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Popkultur

Die musikalische DNA von Joss Stone

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Warum wollen eigentlich so viele Teenies Popstars werden? Klar, auf den ersten Blick klingt das super: Ruhm, Bewunderung, Kohle. Aber fragt mal Joss Stone, wie einfach es wirklich ist, im zartesten Alter den Zenit zu erklimmen. Gerade 16 Jahre alt war die Britin, als ihr Debütalbum The Soul Sessions erschien und leicht fiel es ihr offenkundig nicht, mit ihrer Bekanntheit umzugehen. Dass sie die Schule für ihre Karriere sausen ließ – na gut, sie hat’s offenkundig überlebt. Aber der ständige Klatsch und Tratsch, die Paparazzi und der ihr entgegen schlagende Neid wünschen wir nun wirklich niemandem auf den Hals. Erst recht keinen pubertären Kids!


Hört euch hier die musikalische DNA von Joss Stone in einer Playlist an und lest weiter:


Stone hat sich allerdings auch ein paar polarisierende Auftritte geleistet. Beispiel gefällig? Im Jahr ließ sie 2007 bei den BRIT Awards geschmacklose Kommentare gegenüber Russell Brand fallen. Keineswegs grundlos allerdings. Der hatte vorher nämlich ein paar gehässige Kommentare über Robbie Williams‘ angekündigten Reha-Aufenthalt vom Band gelassen. Die Art und Weise ist diskutabel, die Anekdote beweist aber, dass Stone die Dinge nicht einfach so auf sich sitzen lassen will. Auch, als sie nach derselben Moderation für ihre amerikanischen Akzent bekrittelt wurde, feuerte sie just zurück: „Ich gebe einen Scheiß drauf, wenn die Leute ein Problem damit haben“, sagte sie. Immerhin arbeite sie doch in den USA, seitdem sie 14 Jahre alt war, so Stone weiter. Klingt einleuchtend, oder?


Joss-Stone


Das ist aber nur ein Grund, warum die in der Grafschaft Devon geborene Sängerin mittlerweile eher nach New York als nach London klingt. Ihre ausgeprägte Leidenschaft für US-amerikanische Soul-Musik ist schließlich bestens dokumentiert. Werfen wir also einen Blick auf die musikalische DNA und schauen wir uns an, was sie neben dem Akzent noch so alles von ihren Idolen übernommen hat!


1. Aretha Franklin – (You Make Me Feel Like) A Natural Woman

À propos New York: Dorthin verschlug es Joss Stone Anfang 2002 für ein Vorsingen. Eingeladen hatte sie der Gründer und CEO vom Label S-Curve, Steve Greenberg. Die 14-jährige konnte ihn mit ihrer Interpretation von drei Evergreens für sich überzeugen: Otis Reddings (Sittin’ On) The Dock Of The Bay, Gladys Knight & The Pips’ Midnight Train To George und (You Make Me Feel Like) A Natural Woman von der unsterblichen Aretha Franklin. Deren Greatest Hits hatte sie erst wenige Jahre vorher im Fernsehen entdeckt. „Ich sah diesen Werbespot mit kurzen Clips von ihren Songs“, erinnerte sie sich. „Ich hatte keine Ahnung, wer das ist – ich war 10 oder so. Ich dachte, ‚Oh yeah, das sieht echt gut aus‘, schrieb es auf und fragte meine Mutter: ‚Krieg ich die zu Weihnachten?‘“ Es sollte ihre erste CD überhaupt werden und Franklin hat seitdem das Repertoire ihres weltberühmten Fans nie verlassen. Denn mit der Soul Queen kam die Musik in ihr Leben, auf der sie ihre eigene Karriere aufbauen sollte. „Ich konnte mit Soul so viel mehr anfangen als mit allem zuvor“, gestand sie in einem Interview. „Du musst tolle Vocals haben, um den Soul zu singen.“ Und kaum jemand hatte bessere Vocals als Aretha Franklin!


2. Jackie Wilson – Reet Petite

Aber Moment, wie hatten eigentlich die beiden Londoner Produzenten von der Schülerin aus Devon gehört? Alles begann an Stones alter Schule mit dem erschlagenden Titel Uffculme Comprehensive School, wo die kleine Joss ihren ersten Auftritt feierte während dem sie Jackie Wilsons Rock-Klassiker Reet Petite sang. Dem sollten schon bald weitere: Im Alter von 13 Jahren sang sie bei der BBC-Show Star For A Night vor und gewann den Wettbewerb mit fliegenden Fahnen. Von da aus ging es weiter zur Show Steps To The Stars und schließlich zu einem Benefizkonzert, wo sie von Andy Dean und Ben Wolfe entdeckt wurde. Was die bei Stones Auftritt dort wohl dachten, das hatte Jackie Wilson schon 1957 in seinem Hit gesungen: „Well, she’s so fine, fine, fine, she’s so fine, f-fine / She’s so fi-yi-yi-yi-yi-ne, she’s so fine, fine, fine / She’s really sweet, the finest girl you ever wanna meet”. Was taten die beiden darauf? Sie riefen Steve Greenberg ein und erzählten aufgeregt, dass sie „die beste Sängerin gehört hatten, die dieses Land jemals hervorgebracht hat“. Ob wir also jemals von Joss Stone erfahren hätten, wenn ihre Schule nicht eines schönen Tagen zu einem Fifties-Themenabend geladen hätte? Vielleicht nicht.


3. Donna Summer – On The Radio

Der erste Song, mit dem Stone übrigens im Fernsehen zu hören war, hieß ironischer Weise On The Radio. Den großen Donna Summer-Klassiker wählte sie für ihren Siegesauftritt bei Star For A Night aus. Damit betonte sie von Anfang an, dass ihr eigener Stil nicht nur von der Gospel-inspirierten Seite der Soul-Musik, sondern auch deren tanzbarem Gegenpart inspiriert wurde. Denn natürlich war die 1979 veröffentlichte Single der der 2012 verstorbenen Disco-Legende wie so viele ihrer Stücke auch im Club gut aufgehoben. Stone selbst übrigens stand nur wenige Jahre nach ihrem allerersten Fernsehauftritte mit Summer auf derselben Bühne, um 2005 gemeinsam mit ihr in New York bei Save The Music: A Concert To Benefit The VH1 Save The Music Foundation gemeinsam die Nummer eines berühmten Kollegen zu aingwn. Zu diesem Zeitpunkt war sie schon weltberühmt und ihre Musik lief nicht nur On The Radio auf und ab.


4. Otis Redding – Try A Little Tenderness

Ihr fragt euch, wessen Song die große Diva und die britische Soul-Liebhaberin wohl gemeinsam gesungen haben werden? Natürlich einen Soul-Klassiker aus dem Stax-Universum! Try A Little Tenderness ist allerdings schon viel älter als die Version, welche Otis Redding im Jahr 1966 bekannt gemacht hat. Zuerst aufgenommen wurde das Stück schon ganze 34 Jahre zuvor vom britischen Ray Noble Orchestra, am Mikro stand damals noch Val Rosing. Ein schöner transatlantischer Austausch, der sich mit dem Duett von Summer und Stone weiter führte. Nachdem die Britin bereits Steve Greenberg beim ersten Treffen der beiden ein anderes Stück von Redding – (Sittin’ On) The Dock Of The Bay –gesungen hatte, blieb es natürlich nicht dabei. In den Linernotes von Introducing Joss Stone, laut der Künstlerin übrigens ihr eigentliches Debütalbum, findet sich der Name des musikalischen Tausendsassas ebenso wieder. Eine im Grunde doppelte Anspielung auf gleich zwei Idole, denn der Song Headturner zollt ebenso Aretha Franklin wie Redding seinen Tribut. Redding nämlich hatte Respect geschrieben, Franklins Signature-Tune, auf den Stone mit ihrer modernen Empowerment-Hymne anspielte.


5. The White Stripes – Fell In Love With A Girl

Stone verdreht aber nicht nur gerne Köpfe, sie stellt auch gerne die Dinge auf den Kopf. Ihr Debütalbum The Soul Sessions wartete mit einer überraschenden Single auf: Denn was haben The White Stripes außer ihrem Herkunftsort, der Motor City Detroit, eigentlich mit Soul am Hut? Mehr, als manche denken würden, wie Stones Coverversion bewies. Aus Fell In Love With A Girl wurde bei ihr allerdings – so viel Gerechtigkeit muss schließlich sein – Fell In Love With A Boy und aus einem rohen Garage Rock-Song mit unter zwei Minuten Spielzeit ein funkiges Soul-Stück, das ohne Umwege direkt in die Hüfte ging. Ob das aber dem Duo mit dem Faible für Rot-Weiß-Gestreiftes gefiel? Und ob! In einem Interview mit dem Q Magazin verriet Stone sogar, dass Jack White ihr Cover mehr als nur gefallen hatte. „Er sagte mir, dass er es lieben würde und dass er live lieber meine Version spielen würde als seine eigene! Wenn das mal keine Zustimmung bedeutet! Supertyp, dieser Jack White!“ Wir schließen uns da absolut an.


6. Band Aid – Do They Know It’s Christmas?

Joss Stone weiß aber nicht nur andere Musiker von ihrem Können zu überzeugen, sie hat sich auch schon früh mit ihrer Musik sozial engagiert. Wen wundert’s, schließlich wurde sie bei einem Benefizkonzert entdeckt! Nachdem Stone im April 2004 noch bei Divas Live 2004 gemeinsam mit Ashanti, Cyndi Lauper, Gladys Knight, Jessica Simpson und Patti LaBelle Geld für die Save The Music Foundation sammelte, ging sie Mitte November desselben Jahres mit Band Aid 20 ins Studio. Mit dabei waren unter anderem Chris Martin von Coldplay, Bono von U2 sowie natürlich Midge Ure und Bob Geldorf, die Initiatoren des Projekts. Diesmal sollte mit einer Neuaufnahme von Do They Know It’s Christmas Geld für die Darfur-Region im Sudan eingetrieben werden. Stone, die noch nicht auf der Welt war, als Band Aid das erste Mal zusammenkam und die zum Zeitpunkt der Aufnahmen erst 17 Jahre alt war, soll sich dem TV-Produzenten Malcolm Gerrie zufolge angeblich darauf gefreut haben, „Bob Gandalf“ zu treffen. Die Häme, welche der Teenagerin darauf hin entgegen schlug, hat sie allerdings nicht von ihrem Weg abgehalten. Nach Band Aid 20 kollaborierte sie etwa mit Bryan Adams für die Hear The World-Initiative, trat bei den Live Earth-Konzerten auf und nahm mit Annie Lennox den Song Sing auf, der am Welt-AIDS-Tag veröffentlicht wurde und auf die Krankheit aufmerksam machen sollte. Wer Bob Geldorf ist, weiß sie heute ganz sicher und steht ihm obendrein in Sachen Engagement in nichts nach.


7. Janis Joplin – Cry Baby

Nein, Joss Stone hat sich von allen Sticheleien nicht unterkriegen lassen. Wenn sie eins nicht ist, dann ein Cry Baby. Was wiederum ebenso nicht heißen sollte, dass Stone nicht gekonnt auf der Klaviatur der ganz großen Gefühle spielen kann. 2005 betrat sie während der Grammy-Verleihung die Bühne, um Janis Joplins Song Cry Baby zu performen, bevor Melissa Etheridge eine berührende Interpretation von deren Hit Piece Of My Heart zum Besten gab. Ein Medley, das in die Geschichte des prestigeträchtigen Musikpreises eingehen sollte. Für Stone war es ein ganz besonderer Moment, denn die Musik der 1970 an einer Überdosis verstorbenen Joplin begleitet sie schon ihr Leben lang. „Als Kind habe ich Janis Joplin gehört, weil ich so sehr von ihrem Akzent beeindruckt war“, erinnerte sie sich in einem Interview. „Ich gab ordentlich Druck auf die Stimme und brachte mir so ohne es zu merken bei, in dieser souligen Art zu singen.“ Wie das klingt, bewies Stone ohne Zweifel nicht allein an diesem Abend.


8. Coldplay – Yellow

Eher zweifelhaft ist dagegen die Auszeichnung, die Joss Stone im selben Jahr erhalten sollte: Die Organisation peta2 kürte sie zu sexiesten lebenden Vegetarierin. O… kay? Naja, immerhin war sie mit diesem Titel nicht in der allerschlechtesten Gesellschaft. Der – laut peta2 zumindest – betörendste Mann, der lieber auf den Frühstücksspeck verzichtete, war in jenem Jahr nämlich Chris Martin von der Band Coldplay. Mit dem hatte sie schon 2004 bei Band Aid 20 zu tun gehabt. Erst 2016 sammelten die beiden erneut zusammen Geld bei einem von Prince Harry organisierten Benefizkonzert. Zwei Kinder, auf welche eine bestimmte englische Grafschaft Devon mit Recht stolz sein kann – wie Stone nämlich wuchs Martin in Devon auf. Ob sie nebenbei noch Rezepte für fleischfreie Rezepte ausgetauscht haben, ist zwar nicht überliefert. Fest aber steht, dass Stone in ihrer musikalischen Bildung wohl kaum um Coldplay herum gekommen sein wird. Umso schöner eigentlich, in Martin einen politisch ähnlich engagierten Kollegen gefunden zu haben. Der auch noch sexy ist. Sagen jedenfalls die von peta2.


9. Berrington Levy – Here I Come

Vom Stadion-Pop Coldplays über den Rock-Sound von Janis Joplin oder den White Stripes hin zum Soul in allen seinen Facetten ging es bisher. Haben wir noch etwas vergessen? Na klar, den Reggae natürlich! Als Joss Stone 2012 ankündigte, an einem Reggae-Album zu arbeiten, blieb vielen die Spucke weg. Würde das gut gehen? Die kritischen Stimmen verstummten aber sobald Stone nachrückte, mit wem sie ins Studio gehen würde: Damian Marley nämlich, der – wie es der Nachname bereits verrät – in Sachen Reggae einiges an Fachkenntnis mit brachte. Tatsächlich war es überhaupt der Sohn des großen Bob Marleys, der Stone zu dem Versuch überredete. Als Water For Your Soul im Sommer 2015 endlich erschien, überraschte Stone damit allerdings nicht nur mit frischen Riddims, sondern auch deutlichen Hip Hop-Einschlägen und – dank Produzent A. R. Rahman – dezenten Anklängen an indische Musik oder sogar keltische Töne. Eine stilistische Wundertüte! Reggae bildete aber dennoch das Fundament des Sounds von Water For Your Soul, was sich allein schon an der Wahl der Samples leicht nachvollziehen lässt. Der Song Harry’s Symphony etwa zitiert den Berrington Levy-Klassiker Here I Come. Experiment geglückt, würden wir behaupten!


10. Jeff Beck – I Put A Spell On You (feat. Joss Stone)

Ihre gesamte Karriere über hat Joss Stone immer wieder alten Klassikern einen neuen Anstrich verpasst und somit das Interesse von vielen ihrer eigenen Idole auf sich gelenkt. Auch der ehemalige Yardbirds-Gitarrist Jeff Beck wurde auf die junge Sängerin aufmerksam und holte sie im November 2007 auf die Bühne, um gemeinsam mit ihm im Duett People Get Ready von den Impressions zu singen. Damit noch nicht genug sollte sie ihn etwas später für die Aufnahmen seiner LP Emotion And Commotion im Studio besuchen. Neben dem Song There’s No Other Me aus der Feder von Jason Rebello war es vor allem die gemeinsame Neuinterpretation des Rock-Klassikers I Put A Spell On You, die für Begeisterung sorgte. Beck und Stone wurden sogar für den Grammy nominiert! Der über 40 Jahre ältere Gitarrist scheint die Sängerin mehr als zu schätzen: Auch diese überaus erfolgreiche Kollaboration sollte nicht die letzte bleiben, folgte doch 2014 mit einer modernisierten Interpretation des Eric Bogle-Klassikers No Man’s Land (Green Fields of France) schon das nächste gemeinsame Stück. Bogle selbst allerdings war mit der Aufnahme, die einige Zeilen ausließ und dem Stück einen deutlichen Rock-Flavour verpasste, so gar nicht einverstanden. Stone polarisiert eben. Kein Wunder also, dass sie selbst einen Jeff Beck inspiriert!


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