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Popkultur

Handschlag in Flammen, fliegendes Schwein & ikonische Kratzer: Die 10 besten Hipgnosis-Artworks

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Pink Floyd Dark Side Of The Moon Cover

Ob Pink Floyd, Led Zeppelin oder Genesis: Kaum jemand hat so viele ikonische Artworks geschaffen, wie die Londoner Designgruppe Hipgnosis. Von 1968 bis 1983 prägen Storm Thorgerson, Aubrey Powell, später Peter Christopherson und zahlreiche freie Mitarbeiter*innen die visuelle Darstellung des Rock’n’Roll; weit über 200 Albumcover entspringen ihren kreativen Köpfen. Wir haben die zehn besten ausgesucht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Peter Gabriel (Scratch) anhören:

Fragen, die wir uns nach dem Genesis-Comeback stellen

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Pink Floyd – Ummagumma (1969)

Pink Floyd Ummagumma Cover

Von Pink Floyd erhalten Hipgnosis einiges an Starthilfe. Das erste Projekt der britischen Grafiker: das zweite Floyd-Album A Saucerful Of Secrets (1968). Auch für More (1969) entwerfen Thorgerson und Powell das Artwork. Im Lauf der Jahre wachsen die Band und das Design-Duo immer stärker zusammen, wie wir später noch feststellen werden. Für Ummagumma setzen Hipgnosis auf den sogenannten Droste-Effekt, wie die Bild-im-Bild-im-Bild-Optik im Fachjargon heißt. Die Bezeichnung geht auf die gleichnamige niederländische Kakaomarke zurück, die dem Effekt 1904 durch die Gestaltung der Verpackung zu Bekanntheit verhilft. Die Technik als solche kannte man aber schon im Mittelalter.

Climax Blues Band – Tightly Knit (1971)

Climax Blues Band Tightly Knit Cover

Die Climax Blues Band aus Stafford gehört zu den unzähligen Vertretern der britischen Blues-Szene, hat mindestens 19 Alben veröffentlicht und mit Couldn’t Get It Right und I Love You zwei unsterbliche Hits geschrieben. Für das Cover ihres vierten Albums Tightly Knit engagieren die Engländer um Frontmann Colin Cooper ebenfalls das Londoner Grafiker-Gespann Hipgnosis. Das Ergebnis: ein einfaches wie ausdrucksstarkes Artwork, das auffällt und neugierig macht.

Wishbone Ash – Argus (1972)

Wishbone Ash Argus Cover

Mit Argus veröffentlichen die britischen Progger Wishbone Ash im April 1972 ihr erfolgreichstes Album. Klar, dass auch das Cover mindestens Champions-League-Qualität haben muss. Und die liefern Hipgnosis. Mit bestechender Einfachheit und Atmosphäre fangen die Designer den mittelalterlichen Touch der Platte ein. Unvorstellbar scheint es, dass man die Ruhe vor dem Sturm treffender verbildlichen kann. Der Sturm kam dann nach der Veröffentlichung: Argus landet als einziges Wishbone-Ash-Album in der britischen Top Ten. Außerdem bringt das Artwork einen jungen Nachwuchsgitarristen dazu, sich ebenfalls bei Hipgnosis zu melden. Sein Name: Jimmy Page.

Pink Floyd – Dark Side Of The Moon (1973)

Pink Floyd Dark Side Of The Moon Cover

Über Dark Side Of The Moon wurde viel geschrieben und noch öfter wurde das Album gehört. Doch auch nach fast 50 Jahren büßt das Jahrhundertwerk nichts von seiner Faszination ein. Das liegt nicht zuletzt an dem atemberaubenden Cover. Ganze sieben Entwürfe stellen Hipgnosis ihren Kunden Pink Floyd vor, doch die vier Musiker entscheiden sich einstimmig für das Prisma mit dem gebrochenen Lichtstrahl, eine Anlehnung an die fulminanten Lichtshows der Gruppe. Anschließend kommt Roger Waters auf die Idee, den Strahl in die aufgeklappte Schallplattenhülle zu verlängern. Daraus wird schließlich eine visuelle Darstellung des Herzschlages, den man zu Beginn und am Ende des Albums hört.

Genesis – The Lamb Lies Down On Broadway (1974)

Genesis The Lamb Lies Down On Broadway Cover

Das Konzeptalbum The Lamb Lies Down On Broadway markiert nicht die einfachste Zeit in der Geschichte von Genesis. So löst die Umsetzung der Platte unter den Musikern endgültig Streit aus; Sänger Peter Gabriel verlässt die Gruppe schlussendlich sogar. Die Krise naht allerdings schon vorher. So berichtet Gitarrist Steve Hackett in einem Interview: „Jeder von uns hatte seine eigenen Pläne. Manche waren verheiratet, manche hatten Kinder, wieder andere ließen sich gerade scheiden. Trotzdem versuchten wir, uns zusammenzuraufen.“ Mit dem Artwork für das letzte Genesis-Album mit Gabriel-Beteiligung übertrifft sich die Grafikschmiede Hipgnosis selbst und schafft ein detailverliebtes Kunstwerk in drei Teilen, das man länger begutachten kann, als die Platte läuft. Inhaltlich beschäftigen sich die drei Bilder mit drei Stationen in der Geschichte von Rael, dem Hauptcharakter auf The Lamb Lies Down On Broadway.

Genesis In Bildern: 1970-1975

Pink Floyd – Wish You Were Here (1975)

Pink Floyd Wish You Were Here Cover

„Hat der Kerl echt gebrannt??“, möchte man rufen, wenn man das Cover von Wish You Were Here sieht. Ja, hat er. Was man heute mit Photoshop lösen würde, um möglicherweise Menschenleben zu retten, erledigte in den Siebzigern ein Stuntman. Der trägt den Namen Ronnie Rondell und ließ sich tatsächlich für Pink Floyd anzünden. Aufgenommen wird die Szene in den Warner-Bros.-Studios in Kalifornien. Im Lauf des Shootings schlägt der Wind um und verbrennt Rondell den Schnauzbart. Der andere Herr auf dem Bild heißt Danny Rogers und die beiden tauschen wegen der wechselnden Windrichtung die Positionen. Damit das Motiv gleich bleibt, wird die Aufnahme später gespiegelt.

Led Zeppelin – Presence (1976)

Led Zeppelin Presence Cover

Für Presence arbeiten Led Zeppelin nicht zum ersten Mal mit Hipgnosis zusammen. Doch auch dieses Mal lautet die Vorgabe von Jimmy Page: „Wir brauchen Ideen.“ Also entwickeln Hipgnosis das Artwork des siebten Led-Zeppelin-Albums um einen schwarzen Gegenstand, der die Kraft der Gruppe symbolisieren soll. Storm Thorgerson bezeichnet die Band als „so kraftvoll, dass sie noch nicht einmal da sein muss“. Aufgrund des Covers werden Hipgnosis und der freie Mitarbeiter George Hardie 1977 für einen Grammy nominiert.

Pink Floyd – Animals (1977)

Pink Floyd Animals Cover

Heute würde eine Rockband wohl kein Schwein mehr fliegen lassen, um ein herausragendes Albumcover zu schaffen. Pink Floyd gehört 1977 allerdings die Welt, also erlauben sich die Briten den kleinen Spaß. Die Idee zum Artwork stammt von Roger Waters, die Umsetzung übernimmt Storm Thorgerson. Mit der Produktion des zwölf Meter langen Schweineballons („Algie“) beauftragen die Künstler eine deutsche Firma, die vorher zum Beispiel Zeppeline hergestellt hatte, sowie den australischen Künstler Jeffrey Shaw. Als Ort des Geschehens wählt Waters das Kraftwerk in Battersea, an dem er regelmäßig vorbeifährt. Am 2. Dezember 1976 ist es dann soweit: Pink Floyd lassen den Ballon mit Helium befüllen und positionieren ihn über der Kulisse. Ebenfalls dabei: ein Scharfschütze, der das Schwein zum Abstürzen bringen kann, falls es ausbüchst. Die Arbeiten an dem Cover erstrecken sich allerdings unverhofft über zwei Tage und Floyd-Manager möchte den Scharfschützen nicht noch einmal bezahlen. Doof nur, dass sich Algie am zweiten Tag tatsächlich selbstständig macht, über den Flughafen in Heathrow fliegt und dort für Panik und abgesagte Flüge sorgt. Der Flug endet in Kent auf dem Feld eines Bauern, der sich darüber beschwert, dass das Schwein seine Kühe erschreckt habe.

Peter Gabriel – Peter Gabriel (Scratch) (1978)

Peter Gabriel Scratch Cover

Nach seinem Ausstieg bei Genesis veröffentlicht Peter Gabriel ganze vier Alben mit dem Titel Peter Gabriel, weshalb die Platten zusätzlich als Car (1977), Scratch (1978), Melt (1980) und Security (1982) bezeichnet werden. Scratch verdankt den ergänzenden Titel vor allem dem eindrucksvollen Cover aus dem Hause Hipgnosis. Kommerziell bleibt das Album hinter den Erwartungen zurück, landet aber immerhin in den britischen Top Ten.

10cc – Look Hear? (1980)

10cc Look Hear Cover

Manchmal sind die einfachsten Entwürfe die besten. Auf dem Cover ihres siebten Albums Look Hear? stellen 10cc aus England die essentielle Frage: Bist du normal? Der Hipgnosis-Entwurf schindet allerdings so viel Eindruck, dass viele Musikhörer*innen denken, das Album heiße „Are You Normal“. Weil es in Europa viel Verwirrung um den Titel gibt, wird das Cover für den US-Markt angepasst. Statt des übergroßen Schriftzugs landet in den Staaten das Schaf auf der Chaiselongue auf dem Cover. Das gab es auf der europäischen Version zwar auch schon zu sehen, allerdings nur in einer kleinen Variante.

Geschmacksverirrung: Legenden und ihre schlimmsten Plattencover

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Popkultur

„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

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Popkultur

„Keeper Of The Seven Keys: Part I“: Als Helloween den Power Metal erfanden

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Helloween
Foto: Paul Natkin/Getty Images

Ursprünglich als Doppel-LP gedacht, veröffentlichen Helloween am 23. Mai 1987 den ersten Teil ihrer Keepers Of The Seven Keys-Saga. Die Schwelle zum Erfolg rückt näher, alle Zeichen stehen auf Durchbruch. Der große Knall gelingt der Band zwar erst ein Jahr später mit Part II — doch Part I sowie die Rekrutierung von Sänger Michael Kiske markieren wichtige Grundsteine für den jahrzehntelangen Erfolg der Hamburger.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Keeper Of The Seven Keys: Part I von Helloween anhören:

Als Helloween am 23. Mai 1987 ihr zweites Album Keeper Of The Seven Keys: Part I auf die Öffentlichkeit loslassen, steht die Band an einem Wendepunkt: Mit Walls Of Jericho hatte die Gruppe 1985 ein vielbeachtetes Debütalbum vorgelegt, mit Keeper Of The Seven Keys: Part II wird den Hamburgern 1988 der ganz große Durchbruch gelingen. Part I ebnet zwischenzeitlich den Weg dorthin. Doch was hat sich im Hause Helloween vom Debüt bis zu Keeper Of The Seven Keys: Part I eigentlich verändert?

„So anders als die letzte ist die Platte im Grunde genommen gar nicht“, findet Gitarrist Michael Weikath im Frühjahr 1987 in einem Interview mit dem deutschen Metal Hammer. So ganz recht hat er damit nicht: Nach ihrem ersten Album nehmen Helloween nämlich einen entscheidenden Personalwechsel vor — und holen Sänger Michael Kiske an Bord.

Kai Hansen: „Ich bin eher ein Schreihals.“

Dass Gitarrist Kai Hansen seinen Posten am Mikrofon räumt, liegt hauptsächlich daran, dass er sich als Sänger nicht wohlfühlt; vor allem das gleichzeitige Gitarrespielen ist ihm nicht geheuer. „Ich habe mich nie wirklich als Sänger gesehen“, verrät er im Interview mit dem britischen Classic Rock Magazine. „Ich bin eher eine Art Schreihals. Außerdem hat mir die Disziplin gefehlt. Saufen und Rauchen machen die Stimme nicht besser.“

Als Gitarrist rückt Hansen auf Keeper Of The Seven Keys: Part I in den Vordergrund, weil sein Sechs-Saiten-Kollege Michael Weikath wegen Krankheit nur sporadisch an den Sessions teilnehmen kann. Dadurch entsteht zum Beispiel der legendäre Song Future World, den Helloween als einzige Single von Part I auskoppeln. Auch das Stück Halloween stammt aus Hansens Feder. Untätig bleibt Weikath natürlich trotzdem nicht.

Mit A Tale That Wasn’t Right steuert der Gitarrist eine Ballade für die Ewigkeit bei, auch an Follow The Sign schreibt er mit. Freshman Michael Kiske komponiert das Stück A Little Time und leistet damit ebenfalls einen Beitrag zu der historischen Errungenschaft, die man Keeper Of The Seven Keys: Part I im Allgemeinen nachsagt: die Erfindung des Power Metal.

Klassischer Heavy Metal, unfassbare Geschwindigkeiten, symphonische Elemente, epische Texte: Wenn es um Drachen, Zauberer und jede Menge Doublebass geht, ist das Wörtchen „Power“ im Metal nicht weit. „Mir kam es damals nicht so vor, als hätten wir etwas großartig Neues geschaffen“, erinnert sich Kai Hansen im ClassicRock-Interview. „Niemand konnte damals etwas mit dem Begriff Power Metal anfangen, für uns war das einfach nur Heavy Metal. Das ist es auch heute noch. Was zum Teufel soll Power Metal denn sein?“

Keeper Of The Seven Keys: Part I — ein Überraschungserfolg

Eigentlich hätten Helloween Part I und Part II der Keepers Of The Seven Keys-Saga lieber als Doppel-LP veröffentlicht, doch bei einer Newcomer-Band möchte die Plattenfirma Noise Records vermutlich lieber auf Nummer sicher gehen. Wer hätte schließlich geahnt, dass Helloween heute zu den größten Namen der Krawallmusik-Szene zählen würden und dass ausgerechnet der Doppelschlag Keeper Of The Seven Keys: Part I und II so sehr dazu beitragen würden.

Schon kurz nach der Veröffentlichung landet Part I unverhofft auf Platz 15 der deutschen Albumcharts. „Dass wir in die normalen Charts kommen, das hat wirklich keiner von uns erwartet“, erzählt Gitarrist Weikath im MetalHammer-Interview. Mit Part II gelingt sogar der Sprung auf Platz fünf. „Ich frage mich wirklich, wo denn eigentlich die Leute sitzen, die das alles kaufen. Da scheint es wesentlich mehr von zu geben, als ich angenommen hatte.“ Gut so!

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Zeitsprung: Am 29.8.1988 erscheint „Keeper Of The Seven Keys: Part II“ von Helloween.

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Zeitsprung: Am 22.5.2001 erscheint das erste Bon Jovi-Livealbum „One Wild Night“.

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Bon Jovi

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 22.5.2001."

von Christof Leim

Keine Frage: Bon Jovi dominieren den Hard Rock der Achtziger. Mit Slippery When Wet (1986) und New Jersey (1989) liefern sie zwei Nummer-eins-Alben hintereinander ab, daneben empfehlen sie sich als fleißige und mitreißende Liveband, die fast pausenlos durch die größten Hallen und Stadien in aller Welt tourt. Alleine die Konzertreise für Slippery dauert 15 Monate (von Juli 1986 bis Oktober 1987), danach hängen die Herren für New Jersey nochmal unfassbare 16 Monate (von Oktober 1988 bis Februar 1990) dran. Einen (offiziellen) Konzertmitschnitt dieser glorreichen Zeit sucht man allerdings vergebens.

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Hier könnt ihr in One Wild Night: Live 1985-2001 reinhören:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Die erste „richtige“ Liveplatte erscheint nämlich erst viel später, am 22. Mai 2001. Da hat sich die Welt der Rockmusik schon weitergedreht, Grunge und Crossover sind gekommen und wieder gegangen. Bon Jovi haben mehrjährige Pausen eingelegt, Soloalben veröffentlicht und sich immer mehr zu einer erwachsenen Rockband entwickelt, die Springsteen stilistisch näher steht als Kiss und Aerosmith. Zuletzt brachten sie im Sommer 2000 das Album Crush auf den Markt, eine weitestgehend entspannte, oft balladeske Angelegenheit. Als Liveband aber lassen sie weiter nichts anbrennen und füllen immer noch die Stadien.


Für One Wild Night: Live 1985-2001 beschränken sich die Musiker nicht auf die Aufzeichnungen einer Show oder einer Tour, sondern stellen Songs aus drei Phasen ihrer Karriere zusammen: von aktuellen Konzerten im Jahr 2000 und Shows von der Mitte der Neunziger, als junge Rockhörer auf ganz andere Sounds standen, sowie von einem Gig in Tokio 1985. (Ja, die Herren sind schon früh ordentlich rumgekommen.) Aufnahmen aus den ganz großen Jahren, also von den Megatouren zu Slippery und New Jersey, fehlen sonderbarerweise.



Mit der Songauswahl decken Bon Jovi dabei alle Phasen ihrer Karriere ab; es finden sich die offensichtlichen Hits (Livin’ On A Prayer, Bad Medicine et al.), locker-flockiges Neunziger-Zeug (Something For The Pain, Something To Believe In) und damals neues Material wie Just Older oder It’s My Life. Als alte Schätzchen gibt es den ersten Hit Runaway vom 1984er-Debütalbum und In And Out Of Love vom oft (und zu Recht) vergessenen Zweitwerk 7800° Fahrenheit.



Interessant wird es bei den Coverversionen: Im südafrikanischen Johannesburg lassen Bon Jovi eine treibende Version von Neil Youngs Rocking In The Free World vom Stapel, bei I Don’t Like Mondays singt sogar Bob Geldof mit. (Für die Komplettisten: Diese Aufnahme wurde schon auf der Doppel-CD-Variante von These Days (1995) veröffentlicht; drei Mitschnitte aus Zürich gibt es ebenfalls auf der The Crush Tour-DVD. ) Bei der letzten Nummer schließlich, dem titelgebenden One Wild Night 2001 handelt es sich um einen Remix eines Tracks von Crush. Diese neue Version wird auch als Single ausgekoppelt, ebenso der alte Gassenhauer Wanted Dead Or Alive.



Alles in allem repräsentiert die Platte gut den musikalischen Stand der Gruppe zur Jahrtausendwende. Bon Jovi erweisen sich als souveräne Liveband mit guten Gesängen und einem Frontmann, der die Menge anzuspornen weiß. Natürlich klingen unsere Helden mittlerweile im Vergleich zur ungestümen Hardrockerei der Achtziger ein gutes Stück erwachsener. Was vor allem heißt: Der Chef schreit nicht mehr so viel, und die Gitarre macht weniger „Brett“. Das Album erscheint am 22. Mai 2001 und schlägt sich recht wacker in den Charts mit hohen Platzierungen in Europa (Platz 3 in Deutschland) und einem 20. Rang in den USA. Der nächste Konzertmitschnitt Inside Out lässt dann wieder bis 2012 auf sich warten, aber das ist eine andere Geschichte…

Zeitsprung: Am 28.4.1989 heiratet Jon Bon Jovi seine Jugendliebe – heimlich.

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