------------

Popkultur

Die musikalische DNA von Soundgarden

Published on

Mitte und Ende der achtziger Jahre fanden sich rund um die Stadt Seattle im US-amerikanischen Bundesstaat Washington viele Bands zusammen, die Rock neu definieren wollten. Die pompösen siebziger Jahre lagen weit zurück, die Punk-Revolution war erlahmt und die Musik, die Anfang des Jahrzehnts als Hardcore bekannt wurde, verlor ebenso ihre Kraft. Metal hingegen – ob Heavy oder Thrash, amerikanisch oder britisch – war mittlerweile in den großen Stadien angekommen. Das konnte unmöglich der richtige Ort für Gegenkultur sein!


Hört hier in die musikalische DNA von Soundgarden rein:

Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“

Soundgarden war eine der Bands, die es anders machen, die eine Alternative anbieten wollten. Ihre Lyrics waren poetischer, die Musik bewegte sich zwischen stiller Introspektion und krassem Lärm. Soundgarden waren von Anfang an nuancierter, differenzierter und abwechslungsreicher als viele ihrer Vorgängerbands und vor allem als die meisten der zeitgenössischen Gruppen. Was allerdings niemanden daran hinderte, sie mit vielen anderen Bands in einen Topf zu werfen. Von Alice In Chains über Pearl Jam zu Nirvana: Soundgarden ist Grunge, hieß es. Ein problematischer Begriff, denn nicht nur hatten diese Bands nur bedingt viel miteinander zu tun. Auch wird er der musikalischen Komplexität der Gruppe schlicht nicht gerecht. „Wir waren nie Grunge, sondern nur eine Band aus Seattle”, fasst Ben Shepherd es einst zusammen.

The Velvet Underground, die Meat Puppets, Killing Joke und Metallica nannte Leadgitarrist Kim Thayil als Eckpfeiler ihres „Klanggartens“ und der 2017 durch Suizid aus dem Leben geschiedene Sänger Chris Cornell bezog sich in seinen Texten unter anderem auf die Werke der Dichterin Sylvia Plath. Ein noch genauerer Blick auf die musikalische DNA von Soundgarden verrät, warum Soundgarden so wichtig für die Rock-Musik der Achtziger, Neunziger und dem neuen Jahrtausend waren und bleiben. In ihrer Musik läuft Härte und Zärtlichkeit, Dunkelheit und Optimismus zusammen wie bei keiner anderen Gruppe – ob nun aus Seattle oder nicht.


1. Skin Yard – The Blind Leading The Blind

Aber fangen wir doch genau dort an, denn um Seattle führt kein Weg herum. Kim Thayil und Chris Cornell wurden hier geboren und Thayil lernte hier an der High School Hiro Yamamoto kennen, der gemeinsam mit den beiden anderen im Jahr 1984 Soundgarden gründen sollte. Zuerst aber gab es die Band Shemps mit Cornell am Schlagzeug und Yamamoto am Bass, der später von Thayil abgelöst werden sollte. Nach Ende der Band blieben sie in Kontakt, fanden für Jam-Sessions zusammen und siehe da, Soundgarden – benannt nach einem Landschaftskunstwerk von Douglas Hollis in der Nähe ihrer Heimatstadt – war geboren und wurde bald von Scott Sundquist ergänzt, der von Cornell das Drumkit übernahm.

Nach einigen Konzerten veröffentlichte die Gruppe ihre ersten drei Songs auf der Compilation Deep Six neben Bands wie den Melvins und Malfunkshun. Neben dem Sub Pop 100-Sampler und Green Rivers Come On Down-EP gilt die Sammlung als eines der frühsten Dokumente des neuen Sounds von Seattle, der später unter dem unglücklichen Namen Grunge zusammengefasst werden sollte. Wichtig war für Soundgarden vor allem die Verbindung zur Band Skin Yard, deren Werk heute fast vollständig in Vergessenheit geraten ist und die doch als großer Einfluss auf Gruppen wie Green River, Screaming Trees und natürlich Soundgarden gelten. Nicht allein, weil Skin Yard-Schlagzeuger Matt Cameron Sundquist bei Soundgarden dauerhaft ersetzen sollte…


2. Nirvana – About a Girl

Nicht selten hat es den Anschein, als wäre die neue Generation von Bands aus Seattle ein eingeschworener Haufen gewesen, als hätten sie zusammen in verräucherten Backstageräumen die weltweite Grunge-Revolution geplant. Das ist ein Mythos, die Realität war bei weitem profaner: Die einzelnen Gruppen kannten einander zwar, mochten einander mehr oder weniger, bewegten sich bisweilen aber in völlig verschiedenen Kreisen. Am nächsten kamen sich Soundgarden und Nirvana etwa in den Charts, als Badmotorfinger und Nevermind um die Pole Position stritten. Wer damals gewann, wissen wir.

Doch jeder noch so absurde Mythos enthält mitunter ein Quäntchen Wahrheit. Nirvana-Frontmann Kurt Cobain zählte zu den größten Fans von Soundgarden und Gerüchten zufolge soll er ihretwegen auf das Label Sub Pop zugegangen sein, wo 1989 das Debütalbum seiner Band erschien. In den Credits von Bleach wird ein gewisser Jason Everman genannt, der auch auf dem Cover zu sehen ist – ab Februar des Jahres verstärkte er die Band an der Gitarre. Zu hören war er darauf allerdings nicht und verließ Nirvana nach wenigen Monaten, um woanders anzuheuern: Everman wurde Bassist von Soundgarden.


3. The Beatles – Come Together

Diese Anekdote verdeutlicht wohl am besten, was es mit der Seattler Szene auf sich hatte: Es war ein ständiges Kommen und Gehen, personelle Überschneidungen bei einigen der größten Bands dieser Zeit waren gang und gäbe. Everman, der später eine erfolgreiche Karriere in der US-amerikanischen Armee aufnahm, verließ Soundgarden auch schnell wieder und wurde von Ben Shepherd ersetzt, der seitdem den Bass schwingt. Neben der LP Loudest Love und dem Live-Video Louder Than Live war Everman allerdings noch auf einem eher ungewöhnlichen Cover vertreten: 1990 interpretierten Soundgarden Come Together von den Beatles neu.

Come Together wurde als B-Seite zur Maxi Hands All Over vom Loudest Love-Album veröffentlicht und markierte den Beginn einer kleinen Soundgarden-Tradition, ihren Singles Cover-Versionen von bekannten Songs aus der Rock- und Pop-Geschichte beizugeben. Dabei war schon das Original voller Anspielungen auf berühmte Stifterfiguren, die auch für Soundgarden wichtig waren wie etwa Muddy Waters (mit der Zeile „He got muddy water, he one Mojo filter“ nach dem Waters-Stück Got My Mojo Workin‘). Den Helden des Blues und dem Rock’n‘Roll-Vorläufer Rhythm and Blues zollten Soundgarden schließlich auch an anderer Stelle Tribut – siehe zum Beispiel ihre Interpretation von Smokestack Lightning von Howlin’ Wolf.


4. Led Zeppelin – In My Time of Dying

Dass der moderne, von Metal und Punk gleichermaßen inspirierte Rock-Sound der Gruppe im Blues wurzelt, ist aus heutiger Sicht nicht sofort erkenntlich. Damals allerdings hörten alle vor allem eine Band aus dem Sound der frühen Veröffentlichungen des Quartetts heraus: Led Zeppelin, selbst so etwas wie britischen die Traditionsverwalter des Blues Rock. Es ist vielleicht eine Ironie der Musikgeschichte, dass ausgerechnet diejenige Band, deren Karriere von Plagiatsvorwürfen begleitet wurde, dermaßen viele Nachahmer auf den Plan rief. Soundgarden aber, so meinte die Presse früher, gehörten unbedingt dazu.

Es ist aber eben auch schwer von der Hand zu weisen, dass Soundgarden sich einiges von Led Zeppelin abgeguckt haben. Jimmy Page und Co. hatten schließlich vorgemacht, wie sich Härte und Eleganz, Energie und Virtuosität miteinander vereinen ließen. Dass insbesondere Cornell den Gesang Robert Plants genau studiert hatte, lässt sich nicht leugnen. Bei ihrem letzten Konzert vor Cornells Tod im Mai 2017 spielte die Band sogar einen Led Zeppelin-Song an. Kaum mehr als eine Stunde, bevor sich Cornell in seinem Detroiter Hotelzimmer erhängte, sang er die Zeilen des von Led Zep aufgepeppten Traditionals mit dem Titel In My Time of Dying


5. The Doors – Waiting for the Sun

Aus ihrem Faible für den klassischen Rock der sechziger und siebziger Jahre machten Soundgarden im Allgemeinen keinen Hehl. Wieso auch? Bands wie Led Zeppelin oder auch die Doors hatten schließlich mit ihren monumentalen Riffs den Weg für den Sound der Band geebnet. Ein Cover von The Doors‘ Waiting for the Sun erschien auf der limitierten Before the Doors: Live on I-5-EP im Jahr 2011, wurde allerdings bereits 1996 bei einem Soundcheck aufgenommen, derselben Zeit also, welches das Live-Album Live on I-5 abbildet.

Was die Band an den Doors faszinierte, ist offensichtlich. Auch Cornells Interesse an ihrem enigmatischen Frontmann Jim Morrisson erklärt sich fast wie von selbst. Morrisson war einer der wenigen Sänger seiner Generation, der Songtexte immer auch als Lyrik verstand. Während sich Morrisson allerdings eher für die Kraft des Unbewussten mit all ihren sexuellen Implikationen interessierte, siedelten sich Cornells Texte auf der Schattenseite des Lebens an. Die Texte von Superunknown beispielsweise wurden von den Gedichten der Schriftstellerin Sylvia Plath inspiriert, selbst nicht unbedingt für eine lebensbejahende Einstellung bekannt. Da bedeutete es für Cornell vielleicht eine schöne Abwechslung, statt Black Hole Sun mal folgende Zeilen zu singen: „Can you feel it / Now that Spring has come / That it‘s time to live in the scattered sun“.


6. Jeff Buckley – Last Goodbye

Das Rätselhafte und Mysteriöse, das Existentielle und Düstere sind fester Bestandteil von Soundgardens musikalischer DNA. Während andere Bands aus dem Seattler Wirkungskreis ihre Depressionen, ihren Weltschmerz und ihre Drogenprobleme in unbändiger Wut kanalisierten, ließen Soundgarden immer auch Verletzlichkeit zu. Wut und Schmerz gehen in ihrer Musik Hand in Hand, was für die Rock-Welt eher ungewöhnlich ist. Ein Songwriter allerdings war dafür beispielhaft: Jeff Buckley. Obwohl der früh und unter ungeklärten Umständen im Mai 1997 verstorbene Sänger zu Lebzeiten nur ein einziges Album veröffentlichte, ist sein Einfluss auf die Rock-Musik der neunziger Jahre und darüber hinaus kaum zu überschätzen.

Einer seiner größten Fans war Chris Cornell, der fast auf den Tag genau 20 Jahre später aus dem Leben schied. Er sollte ursprünglich das unfertige zweite Buckley-Album (heute als Sketches for My Sweetheart the Drunk bekannt) nach dessen Tod vollenden. „Er hatte eine Aura”, erklärte Cornell. „Es ist unmöglich zu sagen, was ein Typ wie er an sich hat, dass es so viele Menschen in seinen Bann zieht. Aber er hatte mehr davon als jeder andere Mensch, den ich je getroffen habe.“ Ab 2011 stand bei Solo-Shows Cornells immer ein Hocker mit einem roten Telefon drauf auf der Bühne – ein Geschenk von Buckleys Mutter, die Cornell das Telefon aus Buckleys Besitz vermacht hatte. Der Anruf für ein Last Goodbye kam allerdings nie.


7. Guns N’Roses – November Rain

Bevor es zu deprimierend wird, möchten wir eins einwerfen: Soundgarden können genauso gut ziemlich viel Arsch treten! Ihr eigener Musikgeschmack bezog sich schließlich selbst nicht allein aus wehmütiger Musik, sondern ebenso aus Rock, wie er leibt, lebt, feiert und Spaß macht. Gut, Guns N’Roses waren auf ihre eigene Art bisweilen nicht ohne, gehören aber wohl zu den eher fröhlichen Hard Rock-Kombos, die Soundgarden unter ihre Fittiche nahmen. 1991 – dem Jahr, in dem Use Your Illusion I & II erschienen – wählten Axl Rose und seine Mannen die noch junge Band als Support für ihre Nordamerika-Tour aus.

Sonderlich gut ging nicht. „Es hat nicht wirklich viel Spaß gemacht, jeden Abend 35 Minuten für 40 000 Menschen zu spielen“, resümierte Cornell. „Die meisten hatten unsere Songs nie gehört und scherten sich einen Dreck drum. Es war ziemlich bizarr.“ Das änderte nichts daran, dass Soundgarden und die enfants terribles des Hard Rock weiterhin gut befreundet blieben, als ihre Wege sich nach der Tour trennten. Als Guns N’Roses-Gitarrist Slash zum Beispiel 2009 sein selbstbetiteltes Solo-Debüt veröffentlichte, fand sich darauf auch eine Nummer mit Cornell am Mikrofon, Promise.


8. Black Sabbath – Into The Void

Abgesehen von der Unterstützung und allen zwischenmenschlichen Faktoren war es wohl auch Guns ‘N Roses erfrischendes Amalgam aus Punk und Metal, das Soundgarden reizte. Denn obwohl Soundgarden auch langsam und getragen können: Manchmal reißen sie die Verstärker gerne bis 11 auf, wie es bei Spinal Tap – der fiktiven Band aus der This Is Spinal Tap-Mockumentary, von der Soundgarden ebenfalls ein Stück coverten – heißen würde. Metal ist eine der großen Leidenschaften von beispielsweise Shepherd und Cameron, die 2000 die große Ehre hatten, an Tony Iommis Album IOMMI mitzuwirken. „Soundgarden sind ganz gut…“, ließ der sich zitieren. „Das ist ungefähr derselbe Kram, den wir gemacht hätten.“

Wir? Richtig, Iommi spricht von Black Sabbath, mit welcher er Heavy Metal aus der Taufe hob. Die schweren, schleppenden Riffs des italienischstämmigen Briten prägten die Klangsprache ganzer Generationen – einschließlich Soundgarden! Thayil bezeichnete seine eigene Truppe sogar als „Sabbath-beeinflusste Punkgruppe“ und auch Cornell bezog sich auf die Band, deren Song Into the Void vom Album Master of Reality sie 1992 für die EP Satanoscillatemymetallicsonatas neu interpretierten: „Als wir Soundgarden gründeten, waren wir ziemlich Post-Punk – sehr schrullig. Dann fanden wir irgendwie diesen neo-Sabbath-Psychedelic Rock, der bestens zu uns passte.“


9. Bauhaus – Bela Lugosi’s Dead

Moment mal, Post-Punk? Jetzt wird uns einiges klar. Wie schon einleitend erwähnt bezogen sich Thayil zufolge auf die Musik von The Velvet Underground, den Meat Puppets und Metallica, aber auch Killing Joke. Ferner standen Gang of Four, Wire und selbst die Goth-Pioniere Bauhaus hoch in ihrer Gunst. Die Band um Sänger Peter Murphy hob Punk auf ein neues Level und brachte Elemente aus Dub und Funk in ihre düsterschwarze Musik mit ein. Das begeisterte viele aus der Seattler Szene, weil Bauhaus für eine alternativen Zugang zur typischen Punk-Ästhetik standen: elegant und doch wild, schwermütig und doch energisch.

Daniel House, unter anderem Bassist bei Skin Yard und eine einflussreiche Figur im Seattle der achtziger Jahre, erinnerte sich in einem Interview an die Anfangstage von Soundgarden, als diese noch ein Trio waren. „Die Leute halten mich heute für verrückt, wenn ich das sage, aber sie waren eine komplette Bauhaus-Rip-Off-Band“, erklärte er. „Ich habe mir Chris immer als Schwamm vorgestellt. Zu dieser Zeit kaute er Bauhaus und Peter Murphy wieder…“ Und das sogar wortwörtlich: Der Song Entering von Soundgardens Debüt-EP Screaming Life ist deutlich an Bauhaus und ihren Song Bela Lugosi’s Dead angelehnt. Das beweist auch ein Live-Video der zu dieser Zeit schon aus vier Mitgliedern bestehenden Band aus dem Jahr 1988: Das Stück geht nahtlos in eine Cover-Version über…


10. Linkin Park – One Step Closer

Soundgarden stehen wie keine andere Band ihrer Generation für eine radikale Offenheit ein. Einerseits stilistisch, denn wie wir mit Blick auf ihre musikalische DNA erfahren haben, kannten die vier Kernmitglieder Cornell, Thayil, Shepherd und Cameron keine Scheu vor genrefremder Musik und mischten sich ihren eigenen musikalischen Cocktail. Andererseits waren es auch die Lyrics Cornells, die Soundgardens Musik zu etwas Besonderem machen. Es sind poetische Texte, die doch klar von den Seelenabgründen ihres Autors sprechen. Damit fand Cornell bei den nachfolgenden Generationen offene Ohren und Herzen vor.

Linkin Park gründeten sich 1996 und feierten ihren internationalen Durchbruch 2000 mit dem Album Hybrid Theory, drei Jahre nach der Auflösung von Soundgarden, die sich erst 2010 wiedervereinten. Obwohl die Band mit ihrer Mischung aus Metal, Hardcore und Hip Hop gänzlich anders klang, schienen sie doch das weiterzuführen, was Soundgarden einst begonnen hatten. Es verwundert deshalb kaum, dass sich die beiden Sänger Cornell und Chester Bennington anfreundeten. Bennington wurde sogar der Patenonkel von Cornells Tochter. Mehr noch als die Musik vereinte die beiden ihr tragisches Schicksal: Der eine wie der andere litt unter Depressionen. Nur etwas mehr als zwei Monate nach Cornells Freitod nahm sich auch Bennington am 20. Juli 2017 das Leben – es wäre Cornells 53. Geburtstag gewesen. Nun ist es an der neuen Generation, das Erbe der beiden Ausnahmesänger weiterzuführen.


Das könnte euch auch gefallen:

Der Nachlass des Grunge-Superstars: „Chris Cornell“ ist ein Album für seine Fans

Chris Cornell – Ein Nachruf auf die Stimme des Grunge

Die musikalische DNA von Pearl Jam

Popkultur

Zeitsprung: Am 4.2.1948 kommt Alice Cooper zur Welt. So viele Geschichten…

Published on

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.2.1948.

von Christof Leim

Der große Alice Cooper – Schocker Nr. 1 und wandlungsfähigster aller Rockstars – feiert am 4. Februar Geburtstag. Und der Mann macht keine Anstalten, sich zur Ruhe zu setzen. Seit sage und schreibe fünf Dekaden (!) erfreut er uns mit theatralischen Shows, Horrorgeschichten und vor allem mit hervorragender Krachmusik. Alice Cooper hat alles gesehen: Die abgedrehten Sechziger, exzessiven Siebziger und künstlichen Achtziger, die Verklemmtheit der Moralapostel und die Dekadenz des Rock’n’Roll. Himmel, der Mann hat Platten aufgenommen, an die er sich selbst nicht mehr erinnern kann. Er hat sich auf der Bühne köpfen lassen, mit Schlangen hantiert und eine ganze Latte an unsterblichen Hits produziert. Wir sagen: Happy Birthday, Alice, du Lieblingsfreak!

Dreht hier Alice Cooper auf und lest weiter:

Über Alice Cooper kann man Tausende Geschichten erzählen. Suchen wir uns die besten aus: Eigentlich heißt er ja Vincent Damon Furnier. Geboren wurde er am 4. Februar 1948 in Detroit geboren, und zwar als Sohn eines Pfarrers. Aus seiner ersten Krachkapelle, gegründet mit 16, wird über Umwege Alice Cooper. So heißt verwirrenderweise nicht nur die Band, sondern auch ihr Sänger. Im Song Be My Lover singt er Jahre später: „She asked me why the singer’s name was Alice/ I said listen, baby, you really wouldn’t understand.“

Zappa ist schuld

Den ersten Plattenvertrag bekommt Alice Cooper (die Band) von niemand Geringerem als Frank Zappa, weil der für sein Label Straight Records bizarre Musik sucht. Und „bizarr“, ja, das können die Jungs, denn ihre Songs klingen Ende der Sechziger abgedreht, theatralisch und ziemlich weit draußen. Angeblich hat Zappa die Musiker für „um sieben Uhr“ für ein Vorspiel zu sich bestellt. Als die fünf Zottel morgens (!) um sieben klingeln, zeigt sich der Altmeister beeindruckt: Wer so früh solchen Lärm machen will, besitzt Ehrgeiz. Die ersten Alben für Zappa heißen Pretties For You (1969) und Easy Action (1970) und schlagen beide keine großen Wellen.

Zeitsprung: Am 9.3.1971 erscheint „Love It To Death“ von Alice Cooper.

Dafür wird die Bühnenshow zusehends abgefahrener, so dass die Medien Notiz nehmen. Während alle von „Peace & Love“ singen, interessieren sich Alice Cooper für „Spaß, Sex, Tod und Geld“. Den ersten richtigen Hit kennt jeder: I’m Eighteen. Die Nummer stammt vom Album Love It To Death von 1971 und ist ein Evergreen der Rockwelt. Im gleichen Jahr erscheint Killer und sorgt für Skandale, auf der Bühne lässt sich Alice auf einem elektrischen Stuhl hinrichten.

Gratiswerbung durch Empörung

Mit School’s Out geht es 1972 dann ab: Die Platte verkauft sich dank des Titelsongs millionenfach. Die britische Moralaktivistin Mary Whitehouse will das Video dazu verbieten lassen, weswegen die Single prompt auf Platz eins in Großbritannien landet. Alice Cooper bedankt sich mit einem Blumenstrauß für die Extrawerbung. (Mary Whitehouse wird übrigens auch im Deep Purple-Song Mary Long besungen.) Zu Billion Dollar Babies (1973) gibt es geköpfte Babypuppen auf der Bühne, und wieder regen sich alle auf. Dafür kann der griffige Classic Rock kommerziell ordentlich punkten. Nach Muscle Of Love (ebenfalls 1973) bricht die Alice Cooper Band allerdings auseinander.

By Hunter Desportes [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Alice Cooper nutzt den Namen fortan als Solokünstler und veröffentlicht das Konzeptalbum Welcome To My Nightmare (1975), das auf den Alpträumen eines Kindes namens Steven basiert. Der Horrorfilm-Star Vincent Price fungiert als Erzähler, die Bühnenshow wird noch theatralischer. So gibt es zum Beispiel einen zweieinhalb Meter hohen Zyklopen, der den Sänger allabendlich köpft. Legendär ist natürlich der Auftritt in der Muppet Show.

Zeitsprung: Am 28.3.1978 besucht Alice Cooper die „Muppet Show“.

Zu viel Schnaps

Für Lace And Whiskey (1977) nimmt Cooper die Rolle des Privatdetektivs Maurice Escargot an. Der hat ein Alkoholproblem. Der echte Alice aber auch, und zwar so richtig. Angeblich konsumiert er pro Tag ein, zwei Kistchen Budweiser und eine Flasche Whiskey. Im berüchtigten Rainbow Bar & Grill auf dem Sunset Strip tagt er regelmäßig mit einem Säuferclub, den er Hollywood Vampires nennt. Mit dabei sind John Lennon, Ringo Starr und der legendäre Schluckspecht Keith Moon. Heute spielt Cooper mit Joe Perry (Aerosmith) und Johnny Depp (ja, der Schauspieler) in einer Coverband namens Hollywood Vampires.

Zeitsprung: Am 5.6.1977 gibt es einen Todesfall bei Alice Cooper – wegen einer Ratte.

Bei seinen Bühnenshows hantiert der Meister damals schon gerne mit Schlangen. Als eine im Sommer 1977 verstirbt, hält Cooper sogar Auditions für tierische Nachfolger. Für From The Inside (1978) wird Alice Cooper nochmal trocken, aber in den Achtzigern stürzt er ab: An gleich vier Platten von 1980 bis 1983 kann sich unser Mann nach eigenen Aussagen nicht erinnern. Und so klingen sie auch. Wer das mal nachschlagen will: Die Platten heißen Flush The Fashion, Special Forces, Zipper Catches Skin und DaDa. Aber Vorsicht, das ist kein leichter Stoff.

Zeitsprung: Am 25.8.1982 kann sich Alice Cooper nicht an sein neues Album erinnern.

Muskeln & Slasher-Filme

So langsam macht die Leber schlapp, also zieht Alice Cooper Mitte der Achtziger erfolgreich einen Entzug durch. Dekaden später scherzt er mit (ausgerechnet) Ozzy Osbourne darüber, dass er jetzt so langsam nüchtern wird. Musikalisch kehrt er 1986 fulminant mit Constrictor zurück, das sich sehr am toupierten Hard Rock der Zeit orientiert. An seiner Seite steht Kane Roberts, der aussieht wie Conan, der Barbar und eine Maschinengewehr-Gitarre spielt. Hach, die Achtziger, herrlich.

Zu dieser Zeit beginnt auch Coopers Affäre mit den damals populären Slasher-Filmen wie Friday The 13th und Nightmare On Elm Street. Mit He’s Back (The Man Behind The Mask) singt Alice sogar einen Song über den Killer Jason Voorhees aus Friday the 13th Part VI: Jason Lives. Die Horrorfilm-Ästhetik findet sich wieder in der Tourproduktion zu Raise Your Fist And Yell (1987), weswegen es in England und Deutschland Ärger und teilweise Zensur gibt. In London entgeht Cooper nur knapp dem Tod, als der Trick mit dem Galgen um ein Haar schief geht.

Zeitsprung: Am 7.4.1988 hängt sich Alice Cooper beinahe selber auf.

Platinregen

Mit Trash schießt Cooper 1989 dann durch die Stratosphäre. Die Platte verkauft sich dank der Megasingle Poison millionenfach. Musikalisch klingt das alles wie der Hard Rock der Zeit, also nach Bon Jovi, Aerosmith und Kiss. Was vielleicht daran liegt, das alle die gleichen Songwriter nutzen, vor allem Desmond Child. (Die Post, die der Mann von der GEMA bekommt, würden wir gerne mal sehen.) Damals ist natürlich auch Stammgast auf MTV. Auf Hey Stoopid (1991) trifft sich die A-Liga der Szene: Slash, Ozzy, Joe Satriani, Steve Vai und Nikki Sixx spielen, singen und schreiben alle mit. Coopers Kurzauftritt im Film Wayne’s World geht in die Rock-Folklore ein: „Wir sind unwürdig!“

Die Neunziger lässt Alice Cooper in Sachen Alben locker angehen, tourt aber weiter weltweit. Zwischen 1994 und 2017 veröffentlicht er acht weitere Platten, die sehr unterschiedlich ausfallen. Von einem comichaften Konzeptwerk (The Last Temptation, 1994) über düsteren Industrial-Metal (Brutal Planet, 2000) bis zu buntem Spaßrock (Dirty Diamonds, 2005 und Welcome 2 My Nightmare, 2011) ist alles dabei. Lobenswert, denn das hält die Sache interessant. 2017 erscheint das gelungene Paranormal, mit dem Cooper an seine Siebziger-Phase anknüpft und sogar teilweise von seiner ursprünglichen Band begleitet wird; 2021 folgt Detroit Stories.

Und sonst so? Alice Cooper ist ein leidenschaftlicher Golfer und gilt als Gentleman. Seit 1976 (!) führt der gläubige Christ eine Ehe mit der Tänzerin Sheryl Goddard, die beiden haben drei Kinder. Von seiner Bühnenfigur „Alice“ spricht er grundsätzlich in der dritten Person. Und die beiden haben anscheinend noch eine Menge vor…

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 22.11.1992 hilft Alice Cooper zwei Hausbesitzern.

Continue Reading

Popkultur

Zeitsprung: Am 3.2.2003 wird Produzent Phil Spector wegen Mordes verhaftet.

Published on

Header-Bild: Video-Still aus https://www.youtube.com/watch?v=zC9N6kd7EUU

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.2.2003.

von Christof Leim

Eigentlich hätte Phil Spector bis zu seinem Lebensende in seiner Villa residieren und sich über ein erfolgreiches Leben freuen können. In den Sechzigern und Siebzigern wurde der US-Amerikaner zu einer einflussreichsten Figuren der Popmusik, erschuf mehr als 30 Chart-Hits und produzierte Alben von den Beatles, Ike & Tina Turner, Leonard Cohen, John Lennon, George Harrison und sogar den Ramones. Spector wurde vor allem bekannt für die „Wall Of Sound“-Technik, die seine Platten besonders bombastisch, klanglich dicht und groß klingen ließ. Doch aus einer geruhsamen Rentenzeit wurde nichts, denn Spector saß wegen des gewaltsamen Todes der Schauspielerin Lana Clarkson im Gefängnis. Die wurde am 3. Februar 2003 erschossen in seiner Wohnung gefunden.

Hört euch hier die Frühwerke von Phil Spector an:

An diesem Abend zieht Phil Spector um die Häuser. Als immens erfolgreicher Produzent, Songwriter und Musiker heißt das: Man lässt sich von seinem Chauffeur nach Hollywood fahren, kippt sich einen hinter die Binde und hängt in möglichst exklusiven Clubs herum. Der damals 69-Jährige landet schließlich im House Of Blues und trifft dort auf die Schauspielerin Lana Clarkson. Die hatte in Scarface, Barbarian Queen und Fast Times At Ridgemont High (dt.: Ich glaub’, ich steh’ im Wald) gespielt, arbeitet an diesem Abend aber als Hostess der VIP-Lounge. Zunächst weiß sie nicht, wer Spector ist, wird aber von ihrem Boss instruiert, den Gast seinem Status gemäß zu behandeln.

Lana Clarkson († 1962-2003). Foto: Albert L. Ortega/WireImage/Getty Images

Am frühen Morgen verlassen die beiden gemeinsam den Laden und fahren mit Spectors Limousine zu seiner 33-Zimmer-Villa im nahegelegenen Alhambra. Nach einer Stunde vernimmt der Fahrer Adriano de Souza, der vor der Tür wartet, einen Schuss. Er sieht, wie sein Boss mit einer Waffe in der Hand durch die Hintertür nach draußen tritt, und hört ihn sagen: „Ich glaube, ich habe sie erschossen.“ Souza ruft die Polizei, die findet eine grausige Szene im Wohnzimmer: Eine blonde Frau liegt in einem Sessel, gestorben durch einen Schuss in den Mund, unter ihr liegt eine Pistole. Lana Clarkson wurde nur 40 Jahre alt.

Credit: Public domain

Spector wird umgehend verhaftet, später aber auf Kaution (eine Million Dollar!) freigelassen. Im Prozess 2007 trumpft er zunächst dick auf, mit mehreren Anwälten und selbstbewusstem Auftreten. Von Anfang an behauptet er, Clarkson habe sich selbst getötet, er spricht sogar von einem Versehen, als sie die Waffe geküsst habe. Unter anderem filmt er sich selbst in einem Statement. Das glaubt ihm allerdings niemand, zumal die Gutachter feststellen, dass die Schauspielerin nicht suizidal veranlagt war.

Keine Ausreden

Weil die Jury sich nicht einigen kann, wird der Prozess neu aufgerollt. Details zu den Prozessen kann man auf Wikipedia und im britischen The Guardian nachlesen. Bei der zweiten Runde 2009 schlägt Spector leiserere Töne an. Es kommt raus, dass er oft und gerne mit Waffen herumfuchtelt. So hat er mehrmals seine Künstler (darunter Lennon, Cohen und die Ramones) bedroht, vor allem aber Frauen, die ihn abblitzen ließen. Auch sonst deuten alle Beweise auf ihn. Phil Spector wird deshalb wegen Totschlages („second-degree murder“) zu 19 Jahren Gefängnis verurteilt. Dort stirbt er am 16. Januar 2021 mit 81 Jahren. Seinen Lebensabend hat sich der Mann sicher anders vorgestellt. Lana Clarkson sich den ihren allerdings auch…

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 4.2.1980 veröffentlichen die Ramones „End Of The Century“

 

Continue Reading

Popkultur

35 Jahre „Lita“: Wie Lita Ford dem Hard-Rock-Männerclub den Kampf ansagte

Published on

Lita Ford
Foto: Al Pereira/Getty Images

1988 hat Lita Ford schon eine Weltkarriere mit den Runaways hinter sich. Ihr drittes Soloalbum wird dennoch zu ihrer Sternstunde – eine mustergültige Hard-Rock-Bibel, auf der auch Ozzy Osbourne nicht fehlen darf.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Lita anhören:

In der zweiten Hälfte der Achtziger ist die Rockmusik von zahlreichen weiblichen Stimmen geprägt. Roxette, Bonnie Tyler, Doro, Suzi Quatro oder Vixen feiern große Erfolge im Bandkollektiv oder im Alleingang. Ganz oben mischt auch Lita Ford mit. Die hat schon eine ganze Karriere hinter sich, als sie sich Anfang der Achtziger als Solitärin der Musikwelt stellt: 1975 wird sie in Los Angeles vom flamboyanten und undurchsichtigen Manager Kim Fowley für die neu gegründeten The Runaways entdeckt. Damals ist Lita Ford 16 Jahre alt.

Punk oder Hard Rock?

Die gebürtige Engländerin macht ihrem Namen alle Ehre, schmeißt alles hin und schließt sich der Damenband an, in der auch eine gewisse Joan Jett an der Gitarre steht. Musik spielt in ihrem Leben da schon lang eine Rolle: Mit elf fängt sie mit der Gitarre an, inspiriert von ihrem großen Helden Ritchie Blackmore, entdeckt auch ihre kräftige Stimme. Von Long Beach ist es nur ein Katzensprung auf den verruchten Sunset Strip, wo es dann nicht lange dauert, bis sie dem bestens vernetzten Fowley in die Arme läuft.

The Runaways werden zur Erfolgsgeschichte. Schon ihr Debüt The Runaways wird 1976 zum Hit, die Band tourt mit Van Halen, Cheap Trick oder Tom Petty And The Heartbreakers. Sie rutschen in die entstehende Punk-Bewegung, hängen im legendären New Yorker Club CBGB ab, feiern diesseits und jenseits des Atlantiks mit den Ramones oder den Sex Pistols. Nach einigen Welttourneen und dem großen Einmaleins der Rock’n’Roll-Exzesse geht es dann auch für die Runaways zu Ende. Erst feuern sie Manager Fowley, dann kriegen sie sich auch untereinander in die Haare. Joan Jett möchte mehr in Richtung Punk gehen, Lita Ford weiterhin Hard Rock spielen. Nach einem letzten gemeinsamen Auftritt am Silvesterabend 1978 bei San Francisco ist im April 1979 endgültig Schluss.

„Du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“

Für Lita Ford geht es da aber eben gerade erst los: Ihre ersten Gehversuche als Solokünstlerin verlaufen zunächst sehr unbefriedigend: Ihr früheres Runaways-Label Mercury Records bringt 1983 ihr Debüt Out For Blood raus, das Album bleibt aber weitgehend unbemerkt und floppt. Das lupenreine Heavy-Metal-Artwork mit Spinnweben, einer blutigen Gitarre und Ford in einem knappen Lederbody zeigt aber klar ihre musikalischen Ambitionen. „Rock’n’Roll ist eine harte Musik und du musst hart sein, um in dieser Musik zu bestehen“, sagte sie mal. „Leider sind nicht allzu viele Frauen hart, deswegen gibt es nicht so viele von uns.“ Ford gibt also nicht auf, beißt sich durch, landet mit dem Nachfolger Dancin’ In The Edge einen Achtungserfolg, der ihr zudem eine Grammy-Nominierung für ihre Gesangsleistung einbringt. Für eine Musikerin, die bislang überwiegend als Gitarristin aufgefallen ist, kann sich das durchaus sehen lassen. Oder auch: Die musikalische Früherziehung macht sich so langsam richtig bezahlt.

Ihren größen Coup landet Lita Ford vor 35 Jahren: Die selbstbetitelte dritte Platte Lita wird zum Vulkan, zum Platin-Erfolg, der sie für immer in den Annalen der Rockmusik verewigt. Nach den beiden Vorgängern gelingt Ford hier eine archetypische Rockplatte der Achtziger, wie viele ähnliche Releases der damaligen Zeit sorgsam austariert zwischen Hard Rock, Glam und Heavy Metal. Knackige, kernige Uptempo-Brecher, monumentale Balladen, flotte Pop-Rock-Hymnen, getragen von ihrer starken Stimme. Lita ist archetypisch Achtziger: Die Drums von Myron Grombacher klingen als wären sie in einer Kathedrale aufgenommen, die Keyboards laufen heiß, die Gitarren sägen, die Stimmung ist durch und durch hochdramatisch.

Duett mit Ozzy Osbourne

Lita ist aber auch aus anderen Gründen ein besonderes Album: Es markiert das erste Ergebnis der neuen Zusammenarbeit zwischen Ford und ihrer neuen Managerin Sharon Osbourne. Die bringt Ford gleich mit ihrem Ehemann Ozzy zusammen. Daraus entsteht der große letzte Akt Close My Eyes Together, eine große, epische Ballade mit amüsanter Background-Story: Ford und Osbourne müssen sich vom Fleck weg so gut verstanden haben, dass sie sich gleich mal gemeinsam im Studio die Birne vollsaufen und die Lyrics zu einem von Ozzy begonnenen Song gemeinsam schreiben. Der Song entsteht ungeplant – und wird doch zum größten Solo-Erfolg für sowohl Lita Ford als auch Ozzy Osbourne.

Schon abgefahren, wie es manchmal laufen kann. „Ich flog mal aus L.A. nach England nach Hause, als mich Sharon anrief und mich nach diesem halbfertigen Song fragte“, so Ozzy mal in einem Interview. „Ich konnte mich schon gar nicht mehr daran erinnern, aber offensichtlich wollte Lita mit mir an ihm arbeiten. Also flog ich zurück, wir tranken und schrieben das Ding und ich sagte ihr: Weißt du was? Du kannst ihn haben.“ Good guy Ozzy!

Ozzy Osbourne ist übrigens nicht der einzige Prominente, der sich auf Lita einfindet: Für Falling In And Out Of Love tut sich Ford mit Nikki Sixx von Mötley Crüe zusammen. Und Can’t Catch Me wird unter anderem von Lemmy Kilmister geschrieben. Wenn Lita Ford ruft, kommen sie damals eben alle. Und auch wenn sie seit 2012 kein Album mehr veröffentlicht hat: Lita Ford hat den Rock’n’Roll noch immer nicht aufgegeben.

Du willst nichts mehr in der Rockwelt verpassen? Melde dich hier für unseren Newsletter an und werde regelmäßig von uns über die wichtigsten Neuigkeiten, die spannendsten Geschichten sowie die besten Veröffentlichungen und Aktionen informiert!

Zeitsprung: Am 5.8.1975 werden The Runaways gegründet, die erste große weibliche Rockband.

Continue Reading

Latest Music News

Top Stories

Don't Miss