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Popkultur

Die unglaubliche Geschichte der Abbey Road Studios

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Foto: Alberto Pezzali/NurPhoto via Getty Images

Natürlich bringt man die Abbey Road Studios zuallererst und aus gutem Grund mit den Beatles in Verbindung. Die Platten der Fab Four sind aber nur ein Bruchteil der Meilensteine, die in London für die Ewigkeit festgehalten wurden.

von Björn Springorum

Das größte Pfund des mittlerweile aufgelösten englischen Plattenlabels EMI waren nicht die zahlreichen Superstars, die es im Stall hatte; es war ein 1831 im Georgianischen Stil errichtetes Townhouse in der Abbey Road 3 in St John’s Wood mitten in London. Seit 1931 wurde hier Musik aufgenommen, lange Zeit hieß das Aufnahmestudio nach seinem Besitzer EMI Recording Studio. Dann, vor genau 50 Jahren, spielten die Beatles ein gewisses Album namens Abbey Road ein. Und das Studio wurde prompt umbenannt.


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Weltberühmt, zumindest in der Musikindustrie, war das Studio da schon lange. Auch wenn wir diesen Ort heute zuallererst mit den Beatles in Verbindung bringen, die zwischen 1962 und 1970 fast alle ihrer Alben hier aufnahmen und diese Räumlichkeiten weltweit zu einem Wallfahrtsort machten, darf man diesen heiligen Gral der Aufnahmestudios nicht nur auf die größte Band der Welt beschränken.

Die Zeit vor den Beatles

Los ging es schon früher. Viel, viel früher. Seit 1958 ging Cliff Richard ein und aus in der Abbey Road, 1959 nahm Connie Francis hier gleich mehrfach auf. Mit Cliff Richard gastierte 1959 erstmals auch eine britische Band in den heutigen Ruhmeshallen des Rock’n’Roll, die damals noch unter dem Namen The Drifters unterwegs war und lange Jahre als Backing-Band Richards agierte. Später nannten sie sich The Shadows und wurden selbst zu Stars. Mit Fender-Gitarre und Vox-Verstärker platzierte man eine Single nach der anderen in den britischen Charts.

Bis das Jahr 1963 die jungen Beatles zur Tür hereinwehte, um ihr Debüt Please Please Me auf Band zu bringen, wurden die Abbey Road Studios fast ausschließlich von den Shadows genutzt. Die waren auch weiterhin die Hausband der Studios und alle paar Wochen zu Gast, um einen neuen Song aufzunehmen. Die Ouvertüre der Beatles-Mania rückte das Studio mehr und mehr auch in den Fokus anderer Künstler: The Hollies, Donovan und natürlich Pink Floyd schrieben hier Musikgeschichte. Letztere entschieden schnell, dass die Abbey Road Studios der ideale Ort für ihre weltverändernde Musik war und nahmen fast ausschließlich in St John’s Wood auf – The Dark Side Of The Moon inklusive.

Enthüllt: Die Beatles planten Abbey Road-Nachfolger!

Hier kommen fünf legendäre Alben aus den Abbey Road Studios:

The Beatles – Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967)

Wenn ein Album für die überbordend visionäre, couragierte und offene Arbeitsweise der Beatles steht, dann ja wohl dieses. Sie wussten eh, dass sie das Material niemals live spielen würden, schlüpften kurzerhand in die Rolle der vier Kunstfiguren – und feuerten aus allen Rohren. Fünf Monate gönnte man sich für die Aufnahmen, vollkommen unerhört damals und für nicht wenige vorschnelle Kritiker*innen ein untrügliches Anzeichen dafür, dass den Beatles die Ideen ausgegangen waren. Mit Produzent George Martin und Techniker Geoff Emerick nutzten sie das Studio erstmals als Instrument, arbeiteten mit Overdubs, Effekten und Manipulation der Bänder. Wahnsinnig, ja. Aber vor allem wahnsinnig genial.

George Harrison – All Things Must Pass (1970)

Die Beatles gab es nicht mehr, als George Harrison sein drittes Soloalbum aufnahm. Er brauchte sie zu diesem Zeitpunkt aber auch gar nicht: All Things Must Pass zeigt auf drei LPs, dass er zu Unrecht lange im Schatten von Lennon und McCartney stand. Auch er gönnte sich lockere fünf Monate im Studio, lud sich Eric Clapton, Ringo Starr oder Klaus Voormann ein und nahm das Album mit dem notorischen wild child Phil Spector auf. Richtig – ebenjenem Produzenten, der erst die Wall of Sound erfand und 2009 wegen Totschlags verurteilt und inhaftiert wurde.

Pink Floyd – The Dark Side Of The Moon (1973)

Über das, was die Beatles so alles mit ihrer Technik und den Aufnahmegeräten in den Abbey Road Studios anstellten, konnten Pink Floyd 1973 wahrscheinlich nur müde lächeln. Sicher, die Beatles hatten die Tür zur hohen Kunst der Aufnahme geöffnet. Pink Floyd traten aber durch sie hindurch und entdeckten den riesigen Dschungel der Möglichkeiten, der sich dahinter verbarg. Aufgenommen zwischen Mai 1972 und Januar 1973 mit Alan Parsons, läutete The Dark Side Of The Moon eine neue Ära des Produzierens ein. 16-Spur-Mixe beispielsweise – ein himmelweiter Unterschied zu den bislang üblichen vier oder acht Spuren. Für Money wurden dann auch noch Loops von klingenden Münzen aufgenommen und verfremdet wiedergegeben. Heute üblich, damals vollkommen neu.

The Alan Parsons Project – Tales of Mystery and Imagination (1976)

Die Karriere des Alan Parsons ist hauteng mit der Geschichte der Abbey Road Studios verknüpft. 1967, mit gerade mal 18 Jahren, begann Parsons hier als technischer Assistent. Auf Abbey Road von 1969 wird er erstmals in den Credits erwähnt. Seine Arbeit an The Dark Side Of The Moon brachte ihm eine Grammy-Nominierung ein. Also war es irgendwie klar, dass er sein erstes Album ebenfalls in dem Studio aufnehmen würde, das er so gut kannte. Er schlug das Angebot Pink Floyds aus, mit ihnen an Wish You Were Here zu arbeiten, um lieber Tales Of Mystery and Imagination aufzunehmen. Und lebte sich erwartet lustvoll zwischen Effekten, Vocoder-Passagen und technischen Spielereien aus.

Nick Cave And The Bad Seeds – No More Shall We Part (2001)

In den vergangenen 20 Jahren wurden die Abbey Road Studios zur ersten Adresse für Filmmusikaufnahmen außerhalb der Vereinigten Staaten. Dennoch gab es auch im neuen Jahrtausend zahllose ikonische Bands und Künstler, die die besondere Magie jener Pilgerstätte für ihre Musik anzapfen wollten. Wie Nick Cave, der endlich von Heroin und Alkohol loskam und vier Jahre nach The Boatman’s Call endlich wieder ein Album mit seinen Bad Seeds aufnahm.

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