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Popkultur

Die musikalische DNA von Freddie Mercury

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„Wieder und wieder sagte er: ‚Schreibt mir mehr. Schreibt mir Kram. Ich will es nur einsingen und wenn ich nicht mehr bin, könnt ihr es zu Ende bringen.‘ Er hatte wirklich keine Angst“, sagte Brian May über den Sänger seiner Band Queen. Die Geschichte ist bekannt: Freddie Mercury nahm mit Mother Love im Mai 1991 einen letzten Song nur über den Beat einer Drummachine auf, bevor ihn die Kräfte verließen. „Ich bring‘s beim nächsten Mal zu Ende“, soll er gesagt habe. Sechs Monate später aber verstarb er an den Folgen seiner AIDS-Erkrankung und die letzte Strophe wurde nie von ihm, sondern von May aufgenommen.


Hört hier in den Soundtrack zu Bohemian Rhapsody rein:

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Die Anekdote beschreibt sehr gut, was Farrokh Bulsara, wie Mercury bürgerlich hieß, ausmachte. Die Musik ging ihm über alles, für sie verlangte er sich schier unmenschliche Anstrengungen ab –und schaffte dabei Übermenschliches. Nicht ohne Grund nannte ihn ein Roger Daltrey von The Who „den besten Rock’n’Roll-Virtuosen aller Zeiten“. Nicht ohne Grund machte sich 2016 sogar ein Team von Wissenschaftler*innen daran, das Geheimnis von Mercurys Stimme zu ergründen: Warum gefällt sie uns so sehr, was macht ihr Magie aus? Dabei hätte jeder Fan von Queen und Mercurys Musik als Solo-Künstler sofort die richtige Antwort parat: Es ist die unbändige Leidenschaft, die seine Stimme und seine Bühnenpräsenz so besonders machten.

Legendär war ebenso die künstlerische Neugier des Songwriters. „Ich hasse es, dieselbe Sache immer und immer und immer wieder zu machen”, erklärte er einst. „Ich will lieber wissen, was aktuell in Sachen Musik, Film und Theater so los ist, und das alles in meiner Kunst einbauen.“ Gesagt, getan: Kaum ein anderer Musiker, kaum eine andere Band können eine dermaßen vielschichtige Diskografie aufweisen wie Mercury und seine Band. Doch was genau war es, was ihn zu stilistischen Richtungswechseln und neuer Kunst inspirierte? Das erfahren wir mit Blick auf die musikalische DNA von Freddie Mercury.


1. Little Richard – Tutti Frutti

„Er konnte noch den Fans ganz am Ende der Arena das Gefühl geben, dass sie ganz nah bei ihm waren“, sagte May an anderer Stelle über den Kollegen. Und richtig, Mercurys Bühnenpräsenz ist bis heute der Stoff von Legenden. Nicht selten versuchen andere, ihm die flamboyanten Posen nachzumachen. Doch Charisma lässt sich nicht erlernen oder antrainieren! Obwohl es durchaus hilft, die eigenen Idole genau zu studieren. Schon mit zwölf Jahren gründete der kleine Farrokh seine erste Band, damals noch im Internat in der Nähe von Mumbai. Neben Songs von Cliff Richard fanden sich auch die Hits von Little Richard im Repertoire der Rotzlöffel, die unter dem Namen The Hectics firmierten.

Mit seinem genauen Gehör und seiner Leidenschaft für westliche Pop-Musik fiel Farrokh schon damals auf. Sein Gebaren auf der Bühne aber? Das war damals erst noch in der Reife, obwohl er am Klavier stehend schon eine gute Figur gemacht haben soll. Little Richard aber wird es vor allem gewesen, der dem aufstrebenden Teenager beigebracht hat, dass gutes Songwriting allein nur die halbe Miete ist. Der Tutti Frutti-Sänger hat ihm wohl aber auch ein paar musikalische Kniffe beigebracht, denn Songs wie Crazzy Little Thing Called Love – angeblich von Mercury innerhalb weniger Minuten in der Badewanne geschrieben – beziehen sich eindeutig auf den Sound, für den Little Richard als Musiker erst den Grundstein gelegt hat.


2. The Ronettes – I Can Hear Music

Noch bevor Mercury den Namen Freddie Mercury annahm und mit Queen die Welt im Sturm eroberte, musste auch er sich hocharbeiten. 1972 nahm er unter dem Pseudonym Larry Lurex seine erste Single unter erschwerten Bedingungen auf: In den Londoner Trident Studios wurden ihm die Tore nur zwischen drei und sieben Uhr morgens geöffnet. „Dark Time“ nannte sich das damals. Der Tontechniker Robin Geoffrey Cable nutzte diese Zeit, um seine Fertigkeiten zu perfektionieren und wollte Phil Spectors berühmten „Wall of Sound“-Stil emulieren. Da ihm die Stimme Mercurys gefiel, lud er ihn für ein Cover von I Can Hear Music, einem der größten von Spector produzierten Ronettes-Hits, ein.

Der fackelte nicht lange und lud einen gewissen Brian May sowie den Drummer Roger Taylor zu sich ins Studio. Neben einer Version von Carole Kings und Gerry Goffins Goin’ Back bannten sie auch I Can Hear Music aufs Band. Ihre Version orientierte sich eher an dem bekannten Beach Boys-Cover der Komposition, zeigte aber schon Mercurys erstaunliche Fähigkeiten. Es sollte aber eine einmalige Gelegenheit sein – kurz darauf debütierte Mercury schließlich mit seiner Hauptband! Der Name Larry Lurex übrigens war ein böser Scherz in Richtung Gary Glitter und dem Glam-Rock-Trend. Gut kam die Single nicht an, die in der Woche darauf veröffentlichte Queen-LP aber zum Glück schon mehr. Für die zweite LP übrigens rekrutierten sie erneut Cable, der dem Track Funny How Love Is den „Wall of Sound“-Stil verpasste.


3. Aretha Franklin – (You Make Me Feel Like) a Natural Woman

Die Haltung also stimmte, um den Sound kümmerten sich die richtigen Leute. Fehlte noch? Genau. Der Gesang. Wer genau ganz oben auf Mercurys Liste stand, das ist bekannt: Aus seiner glühenden Verehrung für Aretha Franklin machte er niemals einen Hehl. „Ich wünschte, ich könnte so singen“, sagte er in einem Fernsehinterview. „So wunderschön, so mühelos. Sie singt wie ein Traum, als müsse sie gar nicht nachdenken.“ Worte, mit denen heutzutage vermutlich nicht wenige seinen Beitrag zur Musik charakterisieren würden. Was er beim Live Aid-Konzert im Juli 1983 während des Songs Radio Gaga von sich gab, von dem wird schließlich heute noch als „The Note Heard Round the World“ gesprochen!

Für Stücke wie Somebody To Love lieh sich Mercury die Gospel-Einflüsse Franklins, wie er sie auf Alben wie Amazing Grace besonders schätzte. Sein Lieblingsstück aber? „Ich denke, Natural Woman. Sie hat so viele Singles und Stücke, die ich mag, aber Natural Woman…“, schwärmte er. „Alles von ihr ist allerdings großartig. Ich bin nur sauer, dass George Michael mit ihr ein Duett eingesungen hat – das hätte ich besser gekonnt!“ Das meinte er natürlich mit einem Lacher und einem fetten Augenzwinkern. Ein bisschen gemeinsame Studiozeit mit der Lady Soul hätte ihm aber gefallen – und sei es nur, um ihr Organ auf Somebody To Love zu hören… So allerdings reichte es nur zu einem Ständchen für den traurigsten Anlass überhaupt: Take My Hand, Precious Lord und You’ve Got a Friend wurden auf seiner Beerdigung gespielt.


4. Jackson 5 – I Want You Back

Zu einem anderen Duett hat es allerdings gereicht, und das sogar mit dem größten Pop-Star seiner Zeit. Wer, bitteschön? Na klar, Michael Jackson. 1983 enterte der gemeinsam mit Mercury das Studio, um drei Songs aufzunehmen, einer davon bestimmt für Mr. Bad Guy, dem Solo-Debüt Mercurys. Es sollte aber mehr als drei Jahrzehnte dauern, bis die Fans das Stück hören konnten, dazwischen lagen zähe Verhandlungen vor Gericht. There Must Be More To Life Than This allerdings kam dann doch nicht der musikalischen Offenbarung gleich, die sich viele von der ungleichen Paarung erhofft hatten. Kein Wunder, dass die beiden sich gegen die Veröffentlichung entschieden hatten.

Noch bevor Jackson zum größten Star der achtziger Jahre aufstieg und sogar noch vor Mercurys ersten Erfolgen mit Queen war er der Stimme aus der Motor City verfallen. Seine Mitbewohner konnten ein Lied davon singen! Er spielte I Want You Back in Dauerschleife. Dabei war es doch eine waschechte Rock-WG… Aber so war Mercury: Offen für andere Musikstile und neugierig auf das, was es da draußen noch zu entdecken gab. Dass er sich eines Tages mit dem Lead-Sänger der Band anfreunden würde und schließlich mit ihm (und, so will es die Legende, seinem Lama!) im Studio einschließen würde, konnte damals ja noch niemand ahnen. Nur geglückt ist es nicht. Angeblich sogar waren die beiden nach der Episode ziemlich genervt voneinander…


5. Chic – Good Times

Dabei hatte es doch alles so toll angefangen und die beiden Sänger waren wie wild um die Häuser gezogen, bevor sich Jackson in seine „Festung“, wie Mercury es nannte, zurückzog. Die gemeinsamen Clubnächte werden aber wohl unvergessen geblieben sein. Stellt euch das mal vor, Mercury und Jackson auf dem Dancefloor! Mercurys Affinität für die Disco-Szene war bestens dokumentiert. Ausgerechnet in München fand er während der Aufnahmen des Queen-Albums Hot Space seinen Sweet Spot – und nebenbei, so heißt es, auch seine große Liebe. Musikalische Inspiration aber war ebenso drin.

München war die Hauptstadt des Euro Disco-Sounds, wie ihn vor allem der Produzent Giorgio Moroder prägte, seines Zeichens unter anderem für den Donna Summer-Hit I Feel Love verantwortlich. Aber auch aus der US-amerikanischen Disco-Szene kam die Inspiration für Queen, vor allem Mercury. Dass ein Song wie Chics Good Times sich auf den Sound von Stücken wie Another One Bites The Dust auswirkte, hat wohl aber nicht nur musikalische Gründe. Die Disco-Community war ein sicherer Hafen für Menschen, die ihrer Sexualität oder sexuellen Identität wegen von der Mehrheitsgesellschaft an den Rand gedrängt wurden. Der Dancefloor war für viele von ihnen der einzige Ort, wo sie furchtlos mit anderen sie selbst sein konnten. Der homosexuelle Mercury wird sich sicherlich auch mit diesem Aspekt der Disco-Kultur identifiziert haben.


6. David Bowie – Space Oddity

Während seiner Karriere, ja bis zu seinem Tod sah sich Mercury der Diskriminierung ausgesetzt. Die Presse schlachtete alle Gerüchte über seine Homosexualität genüsslich aus, Frieden gab es für ihn keinen. Währenddessen nahm es ihm die queere Community übel, dass er sich lange Zeit nicht offen zu ihr bekannte. Das glorreiche Leben der Stars, es hat eben seine Schattenseiten. Das gilt insbesondere für diejenigen, die nicht dem gesellschaftlichen Ideal entsprechen. Es sei denn natürlich, es handelt sich um David Bowie. Wie kein anderer konnte der Brite Grenzen überschreiten und wurde genau dafür gefeiert. Vielleicht manchmal zu Unrecht: Noch heute steht nicht mit Sicherheit fest, ob Bowies Bisexualität mehr als nur ein flotter Marketing-Gag war…

Sei‘s drum, Mercury schaute zu dem älteren Pop-Giganten auf. Wortwörtlich tat er das 1969 auf dem Kensington Market in London, als er Bowie kurz nach dessen Durchbruch mit Space Oddity ein neues Paar Stiefel anpasste! So zumindest will es die Legende. Als aus dem Schuster schon längst ein Millionär geworden war, fanden die beiden erneut zueinander und nahmen mit Under Pressure das wohl denkwürdigste Duett der Rock-Geschichte auf. Die Bewunderung beruhte nämlich auf Gegenseitigkeiten: „Von allen theatralischen Rock-Performern hat es Freddie weiter voran getrieben als der Rest… Er hat sie alle von der Klippe geschmissen“, sagte Bowie über den Kollegen. „Und natürlich habe ich immer viel Bewunderung für einen Typen in Strumpfhosen über!“ Ein Typ in Strumpfhosen übrigens, der Bowie an einem Tag im Jahr 1969 seine Stiefel angeblich sogar umsonst überließ…


7. The Beatles – A Day In The Life

Im Geben war Mercury besonders gut, wie auch seine Freund*innen stets zu berichten wussten. Doch hin und wieder nahm er auch. Noch vor dem schicksalsträchtigen Treffen mit Bowie ging ihm immer wieder eine Zeile durch den Kopf, zu der ihm partout keine Melodie einfallen wollte und die heute zu den bekanntesten der Rock-Geschichte gehört: „Mama, just killed a man…“. Den Knoten lösen konnte er dank vier Pilzköpfen, die mit A Day In The Life den perfekten Backing-Track dafür geschrieben hatten. Glaubt ihr nicht? Versucht mal, den Anfang von Bohemian Rhapsody über das Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band-Stück zu singen! Klappt, oder? Nur der Rest natürlich klingt ganz anders…

Es war nicht das erste Mal, dass Queen in die Fußstapfen der Fab Four traten: Schon ihr Debüt hatten sie im ehemaligen Studio der Beatles aufgenommen. Die Beatles gab es damals schon nicht mehr, immerhin aber lebten sie noch alle. Besonders John Lennon stach als Solo-Künstler und Persönlichkeit hervor – er war Mercurys Favorit. „Ich würde mich nie auch nur überhaupt mit ihm vergleichen, denn er war einfach der Beste“, sagte er brüsk in einem Fernsehinterview auf die Frage hin, wie er sich in Relation zu Lennon sehe. „John Lennon war einzigartig, ein Unikat. Ich bewundere ihn sehr.“ Wer nicht?


8. Elton John – Your Song

Insbesondere mit Lennons Engagement als Friedensaktivist wollte sich Mercury keinesfalls messen. Dabei hatte er selbst doch einigen politischen Einfluss! Oder zumindest in Großbritannien Kontakte nach ganz oben. Denn er konnte Lady Di als enge Vertraute zählen und schmuggelte sie sogar der Legende nach undercover in einen von Londons berüchtigsten Schwulenclub! Die nur wenige Jahre nach Mercury tragisch verstorbene Prinzessin war auch mit Elton John gut befreundet, der wiederum bestens mit Mercury konnte. Ein tolles Trio! Doch das Schicksal riss sie auseinander. Dass sich Lady Di und Elton John für die Bekämpfung der AIDS-Epidemie und gegen die Stigmatisierung der Erkrankten einsetzen, lag vor allem daran, dass sie den Krankheitsverlauf aus nächster Nähe mit ansehen mussten.

Mercury und den Kollegen verband eine langjährige Freundschaft, die nicht selten feucht-fröhlich verlief. „Er konnte mich unter den Tisch feiern – und das soll schon was heißen!“, erinnerte sich John an die wilden Partynächte der beiden. Nicht etwa, dass die beiden nur im Club miteinander auskamen. Selbst über den Tod hielt die Freundschaft: Einen Monat, nachdem Elton John als einer der wenigen Gäste auf Mercurys Beerdigung anwesend war, wurde ihm ein Gemälde angeliefert. Auf einem Kärtchen stand „Liebe Sharon, ich dachte, das sollte dir gefallen. Alles Liebe, Melina. Frohe Weihnachten.“ Ein Geschenk von Mercury, das er Monate vorher organisiert hatte. Sharon und Melina, so John, seien die Drag-Namen der beiden für einander gewesen.


9. God Save The Queen

Bis kurz vor seinem Tod war die Diagnose Mercurys nicht öffentlich bekannt, viel wurde jedoch wurde darüber spekuliert. Elton John selbst sagte, er habe die schlimme Botschaft bereits 1987 erfahren, ein Jahr nach dem letzten öffentlichen Auftritt von Mercury mit seiner Band. Am 9. August 1986 spielte Mercury im Knebworth Park in England das letzte Queen-Konzert seines Lebens – vor 160 000 Menschen! Das theatralische Ende des Konzerts scheint rückwirkend ein schlechtes Omen zu sein: Während God Save the Queen, die britischen Nationalhymne lief, verabschiedete er sich mit einer Krone in der Hand von seinem Publikum: „We love you!“ So ging er, der König…

Dass sich Mercury der britischen Krone dermaßen verpflichtet sah, verwundert zuerst. Denn schließlich wurde er selbst nicht dort, sondern nur im britischen Kolonialgebiet geboren, in Sansibar, heute Teil des Unionstaats Tansania, das erst 1963 seine Unabhängigkeit erklären konnte. Seine Kindheit hingegen verbrachte Farrokh in Indien, wo der britische Kolonialismus im Namen der Krone ebenfalls seine Spuren hinterlassen hatte. Dennoch zog es ihn auf die Insel, dennoch konnte er sich dort am besten arrangieren und starb 1991 in Kensington, fünf Jahre nachdem er noch mit Queen der Queen einen letzten Tribut gezollt hatte.


10. Sex Pistols – God Save The Queen

Manche werden bei dem Titel God Save The Queen vermutlich nicht an die britische Hymne, sondern eine ganz bestimmte Band denken: Die Sex Pistols brachten mit der Veröffentlichung ihrer gleichnamigen Single Punk in den Mainstream und brachen damit eine musikalische Revolution los. Wer war schuld? Natürlich Freddie Mercurys Zahnarzt! Wie bitte? Genau, richtig gelesen. Die Story läuft wie folgt: Am 1. Dezember 1976 müssen Queen ihren Auftritt bei Bill Grundys Today-Show absagen, weil Mercury seinen ersten Termin seit angeblich 15 (!) Jahren wahrnimmt. Die Dentalpflege kann nicht warten!

Queens damaliges Label EMI macht aus der Not eine Tugend und schickt stattdessen ein neues Signing zu Grundy: die Sex Pistols. Das Interview wurde legendär: Alle Beteiligten – ja, anscheinend auch Grundy – haben ordentlich einen im Tee und lassen kein Fettnäpfchen aus. Sogar eine Hakenkreuz-Binde ist zu sehen und das Wort „fucker“ zu hören. Für die damalige Zeit ist das kurze Gespräch ein echter Skandal, den die Yellow Press begierig aufgreift. Die Band wird national bekannt und bald schon interessieren sie sich auch außerhalb der Insel für die Pistols. Die Punk-Revolution, wir haben sie also – zumindest teilweise – Mercurys zwickendem Gebiss zu verdanken… Na sowas auch!


Hör hier in die musikalische DNA von Freddie rein:

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Popkultur

25 Jahre „Three Dollar Bill, Y’all“: Limp Bizkit starten ihren Kreuzzug des schlechten Geschmacks

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Limp Bizkit
Foto: Brenda Chase/Getty Images

Nu Metal ist längst auf dem Vormarsch, als Limp Bizkit mit ihrem Debüt Three Dollar Bill, Y’all um die Ecke biegen. Der provokante, für viele abstoßende White-Trash-Appeal von Fred Dursts wilder Bande ist 1997 für viele dann aber doch noch zu viel.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Three Dollar Bill, Y’all anhören:

Limp Bizkit liebt man oder hasst man. Dazwischen, so kann man nach 25 Jahren sicher sagen, gibt es nicht viel Spiel. Genau so wie es sich Fred Durst damals also vorstellte, als er zu Beginn der Neunziger eine Band gründet. Durst steht auf Hip-Hop ebenso wie auf Heavy Metal, skatet, liebt Tattoos, Beatboxen und Breakdancen. Ziemlich viel Cringe-Potential natürlich für einen weißen Dude Anfang 20 in North Carolina. Aber Hobbys sind eben Hobbys.

Nach Stippvisiten bei bedeutungslosen Lokalbands hat er genug und nimmt die Dinge einfach mal selbst in die Hand. Gesegnet mit jeder Menge Selbstbewusstsein, einen gewöhnungsbedürftigen Sinn für Humor und einer Vorliebe für Provokation kann er Bassist Sam Rivers und dessen Cousin, Jazz-Drummer John Otto von seinen Plänen überzeugen. Bald darauf wird das junge Glück ergänzt von Gitarrist Wes Borland. Als Durst einen zweiten Gitarristen an Bord holen will, um den Sound breiter und variabler zu gestalten, funkt Borland dazwischen: Nö, nix da, sagt der, ein Gitarrist reicht völlig. Stattdessen stößt DJ Lethal von House Of Pain zu der jungen Band, völlig begeistert davon, wie er sich hier im Vergleich zu seinen alten Hip-Hop-Buddies ausleben kann: Knallharter Sound, kompromisslose Attitüde, hohes Aggressionspotential und eine durchaus originelle Vermischung von Rap und Metal.

Das Beachtenswerte: Ohne es zu wissen, schart Fred Durst schon in den frühen Tagen ein Line-Up um sich, das bis zum heutigen Tag unverändert bleiben und gemeinsam über 40 Millionen Tonträger verkaufen soll. Nicht schlecht für die selbstgefälligen Visionen eines gelangweilten Twens mit großer Klappe. Aber das ist bei Fred Durst eben immer schon so: Große Klappe, was dahinter.

Schocken um jeden Preis

Er ist es auch, der seiner Band den Namen Limp Bizkit gibt. Er will die Menschen bewusst anwidern, will sie abschrecken und schon sehr frün die Spreu vom Weizen trennen. Wer sich schon von diesem Namen abschrecken lässt, denkt er sich, ist für die Musik eh nicht bereit. Damit soll er Recht behalten: Mit ersten Demo-Songs erregen sie zwar durchaus die Aufmerksamkeit einiger Plattenfirmen, ausnahmslos wird jedoch verlangt, die Band solle ihren Namen ändern. Nicht mit Durst! Der sieht lieber mit Wohlwollen, wie sich seine Band eine Kult-Anhängerschaft erarbeitet. Klar, Korn und die Deftones feiern damals schon große Erfolge; für den expliziten, trashigen, inhaltlich fragwürdigen, überzeichneten bewusst geschmacklosen Nu-Metal-Abriss hat man damals aber einfach noch keine Schublade.

Fred Durst ist überall unterwegs, um für seine Band Werbung zu machen, gibt sich schon auch mal als deren Manager auf, um dick aufzutragen. Wes Borland derweil entwickelt sein Faible für bizarre Kostümierungen, die schon bald einer der Hauptgründe sind, weshalb immer mehr Menschen zu Shows von Limp Bizkit kommen. Irgendwie kann Durst sogar Korn davon überzeugen, seine Band mit auf Tour zu nehmen, obwohl sie damals noch nicht mal einen Plattenvertrag haben.

Geschmacklos und stolz drauf

Den gibt es dann irgendwann doch – und natürlich ohne Namensänderung. Fred Durst kennt die Mechanismen der Industrie zu diesem Zeitpunkt schon beeindruckend gut. Dass er das Limp-Bizkit-Debüt trotzdem Three Dollar Bill, Y’all nennen muss – Queer as a three dollar bill ist eine homophobe Beleidigung –, ist mehr als nur ein Kopfschütteln wert. Aber da hat er sich eben schon eingeschossen auf seine Antihaltung, auf sein gezieltes Anecken, Anwidern, Anpissen.

Was George Michael wohl davon hielt?

Dafür hätte allein der Sound der Platte gereicht: Was am 1. Juli 1997 erscheint, ist ein verstörend hart produziertes, chaotisches, wütendes Album, das hörbar von Tool oder den Deftones geprägt ist, aber zu gleichen Teilen mit breitbeinigem Rap-Gehabe aufwartet und völlig unsubtil auf die Fresse gibt. Pollution ist ihr erster kleiner Hit, mit Counterfeit machen sie sich schon auf ihrem Debüt über Bands lustig, die sie kopieren. Klar, auch ihr anarchisches, tollwütiges Cover von George Michaels Faith, in Undergroundkreisen damals längst Legende, findet sich auf Three Dollar Bill, Y’all wieder. „Wir wussten, dass wir nur auffallen können, wenn wir die Leute schocken“, so Wes Borland damals. „Das bewegt die Leute.“

Scheint zu klappen: Nach dem Release touren sie im Vorprogramm ihrer Helden von Faith No More (wenn auch vor einem sehr ablehnenden Publikum), werden mehr und mehr von MTV entdeckt. Das Album wird zum Erfolg und zündet eine neue Stufe in Sachen Nu-Metal-Welteroberung. Man muss nicht mögen, wie Fred Durst in seinen Texten mit Frauen umgeht; man muss aber immer im Hinterkopf behalten, worum es ihm seit Tag eins bei dieser Band geht: Darum, dass sich die Menschen angewidert abwenden. Das zumindest ist spätestens 1999 allerdings passé: Der Nachfolger Significant Other verkauft sich gleich mal 16 Millionen Mal. Liebe oder Hass: Respekt vor Fred Dursts genialer Strategie muss man haben. Und die Songs, die knallen auch 25 Jahre später noch.

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Popkultur

Scum: Napalm Death und ihr Split-Album mit sich selbst

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Scum Album Cover

„"40 Songs in 33 Minuten: Zeitverschwendung kann man Napalm Death auf Scum wahrlich nicht vorwerfen. Bei der Produktion der Platte sieht das ein wenig anders aus, denn das Debüt der Briten erscheint in zwei Etappen — und am Ende sind darauf quasi zwei unterschiedliche Bands zu hören.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Scum anhören:

Kaum eine Band hat die Extreme der Krachmusik derart ausgelotet wie Napalm Death aus Birmingham. 1981 gegründet, startet die Gruppe ab 1985 so richtig durch. Napalm Death spielen zu jener Zeit regelmäßig im Birminghamer Club The Mermaid, wo sie nicht nur allein auf der Bühne stehen, sondern auch so ziemlich jede Band von außerhalb supporten. Einige Monate, Besetzungswechsel und Demos später kapern sie ein Studio und nehmen ihr erstes Album Scum auf — oder zumindest einen Teil davon. Die Platte entsteht nämlich in zwei Hälften.

Während ihres ersten Studioaufenthalts entstehen Stücke wie The Kill, Death By Manipulation und You Suffer ein. (Mit You Suffer landen die Briten später im Guinness-Buch der Rekorde, doch dazu gleich mehr.) Zwar hatten die Musiker diese Nummern schonmal für ein Demo aufgenommen, doch für die Albumversion treten sie das Gaspedal noch ein wenig tiefer durch und spielen die Kompositionen um einiges schneller. Die Kosten für das Studio übernimmt Mermaid-Veranstalter Daz Russell. Er bietet der Band außerdem an, die Aufnahmen über sein neues Label zu veröffentlichen, doch Napalm Death behalten die Master-Bänder lieber für sich. Die Begründung: Russell hatte die Musiker nie dafür bezahlt, dass sie im Mermaid aufgetreten waren.

Scum: Ein Album in zwei Anläufen

Nach den Aufnahme-Sessions wird die Luft in der Band dicker. Gleich mehrere Mitglieder fühlen sich berufen das Steuerrad zu übernehmen, es kommt zum Streit. Erneut dreht sich das Besetzungskarussell, einzig Schlagzeuger Mick Harris bleibt Napalm Death erhalten. 1986 kommt die Gruppe mit Digby Pearson in Kontakt, der gerade sein neues Label Earache Records an den Start gebracht hat. Nach nur wenigen Monaten unterschreiben Napalm Death einen Plattenvertrag mit ihm und Pearson kauft das Master-Band, dass die Musiker bisher zurückgehalten hatten. Mit etwa 20 Minuten Spielzeit befindet sich darauf allerdings gerade einmal genug Material für die A-Seite eines Albums. Also schickt er Napalm Death noch einmal ins Studio, obwohl die Band in der neuen Besetzung noch keine drei Stunden zusammen geprobt hat.

Dass auf der A-Seite eine andere Bandbesetzung zu hören ist als auf der B-Seite, gibt es in der Geschichte der Rockmusik nicht so häufig. Nur Schlagzeuger Mick Harris wirkt an beiden Seiten mit. Am Mikro steht nun Lee Dorrian, der später die Doom-Legenden Cathedral gründen wird. Doch trotz der eigenartigen Produktionsumstände wird Earache Records die erste Auflage des Albums innerhalb weniger Wochen aus der Hand gerissen. Zeitgleich spielen Napalm Death ihre erste Tour.

Zum großen Knall kommt es, als der Radio-DJ John Peel die Band in seiner Radiosendung auf BBC 1 Radio spielt und Napalm Death sogar dazu einlädt, eine der legendären Peel Sessions aufzunehmen. Auf einmal kennt die ganze britische Szene die neuen Krachmacher und Earache gibt eine zweite Auflage des Debüts in Auftrag. Ganze 10.000 Exemplare gehen innerhalb kürzester Zeit über die britischen Ladentheken.

You Suffer: Auf den Punk in 1,316 Sekunden

Einen besonderen Stellenwert auf dem Album genießt der Song You Suffer — und zwar nicht wegen seiner üppigen Länge. Gerade einmal 1,316 Sekunden dauert die Nummer und landet somit als kürzester Song aller Zeiten im Guinness-Buch der Rekorde. Außerdem veröffentlichen Napalm Death das Stück zwei Jahre nach Scum als kostenlose Promo-Single. Auf der B-Seite: Mega-Armageddon Death Part 3 von den Electro Hippies aus England. Auch dieses Meisterwerk dauert kaum länger als eine Sekunde, was den beiden Bands einen weiteren Rekord beschert: den der kürzesten Single aller Zeiten.

Heute gehören Napalm Death seit vielen Jahrzehnten zu den festen Institutionen der Krawallmusik. Mit Mick Harris verlässt im Jahr 1991 der letzte Musiker die Band, der auf Scum zu hören ist, inzwischen stehen vor allem Sänger Mark „Barney“ Greenway, Schlagzeuger Shane Embury und Gitarrist Mitch Harris für den Sound der Gruppe. Dennoch bleibt Scum ein wichtiges Standardwerk, das Ende der Achtziger Grenzen aufbricht, den Grindcore mit Karacho in der Musikwelt etabliert und laut Autor Ian Christe den zehnjährigen Wettbewerb um den schnellsten und härtesten Sound beendet. Bei 40 Songs in einer guten halben Stunde ist das absolut kein Wunder.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 1.7.1945 kommt Debbie Harry von Blondie zur Welt.

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Debbie Harry in den Siebzigern. Foto: Anthony Barboza/Getty Images

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 1.7.1945.

von Frank Thießies und Christof Leim

Kaum eine andere Künstlerin hat für den Frontfrauen-Feminismus und die Stärkung des weiblichen Selbstbewusstsein im Rockgeschäft so viel getan wie Blondie-Sängerin und Schauspielerin Debbie Harry, ohne die es die Karrieren von Madonna bis Lady Gaga vielleicht so nicht gegeben hätte. Am 1. Juli feiert die platinblonde Pop-Pionierin Geburtstag.

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Blondie anhören:

Als Angela Trimble wird sie in Florida geboren, doch bereits ab dem zarten Alter von drei Monaten wächst das nun in Deborah Ann umbenannte Mädchen bereits bei Adoptiveltern mit den Nachnamen Harry in New Jersey auf. Sie zeigt bereits früh viel Fantasie und ein Faible für Glamour. Sie gibt sich sogar tagträumerisch der Fantasie hin, sie könne wohlmöglich die leibliche Tochter von Marilyn Monroe sein. Entsprechend zieht es die junge Dame nach dem College-Abschluss Ende der Sechziger nach New York, wo sie unter anderem als Sekretärin für die britische Rundfunkanstalt BBC, als Kellnerin, Go-Go-Tänzerin und Bunny-Bedienung im Playboy Club Manhattan arbeitet. 

Platin heißt die Devise

Auch der Musik ist Debbie Harry nicht abgeneigt: So singt sie für die Folk-Truppe The Wind In The Willows Background und unternimmt einen ersten eigenen Gehversuch in der Gruppe The Stilettos. Als schicksalsträchtig erweist sich schließlich die Begegnung mit dem Gitarristen Chris Stein im Jahre 1974, mit dem sie fortan fünfzehn Jahre liiert sein wird und dem sie auch danach künstlerisch und menschlich eng verbunden bleibt. Zusammen rufen die beiden zunächst die Gruppe Angel And The Snake ins Leben, die sie kurz darauf aber in Blondie umtaufen. Das langlebige Gerücht, man habe sich nach Hitlers Schäferhund benannt, ist allerdings Quatsch: Blondie nennen sich Blondie, weil so der Spitzname lautet, den die Männerköpfe verdrehende Harry auf der Straße von Bewunderern zugerufen bekommt, nachdem sich ihren eigentlich natürlich rotblonden Schopf einer Wasserstoff-Blondierung unterzogen hatte. 

Zu Pop für Punk?

Im neuen Hauptquartier der Punk-Bewegung, dem New Yorker Kult-Club CBGB’s, gehören Blondie Mitte der Siebziger zur Stammbesetzung auf der Bühne – obwohl sie musikalisch nie wirklich dorthin passen. Auch erweisen sich ihre Platten Blondie (1976) und Plastic Letters (1977) beim Hipster-Publikum noch nicht als so präsent wie gewünscht, auch wenn Harrys platinblonder Powerfrauen-Look, der zugleich Sex-Appeal wie weibliche Selbstbestimmung suggeriert, damals schon viel Anerkennung findet. Dann gerät das dritte Album Parallel Lines (1978), produziert von Mike Chapman (The Sweet, Suzi Quatro), zum großen internationalen Durchbruch und wirft unter anderem den Welthit Heart Of Glass ab.

Das 1979 eilig nachgeschobene Folgealbum Eat To The Beat hält 1979 das hohe Niveau und lässt Blondie unter Harrys stilistischer Führung weiter zur New-Wave-Vorzeigeband werden. 1980 ist Debbie Harry die Frau der Stunde: Ihr Look besteht aus aus Kostümkollaborationen mit dem Designer Stephen Sprouse sowie wortwörtlichen Straßen- und Kellerfunden, zudem verfügt sie über eine starke Persönlichkeit. Mit beidem wird sie kommenden Künstlerinnen wie Madonna oder Cindy Lauper den Weg ebnen. 

Rap-Pionierin & Filmstar

1980 betreten Neuland: Rapture, der Hitsong des experimentellen fünften Albums Autoamerican geht als erster Nummer-eins-Song mit Rap-Gesang in der Strophe in die Popgeschichte ein. Zudem erweist sich das für den Soundtrack des Richard-Gere-Films American Gigolo (Ein Mann für gewisse Stunden) von Harry mit Giorgio Moroder verfasste Call Me erneut ein weltweiter Disco-Tanzflächen-Füller. 

Nachdem Andy Warhol sie in einer Reihe von Fotokunstwerken unsterblich gemacht hat, kurbelt Harry parallel ihre Filmkarriere an. So brilliert sie zunächst im billigen aber charmanten Neo-Noir-Film Union City (1980) und hat einen Auftritt mit Band im Meat-Loaf-Streifen Roadie. 1983 glänzt sie dann in David Cronenbergs Science-Fiction-Klassiker Videodrom. Dummerweise ist es Harrys erstes Soloalbum, KooKoo (1981), welches die Sängerin zwar erfolgreich mit Nile Rodgers (Chic) und Alien-Designer H.R. Giger arbeiten lässt, sie aber auch um einen wichtigen Genre-Filmauftritt beraubt: Nicht auszudenken, in welche Hollywood-Star-Sphären Harry vielleicht noch vorgestoßen wäre, hätte sie Ridley Scotts Angebot annehmen können, in dessen Blade Runner die Rolle des weiblichen Humanoiden Pris zu spielen. Doch diese Offerte fällt leider den Plänen von Harrys Plattenfirma zum Opfer (und wird schließlich von Schauspielerin Daryl Hannah dankend wahrgenommen).

Comeback und Vermächtnis

Nachdem sich Blondie 1982 nach Veröffentlichung des Albums The Hunter vorläufig trennen, verfolgt Harry weiterhin ihre Solokarriere als Sängerin und agiert als Schauspielerin in Filmen wie Hairspray und Copland. 1997 verschlägt es die inzwischen wiedervereinten Blondie zunächst auf Tournee; zwei Jahre später folgt mit No Exit (und dem Hit Maria) auch schon das große musikalische Studio-Comeback. 

Seitdem sind Blondie recht regelmäßig auf der Bühne und mit Plattenveröffentlichungen aktiv; Pollinator, das elfte und jüngste Album der Band, geht auf das Jahr 2017 zurück. Harrys letztes Soloalbum Necessary Evil liegt indes bereits 13 Jahre zurück. Dafür hat sich Frau Harry allerdings auch ihren Memoiren gewidmet. Die Autobiografie Face It erscheint Ende 2019 und zeichnet unter anderem ein lebhaftes Bild der New Yorker Boheme- und Drogenkultur der Siebziger und Achtziger, von der sie und Stein in ihren harten Heroinjahren ein nicht unwichtiger Teil waren. Und wie bei manch anderem männlichen Vertreter der Rockstar-Spezies Schwerenöter, kann man sich auch im Falle Harry nur über das Wunder freuen, dass sie all dies erlebt und überlebt hat und als Grande Dame des Art Punk/New Wave heute noch ihren Geburtstag feiern kann. 

Zeitsprung: Am 3.1.1979 erscheint „Heart Of Glass“ von Blondie.

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