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Popkultur

Zeitsprung: Am 18.6.2011 steht Amy Winehouse in Belgrad auf der Bühne – ein letztes Mal.

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Amy Winehouse 2011 - Foto: Bryan Adams/Universal

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.6.2011.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Ein glanzvolle Rückkehr sollte es werden. Die Proklamation, dass die fragile Soul-Ikone ihre Dämonen besiegen konnte. Als Amy Winehouse am 18. Juni 2011 in Belgrad die Bühne betritt, gibt es große Hoffnungen – und eine herbe Enttäuschung. Fans und Medien befürchten gleichermaßen das Schlimmste. Leider sollen sie Recht behalten.

Hört hier in Amys EP Live In Germany rein und erinnert euch an die Glanzleistungen der Künstlerin:

Die Nullerjahre für Amy Winehouse als Achterbahnfahrt zu bezeichnen, kommt einer Untertreibung gleich: Erst kürt man die Tochter eines Taxifahrers und einer Apothekerin dank ihres Debüts Frank (2003) zum Szeneliebling in Sachen Soul und Jazz, beim Nachfolger Back To Black wechselt drei Jahre später ihr Fokus auf die Girlgroups der Fünfziger und Sechziger. Nun liegt ihr die ganze Welt zu Füßen, nicht zuletzt wegen der zerbrechlich-ehrlichen Texte, zu denen sie häufig Ehemann Blake Fielder-Civil inspiriert. Die Alkohol- und Drogeneskapaden des Paares zieren britische Klatschblätter und das Schiesser-Feinripp Amys zunehmend schmale Schultern.

Achterbahnfahrt mit medialer Dauerbegleitung

Dann der Wendepunkt: Das „Duo Infernale“ lässt sich 2009 scheiden. Winehouse haut zwischenzeitlich ab auf die Karibikinsel St. Lucia, trennt sich von ihrer charakteristischen „Beehive“-Frisur und macht einen beinahe gesunden Eindruck. Von neuer Musik ist die Rede, von der Rückkehr dieser einzigartigen Stimme, die pro Generation wohl höchstens einmal vorkommt. Ihr Label scheint zuversichtlich, sodass man für den Festivalsommer 2011 endlich wieder Konzerte bucht.

Im Frühjahr schon muss sie jedoch ein Konzert in Dubai abbrechen, wirkt desorientiert und angetrunken. Für die Medien ein gefundenes Fressen, man spekuliert auf ihr Versagen. Aufenthalte in Entzugskliniken sollen bei der Abstinenz helfen. Dennoch stehen weiterhin zwölf Europa-Termine im Kalender der Britin. Als sie diese Tour am 18. Juni beginnen soll, ist das Desaster vorprogrammiert.

Dem Druck nicht gewachsen

Winehouse betritt im serbischen Belgrad eine Stunde zu spät die Bühne des Tuborg Festivals. 20.000 verärgerte und besorgte Fans stehen ihr gegenüber und verlangen nach Unterhaltung, doch zu dieser ist die Künstlerin nicht mehr in der Lage. Amy stolpert über die Bühne, bringt kaum eine Textzeile über die Lippen und schaut immer wieder hilfesuchend nach ihrer Band. Die unterstützt sie nach Leibeskräften, aber den sehr sichtbaren Zusammenbruch kann sie nicht überspielen

Der Musiker Moby, der an diesem Abend den Headliner macht, erinnert sich wenig später: „Ich wusste in dem Moment, als ich aus dem Auto stieg, dass etwas nicht stimmt. Die Buh-Rufe waren lauter als die Musik.“ Die Entscheidung, die junge Frau in diesem fragilen und offenbar gefährdeten Zustand auf die Bühne zu stellen, erschließt sich uns nicht. Der Nachhall fällt entsprechend harsch aus: Serbische Medien verurteilen den Auftritt als den „schlimmsten, der je in Belgrad stattgefunden hat“; die restlichen Konzerte der Tour finden nicht statt.

Letztes Kapitel mit traurigem Ende

Erneut der medialen Schadenfreude ausgesetzt, zieht sich Amy in ihre Wohnung im Londoner Stadtteil Camden zurück. Nur wenig später, am 23. Juli, findet ihr Bodyguard sie dort tot auf, und Winehouse tritt in den tragischen „Klub 27“ ein. Ihr Auftritt am 18. Juni gilt als ihr letzter.

Das Vermächtnis dieser großen Musikerin feiern wir jedoch lieber mit gelungenen Mitschnitten und ihren wahnsinnig guten Texten: „Over futile odds / And laughed at by the gods / And now the final frame / Love is a losing game“

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