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Popkultur

Eine Dekade Rock: Die 20 besten Alben von 2010 bis 2019

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Beste Rock-Alben der Dekade

Die Rockmusik dominiert zwar nicht mehr die Hitparaden dieser Welt, weiß aber auch heute noch durch Qualität zu überzeugen. Wir haben 20 Musterbeispiele dafür zusammengetragen und geschaut, welche Gruppen und Alben in den Jahren von 2010 bis 2019 ganz besonders überzeugen konnten.

von Timon Menge, Björn Springorum und Markus Brandstetter

Deftones – Diamond Eyes (2010)

Eigentlich arbeiten die Deftones im November 2008 ja an einer Platte mit dem Arbeitstitel Eros. Doch dann kommt alles ganz anders: Gründungsbassist Chi Cheng erleidet einen schweren Autounfall, fällt ins Koma und wacht bis zu seinem Tod im April 2013 nie wieder daraus auf. Eros verschwindet im Archiv, stattdessen nehmen die Kalifornier Diamond Eyes in Angriff. Der Hintergrund: Als Reaktion auf Chengs Unfall möchte die Gruppe kein düsteres Album veröffentlichen, sondern ein optimistisches. Das Ergebnis: eine der feinfühligsten und überraschendsten Deftones-Platten überhaupt. ™

Arcade Fire The Suburbs (2010)

Spätestens Mitte der 2010er-Jahre ist sonnenklar: Arcade Fire sind die größte Indie-Band der Welt. Den Einstand in die 10er-Jahre feiert die Band rund um Vin Butler mit jenem Album, das bei vielen Fans und Kritikern als ihr bestes überhaupt gilt: The Suburbs erscheint 2010 und perfektioniert den Arcade-Fire-Sound in jeglicher Hinsicht. Das Album ist eingängiger, atmosphärischer, dichter, gekonnter und vielschichtiger denn je – und gewinnt dann auch konsequenterweise im Folgejahr den Grammy für das Album des Jahres. (mb)

Foo Fighters – Wasting Light (2011)

Auf Wasting Light zitieren die Foo Fighters ihre Anfangstage. So handelt es sich bei der Platte um das erste gemeinsame Album mit Gitarrist Pat Smear seit The Colour And The Shape (1997). Außerdem schlagen die Alternative-Rocker um Dave Grohl einen Produktionsweg ein, der im 21. Jahrhundert doch recht ungewöhnlich daherkommt, und spielen das Album komplett analog ein. Dafür engagieren sie niemand geringeren als Butch Vig, den Produzenten des legendären Nirvana-Albums Nevermind (1991). Qualitativ übertreffen sich die Foo Fighters mit der Scheibe selbst und veröffentlichen eine der stärksten Platten ihrer Diskografie. ™

The Black KeysEl Camino (2011)

Nachdem The Black Keys im Jahr 2010 mit Brothers endlich den lang erhofften und neun Jahre lang angepeilten Durchbruch schafften, legen sie schon ein Jahr später bockstark nach: El Camino, Album sieben, wurde erstmals in Dan Auerbachs neuem Easy Eye Sound Studio in Nashville aufgenommen und ist bis heute das Black-Keys-Album schlechthin. Wieder produziert von Danger Mouse, arbeiten sich Auerbach und Patrick Carney hier an den Stilistiken der Fünfziger, Sechziger und Siebziger ab und schaffen es, dass Rock’n’Roll, Surf Rock, Soul und Rockabilly so sehr aus einem Guss klingen wie niemals zuvor. Und bis heute auch niemals wieder. (bs)

Stone Sour – House Of Gold And Bones, Part 1 (2012)

Das vierte Stone-Sour-Album markiert für die Gruppe einen Neuanfang. Bassist Shawn Economaki hat die Band gerade verlassen, also übernimmt Skid-Row-Tieftöner Rachel Bolan die vier Saiten auf House Of Gold And Bones, Part 1. Dass es einen zweiten Teil geben wird (House Of Gold And Bones, Part 2) kündigt Frontmann Corey Taylor bereits vor der Veröffentlichung der ersten Hälfte an. Den Sound des Albums bezeichnet er als Mischung aus The Wall (1979) von Pink Floyd und Dirt (1992) von Alice In Chains. Große Worte, aber Taylor nimmt den Mund damit nicht zwangsläufig zu voll. ™

Baroness – Yellow & Green (2012)

Bei Baroness kann man sich ja durchaus fragen, welches Album zum Teufel eigentlich nicht in diese Liste gehört. Wir entscheiden uns jetzt mal für Yellow & Green, das dritte Album der Metal-/Rock-Hydra aus Georgia. 2012 erschienen, markiert es einen atmosphärischen und melodischen Wendepunkt hin zu einem innigen, emotionalen und furiosen Rock-Sound, besonders gut versinnbildlicht im unvergesslichen Take My Bones Away. Hier spielt eine Band, die neue Facetten an ihrem Sound entdeckt hat und sie konsequent zu Ende denkt. So schön, man kann gar nicht weghören. (bs)

Muse – The 2nd Law (2012)

Groß, größer, Muse: 2012 legen die Engländer mit The 2nd Law ein ausgemachtes Bombast-Rock-Spektakel vor. Manche Fans mochten die rohe Kante früherer Muse-Werke vermissen, doch in Sachen anspruchsvollem Rock-Entertainment kam in diesem Jahr niemand an dieser Band vorbei. Vom schleppenden Groove des Openers Supremacy (Led Zeppelin trifft Queen trifft Bond-Soundtrack) über das unterkühlt-trippige Madness bis zum sinfonischen Dubstep-Titeltrack erweitern Muse ihren Klangkosmos um Lichtjahre und bringen gefühlt hundert musikalische Welten stimmig zusammen. (bs)

Alice In Chains – The Devil Put Dinosaurs Here (2013)

Mit The Devil Put Dinosaurs Here erfinden Alice In Chains im Jahr 2013 zwar nicht das Rad neu, stellen aber eindrucksvoll unter Beweis, dass hier eine Band am Werk ist, die ihren Sound über die Jahrzehnte perfektioniert hat. So treffen Songs wie Hollow, Stone, Voice und Breath On A Window den Nagel derart auf den Kopf, dass keine Wünsche offen bleiben. Kurzum: Mit ihrem fünften Studioalbum veröffentlichen die Grunge-Legenden aus Seattle eine Best-Of-Platte, ohne dabei auf altes Material zurückgreifen zu müssen. Ganz großes Kino. ™

Queens Of The Stone Age – …Like Clockwork (2013)

Sechs Jahre nach Era Vulgaris melden sich Queens Of The Stone Age 2013 mit dem Longplayer …Like Clockwork zurück. Für Bandchef Joshua Homme ist das Album der Befreiungsschlag aus einer schwierigen Phase: Nach einer Operationen war er vier Monate lang außer Gefecht gesetzt, litt an Depressionen. Like Clockwork ist die Abarbeitung der Dunkelheit – da ist es nur passend, dass es mitunter auch ganz schön düster werden kann. Ein bemerkenswertes Album, das die liebgewonnen Trademarks der Band immer wieder aufblitzen lässt, aber auch ganz neue Wege einschlägt. (mb)

St. Vincent St. Vincent (2014)

Eine Partyplatte, die man auch auf Beerdigungen spielen kann – so beschreibt Annie Clark alias St. Vincent ihren vierten, selbstbetitelten Longplayer. Das trifft es auch ziemlich gut: Das Album, irgendwo zwischen Art Rock und geräuschlastigem Pop, ist selbst dann eingängig, wenn es thematisch in die schmerzhaften Gefilde der menschlichen Existenz geht. St. Vincent strotzt auf dem Album nur so vor Selbstvertrauen – das macht auch die Cover-Pose auf dem Thron deutlich. Mit dem Longplayer konnte sie bei Fans wie auch bei Kritikern punkten und einen Grammy für Best Alternative Music Album mit nach Hause nehmen. (mb)

Sharon Van Etten – Are We There (2014)

„I sing about my fear and love and what it brings“, singt Sharon Van Etten im Stück I Know. Das hat die Musikerin aus New Jersey bis dahin noch nie so eindrucksvoll getan wie auf ihrem vierten Album, das auf dem renommierten Indie-Label Jagjaguwar erscheint. Are We There ist eines der bemerkenswertesten Singer/Songwriter-Alben der 2010er-Jahre, ergreifend, atmosphärisch und mit intensiven, stetig anschwellenden orchestralen Arrangements. (mb)

Rival Sons – Great Western Valkyrie (2014)

2014 ist der Retro-Trend in vollem Schwung. Die Hosen haben Schlag, die Bärte sind lang, Orange-Verstärker stellen alle Bühnen voll. Eine Band stach schon davor immer wieder heraus: Die Rival Sons aus Kalifornien machen damals schon fünf Jahre lang Musik und legen die Messlatte mit ihrer vierten LP Great Western Valkyrie so schwindelerregend hoch, dass man nur staunen kann. Besser kann man klassischen Hard Rock nicht spielen, besser kann man ihn nicht singen oder schreiben. Ein tadelloses Album einer tadellosen Band, die vollkommen zurecht über den grünen Klee gelobt wird. (bs)

Marilyn Manson – The Pale Emperor (2015)

Irgendwann Anfang der 2000er-Jahre, kurz nach Holy Wood, wurde es ein wenig langweilig mit Marilyn Manson. Nachdem er einige starke und bemerkenswerte Alben veröffentlicht und seine Kunstfigur etabliert hatte, hatte man viele Jahre lang das Gefühl, es würde irgendwie am zündenden Gedanken, an Inspiration fehlen. 2015 atmen viele auf. Denn auch wenn Manson bislang nie mehr in seine Form der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre zurückfinden sollte: Mit The Pale Emperor kehrt er zumindest so gut wie schon seit anderthalb Dekaden nicht mehr zurück. (mb)

Steven Wilson – Hand. Cannot. Erase. (2015)

Steven Wilson kann man eigentlich gar nicht genug feiern. Er ist der legitime Alan Parsons unserer Zeit, ein musikalisches Universalgenie und ein Prog-Versteher wie es ihn eigentlich kein zweites Mal gibt. Sein Konzeptalbum Hand. Cannot. Erase (2015) hat die Macht, zu Tränen zu rühren, zum Strahlen zu bringen, zum Nachdenken anzuregen. Vor allem aber ist es ein reifes, intelligentes und dennoch von Herzen kommendes, fesselndes Stück Musik über Entfremdung und Einsamkeit. Zeitgemäß, schmerzhaft schön und unendlich ergiebig – ein moderner Klassiker, ganz klar. (bs)

Tame Impala – Currents (2015)

Hinter dem Bandnamen Tame Impala verbirgt sich keine Band, sondern vor allem Mastermind Kevin Parker. Im Fall Currents geht der konsequent den Weg, den er auf den ersten beiden Alben des poppigen Psychedelic-Projektes angedeutet hat. So schreibt, spielt und produziert er die Platte vollständig im Alleingang, ohne dabei auf Gastmusiker zurückzugreifen. Sogar das Konzept für das Artwork entwickelt er selbst. Hut ab vor so viel Eigenregie und dem starken Endergebnis, das dabei herumgekommen ist. ™

Ghost – Meliora (2015)

2015 ist das Jahr, in dem aus Ghost Superstars werden. Was sich in den Jahren zuvor in Undergroundkreisen schon längst angekündigt hat, manifestiert sich praktisch über Nacht im ganz großen Entertainment-Stil. Meliora, Album drei der schwedischen Teufelsrocker, zeigt erstmals, dass Ghost vor allem eines sind: Die wahrscheinlich größten Songschreiber der düsteren Zunft. Metal, Pop und Satan kommen erstmals zu einem unheiligen Fest zusammen, das die Hits From The Pinnacle To The Pit oder Mummy Dust hervorbringt. Einen Grammy gibt es für Cirice, wenig später spielt die Band um den diabolischen Papst am Mikrofon in den größten Hallen. Und mit dem Nachfolger Prequelle (2018) steigen Ghost endgültig in die Top-Riege der Rockstars auf. (bs)

Kadavar – Berlin (2015)

Alles, was Berlins Power-Trio Kadavar anfasst, ist Gold wert. Ihr rohes Debüt ebenso wie ihr letztes, betont finsteres Epos For The Dead Travel Fast. Am allercoolsten klingt die Band aber 2015, als sie ihrer Heimatstadt mit Berlin ein unvergleichliches Denkmal setzt. Mit Elan, Feuer, Chuzpe und Lässigkeit rocken sich Deutschlands Classic-Rock-Anführer durch Hard Rock, Proto-Metal, Psychedelic Rock und Doom. Derart verdichtet, explosiv und stramm nach vorn marschierend klingt keine andere deutsche Rockband. (bs)

David Bowie – Blackstar (2016)

Am 8. Januar 2016 erscheint David Bowies letztes Werk Blackstar. Wie schon beim Vorgängeralbum The Next Day fanden die Arbeiten an der Platte unter absoluter Geheimhaltung statt. Bowie, zu dieser Zeit bereits schwer krebskrank, engagierte für die Aufnahmen einige namhafte New Yorker Jazzmusiker. Als man die Platte – sie erscheint an Bowies 69. Geburtstag – zu hören bekommt, stößt man immer wieder auf Anspielungen auf den Tod. Leider soll dieser schon viel zu bald kommen: Nur zwei Tage nach Albumveröffentlichung stirbt mit David Bowie einer der größten Pop-Künstler aller Zeiten. Sein letztes Werk ist ein famoser Schlusspunkt zwischen Art-Rock und Jazz – und beschert ihm sein erstes Nummer-Eins-Album in den US-Charts. (mb)

Judas Priest – Firepower (2018)

Die 2010er-Jahre sahen auch einige gute Momente für klassischen Heavy Metal. So begibt sich 2018 der „God Of Metal“ – gemeint ist natürlich Rob Halford – unter uns Normalsterbliche, um gemeinsam mit Judas Priest den Longplayer Firepower zu veröffentlichen. Dabei geht es vor allem darum, das Erbe der Band und die Quintessenz des Judas-Priests-Sounds wieder aufleben zu lassen. Große Neuerungen gibt es keine, dafür eine zeitgemäße Produktion, gute Songs, Halford in Topform und auch interessante Gitarrenarbeit von Tipton/Faulkner und streckenweise sehr gute Songs. (mb)

Rammstein – Rammstein (2019)

Ganze zehn Jahre haben Rammstein sich Zeit gelassen, bevor sie ihre internationale Fangemeinde 2019 mit einem neuen Studioalbum beglücken. Dafür kommen die NDH-Veteranen mit Karacho zurück: Nach dem Motto „all killer, no filler“ veröffentlichen Till Lindemann und Co. mit Rammstein eine Platte, die keine Wünsche offen lässt und die Gruppe von ihrer kreativsten, facettenreichsten und knackigsten Seite zeigt. Das Warten hat sich also gelohnt. ™

Von Heino bis Woodstock: Die größten WTF-Momente der vergangenen Dekade

Popkultur

Wednesday und The Cramps: Wie das Addams-Family-Spin-off den Psychobillys zu neuer Berühmtheit verhilft

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The Cramps
Foto: Peter Noble/Getty Images

Erst kürzlich verschaffte die Netflix-Serie Stranger Things dem Kate-Bush-Hit Running Up That Hill einen dicken Popularitätsschub. Nun rückt das Addams-Family-Spin-off Wednesday einen weiteren großen Song der Achtziger in den Fokus: Goo Goo Muck von The Cramps. Auslöser ist ein wunderlicher Tanz — der nun auf TikTok viral geht.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Psychedelic Jungle von The Cramps anhören:

Mit dem Addams-Family-Spin-off Wednesday hat Netflix zum Jahresende nochmal einen echten Hit gelandet. Mehr als 50 Millionen Haushalte streamten die Serie, was etwa 341 Millionen geguckten Stunden entspricht. Kein Wunder: Die Story ist unterhaltsam, der Cast weiß zu überzeugen und die verlässliche Handschrift von Regie-Legende Tim Burton ist unverkennbar. Doch auch in musikalischer Hinsicht hat Wednesday einiges zu bieten. Ob der Score von Danny Elfman oder Nothing Else Matters und Paint It Black auf dem Cello: Ohne ihre großartige Musik wäre die Serie nur halb so toll. Ganz besonders gilt das für eine Szene, die das Internet inzwischen im Sturm erobert hat und die auf TikTok von Millionen von Menschen nachgeahmt wird: Wednesdays skuriller Tanz zu Goo Goo Muck von The Cramps.

Wednesday und The Cramps: ein Tanz mit Folgen

Die Choreografie stammt von Wednesday-Schauspielerin Jenna Ortega höchstpersönlich, wie sie im Interview mit TV Guide verrät: „Das war interessant, vor allem, weil ich keine Tänzerin bin. Tim [Burton] hat mir komplett vertraut und mir freie Hand gelassen. Es war toll, aber auch beängstigend.“ Inspirieren lässt sich Ortega zum einen von Goth-Ikone Siouxsie Sioux von Siouxsie Sioux And The Banshees. Doch auch bei anderen Gehilfen bedankt sie sich via Twitter:

Lene Lovich prägte als Solokünstlerin die New-Wave-Szene; Denis Lavant ist der Name eines französischen Schauspielers, der für seinen Slapstick-haften, akrobatischen Stil bekannt ist und auch gerne mal skurille Tanzeinlagen in seine Performances einbaut. Doch wer war noch gleich Lisa Loring?

Der Geist der Addams Family tanzt mit

Bei Loring handelt es sich um keine geringere als die Originaldarstellerin von Wednesday aus der Sechziger-Sitcom The Addams Family. Auch sie wird in Ortegas Tanz gewürdigt, wie hier zu sehen ist:

Es handelt sich dabei allerdings nicht um den einzigen Bezug zur Original-Sitcom von früher. Auch Addams-Familienvater Gomez (John Astin) tanzt quasi mit:

Die letzte Referenz („Bob Fosse’s Rich Man’s Frug“) ist eine Szene aus dem Film Sweet Charity (1969) von Regisseur und Choreograph Bob Fosse:

Auf TikTok ist Wednesdays Tanzeinlage längst zu einem viralen Hit mutiert. Millionen von Menschen ahmen die schräge Choreographie in dem sozialen Netzwerk nach, darunter Berühmtheiten wie Kim Kardashian. Bleibt noch eins: der Song im Hintergrund.

The Cramps in Wednesday: ein später Hit

Von 1976 bis 2009 und darüber hinaus standen und stehen The Cramps für eine eigenwillige Mischung aus New Wave, Goth, Psychobilly, Surf Rock und Punk. Ihre größten Erfolge feierte die US-amerikanische Gruppe in den Achtzigern, als Frontmann Lux Interior, Gitarristin Poison Ivy und Schlagzeuger Nick Knox fantastische Alben wie Psychedelic Jungle (1981) und A Date With Elvis (1986) veröffentlichten.

Von ersterem stammt auch der Song Goo Goo Muck, zu dem Wednesday ihren eigenartigen Tanz performt. (Es handelt sich dabei um ein Cover von Ronnie Cook & The Gaylads.) Inhaltlich ist die Nummer mindestens zweideutig: So könnte man den Song als Metapher für Teenager-Liebe verstehen; es könnte allerdings auch um einen Vampir auf nächtlichem Beutezug gehen. Zwischen diesen beiden Stühlen fühlt sich Wednesday offenbar wohl.

Wie so oft zieht der Internet-Hit einen ganzen Rattenschwanz an Reaktionen nach sich. Auf Spotify ist Goo Goo Muck schon seit vielen Tagen der meistgestreamte Song der Cramps. Um mehr als das 50-fache sollen sich die Zugriffszahlen in den USA erhöht haben, wie NME berichtet. Man kann also durchaus sagen, dass ausgerechnet die scheintote Addams Family der Nummer nach über 40 Jahren neues Leben eingehaucht hat. „Wir haben den Song eine Woche vor dem Drehtermin ausgesucht“, erzählt Jenna Ortega im Interview. „Zwei Nächte vor dem Termin habe ich gemerkt, dass ich mir noch gar keinen Tanz dazu überlegt habe.“ Dass es sich bei der Choreographie um einen Schnellschuss handelt, merkt man nicht im Geringsten. Andernfalls würden ihn keine Millionen von Menschen auf TikTok zelebrieren.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 8.12.1984 verschuldet Vince Neil den Tod des Hanoi-Rocks-Schlagzeugers.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 8.12.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Weil die Alkoholvorräte bei einer Privatparty nicht ausreichen, möchten Mötley-Crüe-Frontmann Vince Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley für Nachschub sorgen. Neil setzt sich trunken ans Steuer seines italienischen Sportwagens. Dann kommt es zur Katastrophe.

Hier könnt ihr die größten Hits von Hanoi Rocks anhören: 

1984 tourt die finnische Band Hanoi Rocks zum ersten Mal durch die USA, gemeinsam mit den damals übergroßen Mötley Crüe. Um diesen Umstand zu feiern, lassen es sich die Musiker bei einer Party im Haus von Mötley-Frontmann Vince Neil mächtig gut gehen. Sprich: Der Alkohol fließt in Strömen. Als die Vorräte aufgebraucht sind, beschließen Neil und Hanoi-Rocks-Schlagzeuger Nicholas „Razzle“ Dingley, für Nachschub zu sorgen. Neil setzt sich ans Steuer, obwohl er bereits gut geladen hat.

Auf einer der kurvenreichen Straßen Hollywoods verliert der Sänger die Kontrolle über seinen Sportwagen und rammt zwei andere Autos. Der Fahrer des ersten bleibt glücklicherweise unverletzt, doch im zweiten Wagen sitzen Lisa Hogan und Daniel Smithers, die sich mehrere Knochen brechen und Hirnschäden davontragen. Lisa Hogan liegt bis zum Ende des Monats im Koma. Neil selbst kommt mit ein paar gebrochenen Rippen und einigen Kratzern davon, doch Dingley hat Pech. Er wird nach dem Unfall ins South Bay Hospital eingeliefert, wo er um 7:12 Uhr Ortszeit für tot erklärt wird. Er wurde gerade einmal 24 Jahre alt. 

„Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen.“

In Neils Blut wird anschließend ein Blutalkoholspiegel von 1,7 Promille festgestellt. Das Urteil: „vehicular manslaughter“, also Totschlag. Die Strafe hält sich in Grenzen: Zu gerade einmal 30 Tagen Gefängnis wird er verurteilt — und sitzt nur die Hälfte davon tatsächlich ab. Zwei Jahrzehnte später gibt er in einem Interview mit der US-Zeitschrift Blender Folgendes zu Protokoll: „Nach Razzles Tod stellte ich einen Scheck über 2,5 Millionen US-Dollar wegen fahrlässiger Tötung aus. Ich hätte ins Gefängnis gehen müssen. Das wäre definitiv verdient gewesen, aber ich habe nur 30 Tage im Knast verbracht, wurde dort flachgelegt und habe Bier getrunken — wegen der Macht des Geldes. Das ist beschissen.“ Zusätzlich zur Gefängnisstrafe muss Neil 200 Sozialstunden ableisten.

Hanoi-Rocks-Gitarrist Andy McCoy erinnert sich 2006 in einem Interview mit dem Metal Express folgendermaßen an den Abend: „Ich war da. Razzle und Vince verschwanden einfach, also suchten ich und Tommy Lee nach den beiden. Dann sind wir an der Unfallstelle vorbeigefahren und ich fragte Tommy, welche Farbe das Auto hatte, mit dem die zwei losgefahren sind. Wir fuhren nämlich gerade an einem verdammten Unfall mit einem roten Sportwagen vorbei. Dann sah ich Razzles Hut auf der Straße.“

„Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Im Jahr 2011 äußert sich Hanoi-Rocks-Frontmann Michael Monroe auf sleazeroxx.com zu dem Vorfall: „Es gab diesen Unfall, und leider hat er unseren Schlagzeuger das Leben gekostet. Zu Vince Neil habe ich nichts zu sagen. Es war ein Unfall. Was passiert ist, ist passiert, und das lässt sich nicht mehr ändern. Jeder hat unter der ganzen Sache gelitten.“

Vince Neil widmet seinem verstorbenen Kollegen das nächste Mötley-Crüe-Album Theatre Of Pain (1985), beigesetzt wird Razzle auf der Isle Of Wight. Nach seinem Tod lassen sich die Hanoi Rocks zunächst nicht unterkriegen und engagieren Trommler Terry Chimes von The Clash, um eine bereits geplante Tour in Europa über die Bühne zu bringen. Kurz danach löst sich die Gruppe allerdings auf und findet erst 2001 wieder zusammen.

Die Hanoi Rocks 1984 in ganzer Pracht. Ganz rechts: Razzle. R.I.P. – Pic: Mike Prior/Redferns

Zeitsprung: Am 23.12.1987 stirbt Nikki Sixx von Mötley Crüe – für zwei Minuten.

 

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Popkultur

Apple Boutique: Vor 55 Jahren versuchen sich die Beatles erfolglos als Einzelhändler

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Apple Boutique
Foto: Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Selbst in Sachen Einzelhandel waren die Beatles ihrer Zeit voraus: Ihre Apple Boutique in London kann als Vorläufer des modernen Concept Stores gelten. 1967 ging diese Rechnung aber noch nicht auf – und die Beatles verloren Millionen.

von Björn Springorum

Das wilde Jahr 1967 neigt sich dem Ende zu. Die psychedelische Rockmusik ist diesseits und jenseits des Atlantik explodiert, The Doors, Jimi Hendrix, Jefferson Airplane, The Byrds und Cream haben wegweisende Alben veröffentlicht. Getoppt wird das Ganze – natürlich – von den Beatles, die mit Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band eines der besten Alben aller Zeiten veröffentlicht haben.

Ein psychedelischer Garten Eden

Im Sommer läuft in ganz London gefühlt kein anderes Album, 23 Wochen lang behauptet es sich an der Spitze der britischen Charts. Den Summer of Love verbringen die Beatles mit Filmprojekten und ihrer Reise ins indische Bangor, bis der Tod von Brian Epstein am 27. August 1967 alle rosaroten Wolken platzen lässt. Hinter den Kulissen sind aber längst Dinge im Gange, die die Band auch ohne ihren Manager und Mentor weiterlaufen lässt – der Flop-Film Magical Mystery Tour und ihr eigener Store, die Apple Boutique.

Die soll laut Harrison ein „psychedelischer Garten Eden“ sein und erstreckt sich auf drei Stockwerke. Hinter dem grandiosen Street-Art-Bild auf der Fassade steckt das niederländische Designkollektiv The Fool, die George Harrisons Frau Pattie Boyd der Band vorgestellt hat. Schon in den Monaten vor der Eröffnung der Boutique gestalten The Fool Artworks, Outfits, Sets und Instrumente für die Beatles, für aus heutiger Rechnung über 1,5 Millionen Euro verwandeln sie die Fassade des historischen Townhouses in der Baker Street 94 an zwei Novembertagen in ein psychedelisches Kunstwerk.

Bowie und Clapton kommen zur Eröffnung

Mit dem Store dahinter versuchen die Beatles, den Einzelhandel ebenso zu revolutionieren wie die Musik. Ihr sehr visionäres Konzept: Alles, was es in diesem Laden gibt, steht zum Verkauf. „Ein hübscher Ort, an dem hübsche Menschen hübsche Dinge kaufen können“, so beschreibt Paul McCartney das Konzept, das man von zeitgeistigen Concept Stores kennt. An der Baker Street im Jahr 1967 ist das neu.

Der Laden öffnet am 7. Dezember 1967 erstmals seine Tore. Schon zwei Tage zuvor laden John Lennon und George Harrison zu einer Launch Party, bei der zwar Paul McCartney und Ringo Starr fehlen (sie weilen in Liverpool respektive Rom), aber dafür jede Menge Berühmtheiten und Bohemiens in das psychedelische Wunderland strömen, um Kleidung, Accessoires, Bücher und Schmuck zu bestaunen – darunter David Bowie, Eric Clapton und Harrisons Frau Pattie Boyd.

Getrunken wird Apfelsaft

Auf den Einladungen steht geschrieben: „Kommt um 7:46. Modenschau um 8:16.“ Und zumindest zur Eröffnungsparty kommen sie. The Fool, die auch viele Designs für die Beatles, die Hollies oder Procol Harum realisiert haben, ziehen wie ein psychedelischer Wanderzirkus mit Instrumenten durch die Boutique, alle schlürfen Apfelsaft, weil der Store keine Schanklizenz hat. Vielleicht gibt es andere Dinge zum Konsumieren… Es ist ja immerhin 1967.

Apple Boutique

Foto: E. Milsom/Evening Standard/Hulton Archive/Getty Images

Zwei Tage später eröffnet die Boutique offiziell, gemanaged von Lennons Freund Peter Shotton und Pattie Boyds Schwester Jenny Boyd. Doch die Sache wird zum legendären finanziellen Desaster. Taschendiebstähle geraten außer Kontrolle, selbst Angestellte stecken sich reihenweise Sachen ein, so wirklich weiß niemand, womit die Kunden den Laden betreten oder wieder verlassen haben. Zur Anzeige gebracht wird kein Diebstahl: Das passt einfach nicht in den Freigeist des Konzepts.

Antikapitalistische Einzelhändler

Auch sonst läuft es schleppend: Baker Street ist einfach zu weit vom Londoner Mode-Epizentrum entfernt, die Apple Boutique fährt hohe Verluste ein. Mitte 1968 sind das schon mehr als 200.000 Britische Pfund (heute mehr als vier Millionen Euro) und die Beatles entscheiden, den Laden am 31. Juli 1968 – kein Jahr nach der Eröffnung – zu schließen. Für McCartney ist der Shop dennoch ein Erfolg. „Den größten Verlust machten wir damit, alles zu verschenken“, sagt er in einem Statement zur Schließung. „Aber das war unsere freie Entscheidung. Wir wollten verschenken, nicht verkaufen.“

Die wahren Gründe liegen natürlich auch darin, dass die Beatles keine Geschäftsleute sein wollen. Sondern Musiker, Filmemacher, Entertainer. Am Tag der Schließung öffnen die Beatles die Boutique ein letztes Mal für die Menschen, die zu Hunderten gierig in den Laden strömen, sich alles unter den Nagel reißen und Randale machen. Die Polizei muss eingreifen und beendet dieses abstruse Kapitel der Beatles-Geschichte relativ unrühmlich.

Schon im Mai 1968 hatte man die Fassade weiß übermalt und das Wort Apple kursiv darauf geschrieben – ein ähnlich drastischer Übergang wie bei den Artworks von Sgt. Pepper’s und The Beatles. 1974 wird das Gebäude abgerissen. Aber da gibt es die Beatles schon lange nicht mehr.

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Wie „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ die Musikwelt veränderte

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