Kaliforniens Strände bereist und mit Standards wie Dreamy Eyes Sommerlieben und Teenie-Fantasien vertont. Wahrscheinlich wären sie längst in Vergessenheit geraten – hätten sie nicht A Letter To The Beatles veröffentlicht, eine augenzwinkernde, folgenreiche Abrechnung mit der außer Kontrolle geratenen Beatlemania.

von Björn Springorum

1956 ist die Welt aus den Fugen. Für jene Angehörigen des ultrakonservativen Milieus zumindest, die in Elvis Presley, Bill Haley oder Little Richard die Verkörperung des Teufels schlechthin sehen. Da lässt man sich in den USA eine Band wie The Four Preps schon viel eher gefallen. Die liefern mit Standards wie Dreamy Eyes den perfekten Soundtrack für Sommerliebeleien, Autokinoabende und schmachtende Blicke über die Ränder von Milchshakegläsern hinweg.

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Die British Invasion übernimmt das Land

Bruce Belland, Ed Cobb, Marv Ingram und Glen A. Larson sind damals nach amerikanischem Recht nicht mal volljährig, landen 1957 mit 26 Miles (Santa Catalina) aber einen richtig großen Hit, der sie eine Zeitlang auf einer moderaten Welle des Erfolgs surfen lässt. Diese Welle läuft mehr oder weniger zügig aus, als die British Invasion die USA erreicht und alles von den Titelseiten und aus den Köpfen spült, was keinen englischen Akzent hat. Die Beatles übernehmen das Land ab 1964 im Alleingang, das Life Magazine titelt nach einem legendären Auftritt bei Ed Sullivan im Februar 1964 unvergessen: „1776 verlor England seine amerikanischen Kolonien. Letzte Woche eroberten die Beatles sie zurück.“

Für die Beatles ist das sehr angenehm und einträglich, für das US-amerikanische Publikum die langersehnte Wachablösung. Für die vielen Pop-, Folk- und Rock-Bands der Vereinigten Staaten kommt es eher einer mittelschweren Katastrophe gleich. Über Nacht will jede*r nur noch etwas von den Beatles hören, dagegen wirken die braven Vocal-Pop-Standards von den Four Preps altmodisch, brav, kitschig. Eher was für die Eltern eben, die Langweiler.

Vergeltungsschlag gegen die Beatles

Groß muss die Frustration unter diesen Bands gewesen sein, noch größer der Ärger über diese frechen Engländer, die einfach in ihr Land kommen und ihnen den Wind aus den Segeln nehmen. Am 10. Februar 1964, nur einen Tag nach dem Ausbruch der Beatlemania bei Ed Sullivan, nehmen die Four Preps ihren Vergeltungsschlag auf, einen ironischen Song namens A Letter To The Beatles.

Veröffentlicht wird die Nummer am 9. März 1964 von Capitol Records – damals interessanterweise auch das US-Label der Beatles. Merklich getroffen von der Wirkung der Beatles vor allem auf das weibliche Geschlecht, singen die Four Preps von einem Mädchen, das den Beatles verfällt und ihnen in Briefen ihre Liebe gesteht. Die Antwort der Beatles fällt ernüchternd aus: „You gotta send us twenty-five cents for an autographed picture, one dollar bill for a fan club card“, teilen sie ihr mit, ganz die eiskalten Geschäftsleute, die ihre Fans nur ausnehmen wollen.

Beatles-Hasser unter sich

Soweit, so kurios. Weil die Four Preps aber einen Ausschnitt aus I Want To Hold Your Hand verwenden ohne um Erlaubnis zu fragen, muss die Single sehr bald nach ihrem ersten Charerfolg auf Rang 85 der Billboard-Charts vom Markt genommen werden. Duchess Music, der Verleger des Lieds, lehnt eine parodistische Verwendung des Songs strikt ab. Es darf angenommen werden, dass die Four Preps danach nicht unbedingt besser auf die Pilzköpfe zu sprechen waren wie davor schon.

Mittlerweile ist der Song wieder erhältlich und zeigt in seiner unschuldig-naiven Art, wie unaufhaltsam und allumfassend sich die Beatlemania damals in den USA ausbreitet. Ob die Beatles das Stück jemals gehört haben, ist fraglich. John Lennon hätte sich wahrscheinlich ziemlich darüber amüsiert.

The Four Preps sind damals nicht die einzigen, die dem Triumphzug der Beatles kritisch, ablehnend oder offen feindselig gegenüberstehen. Der Comedian Allan Sherman rechnet in Pop Hates The Beatles mit der Band und ihrem Erfolg ab, wie es nur ein alter weißer US-Amerikaner der Sechziger tun kann: Platt, erzkonservativ, von oben herab.

„Back in 1776

We fought the British then, folks.

Parents of America,

It’s time to do it again, folks.

When they come back, here’s how we’ll begin,

We’ll throw ’em in Boston harbor.

But please, before we toss ’em all in,

Let’s take ’em to a barber.“

Die Nummer bringt weder die Four Preps zurück auf die Erfolgsspur noch drängt sie die Beatles von selbiger ab. Im Gegenteil: Jede kritische Stimme facht das Feuer der Fans nur noch mehr an. Am 4. April 1964 belegen die Beatles die ersten fünf Plätze der Billboard Hot 100 Singles. A Letter To The Beatles war da wahrscheinlich längst wieder vergessen. Immerhin: Ihre Gesangsharmonien haben Brian Wilson von den Beach Boys nachhaltig beeinflusst. Aber mit denen hatten die Four Preps ja auch kein Problem…

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