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Popkultur

Eine Dekade Rock: Die 20 besten Alben von 2010 bis 2019

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Beste Rock-Alben der Dekade

Die Rockmusik dominiert zwar nicht mehr die Hitparaden dieser Welt, weiß aber auch heute noch durch Qualität zu überzeugen. Wir haben 20 Musterbeispiele dafür zusammengetragen und geschaut, welche Gruppen und Alben in den Jahren von 2010 bis 2019 ganz besonders überzeugen konnten.

von Timon Menge, Björn Springorum und Markus Brandstetter

Deftones – Diamond Eyes (2010)

Eigentlich arbeiten die Deftones im November 2008 ja an einer Platte mit dem Arbeitstitel Eros. Doch dann kommt alles ganz anders: Gründungsbassist Chi Cheng erleidet einen schweren Autounfall, fällt ins Koma und wacht bis zu seinem Tod im April 2013 nie wieder daraus auf. Eros verschwindet im Archiv, stattdessen nehmen die Kalifornier Diamond Eyes in Angriff. Der Hintergrund: Als Reaktion auf Chengs Unfall möchte die Gruppe kein düsteres Album veröffentlichen, sondern ein optimistisches. Das Ergebnis: eine der feinfühligsten und überraschendsten Deftones-Platten überhaupt. ™

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Arcade Fire The Suburbs (2010)

Spätestens Mitte der 2010er-Jahre ist sonnenklar: Arcade Fire sind die größte Indie-Band der Welt. Den Einstand in die 10er-Jahre feiert die Band rund um Vin Butler mit jenem Album, das bei vielen Fans und Kritikern als ihr bestes überhaupt gilt: The Suburbs erscheint 2010 und perfektioniert den Arcade-Fire-Sound in jeglicher Hinsicht. Das Album ist eingängiger, atmosphärischer, dichter, gekonnter und vielschichtiger denn je – und gewinnt dann auch konsequenterweise im Folgejahr den Grammy für das Album des Jahres. (mb)

Foo Fighters – Wasting Light (2011)

Auf Wasting Light zitieren die Foo Fighters ihre Anfangstage. So handelt es sich bei der Platte um das erste gemeinsame Album mit Gitarrist Pat Smear seit The Colour And The Shape (1997). Außerdem schlagen die Alternative-Rocker um Dave Grohl einen Produktionsweg ein, der im 21. Jahrhundert doch recht ungewöhnlich daherkommt, und spielen das Album komplett analog ein. Dafür engagieren sie niemand geringeren als Butch Vig, den Produzenten des legendären Nirvana-Albums Nevermind (1991). Qualitativ übertreffen sich die Foo Fighters mit der Scheibe selbst und veröffentlichen eine der stärksten Platten ihrer Diskografie. ™

The Black KeysEl Camino (2011)

Nachdem The Black Keys im Jahr 2010 mit Brothers endlich den lang erhofften und neun Jahre lang angepeilten Durchbruch schafften, legen sie schon ein Jahr später bockstark nach: El Camino, Album sieben, wurde erstmals in Dan Auerbachs neuem Easy Eye Sound Studio in Nashville aufgenommen und ist bis heute das Black-Keys-Album schlechthin. Wieder produziert von Danger Mouse, arbeiten sich Auerbach und Patrick Carney hier an den Stilistiken der Fünfziger, Sechziger und Siebziger ab und schaffen es, dass Rock’n’Roll, Surf Rock, Soul und Rockabilly so sehr aus einem Guss klingen wie niemals zuvor. Und bis heute auch niemals wieder. (bs)

Stone Sour – House Of Gold And Bones, Part 1 (2012)

Das vierte Stone-Sour-Album markiert für die Gruppe einen Neuanfang. Bassist Shawn Economaki hat die Band gerade verlassen, also übernimmt Skid-Row-Tieftöner Rachel Bolan die vier Saiten auf House Of Gold And Bones, Part 1. Dass es einen zweiten Teil geben wird (House Of Gold And Bones, Part 2) kündigt Frontmann Corey Taylor bereits vor der Veröffentlichung der ersten Hälfte an. Den Sound des Albums bezeichnet er als Mischung aus The Wall (1979) von Pink Floyd und Dirt (1992) von Alice In Chains. Große Worte, aber Taylor nimmt den Mund damit nicht zwangsläufig zu voll. ™

Baroness – Yellow & Green (2012)

Bei Baroness kann man sich ja durchaus fragen, welches Album zum Teufel eigentlich nicht in diese Liste gehört. Wir entscheiden uns jetzt mal für Yellow & Green, das dritte Album der Metal-/Rock-Hydra aus Georgia. 2012 erschienen, markiert es einen atmosphärischen und melodischen Wendepunkt hin zu einem innigen, emotionalen und furiosen Rock-Sound, besonders gut versinnbildlicht im unvergesslichen Take My Bones Away. Hier spielt eine Band, die neue Facetten an ihrem Sound entdeckt hat und sie konsequent zu Ende denkt. So schön, man kann gar nicht weghören. (bs)

Muse – The 2nd Law (2012)

Groß, größer, Muse: 2012 legen die Engländer mit The 2nd Law ein ausgemachtes Bombast-Rock-Spektakel vor. Manche Fans mochten die rohe Kante früherer Muse-Werke vermissen, doch in Sachen anspruchsvollem Rock-Entertainment kam in diesem Jahr niemand an dieser Band vorbei. Vom schleppenden Groove des Openers Supremacy (Led Zeppelin trifft Queen trifft Bond-Soundtrack) über das unterkühlt-trippige Madness bis zum sinfonischen Dubstep-Titeltrack erweitern Muse ihren Klangkosmos um Lichtjahre und bringen gefühlt hundert musikalische Welten stimmig zusammen. (bs)

Alice In Chains – The Devil Put Dinosaurs Here (2013)

Mit The Devil Put Dinosaurs Here erfinden Alice In Chains im Jahr 2013 zwar nicht das Rad neu, stellen aber eindrucksvoll unter Beweis, dass hier eine Band am Werk ist, die ihren Sound über die Jahrzehnte perfektioniert hat. So treffen Songs wie Hollow, Stone, Voice und Breath On A Window den Nagel derart auf den Kopf, dass keine Wünsche offen bleiben. Kurzum: Mit ihrem fünften Studioalbum veröffentlichen die Grunge-Legenden aus Seattle eine Best-Of-Platte, ohne dabei auf altes Material zurückgreifen zu müssen. Ganz großes Kino. ™

Queens Of The Stone Age – …Like Clockwork (2013)

Sechs Jahre nach Era Vulgaris melden sich Queens Of The Stone Age 2013 mit dem Longplayer …Like Clockwork zurück. Für Bandchef Joshua Homme ist das Album der Befreiungsschlag aus einer schwierigen Phase: Nach einer Operationen war er vier Monate lang außer Gefecht gesetzt, litt an Depressionen. Like Clockwork ist die Abarbeitung der Dunkelheit – da ist es nur passend, dass es mitunter auch ganz schön düster werden kann. Ein bemerkenswertes Album, das die liebgewonnen Trademarks der Band immer wieder aufblitzen lässt, aber auch ganz neue Wege einschlägt. (mb)

St. Vincent St. Vincent (2014)

Eine Partyplatte, die man auch auf Beerdigungen spielen kann – so beschreibt Annie Clark alias St. Vincent ihren vierten, selbstbetitelten Longplayer. Das trifft es auch ziemlich gut: Das Album, irgendwo zwischen Art Rock und geräuschlastigem Pop, ist selbst dann eingängig, wenn es thematisch in die schmerzhaften Gefilde der menschlichen Existenz geht. St. Vincent strotzt auf dem Album nur so vor Selbstvertrauen – das macht auch die Cover-Pose auf dem Thron deutlich. Mit dem Longplayer konnte sie bei Fans wie auch bei Kritikern punkten und einen Grammy für Best Alternative Music Album mit nach Hause nehmen. (mb)

Sharon Van Etten – Are We There (2014)

„I sing about my fear and love and what it brings“, singt Sharon Van Etten im Stück I Know. Das hat die Musikerin aus New Jersey bis dahin noch nie so eindrucksvoll getan wie auf ihrem vierten Album, das auf dem renommierten Indie-Label Jagjaguwar erscheint. Are We There ist eines der bemerkenswertesten Singer/Songwriter-Alben der 2010er-Jahre, ergreifend, atmosphärisch und mit intensiven, stetig anschwellenden orchestralen Arrangements. (mb)

Rival Sons – Great Western Valkyrie (2014)

2014 ist der Retro-Trend in vollem Schwung. Die Hosen haben Schlag, die Bärte sind lang, Orange-Verstärker stellen alle Bühnen voll. Eine Band stach schon davor immer wieder heraus: Die Rival Sons aus Kalifornien machen damals schon fünf Jahre lang Musik und legen die Messlatte mit ihrer vierten LP Great Western Valkyrie so schwindelerregend hoch, dass man nur staunen kann. Besser kann man klassischen Hard Rock nicht spielen, besser kann man ihn nicht singen oder schreiben. Ein tadelloses Album einer tadellosen Band, die vollkommen zurecht über den grünen Klee gelobt wird. (bs)

Marilyn Manson – The Pale Emperor (2015)

Irgendwann Anfang der 2000er-Jahre, kurz nach Holy Wood, wurde es ein wenig langweilig mit Marilyn Manson. Nachdem er einige starke und bemerkenswerte Alben veröffentlicht und seine Kunstfigur etabliert hatte, hatte man viele Jahre lang das Gefühl, es würde irgendwie am zündenden Gedanken, an Inspiration fehlen. 2015 atmen viele auf. Denn auch wenn Manson bislang nie mehr in seine Form der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre zurückfinden sollte: Mit The Pale Emperor kehrt er zumindest so gut wie schon seit anderthalb Dekaden nicht mehr zurück. (mb)

Steven Wilson – Hand. Cannot. Erase. (2015)

Steven Wilson kann man eigentlich gar nicht genug feiern. Er ist der legitime Alan Parsons unserer Zeit, ein musikalisches Universalgenie und ein Prog-Versteher wie es ihn eigentlich kein zweites Mal gibt. Sein Konzeptalbum Hand. Cannot. Erase (2015) hat die Macht, zu Tränen zu rühren, zum Strahlen zu bringen, zum Nachdenken anzuregen. Vor allem aber ist es ein reifes, intelligentes und dennoch von Herzen kommendes, fesselndes Stück Musik über Entfremdung und Einsamkeit. Zeitgemäß, schmerzhaft schön und unendlich ergiebig – ein moderner Klassiker, ganz klar. (bs)

Tame Impala – Currents (2015)

Hinter dem Bandnamen Tame Impala verbirgt sich keine Band, sondern vor allem Mastermind Kevin Parker. Im Fall Currents geht der konsequent den Weg, den er auf den ersten beiden Alben des poppigen Psychedelic-Projektes angedeutet hat. So schreibt, spielt und produziert er die Platte vollständig im Alleingang, ohne dabei auf Gastmusiker zurückzugreifen. Sogar das Konzept für das Artwork entwickelt er selbst. Hut ab vor so viel Eigenregie und dem starken Endergebnis, das dabei herumgekommen ist. ™

Ghost – Meliora (2015)

2015 ist das Jahr, in dem aus Ghost Superstars werden. Was sich in den Jahren zuvor in Undergroundkreisen schon längst angekündigt hat, manifestiert sich praktisch über Nacht im ganz großen Entertainment-Stil. Meliora, Album drei der schwedischen Teufelsrocker, zeigt erstmals, dass Ghost vor allem eines sind: Die wahrscheinlich größten Songschreiber der düsteren Zunft. Metal, Pop und Satan kommen erstmals zu einem unheiligen Fest zusammen, das die Hits From The Pinnacle To The Pit oder Mummy Dust hervorbringt. Einen Grammy gibt es für Cirice, wenig später spielt die Band um den diabolischen Papst am Mikrofon in den größten Hallen. Und mit dem Nachfolger Prequelle (2018) steigen Ghost endgültig in die Top-Riege der Rockstars auf. (bs)

Kadavar – Berlin (2015)

Alles, was Berlins Power-Trio Kadavar anfasst, ist Gold wert. Ihr rohes Debüt ebenso wie ihr letztes, betont finsteres Epos For The Dead Travel Fast. Am allercoolsten klingt die Band aber 2015, als sie ihrer Heimatstadt mit Berlin ein unvergleichliches Denkmal setzt. Mit Elan, Feuer, Chuzpe und Lässigkeit rocken sich Deutschlands Classic-Rock-Anführer durch Hard Rock, Proto-Metal, Psychedelic Rock und Doom. Derart verdichtet, explosiv und stramm nach vorn marschierend klingt keine andere deutsche Rockband. (bs)

David Bowie – Blackstar (2016)

Am 8. Januar 2016 erscheint David Bowies letztes Werk Blackstar. Wie schon beim Vorgängeralbum The Next Day fanden die Arbeiten an der Platte unter absoluter Geheimhaltung statt. Bowie, zu dieser Zeit bereits schwer krebskrank, engagierte für die Aufnahmen einige namhafte New Yorker Jazzmusiker. Als man die Platte – sie erscheint an Bowies 69. Geburtstag – zu hören bekommt, stößt man immer wieder auf Anspielungen auf den Tod. Leider soll dieser schon viel zu bald kommen: Nur zwei Tage nach Albumveröffentlichung stirbt mit David Bowie einer der größten Pop-Künstler aller Zeiten. Sein letztes Werk ist ein famoser Schlusspunkt zwischen Art-Rock und Jazz – und beschert ihm sein erstes Nummer-Eins-Album in den US-Charts. (mb)

Judas Priest – Firepower (2018)

Die 2010er-Jahre sahen auch einige gute Momente für klassischen Heavy Metal. So begibt sich 2018 der „God Of Metal“ – gemeint ist natürlich Rob Halford – unter uns Normalsterbliche, um gemeinsam mit Judas Priest den Longplayer Firepower zu veröffentlichen. Dabei geht es vor allem darum, das Erbe der Band und die Quintessenz des Judas-Priests-Sounds wieder aufleben zu lassen. Große Neuerungen gibt es keine, dafür eine zeitgemäße Produktion, gute Songs, Halford in Topform und auch interessante Gitarrenarbeit von Tipton/Faulkner und streckenweise sehr gute Songs. (mb)

Rammstein – Rammstein (2019)

Ganze zehn Jahre haben Rammstein sich Zeit gelassen, bevor sie ihre internationale Fangemeinde 2019 mit einem neuen Studioalbum beglücken. Dafür kommen die NDH-Veteranen mit Karacho zurück: Nach dem Motto „all killer, no filler“ veröffentlichen Till Lindemann und Co. mit Rammstein eine Platte, die keine Wünsche offen lässt und die Gruppe von ihrer kreativsten, facettenreichsten und knackigsten Seite zeigt. Das Warten hat sich also gelohnt. ™

Von Heino bis Woodstock: Die größten WTF-Momente der vergangenen Dekade

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Popkultur

Ohrfeigen, Improvisation & die Hells Angels: 6 Anekdoten, die nur aus dem Leben von Janis Joplin stammen können

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Janis Joplin

Janis Joplin stach schon von Anfang an heraus: Ihre verklemmte texanische Heimatstadt ließ sie mit 17 hinter sich, um in Los Angeles in Kneipen und Bars aufzutreten. Ihre monströse Reibeisenstimme machte aus jedem simpel gestrickten Blues-Stück einen ikonischen Soundtrack der Flower-Power-Zeit und ihr ungebremst hemmungsloses Leben erzählt legendäre Geschichten – bis zum tragischen, viel zu frühen Ende.

von Timo Diers

Nicht alle dieser Geschichten sind groß oder besonders lang. Aber so verrückt, dass sie nur von ihr stammen können. Sechs solcher typischen Janis-Joplin-Momente haben wir hier für euch aufgeschrieben.

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Hört hier in die Greatest Hits von Janis Joplin rein:

1. Sie schlug Jim Morrison eine Whiskeyflasche über den Kopf.

Joplins Vorliebe für Southern Comfort sollte hinlänglich bekannt sein – davon könnte wahrscheinlich auch Jim Morrison berichten, der die junge Sängerin bei einer Party in Hidden Hills, Kalifornien kennenlernte. Wie für Morrison üblich, betrank er sich und verwandelte sich von einem charmanten jungen Mann in einen ungehobelten Raufbold. Die beiden verstanden sich zunächst gut. Doch irgendwann war Joplin von Morrisons Art so dermaßen genervt, dass sie die Party frühzeitig verlassen wollte. Aber der Doors-Sänger war hartnäckig und wollte sie am Wegfahren hindern – da zog sie ihm kurzerhand eine Whiskeyflasche über den Kopf.

2. Sie sprang bei Tina Turner auf die Bühne und gab ein Impromptu-Duett.

Als Janis Joplin in der Dick Cavett Show nach ihren Lieblingskünstlern gefragt wurde, war die Antwort eindeutig: „Tina Turner – die beste Braut aller Zeiten!“ Und das war noch bevor Tina Turner auch nur in die Nähe des Popstar-Daseins kam. Als Ike & Tina Turner 1969 für die Rolling Stones im Madison Square Garden eröffneten, stand Joplin zunächst am Bühnenrand und beobachtete die Show. Sie war flammender Fan von Tina. Als dann Land Of 1000 Dances angestimmt wurde, sprang sie für ein spontanes Duett auf die Bühne. Leider gibt es von dem Auftritt nur einige wenige Fotos.

3. Sie gab Jerry Lee Lewis eine saftige Ohrfeige.

Das letzte Mal, dass Laura Joplin ihre große Schwester sah, war 1970. Damals kam Janis zurück nach Texas, um bei ihrem 10-jährigen High-School-Jubiläum dabei zu sein. In derselben Nacht nahm sie ihre Schwester mit zu einem Jerry-Lee-Lewis-Konzert. Als sie ihn später Backstage trafen, sagte er zu Laura: „Du würdest gar nicht mal so schlecht aussehen, wenn du nicht versuchen würdest, wie deine Schwester zu sein.“ Janis konterte nicht, sondern scheuerte ihm direkt eine.

4. Sie improvisierte einen ihrer größten Hits.

„Oh Lord won’t you buy me a Mercedes Benz?“ Ihre Stimme ist rau, ganz nah am Mikrofon, kein anderes Instrument begleitet sie. Mercedes Benz geht keine zwei Minuten – ist eigentlich das genaue Gegenteil eines Rock-Hits. Und doch ist es einer ihrer bekanntesten Songs. Co-Writer Bob Neuwirth erinnert sich:

„Früher haben wir auf diesen fetten 16-Zoll-Bandmaschinen aufgenommen. Aber Paul Rothchild, der Produzent, ließ immer eine kleine Zwei-Spur-Bandmaschine mitlaufen, falls jemand eine gute Idee hatte und etwas improvisiert. An einem Tag sind die großen Bandmaschinen kaputtgegangen und wir mussten warten, bis wir mit den Aufnahmen weitermachen konnten. Um die Stimmung etwas zu entspannen, sagte Janis ‚Habt ihr schon meinen neuen Hit gehört?’ und improvisierte einfach Mercedes Benz.“

So wurde einer ihrer größten Songs auf einer kleinen Zwei-Spur-Bandmaschine aufgenommen. An dem Tag bekam Neuwirth einen Einblick in Janis’ einzigartige Persönlichkeit: „Diese pure Kraft und das Charisma machen den Song so besonders – dieses Kichern am Ende. Das ist so Janis!“

5. Sie brachte die Hells Angels dazu, für sie einkaufen zu gehen.

Es klingt nach einer ungewöhnlichen Kombination, aber Janis Joplin war gut mit den Hells Angels befreundet. Sie stand zeitweise sogar unter persönlichem Schutz der Rockergang. Eines Nachts wurden Joplin und ihr Freund David Niehaus von Geräuschen im Wohnzimmer ihres Hauses in Marine County wach. Einbrecher? So ungefähr. Fünf Hells Angels waren grade dabei, Joplins Kühlschrank nach etwas Essbaren zu durchwühlen. Und als der schmächtige Niehaus nicht so recht wusste, wie er den bewaffneten Rockern beibringen sollte, doch bitte wieder zu gehen, nahm Joplin die Sache selbst in die Hand. Sie machte die Fünf so dermaßen zur Schnecke, dass sie ein paar Nächte später wiederkamen – dieses Mal beladen mit Einkäufen, um den Kühlschrank wieder aufzufüllen.

6. Sie schmiss selbst postum noch eine Party für ihre Freunde.

Als Janis Joplin am 4. Oktober 1970 von ihrem Road Manager John Cooke tot aufgefunden wurde, stand die Musikwelt unter Schock. Sie war erst 27 Jahre alt, doch einen letzten Willen hatte sie schon verfasst. Darin war auch vermerkt, dass 2500 Dollar aus ihrem Vermögen für eine Party mit ihren Freunden eingesetzt werden sollen – als „ein letztes Zeichen der Wertschätzung und des Abschieds“. Also organisierte John Cooke eben diese Party als Totenwache im The Lion’s Share, einem Musikclub in San Anselmo, Kalifornien. Auf der Einladung hieß es, die Getränke gingen auf Pearl. So wurde Joplin von ihren Freunden genannt.

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Zeitsprung: Am 4.10.1970 stirbt Hippie-Ikone Janis Joplin.

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Zeitsprung: Am 19.1.1949 kommt Robert Palmer zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Robert Palmer gehört zu den unterschätzten Personen der Rockgeschichte. Von 1974 bis 2003 veröffentlicht er (mehr oder weniger) starke Alben, beweist ein besonderes Gespür für Coversongs und gewinnt zahlreiche Preise, unter anderem einen Grammy. Hits wie Bad Case Of Loving You und Addicted To Love kennt jeder. Am 19. Januar hätte der 2003 verstorbene Musiker seinen Geburtstag gefeiert.

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Hört hier in die besten Songs von Robert Palmer rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Stücke.

Kindheit und Jugend

Robert Palmer kommt 19. Januar 1949 in Batley zur Welt. Noch im selben Jahr zieht die Familie nach Scarborough, sein Vater arbeitet als britischer Offizier in Malta. Die Musik entdeckt Palmer bereits in jungen Jahren, er hört unter anderem Blues, Jazz und Soul im American Forces Radio — Einflüsse, die ihn sein Leben lang begleiten. Schnell greift er selbst zur Gitarre, außerdem trommelt er die ersten Takte auf dem Schlagzeug. Mit 15 tritt der junge Musiker The Mandrakes bei, im Alter von 20 Jahren kündigt er seinen Job als Grafikdesigner und zieht mit Sack und Pack nach London, um die dortige Künstlerszene zu erobern.




Die Siebziger

Nach kurzen Mitgliedschaften in den Jazzgruppen The Alan Bown Set und Dada gründet Palmer im Jahr 1971 die Band Vinegar Joe, mit der er drei Alben einspielt. 1974 gehen die Musiker getrennte Wege, Palmer orientiert sich in Richtung Solokarriere. Sein Debüt Sneakin’ Sally Thru The Alley erscheint noch im selben Jahr, doch der Brite trifft nicht den richtigen Nerv: Das Blues-/Funk-Album erregt keine große Aufmerksamkeit und bleibt in den meisten Plattenregalen liegen.



Er beschließt, nach New York zu ziehen, doch sein zweites Soloalbum Pressure Drop (1975) floppt ebenfalls. Mit Album Nummer drei, Some People Can Do What They Like (1976), stellen sich erste kleine Erfolge ein. Erneut siedelt Palmer um, diesmal auf die Bahamas. Keine schlechte Wahl, offensichtlich auch in musikalischer Hinsicht: Nach einem Umweg über die Veröffentlichung der Soul- und Disco-beeinflussten Rockplatte Double Fun (1978) landet er 1979 seinen ersten Hit mit dem Moon Martin-Cover Bad Case Of Loving You. Zu finden ist der Song auf dem Album Secrets (1979), für das Palmer erstmals eine eigene Band zusammenstellt. Die Scheibe markiert seinen Durchbruch in den USA.



Die Achtziger

Das Jahr 1980 verschafft ihm auch den europäischen Durchbruch, zeitgleich entdeckt Palmer die New Wave. Das verstärkt mit Synthesizern arbeitende Clues stürmt die Top Ten in Frankreich und Deutschland; in Schweden reicht es sogar zu Platz eins. Der Song Looking For Clues erklimmt Platz drei der deutschen Charts, die spätere EP-Veröffentlichung seiner Coverversion von Some Guys Have All The Luck funktioniert ebenfalls. Seine nächste Platte Pride (1983) orientiert sich an ähnlichen Einflüssen, lässt qualitativ aber ein wenig nach.



1984 gründet er die Supergroup The Power Station gemeinsam mit John und Andy Taylor von Duran Duran sowie Tony Thompson von Chic. Seine Solokarriere hängt Palmer vorerst an den Nagel, aber schon eine erfolgreiche Veröffentlichung und eine gemeinsame TV-Performance später verlässt er die Band wieder und bringt mit Riptide (1985) sein erfolgreichstes Album auf den Markt, das zudem einen seiner größten Hits enthält. So belegt Addicted To Love drei Wochen lang Platz eins der US-Charts und verschafft ihm sogar eine Grammy-Nominierung. 1988 landet auch Rockröhre Tina Turner einen Treffer mit dem Song.



1987 verschlägt es den Briten nach Lugano (Schweiz), wo er sich ein eigenes Tonstudio aufbaut. Er schreibt die Filmmusik für Sweet Lies (1988), zusätzlich nimmt er die Arbeit an seinem etwas härteren Erfolgsalbum Heavy Nova (1988) auf. Der Hit Simply Irresistible verschafft ihm erneut eine Grammy-Nominierung, diesmal erhält er auch die Auszeichnung.


Die Neunziger

Zu Beginn des neuen Jahrzehnts singt Palmer seinen nächsten Langspieler Don’t Explain (1990) ein, das auch den Song I’ll Be Your Baby Tonight enthält, eine Kollaboration mit der Reggae-Gruppe UB 40. 1992 veröffentlicht er Ridin’ High und lässt eine Menge Jazz in seine Musik einfließen — leider nicht zur Freude seiner Anhänger. Generell gestaltet sich das Verhältnis zwischen Palmer und seinen Fans in den kommenden Jahren schwierig. Er weigert sich, im Rahmen seiner Konzerte ältere Songs zu spielen und stößt seine Anhänger damit vor den Kopf. Seine nächste Veröffentlichung Honey (1994) verkauft sich nicht unterirdisch, kann aber bei weitem nicht an vergangene Erfolge anknüpfen.



1996 reanimiert er die Gruppe The Power Station, mit Living In Fear veröffentlicht die Band ohne großen Erfolg ein Reunionalbum. Gegen Ende des Jahrzehnts wird es ruhig um den britischen Musiker. Sein vorletztes Werk Rhythm & Blues (1998) kommt schlechter an als beinahe alle seine Veröffentlichungen der vergangenen Jahrzehnte.



Sein letztes Album

Am 12. Mai 2003 erscheint mit Drive der letzte Eintrag in der Diskografie von Robert Palmer. Statt eigenes Material zu schreiben, covert er Songs von J. B. Lenoir, Keb’ Mo’, ZZ Top und Elvis Presley. Die Platte verschafft ihm gute Rezensionen und ein wenig Aufwind, verkauft sich allerdings erneut eher schlecht als recht. Am 26. September desselben Jahres stirbt Palmer in Paris überraschend an einem Herzinfarkt. Er wurde nur 54 Jahre alt. Von 1970 bis 1993 war er mit seiner Frau Sue verheiratet, das Paar hat zwei Kinder.


Zeitsprung: Am 24.10.2013 gibt Tina Turner ihren US-Pass ab.

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Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.1.1974.

von Christof Leim

Im Januar 1974 spielen Fleetwood Mac Konzerte in den USA. Das wäre eigentlich ein Grund zur Freude für Classic Rock-Fans, doch leider steht da niemand auf der Bühne, der auf den aktuellen Platten oder den letzten Touren gespielt hat. Anders formuliert: Nur der Name Fleetwood Mac geht auf Tour, die Band blöderweise nicht. Das finden Besucher und Veranstalter natürlich befremdlich, zumal sie das oft erst am Showtag erfahren. Was ist da passiert und wer steckt hinter den „Fakewood Mac“?

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Hört hier in die damals aktuelle Platte Mystery To Me rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Wer sich Anfang 1974 ein Konzertticket für Fleetwood Mac kauft, der erwartet auf der Bühne die Musiker der gerade neuen Platte Mystery To Me: Schlagzeuger Mick Fleetwood und Bassist John McVie zum Beispiel, dazu Sängerin Christine McVie und die Gitarristen Bob Welch und Bob Weston. Doch schon bei der ersten Show der Tour am 18. Januar 1974 ist keine einzige Person dieses Line-ups anwesend. Niemand. Stattdessen spielen fünf Unbekannte Fleetwood Mac-Songs.

Da muss also etwas vorgefallen sein. In einem Artikel des Rolling Stone von damals erzählt der Manager Clifford Davis: „Ich habe mich entschieden, etwas an der Band zu ändern, insbesondere auf der Bühne. Und das habe ich getan. Ich war immer schon der Anführer, der entscheidet, wer mitspielt und wer nicht.“ Eine krasse Ansage, aber Davis geht noch weiter: „Ich möchte endlich den Eindruck zerstreuen, dass dies Mick Fleetwoods Band ist. Diese Band war immer schon meine Band.“

Die echte Band Ende 1973: Welch, Fleetwood, McVie, McVie (v.l.) – Pic: Promo

Doch wie kommt der Mann dazu? In jenen Jahren verlieren Fleetwood Mac ständig ihre Gitarristen: Danny Kirwan fliegt 1972 raus, was den Abbruch einer Tour bedeutet. Im Herbst 1973 wird dann Bob Weston gefeuert, weil Drummer Mick kann es nicht länger mit ansehen, dass sein Kollege ein Verhältnis mit seiner Frau Jenny hat und damit auch in der Öffentlichkeit nicht hinter dem Berg hält. Autsch. Damit endet auch die erste Tour zu Mystery To Me vorzeitig. Dem Manager passt das gar nicht, angeblich nennt er das „unprofessionell“. Als die Musiker dann sogar eine Pause einlegen wollen, in der Mick sich um seine unvermeidliche Scheidung kümmern muss, stellt er kurzerhand eine Ersatztruppe zusammen und schickt sie in den USA auf die Straße.

Das Ersatzaufgebot besteht aus Musikern der Band Legs, die eine Single unter der Ägide des Managers veröffentlicht hatte: Sänger Elmer Gantry, Gitarrist Kirby Gregory, Bassist Paul Martinez und  Pianist John Wilkinson. „Ich habe mich aber entschieden, Mick zu behalten“, erklärt Davis im Rolling Stone. Allerdings habe der kurzfristig wegen privater Probleme wieder zurück nach England fliegen müssen. Also setzt sich Craig Collinge hinter das Schlagzeug.

Der erste Auftritt findet statt in Pittsburgh am 18. Januar 1974. Wenig überraschend gibt es dort umgehend Streit mit dem Veranstalter, und auch die Fans sind nicht erbaut. Deshalb muss Davis von nun an jeden Abend auf der Bühne verkünden, dass ganz neue Musiker spielen werden und Mick Fleetwood selbst, so ein Ärger, es leider nicht geschafft habe. Gut kommt das nicht an, doch es wird noch schlimmer: Eine Woche später rollt der Tross nach New York, wo 30 Minuten vor der Show feststeht, dass Elmer Gantry nicht singen können wird. „Das ist mir noch nie passiert“, röchelt er gegenüber dem Rolling Stone. Dummerweise hat sich ausgerechnet für diesen Abend die versammelte Musikpresse angekündigt. Noch doofer allerdings: Niemand sagt den Veranstaltern rechtzeitig Bescheid. Die hätten mit ein wenig mehr Vorlauf die Sause noch absagen können, jetzt aber stehen nach den Vorgruppen Kiss und Silverhead 3.400 Fans in der Halle und warten. Also fällt die Entscheidung, die „Band“ ohne Frontmann auf die Bühne zu schicken. Nach einer halben Stunde Boogie-Jam machen 800 Fans von dem Angebot Gebrauch, ihr Geld zurückzubekommen…

Das kann alles nicht lange gut gehen. Es gibt sogar die Geschichte, dass der langjährige Tourmanager John Courage irgendwann das Equipment versteckt und so dafür sorgt, dass die Konzertreise unter falscher Flagge gestört und abgebrochen wird. Kein Wunder also, dass der Spuk der„Fakewood Mac“ ziemlich schnell wieder vorbei ist und Clifford Davis mit Anlauf gefeuert wird. Ein unvermeidbares gerichtliches Nachspiel klärt zwar die Namensrechte eindeutig zu Gunsten der echten Fleetwood Mac, doch es bremst die Band mehrere Monate aus.

Die Musiker der Zweitbesetzung kehren zurück nach England und gründen die Band Stretch, die im November 1975 einen Hit landet mit dem Song Why Did You Do It?. Dessen Text kann mal an als klassisches Beziehungsdrama lesen, aber die meisten Kommentatoren sehen hier eine direkte Attacke auf Mick Fleetwood – weil der sich schließlich von der unglücklichen Tour zurückgezogen habe (was der weiterhin dementiert). Fleetwood Mac verstärken sich indes mit dem Gitarristen Lindsey Buckingham und der Sängerin Stevie Nicks und gehen in den Folgejahren durch die Decke. Der Rest ist Geschichte…



Titelfoto: Michael Putland/Getty Images

Zeitsprung: Am 11.7.1975 starten Fleetwood Mac ihrem gleichnamigen Album durch.

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