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Popkultur

Die musikalische DNA von Genesis

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Kaum eine Band erregt  dermaßen die Gemüter wie Genesis. Ja, selbst die Fanbase der britischen Band könnte gespaltener nicht sein: Magst du die frühen Prog-Tage der Band, damals, als Peter Gabriel noch dabei war? Oder stehst du eher auf den sauber ausproduzierten Sound der späteren Pop-Rock-Tage unter Phil Collins? Fünf Jahrzehnte nach Gründung in einem britischen Kaff in der Grafschaft Surrey gilt die Band, welche neben einigen stilistischen auch personelle Veränderungen durchlief, als eine der kommerziell erfolgreichsten Gruppen der britischen Musikgeschichte.


Hört euch hier die musikalische DNA von Genesis in einer essentiellen Playlist an:


 

Von der Gründungsbesetzung sind nur noch Tony Banks und Mike Rutherford übrig geblieben, der auf Solo-Pfaden sehr erfolgreiche Phil Collins rutschte im Laufe der Bandgeschichte immer weiter ins Rampenlicht. Seit einer Tour 2008 war von Genesis recht wenig zu hören. Die musikalische DNA von Genesis verläuft deswegen kreuz und quer durch die Epochen und Stile: Klassische Musik trifft auf Rockmusik, Blues und Soul auf Hip Hop – ein Genre, das wiederum die späten Genesis und Phil Collins stark beeinflussten sollten. Versuchen wir also, etwas Ordnung ins Chaos zu bringen und einigen wir uns solange darauf, dass letztlich alle Rockbands von einem gesunden Maß an Kontroverse am Leben erhalten werden!


1. Bee Gees – Holiday

Die Geburt von Genesis fand in einer britischen Privatschule statt, der Charterhouse School in Godalming. Tony Banks und Peter Gabriel lernten sich dort 1963 kennen, im folgenden Jahr stieß Mike Rutherford hinzu und noch bald schon kam auch Gitarrist Anthony Philips an. Bevor die vier sich aber mit Schlagzeuger Chris Stewart zusammen schlossen, spielten sie in zwei verschiedenen Bands, aus denen erst im Januar 1967 Genesis hervorging. Eine Demo wurde aufgenommen, ein Produzent für die gerade 15- bis 17-jährigen Teenager aber fehlte noch. Gefunden wurde er in dem Charterhouse-Alumnus Jonathan King, der ihnen einen Vertrag mit dem Traditionslabel Decca besorgen konnte. King war ein Freund von poppigen Sounds, dessen Ego die Band überschattete – selbst der Name Genesis war eine Anspielung auf den Beginn seiner Produzentenkarriere! Peter Gabriel ließ das nicht auf sich sitzen und  erlaubte sich einen kleinen Scherz mit dem Song The Silent Sun, den er im Stile der Bee Gees schrieb, die im Sommer 1967 ihren internationalen Durchbruch mit Singles wie Holiday feierten und dessen großer Fan King war.


2. The Moody Blues – Love and Beauty

Ab 1969 tgingen Genesis und King getrennte Wege, nachdem sowohl ihre ersten Singles sowie das Debütalbum From Genesis To Revelation floppten – unter anderem, weil die LP des Titels wegen von Plattenläden in die Abteilung mit christlicher Musik geräumt wurde! Damit war allerdings der Weg für einen komplexeren Sound geebnet, der nach der LP Trespass auf Nursery Cryme in den fantastischen Lyrics’ Peter Gabriels, dem nuancierten Schlagzeug des Neuzugangs Phil Collins’ und den aggressiven Gitarrenparts des Philips-Nachfolgers Steve Hacketts seinen Höhepunkt fand. Zusätzlich zu Hacketts Neuerungen wie etwa dem kongenial eingesetzten Gitarren-Tapping brachte Tony Banks ganz neue klangliche Qualitäten in die Band mit ein, als er sich von King Crimson ein Mellotron besorgte. Die hatten bereits mit In The Court Of The Crimson King vorgemacht, dass selbst Prog Rock hitverdächtig sein kann. Obwohl sie das natürlich nicht wollten. »Wenn es in irgendeiner Weise populär klang, war’s vorbei«, erklärte das ehemalige Crimson-Mitglieder Peter Sinfield. »Es musste kompliziert sein, mit ausladenden Akkorden und merkwürdigen Einflüssen.« Die Idee mit dem Mellotron, das später bei Genesis den komplizierten Sound stellte, kam ursprünglich von The Moody Blues, die das Instrument mit dem Song Love and Beauty populär machten. Aus dem Populären wurde bei King Crimson und Genesis dann das Komplizierte.


3. Johann Sebastian Bach – Suite For Cello Solo No. 1 in G, BWV 1007: 1. Prélude

Der Sound war eines, die komplexen Kompositionen der Prog-Rock-Genesis zu Gabriel-Zeiten ein anderes. Banks nannte Ravel, Schostakowitsch, Mahler und Rachmaninow als Einflüsse für seine Arbeit an den Keyboards, Hackett sogar gab zu Protokoll: »Ich bin mit dem Blues und Bach aufgewachsen, hätte aber nie gedacht, dass sie sich zu einer dritten Sache zusammenfinden würden!« Das taten sie aber, woran der Gitarrist durchaus beteiligt war. Die Idee für sein Gitarre-Tapping, das erstmals auf Nursery Cryme seinen Einsatz fand, war inspiriert von Johann Sebastian Bachs »Toccata und Fuge«. »Mir wurde klar, dass ich es mit den Standardtechniken nicht so nachspielen konnte, wie ich es hören wollte«, erinnerte er sich. »Deshalb habe ich angefangen, mit der rechten Hand auf dem Griffbrett zu tappen.« Ein ganz bestimmtes Bach-Stück wurde für die gesamte bei der Aufnahme ihres Albums Foxtrot umso wichtiger: Die Suite Nr. 1 in G-Dur, seinem Werkverzeichnis nach die 1007. Komposition, wurde zum Vorbild des Songs Horizons. Gespielt wurde es, na klar, von Hackett auf der Gitarre – allerdings ohne Tapping und dafür mit noch anderen Komponisten wie William Byrd im Hinterkopf.


4. West Side Story Act I: America

Genesis wären in ihrer klassischen Phase sicher nichts ohne ihren charismatischen Sänger Peter Gabriel gewesen, der einerseits mit seinem exzentrischen Auftreten in aufwändigen Bühnenkostümen und andererseits mit seiner unvergleichlichen Einbildungskraft seinen Teil zur Magie der Band beitrug. Dazu gehörten ebenso seine erzählerischen Qualitäten, die im letzten Album der Gabriel-Ära ihren Höhepunkt fanden. The Lamb Lies Down on Broadway von 1974 wird oftmals als das definitive Genesis-Album betrachtet, markierte aber zugleich den Beginn innerer Zerwürfnisse. Gabriel verwarf die Idee Rutherfords, ein Konzeptalbum zu Antoine de Saint-Exupérys Le Petit Prince zu schreiben und ließ sich stattdessen von Filmen des kauzigen Regisseurs Alejandro Jodorowskys, dem Psychoanalytiker C. G. Jung oder der britischen Allegorie The Pilgrim’s Progress aus dem 17. Jahrhundert inspirieren. Grundlage für die Geschichte des Halb-Puerto-Rikaners Rael aber wurde der Roman beziehungsweise das Musical West Side Story, das wie The Lamb Lies Down on Broadway in New York spielte. Und das, obwohl Genesis noch mit Selling England by the Pound aus dem Vorjahr klar machen wollten, dass sie sich nicht an die US-amerikanische Kultur verkaufen wollten! Aber die Faszination mit America ist schließlich auch eines der Hauptmotive der West Side Story.


5. Frank Zappa & The Mothers – More Trouble Every Day (Live 1974)

Was tun, wenn die Gallionsfigur plötzlich das Handtuch wirft? Auf Gabriels Weggang folgte im Hause Genesis eine lange Zeit der Umstrukturierung, die weitreichende Konsequenzen haben sollte. Einige Sänger wurden ausprobiert, zufrieden war die Band jedoch mit niemandem – bis Phil Collins selbst im Studio den Song Squonk probe sang. Das gefiel allen, ein neues Kapitel der Bandgeschichte wurde aufgeschlagen und der Drummer fand sich plötzlich im Rampenlicht wieder.


Schaut euch hier eine Live-Version des Songs More Trouble Every Day an und lest weiter:


 

Dort aber benötigte er Unterstützung. Die fand er unter anderem in Chester Thompson, dem Drummer von Frank Zappas Band und Weather Report. Nachdem Collins eine LiveAufnahme vom Zappa-Song More Trouble Every Day auf dem Album Roxy & Elsewhere gehört hatte, rekrutierte er den Schlagzeuger ohne weiteres Vertun für das Konzert-Line-Up von Genesis. »Es hat mich total umgehauen«, erinnerte er sich. »Ich hatte ihn nie getroffen, rief ihn aber an und sagte: ‘Hi Chester, ich hab deinen Kram gehört – willst du bei Genesis spielen?’ Er hat nicht mal probegespielt!« Allerdings gab es auf Roxy & Elsewhere genug Material von Thompson zu hören, um das überflüssig zu machen.


7. Eric Clapton – Tears In Heaven

Die Wahl des gleichermaßen in Jazz wie Blues geschulten Aushilfsdrummers allerdings ist so überraschend nicht: Wie viele englische Bands der sechziger Jahre waren auch Genesis von Anfangstagen an vom Blues infiziert! Einer der herausragendsten britischen Blues-Gitarristen überhaupt ist Eric »Slowhand« Clapton. Er ebnete mit den Yardbirds, Cream und Blind Faith vielen anderen Bands den Weg, wie er auch später im Laufe seiner Karriere etwa durch eine Coverversion von Bob Marleys I Shot The Sheriff dem Genre Reggae Mainstream-Aufmerksamkeit im verschlafenem UK verschaffte. Clapton ist ein guter Freund von Phil Collins und als im Jahr 1991 sein Sohn Conor überraschend verstarb, verarbeiteten beide ihre Trauer auf ganz unterschiedliche Arten. Während Claptons Tears In Heaven, das durch seine legendäre MTV Unplugged-Session weltbekannt wurde, noch sanfte Akustik-Gitarren auffährt, zeigte Collins mit Since I Lost You seine vollen Gesangsqualitäten. Als vorletztes Stück des Albums We Can’t Dance setzt es allerdings auch einen Schlusspunkt nach drei Alben aus den achtziger Jahren, mit welchem sich Genesis immer mehr einem Pop-Rock-Sound zuwendeten, der Fans der ersten Stunde nicht gefiel und welcher der Band dennoch bahnbrechende Erfolge bescherte.


8. The Beatles – Twist and Shout

Mit ihrer ungewöhnlichen Erfolgsgeschichte näherten sich Genesis zunehmend den Sphären an, in denen eine andere britische Band unterwegs waren. The Beatles allerdings fingen als sympathische Pop-Rocker an und entwickelten sich immer mehr zu einer Avantgarde-interessierten Band, die also ziemlich genau den umgekehrten Weg wählte. Die Fab Four allerdings waren schon immer große Vorbilder von Genesis. Als Gabriel hörte, dass John Lennon eines ihrer Alben gelobt habe, bedeutete dies für ihn eine der größtmöglichen Auszeichnungen. »Wir waren unglaublich stolz darauf«, bestätigte auch Hackett im Nachhinein. Collins verbindet mit der Band sogar noch mehr: Er spielte Schlagzeug auf dem George Harrison-Album All Things Must Pass und hatte sogar eine Komparsenrolle im Film A Hard Day’s Night, welcher drei Jahre vor Gründung von Genesis erschien. Ihren Tribut zollte die Band dem Quartett aus Liverpool allerdings erst 1982 mit einer EP, welche Aufnahmen aus der Abacab-Zeit versammelte und deren Cover sich an die Twist and Shout-Single der Beatles anlehnte.


8. The Impressions – Talking About My Baby

Die Beatles waren allerdings nicht die einzigen, auf die sich die Köpfe hinter Genesis einigen konnten. Sowohl Gabriel wie auch der spätere Frontmann Collins teilen etwa eine Leidenschaft für Otis Redding und die Soul-Musik, welche von Labels wie Stax oder Motown weltberühmt gemacht wurde. Beide nannten sie so etwa Curtis Mayfield als Inspiration, dessen Song Talking About My Baby mit der Band The Impressions Phil Collins später auf seinem Motown-Coveralbum Going Back aus dem Jahr 2010 neu interpretieren sollte. Nicht das erste Mal, dass er dem 1999 verstorbenen Sänger Tribut zollte: Schon 1994 erschien seine Version von I’ve Been Trying auf der Compilation A Tribute to Curtis Mayfield. Gut kamen diese Versionen allerdings nicht unbedingt an – während seiner Karriere war Collins stetiger Kritik von Fan und Musikpresse ausgesetzt. Der Schatten, den der stimmlich wesentlich agilere und ausdrucksstärkere Gabriel für Jahrzehnte auf sein Schaffen warf, scheint er bis heute nicht losgeworden zu sein…


9. Grandmaster Flash & The Furious Five – The Message

Dabei war es doch eigentlich Collins, der Genesis in die Neuzeit herüber retten konnte. Anfang der achtziger Jahre nämlich waren die Tage des ausgelassenen Stadionrocks gezählt. Mit Punk, Disco und nicht zuletzt Hip Hop machten sich andere Musikstile daran, die Popwelt ordentlich aufzurütteln. Der 1983 auf dem Album Genesis erschienene Song »Mama« etwa verwendete nicht nur eine Drummachine, wie sie insbesondere in Collins’ Solo-Produktionen zu seinem Markenzeichen werden sollte, sondern enthält der Legende nach auch eine versteckte Referenz auf einen Rap-Track, der Musikgeschichte schrieb. Ein Jahr zuvor erschien mit The Message von Grandmaster Flash & The Furious Five einer der wichtigsten Songs der frühen Hip Hop-Szene. Das charakteristische Lachen von Rapper Melle Mel soll Collins sich zum Vorbild für sein eigenes trockenes Gelächter genommen haben. »Was für ein toller Sound!«, schwärmte er und gab im selben Zug zu, dass Rap definitiv seinen Einfluss auf Genesis gehabt hätte.


10. Kanye West – Paranoid

Die Geschichte von Phil Collins und Hip Hop aber sollte eine gemeinsame werden. Von Ol’ Dirty Bastard über Lil’ Kim bis zu Bone Thugs-n-Harmony, die sich Collins sogar als Feature-Gast einladen konnten, oder aber neueren Acts wie Abra geben viele Artists aus dem R’n’B- und Rap-Bereich Collins als Inspiration an. Warum? Einerseits sicherlich wegen seiner Songwriter-Qualitäten, andererseits aber wegen seinem stilprägenden Umgang mit Drums und vor allem Drumcomputern. Der sogenannte »Gated Reverb«-Effekt von Collins’ Drum-Sound ist neben seinen Arbeiten mit der Roland CR-78 (In The Air Tonight) und der für Hip Hop wie später auch House und Techno maßgeblichen TR-808 (Another Day In Paradise) ganz besonders wichtig gewesen. Da war außerdem der merkwürdig glatte, Gesang auf Stücken wie In The Air Tonight, den Kanye West schon bei Gelegenheit live gecovert beziehungsweise bei Konzerten eingespielt hat und welcher Wests Autotune-Arien vorwegzunehmen schien. Dessen Album 808s & Heartbreak ist nicht nur »the coldest story ever told«, sondern auch stark von Collins und dessen 808-Experimenten beeinflusst. Der »Gated Reverb«-Effekt taucht dort selbstverständlich auch wie im Song Paranoid auf. Was das noch mit Genesis zu tun hat? Nun ja, zuerst war der Sound auf dem Stück »Intruder« eines gewissen Peter Gabriel zu hören – und ratet mal, wen sich der ehemalige Genesis-Frontmann dafür ins Studio geholt hatte!


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Zeitsprung: Am 27.11.1969 wird Myles Kennedy geboren.

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Thorsten Seiffert, RocknRoll Reporter

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.11.1969.

von Thorsten Seiffert und Christof Leim

Irgendwas muss dran sein an dieser Stimme. Myles Kennedy singt bei gleich mehreren großen Rockbands, und sogar die Gruppen, bei denen er fast gelandet wäre, erweisen sich im Nachhinein als äußerst spannend. Am 27. November hat der Mann Geburtstag.

Hier könnt ihr euch Myles Kennedys Soloalbum Year Of The Tiger anhören:

Geboren wird der Sänger und Gitarrist am 27. November 1969 als Myles Richard Bass in Boston, Massachusetts. Den Nachnamen Kennedy erhält er, als die Mutter nach dem Tod des Vaters erneut heiratet. Schon früh in seiner Kindheit beginnt Myles, die Trompete zu malträtieren, und hat gar eine Luftgitarrenband mit seinen besten Freunden. Als es dann Instrumente aus Holz gibt und er richtig in die Saiten dreschen kann, geht es Schlag auf Schlag: Animiert von einem Jazz-Kurs, den der junge Mann an der Highschool belegt, steigt er 1990 in eine Jazzformation mit dem Namen Cosmic Dust Fusion Band oder kurz Cosmic Dust ein. Sein Talent zeichnet sich schon damals deutlich ab, schnell macht er sich durch die Kombination seines musikalischen Wissens mit einer rockigen Spieltechnik einen Namen in der lokalen Szene. Dass Myles Kennedy auch als Fusion-Jazzer eine mehr als respektable Figur abgibt, beweist das erste Album von Cosmic Dust namens Journey  von 1991. Für den Song Spiritus gewinnt die Band 1993 sogar einem mit 5000 Dollar dotierten Preis

Aus Jazz wird Grooverock

Beim Jazz wird es nicht bleiben, doch der Weg zum Rockstar hält noch einige Abzweigungen bereit. Myles verlässt den kosmischen Staub und wird singender Gitarrist bei Citizen Swing, einer soulig und bluesig klingenden Truppe mit Alternative-Einschlag. Auch hier gibt es Hörbares: 1993 haut die Band das Album Cure Me With The Groove raus. 1995 folgt noch Deep Down, dann zieht die Kombo einen Schlussstrich. Kennedy, der inzwischen als Gitarrenlehrer arbeitet, will härter rocken und gründet mit einigen Kindheitsfreunden und einem Citizen-Swing-Kollegen eine neue Gruppe: The Mayfield Four. 

Ein erstes Demo (Thirty Two Point Five Hours) kommt so gut an, dass Epic Records einen Vertrag rausrücken. So langsam kommt Myles’ Karriere also in Fahrt. Das Debüt Fallout von 1998 wird intensiv live präsentiert, im Rahmen der mehr als ein Jahr dauernden Tour spielen The Mayfield Four mit Bands wie Stabbing Westward, Big Wreck und Creed zusammen. Obwohl die Kritiken gut ausfallen, findet Fallout nicht den Weg in die Charts. 

Hier könnt ihr euch The Mayfield Four anhören:

Jetzt ruft Hollywood

Während sich die Band abstrampelt, den Durchbruch zu schaffen, erhält Myles Kennedy das Angebot, in dem Hollywood-Streifen Rock Star mit Mark Wahlberg und Jennifer Aniston mitzuspielen. Der Film lehnt sich vage an die Story von Tim „Ripper“ Owens Einstieg bei Judas Priest an und erzählt von einer fiktiven Band namens Steel Dragon. Kennedy spielt dabei einen Fan, der zum Ende auf die Bühne gezerrt wird, um das Konzert als Sänger zu beenden, während der Frontmann und Protagonist (Wahlberg) sich absetzt. Kennedy ist der einzige Darsteller in Rock Star, dessen echte Gesangsstimme wir zu hören bekommen. Als Schauspieler will sich Myles nach dieser Erfahrung nicht sehen: „Das war schon witzig, und ich habe nichts nachgestellt. Ich war einfach ein Typ aus der Provinz, der mit den Schwergewichten in Hollywood einen Film dreht“, sagt er später. „Es fiel mir leicht, diesen dämlichen Typen abzugeben, dazu gehörte kein bisschen Schauspielerei.“

Seiner Band The Mayfield Four hilft der Auftritt indes nicht. 2001 wird das zweite Album Second Skin veröffentlicht: wieder mit guten Reaktionen, wieder kein Erfolg. Das nagt an Kennedy, und die Gruppe bricht auseinander. In einem Interview mit Pulse Weekly erklärt er später, dass er sich zu diesem Zeitpunkt, also 2002, ausgebrannt von der der Musikindustrie fühlte und zudem nach Jahren der hohen Lautstärken einen Tinnitus entwickelt hat. „Ich kann das nicht mehr machen, meine Ohren lassen das nicht zu“, sagt er damals und fällt in eine Depression. Mit Bands beschäftigt sich Kennedy in dieser Phase nicht und gibt stattdessen Gitarrenunterricht.

Myles will nicht mit Slash spielen

Doch es geht auch wieder aufwärts: Wie gesagt muss etwas dran sein an dieser Stimme, denn 2002 meldet sich Gitarrengott Slash, der einen Sänger für seine neue Band Velvet Revolver sucht und Kennedys Demo gehört hat. Doch unser Mann entscheidet sich dagegen, ergreift ein Jahr später aber eine andere Chance: Creed-Gitarrist Mark Tremonti möchte, dass Myles einige Songs für ihn einsingt. 

Creed-Gitarrist Mark Tremonti gewinnt Myles Kennedy 2003 für seine Band Alter Bridge – Pic: Thorsten Seiffert, RocknRoll Reporter

So entstehen Alter Bridge, die neue Band der Creed-Musiker Tremonti, Scott Phillips und Brian Marshall. Die Chemie stimmt, und nun wendet sich das Blatt: Während das Debüt One Day Remains (2004) gemischte Reaktionen bei den Kritikern hervorruft, stehen die Fans auf den Sound, was letztlich in einer goldenen Schallplatte gipfelt. Mit Alter Bridge geht es hervorragend weiter, und Kennedy wird immer bekannter. Blackbird erscheint 2007, spätestens mit AB III (2010) gehört die Band zu den großen Namen im internationalen Rockzirkus.

Wenn Rockgötter anrufen…

2008 schließlich macht ein gewichtiges Gerücht die Runde: Myles Kennedy soll Robert Plant bei Led Zeppelin ersetzen, als dieser nach der einmaligen Live-Reunion der Band 2007 lieber wieder sein eigenes Süppchen kochen will. Wow! Kennedy schweigt zu alledem, bis er 2009 dann doch ausplaudert, dass er tatsächlich mit Jimmy Page, John Paul Jones und Jason Bonham geprobt und gejammt habe. Jason, Sohn des legendären Originalschlagzeugers John Bonham, hatte ebenfalls in Rock Star mitgespielt, sich an den begnadeten Sänger erinnert und diesen Jimmy Page vorgeschlagen. Ob es Songs aus dieser kurzen Zusammenkunft gibt, bleibt jedoch bis heute schleierhaft. „Ich fühlte mich einfach unglaublich geschmeichelt, mit diesen Jungs im selben Raum zu stehen“, kommentiert Kennedy 2010 gegenüber Music Radar. „Alles, was ich über Rock gelernt habe, habe ich von Led Zeppelin. Nur in Jimmy Pages Nähe zu sein, war unglaublich.“

Myles Kennedy und Slash live 2015 – Pic: Harmony Gerber/WireImage/Getty/Images

Neuer Versuch mit Slash

Obwohl Myles der Guns N’ Roses-Legende Slash damals abgesagt hat, lässt dieser nicht locker – und „füttert“ den Alter-Bridge-Sänger mit einem einzigen Song langsam an. Auf dem einfach Slash betitelten Solodebüt des passionierten Zylinderträgers soll Myles einen einzigen Track singen, nämlich Starlight. Kurz vor Schluss der Aufnahmen rückt der Gitarrenheld aber mit einem weiteren Lied heraus, und auch auf dem in letzter Minute eingespielten Back From Cali beeindruckt Kennedy am Mikro. Die Zusammenarbeit läuft so gut, dass Slash ihn als Frontmann mit auf Tour nimmt und anschließend auch als Hauptsänger für seine nächsten Alben engagiert. So hören wir Myles auf Apocalyptic Love (2012), World On Fire (2014) und Living The Dream (2018). Slashs Liveband trägt sogar den Namen Myles Kennedy & The Conspirators.

Gleichzeitig läuft die Karriere von Alter Bridge ganz vorzüglich mit regelmäßigen Veröffentlichungen und Touren, so dass unser Mann quasi ständig unterwegs ist. Doch das scheint nicht zu reichen, denn 2018 erscheint noch sein erstes Soloalbum Year Of The Tiger, für das er auch Konzerte spielt

Hier hat also jemand all seine Rock’n’Roll-Träume erfüllen können. Wir schicken Myles Kennedy, der mit seiner Frau Selena in Spokane im Bundesstaat Washington lebt, laute Grüße zum Geburtstag!

Zeitsprung: Am 18.4.1974 rockt Mark Tremonti von Alter Bridge und Creed los.

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Eine Nacht im Bordell: Die lieblose Hochzeit von Ike und Tina Turner

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Ike & Tina Turner
Foto: Michael Ochs Archives/Getty Images

Die Ehe von Ike und Tina Turner war durch zahlreiche Tiefpunkte geprägt. Aggression, körperliche Gewalt, Betrug: Von süßem Eheleben kann wohl kaum die Rede sein. Doch wie kam es eigentlich zu der Hochzeit? Und was zur Hölle dachte sich Ike, als er Tina in der Hochzeitsnacht in ein Bordell schleppte?

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der größten Hits von Ike & Tina Turner anhören:

Mit mehr als 100 Millionen verkauften Platten gehört Tina Turner zu den erfolgreichsten Künstlerinnen aller Zeiten. Ike Turner hat im Lauf seiner jahrzehntelangen Karriere keine 100 Millionen Platten verkauft. Stattdessen war er kokainsüchtig und hat Tina verprügelt. Dass die beiden unter diesen Umständen ein Paar waren, ist kaum zu glauben. Am 26. November 1962 gaben sich Ike und Tina sogar das Ja-Wort und heirateten. Es war der unschöne Beginn einer unschönen Ehe, die trotz aller Schwierigkeiten 14 Jahre andauerte. Doch wie kam es dazu? Wie sah der Hochzeitstag aus und wie gestaltete sich die Zeit als Ehepaar? Ein Rückblick.

Ike und Tina Turners Hochzeit: Tina hat Angst, nein zu sagen

Als sich Ike und Tina kennenlernen, ist Tina gerade einmal 17 Jahre alt. Sie sieht ihn 1956 bei einem Auftritt seiner Band Kings Of Rhythm, später tritt auch sie der Gruppe bei. Schon bald geht das Duo unter dem Namen Ike And Tina Turner Revue auf Tour. Tina steht mit ihren energiegeladenen Auftritten im Zentrum der Show. Ikes Aggression und seinen Jähzorn lernt sie zu jener Zeit bereits kennen. Dennoch entwickelt sich der sieben Jahre ältere Musiker zu einer Art Mentor für Tina und die beiden landen gemeinsam ihre ersten Hits. Als Ike ihr einen Antrag macht, weiß Tina, dass eine Hochzeit nicht die beste Idee wäre — doch sie hat Angst, nein zu sagen.

Für die Hochzeit reisen Ike und Tina ins damals schon schmucklose Tijuana hinter der US-amerikanisch-mexikanischen Grenze. In dem Ort, der zu jener Zeit vor allem für seine günstigen Bordelle und Express-Hochzeiten bekannt ist, unterschreiben Ike und Tina einen Wisch in einem schmuddligen Hinterzimmer und sind fortan verheiratet. Kein „Ja, ich will“, keine Glückwünsche. Nur ein Stück Papier. „Ich hatte damals nicht viel Hochzeitserfahrung“, gibt Tina im Interview mit der britischen Daily Mail zu Protokoll. „Doch ich wusste, dass Hochzeiten irgendwie emotional und glücklich sein sollten.“ Ike hat allerdings andere Pläne für den Abend — und schleppt Tina in ein Bordell.

Eine Hochzeitsnacht im Bordell

„Man kann sich nicht vorstellen, was er für ein Mensch war“, erzählt Tina im Interview. „Ein Mann, der seine Frau gleich nach der Vermählung zu einer pornografischen Live-Sex-Show mitnimmt. Ich habe dort gesessen, ihn aus dem Augenwinkel beobachtet und mich gefragt: ‚Findet er das wirklich gut? Wie kann er nur?’ Es war alles sehr hässlich. Der männliche Darsteller war unattraktiv und scheinbar impotent, und das Mädchen … Nun, sagen wir einfach, dass das Ganze eher gynäkologisch war, weniger erotisch. Ich habe mich elend gefühlt und war den Tränen nahe, aber es gab kein Entkommen. Wir sind nicht gegangen, bis Ike fertig war — und er hatte dort viel Spaß.“

Nach der Hochzeit redet sich Tina die Ehe schön. „Am nächsten Tag habe ich vor den Leuten geprahlt“, berichtet die Sängerin. „Ich habe gesagt: ‚Ratet mal, was passiert ist! Oh, Ike hat mich mit nach Tijuana genommen, wir haben gestern geheiratet!‘ Ich habe mir eingeredet, dass ich glücklich war, und für kurze Zeit war ich es auch. Für mich hatte der Gedanke, verheiratet zu sein, eine Bedeutung. Für Ike war es eine weitere Transaktion.“ Die Ehe des Paares ist von Ikes Gewaltausbrüchen und seiner Drogensucht überschattet. Ganze 14 Jahre geht es so, bevor Tina im Jahr 1976 die Scheidung einreicht. Seit 2013 ist sie mit Musikmanager Erwin Bach verheiratet und lebt in der Schweiz.

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Zeitsprung: Am 26.11.2016 droht die kanadische Polizei mit Nickelback.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.11.2016.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Am 26. November 2016 rät die Polizeiwache im kanadischen Kensington ihrer Facebook-Gefolgschaft von Alkohol am Steuer ab. Lobenswert, immerhin stehen Weihnachtsmärkte und -feiern vor der Tür. Das eher ungewöhnliche Druckmittel Nickelback sorgt dabei allerdings für Lacher und Kritik.

Hört euch hier die besten Nickelback-Songs an: 

„Fröhliche Weihnacht“, denkt sich 2016 das Polizeipräsidium in Kensington auf Prince Edward Island und leistet sich dann einen ziemlichen Klops. Die für ihre Nettigkeit bekannten Kanadier bieten auf Facebook am 26. November einen besonders festlichen Service: In einem Post zeigen sie Möglichkeiten auf, Alkohol am Steuer zu vermeiden. Scheinbar keine einfache Aufgabe, locken doch Glühwein und andere edle Tropfen gerade vor Weihnachten mit ihrer wärmenden Wirkung. Einen kleinen Scherz kann sich der oder die Social-Media-Verantwortliche dabei nicht verkneifen.

Staatsdienst mit Augenzwinkern

Die Erinnerung an die Pflichten im Straßenverkehr beginnt noch harmlos. Mit Empfehlungen, im Vorfeld eine nüchterne Person für die Heimfahrt zu bestimmen oder doch schon vor Beginn der Veranstaltung Taxiunternehmen oder Übernachtungsmöglichkeiten in Erfahrung zu bringen, leistet die Polizei ihren Beitrag zur winterlichen Verkehrssicherheit.  

Aber das reicht womöglich nicht. Doch auch die Behörde scheint jedoch vernommen zu haben, dass eine gewisse landeseigene Band nicht überall den besten Ruf genießt. Die Nachricht, die sie als „Christmas Bonus Edition“ betiteln, geht also mit einer Drohung der besonderen Art einher: „Die Polizei von Kensington wird den Rest des Jahres nach denjenigen suchen, die dumm genug sind, zu trinken und danach zu fahren. Und wenn wir euch kriegen – und das werden wir – gibt es zuzüglich zu einem deftigen Bußgeld, einer Strafanzeige und einem einjährigen Führerscheinentzug noch ein zusätzliches Geschenk: Auf dem Weg ins Gefängnis beschallen wir euch mit Nickelback.“

Die meinen das ernst. Oder?

Wer jetzt noch daran zweifelt, ob da wirklich eine gesamte Polizeiwache Nickelback aufs Korn nimmt, sollte unbedingt den Rest des Posts lesen: „Wir finden: Wer töricht genug ist, nach einem Drink noch hinters Steuer zu steigen, für den sind Chad Kroeger und seine Jungs das passende Geschenk.“ Das dazugehörige Bild zeigt eine bisher ungeöffnete 

Ausgabe des Albums Silver Side Up aus dem Jahr 2001, die die Mannschaft großzügig für etwaige „Gäste“ öffnen möchte.

Lang gelöscht: Ein Screenshot des Originaltexts vom 26. November 2016.

Das locker formulierte Posting trifft online einen Nerv und erscheint als Meldung in weltweiten Medienformaten. Die eigentliche Nachricht, das Auto nach dem Genuss von Alkohol stehenzulassen, mutiert dabei in eine Debatte über Nickelback, die man auch in den Kommentaren fortführt. Die 1995 gegründete Band gehört zu denjenigen Gruppen, die die Öffentlichkeit heiß diskutiert, und nicht immer geht es um Musik.

Wasser auf die Internetmühlen

Auch die Kommentare zum polizeilichen Facebook-Post zeigen keine Einigung. „Schimpft doch nicht auf Nickelback! Nehmt lieber jemanden wie Justin Bieber“, schlägt jemand vor. (Bieber ist ebenfalls Kanadier.) Andere wiederum fragen sich, ob eine solche Bestrafung nicht gegen die Genfer Konvention für Menschenrechte verstoße. Die Meldung zieht so kontroverse Kreise, dass die Wache den Post schließlich löscht und eine öffentliche Entschuldigung einstellt.

Nickelback selbst dürfte der Zwischenfall nur am Rande interessieren: „Ich glaube, diese ganzen Meckerer und Kritiker wissen gar nicht, was sie uns für einen Gefallen tun. Ohne sie wären wir nur eine Allerweltsband“, teilt Kroeger schon 2014 lässig der Presse mit. Die Kanadier belegen laut Digital Music News Platz elf der meistverkauften Bands der Geschichte

 

Zeitsprung: Am 21.8.2015 „rickrollen“ die Foo Fighters gegen Homophobie.

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