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Popkultur

Corona-Kommentare: Rockstars äußern sich über das Virus

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Foto: Jim Dyson/Getty Images

Seit Wochen gibt es nur noch ein Thema: das Corona-Virus und dessen Auswirkungen. Da lassen sich auch unsere liebsten Rockstars nicht lumpen und geben mal hilfreiche, mal kurzsichtige Kommentare ab. Wir fassen für euch die absurdesten, lustigsten und hoffnungsvollsten Äußerungen zusammen.

von Victoria Schaffrath

Top: Aerosmith – „Hört auf, Murks zu machen“

Mit einem clever geschnittenen Video-Statement plädieren Aerosmith für „Social Distancing“. Steven Tyler zeigt sich entschlossen in Bezug auf Körperkontakt mit den Kollegen; im Eifer des Konzertgefechts fällt der natürlich deutlich enger aus, als aktuelle Richtlinien empfehlen. Unmissverständliche Botschaft am Ende der Montage: „Hört auf, Murks zu machen! Bleibt sicher! Bitte macht nichts von dem, was ihr mich gerade habt machen sehen!“

Noch näher erläutert die Gruppe ihren Standpunkt im dazugehörigen Text: „Verbreitet diese Krankheit nicht. Jetzt ist der Zeitpunkt, nicht draußen, sondern online unterwegs zu sein.“

Flop: System Of A Down – „Das ist doch nur ‘ne Erkältung“

Nicht ganz, Shavo Odadjian, nicht ganz. In einem Podcast bezeichnete der SOAD-Bassist die Sorgen rund um Covid-19 als „das Dümmste überhaupt“: „Ich verstehe nicht, warum diese ganzen Festivals wegen einer Erkältung abgesagt werden. Ich habe recherchiert.“ Die Zahlen, mit denen Odadjian um sich wirft, wirken nicht gerade exakt.

 

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Listening back to our first 3 songs before we announce the drop. Sounding 🔥. Can’t wait for you to hear! #northkingsley #quarantine #sessions #corona

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Fairerweise muss man erwähnen, dass der Podcast vor knapp drei Wochen aufgezeichnet wurde. Seitdem änderte eben nicht nur die Berichterstattung zum Thema, sondern auch der Musiker die Kursrichtung. Auf seinem Instagram-Kanal zeigt er sich nun mit Atemschutzmaske.

Top: Tommy Lee, Sebastian Bach und Dee Snider – „Trump versagt“

Drei große Namen versammeln sich hinter einer Aussage: Donald Trump vermassele die Reaktion auf die Pandemie. Die Lage in den USA spitzt sich derzeit enorm zu, das ohnehin fragile Gesundheitssystem scheint heillos überfordert.

Zeitsprung: Am 15.3.1955 wird Dee Snider von den Twisted Sister geboren.

Dee Snider, dessen Tochter derzeit in Peru festsitzt, kann generell nicht (mehr) viel mit dem amtierenden US-Präsidenten anfangen. „Es ist schrecklich und peinlich – sie lehnen Test-Kits ab und machen sich drüber lustig, indem sie irgendwelche Gasmasken zu einer Pressekonferenz tragen“, äußerte sich der Twisted Sister-Frontmann gegenüber Yahoo! Entertainment.

Tommy Lee lässt indes lieber andere die treffenden Worte finden. Der Mötley Crüe-Schlagzeuger teilte einen offenen Brief, der Trump scharf kritisiert. Die schon von Snider erwähnte Pressekonferenz nennt man „Wortsalat“: „99 % von dem, was Sie sagen, ist entweder falsch, verrückt, zusammenhanglos, schlicht grausam, oder eine ranzige Paella aus diesen vier Zutaten.“

Auch Bach hält sich nicht zurück. In scheinbar vollkommener Resignation schrieb das ehemalige Skid Row-Mitglied: „Die Vereinigten Staaten von Amerika sind bis auf Weiteres beendet. Unser Reality-TV-Gastgeber von einem Präsidenten ist ein bockiges Baby, das nicht auf die Wissenschaft hört. Dabei ist sie das einzige, was uns aus diesem Science-Fiction-Roman retten kann. Er bringt uns um.“

Flop zu Top: Bon Jovi – „Nur eine Grippe“

Etwas ungeschickt, die Aussage. Besonders, wenn man weiß, dass sie von Keyboarder David Bryan kam, nachdem er positiv auf das Virus getestet wurde: „Habt keine Angst, das ist eine Grippe, nicht die Pest!“ Etwas gemäßigter fällt der Rest seiner Nachricht aus: „Ich bin seit einer Woche und für weitere 7 Tage in Quarantäne. Wenn es mir besser geht, lasse ich mich erneut testen. Bitte helft einander!“

Hier geht es wohl eher um suboptimale Wortwahl als um Unwissenheit. Beweisstück A: Kollege John Bon Jovi sang am vergangenen Wochenende mit ganz Chicago Livin’ On A Prayer. Als Vorbild dienten die Videos aus Italien, in denen komplette Siedlungen über ihre Balkone gemeinsam Musik machen. Die Ergebnisse aus Chicago klingen, wenn auch nicht perfekt, wenigstens gut gelaunt.

 

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Hey Chicago! Heard we’re singing and I wanted to join in.

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Top: Gene Simmons – „Geht davon aus, dass jeder ein Zombie ist“

Man kann auch auf humorvolle Art und Weise zur Vorsicht aufrufen. So geschehen bei Zungenakrobat Gene Simmons, der gegenüber dem Rolling Stone sagte: „Ich möchte allen eine gute Gesundheit wünschen und daran erinnern, dass der ‚only way‘ der ‚lonely way‘ ist. Genau wie in euren Lieblingsserien könnt ihr davon ausgehen, dass jeder ein Zombie ist, und dass die kleinste Berührung euch ebenfalls in einen verwandelt. Also hört auf, euch zu verabreden.“

 

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STAY HOME 🤘🏼

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Top¹⁰: Avenged Sevenfold – Preisausschreiben für Stubenhocker*innen

Einen ungewöhnlichen Motivationsschub für die freiwillige Quarantäne lieferten Avenged Sevenfold. Bereits vergangene Woche rief die Band ihre Abonnent*innen dazu auf, daheim zu bleiben. Der Clou: Wer es volle sieben Tage zu Hause aushält und das mithilfe von Selfies beweist, erhält ein Merch-Geschenk. Ob T-Shirt, Hoodie oder Accessoire, dem Quintett scheint das Prinzip „Flatten The Curve“ viel wert zu sein.

 

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Starting tomorrow we will be joining our friends @WarrenLotas in incentivizing people to stay home for a full 7 days and self quarantine. We are developing a “Check-in” webpage where you will upload a selfie at home when prompted by us via our IG STORY at a random time. Whoever successfully uploads a selfie with the PHRASE OF THE DAY written on a piece of paper within 30 MINUTES of that post, 7 days in a row, will receive a free t-shirt, hoodie or accessory from @A7XWorld. We have a chance to “flatten the curve” and save countless lives. We are all in this together. DON’T WORRY ABOUT BEING PERFECT: You can start your 7 days at any point so if you miss a check in just start again and you’ll be at 7 before you know it. In addition we will be CLOSING @A7XWorld for now. We encourage you to support your favorite independent artists, brands, and businesses during this time of uncertainty. #incentivizedquarantine

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Die Rockstars beweisen mit der frühen Aktion Weitsicht und auch Bewusstsein für die Lage ihrer Branche; zeitgleich rufen M. Shadows und Co. nämlich dazu auf, andere Kunstschaffende und Unternehmen zu unterstützen. Dafür gibt’s von uns eine doppelte Pommesgabel.

Ehrenplatz: Britney Spears – „Wir werden streiken und den Reichtum umverteilen“

Britney Spears avanciert derzeit zur unerwarteten Galionsfigur des Kommunismus. Auf Instagram teilte sie einen Post, der ankündigt: „Wir werden uns gegenseitig ernähren, den Reichtum umverteilen und streiken.“ Das Bild garnierte sie mit ein paar roten Rosen, die viele als Symbol des Sozialismus kennen. Enthüllung oder Zufall? Auf Twitter interessiert das wenig, dort trendet derzeit der Hashtag #ComradeBritney. Für ein Schmunzeln reicht es auch bei uns.

 

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Communion goes beyond walls 🌹🌹🌹

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Humor in Zeiten von Du-weißt-schon-was: Die besten Rock’n’Roll-Corona-Memes

Popkultur

10 Songs von Jimi Hendrix, die man kennen sollte

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Jimi Hendrix
Foto: Larry Hulst/Michael Ochs Archives/Getty Images

Was hätte Jimi Hendrix noch für großartige Songs veröffentlichen können. Was der Gitarrengott in seiner gerade einmal sechsjährigen Karriere geschaffen hat, gelingt manch anderen in einem ganzen Leben nicht. Diese zehn Songs stechen besonders heraus – auch wenn Hendrix nicht alle selbst komponiert hat.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Jimi Hendrix anhören:

1. Hey Joe (1966)

Schon seine erste erfolgreiche Single stammt nicht aus Hendrix’ eigener Feder. Doch weiß irgendwer, von wem Hey Joe eigentlich komponiert wurde? Eben. Billy Roberts heißt der Mann, doch Hendrix machte sich die Nummer im Dezember 1966 derart zu eigen, dass man bei den Worten Hey Joe sofort an ihn denkt. Produziert wurde die Single von Animals-Bassist Chas Chandler, der Hendrix in einem New Yorker Club entdeckte und den jungen Gitarristen postwendend mit nach England nahm.

2. Purple Haze (1967)

Um den Text von Purple Haze ranken sich zahlreiche Mythen. Sogar Hendrix selbst äußerte sich höchst ambivalent zu der Nummer. So sollte der Song ursprünglich Purple Haze — Jesus Saves heißen. In einem Interview verriet Hendrix, dass er im Text von einem Traum erzähle, in dem er unter Wasser gelaufen sei. Doch nach der Veröffentlichung streute der Gitarrist die Behauptung, es handele sich um ein Liebeslied. Hendrix-Biograf Harry Shapiro hält für am wahrscheinlichsten, dass der Song aus einem Potpourri an Ideen entstanden ist.

3. The Wind Cries Mary (1967)

Um The Wind Cries Mary aufzunehmen, brauchte Jimi Hendrix keine halbe Stunde. „Der Song wurde am Ende der Sessions von Fire aufgenommen“, berichtet Produzent Chas Chandler in einem Interview. „Wir hatten noch 20 Minuten oder so.“ Entstanden ist das Stück nach einem Streit zwischen Hendrix und seiner damaligen Partnerin Kathy Mary Etchingham. Es ging bei der Auseinandersetzung um Kartoffelpüree. Ja, Kartoffelpüree. „Er [Hendrix] kam in die Küche, probierte und sagte, dass es ganz klumpig schmeckt“, erinnerte sich Etchingham später in einem Interview. „Ich wusste, dass er selbst nicht kochen kann, und so hat der Streit angefangen. Am Ende habe ich getobt und geschrien, habe Teller auf den Boden gepfeffert und bin abgehauen.“ Um sich abzukühlen, verbrachte Etchingham die Nacht bei einer Freundin. Hendrix soll sie so sehr vermisst haben, dass er aus Liebeskummer die Ballade The Wind Cries Mary komponierte.

4. Foxy Lady (1967)

In Foxy Lady geht Hendrix ein wenig archaischer zur Sache und singt mutmaßlich eine mehr als nur sexuell angehauchte Ode an das britische Model Heather Taylor. „I want to take you home / I won’t do you no harm“, verspricht der Ausnahmegitarrist in der Nummer — und schuf mit dem Song einen seiner größten Hits überhaupt. Einige Musikkritiker*innen bezeichnen die Komposition sogar als Musterbeispiel für alles, was Hendrix als Musiker ausmachte. Taylor heiratete später allerdings trotzdem The-Who-Frontmann Roger Daltrey.

5. Little Wing (1967)

Was klingt wie der Name einer amerikanischen Ureinwohnerin, ist wohl auch so gemeint, wie Hendrix 1968 in einem Interview berichtete: „Der Titel basiert auf einem sehr, sehr einfachen indianischen Stilmittel“, erzählt Hendrix. „Ich bin auf die Idee gekommen, als wir in Monterrey waren und ich mir die Umgebung angeschaut habe. Ich dachte mir, dass ich alles, was ich sehe, in eine Art Form bringen könnte, vielleicht die eines Mädchens, und dass ich sie Little Wing nennen könnte, und dann würde sie einfach wegfliegen.“ Eine schöne Idee — und einer von Hendrix’ besten Songs!

6. Castles Made Of Sand (1967)

In Castles Made Of Sand verbreitet Hendrix nicht gerade die sprühende Lebensfreude. So handelt Strophe eins von einer in die Brüche gegangenen Beziehung; Strophe zwei erzählt die Geschichte eines jungen amerikanischen Ureinwohners, der im Schlaf überrascht und getötet wird. „Castles made of sand / melts into the sea, eventually“, singt Hendrix dazu. Ein wenig erbaulicher wird es erst in Strophe drei, in der eine Rollstuhlfahrerin ein vorbeifahrendes goldenes Schiff entdeckt und daraufhin von ihrem Suizidvorhaben ablässt. Eine Nummer mit Tiefgang, die zweifelsohne zu Hendrix’ Meisterwerken gehört.

7. Fire (1967)

Auf den ersten Blick sieht der Text von Fire nach Ferkelkram aus, doch der Ursprung der Nummer soll ein ganz anderer sein. So soll Experience-Bassist Noel Redding seinen Kollegen Hendrix nach einem Gig an einem kalten Silvesterabend ins Haus seiner Mutter eingeladen haben. Völlig durchgefroren hatte der Gitarrist nur einen Wunsch: sich am Kamin aufzuwärmen. Dort pausierte allerdings gerade der deutsche Schäferhund Rover von Reddings Mama, was Hendrix zu folgenden Worten bewegt haben soll: „Aw, move over, Rover, and let Jimi take over!“ Heute ist der Ausruf eine Textzeile des Songs Fire.

8. All Along The Watchtower (1968)

Eigentlich stammt diese Nummer ja von Bob Dylan, doch selbst der Folk-Papst spielte All Along The Watchtower später so wie Hendrix. Der wiederum hatte schon früher Gefallen an Dylans Songs gefunden und zum Beispiel Like A Rolling Stone gecovert. Als ihm 1967 die noch nicht veröffentlichten Masterbänder des Dylan-Albums John Wesley Harding zugespielt wurden, packte es ihn. „Hendrix kam mit diesen Dylan-Tapes an und wir haben sie zusammen im Studio zum ersten Mal gehört“, erinnerte sich Toningenieur Andy Johns später in einem Interview. Zunächst wollte Hendrix das Stück I Dreamed I Saw St. Augustine covern — doch All Along The Watchtower gefiel ihm schließlich noch besser.

9. Voodoo Child (Slight Return) (1968)

Was den Titel dieses Stücks betrifft, herrscht zurecht ein wenig Verwirrung. Es gibt von Hendrix nämlich auch einen Song namens Voodoo Chile, der stolze 15 Minuten dauert. Der Länge entsprechend zog sich auch die Aufnahme der Nummer am 2. Mai 1968, weshalb sich Hendrix und seine Band am Tag danach Schöneres vorstellen konnten als das kleine Epos gleich noch einmal spielen zu müssen. Weil sie aber Besuch von einer Filmcrew bekamen, entwickelten sie kurzerhand das inzwischen deutlich beliebtere Voodoo Child, eine „leichte Rückkehr“ („slight return“) zu Voodoo Chile. Beide Kompositionen sind auf dem Album Electric Ladyland zu finden.

10. Crosstown Traffic (1968)

Zu Hendrix’ geradlinigeren Veröffentlichungen zählt der Song Crosstown Traffic, der etwas weniger Gitarrengefrickel enthält und dadurch sehr eingängig klingt. Inhaltlich wirkt die Nummer wie eine klassische Absage nach einem One-Night-Stand. So heißt es im Text unter anderem: „I’m not the only soul who’s accused of hit and run / Tire tracks all accross your back, I can see you had your fun / But darling, can’t you see my signals turn from green to red / And with you I can see a traffic jam straight up ahead“. Autsch.

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„All Along The Watchtower“: Wie Bob Dylan Jimi Hendrix einen Riesen-Hit bescherte

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Popkultur

Zeitsprung: Am 27.11.1969 wird Myles Kennedy geboren.

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Thorsten Seiffert, RocknRoll Reporter

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.11.1969.

von Thorsten Seiffert und Christof Leim

Irgendwas muss dran sein an dieser Stimme. Myles Kennedy singt bei gleich mehreren großen Rockbands, und sogar die Gruppen, bei denen er fast gelandet wäre, erweisen sich im Nachhinein als äußerst spannend. Am 27. November hat der Mann Geburtstag.

Hier könnt ihr euch Myles Kennedys Soloalbum Year Of The Tiger anhören:

Geboren wird der Sänger und Gitarrist am 27. November 1969 als Myles Richard Bass in Boston, Massachusetts. Den Nachnamen Kennedy erhält er, als die Mutter nach dem Tod des Vaters erneut heiratet. Schon früh in seiner Kindheit beginnt Myles, die Trompete zu malträtieren, und hat gar eine Luftgitarrenband mit seinen besten Freunden. Als es dann Instrumente aus Holz gibt und er richtig in die Saiten dreschen kann, geht es Schlag auf Schlag: Animiert von einem Jazz-Kurs, den der junge Mann an der Highschool belegt, steigt er 1990 in eine Jazzformation mit dem Namen Cosmic Dust Fusion Band oder kurz Cosmic Dust ein. Sein Talent zeichnet sich schon damals deutlich ab, schnell macht er sich durch die Kombination seines musikalischen Wissens mit einer rockigen Spieltechnik einen Namen in der lokalen Szene. Dass Myles Kennedy auch als Fusion-Jazzer eine mehr als respektable Figur abgibt, beweist das erste Album von Cosmic Dust namens Journey  von 1991. Für den Song Spiritus gewinnt die Band 1993 sogar einem mit 5000 Dollar dotierten Preis

Aus Jazz wird Grooverock

Beim Jazz wird es nicht bleiben, doch der Weg zum Rockstar hält noch einige Abzweigungen bereit. Myles verlässt den kosmischen Staub und wird singender Gitarrist bei Citizen Swing, einer soulig und bluesig klingenden Truppe mit Alternative-Einschlag. Auch hier gibt es Hörbares: 1993 haut die Band das Album Cure Me With The Groove raus. 1995 folgt noch Deep Down, dann zieht die Kombo einen Schlussstrich. Kennedy, der inzwischen als Gitarrenlehrer arbeitet, will härter rocken und gründet mit einigen Kindheitsfreunden und einem Citizen-Swing-Kollegen eine neue Gruppe: The Mayfield Four. 

Ein erstes Demo (Thirty Two Point Five Hours) kommt so gut an, dass Epic Records einen Vertrag rausrücken. So langsam kommt Myles’ Karriere also in Fahrt. Das Debüt Fallout von 1998 wird intensiv live präsentiert, im Rahmen der mehr als ein Jahr dauernden Tour spielen The Mayfield Four mit Bands wie Stabbing Westward, Big Wreck und Creed zusammen. Obwohl die Kritiken gut ausfallen, findet Fallout nicht den Weg in die Charts. 

Hier könnt ihr euch The Mayfield Four anhören:

Jetzt ruft Hollywood

Während sich die Band abstrampelt, den Durchbruch zu schaffen, erhält Myles Kennedy das Angebot, in dem Hollywood-Streifen Rock Star mit Mark Wahlberg und Jennifer Aniston mitzuspielen. Der Film lehnt sich vage an die Story von Tim „Ripper“ Owens Einstieg bei Judas Priest an und erzählt von einer fiktiven Band namens Steel Dragon. Kennedy spielt dabei einen Fan, der zum Ende auf die Bühne gezerrt wird, um das Konzert als Sänger zu beenden, während der Frontmann und Protagonist (Wahlberg) sich absetzt. Kennedy ist der einzige Darsteller in Rock Star, dessen echte Gesangsstimme wir zu hören bekommen. Als Schauspieler will sich Myles nach dieser Erfahrung nicht sehen: „Das war schon witzig, und ich habe nichts nachgestellt. Ich war einfach ein Typ aus der Provinz, der mit den Schwergewichten in Hollywood einen Film dreht“, sagt er später. „Es fiel mir leicht, diesen dämlichen Typen abzugeben, dazu gehörte kein bisschen Schauspielerei.“

Seiner Band The Mayfield Four hilft der Auftritt indes nicht. 2001 wird das zweite Album Second Skin veröffentlicht: wieder mit guten Reaktionen, wieder kein Erfolg. Das nagt an Kennedy, und die Gruppe bricht auseinander. In einem Interview mit Pulse Weekly erklärt er später, dass er sich zu diesem Zeitpunkt, also 2002, ausgebrannt von der der Musikindustrie fühlte und zudem nach Jahren der hohen Lautstärken einen Tinnitus entwickelt hat. „Ich kann das nicht mehr machen, meine Ohren lassen das nicht zu“, sagt er damals und fällt in eine Depression. Mit Bands beschäftigt sich Kennedy in dieser Phase nicht und gibt stattdessen Gitarrenunterricht.

Myles will nicht mit Slash spielen

Doch es geht auch wieder aufwärts: Wie gesagt muss etwas dran sein an dieser Stimme, denn 2002 meldet sich Gitarrengott Slash, der einen Sänger für seine neue Band Velvet Revolver sucht und Kennedys Demo gehört hat. Doch unser Mann entscheidet sich dagegen, ergreift ein Jahr später aber eine andere Chance: Creed-Gitarrist Mark Tremonti möchte, dass Myles einige Songs für ihn einsingt. 

Creed-Gitarrist Mark Tremonti gewinnt Myles Kennedy 2003 für seine Band Alter Bridge – Pic: Thorsten Seiffert, RocknRoll Reporter

So entstehen Alter Bridge, die neue Band der Creed-Musiker Tremonti, Scott Phillips und Brian Marshall. Die Chemie stimmt, und nun wendet sich das Blatt: Während das Debüt One Day Remains (2004) gemischte Reaktionen bei den Kritikern hervorruft, stehen die Fans auf den Sound, was letztlich in einer goldenen Schallplatte gipfelt. Mit Alter Bridge geht es hervorragend weiter, und Kennedy wird immer bekannter. Blackbird erscheint 2007, spätestens mit AB III (2010) gehört die Band zu den großen Namen im internationalen Rockzirkus.

Wenn Rockgötter anrufen…

2008 schließlich macht ein gewichtiges Gerücht die Runde: Myles Kennedy soll Robert Plant bei Led Zeppelin ersetzen, als dieser nach der einmaligen Live-Reunion der Band 2007 lieber wieder sein eigenes Süppchen kochen will. Wow! Kennedy schweigt zu alledem, bis er 2009 dann doch ausplaudert, dass er tatsächlich mit Jimmy Page, John Paul Jones und Jason Bonham geprobt und gejammt habe. Jason, Sohn des legendären Originalschlagzeugers John Bonham, hatte ebenfalls in Rock Star mitgespielt, sich an den begnadeten Sänger erinnert und diesen Jimmy Page vorgeschlagen. Ob es Songs aus dieser kurzen Zusammenkunft gibt, bleibt jedoch bis heute schleierhaft. „Ich fühlte mich einfach unglaublich geschmeichelt, mit diesen Jungs im selben Raum zu stehen“, kommentiert Kennedy 2010 gegenüber Music Radar. „Alles, was ich über Rock gelernt habe, habe ich von Led Zeppelin. Nur in Jimmy Pages Nähe zu sein, war unglaublich.“

Myles Kennedy und Slash live 2015 – Pic: Harmony Gerber/WireImage/Getty/Images

Neuer Versuch mit Slash

Obwohl Myles der Guns N’ Roses-Legende Slash damals abgesagt hat, lässt dieser nicht locker – und „füttert“ den Alter-Bridge-Sänger mit einem einzigen Song langsam an. Auf dem einfach Slash betitelten Solodebüt des passionierten Zylinderträgers soll Myles einen einzigen Track singen, nämlich Starlight. Kurz vor Schluss der Aufnahmen rückt der Gitarrenheld aber mit einem weiteren Lied heraus, und auch auf dem in letzter Minute eingespielten Back From Cali beeindruckt Kennedy am Mikro. Die Zusammenarbeit läuft so gut, dass Slash ihn als Frontmann mit auf Tour nimmt und anschließend auch als Hauptsänger für seine nächsten Alben engagiert. So hören wir Myles auf Apocalyptic Love (2012), World On Fire (2014) und Living The Dream (2018). Slashs Liveband trägt sogar den Namen Myles Kennedy & The Conspirators.

Gleichzeitig läuft die Karriere von Alter Bridge ganz vorzüglich mit regelmäßigen Veröffentlichungen und Touren, so dass unser Mann quasi ständig unterwegs ist. Doch das scheint nicht zu reichen, denn 2018 erscheint noch sein erstes Soloalbum Year Of The Tiger, für das er auch Konzerte spielt

Hier hat also jemand all seine Rock’n’Roll-Träume erfüllen können. Wir schicken Myles Kennedy, der mit seiner Frau Selena in Spokane im Bundesstaat Washington lebt, laute Grüße zum Geburtstag!

Zeitsprung: Am 18.4.1974 rockt Mark Tremonti von Alter Bridge und Creed los.

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Popkultur

Eine Nacht im Bordell: Die lieblose Hochzeit von Ike und Tina Turner

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Ike & Tina Turner
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Die Ehe von Ike und Tina Turner war durch zahlreiche Tiefpunkte geprägt. Aggression, körperliche Gewalt, Betrug: Von süßem Eheleben kann wohl kaum die Rede sein. Doch wie kam es eigentlich zu der Hochzeit? Und was zur Hölle dachte sich Ike, als er Tina in der Hochzeitsnacht in ein Bordell schleppte?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der größten Hits von Ike & Tina Turner anhören:

Mit mehr als 100 Millionen verkauften Platten gehört Tina Turner zu den erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten. Ike Turner hat im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere keine 100 Millionen Platten verkauft. Stattdessen war er kokainsüchtig und hat Tina verprügelt. Dass die beiden unter diesen Umständen ein Paar waren, ist kaum zu glauben. Am 26. November 1962 gaben sich Ike und Tina sogar das Ja-Wort und heirateten. Es war der unschöne Beginn einer unschönen Ehe, die trotz aller Schwierigkeiten 14 Jahre andauerte. Doch wie kam es dazu? Wie sah der Hochzeitstag aus und wie gestaltete sich die Zeit als Ehepaar? Ein Rückblick.

Ike und Tina Turners Hochzeit: Tina hat Angst, nein zu sagen

Als sich Ike und Tina kennenlernen, ist Tina gerade einmal 17 Jahre alt. Sie sieht ihn 1956 bei einem Auftritt seiner Band Kings Of Rhythm, später tritt auch sie der Gruppe bei. Schon bald geht das Duo unter dem Namen Ike And Tina Turner Revue auf Tour. Tina steht mit ihren energiegeladenen Auftritten im Zentrum der Show. Ikes Aggression und seinen Jähzorn lernt sie zu jener Zeit bereits kennen. Dennoch entwickelt sich der sieben Jahre ältere Musiker zu einer Art Mentor für Tina und die beiden landen gemeinsam ihre ersten Hits. Als Ike ihr einen Antrag macht, weiß Tina, dass eine Hochzeit nicht die beste Idee wäre — doch sie hat Angst, nein zu sagen.

Für die Hochzeit reisen Ike und Tina ins damals schon schmucklose Tijuana hinter der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze. In dem Ort, der zu jener Zeit vor allem für seine günstigen Bordelle und Express-Hochzeiten bekannt ist, unterschreiben Ike und Tina einen Wisch in einem schmuddligen Hinterzimmer und sind fortan verheiratet. Kein „Ja, ich will“, keine Glückwünsche. Nur ein Stück Papier. „Ich hatte damals nicht viel Hochzeitserfahrung“, gibt Tina im Interview mit der britischen Daily Mail zu Protokoll. „Doch ich wusste, dass Hochzeiten irgendwie emotional und glücklich sein sollten.“ Ike hat allerdings andere Pläne für den Abend — und schleppt Tina in ein Bordell.

Eine Hochzeitsnacht im Bordell

„Man kann sich nicht vorstellen, was er für ein Mensch war“, erzählt Tina im Interview. „Ein Mann, der seine Frau gleich nach der Vermählung zu einer pornografischen Live-Sex-Show mitnimmt. Ich habe dort gesessen, ihn aus dem Augenwinkel beobachtet und mich gefragt: ‚Findet er das wirklich gut? Wie kann er nur?’ Es war alles sehr hässlich. Der männliche Darsteller war unattraktiv und scheinbar impotent, und das Mädchen … Nun, sagen wir einfach, dass das Ganze eher gynäkologisch war, weniger erotisch. Ich habe mich elend gefühlt und war den Tränen nahe, aber es gab kein Entkommen. Wir sind nicht gegangen, bis Ike fertig war — und er hatte dort viel Spaß.“

Nach der Hochzeit redet sich Tina die Ehe schön. „Am nächsten Tag habe ich vor den Leuten geprahlt“, berichtet die Sängerin. „Ich habe gesagt: ‚Ratet mal, was passiert ist! Oh, Ike hat mich mit nach Tijuana genommen, wir haben gestern geheiratet!‘ Ich habe mir eingeredet, dass ich glücklich war, und für kurze Zeit war ich es auch. Für mich hatte der Gedanke, verheiratet zu sein, eine Bedeutung. Für Ike war es eine weitere Transaktion.“ Die Ehe des Paares ist von Ikes Gewaltausbrüchen und seiner Drogensucht überschattet. Ganze 14 Jahre geht es so, bevor Tina im Jahr 1976 die Scheidung einreicht. Seit 2013 ist sie mit Musikmanager Erwin Bach verheiratet und lebt in der Schweiz.

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