------------

Popkultur

Kunstwerke für sich: Eine detaillierte Geschichte der Beatles-Albumcover

Published on

Beatles Cover Artworks

Die visuelle Komponente war von Anfang an ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Beatles: „Ihr ganzes Image war komplett einzigartig“, schreibt Mike Evans dazu in seinem Buch The Art of The Beatles. „Denn anders als ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Musikwelt, deren Style einfach nur den Zeitgeist widerspiegelte, gelang es den Beatles immer wieder, neue Moden und Trends loszutreten.“

von Paul McGuinness

Tatsächlich hatten die Briten schon einen Look, als noch niemand so genau hinschaute: Sie traten auf den Plan als uniformierte Band, denn genau das war dieses Outfit – eine Uniform. Als es dann losging, war die Presse begeistert von ihren Pilzköpfen, den passenden Stiefeln mit den Blockabsätzen, den kragenlosen Jacketts. Ihr Style und ihr ganzes Auftreten waren wahnsinnig wichtig, sie waren zentraler Teil dessen, was diese Band so… nun ja, so anders und einzigartig machte. Noch greif- und sichtbarer wurde dieses Gespür für den richtigen Look in den Jahren danach auf den Plattencovern selbst, im Albumdesign: Die Fotografien, die Illustrationen, die Verwendung von Grafikdesign-Elementen – die Coverentwürfe der Beatles waren jedes Mal bahnbrechend, sie spielten regelmäßig in einer Liga für sich.

Hört hier zur Lektüre die besten Songs der Beatles:

Bevor die Beatles dieses Feld revolutionierten, hatten Albumcover vor allem dazu gedient, den musikalischen Inhalt zu verkaufen: Man fand da etwa die Songtitel, womöglich einen Verkaufsslogan, dazu natürlich ein attraktives Bild der Künstler*innen selbst. Es dauerte nur wenige Jahre, und die Beatles hatten ihre Alben mit innovativen Design- und Packaging-Ideen selbst in Kunstwerke verwandelt: Die zur Hälfte ausgeleuchteten Gesichter auf With the Beatles, der psychedelische Nostalgie-Look von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band, oder auch das einfache Überqueren des Zebrastreifens auf Abbey Road zählen längst zu den ikonischsten, einflussreichsten und größten Albumdesigns des 20. Jahrhunderts. Zugleich bildeten diese Cover das Fundament, auf dem die Rolling Stones, David Bowie, Pink Floyd & Co. ihre visuellen Experimente aufbauen konnten.

Was nun folgt, sind die Entstehungsgeschichten hinter den größten Coverdesigns der Fab Four…

1. The Beatles – Please Please Me (1963, Cover-Fotografie von Angus McBean)

The Beatles Please Please Me Cover

Das Foto fürs Cover ihres 1963 veröffentlichten Debütalbums Please Please Me hat Angus McBean geschossen. Beauftragt hatte ihn George Martin, der in jenen Tagen nicht nur der Produzent der Beatles war, sondern zugleich Chef im Hause Parlophone Records. (Für Martin und McBean war es nicht die erste Zusammenarbeit, sie hatten davor schon die Cover einiger Comedy-Alben realisiert). Ursprünglich sollte das Shooting vor dem Insektenhaus des Londoner Zoos stattfinden, aber die Verantwortlichen des Tierparks waren damit nicht einverstanden, weshalb das EMI House am Manchester Square als Alternative ins Spiel kam. Als Datum einigte man sich auf den 5. März 1963, jenen Tag, an dem die Band auch noch den Song From Me To You aufnehmen sollte.

„Alles passierte in wahnsinniger Eile, genau wie die Aufnahmen im Studio“, erinnerte sich George Martin später. Auf dem Cover zu sehen sind die noch sehr jungen Fab Four, die von einem mehrere Stockwerke höher gelegenen Balkon in McBeans Kamera schauen. „Ich hatte nur mein normales Objektiv für Porträtaufnahmen dabei, und um dieses Bild machen zu können, musste ich mich im Eingangsbereich komplett flach auf den Rücken legen. Ich knipste also ein paar Bilder, und dann sagte ich: ‘Das sollte eigentlich genügen.’“

2. The Beatles – With the Beatles (1963, Cover-Fotografie von Robert Freeman)

The Beatles With The Beatles Cover

Während die Veröffentlichung des Debütalbums mit Hochdruck vorangetrieben worden war, um die erste Welle ihres Erfolgs maximal auszunutzen, war schon wenige Monate später klar, dass diese Welle nicht so schnell abebben würde: Als der Nachfolger With the Beatles am 22. November 1963 erschien (ein Datum, das in der US-Geschichte leider aus einem anderen Grund unvergessen ist), wusste die ganze Welt, dass diese vierköpfige Band aus Liverpool keine Eintagsfliege war.

Inspiriert von den Aufnahmen der befreundeten Fotografin Astrid Kirchherr, wählte auch Robert Freeman fürs Cover-Shooting kein Studio, sondern einen Flur im Palace Court Hotel von Bournemouth, wo die Band gerade einen Tour-Zwischenstopp einlegte. Paul McCartney erinnerte sich später an die Aufnahmen am 22. August 1963, wobei alles nicht länger gedauert habe als „eine einzige Stunde im Hotel. [Freeman] wählte das Ende eines Flurs aus, wo durch ein kleines Fenster morgens um 11 natürliches Licht hereinfiel. Und dann setzte er uns einfach hin: ‘Du kommst nach vorne, du dorthin…’“ Das Resultat war ein ikonisches Bild: Vier junge Männer mit identischen Frisuren und Polokragen, krasse Schwarz-Weiß-Kontraste und kein Lächeln in den nur halb ausgeleuchteten Gesichtern – ein durchaus gewagtes Statement für eine Pop-Combo. „Das war der Startschuss, denn ab diesem Cover waren wir jedes Mal aktiv beteiligt am Artwork der Beatles“, kommentierte George Harrison später.

3. The Beatles – A Hard Day’s Night (1964, Cover-Fotografie von Robert Freeman)

The Beatles A Hard Day's Night Cover

Wie schon beim Vorgänger, setzten sie auch fürs Artwork von A Hard Day’s Night (1964; dem Album zum ersten Film der Beatles) auf Schwarz-Weiß-Fotografie – und auch hier bildeten die Frisuren und Polokragen eine Einheit. Allerdings waren alle vier Mitglieder nunmehr einzeln zu sehen und dazu je gleich fünffach – mit immer neuen Grimassen. Auch diese 20 Porträts (wobei Georges Kopf einmal von hinten zu sehen ist) hatte Robert Freeman gemacht, dieses Mal jedoch im eigenen Studio in London.

Inzwischen hatten sich die Fab Four mit Freeman angefreundet; außerdem wohnten der Fotograf und Lennon im selben Wohnblock. „Mit den Beatles zusammen zu sein bedeutete: Nonstop von verrückten Aktionen umgeben zu sein, mitten im Auge des Orkans zu stehen“, erinnerte sich Freeman später. „Alles in allem war’s eine sehr lebendige und lustige Zeit.“ Was den Filmrollen-Look der Porträts angeht, sollte das eine Anspielung auf die Szene sein, wo jedes Mitglied einzeln von den Fragen der Journalist*innen bombardiert wird, während sie im Blitzlichtgewitter der Fotograf*innen stehen.

4. The Beatles – Beatles For Sale (1964, Cover-Fotografie von Robert Freeman)

The Beatles Beatles For Sale Cover

Fotografiert von Robert Freeman im Londoner Hyde Park im Oktober 1964, ist auf dem Cover von Beatles For Sale eine eher müde, erschöpfte Rock&Roll-Band zu sehen: Zwar tragen sie noch immer ihren Einheitslook, aber für ein Lächeln reicht es nicht mehr. „Der Fotograf konnte damals problemlos sagen: ‘Kommt einfach rum, so wie ihr seid.’ Schließlich trugen wir alle jeden Tag diese passenden Klamotten“, so Paul McCartney. „Das war echt keine große Sache: Wir trafen uns am Albert Memorial im Hyde Park. Ich war damals ziemlich beeindruckt von Georges Frisur. Er schaffte es, dass es so geschwungen aussah.“

Für die Band war’s das erste Gatefold-Cover, weshalb auf der Innenseite gleich noch ein Freeman-Porträt zu sehen war. Sie posierten darauf vor einer Collage aus Hollywood- und Musikgrößen wie Jayne Mansfield und Victor Mature – eine Idee übrigens, die sie drei Jahre später für das Design von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band noch einmal aufgreifen sollten. In den Linernotes stellte Derek Taylor folgende These auf: „Bei den Kids des Jahres 2000 wird diese Musik dasselbe Wohlgefühl hervorrufen, dieselbe Wärme, die wir heute spüren können.“ Hättest ruhig noch ein paar Jahre draufschlagen können, was, Derek?

5. The Beatles – Help! (1965, Cover-Fotografie von Robert Freeman)

The Beatles Help Cover

Parallel zu ihrem zweiten Film veröffentlicht, ist die Band auf dem Cover von Help! (1965) ebenfalls in jenen Schneeanzug-Outfits zu sehen, die man damals auch auf der Leinwand bewundern konnte. Ihre Posen lassen dabei auf den ersten Blick vermuten, dass sie damit einen Notruf im Winkeralphabet absetzen wollen – doch stimmt das nicht ganz: Fotograf Freeman hatte ursprünglich zwar geplant, dass die Jungs in der Buchstabenfolge H-E-L-P aufgestellt werden, doch dann entschloss er sich für ein Arrangement, das rein visuell einfach noch besser als Coverfoto funktionierte. Deshalb lautete die Buchstabenfolge hinterher N-U-J-V (oder C, je nach Lesart).

In der Mitte des Jahrzehnts war Freeman gewissermaßen zum offiziellen Fotografen der Beatles avanciert: Neben gleich fünf Albumcovern, die auf sein Konto gingen, entstanden in anderen Sessions viele weitere ikonische Bilder und Schnappschüsse, in denen das Gefühl der Beatlemania bis heute spürbar ist. Zu seinem Tod im November 2019 sagte Paul McCartney: „Er war einer unser Lieblingsfotografen während der Zeit mit den Beatles, und einige unser ikonischsten Albumcover basieren auf seinen Einfällen. Er war nicht nur ein grandioser Profi seines Fachs, sondern auch einfach sehr fantasievoll, ein origineller Denker.“

6. The Beatles – Rubber Soul (1965, Cover-Fotografie von Robert Freeman)

The Beatles Rubber Soul Cover

Das zweite Album, das The Beatles im Jahr 1965 vorlegten, markierte vor allem musikalisch eine neue Ausrichtung, einen Bruch mit den Anfängen, der besonders in Stücken wie Nowhere Man und Norwegian Wood zu spüren war. Auch das dazugehörige Cover spiegelte diese Experimentierfreude wider – schließlich verzichtete man erstmals komplett auf den Bandnamen. Stattdessen mussten die vier Köpfe der Briten genügen, leicht verzerrt, den Blick nur teilweise in die Kamera gerichtet – und dazu der Schriftzug Rubber Soul. „Der Titel stammte von Paul“, stellte John Lennon klar. „Das war wie bei Yer Blues, denke ich mal, und bedeutete Soul aus England: Rubber Soul. Bloß so ein Wortspiel.“ Typografisch waren sie dazu, wie in so vielen Dingen, wieder einmal ihrer Zeit voraus, denn ein Jahr später waren derartige Schriftarten auf psychedelisch angehauchten Poster-Designs an jeder Ecke zu sehen.

Die Tatsache, dass das Foto ein wenig in die Länge gezogen war, ist einem kleinen Unfall geschuldet: „Der Fotograf Robert Freeman hatte bei John zu Hause in Weybridge ein paar Bilder gemacht“, holte McCartney aus. Zurück in London habe er die Bilder dann der Band gezeigt und sie dafür auf ein Stück Pappe in LP-Größe projiziert. „Wir hatten gerade das besagte Foto ausgewählt, als die Pappe einen kleinen Tick nach hinten wegkippte – wodurch das Bild länger wurde. Es sah gestreckt aus, und wir sagten nur: ‘Das ist es! Rubber So-o-oul, haha! Können wir es so drucken?’ Und er sagte nur: ‘Nun ja, schon. Ich kann’s so drucken.’ Und damit hatten wir‘s.“

7. The Beatles – Revolver (1966, Illustration von Klaus Voormann)

The Beatles Revolver Cover

Nachdem er bereits zu fünf LPs das Design beigesteuert hatte, machte Robert Freeman auch für das Revolver-Album von 1966 einen Designvorschlag, in diesem Fall wollte er mit einer Fotocollage arbeiten. Allerdings wurde seine Idee abgelehnt, denn die Band bevorzugte eine Illustration ihres alten Freunds Klaus Voormann, den sie noch aus Hamburg kannten. Höchstwahrscheinlich von Aubrey Beardsleys Arbeiten aus dem 19. Jahrhundert inspiriert, schließlich hatte eine Ausstellung seiner Zeichnungen im Sommer 1966 für lange Schlange vorm Londoner V&A Museum gesorgt (außerdem sollte Beardsley später auf dem Cover zu Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band auftauchen), waren die Antlitze der Beatles hier erstmals in gezeichneter Form zu sehen, wobei es auch ein paar zerschnittene Fotos aufs Cover geschafft hatten.

Dem Mojo-Redakteur Martin O’Gorman verriet Voormann später: „Da sie damals musikalisch diese Avantgarde-Richtung eingeschlagen hatten, fand ich, dass auch das Cover so aussehen sollte: Ich wollte mit dem Design einfach weiter gehen als gewöhnlich.“ Als der Hamburger seinen fertigen Entwurf jedoch der Band, dem Produzenten George Martin und dem Manager Brian Epstein vorlegte, erntete er dafür zunächst nur ein kollektives Schweigen. Ein paar Augenblicke später jedoch zeigte sich, dass alle sein Design grandios fanden. „Klaus, das ist haargenau, was wir gebraucht haben“, soll Epstein zu Voormann gesagt haben. „Ich hatte echt meine Bedenken, dass diese Idee nicht aufgehen könnte, aber jetzt weiß ich, dass dieses Cover, dass diese LP funktionieren wird! Danke!“

8. The Beatles – Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967, Design von Peter Blake & Jann Haworth; Cover-Fotografie von Michael Cooper)

Beatles Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band Cover

Das Cover von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967) hatte ganz klar etwas Psychedelisches, vor allem aber war der Nostalgiefaktor nicht zu übersehen: Die uniformierten Beatles waren vor einer Montage aus gut 60 lebensgroßen Fotos von Wegbegleiter*innen, Helden und Ikonen zu sehen; außerdem durften sie gleich noch mal als Wachsfiguren mit auf die Gruppencollage. „Pepper sollte unbedingt so gestaltet sein, dass man Jahre mit diesem Cover verbringen konnte, um all die vielen Gesichter zu studieren und die Worte auf der Rückseite zu lesen“, sagte McCartney später.

Für die Umsetzung holten die Beatles den Künstler Peter Blake und Jann Haworth ins Boot: Gemeinsam schufen sie das vielleicht größte Cover, das je entworfen wurde, ein durch und durch revolutionäres Design, mit dem die Rubrik Albumdesign endgültig aufs Level eines Kunstwerks gehoben wurde, denn genau das war ihr Entwurf: ein Pop-Art-Meisterwerk. Ringo Starr erinnerte sich später: „Sgt. Pepper war ein sehr besonderes Album, und als es dann Zeit war, übers Sleeve-Design nachzudenken, da wollten wir uns einfach richtig in Schale werfen, und wir wollten all diese Leute sein, all diese Peppers. Das war echt die Hochphase der Flower-Power-Ära. Alles drehte sich um Love und Peace. Das war eine fantastische Zeit, für mich persönlich und für die ganze Welt.“

9. The Beatles – Magical Mystery Tour (1967, Design von John Van Hamersveld)

The Beatles Magical Mystery Tour Cover

Obwohl es in ihrer Heimat gar nicht als reguläre LP erschien, sondern als Doppel-EP plus Booklet, mit der die gleichnamige TV-Produktion flankiert wurde, ist die US-Version von Magical Mystery Tour aus dem Jahr 1967 das einzige Album, das trotz dieser regionalen Besonderheit einen festen Platz in ihrem Katalog hat. Zu sehen sind sie darauf in den I-Am-The-Walrus-Outfits aus dem Film (in dem, obwohl John Lennon im Text von Glass Onion das Gegenteil behaupten sollte, er selbst das Walross war – und Paul das Nilpferd). Außerdem war’s das erste Cover der Beatles, auf dem die Gesichter der vier Musiker nicht zu sehen waren.

Das Walross im Song I Am The Walrus ging übrigens auf ein Gedicht mit dem Titel The Walrus And The Carpenter von Lewis Carroll zurück: „Ich hab lange Zeit gar nicht begriffen, dass Lewis Carroll damit seine Meinung über die Gesellschaft und das kapitalistische System zum Ausdruck bringen wollte“, gestand John dem Playboy im Jahr 1980. „Später dann schaute ich es mir noch mal genauer an, und da kapierte ich erst, dass das Walross in der Geschichte ja der Bösewicht war – und der Zimmermann der Gute. ‘Oh Mist, ich habe den Falschen ausgewählt’, sagte ich mir. Hätte ich doch bloß gesungen ’I am the carpenter‘, wobei das wohl auch nicht so besonders gut funktioniert hätte, was?“

10. The Beatles – The Beatles (The White Album) (1968, Design von Richard Hamilton)

The Beatles White Album Cover

Das Cover vom gleichnamigen Album The Beatles, das aus gutem Grund seit Jahrzehnten als das White Album bezeichnet wird, war das exakte Gegenteil von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band: War der Vorgänger überladen und bunt und wahnsinnig kleinteilig gewesen, kam das White Album im Jahr 1968, nun ja, schlichtweg in weiß daher. Wie zuvor hatten sie auch dafür mit einem renommierten Künstler gearbeitet, um die eigene Idee zu perfektionieren: Dieses Mal war’s Richard Hamilton, einer der Pioniere der Pop-Art-Bewegung. Dieser erinnerte sich später: „Paul McCartneys Vorgabe bestand darin, dass das Design im denkbar krassesten Kontrast zur bunten Neon-Explosion von Sgt. Pepper stehen sollte – und ja, das hat er dann ja auch bekommen!“

Abgerundet wurde das Design von vier Porträtaufnahmen von Fotograf John Kelly und einer Poster-Collage von Hamilton, wobei Paul dabei als dessen Assistent mitwirkte: „Eine grandiose Lektion war das, was ich da aus erster Hand von einer Ikone wie Richard Hamilton lernen konnte“, sagte er später. „Eine ganze Woche lang durfte ich seinen Gedanken folgen. Kein übler Lehrer, Mann!“ Ein weiterer Kunstgriff bestand darin, dass die ersten Kopien individuelle Seriennummern verpasst bekamen – ähnlich wie limitierte Kunstdrucke oder Kleinstauflagen von Gedichtbänden. Ringo Starrs persönliches Exemplar mit der Nummer 0000001 sollte erst 2015 Geschichte schreiben als „teuerstes Album der Welt“: Bei einer Auktion ging die weiße Erstpressung für sage und schreibe 790.000 US-Dollar über den Tisch.

11. The Beatles – Yellow Submarine (1969, von Regisseur George Dunning und dem Illustrator Heinz Edelmann)

The Beatles Yellow Submarine Cover

Der Soundtrack zum Animationsfilm Yellow Submarine von 1968 nimmt eine Sonderstellung im Beatles-Katalog ein, da genau genommen nur eine Seite der LP neue Songs der Briten enthielt; der Rest des Albums vereinte George Martins Score zum Film. In konkreten Zahlen ausgedrückt, waren’s gerade mal vier neue Beatles-Songs…

Als der Soundtrack im Januar 1969 in die Läden kam, belegte das White Album immer noch Platz 1 in den Charts. Und da sie musikalisch mit Get Back schon den nächsten Meilenstein angepeilt hatten, wirkten die psychedelisch-knallbunten Figuren, in die der Illustrator Heinz Edelmann sie verwandelt hatte, fast schon etwas aus der Zeit gefallen – wie ein nostalgischer Blick in ein vorheriges Kapitel der Bandgeschichte. Auch wenn sie in diesem Fall nicht involviert waren, ist das Artwork von Yellow Submarine bis heute omnipräsent: Das Angebot reicht von Stoffbeuteln und Notizbüchlein mit dem Coverdesign bis hin zu Spielkarten und Socken, ja, selbst eine Yellow-Submarine-Edition von Monopoly wurde zwischenzeitlich auf den Markt gebracht. „Ich fand Yellow Submarine toll“, sagte Ringo Starr rückblickend. „Ich fand das Konzept echt innovativ, und die Animationen waren großartig. Das ‘Meer von Löchern’ und die Blue Meanies, die ‘Blaumiesen’ – das alles ist immer noch fantastisch, und ich bin froh, dass wir dabei mitwirken konnten.“

12. The Beatles – Abbey Road (1969, Cover-Fotografie von Iain Macmillan)

The Beatles Abbey Road Cover

Die im Sommer 1969 fertiggestellte LP Abbey Road war das letzte Studioalbum, das die Beatles aufnehmen sollten, und der ursprüngliche Arbeitstitel Everest, inspiriert übrigens von der bevorzugten Zigarettenmarke ihres Toningenieurs Geoff Emerick, machte ein klassisches Bergpanorama-Cover mindestens naheliegend: Die Band hätte schließlich passend dazu vor – oder womöglich sogar auf – dem welthöchsten Berg posieren können. Als diese Idee dann allerdings doch wieder in der Schublade landete, entschieden sie sich für das exakte Gegenteil: Man blieb auf dem Boden der Tatsachen, machte stattdessen einfach nur die Studiotür auf ging hinaus auf die Straße – und die Studios von EMI lagen nun mal in der Abbey Road.

Als dann am Morgen des 8. August 1969 der Auslöser gedrückt wurde, war das Schicksal jener Straße als zukünftige Touristenattraktion besiegelt: Hier also lag ab sofort der bekannteste Zebrastreifen der Welt. Als die Gerüchteküche dann auch noch vermeldete, Paul McCartney sei eigentlich schon verstorben und bloß durch ein Double ersetzt worden, wurde auch das Cover immer wieder neu analysiert und interpretiert: War es womöglich ein Zeichen, dass er barfuß die Straße überquerte? Eine Frage die John Lennon später ganz konkret beantwortete: „Paul ging barfuß über die Straße, weil er Individualität so versteht, dass man nahezu normal aussieht – aber dann doch ein Ohr blau angemalt hat. Es geht ihm um so kleine, subtile Details. Daher fasste Paul an jenem Tag den Entschluss, einfach ohne Schuhe über die Straße zu gehen.“

13. The Beatles – Let It Be (1970, Cover-Fotografie von Ethan Russell)

The Beatles Let It Be

Aufgenommen war es zwar schon eine Weile davor, doch als Let It Be dann endlich fertig abgemischt war und es im Jahr 1970 auf den Markt kam, war die dazugehörige Band bereits Geschichte. In manchen Regionen wurde das Album daher gleich als Teil eines aufwendigen Boxsets veröffentlicht – inklusive Fotobuch, in dem die Aufnahmen von Ethan Russell richtig gut zur Geltung kamen. Das eigentliche Cover ist recht schlicht gehalten: Schwarzer Rahmen, dazu vier Fotos von den vier Mitgliedern, jeder für sich.

Doch auch hier hatte es ganz andere Pläne geben: Als Titel hatte zunächst lange Zeit Get Back im Raum gestanden, und das dazugehörige Cover sollte als augenzwinkerndes Zitat an den Look des Debütalbums Please Please Me angelehnt sein: Man hatte viel Geld in die Hand genommen, um Angus McBean dazu zu bewegen, das erste Shooting von 1963 noch ein weiteres Mal zu wiederholen, und warum genau es dann doch das andere Cover wurde, bleibt eine jener Fragen, auf die es wohl nie eine endgültige Antwort geben wird. Seltsam eigentlich, wenn man bedenkt, dass selbst John Lennon exakt diese Frage schon 1971 im Melody Maker in einem offenen Brief an Paul McCartney richtete: „Übrigens, was ist eigentlich aus meiner Idee geworden, die Parodie von unserem ersten Albumcover aufs Cover von Let It Be zu nehmen?“

14. The Beatles – Red & Blue (1963 und 1969, Cover-Fotografie jeweils von Angus McBean)

The Beatles Blue Cover

Nachdem ursprünglich das unter dem Arbeitstitel Get Back laufende Album visuell an ihr Debütalbum aus dem Jahr 1963 hatte anknüpfen sollen, kam es schließlich doch noch zu diesem fotografischen Brückenschlag – allerdings erst ein paar Jahre später: Die am selben Ort entstandenen Bandfotos von 1963 und 1969 zierten ab 1973 die Cover der beiden umgangssprachlich als „rotes“ und „blaues“ Album bezeichneten Best-of-LPs, auf denen die Highlights der Früh- und Spätphase säuberlich getrennt versammelt waren.

Fotograf war in beiden Fällen Angus McBean, der schon das Cover des Debüts direkt vorm EMI-Office am Manchester Square geschossen hatte. Beim zweiten Termin gab es nun ein neues Hindernis, denn zwischenzeitlich war ein Vordach angebaut worden, das die Originalperspektive unmöglich machte. Also wurde es kurzerhand abgebaut, so dass der Fototermin eine Woche später doch noch stattfinden konnte.

15. The Beatles – Yesterday and Today (1966, Cover-Fotografie von Robert Whitaker)

The Beatles Yesterday And Today Cover

Eines der begehrtesten Beatles-Albumcover trägt im Englischen den schönen Spitznamen „butcher cover“ – das Schlachthaus-Cover. Die in den USA veröffentlichte Erstpressung von Yesterday And Today, erschienen im Juni 1966, war ein blutiges Konzeptkunstwerk, inszeniert und fotografiert vom Briten Robert Whitaker. Darauf zu sehen waren die Fab Four in Schlachterkitteln, umhängt von rohem Fleisch und zerlegten Puppenteilen. „Ich hatte sogar noch eine bessere Idee fürs Cover“, war sich John Lennon sicher, „nämlich: einfach Paul den Kopf abhacken. Nur wollte er da leider nicht mitmachen.“

Die ersten Einheiten der US-Edition waren gerade erst rausgegangen, als die vielen schockierten Reaktionen für eine große Rückrufaktion sorgten. Was also tat man bei Capitol Records? Einfach ein neues Bild über das alte kleistern. Ringo Starr erinnert sich an die Aktion im Buch Anthology: „Das war ein großartiges Design für uns, weil wir ja eigentlich ganz nette Jungs waren, nur dachten wir halt: ‘Lasst uns doch mal so etwas machen!’ Verrückt war an daran auch, dass ja dann noch eine Papierschicht wegen des Verbots drüber geklebt wurde, weshalb dann alle versuchten, dieses Papier mit heißem Dampf wieder abzukriegen. So wurde erst recht ein Sammlerstück daraus!“ Dieser Tage zahlen Sammler locker vierstellige Summen für ein Exemplar.

16. The Beatles – Hey Jude (1970, Cover-Fotografie von Ethan Russell)

The Beatles Hey Jude Cover

Es sollte wohl das letzte Mal sein, dass alle vier Beatles zusammen vor einer Kamera standen – doch war das keinesfalls so geplant, wie Ringo Starr in der Anthology klarstellt: „Das war einfach nur eine Fotosession. Ich stand da jetzt nicht und dachte die ganze Zeit: ‘Das hier ist die letzte Fotosession’.“ Eines der Bilder des Fotografen Ethan Russell wurde daraufhin als Cover des US-Compilation-Albums Hey Jude ausgewählt. Es entstand am 22. August 1969 vor dem bei Ascot gelegenen Landhaus Tittenhurst Park, das John und Yoko kurz davor erworben und bezogen hatten.

Verglichen mit dem knallbunten Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band-Cover, waren die vier Beatles hier nun eher dunkel und schlicht gekleidet, wie sie so Seite an Seite vor der großen Eingangshalle des Anwesens posierten; aber es gab dennoch kleine Spitzen zu entdecken: Der Hut von George sitzt zum Beispiel nicht auf dessen Kopf, sondern auf einer viktorianischen Büste daneben, und wenn man die Gesichtsausdrücke von George und Paul etwas genauer betrachtet, könnte man meinen, dass sie gerade innerlich über denselben Witz schmunzeln.

17. The Beatles – Anthology Volumes 1-3 (1995, Illustration von Klaus Voormann)

The Beatles Anthology Cover

Das Artwork der ab 1995 veröffentlichten Anthology-Reihe, mit der sie einen umfassenden Rückblick auf ihr Werk warfen, stammte wiederum vom Illustratoren Klaus Voormann, jenem alten Freund aus Hamburg, den sie noch aus den Tagen vor ihrem Durchbruch kannten. Voormann hatte nicht nur das Cover von Revolver (1966) beigesteuert, sondern auch immer wieder Bass auf den Soloaufnahmen der Briten gespielt, so etwa auf Imagine von Lennon und auf George Harrisons Album All Things Must Pass. Zusammen ergeben die drei korrespondierenden Coverdesigns der Anthology ein Gesamtbild.

Sehr zur Freude der Fans, hat Voormann in seinem Design das eine oder andere Osterei versteckt: Im Artwork von Volume I ist etwa das Cover des inoffiziellen Albums The Savage Young Beatles zu sehen, bei dem hier jedoch der Kopf von Schlagzeuger Pete Best entfernt wurde, um Platz für dessen Nachfolger Ringo Starr zu machen. Best revanchierte sich dafür später augenzwinkernd, als er 2008 exakt den entfernten Dreiecksschnipsel mit seinem Antlitz aufs Cover des eigenen Albums Haymans Green packte. Noch besser versteckt war ein Verweis auf Voormanns eigenes Revolver-Cover: Schon 1966 hatte nämlich der damals 28-Jährige ein kleines Bild von sich selbst ins Artwork geschmuggelt. 1995 tauschte er dieses winzige Detail nun gegen ein aktuelles Bild aus, auf dem er als 57-Jähriger zu sehen war.

18. Die US-Versionen aus dem Hause Capitol Records

Abschließend darf man nicht vergessen, dass die Fab Four nicht überall gleich präsentiert wurden – und sie genau genommen nicht mal denselben Sound hatten, was ein Vergleich der US-Alben mit den UK-Editionen zeigt. Frühe Mixes, Alternativ-Versionen, sehr viel Hall: So klangen die Briten in den Staaten, bis die UK-Aufnahmen schließlich in den Achtzigern als CDs auch dort in den Handel kamen. Abgesehen von Yesterday And Today (1966), hatte die Band mit dem Design von US-Veröffentlichungen wie Meet The Beatles auch kaum etwas zu tun. Für krasse Kunst-Statements war auch gar nicht so viel Platz, weil stattdessen oft marktschreierische Slogans auf den LPs prangten: „Elektrisierendes Big-Beat-Programm von Paul McCartney, John Lennon, George Harrison und Ringo Starr aus England“, hieß es etwa auf The Beatles Second Album, während Beatles ’65 mit dem knapperen Versprechen „Großartige neue Hits von John • Paul • George • Ringo“ daherkam.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

10 Songs, die jeder Beatles-Fan kennen muss

Popkultur

Zeitsprung: Am 6.7.1964 läuft der Beatles-Film „A Hard Day’s Night“ an.

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.7.1964.

von Timon Menge und Christof Leim

Als die Beatles am 6. Juli 1964 ihren ersten Kinofilm A Hard Day’s Night veröffentlichen, schreiben sie die Regeln einer gesamten Kunstform neu — schon wieder. Hatte man Musiker bis jetzt vor allem als Schauspieler eingesetzt, um mehr Kinokarten zu verkaufen (siehe: Elvis Presley), spielen sich die „Fab Four“ einfach selbst. Wir haben den Streifen unter die Lupe genommen.

Hier könnt ihr euch das Album A Hard Day’s Night anhören: 

Wir schreiben das Jahr 1964. Die Beatlemania droht, das Vereinigte Königreich aus den Angeln zu heben. Zwei Jahre zuvor hatten John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr den Song Love Me Do veröffentlicht und den Sprung in die britischen Charts geschafft. Es folgte ein Sog aus aufblühender Jugendkultur und Musikinnovation. Keine 24 Monate später gelten die vier Liverpooler auch international als Phänomen. Die Zeichen stehen auf „British Invasion“, nicht zuletzt aufgrund des legendären Auftritts der „Fab Four“ in der Ed Sullivan Show. Von Kritikern gerügt und von Fans verehrt, kehrt das Quartett Ende Februar aus den USA zurück und beginnt eine knappe Woche später ihr nächstes und bis dato außergewöhnlichstes Projekt: die Dreharbeiten zu A Hard Day’s Night.

Übernehmen ab Mitte der Sechziger die Welt: George Harrison, Ringo Starr, Paul McCartney und John Lennon – Pic: Underwood Archives/Getty Images

Im Gegensatz zu den damals üblichen Musikfilmen, in denen Stars wie Elvis Presley zwar neues Material präsentieren, in der Regel aber in fremde Rollen schlüpfen, schließt A Hard Day’s Night nahtlos an das unkonventionelle Interviewverhalten der Truppe an. Die Herren spielen allesamt sich selbst – und das inmitten des Tohuwabohu der Beatlemania.

Die Handlung: Auf dem Weg zu einer Show muss die Band einer wilden Horde Fans entkommen und findet auch während der anschließenden Zugfahrt keine Ruhe. Es folgen Situationen aus dem vermeintlichen Alltag der Teenieidole, in denen sie immer wieder ihre Songs darbieten. Doch weder im Hotel noch backstage bei einer Aufzeichnung oder während eines Casino-Besuchs mit Pauls Großvater lassen sich Ruhm und Verpflichtungen abschütteln. Letztlich findet das angekündigte Konzert wie geplant statt, die Band gelangt danach via Helikopter in die wohlverdiente Sicherheit. Aufgepasst: Wer genau hinschaut, kann einen noch unbekannten Phil Collins als Komparsen im Konzertpublikum entdecken.

Hat noch nicht einmal im Zug seine Ruhe: George Harrison in „A Hard Day’s Night“ – Pic: Max Scheler – K & K/Getty Images

Die Beatles entscheiden sich damals bewusst für einen Filmemacher, dessen musiknahe Werke die Vier schon länger wegen ihrer unkonventionellen Art mögen; der amerikanische Regisseur Richard Lester stellt ihnen wiederum den Liverpooler Schriftsteller Alun Owen vor und lässt ihn die Gruppe auf Tour begleiten. So entsteht ein Skript, welches auf dem typischen Beatles-Humor und Liverpooler Redensarten basiert und dadurch revolutionär authentisch wirkt. Owen heimst für seine Arbeit im folgenden Jahr ebenso wie der Soundtrack eine Oscar-Nominierung ein.

In Deutschland erscheint A Hard Day’s Night unter dem Titel Yeah Yeah Yeah und wird für die Synchronisation auch inhaltlich stark verändert, wie damals üblich: Diskussionen über Günter Grass und den deutschen Film vor Londoner Kulisse tragen wie die anderen ländereigenen Anpassungen zur internationalen Beliebtheit der Briten bei. Der englische Originaltitel basiert auf einem Versprecher von Schlagzeuger Starr, der im April nach einem anstrengenden Drehtag anmerkt: „It’s been a hard day“. Als er feststellt, dass bereits die Nacht angebrochen ist, ergänzt er seine Aussage schnell um ein „…’s night.“ Regisseur Lester findet die Aussage passend und gibt bei den Musikern einen Song mit der Phrase als Titel in Auftrag. Wenige Stunden später hat Lennon das Stück fertig und notiert es auf einer Glückwunschkarte, die heute im British Museum in London bestaunt werden kann. Deutsche Kinos führen die Komödie erstmals am 23. Juli 1964 vor.

Lennon tut den Film später als Klamauk ab, McCartney hingegen lobt den Schwarz-Weiss-Streifen für die Authentizität seiner Charaktere. Fakt ist: A Hard Day’s Night läutet ein neues Zeitalter des Musikfilms ein und gilt als eines der ersten Beispiele einer Mockumentary. Die Meta-Ebene, auf der sich der Film mit Ruhm und Erfolg auseinandersetzt, erlaubt der Band einen Kommentar zur Beatlemania, ohne sie offen zu kritisieren und Fans vor den Kopf zu stoßen. A Hard Day’s Night kann also als frühe Instanz der in späteren Jahren Beatles-typischen Gesellschaftskritik bezeichnet werden. Für George Harrison hat der Film übrigens noch ganz andere Szenarien zur Folge: Am Set lernt er die junge Schauspielerin Pattie Boyd kennen, die er zwei Jahre später heiratet und die ihn später in nach einer dramatischen Dreiecksgeschichte für Eric Clapton verlässt.

George Harrison und Pattie Boyd 1964 – Pic: Michael Ochs Archives/Getty Images

Zeitsprung: Am 9.2.1964 übernehmen die Beatles die USA – gewissermaßen.

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

Published on

Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

Continue Reading

Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

Published on

Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

Rock N Roll Rocker GIF - Find & Share on GIPHY

Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Ein Beitrag geteilt von Kelly Osbourne (@kellyosbourne)

Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

Sharon Osbourne Ozzy GIF by Recording Academy / GRAMMYs - Find & Share on GIPHY

Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Hundetherapeuten, Seifenblasen und geworfene Schinken: Das sind die 7 besten Momente aus „The Osbournes“

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss