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Popkultur

Earl Slick: Der Gitarrist von David Bowie und John Lennon im Interview

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Foto: Kevin Winter/Getty Images

Station To Station von David Bowie, Double Fantasy von John Lennon und Yoko Ono, Into The Light von David Coverdale: Earl Slick hat bereits für das Who’s Who der Rockgeschichte gespielt. uDiscover hat sich mit dem Gitarristen unterhalten — über die Beatles bei Ed Sullivan, seine bemerkenswerte Audition bei David Bowie und die umgängliche Art von John Lennon, an die sich Slick allerdings  nur teilweise erinnern kann.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Station To Station von David Bowie anhören:

Wie für viele Gitarristen, war der Gig der Beatles bei Ed Sullivan Ihr Startschuss. Können Sie beschreiben, was der Auftritt in Ihnen ausgelöst hat?

Earl Slick: Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich Rock’n’Roll, wie wir ihn heute kennen, noch nicht auf dem Radar. Ich habe damals Baseball gespielt und wollte zu den New York Yankees. Doch dann kamen die Beatles. Es war seltsam, weil wir alle zur selben Zeit dieselbe Show gesehen haben, einfach jeder im ganzen Land. Und am nächsten Tag wollte jeder in einer Band sein. Innerhalb eines Tages wussten wir alle, welche Instrumente wir spielen wollten. Wir konnten das gar nicht, aber wir machten uns zu Schlagzeugern und Bassisten und so hat im Grunde alles angefangen. Und wenn man einem Zwölfjährigen ein paar coole Jungs im Fernsehen zeigt, denen alle Mädchen zukreischen, kann man sich seiner Aufmerksamkeit sicher sein.

Sie sind auch ein großer Fan der Rolling Stones, vor allem von Brian Jones und Keith Richards.

Ich kann es nicht anders beschreiben: Die Stones haben mich noch einmal völlig anders erwischt als die Beatles. Sie haben mich einfach umgehauen. Ich glaube, dass mit den Beatles alles angefangen hat, aber als die Stones kamen, wurde ich zum Gitarristen. Punkt. Ab da gab es keinen Weg zurück.

Komponist Michael Kamen war eine Art Mentor für Sie. Können Sie ihre Beziehung zu ihm beschreiben?

Ich habe Michael durch einen gemeinsamen Freund getroffen, der in seiner Band gespielt hat. Ich war damals in Coverbands unterwegs, habe Songs geschrieben und wir haben ein paar Demos aufgenommen, die Michael gefallen haben. Zunächst war ich sein Roadie. Ich war also in diesen Coverbands und dachte: Wenn ich jetzt weitermache, mache ich das mein ganzes Leben lang. Ich frage Michael also, ob ich in seiner Band mitmachen kann, aber er brauchte gerade keinen Gitarristen. Er meinte aber, dass ich gerne mitkommen kann, wenn ich bereit bin, das Equipment der Band zu tragen. Ich habe zugesagt, weil das immer noch besser war, als das, was ich zu dem Zeitpunkt gerade gemacht habe — und bin schließlich in seiner Band gelandet. So hat es angefangen. Michael hat mich danach immer im Auge behalten, weil er viel überzeugter von meinem zukünftigen Erfolg war als ich selbst. Da kommt der Mentor-Part ins Spiel.

1974 sind Sie in die Band von David Bowie eingestiegen. Wie kam es dazu?

Das hat ebenfalls mit Michael zu tun zu tun. Er hat damals schon Soundtracks geschrieben und den Score für ein Ballett in New York City komponiert. Bowie war auch vor Ort und die beiden haben sich getroffen. Mick Ronson hatte Bowies Band gerade verlassen und Bowie war auf der Suche nach einem neuen Gitarristen. Er fragte Michael, ob er jemanden kenne und Michael hat mich vorgeschlagen. So bin ich zu der Audition mit Bowie gekommen. Und die war ziemlich bemerkenswert.

Inwiefern?

Ich habe mir eine Audition immer so vorstellt, dass es eine Band und einen Sänger gibt, dass man gemeinsam probt und sie einen später anrufen. Ich hatte damals einen Termin in den RCA Studios und als ich dort ankam, habe ich Bowie erstmal gar nicht getroffen. Ich bin ins Studio gegangen, habe ein paar Kopfhörer bekommen und sollte zu ein paar Tracks spielen, die ich noch nie vorher gehört hatte. Das waren die ungemischten Tracks von Diamond Dogs. Das war meine Audition. Nach etwa 20 Minuten kam David aus dem Kontrollraum ins Studio und wir haben uns zusammengesetzt. Er hatte auch eine Gitarre, wir haben etwas herumgenudelt und er sagte, dass er anruft. Das war alles.

Und das hat er.

Genau.

Haben Sie ein Lieblingsalbum aus dieser Zeit? Diamond Dogs?

In Retrospektive gehört Diamond Dogs zu meinen Lieblingsalben. Aber das einzige Album, das ich zum Zeitpunkt der Audition hatte, war Aladdin Sane [1983]. Auf dem Album gab es Blues-Einflüsse, zum Beispiel bei The Jean Genie. Das klingt nach Muddy Waters. Und Panic In Detroit: Bo Diddley! Ich habe geliebt, wie Mick Ronson auf dem Album Gitarre gespielt hat und deshalb habe ich es gekauft. Das war also das einzige Bowie-Album, das ich bis dahin kannte. Ich bin quasi mit verbundenen Augen in die Audition gelaufen. Vielleicht war das besser. Ich habe nicht versucht, jemand anders zu sein, sondern bin einfach reingegangen und habe gespielt, was ich eben so spiele.

Später haben Sie mit Ian Hunter zusammengearbeitet. Wie ist es dazu gekommen?

Mick [Ronson] und Ian haben mal zusammengearbeitet, aber dann war irgendwas mit Mick und er musste sich um etwas anderes kümmern. Irgendwie bin ich dann mit Ian in Kontakt gekommen. Also habe ich auch in dieser Band Micks Platz eingenommen. Das war etwas seltsam. Wir haben dann ein Album mit Ian aufgenommen, Overnight Angels. Meiner Meinung nach ist die Platte im Lauf der Jahre durch das Raster gefallen, weil … Also, wir haben das Album aufgenommen. Wir sind in Europa auf Tour gegangen. Als es dann aber darum ging, auch in den USA auf Tour zu gehen, gab es Management-Probleme. Die Plattenfirma hat daraufhin entschieden, das Album in den USA nicht zu veröffentlichen. Aufgrund dieser ganzen Wirrungen, sind wir getrennte Wege gegangen, was eigentlich schade ist, denn ich ich denke, dass wir uns hier gut geschlagen hätten. Das ist mal wieder ein Fall von: Nicht die Band hat sich aufgelöst, sondern das Management hat es versaut.

Lassen Sie uns über Ihre Zeit mit John Lennon und Yoko Ono sprechen. Wie haben Sie die Arbeit mit den beiden erlebt? Lennon hat Sie selbst ausgesucht, richtig?

 Ja, genau. Einerseits weiß ich gar nicht so genau warum, andererseits kann ich es mir denken. Der Rest seiner Band bestand zu der Zeit aus sehr professionellen Sessionmusikern. Ich selbst hatte bis zu diesem Zeitpunkt nur meinen eigenen Kram aufgenommen und für Bowie gespielt. Ich war nicht unbedingt ein Sessionmusiker. Lennon hatte die Creme de la Creme. Er wollte deshalb wohl noch einen Gitarristen, der eher „von der Straße“ kommt, keinen weiteren Sessiongitarristen. Ich denke, er hat sich an mich erinnert, weil wir auf Young Americans [Dem neunten Bowie-Album von 1975, nach Diamond Dogs – Anm. d. Aut.] bereits zusammengearbeitet hatten und zwar für die Songs Fame und Across The Universe. Und dann hat er mich anrufen lassen. Das ist lustig, weil ich mich gar nicht an die Sessions erinnere, er aber schon. Ich weiß zwar, dass er da war und wir müssen ja auch zusammengearbeitet haben, aber ich erinnere mich nicht daran. Die Siebziger halt. (lacht)

Und die späteren Sessions?

Es hat sich sehr stark so angefühlt, als sei man in einer Band, aber ohne den Streit. John wollte ein Teil davon sein und wollte nicht, dass es „John“ auf der einen Seite ist und „die Band“ auf der anderen Seite. Damit fühlte er sich nicht wohl. Wir haben damals alles live in einem Raum aufgenommen. Nicht wie heute, wo der Bassist am Dienstag kommt und der Gitarrist am Mittwoch. Das hatte ein ziemlich cooles Live-Feeling. John war für mich sehr umgänglich, denn was er von mir wollte, war das, was ich sowieso immer gemacht habe. Ich musste mich nicht verstellen. Das konnte ich auch nicht sehr gut.

Mit Slim Jim Phantom und Lee Rocker von den Stray Cats gab es ebenfalls zwei gemeinsame Alben.

Ja, wir haben uns auf der NAMM getroffen [Musikmesse in Kalifornien – Anm. d. Aut.]. Da kannten wir uns noch nicht. Ihr Tourmanager war auch dabei, kam auf mich zu und sagte mir, dass die beiden mich kennenlernen möchten. Wir haben dann etwas rumgehangen und gequatscht. Die Stray Cats hatten sich gerade aufgelöst und die beiden waren damit beschäftigt, ihr eigenes Material zu schreiben. Und sie waren auf der Suche nach einem Gitarristen. Ein paar Wochen später haben wir ein Studio gebucht, um zu sehen, wie alles funktioniert, und haben sofort die ersten Songs geschrieben. Auf dem ersten Album hatten wir sogar einen Top-Ten-Hit [Men Without Shame – Anm. d. Aut.].

Und wie ist Ihre Platte mit David Coverdale entstanden?

Wow, das ist auch schon lange her. Es wirkt gar nicht so, aber das war vor 20 Jahren. Wir haben damals beide am Lake Tahoe gelebt. Eigentlich hat er nach einem Gitarristen gesucht, der mit ihm und Whitesnake auf Tour geht. Er hat mich deshalb angerufen, aber ich wollte das zu dem Zeitpunkt nicht und habe abgelehnt. Als sie von der Tour wiedergekommen sind, hat David nochmal Kontakt aufgenommen und mich gefragt, ob ich ein paar Songs schreiben möchte. Er wollte etwas Bodenständigeres machen. Wir haben dann mindestens sechs Monate damit verbracht, Songs zu schreiben. Und dann haben wir eine Band zusammengestellt und das Album aufgenommen.

Lassen Sie uns über Ihr neuestes Soloalbum „Fist Full Of Devils“ sprechen. Stimmt es, dass Buddy Guy Sie in seinem Club Legends auf die Bühne geholt hat und dass dieses Erlebnis die Hauptinspiration für das Album war?

Das Album war damals schon in Arbeit, aber als Buddy mich gefragt hat, ob ich mit ihm spielen möchte, war das erstmal nur ein Trip. Hat Buddy Guy gerade gefragt, ob ich mit ihm spielen möchte, wollt ihr mich auf den Arm nehmen? Buddy hat mir neues Leben eingehaucht. Ihm geht es nur darum, Gitarre zu spielen und auf der Bühne zu sein. Und das finde ich super. Ich glaube, dass man manchmal einen Schubser und etwas zusätzliche Inspiration braucht und das hat Buddy mir gegeben. Das Album war schon in Arbeit, aber Auftritt mit Buddy hat alles sehr viel leichter gemacht.

Und wie sah die Arbeit an dem Album aus?

Ein paar Songs auf dem Album sind schon sehr alt und ich hatte sie nur vergessen. Als ich wieder mit dem Schreiben angefangen habe, habe ich ein paar Songs selbst geschrieben, manche aber auch mit dem Pianisten Al Morse. Ich hatte mit ihm schon an anderen Alben gearbeitet und dachte: Lasst uns das Piano ins Songwriting einbeziehen und sehen, was passiert. Al und ich haben also zwei oder drei der Songs zusammen geschrieben. Dadurch konnte ich eine leicht andere Richtung einschlagen als sonst. Manche habe ich also alleine geschrieben, manche mit Al, manche aber auch mit meinem Produzenten. Die Songs, die nicht schon älter waren, wurden innerhalb sehr kurzer Zeit geschrieben, nachdem die Inspiration da war.

Was haben Sie dieses Jahr noch vor?

Ich möchte wieder nach Großbritannien kommen und ein paar Konzerte mit Glen Matlock [Ex-Sex-Pistols – Anm. d. Aut.] spielen. Außerdem möchte ich ein paar Solo-Shows auf die Beine stellen. Und das ist eigentlich auch schon alles. Spezifischer kann man da grad nicht werden, weil alles noch in der Schwebe hängt. Man bekommt die Promoter gerade nicht so recht motiviert, weil keiner weiß, was noch passieren wird. Ich habe in meinem Leben noch nie so lange keinen Gig gespielt. Das ist einfach verrückt.

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