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Popkultur

Duff McKagan: „Bloß keine bekloppten Reimpaare – also fire auf desire geht gar nicht!“

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Foto: Theo Wargo/Getty Images for CBGB

So reif klang er noch nie: Guns N’Roses-Bassist Duff McKagan hat sich nach gut zwei Jahrzehnten relativ überraschend mit einem neuen Soloalbum zurückgemeldet. Es ist streng genommen erst sein zweites, nachdem das zuvor geplante Solo-Zweitwerk kurz vor der Jahrtausendwende auf Eis gelegt worden war.

von Renko Heuer

Auf der im Frühsommer veröffentlichten neuen LP überführt der 55-Jährige persönliche Beobachtungen und Eindrücke von der letzten großen Guns N’Roses-Tour in ungewöhnlich ruhige, fast schon introspektive Songs, wobei ihm Country-Producer Shooter Jennings (der Sohn von Waylon Jennings) und dessen Band durchweg zur Seite standen. Das Album, das der in Seattle lebende Musiker selbst als vertonten Nachfolger seiner letzten Buchveröffentlichungen (u.a. How To Be A Man: and other illusions, 2015) versteht, heißt nicht ohne Grund Tenderness – „Zärtlichkeit“: Weil McKagan mit sehr viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen den spalterischen Kräften in der Gesellschaft entgegenwirken will. Wir haben ihn wenige Tage vor dem Auftakt seiner Europatour gesprochen, in deren Rahmen im August auch drei exklusive Konzerte in Deutschland auf dem Programm stehen…

  • 23. August 2019 – Berlin, Astra
  • 26. August 2019 – Köln, Gloria
  • 27. August 2019 – Mannheim, Alte Feuerwache

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Duff McKagan
Tenderness
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Nur noch wenige Tage, bis die große Europatour beginnt. Was bedeutet das für deinen aktuellen Tagesablauf in Seattle: Vorher noch mal richtig entspannen – oder laufen die Vorbereitungen gerade auf Hochtouren?

DMK: Ehrlich gesagt läuft das dieses Mal so, dass wir erst ganz kurz vor dem Abflug Zeit für die Konzertproben haben werden. Der Grund ist ganz einfach: Shooter (Anm.: Jennings, McKagans Produzent und Live-Begleitung) und seine Band sind aktuell selbst noch auf Tour, und sie kommen dann erst zurück. Richtig geprobt wird also erst kurz vor dem Abflug nach Europa.

Wow, klingt nach einer Last-Minute-Aktion.

DMK: Oh ja, Shooter ist echt ganz schön busy. Aber ich für meinen Teil bereite mich jetzt schon langsam vor: Ich habe nämlich schon damit angefangen, richtig früh morgens aufzustehen. Das mache ich immer, wenn ich die USA verlasse. Vier Tage vor dem Abflug stehe ich um fünf auf, am Tag drauf schon um vier, und so weiter…

Verstehe.

DMK: Auf diese Weise bin ich schon perfekt an die Zeitzone angepasst, wenn ich in Europa ankomme. Das ist mein großes Geheimnis!

Shooter & Duff. Pic: Scott Dudelson

Und jetzt ist es raus! Aber sprechen wir über Tenderness – das Album und die Idee dahinter, also die wirkliche „Zärtlichkeit“. Wann kam dir diese Einsicht, dass es der Welt aktuell an Zärtlichkeit mangelt?

DMK: Nun, es war eher umgekehrt. Erst mal fiel mir auf, dass immer die falschen Ideen im Diskurs an die Oberfläche gespült werden. Sie dominieren die Schlagzeilen. Ich bin zwar kein Experte, aber ich lese viel über die Geschichte, überhaupt ist Lesen seit 25 Jahren mein großes Hobby. Lesen und Reisen. Mich fasziniert einfach die Geschichte der Menschheit. Entscheidend war nun diese Idee der Gespaltenheit, die plötzlich überall diskutiert wurde.

Das fiel dir auf, als du selbst vor ein paar Jahren „zu tief ins Twitter-Universum“ abgetaucht bist, richtig?

DMK: Richtig. Diese Gespaltenheit war überall das große Thema. Und direkt vor dem Startschuss für unsere große Guns-Tour hab ich mich da voll reingesteigert, in diese ganzen News-Geschichten. Ich fragte mich schließlich: „Woher kommt denn diese neue Kluft?“ Immerhin reise ich seit 1984 quasi nonstop, und ich konnte sie in der echten Welt einfach nicht finden. Und besonders während der Tour kam ich dann überall mit Leuten in Kontakt. Ich mache immer auch so etwas schräge Touristen-Sachen, und da kommt man ins Gespräch mit den Einheimischen. Ich bleibe dabei gerne inkognito, fahre z.B. in die kleine Nachbarstadt oder so. Na ja, und so wurde mir klar, dass diese Gespaltenheit eher ein mediales Phänomen war. Mehr nicht. Und es war eine gefährliche Schlagzeile. Dabei habe ich schon in meinen Kolumnen und Büchern ein paar Ideen zu solchen Dingen untergebracht – ohne zu predigen!

Und genau das war jetzt also der Ansatz für das neue Soloalbum?

DMK: Ja, so kann man das sagen: Ich wollte damit Sichtweisen und Ideen einbringen, mehr nicht. Ein Statement darüber machen, was wirklich abgeht in der Welt.

Dabei hast du diese neuesten Ideen doch tatsächlich zuerst als Essays ausformuliert – und hast erst später eingesehen, dass ein Album dieses Mal das bessere Format wäre…

DMK: Ich hab auf Tour ein paar sehr gute Bücher über das aktuelle Zeitgeschehen gelesen, und ich hatte das Gefühl, dass ich dem kaum etwas hinzuzufügen hatte – zumindest nicht als Buch.

Wie schwer war es denn, den richtigen Ton zu finden für die neuen Songs, also gerade nicht als predigend rüberzukommen? Gab es Passagen, die gar nicht gingen?

DMK: Davon gab’s etliche Stellen! Schließlich gab es ja auch viel mehr Songs, als auf dem Album vertreten sind. Ein paar davon waren echt ganz gut, aber zugleich einen Tick zu krass. Sie passten halt nicht rein. Insgesamt habe ich mich, was den Ton der LP angeht, ja z.B. voll auf das „Wir“ konzentriert und wenig von mir gesprochen. Und ich hab echt lang am Feinschliff der Texte gesessen, damit auch alles sitzt – und die Songs eben nicht predigend klingen. Von dem moralisierenden Mist gibt es so viel gerade! Echt erdrückend finde ich das.

Würdest du denn sagen, dass deine Erfahrungen als Leitartikel- und Buchautor abgefärbt haben auf dein Songwriting? Gab es da Lektionen, die sich übertragen lassen?

DMK: Oh, ja, gewiss! Also wenn ich z.B. gerade an einem Buch oder einem Text sitze, dann lese ich parallel zu meiner Arbeit nur die besten Autoren. Ich will nicht abschreiben bei ihnen, aber ich möchte, dass diese hohe Qualität mich gewissermaßen inspiriert. Bei Büchern sind das z.B. Cormac McCarthy, Ernest Hemingway… richtig gute Leute. Ich lege die Latte damit absichtlich hoch. Und dieser Ansatz hat mir wohl auch geholfen, meine Songtexte noch präziser zu machen. Noch kondensierter. À la „keine überflüssigen Worte… und bloß keine bekloppten Reimpaare“ – also fire auf desire geht gar nicht!

Haha! Ja, gerade Hemingway mit seinem Eisberg-Ansatz ist natürlich ein perfektes Vorbild für diesen Minimalismus. Aber zugleich waren ja offensichtlich auch quasi-journalistische Exkursionen ein wichtiger Einfluss… du bist doch zu den Obdachlosen in Seattle gegangen, um den Song Cold Outside schreiben zu können, nicht wahr?  

DMK: Das stimmt. Ich war mehrfach an diesem Ort hier in Seattle, den man The Jungle nennt. Es ist echt krass da, einer der schlimmsten Orte in den Staaten. Ich kenne ein paar Jungs, die dort in einer Mission arbeiten; sie waren selbst früher obdachlos und haben es da raus geschafft. Heute kümmern sie sich darum, dass Socken, Saft und Medikamente verteilt werden. Irgendwann erkannte ich, dass 85% der Fälle dort auf psychischen Erkrankungen basieren – kombiniert mit Drogenabhängigkeit. Und es sind auch keine Leute dort, die vorher ein normales Familienleben geführt haben; die nämlich landen woanders, landen weicher, weil es durchaus ein paar Absicherungsmechanismen gibt – genau wie bei euch in Deutschland. Das hier sind eher Leute, die wohl nie eine Chance hatten. Missbrauch in der Familie, im Heim, und danach Drogen als einziger Weg daraus…

Klingt hart.

DMK: Ja, und was ich auch gelernt habe, ist, dass ich selbst gar nicht so weit davon entfernt war. Ich hatte Glück. Großes Glück. Mir ist nichts passiert als Kind. Aber es hätte passieren können. Schließlich passiert das so oft – und überhaupt die psychischen Probleme! Es war also einfach ein Lehrstück, eine wichtige Erfahrung für mich selbst. Weil ich selbst Angst davor habe, weil ich selbst einer von ihnen sein könnte. Ich habe auch mein Verhalten dadurch geändert: Ich rede jetzt immer mit Obdachlosen, wenn ich sie sehe. Ja, und was den Song angeht: Ich wollte halt meinen kleinen Beitrag leisten – und vielleicht kann ich damit auch ein paar Fans inspirieren, selbst aktiv zu werden, mitzuhelfen in so einer Mission… das größte Problem bei uns in den USA ist letztlich die Sache mit den psychischen Erkrankungen. Geistige Gesundheit – das ist das Kernproblem.

Inwiefern?

DMK: Nun ja, ich finde, wenn man an die ganze Waffengewalt denkt, die ganzen Schießereien – all das resultiert letztlich aus psychischen Problemen. Es gibt ja nicht den Typen, der ganz plötzlich zu sich sagt: „Heute hole ich mir mal eine Knarre und lege alle bei mir in de Schule um.“ Die Sache ist viel größer, fängt sehr viel früher an… es ist ein lebenslanges Problem, das davor nicht behoben werden konnte. Und ich habe diese Exkursionen nicht nur während der langen Guns-Tour gemacht, sondern schon immer – weil es mich interessiert, als Bürger, als Vater. Auch ich habe ein paar Sachen durchleben müssen, aber ich habe es zum Glück geschafft, sie hinter mir zu lassen.

Vergiss Guns N’ Roses Lies! Hier sind die GnR Fun Facts!

Und es scheint ja noch mehr Themen zu geben, die in Songs überführt werden wollen: Stimmt es, dass du Shooter Jennings schon wieder die nächsten Songideen geschickt hast – für ein weiteres Soloalbum? Erst kam zwei Jahrzehnte gar nichts, und plötzlich geht es Schlag auf Schlag…

DMK: Ja, das stimmt. In den letzten fünf, sechs Jahren habe ich sehr viel geschrieben. Und daran würde ich gerne wieder mit Shooter arbeiten…

Wir sind gespannt! In ein paar Wochen steht jedoch erst mal der 20. Hochzeitstag auf dem Programm – während der Europatour! Wie feiert denn das Ehepaar McKagan so ein Jubiläum?

DMK: Oh ja, 20 Jahre! Ich will jetzt nicht alles verraten, hier hören nämlich auch Leute mit… aber wir werden an dem Tag in Amsterdam sein. Als reiferes Paar stehen Susan und ich voll auf Amsterdam. Eine lustige, sexy Stadt ist das! Und uns beiden geht’s super. Als Paar ging’s uns ehrlich gesagt nie besser als heute.

Klingt beneidenswert. Guten Tourstart und danke fürs Gespräch!

Zeitsprung: Am 5.2.1964 kommt Duff McKagan von Guns N’ Roses zur Welt.

Popkultur

Olivia Newton John: 10 ihrer wichtigsten Stücke

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Oliva Newton John
Foto: Radio Times/Getty Images

Zu Ehren der kürzlich verstorbenen Olivia Newton-John hören wir uns durch zehn ihrer besten Stücke.

 von Markus Brandstetter

Am 8. August 2022 verstarb Olivia Newton John. Die Britin wurde nicht nur mit der Verfilmung des Musicals Grease weltbekannt, sondern hatte auch eine extrem erfolgreiche und langlebige Solokarriere als Musikerin. Vier Grammys, etliche Top-5-Hits und 24 Studioalben — und eine Menge verschiedener Stile von Pop über Folk bis Disco: Wir hören uns an dieser Stelle mal quer durch ihr Schaffen und sprechen über zehn ihrer bemerkenswertesten und/oder bekanntesten Stücke.

1. Long Live Love (1974)

1974 trat Newton-John beim Eurovision Songcontest in London an. Long Live Love ist rückblickend definitiv nicht ihr bestes Stück (sondern eher ein harmloser Schunkelschlager), aber wir wollen es alleine aus historischen Gründen an dieser Stelle keinesfalls unerwähnt lassen. Für einen Spitzenplatz reichte der Song damals nicht: Newton-John schaffte es immerhin auf Platz 4. Die Konkurrenz war an diesem Abend historisch: Den Sieg mit nach Hause brachten ABBA mit ihrem legendären Stück Waterloo.

2. Xanadu (1980)

Anfang der 1980er-Jahre machte die Künstlerin mit Jeff Lynne und ELO gemeinsame Sache — und veröffentlichte das Stück Xanadu aus dem gleichnamigen Musicalfilm. Der Film entpuppte sich zwar als Flop, den Song ereilte ein besseres Schicksal. Er kletterte in den UK-Charts auf den ersten Platz.

3. Twist Of Fate (1983)

1983 kam es nochmal zur Film-Reunion von Travolta und Newton-John für den Film Two of a Kind. Das sorgte für nostalgische Gefühle, so ganz konnte es aber den globalen Erfolg von Grease nicht mehr anknüpfen. Das Stück Twist of Fate aus dem Film ist aber dennoch erinnerungswürdig.

4. Magic (1989)

Nochmal Xanadu: Aus dem Soundtrack zum Film stammt auch der Disco-Kracher Magic. Das war nicht nur in den Charts extrem beliebt — 1980 bezeichnete John Lennon das Stück als einen jener damals aktuellen Songs, die er mochte. Eine große Ehre — und ein erster Platz in den US-Charts.

5. A Little More Love (1978)

A Little More Love war die erste Single, die Newton-John nach ihrem Mega-Erfolg mit Grease veröffentlichte. Sie erschien auf ihrem 10. Album Totally Hot.

6. I Honestly Love You (1984)

Mit I Honestly Love You landete Olivia Newton-John 1974 einen weltweiten Pop-Hit. Bis sie 1981 Physical veröffentlichte, war I Honestly Love You jenes Stück, mit dem sie meist in Verbindung gebracht wurde, wenn man ihren Namen nannte.

7. You’re The One That I Want (1978)

Natürlich darf auch ein bestimmter Song aus Grease nicht fehlen. Das Duett mit John Travolta  You’re The One That I Want ist eines der bekanntesten Duette der Popgeschichte — und zählt zu Newton-Johns besten Stücken.

8. Hopelessly Devoted To You (1978)

Wer  You’re The One That I Want sagt, muss aber auch Hopelessly Devoted To You sagen — denn der Song aus Grease ist ebenfalls unvergesslich. Die Country-Ballade war für Songschreiber John Ferrer eine große Herausforderung: „Ich habe die längste Zeit damit verbracht, den Text eines Songs zu schreiben, den ich je geschrieben habe. Ich habe jeden Thesaurus und jedes Reimwörterbuch, das ich hatte, benutzt, um ihn richtig zum Laufen zu bringen“, erklärte er  einmal. Die Arbeit zahlte sich aus: Das Stück wurde für einen Oscar als Beste Filmmusik nominiert, verlor aber leider gegen den Beitrag Last Dance aus Thank God It’s Friday.

9. Have You Never Been Mellow (1975)

Auf der Country-Pop-Ballade Have You Never Been Mellow, drei Jahre vor ihrem Mega-Erfolg mit Grease erschienen, klingt Newton-Johns Stimme beinahe schon sirenenhaft. Der Song erschien als Single des gleichnamigen Albums und schaffte es in den USA auf die Spitze der Billboard Charts — völlig zurecht, Have You Never Been Mellow ist ein absolutes Highlight im Backkatalog der Sängerin.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 11.8.64 bekommt Roger Daltrey von seinem Schwiegervater auf die Mütze

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.8.64.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

Die Fäuste und das Mundwerk sitzen bei Roger Daltrey von The Who Zeit seines Lebens eher locker. Kaum vorzustellen, dass er am 11. August 1964 vom Schwiegerpapa selbst eins hinter die Löffel bekommt. Hier kommt die Geschichte dieser Ausnahme-Ohrfeige.

Hört euch hier die größten The Who-Hits an: 

Blick zurück ins Jahr 1964: Roger Daltrey, selbst erst 20 Lenze jung, hat wenige Monate zuvor die sechzehn Jahre alte Jacqueline „Jackie“ Rickman geheiratet, da das Paar ein Kind erwartet. Der Frontmann merkt jedoch schnell, welches Leben ihn als Familienvater erwartet: Aus Angst vor einer bürgerlichen Existenz als Blechschlosser verlegt er seinen Schlafplatz noch vor der Geburt des Sohnes in den Van der Band. Das Ehegelübde nimmt Daltrey ohnehin nicht ganz ernst und geht offen damit um, dass die Karriere seiner Gruppe mit Pete Townshend, John Entwistle und Keith Moon für ihn oberste Priorität hat. Als Schwiegersohn des Jahres qualifiziert er sich damit nicht.

Ratespiel: Das Cover zur Doppelsingle „I’m The Face“/„Zoot Suit“.

In Rahmen der Gruppe übernimmt Daltrey aber durchaus Verantwortung und positioniert sich als Gründer und Frontmann. Bereits zu Schulzeiten pflegte er den Umgang mit Gangs und Kleinkriminellen, also verwundert es kaum, dass er innerhalb der Band gern mal die Fäuste sprechen lässt, wenn es um seine Meinung geht. Er fällt letztendlich auch die Entscheidung für den Namen The Who, nachdem die Band zunächst als The Detours beginnt. Im August 1964 spielt die Kombo auf Geheiß des damaligen Managers Peter Meaden kurzzeitig unter dem Namen The High Numbers. Im Juli erscheint als erste Single I’m The Face/Zoot Suit, deren Chartplatzierung lässt jedoch zu wünschen übrig lässt.

Am Abend des 11. August stehen The High Numbers dann zum wiederholten Male auf dem Programm des Railway Hotel in Nord-London. Während sich Daltrey und Co. bereithalten, um jeden Moment die Bühne zu betreten, schlägt laut Augenzeugen Jackie Rickmans Vater im Backstage-Bereich auf, zerrt Daltrey ohne viel Federlesens vor die Tür – und haut ihm schlicht eine rein. Zack.

Ein konkreter Anlass für den Zorn des Schwiegervaters ist nicht bekannt; ob der Sänger sich wehrt, lässt sich ebenfalls nicht ausmachen. So oder so stellt Daltrey das Wohl und die Professionalität der Band vor seine persönlichen Querelen, betritt wenige Augenblicke nach dem Zwischenfall die Bühne und legt eine Show hin, die es 2007 sogar in die Dokumentation Amazing Journey: The Story of The Who schafft.

Der Stoff von Dokumentationen: Das Cover zu „Amazing Journey: The Story of The Who“.

Auf dem Papier bleibt die Ehe Daltrey/Rickman noch einige Zeit bestehen, Sohn Simon kommt wenig später am 22. August auf die Welt. Als der Who-Gründer jedoch um 1968 ein Kind mit einer anderen Frau zeugt, zieht Jackie Rickman die Reißleine und reicht die Scheidung ein. Kurze Zeit später lernt der Rockstar dann auch schon das Model Heather Taylor kennen, die er 1971 heiratet und mit der er drei weitere Kinder bekommt. Diese Partnerschaft dauert bis heute an.

Zahm wird Daltrey jedoch keinesfalls, erzählt der britischen Presse vor einigen Jahren noch, die Ehe mit Taylor sei vielleicht keine offene, aber Vorschriften habe seine Frau ihm auch keine gemacht. Da kratzt man sich kaum am Kopf, weil sich über die Jahre diverse uneheliche Kinder beim Rockstar melden. Zu ihnen pflegt er jedoch ein gutes Verhältnis und integriert sie in seine Familie mit Taylor. Auch Jackie Rickman und der gemeinsame Sohn Simon nehmen an Gruppenurlauben teil.

Fliegende Hände hin oder her, Daltrey macht nie einen Hehl daraus, dass The Who bei ihm an erster Stelle stehen. So liest man auch auf der Website der Band, sie bliebe stets seine „erste Liebe“

Zeitsprung: Am 2.12.1973 landen The Who im Gefängnis.

 

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Popkultur

Zeitsprung: Am 10.8.1984 veröffentlichen die Red Hot Chili Peppers ihr Debüt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 10.8.1984.

von Timon Menge und Christof Leim

Seit weit mehr als drei Dekaden stehen die Red Hot Chili Peppers für Funk Rock, wie kaum eine andere Band. Los geht die Karriere der Kalifornier am 10. August 1984 mit ihrem gleichnamigen Debüt — obwohl das erste Album anders ausfällt, als die Musiker möchten…

Hier könnt ihr euch die Platte anhören: 

Als die Red Hot Chili Peppers im Jahr 1983 zusammenfinden, haben die jungen Kerle eigentlich nichts anderes im Sinn als ein gemeinsames Spaßprojekt. Sänger Anthony Kiedis, Gitarrist Hillel Slovak, Bassist Flea und Schlagzeuger Jack Irons kennen sich aus der High School und nennen ihre Band zunächst Tony Flow And The Majestic Masters Of Mayhem.

Zunächst nur Spaß

Die Chemie stimmt, gemeinsam möchten sie durchstarten. Aus diesem Grund engagieren sie Manager Lindy Goetz. Für ihre ersten Shows in der Umgebung von Los Angeles untermalen Slovak, Flea und Irons den Sprechgesang ihres Frontmannes Kiedis mit spontanen Jams, später nehmen sie die Sache ernster und nehmen Stücke für ein Demo auf. Zu jener Zeit entscheiden sie sich auch für den Namen Red Hot Chili Peppers. Irons und Slovak spielen zeitgleich in einer Gruppe namens What Is This?.

Als die Gruppe Fahrt aufnimmt, entstehen Probleme. Nur zwei Wochen, bevor die Chili Peppers einen Plattenvertrag über sieben Alben unterschreiben sollen, besiegeln Irons und Slovak ebenfalls einen Deal — allerdings für What Is This?. Kiedis und Flea sehen ihren größten Traum in Gefahr, lassen sich aber nicht unterkriegen. Für Slovak übernimmt Jack Sherman die Gitarre, an Irons Stelle trommelt Fleas alter Kumpel Cliff Martinez. Das Line-Up für das Debüt steht.

Im Studio gibt es Ärger

In den Eldorado Studios in Hollywood wird es anschließend gleich noch einmal schwierig. Das Problem: Produzent Andy Gill hat ein paar Ideen für den Stil der Band, die den Musikern so gar nicht gefallen. „Während der ersten Tage schien alles in Ordnung zu sein“, erinnert sich Frontmann Kiedis. „Aber wir haben schnell gemerkt, dass Andy einen Sound im Sinn hatte, der nicht zu uns passte. Am Ende der Sessions sind Flea und ich in den Kontrollraum des Studios gerauscht, haben uns an der Konsole zu schaffen gemacht und gebrüllt: ‘Fick dich, wir hassen dich!’”

Die Wut der Gruppe artet so sehr aus, dass Flea laut Gill sogar einen Pizzakarton als Klo benutzt und ihn nachher auf dem Mischpult deponiert. „Der Toningenieur rannte schreiend aus dem Studio“, erinnert sich der Produzent. „Als wir ihn das letzte Mal sahen, lief er gerade den Sunset Boulevard herunter.“

Unzufrieden

Trotz aller Strapazen gelingt den Red Hot Chili Peppers mit ihrem gleichnamigen Debüt eine Platte, die ihren viele Türen öffnen soll — auch wenn sie selbst gar nicht zufrieden damit sind. „Ich habe mich gefühlt, als wären wir zwischen zwei Spitzen im Tal des Kompromisses gelandet“, gibt Kiedis später zu Protokoll. „Ich habe mich nicht dafür geschämt, aber das Album klingt überhaupt nicht so wie unser Demo. Wir haben trotzdem das Beste daraus gemacht und nach vorne geschaut.“

Nach der Veröffentlichung und ersten Touraktivitäten kehrt Gitarrist Hillel Slovak zurück, es entsteht Freaky Styley, das 1985 erscheint. Für Platte Nummer drei, The Uplift Mojo Party Plan (1987) heuert sogar Jack Irons wieder als Drummer an. Damit findet die Chaotentruppe zusehends ihren ureigenen Sound, aber das sind mal wieder andere Geschichten…

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Zeitsprung: Am 24.9.1991 zelebrieren die Red Hot Chili Peppers „Blood Sugar Sex Magik“.

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