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Popkultur

Kunstwerke für sich: Eine detaillierte Geschichte der Beatles-Albumcover

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Beatles Cover Artworks

Die visuelle Komponente war von Anfang an ein wichtiger Faktor für den Erfolg der Beatles: „Ihr ganzes Image war komplett einzigartig“, schreibt Mike Evans dazu in seinem Buch The Art of The Beatles. „Denn anders als ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Musikwelt, deren Style einfach nur den Zeitgeist widerspiegelte, gelang es den Beatles immer wieder, neue Moden und Trends loszutreten.“

von Paul McGuinness

Tatsächlich hatten die Briten schon einen Look, als noch niemand so genau hinschaute: Sie traten auf den Plan als uniformierte Band, denn genau das war dieses Outfit – eine Uniform. Als es dann losging, war die Presse begeistert von ihren Pilzköpfen, den passenden Stiefeln mit den Blockabsätzen, den kragenlosen Jacketts. Ihr Style und ihr ganzes Auftreten waren wahnsinnig wichtig, sie waren zentraler Teil dessen, was diese Band so… nun ja, so anders und einzigartig machte. Noch greif- und sichtbarer wurde dieses Gespür für den richtigen Look in den Jahren danach auf den Plattencovern selbst, im Albumdesign: Die Fotografien, die Illustrationen, die Verwendung von Grafikdesign-Elementen – die Coverentwürfe der Beatles waren jedes Mal bahnbrechend, sie spielten regelmäßig in einer Liga für sich.

Hört hier zur Lektüre die besten Songs der Beatles:

Bevor die Beatles dieses Feld revolutionierten, hatten Albumcover vor allem dazu gedient, den musikalischen Inhalt zu verkaufen: Man fand da etwa die Songtitel, womöglich einen Verkaufsslogan, dazu natürlich ein attraktives Bild der Künstler*innen selbst. Es dauerte nur wenige Jahre, und die Beatles hatten ihre Alben mit innovativen Design- und Packaging-Ideen selbst in Kunstwerke verwandelt: Die zur Hälfte ausgeleuchteten Gesichter auf With the Beatles, der psychedelische Nostalgie-Look von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band, oder auch das einfache Überqueren des Zebrastreifens auf Abbey Road zählen längst zu den ikonischsten, einflussreichsten und größten Albumdesigns des 20. Jahrhunderts. Zugleich bildeten diese Cover das Fundament, auf dem die Rolling Stones, David Bowie, Pink Floyd & Co. ihre visuellen Experimente aufbauen konnten.

Was nun folgt, sind die Entstehungsgeschichten hinter den größten Coverdesigns der Fab Four…

1. The Beatles – Please Please Me (1963, Cover-Fotografie von Angus McBean)

The Beatles Please Please Me Cover

Das Foto fürs Cover ihres 1963 veröffentlichten Debütalbums Please Please Me hat Angus McBean geschossen. Beauftragt hatte ihn George Martin, der in jenen Tagen nicht nur der Produzent der Beatles war, sondern zugleich Chef im Hause Parlophone Records. (Für Martin und McBean war es nicht die erste Zusammenarbeit, sie hatten davor schon die Cover einiger Comedy-Alben realisiert). Ursprünglich sollte das Shooting vor dem Insektenhaus des Londoner Zoos stattfinden, aber die Verantwortlichen des Tierparks waren damit nicht einverstanden, weshalb das EMI House am Manchester Square als Alternative ins Spiel kam. Als Datum einigte man sich auf den 5. März 1963, jenen Tag, an dem die Band auch noch den Song From Me To You aufnehmen sollte.

„Alles passierte in wahnsinniger Eile, genau wie die Aufnahmen im Studio“, erinnerte sich George Martin später. Auf dem Cover zu sehen sind die noch sehr jungen Fab Four, die von einem mehrere Stockwerke höher gelegenen Balkon in McBeans Kamera schauen. „Ich hatte nur mein normales Objektiv für Porträtaufnahmen dabei, und um dieses Bild machen zu können, musste ich mich im Eingangsbereich komplett flach auf den Rücken legen. Ich knipste also ein paar Bilder, und dann sagte ich: ‘Das sollte eigentlich genügen.’“

2. The Beatles – With the Beatles (1963, Cover-Fotografie von Robert Freeman)

The Beatles With The Beatles Cover

Während die Veröffentlichung des Debütalbums mit Hochdruck vorangetrieben worden war, um die erste Welle ihres Erfolgs maximal auszunutzen, war schon wenige Monate später klar, dass diese Welle nicht so schnell abebben würde: Als der Nachfolger With the Beatles am 22. November 1963 erschien (ein Datum, das in der US-Geschichte leider aus einem anderen Grund unvergessen ist), wusste die ganze Welt, dass diese vierköpfige Band aus Liverpool keine Eintagsfliege war.

Inspiriert von den Aufnahmen der befreundeten Fotografin Astrid Kirchherr, wählte auch Robert Freeman fürs Cover-Shooting kein Studio, sondern einen Flur im Palace Court Hotel von Bournemouth, wo die Band gerade einen Tour-Zwischenstopp einlegte. Paul McCartney erinnerte sich später an die Aufnahmen am 22. August 1963, wobei alles nicht länger gedauert habe als „eine einzige Stunde im Hotel. [Freeman] wählte das Ende eines Flurs aus, wo durch ein kleines Fenster morgens um 11 natürliches Licht hereinfiel. Und dann setzte er uns einfach hin: ‘Du kommst nach vorne, du dorthin…’“ Das Resultat war ein ikonisches Bild: Vier junge Männer mit identischen Frisuren und Polokragen, krasse Schwarz-Weiß-Kontraste und kein Lächeln in den nur halb ausgeleuchteten Gesichtern – ein durchaus gewagtes Statement für eine Pop-Combo. „Das war der Startschuss, denn ab diesem Cover waren wir jedes Mal aktiv beteiligt am Artwork der Beatles“, kommentierte George Harrison später.

3. The Beatles – A Hard Day’s Night (1964, Cover-Fotografie von Robert Freeman)

The Beatles A Hard Day's Night Cover

Wie schon beim Vorgänger, setzten sie auch fürs Artwork von A Hard Day’s Night (1964; dem Album zum ersten Film der Beatles) auf Schwarz-Weiß-Fotografie – und auch hier bildeten die Frisuren und Polokragen eine Einheit. Allerdings waren alle vier Mitglieder nunmehr einzeln zu sehen und dazu je gleich fünffach – mit immer neuen Grimassen. Auch diese 20 Porträts (wobei Georges Kopf einmal von hinten zu sehen ist) hatte Robert Freeman gemacht, dieses Mal jedoch im eigenen Studio in London.

Inzwischen hatten sich die Fab Four mit Freeman angefreundet; außerdem wohnten der Fotograf und Lennon im selben Wohnblock. „Mit den Beatles zusammen zu sein bedeutete: Nonstop von verrückten Aktionen umgeben zu sein, mitten im Auge des Orkans zu stehen“, erinnerte sich Freeman später. „Alles in allem war’s eine sehr lebendige und lustige Zeit.“ Was den Filmrollen-Look der Porträts angeht, sollte das eine Anspielung auf die Szene sein, wo jedes Mitglied einzeln von den Fragen der Journalist*innen bombardiert wird, während sie im Blitzlichtgewitter der Fotograf*innen stehen.

4. The Beatles – Beatles For Sale (1964, Cover-Fotografie von Robert Freeman)

The Beatles Beatles For Sale Cover

Fotografiert von Robert Freeman im Londoner Hyde Park im Oktober 1964, ist auf dem Cover von Beatles For Sale eine eher müde, erschöpfte Rock&Roll-Band zu sehen: Zwar tragen sie noch immer ihren Einheitslook, aber für ein Lächeln reicht es nicht mehr. „Der Fotograf konnte damals problemlos sagen: ‘Kommt einfach rum, so wie ihr seid.’ Schließlich trugen wir alle jeden Tag diese passenden Klamotten“, so Paul McCartney. „Das war echt keine große Sache: Wir trafen uns am Albert Memorial im Hyde Park. Ich war damals ziemlich beeindruckt von Georges Frisur. Er schaffte es, dass es so geschwungen aussah.“

Für die Band war’s das erste Gatefold-Cover, weshalb auf der Innenseite gleich noch ein Freeman-Porträt zu sehen war. Sie posierten darauf vor einer Collage aus Hollywood- und Musikgrößen wie Jayne Mansfield und Victor Mature – eine Idee übrigens, die sie drei Jahre später für das Design von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band noch einmal aufgreifen sollten. In den Linernotes stellte Derek Taylor folgende These auf: „Bei den Kids des Jahres 2000 wird diese Musik dasselbe Wohlgefühl hervorrufen, dieselbe Wärme, die wir heute spüren können.“ Hättest ruhig noch ein paar Jahre draufschlagen können, was, Derek?

5. The Beatles – Help! (1965, Cover-Fotografie von Robert Freeman)

The Beatles Help Cover

Parallel zu ihrem zweiten Film veröffentlicht, ist die Band auf dem Cover von Help! (1965) ebenfalls in jenen Schneeanzug-Outfits zu sehen, die man damals auch auf der Leinwand bewundern konnte. Ihre Posen lassen dabei auf den ersten Blick vermuten, dass sie damit einen Notruf im Winkeralphabet absetzen wollen – doch stimmt das nicht ganz: Fotograf Freeman hatte ursprünglich zwar geplant, dass die Jungs in der Buchstabenfolge H-E-L-P aufgestellt werden, doch dann entschloss er sich für ein Arrangement, das rein visuell einfach noch besser als Coverfoto funktionierte. Deshalb lautete die Buchstabenfolge hinterher N-U-J-V (oder C, je nach Lesart).

In der Mitte des Jahrzehnts war Freeman gewissermaßen zum offiziellen Fotografen der Beatles avanciert: Neben gleich fünf Albumcovern, die auf sein Konto gingen, entstanden in anderen Sessions viele weitere ikonische Bilder und Schnappschüsse, in denen das Gefühl der Beatlemania bis heute spürbar ist. Zu seinem Tod im November 2019 sagte Paul McCartney: „Er war einer unser Lieblingsfotografen während der Zeit mit den Beatles, und einige unser ikonischsten Albumcover basieren auf seinen Einfällen. Er war nicht nur ein grandioser Profi seines Fachs, sondern auch einfach sehr fantasievoll, ein origineller Denker.“

6. The Beatles – Rubber Soul (1965, Cover-Fotografie von Robert Freeman)

The Beatles Rubber Soul Cover

Das zweite Album, das The Beatles im Jahr 1965 vorlegten, markierte vor allem musikalisch eine neue Ausrichtung, einen Bruch mit den Anfängen, der besonders in Stücken wie Nowhere Man und Norwegian Wood zu spüren war. Auch das dazugehörige Cover spiegelte diese Experimentierfreude wider – schließlich verzichtete man erstmals komplett auf den Bandnamen. Stattdessen mussten die vier Köpfe der Briten genügen, leicht verzerrt, den Blick nur teilweise in die Kamera gerichtet – und dazu der Schriftzug Rubber Soul. „Der Titel stammte von Paul“, stellte John Lennon klar. „Das war wie bei Yer Blues, denke ich mal, und bedeutete Soul aus England: Rubber Soul. Bloß so ein Wortspiel.“ Typografisch waren sie dazu, wie in so vielen Dingen, wieder einmal ihrer Zeit voraus, denn ein Jahr später waren derartige Schriftarten auf psychedelisch angehauchten Poster-Designs an jeder Ecke zu sehen.

Die Tatsache, dass das Foto ein wenig in die Länge gezogen war, ist einem kleinen Unfall geschuldet: „Der Fotograf Robert Freeman hatte bei John zu Hause in Weybridge ein paar Bilder gemacht“, holte McCartney aus. Zurück in London habe er die Bilder dann der Band gezeigt und sie dafür auf ein Stück Pappe in LP-Größe projiziert. „Wir hatten gerade das besagte Foto ausgewählt, als die Pappe einen kleinen Tick nach hinten wegkippte – wodurch das Bild länger wurde. Es sah gestreckt aus, und wir sagten nur: ‘Das ist es! Rubber So-o-oul, haha! Können wir es so drucken?’ Und er sagte nur: ‘Nun ja, schon. Ich kann’s so drucken.’ Und damit hatten wir‘s.“

7. The Beatles – Revolver (1966, Illustration von Klaus Voormann)

The Beatles Revolver Cover

Nachdem er bereits zu fünf LPs das Design beigesteuert hatte, machte Robert Freeman auch für das Revolver-Album von 1966 einen Designvorschlag, in diesem Fall wollte er mit einer Fotocollage arbeiten. Allerdings wurde seine Idee abgelehnt, denn die Band bevorzugte eine Illustration ihres alten Freunds Klaus Voormann, den sie noch aus Hamburg kannten. Höchstwahrscheinlich von Aubrey Beardsleys Arbeiten aus dem 19. Jahrhundert inspiriert, schließlich hatte eine Ausstellung seiner Zeichnungen im Sommer 1966 für lange Schlange vorm Londoner V&A Museum gesorgt (außerdem sollte Beardsley später auf dem Cover zu Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band auftauchen), waren die Antlitze der Beatles hier erstmals in gezeichneter Form zu sehen, wobei es auch ein paar zerschnittene Fotos aufs Cover geschafft hatten.

Dem Mojo-Redakteur Martin O’Gorman verriet Voormann später: „Da sie damals musikalisch diese Avantgarde-Richtung eingeschlagen hatten, fand ich, dass auch das Cover so aussehen sollte: Ich wollte mit dem Design einfach weiter gehen als gewöhnlich.“ Als der Hamburger seinen fertigen Entwurf jedoch der Band, dem Produzenten George Martin und dem Manager Brian Epstein vorlegte, erntete er dafür zunächst nur ein kollektives Schweigen. Ein paar Augenblicke später jedoch zeigte sich, dass alle sein Design grandios fanden. „Klaus, das ist haargenau, was wir gebraucht haben“, soll Epstein zu Voormann gesagt haben. „Ich hatte echt meine Bedenken, dass diese Idee nicht aufgehen könnte, aber jetzt weiß ich, dass dieses Cover, dass diese LP funktionieren wird! Danke!“

8. The Beatles – Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967, Design von Peter Blake & Jann Haworth; Cover-Fotografie von Michael Cooper)

Beatles Sgt. Pepper's Lonely Hearts Club Band Cover

Das Cover von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967) hatte ganz klar etwas Psychedelisches, vor allem aber war der Nostalgiefaktor nicht zu übersehen: Die uniformierten Beatles waren vor einer Montage aus gut 60 lebensgroßen Fotos von Wegbegleiter*innen, Helden und Ikonen zu sehen; außerdem durften sie gleich noch mal als Wachsfiguren mit auf die Gruppencollage. „Pepper sollte unbedingt so gestaltet sein, dass man Jahre mit diesem Cover verbringen konnte, um all die vielen Gesichter zu studieren und die Worte auf der Rückseite zu lesen“, sagte McCartney später.

Für die Umsetzung holten die Beatles den Künstler Peter Blake und Jann Haworth ins Boot: Gemeinsam schufen sie das vielleicht größte Cover, das je entworfen wurde, ein durch und durch revolutionäres Design, mit dem die Rubrik Albumdesign endgültig aufs Level eines Kunstwerks gehoben wurde, denn genau das war ihr Entwurf: ein Pop-Art-Meisterwerk. Ringo Starr erinnerte sich später: „Sgt. Pepper war ein sehr besonderes Album, und als es dann Zeit war, übers Sleeve-Design nachzudenken, da wollten wir uns einfach richtig in Schale werfen, und wir wollten all diese Leute sein, all diese Peppers. Das war echt die Hochphase der Flower-Power-Ära. Alles drehte sich um Love und Peace. Das war eine fantastische Zeit, für mich persönlich und für die ganze Welt.“

9. The Beatles – Magical Mystery Tour (1967, Design von John Van Hamersveld)

The Beatles Magical Mystery Tour Cover

Obwohl es in ihrer Heimat gar nicht als reguläre LP erschien, sondern als Doppel-EP plus Booklet, mit der die gleichnamige TV-Produktion flankiert wurde, ist die US-Version von Magical Mystery Tour aus dem Jahr 1967 das einzige Album, das trotz dieser regionalen Besonderheit einen festen Platz in ihrem Katalog hat. Zu sehen sind sie darauf in den I-Am-The-Walrus-Outfits aus dem Film (in dem, obwohl John Lennon im Text von Glass Onion das Gegenteil behaupten sollte, er selbst das Walross war – und Paul das Nilpferd). Außerdem war’s das erste Cover der Beatles, auf dem die Gesichter der vier Musiker nicht zu sehen waren.

Das Walross im Song I Am The Walrus ging übrigens auf ein Gedicht mit dem Titel The Walrus And The Carpenter von Lewis Carroll zurück: „Ich hab lange Zeit gar nicht begriffen, dass Lewis Carroll damit seine Meinung über die Gesellschaft und das kapitalistische System zum Ausdruck bringen wollte“, gestand John dem Playboy im Jahr 1980. „Später dann schaute ich es mir noch mal genauer an, und da kapierte ich erst, dass das Walross in der Geschichte ja der Bösewicht war – und der Zimmermann der Gute. ‘Oh Mist, ich habe den Falschen ausgewählt’, sagte ich mir. Hätte ich doch bloß gesungen ’I am the carpenter‘, wobei das wohl auch nicht so besonders gut funktioniert hätte, was?“

10. The Beatles – The Beatles (The White Album) (1968, Design von Richard Hamilton)

The Beatles White Album Cover

Das Cover vom gleichnamigen Album The Beatles, das aus gutem Grund seit Jahrzehnten als das White Album bezeichnet wird, war das exakte Gegenteil von Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band: War der Vorgänger überladen und bunt und wahnsinnig kleinteilig gewesen, kam das White Album im Jahr 1968, nun ja, schlichtweg in weiß daher. Wie zuvor hatten sie auch dafür mit einem renommierten Künstler gearbeitet, um die eigene Idee zu perfektionieren: Dieses Mal war’s Richard Hamilton, einer der Pioniere der Pop-Art-Bewegung. Dieser erinnerte sich später: „Paul McCartneys Vorgabe bestand darin, dass das Design im denkbar krassesten Kontrast zur bunten Neon-Explosion von Sgt. Pepper stehen sollte – und ja, das hat er dann ja auch bekommen!“

Abgerundet wurde das Design von vier Porträtaufnahmen von Fotograf John Kelly und einer Poster-Collage von Hamilton, wobei Paul dabei als dessen Assistent mitwirkte: „Eine grandiose Lektion war das, was ich da aus erster Hand von einer Ikone wie Richard Hamilton lernen konnte“, sagte er später. „Eine ganze Woche lang durfte ich seinen Gedanken folgen. Kein übler Lehrer, Mann!“ Ein weiterer Kunstgriff bestand darin, dass die ersten Kopien individuelle Seriennummern verpasst bekamen – ähnlich wie limitierte Kunstdrucke oder Kleinstauflagen von Gedichtbänden. Ringo Starrs persönliches Exemplar mit der Nummer 0000001 sollte erst 2015 Geschichte schreiben als „teuerstes Album der Welt“: Bei einer Auktion ging die weiße Erstpressung für sage und schreibe 790.000 US-Dollar über den Tisch.

11. The Beatles – Yellow Submarine (1969, von Regisseur George Dunning und dem Illustrator Heinz Edelmann)

The Beatles Yellow Submarine Cover

Der Soundtrack zum Animationsfilm Yellow Submarine von 1968 nimmt eine Sonderstellung im Beatles-Katalog ein, da genau genommen nur eine Seite der LP neue Songs der Briten enthielt; der Rest des Albums vereinte George Martins Score zum Film. In konkreten Zahlen ausgedrückt, waren’s gerade mal vier neue Beatles-Songs…

Als der Soundtrack im Januar 1969 in die Läden kam, belegte das White Album immer noch Platz 1 in den Charts. Und da sie musikalisch mit Get Back schon den nächsten Meilenstein angepeilt hatten, wirkten die psychedelisch-knallbunten Figuren, in die der Illustrator Heinz Edelmann sie verwandelt hatte, fast schon etwas aus der Zeit gefallen – wie ein nostalgischer Blick in ein vorheriges Kapitel der Bandgeschichte. Auch wenn sie in diesem Fall nicht involviert waren, ist das Artwork von Yellow Submarine bis heute omnipräsent: Das Angebot reicht von Stoffbeuteln und Notizbüchlein mit dem Coverdesign bis hin zu Spielkarten und Socken, ja, selbst eine Yellow-Submarine-Edition von Monopoly wurde zwischenzeitlich auf den Markt gebracht. „Ich fand Yellow Submarine toll“, sagte Ringo Starr rückblickend. „Ich fand das Konzept echt innovativ, und die Animationen waren großartig. Das ‘Meer von Löchern’ und die Blue Meanies, die ‘Blaumiesen’ – das alles ist immer noch fantastisch, und ich bin froh, dass wir dabei mitwirken konnten.“

12. The Beatles – Abbey Road (1969, Cover-Fotografie von Iain Macmillan)

The Beatles Abbey Road Cover

Die im Sommer 1969 fertiggestellte LP Abbey Road war das letzte Studioalbum, das die Beatles aufnehmen sollten, und der ursprüngliche Arbeitstitel Everest, inspiriert übrigens von der bevorzugten Zigarettenmarke ihres Toningenieurs Geoff Emerick, machte ein klassisches Bergpanorama-Cover mindestens naheliegend: Die Band hätte schließlich passend dazu vor – oder womöglich sogar auf – dem welthöchsten Berg posieren können. Als diese Idee dann allerdings doch wieder in der Schublade landete, entschieden sie sich für das exakte Gegenteil: Man blieb auf dem Boden der Tatsachen, machte stattdessen einfach nur die Studiotür auf ging hinaus auf die Straße – und die Studios von EMI lagen nun mal in der Abbey Road.

Als dann am Morgen des 8. August 1969 der Auslöser gedrückt wurde, war das Schicksal jener Straße als zukünftige Touristenattraktion besiegelt: Hier also lag ab sofort der bekannteste Zebrastreifen der Welt. Als die Gerüchteküche dann auch noch vermeldete, Paul McCartney sei eigentlich schon verstorben und bloß durch ein Double ersetzt worden, wurde auch das Cover immer wieder neu analysiert und interpretiert: War es womöglich ein Zeichen, dass er barfuß die Straße überquerte? Eine Frage die John Lennon später ganz konkret beantwortete: „Paul ging barfuß über die Straße, weil er Individualität so versteht, dass man nahezu normal aussieht – aber dann doch ein Ohr blau angemalt hat. Es geht ihm um so kleine, subtile Details. Daher fasste Paul an jenem Tag den Entschluss, einfach ohne Schuhe über die Straße zu gehen.“

13. The Beatles – Let It Be (1970, Cover-Fotografie von Ethan Russell)

The Beatles Let It Be

Aufgenommen war es zwar schon eine Weile davor, doch als Let It Be dann endlich fertig abgemischt war und es im Jahr 1970 auf den Markt kam, war die dazugehörige Band bereits Geschichte. In manchen Regionen wurde das Album daher gleich als Teil eines aufwendigen Boxsets veröffentlicht – inklusive Fotobuch, in dem die Aufnahmen von Ethan Russell richtig gut zur Geltung kamen. Das eigentliche Cover ist recht schlicht gehalten: Schwarzer Rahmen, dazu vier Fotos von den vier Mitgliedern, jeder für sich.

Doch auch hier hatte es ganz andere Pläne geben: Als Titel hatte zunächst lange Zeit Get Back im Raum gestanden, und das dazugehörige Cover sollte als augenzwinkerndes Zitat an den Look des Debütalbums Please Please Me angelehnt sein: Man hatte viel Geld in die Hand genommen, um Angus McBean dazu zu bewegen, das erste Shooting von 1963 noch ein weiteres Mal zu wiederholen, und warum genau es dann doch das andere Cover wurde, bleibt eine jener Fragen, auf die es wohl nie eine endgültige Antwort geben wird. Seltsam eigentlich, wenn man bedenkt, dass selbst John Lennon exakt diese Frage schon 1971 im Melody Maker in einem offenen Brief an Paul McCartney richtete: „Übrigens, was ist eigentlich aus meiner Idee geworden, die Parodie von unserem ersten Albumcover aufs Cover von Let It Be zu nehmen?“

14. The Beatles – Red & Blue (1963 und 1969, Cover-Fotografie jeweils von Angus McBean)

The Beatles Blue Cover

Nachdem ursprünglich das unter dem Arbeitstitel Get Back laufende Album visuell an ihr Debütalbum aus dem Jahr 1963 hatte anknüpfen sollen, kam es schließlich doch noch zu diesem fotografischen Brückenschlag – allerdings erst ein paar Jahre später: Die am selben Ort entstandenen Bandfotos von 1963 und 1969 zierten ab 1973 die Cover der beiden umgangssprachlich als „rotes“ und „blaues“ Album bezeichneten Best-of-LPs, auf denen die Highlights der Früh- und Spätphase säuberlich getrennt versammelt waren.

Fotograf war in beiden Fällen Angus McBean, der schon das Cover des Debüts direkt vorm EMI-Office am Manchester Square geschossen hatte. Beim zweiten Termin gab es nun ein neues Hindernis, denn zwischenzeitlich war ein Vordach angebaut worden, das die Originalperspektive unmöglich machte. Also wurde es kurzerhand abgebaut, so dass der Fototermin eine Woche später doch noch stattfinden konnte.

15. The Beatles – Yesterday and Today (1966, Cover-Fotografie von Robert Whitaker)

The Beatles Yesterday And Today Cover

Eines der begehrtesten Beatles-Albumcover trägt im Englischen den schönen Spitznamen „butcher cover“ – das Schlachthaus-Cover. Die in den USA veröffentlichte Erstpressung von Yesterday And Today, erschienen im Juni 1966, war ein blutiges Konzeptkunstwerk, inszeniert und fotografiert vom Briten Robert Whitaker. Darauf zu sehen waren die Fab Four in Schlachterkitteln, umhängt von rohem Fleisch und zerlegten Puppenteilen. „Ich hatte sogar noch eine bessere Idee fürs Cover“, war sich John Lennon sicher, „nämlich: einfach Paul den Kopf abhacken. Nur wollte er da leider nicht mitmachen.“

Die ersten Einheiten der US-Edition waren gerade erst rausgegangen, als die vielen schockierten Reaktionen für eine große Rückrufaktion sorgten. Was also tat man bei Capitol Records? Einfach ein neues Bild über das alte kleistern. Ringo Starr erinnert sich an die Aktion im Buch Anthology: „Das war ein großartiges Design für uns, weil wir ja eigentlich ganz nette Jungs waren, nur dachten wir halt: ‘Lasst uns doch mal so etwas machen!’ Verrückt war an daran auch, dass ja dann noch eine Papierschicht wegen des Verbots drüber geklebt wurde, weshalb dann alle versuchten, dieses Papier mit heißem Dampf wieder abzukriegen. So wurde erst recht ein Sammlerstück daraus!“ Dieser Tage zahlen Sammler locker vierstellige Summen für ein Exemplar.

16. The Beatles – Hey Jude (1970, Cover-Fotografie von Ethan Russell)

The Beatles Hey Jude Cover

Es sollte wohl das letzte Mal sein, dass alle vier Beatles zusammen vor einer Kamera standen – doch war das keinesfalls so geplant, wie Ringo Starr in der Anthology klarstellt: „Das war einfach nur eine Fotosession. Ich stand da jetzt nicht und dachte die ganze Zeit: ‘Das hier ist die letzte Fotosession’.“ Eines der Bilder des Fotografen Ethan Russell wurde daraufhin als Cover des US-Compilation-Albums Hey Jude ausgewählt. Es entstand am 22. August 1969 vor dem bei Ascot gelegenen Landhaus Tittenhurst Park, das John und Yoko kurz davor erworben und bezogen hatten.

Verglichen mit dem knallbunten Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band-Cover, waren die vier Beatles hier nun eher dunkel und schlicht gekleidet, wie sie so Seite an Seite vor der großen Eingangshalle des Anwesens posierten; aber es gab dennoch kleine Spitzen zu entdecken: Der Hut von George sitzt zum Beispiel nicht auf dessen Kopf, sondern auf einer viktorianischen Büste daneben, und wenn man die Gesichtsausdrücke von George und Paul etwas genauer betrachtet, könnte man meinen, dass sie gerade innerlich über denselben Witz schmunzeln.

17. The Beatles – Anthology Volumes 1-3 (1995, Illustration von Klaus Voormann)

The Beatles Anthology Cover

Das Artwork der ab 1995 veröffentlichten Anthology-Reihe, mit der sie einen umfassenden Rückblick auf ihr Werk warfen, stammte wiederum vom Illustratoren Klaus Voormann, jenem alten Freund aus Hamburg, den sie noch aus den Tagen vor ihrem Durchbruch kannten. Voormann hatte nicht nur das Cover von Revolver (1966) beigesteuert, sondern auch immer wieder Bass auf den Soloaufnahmen der Briten gespielt, so etwa auf Imagine von Lennon und auf George Harrisons Album All Things Must Pass. Zusammen ergeben die drei korrespondierenden Coverdesigns der Anthology ein Gesamtbild.

Sehr zur Freude der Fans, hat Voormann in seinem Design das eine oder andere Osterei versteckt: Im Artwork von Volume I ist etwa das Cover des inoffiziellen Albums The Savage Young Beatles zu sehen, bei dem hier jedoch der Kopf von Schlagzeuger Pete Best entfernt wurde, um Platz für dessen Nachfolger Ringo Starr zu machen. Best revanchierte sich dafür später augenzwinkernd, als er 2008 exakt den entfernten Dreiecksschnipsel mit seinem Antlitz aufs Cover des eigenen Albums Haymans Green packte. Noch besser versteckt war ein Verweis auf Voormanns eigenes Revolver-Cover: Schon 1966 hatte nämlich der damals 28-Jährige ein kleines Bild von sich selbst ins Artwork geschmuggelt. 1995 tauschte er dieses winzige Detail nun gegen ein aktuelles Bild aus, auf dem er als 57-Jähriger zu sehen war.

18. Die US-Versionen aus dem Hause Capitol Records

Abschließend darf man nicht vergessen, dass die Fab Four nicht überall gleich präsentiert wurden – und sie genau genommen nicht mal denselben Sound hatten, was ein Vergleich der US-Alben mit den UK-Editionen zeigt. Frühe Mixes, Alternativ-Versionen, sehr viel Hall: So klangen die Briten in den Staaten, bis die UK-Aufnahmen schließlich in den Achtzigern als CDs auch dort in den Handel kamen. Abgesehen von Yesterday And Today (1966), hatte die Band mit dem Design von US-Veröffentlichungen wie Meet The Beatles auch kaum etwas zu tun. Für krasse Kunst-Statements war auch gar nicht so viel Platz, weil stattdessen oft marktschreierische Slogans auf den LPs prangten: „Elektrisierendes Big-Beat-Programm von Paul McCartney, John Lennon, George Harrison und Ringo Starr aus England“, hieß es etwa auf The Beatles Second Album, während Beatles ’65 mit dem knapperen Versprechen „Großartige neue Hits von John • Paul • George • Ringo“ daherkam.

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10 Songs, die jeder Beatles-Fan kennen muss

Popkultur

„White Christmas“, „All I Want For Christmas Is You“ und mehr: Verrückte Fakten zu den größten Weihnachtssongs

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Mariah Carey
Foto: Gilbert Carrasquillo /Getty Images

Sie dudeln im Radio auf und ab, beschallen Weihnachtsmärkte und Cafés: Hättet ihr diese Dinge über Evergreens wie Last Christmas, All I Want For Christmas Is You oder White Christmas gewusst?

von Björn Springorum

Auf wenige Dinge ist so sehr Verlass wie das pünktliche Aufschlagen von Last Christmas und All I Want For Christmas Is You deutlich vor dem ersten Advent. Weihnachtssongs sind Fluch und Segen zugleich, Boten einer schönen Zeit für die einen und Geißel des schlechten Geschmacks für die anderen – Stichwort #whamageddon. Zu welchem Lager man auch zählt: Vorbei kommt dieser Tage niemand an ihnen. Da lohnt mal ein Blick auf die erstaunlichen Geschichten hinter fünf der erfolgreichsten Weihnachtssongs aller Zeiten.

1. All I Want For Christmas Is You (1994)

Eine der erfolgreichsten Singles aller Zeiten ist in gerade mal 15 Minuten entstanden. So kurz sollen Mariah Carey und Walter Afanasieff für das Songwriting dieser Nummer gebraucht haben. Bewusst angelehnt an den Ronettes-Sound der Sechziger, braucht All I Want For Christmas Is You kommerziell gesehen deutlich mehr Zeit als für seine Entstehung. Der Grund: Der Song wurde anfangs nicht offiziell als reguläre Single ausgekoppelt und konnte deswegen auch nicht in den Charts notieren. Das ändert sich, als 1998 die Regularien angepasst werden. Damals beginnt die erstaunliche Erfolgsgeschichte des Songs: Am 21. Dezember 2019 – 25 Jahre nach Veröffentlichung – steht der Song erstmals ganz oben in den US-Charts. 16 Millionen Exemplare sind mittlerweile verkauft, unzählige Streaming-Rekorde gebrochen. Geschätzte 60 Millionen gibt es an Royalties allein für diesen Song, Mariah Carey allein verdient grob geschätzt 2,5 Millionen US-Dollar pro Jahr mit All I Want For Christmas Is You. Nicht übel – dafür, dass sie den Songs anfangs gar nicht aufnehmen wollte.

2. Santa Claus Is Comin’ To Town (1934)

Auch dieser Song gehört zu Weihnachten wie schlechter Glühwein: Erstmals 1934 von einem Banjo-Spieler namens Harry Reser aufgeführt, hat sich Santa Claus Is Comin’ To Town zum weihnachtlichen Pflichtprogramm entwickelt. Liegt natürlich auch an seiner erstaunlichen Haltbarkeit und Attraktivität für andere Künstler: In den letzten knapp 80 Jahren haben sich über 200 Künstler*innen an diesem Klassiker von J. Fred Coots und Haven Gillespie versucht – und nicht unbedingt unbekannte, um es mal so zu sagen: Unter anderem gibt es Versionen von Bing Crosby, Mariah Carey, Neil Diamond, Bruce Springsteen, Frank Sinatra, Bill Evans, Chris Isaak, The Temptations, The Carpenters, Michael Bublé und den Jackson 5. Am ehesten denkt man bei Santa Claus Is Comin’ To Town aber wahrscheinlich an den Boss und seine unvergleichliche Version. Die entstand gemeinsam mit der E Street Band am 12. Dezember 1975, wurde aber erst 1982 auf dem Sesamstraße-Album In Harmony 2 veröffentlicht und steigt seit 2002 regelmäßig hoch in die Charts ein. Springsteen-Konzerte im November und Dezember kommen ebenfalls nie ohne diese Nummer aus.

3. Last Christmas (1984)

Irgendwann im Sommer 1984 wird George Michael plötzlich vom Geist der Weihnacht heimgesucht. Er und sein Wham!-Kollege Ridgeley sind gerade bei Michaels Eltern zu Besuch, als ihn die winterliche Muse küsst: Er rauscht in sein altes Kinderzimmer und schreibt dort mal so eben einen der größten, wenn auch polarisierendsten Weihnachtshits aller Zeiten. Die Nummer wird zum Erfolg und schnell auch zum unverzichtbaren Weihnachtslied. Nur die Nummer Eins in den britischen Charts bleibt Last Christmas vergönnt – bis 2021, mehr als 36 Jahre nach der Veröffentlichung. Den Gesamterlös des Songs spendet Wham! vorbildlich dem Kampf gegen die verheerende Hungerkrise in Äthiopien. Bei über sechs Millionen verkauften Singles kommt da einiges zusammen.

4. Do They Know It’s Christmas (1984)

Das ist die Nummer, die Last Christmas 1984 davon abhält, die Spitze der britischen Charts zu erklimmen: Do They Know It’s Christmas von Bob Geldorf und Midge Ure ist eine der bekanntesten Benefiz-Singles aller Zeiten. Und ein echter Allstar-Coup: Aufgenommen an nur einem einzigen Tag am 24. November 1984 im Londoner Stadtteil Notting Hill, kommt die als Band Aid bezeichnete Supergroup an diesem Tag erstmals hinterm Mikro zusammen: Unter anderem singen Bono, Siobhan Fahey, Phil Collins, Boy George, Paul Weller. Sting und wieder George Michael (der damit auf Platz eins und zwei der britischen Single-Charts thront) gegen den Hunger in Äthiopien. Und sammeln ordentlich Geld ein: Die Single verkauft sich knapp zwölf Millionen Mal. Aus den von Geldorf erhofften 70.000 Pfund werden innerhalb eines Jahres acht Millionen. Kritik gibt es dennoch: Der Text spiele mit westlichen Vorurteilen und Afrikaklischees und würde die Vielfalt Afrikas unter den Teppich kehren.

5. White Christmas (1942)

1940 setzt sich Irving Berlin hin und schreibt einen Song über eine nostalgische, romantisierte Vorstellung von Weihnachten. Ja, das hat man auch schon 1942 gemacht. Sie kommt in den Soundtrack zum Film Holiday Inn und bekommt prompt den Oscar für den besten Filmsong. „Es ist nicht nur der beste Song, den ich je geschrieben habe, sondern auch der beste Song, den irgendjemand anders je geschrieben hat“, soll er seiner Sekretärin gesagt haben. Nicht gerade beschieden, aber irgendwie auch nicht ganz falsch. Zumindest hinsichtlich seines Erfolgs: Am 29. Mai 1942 nimmt Bing Crosby den Song in schlanken 18 Minuten auf, hält aber nicht viel davon. 80 Jahre später wissen wir: Er unterschätzt die Nostalgie der Menschen. White Christmas ist die erfolgreichste Single aller Zeiten! Zwar sprechen wir heute meist von der 1947-er Neuaufnahme (das Original wurde zu oft gespielt und beschädigt), aber das ist nebensächlich: Mit über 50 Millionen verkauften Exemplaren steht White Christmas ganz oben an der Spitze. Über 500 verschiedene Versionen in zahlreichen Sprachen sind mittlerweile entstanden. Und weil er damals schon nostalgisch war, wirkt er auch mit seinen 80 Jahren alterslos.

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„Happy Xmas (War Is Over)“: Wie der Protestsong zu einem Weihnachtsklassiker wurde

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Popkultur

Die 15 besten Weihnachtsgeschenke für Rockfans

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Weihnachtsgeschenk
Foto: Getty Images

Weihnachten nähert sich in großen Schritten. Du weißt immer noch nicht so recht, was du deinen rock-affinen Liebsten schenken sollst? Kein Problem — wir haben da ein paar Ideen!

1. Bono — Surrender: 40 Songs, One Story

U2-Frontmann Bono veröffentlichte im November 2022 seine Memoiren — und darin erzählt einer der größten Frontmänner der Rockgeschichte, wie Paul aus Dublin zu Rockstar und Weltbürger/Weltretter Bono wurde. Ein spannendes Buch, das nicht nur die Anfänge U2s beleuchtet, sondern Bono auch als selbstironischen, reflektierten Zeitgenossen zeigt.

(Hier für 20,99 Euro)

 2. Guns N’ Roses — Use Your Illusion Super Deluxe 12-LP Box

Use Your Illusion

Was für einen Nachfolger macht man nach einem Mega-Debüt wie Appetite For Destruction? Am bestengleich zwei neue Longplayer! Use Your Illusion I + II, das sind zwei Alben, die nur so überquellen. Opulent, rockig, dreckig, hochglanzproduziert, bluesy, überladen, rotzig — alles zugleich, alles auf Maximum. Im November 2022 öffneten Axl, Slash & Co. das Bandarchiv und veröffentlichten ein Boxset, das Fans der Gunners das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. 97 Tracks auf 12 LPs, davon 63 unveröffentlicht — mit Blu-ray, Buch, Lithografien und jeder Menge Goodies… und das alles natürlich im stylischen Boxset. Das mega ausführliche Boxset gibt es bei uns im uDiscover Store — übrigens auch als günstigere 7-CD-Box.

(Hier für 498,99€)

3. BAP — Bap Vinyl Box Vol. 3 (2001-2011)

Wolfgang Niedecken lud in letzter Zeit vermehrt zur Vinyl-Retrospektive und widmete jedem Jahrzehnt von BAP eine Vinyl-Box. Zuletzt erschien mit Volume 3 eine Rückschau auf die 2000er-Jahre. Fünf Alben auf je zwei 180-Gramm-LPs, dazu schöne Artworks, Prints, Texte und Faksimiles. Für Fans von BAP ein Muss!

(Hier für 173,99 Euro)

4. 101 Rock Stories: Anekdoten, Exzesse und wilde Geschichten von Christof Leim

Warum wollte Axl Rose einst David Bowie verhauen? Was verbindet AC/DC mit einem Serienkiller? Und was haben Faith No More mit dem Fall der Berliner Mauer zu tun? — Diesen (und etlichen weiteren Fragen) geht uDiscover-Autor Christof Leim in seinem Buch 101 Rock Stories: Anekdoten, Exzesse und wilde Geschichten nach. Der Musiker und Musikjournalist gräbt tief in der Schatzkiste der Rock’n’Roll-Geschichten — und sorgt für ein kurzweiliges Lesevergnügen. 

(Hier für 14 Euro)

 5. Peter Frampton — Do You Feel Like I Do? A Memoir

Vor wenigen Wochen sagte die US-amerikanische Rock-Ikone Peter Frampton seinen deutschen Fans mit den letzten Deutschlandkonzerten seiner Abschiedstournee Lebewohl. Wie bewegt seine Karriere war, lässt sich in seinen Memoiren nachlesen, die Ende 2021 erschienen sind.

(Hier für 15,59 Euro)

6. Heavy Metal Ukulele

UkuleleHeavy Metal funktioniert auch auf der Ukulele — das beweist dieses Prachtstück in Flying-V-Form. Wieso nicht mal Thunderstruck, Raining Blood und Enter Sandman auf der Uke zum Besten geben — unter dem Weihnachtsbaum, wo sonst?

(Hier für 37,20 €)

7. Slayer-Wein

Slayer-Fan, aber zugleich auch Reben-Feinspitz? Bekennende Weinliebhaber*innen kommen mit dem Slayer Reign In Blood Red auf ihre Kosten. Der Cabernet Sauvignon stammt, wie Araya & Co., aus Kalifornien — und passt hervorragend zum musikalischen Oeuvre der Herren.

(Hier für 9,59 Euro)

8. Rolling-Stones-Baumwollbeutel

Wie soll man eigentlich die ganzen Weihnachtsgeschenke nach Hause tragen? Am besten stilecht im Rolling-Stones-Baumwollbeutel mit dem ikonischen Zungen-Logo. Hier findet von exklusiven CDs und LPs bis zu T-Shirts und anderen Goodies so einiges Platz!

(Hier für 9,99 Euro)

9. Marshall Bluetooth Lautsprecher

Marshall LautsprecherKeine richtige Stereoanlage da? Kein Problem, mit der richtigen Bluetooth-Lautsprecherbox lässt sich auch ganz unkompliziert via Bluetooth gut Musik hören. Wer dabei nicht auf den klassischen Retro-Rocklook verzichten möchte, findet einige tolle Modelle von Marshall, zum Beispiel wie den Acton II. Der überzeugt mit druckvollem Sound und edlem Look!

(Hier für 199,99 Euro)

10. AKG Kopfhörer

Gute Kopfhörer sind für jeden Musikfan ein absolutes Muss — denn so lässt sich auch ohne sündteure Boxen Musik im hochwertigen Klang genießen. Die Auswahl an guten Kopfhörern ist groß, wir entscheiden uns an dieser Stelle für die AKG K-612, einfach weil sie gute Allrounder sind und auch fürs Studio taugen!

(Hier für 144 Euro)

11. Inhaler — It Won’t Always Be Like This (LP)

Im Februar 2022 veröffentlichen Inhaler ihr neues Studioalbum Cuts & Bruises. Die Wartezeit kann man aber auch mit ihrem Debüt It Won’t Always Be Like This überbrücken, das es im uDiscover Store als LP-Version gibt.

(Hier für 24,99 Euro)

12. Schallplatten-Reinigungsset

Natürlich muss die eigene Plattensammlung auch gepflegt werden. Um dem edlen Vinyl die Liebe zukommen zu lassen, die es verdient, empfehlen wir ein Vinyl-Reinigungsset.

(Hier für 20,95 Euro)

13. Squier Jazzmaster Gitarre

Squier JazzmasterWer gerne E-Gitarre lernen möchte, muss keineswegs gleich zu teuren Marken greifen. Fender etwa hat mit seiner kostengünstigen Tochterfirma Squier einige fabelhafte Modelle im Sortiment, die sich wahrlich nicht vor deutlich teureren Gitarren nicht verstecken müssen. Etwa die 40th Anniversary Jazzmaster, die nicht nur toll aussieht, sondern auch exzellent klingt.

(Hier für 599 Euro)

14. Kreator-T-Shirt

Mal unter dem Weihnachtsbaum mit ein paar Metal-Motiven bei Oma und Opa anecken? Wir hätten da ein paar Ideen — beispielsweise dieses Shirt der deutschen Metallegenden Kreator.

(Hier für 9,99 Euro)

15. Noch mehr Exklusives!

Da geht noch viel mehr! Werft einfach einen Blick in den uDiscover Store — und findet limitierte Editionen, tolle Vinyls, Boxsets und andere Highlights!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.12.1994 erscheint „Vitalogy“ von Pearl Jam auf CD und Kassette.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.12.1994.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

1994 markiert den Wendepunkt für den Grunge: Nach Kurt Cobains Tod wenden sich die Medien gegen die Rock-Bewegung, während sich Pearl Jam im kalten Krieg mit Ticketmaster befinden. Die Jungs aus Seattle wagen mit Vitalogy den Befreiungsschlag und ebnen den Weg für Meisterwerke wie Yield. Am 6. Dezember 1994 erscheint das Album regulär auf CD…

Hört hier in Vitalogy rein: 

„Lives opened and trashed / Look, Ma, watch me crash“ intoniert Eddie Vedder im Opener Last Exit und fasst damit schon ziemlich gut zusammen, was da so in der Welt von Pearl Jam vor sich geht. Als Teil der Grunge-Szene von Seattle kommen sie mit ihrem Debüt Ten trotz kommerziellem Durchbruch nicht wirklich gut an, die Folgeplatte Vs. (1993) zementiert dafür ihren Platz zwischen Nirvana, Soundgarden und Alice In Chains. So sehr, dass der daraus resultierende Erfolg die Gruppe in eine schwere Sinnkrise stürzt. Dazu noch der Medienrummel um Kurt Cobains Suizid sowie eine Extraportion Streitigkeiten um Konzertpreise((LINK)) mit Ticketmaster. Kurzum: Der Boden unter den Bandgrundmauern wackelt.

Vorsicht, rissig

Die Aufnahmen für das dritte Album entstehen während der Tour zu Vs., die Sänger (und nun auch Gitarrist) Vedder, Bassist Jeff Ament, den Gitarristen Stone Gossard und Mike McCready und Schlagzeuger Dave Abbruzzese einiges abverlangt. Abbruzzese darf gegen Ende der Aufnahmen den Abflug machen, denn seine Kritik am Ticketmaster-Konflikt stößt auf. McCready wiederum merkt, dass sein Kokain- und Alkoholproblem die Gruppe gefährdet: „Nach dem die Band durchgestartet war, befand ich mich in meiner eigenen kleinen Welt.“ Er checkt zwischen Aufnahmen und Veröffentlichung in die Entzugsklinik ein.

An den Drums übernimmt Vedder-Vertrauter und ehemaliger Red Hot Chili Pepper Jack Irons, der positive Energie in den Laden bringt. Die braucht es dringend, denn der Sänger, der hier verstärkt die kreativen Zügel in die Hand nimmt, gerät nun mit Gossard aneinander. Für ersteren stellt der Führungswechsel eine natürliche Konsequenz dar: „Das war keine feindliche Übernahme. Ich fand, dass alle unsere Veröffentlichungen stellvertretend für mich standen. Da ich sowas wie das Gesicht der Band wurde, musste ich auch musikalisch mehr repräsentiert werden“, erzählt er später in der Dokumentation Pearl Jam Twenty

Lebenszeichen

Diese Kehrtwende äußert sich auch in, sagen wir mal, etwas wundersameren Werken wie Hey Foxymophandlemama, That’s Me, einer Soundcollage mit Äußerungen von Insassen einer Nervenklinik. Dagegen stehen aber Stücke wie das unangepasste Spin The Black Circle, Immortality und das wunderbare Better Man, die das umstrittene Album zu einem wichtigen Punkt der Bandgeschichte machen.

Ganz bewusst veröffentlichen Pearl Jam das Ding zunächst am 22. November 1994 auf Vinyl und für die damals gängigen Formate CD und Kassette gibt’s ein zweiwöchiges Embargo. Das zahlt sich aus, denn Vitalogy hält bis zur Veröffentlichung von Jack Whites Lazaretto 2014 den Rekord für die meisten Vinylverkäufe innerhalb einer Woche. Ab dem Nikolaustag 1994 stehen dann auch CDs und Kassetten zum Verkauf. Wie Kollege Chris Cornell in der Doku treffend bemerkt: „Amerikanische Rockbands lösen sich auf. Pearl Jam schafften es zusammenzubleiben.“ Vitalogy entpuppte sich dabei als der Kitt der beginnenden Risse.

Zeitsprung: Am 30.6.2000 passiert Schlimmes bei einer Pearl Jam-Show in Roskilde.

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