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Popkultur

Eine Dekade Rock: Die 20 besten Alben von 2010 bis 2019

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Beste Rock-Alben der Dekade

Die Rockmusik dominiert zwar nicht mehr die Hitparaden dieser Welt, weiß aber auch heute noch durch Qualität zu überzeugen. Wir haben 20 Musterbeispiele dafür zusammengetragen und geschaut, welche Gruppen und Alben in den Jahren von 2010 bis 2019 ganz besonders überzeugen konnten.

von Timon Menge, Björn Springorum und Markus Brandstetter

Deftones – Diamond Eyes (2010)

Eigentlich arbeiten die Deftones im November 2008 ja an einer Platte mit dem Arbeitstitel Eros. Doch dann kommt alles ganz anders: Gründungsbassist Chi Cheng erleidet einen schweren Autounfall, fällt ins Koma und wacht bis zu seinem Tod im April 2013 nie wieder daraus auf. Eros verschwindet im Archiv, stattdessen nehmen die Kalifornier Diamond Eyes in Angriff. Der Hintergrund: Als Reaktion auf Chengs Unfall möchte die Gruppe kein düsteres Album veröffentlichen, sondern ein optimistisches. Das Ergebnis: eine der feinfühligsten und überraschendsten Deftones-Platten überhaupt. ( tm)

Arcade Fire The Suburbs (2010)

Spätestens Mitte der 2010er-Jahre ist sonnenklar: Arcade Fire sind die größte Indie-Band der Welt. Den Einstand in die 10er-Jahre feiert die Band rund um Vin Butler mit jenem Album, das bei vielen Fans und Kritikern als ihr bestes überhaupt gilt: The Suburbs erscheint 2010 und perfektioniert den Arcade-Fire-Sound in jeglicher Hinsicht. Das Album ist eingängiger, atmosphärischer, dichter, gekonnter und vielschichtiger denn je – und gewinnt dann auch konsequenterweise im Folgejahr den Grammy für das Album des Jahres. (mb)

Foo Fighters – Wasting Light (2011)

Auf Wasting Light zitieren die Foo Fighters ihre Anfangstage. So handelt es sich bei der Platte um das erste gemeinsame Album mit Gitarrist Pat Smear seit The Colour And The Shape (1997). Außerdem schlagen die Alternative-Rocker um Dave Grohl einen Produktionsweg ein, der im 21. Jahrhundert doch recht ungewöhnlich daherkommt, und spielen das Album komplett analog ein. Dafür engagieren sie niemand geringeren als Butch Vig, den Produzenten des legendären Nirvana-Albums Nevermind (1991). Qualitativ übertreffen sich die Foo Fighters mit der Scheibe selbst und veröffentlichen eine der stärksten Platten ihrer Diskografie. ( tm)

The Black KeysEl Camino (2011)

Nachdem The Black Keys im Jahr 2010 mit Brothers endlich den lang erhofften und neun Jahre lang angepeilten Durchbruch schafften, legen sie schon ein Jahr später bockstark nach: El Camino, Album sieben, wurde erstmals in Dan Auerbachs neuem Easy Eye Sound Studio in Nashville aufgenommen und ist bis heute das Black-Keys-Album schlechthin. Wieder produziert von Danger Mouse, arbeiten sich Auerbach und Patrick Carney hier an den Stilistiken der Fünfziger, Sechziger und Siebziger ab und schaffen es, dass Rock’n’Roll, Surf Rock, Soul und Rockabilly so sehr aus einem Guss klingen wie niemals zuvor. Und bis heute auch niemals wieder. (bs)

Stone Sour – House Of Gold And Bones, Part 1 (2012)

Das vierte Stone-Sour-Album markiert für die Gruppe einen Neuanfang. Bassist Shawn Economaki hat die Band gerade verlassen, also übernimmt Skid-Row-Tieftöner Rachel Bolan die vier Saiten auf House Of Gold And Bones, Part 1. Dass es einen zweiten Teil geben wird (House Of Gold And Bones, Part 2) kündigt Frontmann Corey Taylor bereits vor der Veröffentlichung der ersten Hälfte an. Den Sound des Albums bezeichnet er als Mischung aus The Wall (1979) von Pink Floyd und Dirt (1992) von Alice In Chains. Große Worte, aber Taylor nimmt den Mund damit nicht zwangsläufig zu voll. ( tm)

Baroness – Yellow & Green (2012)

Bei Baroness kann man sich ja durchaus fragen, welches Album zum Teufel eigentlich nicht in diese Liste gehört. Wir entscheiden uns jetzt mal für Yellow & Green, das dritte Album der Metal-/Rock-Hydra aus Georgia. 2012 erschienen, markiert es einen atmosphärischen und melodischen Wendepunkt hin zu einem innigen, emotionalen und furiosen Rock-Sound, besonders gut versinnbildlicht im unvergesslichen Take My Bones Away. Hier spielt eine Band, die neue Facetten an ihrem Sound entdeckt hat und sie konsequent zu Ende denkt. So schön, man kann gar nicht weghören. (bs)

Muse – The 2nd Law (2012)

Groß, größer, Muse: 2012 legen die Engländer mit The 2nd Law ein ausgemachtes Bombast-Rock-Spektakel vor. Manche Fans mochten die rohe Kante früherer Muse-Werke vermissen, doch in Sachen anspruchsvollem Rock-Entertainment kam in diesem Jahr niemand an dieser Band vorbei. Vom schleppenden Groove des Openers Supremacy (Led Zeppelin trifft Queen trifft Bond-Soundtrack) über das unterkühlt-trippige Madness bis zum sinfonischen Dubstep-Titeltrack erweitern Muse ihren Klangkosmos um Lichtjahre und bringen gefühlt hundert musikalische Welten stimmig zusammen. (bs)

Alice In Chains – The Devil Put Dinosaurs Here (2013)

Mit The Devil Put Dinosaurs Here erfinden Alice In Chains im Jahr 2013 zwar nicht das Rad neu, stellen aber eindrucksvoll unter Beweis, dass hier eine Band am Werk ist, die ihren Sound über die Jahrzehnte perfektioniert hat. So treffen Songs wie Hollow, Stone, Voice und Breath On A Window den Nagel derart auf den Kopf, dass keine Wünsche offen bleiben. Kurzum: Mit ihrem fünften Studioalbum veröffentlichen die Grunge-Legenden aus Seattle eine Best-Of-Platte, ohne dabei auf altes Material zurückgreifen zu müssen. Ganz großes Kino. ( tm)

Queens Of The Stone Age – …Like Clockwork (2013)

Sechs Jahre nach Era Vulgaris melden sich Queens Of The Stone Age 2013 mit dem Longplayer …Like Clockwork zurück. Für Bandchef Joshua Homme ist das Album der Befreiungsschlag aus einer schwierigen Phase: Nach einer Operationen war er vier Monate lang außer Gefecht gesetzt, litt an Depressionen. Like Clockwork ist die Abarbeitung der Dunkelheit – da ist es nur passend, dass es mitunter auch ganz schön düster werden kann. Ein bemerkenswertes Album, das die liebgewonnen Trademarks der Band immer wieder aufblitzen lässt, aber auch ganz neue Wege einschlägt. (mb)

St. Vincent St. Vincent (2014)

Eine Partyplatte, die man auch auf Beerdigungen spielen kann – so beschreibt Annie Clark alias St. Vincent ihren vierten, selbstbetitelten Longplayer. Das trifft es auch ziemlich gut: Das Album, irgendwo zwischen Art Rock und geräuschlastigem Pop, ist selbst dann eingängig, wenn es thematisch in die schmerzhaften Gefilde der menschlichen Existenz geht. St. Vincent strotzt auf dem Album nur so vor Selbstvertrauen – das macht auch die Cover-Pose auf dem Thron deutlich. Mit dem Longplayer konnte sie bei Fans wie auch bei Kritikern punkten und einen Grammy für Best Alternative Music Album mit nach Hause nehmen. (mb)

Sharon Van Etten – Are We There (2014)

„I sing about my fear and love and what it brings“, singt Sharon Van Etten im Stück I Know. Das hat die Musikerin aus New Jersey bis dahin noch nie so eindrucksvoll getan wie auf ihrem vierten Album, das auf dem renommierten Indie-Label Jagjaguwar erscheint. Are We There ist eines der bemerkenswertesten Singer/Songwriter-Alben der 2010er-Jahre, ergreifend, atmosphärisch und mit intensiven, stetig anschwellenden orchestralen Arrangements. (mb)

Rival Sons – Great Western Valkyrie (2014)

2014 ist der Retro-Trend in vollem Schwung. Die Hosen haben Schlag, die Bärte sind lang, Orange-Verstärker stellen alle Bühnen voll. Eine Band stach schon davor immer wieder heraus: Die Rival Sons aus Kalifornien machen damals schon fünf Jahre lang Musik und legen die Messlatte mit ihrer vierten LP Great Western Valkyrie so schwindelerregend hoch, dass man nur staunen kann. Besser kann man klassischen Hard Rock nicht spielen, besser kann man ihn nicht singen oder schreiben. Ein tadelloses Album einer tadellosen Band, die vollkommen zurecht über den grünen Klee gelobt wird. (bs)

Marilyn Manson – The Pale Emperor (2015)

Irgendwann Anfang der 2000er-Jahre, kurz nach Holy Wood, wurde es ein wenig langweilig mit Marilyn Manson. Nachdem er einige starke und bemerkenswerte Alben veröffentlicht und seine Kunstfigur etabliert hatte, hatte man viele Jahre lang das Gefühl, es würde irgendwie am zündenden Gedanken, an Inspiration fehlen. 2015 atmen viele auf. Denn auch wenn Manson bislang nie mehr in seine Form der späten 1990er- und frühen 2000er-Jahre zurückfinden sollte: Mit The Pale Emperor kehrt er zumindest so gut wie schon seit anderthalb Dekaden nicht mehr zurück. (mb)

Steven Wilson – Hand. Cannot. Erase. (2015)

Steven Wilson kann man eigentlich gar nicht genug feiern. Er ist der legitime Alan Parsons unserer Zeit, ein musikalisches Universalgenie und ein Prog-Versteher wie es ihn eigentlich kein zweites Mal gibt. Sein Konzeptalbum Hand. Cannot. Erase (2015) hat die Macht, zu Tränen zu rühren, zum Strahlen zu bringen, zum Nachdenken anzuregen. Vor allem aber ist es ein reifes, intelligentes und dennoch von Herzen kommendes, fesselndes Stück Musik über Entfremdung und Einsamkeit. Zeitgemäß, schmerzhaft schön und unendlich ergiebig – ein moderner Klassiker, ganz klar. (bs)

Tame Impala – Currents (2015)

Hinter dem Bandnamen Tame Impala verbirgt sich keine Band, sondern vor allem Mastermind Kevin Parker. Im Fall Currents geht der konsequent den Weg, den er auf den ersten beiden Alben des poppigen Psychedelic-Projektes angedeutet hat. So schreibt, spielt und produziert er die Platte vollständig im Alleingang, ohne dabei auf Gastmusiker zurückzugreifen. Sogar das Konzept für das Artwork entwickelt er selbst. Hut ab vor so viel Eigenregie und dem starken Endergebnis, das dabei herumgekommen ist. ( tm)

Ghost – Meliora (2015)

2015 ist das Jahr, in dem aus Ghost Superstars werden. Was sich in den Jahren zuvor in Undergroundkreisen schon längst angekündigt hat, manifestiert sich praktisch über Nacht im ganz großen Entertainment-Stil. Meliora, Album drei der schwedischen Teufelsrocker, zeigt erstmals, dass Ghost vor allem eines sind: Die wahrscheinlich größten Songschreiber der düsteren Zunft. Metal, Pop und Satan kommen erstmals zu einem unheiligen Fest zusammen, das die Hits From The Pinnacle To The Pit oder Mummy Dust hervorbringt. Einen Grammy gibt es für Cirice, wenig später spielt die Band um den diabolischen Papst am Mikrofon in den größten Hallen. Und mit dem Nachfolger Prequelle (2018) steigen Ghost endgültig in die Top-Riege der Rockstars auf. (bs)

Kadavar – Berlin (2015)

Alles, was Berlins Power-Trio Kadavar anfasst, ist Gold wert. Ihr rohes Debüt ebenso wie ihr letztes, betont finsteres Epos For The Dead Travel Fast. Am allercoolsten klingt die Band aber 2015, als sie ihrer Heimatstadt mit Berlin ein unvergleichliches Denkmal setzt. Mit Elan, Feuer, Chuzpe und Lässigkeit rocken sich Deutschlands Classic-Rock-Anführer durch Hard Rock, Proto-Metal, Psychedelic Rock und Doom. Derart verdichtet, explosiv und stramm nach vorn marschierend klingt keine andere deutsche Rockband. (bs)

David Bowie – Blackstar (2016)

Am 8. Januar 2016 erscheint David Bowies letztes Werk Blackstar. Wie schon beim Vorgängeralbum The Next Day fanden die Arbeiten an der Platte unter absoluter Geheimhaltung statt. Bowie, zu dieser Zeit bereits schwer krebskrank, engagierte für die Aufnahmen einige namhafte New Yorker Jazzmusiker. Als man die Platte – sie erscheint an Bowies 69. Geburtstag – zu hören bekommt, stößt man immer wieder auf Anspielungen auf den Tod. Leider soll dieser schon viel zu bald kommen: Nur zwei Tage nach Albumveröffentlichung stirbt mit David Bowie einer der größten Pop-Künstler aller Zeiten. Sein letztes Werk ist ein famoser Schlusspunkt zwischen Art-Rock und Jazz – und beschert ihm sein erstes Nummer-Eins-Album in den US-Charts. (mb)

Judas Priest – Firepower (2018)

Die 2010er-Jahre sahen auch einige gute Momente für klassischen Heavy Metal. So begibt sich 2018 der „God Of Metal“ – gemeint ist natürlich Rob Halford – unter uns Normalsterbliche, um gemeinsam mit Judas Priest den Longplayer Firepower zu veröffentlichen. Dabei geht es vor allem darum, das Erbe der Band und die Quintessenz des Judas-Priests-Sounds wieder aufleben zu lassen. Große Neuerungen gibt es keine, dafür eine zeitgemäße Produktion, gute Songs, Halford in Topform und auch interessante Gitarrenarbeit von Tipton/Faulkner und streckenweise sehr gute Songs. (mb)

Rammstein – Rammstein (2019)

Ganze zehn Jahre haben Rammstein sich Zeit gelassen, bevor sie ihre internationale Fangemeinde 2019 mit einem neuen Studioalbum beglücken. Dafür kommen die NDH-Veteranen mit Karacho zurück: Nach dem Motto „all killer, no filler“ veröffentlichen Till Lindemann und Co. mit Rammstein eine Platte, die keine Wünsche offen lässt und die Gruppe von ihrer kreativsten, facettenreichsten und knackigsten Seite zeigt. Das Warten hat sich also gelohnt. ( tm)

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