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Popkultur

Earl Slick: Der Gitarrist von David Bowie und John Lennon im Interview

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Foto: Kevin Winter/Getty Images

Station To Station von David Bowie, Double Fantasy von John Lennon und Yoko Ono, Into The Light von David Coverdale: Earl Slick hat bereits für das Who’s Who der Rockgeschichte gespielt. uDiscover hat sich mit dem Gitarristen unterhalten — über die Beatles bei Ed Sullivan, seine bemerkenswerte Audition bei David Bowie und die umgängliche Art von John Lennon, an die sich Slick allerdings  nur teilweise erinnern kann.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Station To Station von David Bowie anhören:

Wie für viele Gitarristen, war der Gig der Beatles bei Ed Sullivan Ihr Startschuss. Können Sie beschreiben, was der Auftritt in Ihnen ausgelöst hat?

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Earl Slick: Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich Rock’n’Roll, wie wir ihn heute kennen, noch nicht auf dem Radar. Ich habe damals Baseball gespielt und wollte zu den New York Yankees. Doch dann kamen die Beatles. Es war seltsam, weil wir alle zur selben Zeit dieselbe Show gesehen haben, einfach jeder im ganzen Land. Und am nächsten Tag wollte jeder in einer Band sein. Innerhalb eines Tages wussten wir alle, welche Instrumente wir spielen wollten. Wir konnten das gar nicht, aber wir machten uns zu Schlagzeugern und Bassisten und so hat im Grunde alles angefangen. Und wenn man einem Zwölfjährigen ein paar coole Jungs im Fernsehen zeigt, denen alle Mädchen zukreischen, kann man sich seiner Aufmerksamkeit sicher sein.

Sie sind auch ein großer Fan der Rolling Stones, vor allem von Brian Jones und Keith Richards.

Ich kann es nicht anders beschreiben: Die Stones haben mich noch einmal völlig anders erwischt als die Beatles. Sie haben mich einfach umgehauen. Ich glaube, dass mit den Beatles alles angefangen hat, aber als die Stones kamen, wurde ich zum Gitarristen. Punkt. Ab da gab es keinen Weg zurück.

Komponist Michael Kamen war eine Art Mentor für Sie. Können Sie ihre Beziehung zu ihm beschreiben?

Ich habe Michael durch einen gemeinsamen Freund getroffen, der in seiner Band gespielt hat. Ich war damals in Coverbands unterwegs, habe Songs geschrieben und wir haben ein paar Demos aufgenommen, die Michael gefallen haben. Zunächst war ich sein Roadie. Ich war also in diesen Coverbands und dachte: Wenn ich jetzt weitermache, mache ich das mein ganzes Leben lang. Ich frage Michael also, ob ich in seiner Band mitmachen kann, aber er brauchte gerade keinen Gitarristen. Er meinte aber, dass ich gerne mitkommen kann, wenn ich bereit bin, das Equipment der Band zu tragen. Ich habe zugesagt, weil das immer noch besser war, als das, was ich zu dem Zeitpunkt gerade gemacht habe — und bin schließlich in seiner Band gelandet. So hat es angefangen. Michael hat mich danach immer im Auge behalten, weil er viel überzeugter von meinem zukünftigen Erfolg war als ich selbst. Da kommt der Mentor-Part ins Spiel.

1974 sind Sie in die Band von David Bowie eingestiegen. Wie kam es dazu?

Das hat ebenfalls mit Michael zu tun zu tun. Er hat damals schon Soundtracks geschrieben und den Score für ein Ballett in New York City komponiert. Bowie war auch vor Ort und die beiden haben sich getroffen. Mick Ronson hatte Bowies Band gerade verlassen und Bowie war auf der Suche nach einem neuen Gitarristen. Er fragte Michael, ob er jemanden kenne und Michael hat mich vorgeschlagen. So bin ich zu der Audition mit Bowie gekommen. Und die war ziemlich bemerkenswert.

Inwiefern?

Ich habe mir eine Audition immer so vorstellt, dass es eine Band und einen Sänger gibt, dass man gemeinsam probt und sie einen später anrufen. Ich hatte damals einen Termin in den RCA Studios und als ich dort ankam, habe ich Bowie erstmal gar nicht getroffen. Ich bin ins Studio gegangen, habe ein paar Kopfhörer bekommen und sollte zu ein paar Tracks spielen, die ich noch nie vorher gehört hatte. Das waren die ungemischten Tracks von Diamond Dogs. Das war meine Audition. Nach etwa 20 Minuten kam David aus dem Kontrollraum ins Studio und wir haben uns zusammengesetzt. Er hatte auch eine Gitarre, wir haben etwas herumgenudelt und er sagte, dass er anruft. Das war alles.

Und das hat er.

Genau.

Haben Sie ein Lieblingsalbum aus dieser Zeit? Diamond Dogs?

In Retrospektive gehört Diamond Dogs zu meinen Lieblingsalben. Aber das einzige Album, das ich zum Zeitpunkt der Audition hatte, war Aladdin Sane [1983]. Auf dem Album gab es Blues-Einflüsse, zum Beispiel bei The Jean Genie. Das klingt nach Muddy Waters. Und Panic In Detroit: Bo Diddley! Ich habe geliebt, wie Mick Ronson auf dem Album Gitarre gespielt hat und deshalb habe ich es gekauft. Das war also das einzige Bowie-Album, das ich bis dahin kannte. Ich bin quasi mit verbundenen Augen in die Audition gelaufen. Vielleicht war das besser. Ich habe nicht versucht, jemand anders zu sein, sondern bin einfach reingegangen und habe gespielt, was ich eben so spiele.

Später haben Sie mit Ian Hunter zusammengearbeitet. Wie ist es dazu gekommen?

Mick [Ronson] und Ian haben mal zusammengearbeitet, aber dann war irgendwas mit Mick und er musste sich um etwas anderes kümmern. Irgendwie bin ich dann mit Ian in Kontakt gekommen. Also habe ich auch in dieser Band Micks Platz eingenommen. Das war etwas seltsam. Wir haben dann ein Album mit Ian aufgenommen, Overnight Angels. Meiner Meinung nach ist die Platte im Lauf der Jahre durch das Raster gefallen, weil … Also, wir haben das Album aufgenommen. Wir sind in Europa auf Tour gegangen. Als es dann aber darum ging, auch in den USA auf Tour zu gehen, gab es Management-Probleme. Die Plattenfirma hat daraufhin entschieden, das Album in den USA nicht zu veröffentlichen. Aufgrund dieser ganzen Wirrungen, sind wir getrennte Wege gegangen, was eigentlich schade ist, denn ich ich denke, dass wir uns hier gut geschlagen hätten. Das ist mal wieder ein Fall von: Nicht die Band hat sich aufgelöst, sondern das Management hat es versaut.

Lassen Sie uns über Ihre Zeit mit John Lennon und Yoko Ono sprechen. Wie haben Sie die Arbeit mit den beiden erlebt? Lennon hat Sie selbst ausgesucht, richtig?

 Ja, genau. Einerseits weiß ich gar nicht so genau warum, andererseits kann ich es mir denken. Der Rest seiner Band bestand zu der Zeit aus sehr professionellen Sessionmusikern. Ich selbst hatte bis zu diesem Zeitpunkt nur meinen eigenen Kram aufgenommen und für Bowie gespielt. Ich war nicht unbedingt ein Sessionmusiker. Lennon hatte die Creme de la Creme. Er wollte deshalb wohl noch einen Gitarristen, der eher „von der Straße“ kommt, keinen weiteren Sessiongitarristen. Ich denke, er hat sich an mich erinnert, weil wir auf Young Americans [Dem neunten Bowie-Album von 1975, nach Diamond Dogs – Anm. d. Aut.] bereits zusammengearbeitet hatten und zwar für die Songs Fame und Across The Universe. Und dann hat er mich anrufen lassen. Das ist lustig, weil ich mich gar nicht an die Sessions erinnere, er aber schon. Ich weiß zwar, dass er da war und wir müssen ja auch zusammengearbeitet haben, aber ich erinnere mich nicht daran. Die Siebziger halt. (lacht)

Und die späteren Sessions?

Es hat sich sehr stark so angefühlt, als sei man in einer Band, aber ohne den Streit. John wollte ein Teil davon sein und wollte nicht, dass es „John“ auf der einen Seite ist und „die Band“ auf der anderen Seite. Damit fühlte er sich nicht wohl. Wir haben damals alles live in einem Raum aufgenommen. Nicht wie heute, wo der Bassist am Dienstag kommt und der Gitarrist am Mittwoch. Das hatte ein ziemlich cooles Live-Feeling. John war für mich sehr umgänglich, denn was er von mir wollte, war das, was ich sowieso immer gemacht habe. Ich musste mich nicht verstellen. Das konnte ich auch nicht sehr gut.

Mit Slim Jim Phantom und Lee Rocker von den Stray Cats gab es ebenfalls zwei gemeinsame Alben.

Ja, wir haben uns auf der NAMM getroffen [Musikmesse in Kalifornien – Anm. d. Aut.]. Da kannten wir uns noch nicht. Ihr Tourmanager war auch dabei, kam auf mich zu und sagte mir, dass die beiden mich kennenlernen möchten. Wir haben dann etwas rumgehangen und gequatscht. Die Stray Cats hatten sich gerade aufgelöst und die beiden waren damit beschäftigt, ihr eigenes Material zu schreiben. Und sie waren auf der Suche nach einem Gitarristen. Ein paar Wochen später haben wir ein Studio gebucht, um zu sehen, wie alles funktioniert, und haben sofort die ersten Songs geschrieben. Auf dem ersten Album hatten wir sogar einen Top-Ten-Hit [Men Without Shame – Anm. d. Aut.].

Und wie ist Ihre Platte mit David Coverdale entstanden?

Wow, das ist auch schon lange her. Es wirkt gar nicht so, aber das war vor 20 Jahren. Wir haben damals beide am Lake Tahoe gelebt. Eigentlich hat er nach einem Gitarristen gesucht, der mit ihm und Whitesnake auf Tour geht. Er hat mich deshalb angerufen, aber ich wollte das zu dem Zeitpunkt nicht und habe abgelehnt. Als sie von der Tour wiedergekommen sind, hat David nochmal Kontakt aufgenommen und mich gefragt, ob ich ein paar Songs schreiben möchte. Er wollte etwas Bodenständigeres machen. Wir haben dann mindestens sechs Monate damit verbracht, Songs zu schreiben. Und dann haben wir eine Band zusammengestellt und das Album aufgenommen.

Lassen Sie uns über Ihr neuestes Soloalbum „Fist Full Of Devils“ sprechen. Stimmt es, dass Buddy Guy Sie in seinem Club Legends auf die Bühne geholt hat und dass dieses Erlebnis die Hauptinspiration für das Album war?

Das Album war damals schon in Arbeit, aber als Buddy mich gefragt hat, ob ich mit ihm spielen möchte, war das erstmal nur ein Trip. Hat Buddy Guy gerade gefragt, ob ich mit ihm spielen möchte, wollt ihr mich auf den Arm nehmen? Buddy hat mir neues Leben eingehaucht. Ihm geht es nur darum, Gitarre zu spielen und auf der Bühne zu sein. Und das finde ich super. Ich glaube, dass man manchmal einen Schubser und etwas zusätzliche Inspiration braucht und das hat Buddy mir gegeben. Das Album war schon in Arbeit, aber Auftritt mit Buddy hat alles sehr viel leichter gemacht.

Und wie sah die Arbeit an dem Album aus?

Ein paar Songs auf dem Album sind schon sehr alt und ich hatte sie nur vergessen. Als ich wieder mit dem Schreiben angefangen habe, habe ich ein paar Songs selbst geschrieben, manche aber auch mit dem Pianisten Al Morse. Ich hatte mit ihm schon an anderen Alben gearbeitet und dachte: Lasst uns das Piano ins Songwriting einbeziehen und sehen, was passiert. Al und ich haben also zwei oder drei der Songs zusammen geschrieben. Dadurch konnte ich eine leicht andere Richtung einschlagen als sonst. Manche habe ich also alleine geschrieben, manche mit Al, manche aber auch mit meinem Produzenten. Die Songs, die nicht schon älter waren, wurden innerhalb sehr kurzer Zeit geschrieben, nachdem die Inspiration da war.

Was haben Sie dieses Jahr noch vor?

Ich möchte wieder nach Großbritannien kommen und ein paar Konzerte mit Glen Matlock [Ex-Sex-Pistols – Anm. d. Aut.] spielen. Außerdem möchte ich ein paar Solo-Shows auf die Beine stellen. Und das ist eigentlich auch schon alles. Spezifischer kann man da grad nicht werden, weil alles noch in der Schwebe hängt. Man bekommt die Promoter gerade nicht so recht motiviert, weil keiner weiß, was noch passieren wird. Ich habe in meinem Leben noch nie so lange keinen Gig gespielt. Das ist einfach verrückt.

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Zeitsprung: Der große Freddie Mercury stirbt am 24.11.1991 – Rest in peace!

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Popkultur

40 Jahre „Welcome To Hell“: Wie Venom selbst Metallica und Slayer beeinflussten

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Foto: Fin Costello/Getty Images

Es war einmal eine Band, die härter, extremer und radikaler sein wollte als alle anderen. Dies ist die Geschichte von Venom und ihrem unheilvollen, rumpelnden, anstrengenden und dennoch unmessbar einflussreichen Debüt Welcome To Hell.

 von Björn Springorum

Hier könnt ihr Welcome To Hell von Venom anhören:

In der Geschichte der unheiligen Rockmusik hat man vielen Bands einen Pakt mit dem Teufel unterstellt. Led Zeppelin, Black Sabbath, AC/DC, sie alle schienen doch irgendwie mit dem Leibhaftigen im Bunde zu sein, schienen am Scheideweg ihre Seelen für den Rock’n’Roll verkauft zu haben. Kann man alles getrost vergessen. Im Grunde gibt es eigentlich nur eine Band, die im Bund mit dem Teufel zu sein scheint und direkt aus der Hölle (oder aus einem billigen Studio, je nachdem) zu uns spricht. Und diese Band heißt Venom.

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Satanischer als Sabbath, lauter als Motörhead

Ziele braucht der Mensch. Ein junger Typ namens Conrad Lant macht da keine Ausnahme. Er wächst in Nordengland auf, ist sieben Jahre alt als die erste Black Sabbath erscheint. Als Schüler spielt er in diversen Bands, nennt sich bald nur noch Cronos und formt bei seiner Arbeit in den eher für Folk genutzten Impulse Studios einen ehrgeizigen Plan: Eine Band, härter, skandalöser, lauter und schockierender als alles, was es davor gab. Satanischer als Black Sabbath, lauter als Motörhead (viel Glück!), mehr Pyro und Drama als KISS und mehr Leder als Judas Priest.

Kann man machen. Wie schon gesagt: Ziele braucht der Mensch. Cronos, der Mann für Gesang und Bass, meint es aber tatsächlich ernst, hat irgendwann mit Gitarrist Mantas und Drummer Abaddon eine Truppe zusammen, die als ultimative Besetzung in die Metal-Geschichte eingehen wird. Er überredet den Studiobesitzer von Impulse, seine Band zum Schmalhalstarif ein Demo aufnehmen zu lassen, dessen Lead-Track In League With Satan durchaus auf Beachtung stößt. Im Sommer 1981 nehmen Venom deswegen alles auf, was sie haben – in nur drei Tagen. Das Resultat ist Welcome To Hell, ein sagenhaft rohes und ungeschminktes Debüt, das der einem ersten Höhepunkt entgegenpreschenden NWOBHM-Manie  das Fürchten lehrt.

Türöffner für okkulten Lärm

Im Dezember 1981 schält sich Welcome To Hell aus der diabolischen Dunkelheit. Und läutet eine neue Ära ein. Die Produktion, die Attitüde und das blasphemische Image nehmen viel von dem vorweg, was sich später als Trademark in Speed, Thrash oder Black Metal etablieren wird. Insbesondere der Song Witching Hour darf als Blaupause für den extremen Metal gelten, als Türöffner in eine unheilvolle Welt des okkulten Lärms – anstrengend, gesanglich eigentlich nicht mehr feierlich, chaotisch und dennoch historisch relevanter als vieles andere. Selbst die rigorose, scheppernde Lo-Fi-Produktion und das übergroße Pentagramm auf dem Cover gehen in die Ursuppe des Black-Metal-Genres ein.

Keine Metallica ohne Venom

Das ist ja auch das seltsam Schöne an Welcome To Hell: Die Platte ist unerträglich, unstrukturiert und unausgegoren. Aber musikgeschichtlich von derart seltener Pionierleistung, dass man vor einem Großmaul wie Cronos trotzdem nur den Hut ziehen kann. Denn irgendwie hat er seine großen Pläne ja sogar wahrgemacht. Und den Metal mit pechschwarzer Farbe, Chaos und Höllenfeuer überzogen.

Für Venom war Welcome To Hell aber natürlich nur der Anfang. Insbesondere der Nachfolger Black Metal (1982) ist bis heute ein vielzitierter Einfluss unzähliger Bands und nicht zuletzt der Namensgeber dieses notorischen Genres, das in den frühen Neunzigern in Norwegen zu zweifelhaftem Ruhm gelangt. Mal ganz zu schweigen davon, dass es ohne Venom wahrscheinlich weder Metallica noch Slayer oder Megadeth geben würde. Und das ist ja irgendwie auch keine schöne Vorstellung.

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Popkultur

Interview mit Volbeat: „Du musst mit der Straße verheiratet sein.“

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Foto: Emma McIntyre/Getty Images

Die Pandemie hat Volbeat nicht weichgekocht. Im Gegenteil: Auf ihrem achten Album Servant Of The Mind klingen die Dänen so aggressiv und durchgreifend wie noch nie. Im Interview begibt sich Bandchef Michael Poulsen auf Ursachensuche.

 von Björn Springorum

Hier könnt ihr Servant Of The Mind von Volbeat anhören:

Vor rund 15 Jahren war die Kreuzung aus fettem Metal und Elvis eine mittelschwere Sensation. Insbesondere mit ihrer dritten Platte Guitar Gangsters & Cadillac Blood (2008) brillierten Volbeat mit hohem Wiedererkennungswert und einem letztlich einzigartigen Gemisch. In den letzten Jahren wurde das, vorsichtig ausgedrückt, ein kleines bisschen redundant. Für die Band offensichtlich auch: Auf Servant Of The Mind berufen sich Volbeat so ungestüm und hemmungslos auf ihre metallischen Wurzeln wie noch nie.

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Michael, mit Servants Of The Mind dürftet ihr die meisten eurer Hörer überraschen und viele erfreuen. Woher kommt denn diese neue Lust an Heavy Metal? Steckt dahinter etwa euer 20. Geburtstag, den ihr dieses Jahr feiert?

Gut möglich. Jeder ist ja immer von allem beeinflusst, was er selbst gerne hört. Doch nach all den Jahren und Alben können Volbeat sich mittlerweile auch selbst beeinflussen. Und nach 20 Jahren tun wir das auch. Es macht mir Spaß, unsere alten Sachen zu hören und weiterzuentwickeln. Doch als Musiker reifen wir ebenso wie als Menschen. Wir werden besser, wir entwickeln uns weiter, wir finden neue Werte, wir sehen Dinge anders. Irgendwann passten wir uns mit Volbeat musikalisch also eher den großen Arenen an, die wir zu spielen begonnen hatten. Und diesmal ließen wir eben einfach die Pferde mit uns durchgehen. Es waren ja eh keine Arenen in Sicht. Man hört den neuen Songs deswegen sehr deutlich an, dass wir Black Sabbath, The Cramps oder Entombed immer noch sehr gerne hören. (lacht)

„Ich spielte automatisch hart und aggressiv, wenn ich eine Gitarre in die Hand nahm.“

Kam das denn ganz natürlich? Oder war es am Ende doch geplant?

Ich fing in den frühen Neunzigern mit Death Metal an. Diese Musik ist seither in meinem Songwriting verankert. Natürlich kamen bei Volbeat von Anfang an mit Rock’n’Roll, Psychobilly oder Punk sehr viele andere Inspirationen hinzu, aber nach sieben Alben verspürte ich plötzlich wieder große Lust, etwas härter zu werden. Die harte Seite von Volbeat war immer da, sie kam in letzter Zeit nur nicht so prägnant zum Vorschein. Diesmal war es aber einfach an der Zeit. Es geschah ganz natürlich, als ich während des Lockdowns zuhause saß, keine Konzerte spielen konnte und viele alte Platten hörte. Ich konnte nur in den Proberaum gehen, also tat ich das.

Entstanden dann auch gleich neue Songs? Oder ging es nur darum, Dampf abzulassen?

Ich hatte es gar nicht vor, aber genau das passierte. Auf einmal hatte ich all diese Ideen und fing an, sie aufzunehmen. Es fühlte sich an, als würden wir noch mal ganz von vorn anfangen. Und genau dieses Gefühl brachte mich noch näher an unsere Wurzeln zurück. Ich spielte automatisch hart und aggressiv, wenn ich eine Gitarre in die Hand nahm. Und was soll ich sagen? Es machte riesigen Spaß! (lacht)

„Es kam uns so vor, als wären wir wieder 17 Jahre alt und zum ersten Mal gemeinsam im Studio.“

Klingt, als hätte es bei den Sessions zu Servant Of The Mind keine größeren Hindernisse oder Stolpersteine gegeben…

Nach drei Monaten hatten wir plötzlich 13 neue Songs fertig. Dann gingen wir zu Jacob Hansen, um sie aufzunehmen. Zweieinhalb Wochen später war die Platte im Kasten. Wir sahen uns an und fragten uns: Und was machen wir jetzt? (lacht) Wir waren uns erst unsicher, ob wir das Album auch gleich veröffentlichen sollen, weil ja immer noch niemand weiß, wie alles genau weitergeht. Es fühlte sich aber alles so gut, so frisch an, dass wir die Songs so schnell wie möglich veröffentlichen wollten. Es kam uns so vor, als wären wir wieder 17 Jahre alt und zum ersten Mal gemeinsam im Studio.

Untypisch ist für euch nicht nur diese neue Härte, sondern auch der Albumtitel Servant Of The Mind. Worum geht’s denn auf der Platte?

Es ist doch so: Wir wachen auf, kommen irgendwie durch den Tag und schlafen. Dabei sind wir eigentlich immer unseren Gedanken oder unserem Mindset ausgesetzt. Unsere Gedanken können uns an sehr dunkle Orte führen – oder sie sorgen dafür, dass es uns richtig gut geht. Diese beiden Extreme spielten in der Musik von Volbeat immer schon eine Rolle. Hat wohl mit der Dualität des Lebens zu tun.

„Früher fuhren wir mit Volbeat mit einem klapprigen Van durch die Gegend. Heute sehe ich bei unseren Shows 60 Leute mit Volbeat-Shirts, die für uns arbeiten.“

Kommen wir noch mal auf eure frühen Tage zurück: Wie hast du die Anfangszeit der Band erlebt?

Dazu reicht eigentlich eine einzige Anekdote: Als wir mal ins Studio gehen wollten und uns die Kohle fehlte, meinte unserer früherer Bassist, ihm werde schon etwas einfallen. Wir standen gerade erst im Studio, da klingelte das Telefon klingelt und seine Frau brüllte ihn an, was er mit ihren Möbeln gemacht hat. (lacht)

Und? Was hat er gemacht?

Na ja, er hat sie verkauft, um die Studiomiete zu bezahlen.

Ihr habt also immer alles für die Band gegeben?

Ja. Bei wem das nicht so war, der ist nicht mehr dabei. Volbeat ist meine Band, mein Arbeitsplatz, mein Leben. Früher fuhren wir mit Volbeat mit einem klapprigen Van durch die Gegend. Heute sehe ich bei unseren Shows 60 Leute mit Volbeat-Shirts, die für uns arbeiten. Das ist unfassbar! Ich wusste zwar immer, dass ich Musik machen möchte. Aber so etwas zu erleben, ist schwer zu beschreiben.

Dennoch braucht eine Band auch Hierarchien. Jemanden, der alles im Blick hat.

Bei Volbeat war ich von Tag eins der, der sich um alles gekümmert hat. Booking, Merchandise, ich machte sogar die Steuer für meine Bandkollegen. (lacht) So einen braucht es in jeder Band. Doch auch alle anderen müssen 150 Prozent hinter der Band stehen. Sie müssen bereit sein, eine Menge aufzugeben. Und das sind nicht viele. Manche wollen nicht monatelang auf Tour sein, manche wollen mehr Regelmäßigkeit in ihrem Leben. Aber dann funktioniert es nicht. Du musst alles opfern, deine Sicherheit, deine Freunde, deine Partner, deine Kohle. Du musst mit der Straße verheiratet sein. Anders geht es nicht.

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Zeitsprung: Am 6.12.1988 erliegt Roy Orbison einem Herzinfarkt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.12.1988.

von Timon Menge und Christof Leim

Denkt man an Roy Orbison, sieht man vor allem eines: schwarz. Mit seinen getönten Haaren, der stets dunklen Sonnenbrille, seinem schwarzen Anzug und der schwarzen Gitarre gibt der Texaner der Melancholie eine vier Oktaven starke Stimme. Songs wie Only The Lonely, Oh, Pretty Woman oder You Got It verzaubern Hunderttausende. Doch sein Weg verläuft alles andere als geradlinig…

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Hört hier in Roy Orbisons beste Songs rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.  

Orbisons Karriere beginnt, als er 1945 im Alter von neun Jahren einen Talentwettbewerb bei einem lokalen Radiosender zu Hause in Texas gewinnt und eine wöchentliche Show im Samstagabend-Programm bekommt. Sein erster öffentlicher Auftritt mit Band lässt deutlich länger auf sich warten: 1953, also acht Jahre später, treten er und The Wink Westerners in einer High School auf. Die Schule befindet sich in seiner langjährigen Heimatstadt Wink in Texas, einem Ort, der vor allem von der Ölindustrie lebt. Die Gruppe hatte Orbison bereits im Alter von 13 Jahren gegründet. Ein Jahr nach dem Konzert schließt Orbison die Schule ab und wechselt zum North Texas State College, um Geologie zu studieren.

Der nächste Schritt ins Musikerdasein folgt 1955: Der Gitarrist und Sänger reist mit seiner Band nach Dallas, um Columbia Records den Song Ooby Dooby vorzuspielen, geschrieben von seinen Studienkollegen Wade Lee Moore und Dick Penner. Das Stück gefällt der Plattenfirma zwar, Orbison selbst stößt allerdings auf weniger Gegenliebe. Stattdessen spielen Sid King And The Five Strings den Titel ein.



Die Musiker lassen sich durch den Rückschlag nicht entmutigen, treten in zahlreichen Radiosendungen auf und benennen sich in The Teen Kings um. Am 4. März 1956 nehmen sie Ooby Dooby doch noch auf, und zwar im Studio von Norman Petty, einem der wichtigsten Rock’n’Roll-Produzenten der Zeit. Am 19. März erscheint der Song über Weldon Rogers’ Plattenfirma Je-Wel Records, doch der Vertrag muss kurz nach Erscheinen der Single annulliert werden: Orbison ist noch minderjährig und hätte ihn gar nicht unterzeichnen dürfen.



Sam Phillips, Inhaber der legendären Vinylschmiede Sun Records, interessiert das nicht. Er bietet dem jungen Musiker einen neuen Vertrag, den dieser annimmt. Phillips gilt als Schlüsselfigur der Fünfziger und entdeckt nicht nur Elvis Presley, sondern auch Johnny Cash und Jerry Lee Lewis. Die Gruppe nimmt Ooby Dooby ein weiteres Mal auf, am 1. Mai 1956 erscheint die Single mit der B-Seite Go Go Go. Der Titel erreicht Platz 59 der nationalen Hitparade und verkauft sich mehr als 350.000 Mal. Um das Momentum zu nutzen, geht Orbison auf eine große Tournee mit Johnny Cash, Carl Perkins, Warren Smith, Sonny Burgess und Faron Young. Die Reise führt den Tross bis nach Kanada.


Im September folgt die zweite Single: You’re My Baby, ein Stück von Johnny Cash. Auf der B-Seite findet sich Rockhouse von Orbison und Harold Jenkins alias Conway Twitty. Der Erfolg mit Sun Records bleibt hinter den Erwartungen zurück, und Orbison wechselt zu RCA Records, wo inzwischen auch Elvis Presley unter Vertrag steht. Auch dort bleibt der Durchbruch aus. Orbison veröffentlicht zwei erfolglose Singles, der Vertrag wird nicht verlängert.

Der Nachwuchskünstler betätigt sich stattdessen als Songwriter für andere Leute. So spielt er den Everly Brothers während einer Konzertpause ein Lied vor, das er für seine Frau Claudette geschrieben hat. Die Brüder mögen das Stück, das einfach Claudette heißt, und nehmen es auf. Später schreibt er den Song Down The Line, interpretiert von Jerry Lee Lewis. Auch Buddy Holly und Rick Nelson greifen auf Orbisons Material zurück.



Ab 1959 kommt allmählich Land in Sicht. Orbison unterzeichnet einen Vertrag bei Fred Fosters Plattenfirma Monument Records. Foster erkennt das Potential des jungen Musikers und liegt goldrichtig: Mit Uptown landet gleich der zweite neue Song des Texaners in den Charts, wenn auch nur auf Platz 72. Orbison nutzt die schützenden Arme des neuen Labels, um seinen balladesken Stil weiterzuentwickeln. Am 9. Mai 1960 gelingt mit Only The Lonely (Know The Way I Feel) der nationale und internationale Durchbruch. Orbisons Falsetto beeindruckt Elvis Presley so sehr, dass er die Single gleich kistenweise kauft und an Freunde verteilt. Vier Jahre lang erreicht jeder Song von Orbison die Top 40.



Eines seiner größten Markenzeichen entsteht zufällig, als Orbison 1963 mit den Beatles durch Großbritannien tourt. Der stark weitsichtige Musiker vergisst seine Brille im Flugzeug und muss aus der Not heraus mit seiner Sonnenbrille auftreten, die ebenfalls seiner Sehstärke angepasst ist. Der Look kommt gut an, so dass man ihn im weiteren Verlauf seiner Karriere nur selten ohne Sonnenbrille sieht. (Während derselben Tour erhält er übrigens auch seinen Spitznamen „The Big O“.) Seine stets dunkle Kleidung vervollständigt das Bild des schüchternen, auf Anonymität bedachten Superstars.



Am 1. August 1964 nimmt Orbison dann die erfolgreichste Single seiner Karriere auf. Oh, Pretty Woman erreicht in unzähligen Ländern der Welt Platz 1 der Charts und verkauft sich noch im ersten Jahr mehr als sieben Millionen Mal. Als Orbison 1965 mit den Rolling Stones durch Australien tourt, inspiriert der Song Mick Jagger und Keith Richards sogar dazu, ein ähnliches Intro für (I Can’t Get No) Satisfaction zu schreiben.

Roy Orbison ohne Sonnenbrille, dafür mit seiner zweiten Frau Barbara Anne Marie Wellhöner

Nach dem späten aber erfolgreichen Start seines Musikerdaseins suchen ihn ab Mitte der Sechziger mehrere Schicksalsschläge heim. 1966 stirbt seine Frau Claudette bei einem Motorradunfall, 1968 kommen zwei seiner drei Söhne bei einem Hausbrand ums Leben. Am 25. Mai 1969 heiratet Orbison seine zweite Frau Barbara Anne Marie Wellhöner, geboren in Bielefeld. Sie überlebt ihren Mann auf den Tag genau um 23 Jahre.

Auch seine Karriere gerät ins Wanken: Beatbands dominieren die Charts, Orbison unterschreibt einen neuen Plattenvertrag über eine Million US-Dollar mit MGM. Die Klangqualität von Monument Records wird nicht mehr erreicht, und auch die kompositorische Klasse leidet, weil Orbison sich vertraglich dazu verpflichtet, regelmäßig neue Songs abzuliefern. Er spielt weiter Konzerte, doch es wird ruhiger um ihn.



Ein furioses Comeback gelingt ihm Ende der Achtziger Jahre mit Mystery Girl und der Single-Auskopplung You Got It. Im November 1988 tritt er beim Diamond Awards Festival in Belgien auf und präsentiert den brandneuen Song vor laufenden Kameras. Ein Raunen geht um die Welt: Roy Orbison ist zurück, besser denn je. Auch abseits seiner Solokarriere bewegt sich etwas: Er schließt sich mit Bob Dylan, Tom Petty, George Harrison und Jeff Lynne zu den Traveling Wilburys zusammen, einer Supergroup, deren Debüt Traveling Wilburys Vol. 1 millionenfach über die Ladentheken geht.

Leider bekommt Orbison den Erfolg seines Comebacks nicht mehr vollständig mit: Bereits seit seiner Kindheit leidet er an Herzproblemen und muss sich während der Siebziger einer Bypass-Operation unterziehen. Am 6. Dezember 1988 erliegt er kurz vor Mitternacht einem Herzinfarkt. Er wird in Los Angeles beigesetzt, Mystery Girl erscheint posthum.

Bis heute zweifelt niemand am Einfluss, den Orbison auf die Musikwelt genommen hat. Dreht sich der Rock’n’Roll üblicherweise um treibende Schlagzeugbeats, verzerrte Gitarren und rebellische Texte, findet all das in der melancholischen Musik des Texaners kaum statt. Stattdessen vergleicht man ihn mit klassisch ausgebildeten Musikern, sogar mit Opernsängern. Kein Wunder: Dank seiner Stimmgewalt füllt er jeden noch so großen Saal aus.

Orbison wird nur 52 Jahre alt. „I still have some love to give“, singt er in Handle With Care von den Traveling Wilburys. Man darf gar nicht darüber nachdenken, welch tolle Songs er sicher noch geschrieben hätte.

Zeitsprung: Am 29.10.1990 erscheint „Traveling Wilburys Vol. 3“.

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