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Popkultur

Interview mit Steven Wilson: „Elton John ist der berühmteste Shopper der Welt!“

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Foto: Will Ireland/Total Guitar Magazine/Future via Getty Images

Ein Steven Wilson ist in der Welt der Populärmusik nicht mit Gold aufzuwiegen. Auch auf seinem schillernden neuen Zukunftsszenario The Future Bites inszeniert sich der Brite als wichtigster Prog-Erneuerer, als Alan Parsons der Neuzeit – und begeistert mit einem zynischen, kritischen, vor allem aber unterhaltsamen Narrativ unserer selbst im Spiegel der Technologie.

von Björn Springorum

Wer Elton John in der Mitte eines Songs einfach mal einen Einkaufszettel vorlesen lässt, der ist entweder übergeschnappt oder genial. Bei Steven Wilson kann man sich irgendwie beides vorstellen. Der große Visionär, der wie kein zweiter seiner Generation die Grenzen des Prog erweitert und neu definiert hat, veröffentlicht mit der futuristischen Mär The Future Bites sein sechstes Soloalbum. Auf dem ist nicht nur Sir Elton zu hören: Wilson schiebt seinen Sound weg vom Rock hin in ein elektronisch ausstaffiertes Klangwunderland, das nach Pop duftet, aber Prog ist wie eh und je: Fortschrittlich gedachte Musik, mutig inszeniert, eher bei Alan Parsons und Giorgio Moroder als bei Porcupine Tree.

Hört euch das Album hier an:

Steven, als Jahrgang 1967 bist du ohne das Internet aufgewachsen. Heute ist das kaum vorstellbar.

Völlig richtig, wir hatten kein Portal in der Hosentasche, das uns mit dem Rest der Welt verbindet. Ich war eher allein und isoliert, doch ich meine das nicht negativ. Eher brachte es mich dazu, neugierig in die Welt zu blicken und mit großen Augen neue Wunder zu entdecken. Ich frage mich häufig, ob meine Kinder dieselbe Neugier fühlen. Heute hat man alles, was man wissen muss, immer dabei. Es ist so leicht geworden, man muss sich nichts mehr erarbeiten.

„Die menschliche Rasse wird immer engstirniger, egozentrischer, besessen von sich selbst.“

Das Thema beschäftigt dich ja schon länger. Mit The Future Bites hast du ihm diesmal ein ganzes Album gewidmet…

Ich wollte ein Album über Identität schreiben. Und wie diese Identität durch die sozialen Medien verändert wird. Ich habe mich gefragt: Haben wir wirklich verstanden, wie das Internet und die sozialen Medien die Evolution der menschlichen Spezies beeinflussen und verändern? Ich bin der Überzeugung, dass diese Technologien die Evolution vollkommen aus dem Ruder laufen lassen. Das Internet ist eine so neue Erfindung, und dennoch hat es bereits alles verändert. Von Grund auf, auf fundamentalste Weise. Es ging alles so beängstigend schnell: Vor 25 Jahren hatten die wenigsten von uns einen E-Mail-Zugang oder ein Handy. Niemand hatte eine Vorstellung davon, was soziale Medien denn bitteschön sein sollen. Kaum ein Vierteljahrhundert später – und die Menschheit ist nicht wiederzuerkennen. So faszinierend und spannend ich das alles finde, so beängstigend und verstörend ist es. Die menschliche Rasse wird immer engstirniger, egozentrischer, besessen von sich selbst. Dafür sind die sozialen Medien verantwortlich – und die Art und Weise, wir wir von der Welt wahrgenommen werden möchten. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das dauerhaft gesund ist.

Lieferst du als Steven Wilson denn eher Fragen oder Antworten?

Als Musiker kann ich nur ein Spiegel sein. Erkennst du dich in dem wieder, was du siehst? Bist du zufrieden mit dem, was du siehst? Mit ist bewusst, dass ich als der Musiker, der ich bin, eher zu den längst schon Konvertierten predige und dass ein Album wie The Future Bites wenige Kids oder Teenager erreicht; dennoch sind mir diese Dinge wichtig genug, um sie anzusprechen. Und ich denke, sie sind meinen Hörern wichtig genug, um sie sich anzuhören.

„Ich liebe es, Zeug zu kaufen – insbesondere dann, wenn es limitiert ist!“

Es gibt eine Menge Kritik, aber auch eine Menge Spaß auf deinem neuen Album. Kann es sich denn nicht entscheiden, ob es Utopie oder Dystopie sein will?

Es ist eine Mischung. Ich sehe diese Dinge ambivalent: Vieles besorgt mich, vieles stimmt mich nachdenklich. Aber vieles ist eben auch absolut großartig. Der Song Personal Shopper bringt dieses Dilemma auf den Punkt: Eigentlich ist dieser Song eine zynische Abrechnung mit den Auswüchsen des Konsumismus; andererseits liebe ich es, Zeug zu kaufen – insbesondere dann, wenn es limitiert ist! Wir wissen doch alle, wie nervös wir werden, wenn wir diese besondere Vinyl-Box ergattern wollen und nicht sicher sind, ob wir eine bekommen. Ich pendle also fortwährend zwischen Utopie und Dystopie, bin aber nach der endlich final entschiedenen US-Wahl durchaus optimistischer gestimmt als zuletzt.

Auf Personal Shopper liest Elton John  allen Ernstes einen Einkaufszettel vor…

(lacht) Mir kam die Idee, als ich Rocketman sah, wo ja am Ende gesagt wird, dass Elton alle seine Süchte bis auf eine besiegt hat. Dann erscheint ein Bild von ihm mit all diesen Einkaufstüten. Da wusste ich: Elton ist perfekt dafür! Elton John ist der berühmteste Shopper der Welt. Er liebte den Song und war sofort begeistert von der Idee.

Im zugehörigen Online-Shop zu diesem Album gab es kuriose Produkte wie Luft in Dosen oder Steven-Wilson-Toilettenpapier. Haben die Leute das Zeug wirklich gekauft?

Alles war in kürzester Zeit ausverkauft! Das ist so absurd, dass ich gar nicht weiß, was ich dazu sagen kann. Doch mir gefällt es, weil es zeigt, dass alles Kunst sein kann. Man muss es nur Kunst nennen und eine Signatur hinzufügen. Es geht heute nicht mehr darum, etwas zu brauchen, sondern darum, etwas zu besitzen.

Steven Wilson steigert die Vorfreude auf sein neues Album mit der Single „King Ghost“

„Ich habe ein großes Ego.“

Warum kommt The Future Bites eigentlich im Jahr 2021? Die Themen und Entwicklungen sind ja nicht gerade neu.

In den letzten vier Jahren hat sich das alles noch mal immens verschärft. Die letzten vier Jahre bescherten uns ein raues Klima aus Hass, Kriegslust und Spaltung, das ich so nicht für möglich gehalten hätte. Viele Menschen sind heute so wütend, denken nur noch schwarzweiß. Das alles addiert sich zu den schon erwähnten Auswirkungen dieser Nabelschau, hervorgerufen durch die sozialen Medien. Daraus erwuchs dieser manchmal frustrierende, manchmal Hoffnung spendende Gedanke, dass dieses wundervolle Universum mit seinen endlosen Möglichkeiten von so wenigen genutzt wird. Wir können alles tun – und verbringen die meiste Zeit doch damit, neue Filter auf Instagram auszuprobieren. Ich schaue mir große Teile der menschlichen Rasse an und verstehe es nicht. Ich verstehe es einfach nicht. Ich verstehe nicht, wie man Trump wählen oder für den Brexit stimmen kann. Und doch gehöre ich derselben Spezies an. Ich fühle mich der menschlichen Rasse so fremd wie noch nie zuvor. Darüber wollte ich schreiben.

Unsere Nutzung der sozialen Medien hat ja auch viel damit zu tun, dass jemand unser Ego streichelt. Wie ist es um dein Ego bestellt, Steven?

Des einen Selbstbewusstsein ist des anderen Arroganz. Wie man es auch nennt: Es ist wichtig, hinter sich selbst zu stehen. Ein Ego zu haben. Ich habe ein großes Ego, das will ich gar nicht abstreiten. Jeder, der auf die Bühne geht und vor 3.000 Menschen spielt, hat ein ziemlich großes Ego. Das heißt nicht, dass ich keine Unsicherheiten kenne, im Gegenteil. Die meisten der großen Rockstars, zu denen ich mich jetzt aber nicht zählen möchte, waren voller Unsicherheiten und suchten deshalb ihr Heil auf der Bühne vor all diesen Menschen. Die Kunst ist nur, dass dieses Ego nicht in verblendeten Narzissmus kippt. Dann geht alles kaputt. Und genau das wird von den sozialen Medien befeuert.

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70 Jahre Phil Collins: Ein Leben in 11 Songs

Popkultur

Zeitsprung: Am 5.7.1954 nimmt Elvis Presley seinen ersten Hit „That’s All Right“ auf.

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Michael Ochs Archives/Getty

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.7.1954.

von Tom Küppers und Christof Leim

Natürlich spielt Gevatter Zufall auch im Rock’n’Roll eine wesentliche Rolle. Selbst Elvis Presley, der „King“ höchstselbst, verdankt seinen Karrierestart einem kurzen, absolut ungeplanten Moment…

Hier könnt ihr euch zur Lektüre die Nummer und andere Elvis-Klassiker anhören:

Sam Phillips ist ein umtriebiger Geschäftsmann. Unter dem Banner Sun Records veröffentlicht er Anfang der Fünfziger Tonträger von Künstlern wie B.B. King oder Howlin’ Wolf und betreibt auch das dazugehörige Aufnahmestudio. Schnell kommt er auf die Idee, dieses auch Hobbymusikern zugänglich zu machen, die dann beispielsweise ihren Gesang auf einem rasch gepressten Acetat-Tonträger mit nach Hause nehmen können. Das gefällt auch dem gerade mal zwanzig Jahre jungen Elvis Aron Presley. Der kommt eines Tages in das Studio und möchte als Geburtstagsgeschenk für seine Mutter zwei Songs aufnehmen. Der Kunde ist König, Elvis bekommt seine Platte. Vor allem aber ist Parker recht angetan von dem, was er hört, und lädt den jungen Musiker zu weiteren Aufnahmen ein. 

Zunächst springt der musikalische Funke nicht richtig über, dann hat der Legende nach Parkers Sekretärin Marion Keisker den Geistesblitz, Presley mit dem Gitarristen Scotty Moore bekannt zu machen. Die erste Reaktion des erfahrenen Musikers ist pures Gold: „Elvis Presley? Was zum Geier soll denn das für ein Name sein?“ Nach einer gemeinsamen Probe ändert sich seine Meinung, umgehend wird für den 5. Juli 1954 eine weitere Aufnahmesession angesetzt. Doch die angedachten Interpretationen zeitgenössischer Pop-Hits zünden nicht wirklich. 

Während der Rest der Anwesenden während einer Pause ratlos dreinblickt, schnappt sich Elvis einfach eine Gitarre und beginnt, eine flotte Version von That’s All Right zu singen, einen Proto-Blues von Arthur Crudup. Später wird Presley erzählen, dass er eigentlich lediglich einmal kurz den Clown geben wollte, um die Stimmung aufzuheitern. Kontrabassist Bill Black steigt allerdings zupfenderweise auf den Witz ein, und da geht Parker plötzlich ein Licht auf: Das ist genau der neue Sound, nach dem alle suchen, und er hat ihn gerade eben gefunden. Moore stürzt zurück in den Aufnahmeraum, sucht ein paar Akkorde zusammen, und fertig ist die Nummer. 

Drei Tage später läuft That’s All Right dann zum ersten Mal im Radio bei Sendern, die Philipps mit einer Vorabpressung versorgt hat. Der Erfolg lässt nicht lange auf sich warten; in einem Studio glühen die Telefone solange, bis sich der DJ genötigt sieht, die Platte während seiner zweistündigen Show immer und immer wieder aufzulegen. Elvis wird sogar zu einem Liveinterview eingeladen.

Am 19. Juli 1954 steht That’s All Right dann als Single in den Läden mit Blue Moon Of Kentucky als B-Seite, den die drei Musiker auf ähnliche Weise eingespielt hatten: Gesang, Gitarre, Bass, fertig. Und damit beginnt eine bis heute unvergleichliche Weltkarriere.

Und das soll alles darauf basieren, das Presley nur mal kurz einen Witz reißen wollte? Ein paar Jahre vor seinem Tod beantwortet Scotty Moore genau diese Frage mit einem Lachen im Gesicht und einem eindeutigen „Absolut!“ Manche Geschichten kann man sich echt nicht ausdenken…

Zeitsprung: Am 26.8.1969 kann Elvis Presley auf der Bühne nicht aufhören zu lachen.

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Popkultur

Sex, Prügel, Mordversuche: Vor 40 Jahren heiraten Ozzy und Sharon Osbourne

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Sharon & Ozzy Osbourne
Foto: Dave Hogan/Getty Images

Wie die Ehe zwischen zwei absolut unberechenbaren Neurotiker*innen wie Ozzy und Sharon Osbourne wohl so verläuft? Heftiger und exzessiver als sich das jede*r von uns vorstellen kann. Chronik einer sehr wilden Ehe.

von Björn Springorum

Im April 1979 wird Ozzy Osbourne nach katastrophalen Konzerten und unproduktiven Studioaufenthalten bei Black Sabbath vor die Tür gesetzt. Für ihn ist die Sache klar: Ihr Manager Don Arden braucht nur einen Sündenbock, erwischt hat es eben ihn. Arden, ein kompromissloser, brutaler Typ mit Mafiamethoden und einer langen Liste von Feinden und Kontroversen, lenkt damals schon seit einigen Jahren die Geschicke der Band. An der Rezeption sitzt damals seine Tochter Sharon Arden.

Liebe auf den ersten Kick

Auf die hat Ozzy schon seit Beginn der Siebziger ein Auge geworfen, bekommt es jedoch irgendwie hin, die Beziehung die ganzen Jahre über professionell zu halten – und das in einem Jahrzehnt, in dem man sich durchaus fragen kann, wie ein Begriff wie „professionell“ überhaupt in Ozzys Habitus passt. Vielleicht liegt es ja daran, dass er davon ausgeht, sie hielte ihn für einen „Wahnsinnigen“, wie er mal recht luzide reflektierte.

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Damals weiß er noch nicht, dass seine Zukünftige aus dysfunktionalen Verhältnissen stammt: Ihr Vater ist gewalttätig, sie ist oft Zeugin seiner Ausraster, als eine sehr junge schwangere Sharon Osbourne mal ihre Mutter besucht, ruft die ihre aggressiven Hunde nicht zurück, die über ihre Tochter herfallen. Sie verliert das Kind. So ein Ozzy auf welcher Droge auch immer wirkt im Gegenzug eher wie ein Spaziergang.

100.000 Pfund für Drogen

Obwohl Arden den Sänger gefeuert hat, nimmt er ihn auf sein Label Jet Records und entsendet seine Tochter Sharon nach Los Angeles, um dessen Solokarriere aufzubauen. Dort hat sich Ozzy mit seinen rund 100.000 Pfund Anteilen am Namen Black Sabbath (heute wären das über eine halbe Million Pfund) zurückgezogen, um in Frieden alles für Drogen und Suff auszugeben – „bevor ich zurück nach Birmingham kehren und mich arbeitslos melden würde“, so erinnert er sich. Ein folgenschwerer Fehler für den ach so taktierenden Manager: Die beiden verlieben sich, formen eine gemeinsame Front gegen Arden, der daraufhin schwere Geschütze auffährt, um die beiden auseinanderzubringen.

Ozzys erste Frau

Don Arden raubt seine Tochter aus, versucht sie umzubringen und erzählt Ozzy einmal sogar, dass seine Tochter ihren eigenen Vater verführen wollte. Familien… Man kann sie sich eben nicht aussuchen. Ozzy und Sharon bleiben stark, aber da gibt es natürlich noch ein anderes Problem: Ozzy ist seit 1971 mit einer gewissen Thelma Riley verheiratet, die beiden haben sogar zwei Kinder. Um den Weg für die neue Liebe frei zu machen, lässt sich Ozzy 1982 von Riley scheiden und tritt am 4. Juli 1982 mit Sharon Arden vor den Traualtar. Natürlich darf man sich fragen, wie die beiden jemals auch nur annehmen konnten, eine ruhige, harmonische Ehe zu führen, aber es ist natürlich nicht an uns, das zu beurteilen.

 

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Während Ozzy sehr bald danach wieder in einem Schleier aus Drogen und Alkohol durch die Welt stolpert und Sharon Osbourne in ihrer neuen Rolle als Managerin mehr und mehr wird wie ihr brutaler Vater, ist zumindest ihr Hochzeitstag eine romantische Sache: Ozzy im weißen Anzug, mit Fliege und Lorbeerkranz (wie ein römischer Kaiser), Sharon im weißen Kleid mit Schleier. Weiß, die Farbe der Unschuld… Das kommt schon 1982 nicht mehr hin.

Keine großbusige Beutefrau

Was folgt, wissen wir alle: eine wilde Ehe voller Exzesse, Streitereien und physischer Gewalt. Sie überfährt ihn mit dem Auto, er sie mit dem Rasenmäher, 1989 versucht er nach vier Flaschen Wodka, sie zu erwürgen. Dafür kommt er sogar ein paar Monate in den Knast. Sharon hält zu ihm. Die ganze Zeit. 2016 trennen sie sich zwar kurz, als Ozzys Affäre mit der Haarstylistin Michelle Pugh ans Licht kommt, doch nach Dutzenden Affären ist Sharon wohl abgehärtet, schon im Jahr darauf sind sie wieder zusammen. Und nicht nur das: Sie baut ihn über die Jahre zum Nationalheiligtum auf, zur bekanntesten Marke im Heavy Metal. Für Ozzy, klar. Aber auch für sich selbst. „Ich hörte damals immer nur: Ihr werdet das nie schaffen“, erinnerte sie sich mal. „Alle sahen ihn eher mit einer großbusigen Beutefrau, doch er bekam mich: eine kleine, fette, haarige Halbjüdin. Ich musste sehr viel kämpfen.“

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Mittlerweile haben es sogar die beiden geschafft, ihre Ehe in ruhigere Fahrwasser zu steuern. Zu ihrem 40. Hochzeitstag werden die beiden ihr Eheversprechen erneuern – das zweite Mal nach 2017. Und sich dann auf ihren Umzug zurück nach England vorbereiten. Happy anniversary!

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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.7.1934 kommt DJ-Legende Mal Sondock zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.7.1934.

von Timon Menge und Christof Leim

Er gilt als „Vater aller Discjockeys“, zumindest in Deutschland. In den Sechzigern und Siebzigern moderiert er die Diskothek im WDR, in den Achtzigern folgt Mal Sondocks Hitparade. Am 4. Juli hätte Mal Sondock seinen Geburtstag gefeiert. Werfen wir einen Blick auf das Leben des Amerikaners, der das deutsche Radio revolutionierte.

Hört euch hier Hey, Annabella Susann von Mal Sondock an:

Es gab eine Zeit in der Welt des Musikhörens, von denen Eltern ihren Kindern heute bloß noch erzählen können. YouTube und Spotify waren noch nicht erfunden, MP3-Dateien ebenfalls nicht. Ja, sogar die Entwicklung der CD lag noch in weiter Ferne. Wir sprechen von einer Zeit, in der man genau vier Möglichkeiten hatte, neue Musik zu entdecken: per Blindkauf, per Fachpresse, per Freundeskreis oder per Radio. Letzteres Medium prägt in Deutschland vor allem ein Mann: Mal Sondock.

Zur Welt kommt Malcolm Ronald „Mal“ Sondock am 4. Juli 1934 in Houston, Texas. Gemeinsam mit einer Schwester wächst er als Sohn eines Zahnarztes auf. Bereits im Alter von 17 Jahren arbeitet er als Discjockey in Oklahoma City, während der College-Zeit heuert er bei mehreren Radiosendern und einer Plattenfirma an. 

1957 verschlägt es Sondock nach Deutschland. Als amerikanischer GI lebt er in Frankfurt am Main, Bremerhaven und München. Um seinen Sold von 75 US-Dollar aufzubessern, organisiert er Tanzveranstaltungen, bei denen er nicht, wie sonst üblich, eine Musikgruppe aufspielen lässt, sondern Schallplatten auflegt. Heute sagt man, dass es sich bei diesen Partys um die ersten Diskotheken Deutschlands gehandelt haben muss. 

Sondock kommt auf den Geschmack und bewirbt sich bei der ARD. Von dort aus landet er beim WDR, zunächst als Urlaubsvertretung für den Briten Chris Howland alias Mr. Pumpernickel. Ab 1961 moderiert Sondock die Montagnachmittagsmelodie, ab 1966 den Diskothekenbummel, aus dem sich 1967 die Sendung entwickelt, mit der er Radiogeschichte schreiben soll: Diskothek im WDR.

Ein großer Teil des Erfolgsrezeptes: Sondocks bescheidene Art. So garniert er seine Sendungen mit selbstironischen Sprüchen wie: „Weil er Deutsch nicht reden kann, schleppt er noch mehr Platten an.“ Er gilt aber auch als Arbeitstier. Laut eigener Aussage hört er für eine bis zwei Sendestunden sechs Tage pro Woche Musik, vier bis fünf Stunden täglich. Oft spielt er die kommenden Hits zum ersten Mal, manchmal sogar als Weltpremiere.

Revolutioniert über Dekaden hinweg das deutsche Radio: Mal Sondock

Ganze 13 Jahre lang bleibt Sondock mit dem beliebten Format auf Sendung und prägt drei bis vier Generationen an Musikhörern. Anders gesagt: Was er nicht spielt, ist auch nicht passiert. Aufgezeichnet wird die Diskothek live vor jugendlichem Publikum, aus dem zu Beginn jeder Show eine fünfköpfige Jury ausgewählt wird. Diese entscheidet im Verlauf der Sendung darüber, ob die vorgestellten Neuerscheinungen „Hit oder Niete“ werden. Die Zuhörer zuhause können außerdem Postkarten mit Musikvorschlägen einschicken, die nach Beliebtheit sortiert gespielt werden. 

Anfang 1981 wird die Diskothek durch Mal Sondocks Hitparade ersetzt. Die Rubrik „Hit oder Niete“ bleibt erhalten, diesmal allerdings per Telefonabstimmung. Knapp vier Jahre später wird die Sendung abgesetzt. Die offizielle Begründung: zu niedrige Einschaltquoten. Kaum jemand glaubt das, denn schließlich hören sie ihn alle, den alten M.A.L. vom WDR. Dennoch: Am 19. Dezember 1984 läuft die letzte Folge — mit Weihnachtsgrüßen von Freddie Mercury, Alan Parsons und Billy Ocean.

Was man sich heute kaum noch vorstellen kann: Sondocks Reichweite. Obwohl seine Sendung nur in Nordrhein-Westfalen und Umgebung ausgestrahlt wird, spielt er die Songs, die wenig später das ganze Land begeistern. Moderne Formen des Musikkonsums wie Spotify oder YouTube gibt es noch nicht, man muss sich anders behelfen. Wer in den Sechzigern, Siebzigern und Achtzigern die Hits der Woche konservieren möchte, hängt mit zwei Fingern am Kassettenrecorder und drückt nach den Anmoderationen blitzschnell auf „Play“ und „Record“. Wenn man Glück hat, quatscht Mal nicht in den Song. „Nur bei Sachen, die zwei-, dreimal liefen, habe ich reingesprochen“, verteidigt sich Sondock später, wie der WDR berichtet. „Und das nur, um das Tempo dieser Sendung zu halten. Das hatte ich in Amerika gelernt.“

Neben seinem Job als Radiomoderator betätigt sich Sondock über die Jahre auch als Produzent, Sänger und Schauspieler. So entdeckt er nicht nur den Schlagerstar Michael Holm (Tränen lügen nicht), sondern singt auch selbst einige Platten ein. Seine erfolgreichsten Songs: Hey, Annabella Susann (1962), Das Mädchen mit dem traurigen Blick (1964) und Ich mach’ mir Sorgen um dich (1965). Im Film Stadt ohne Mitleid (1961) spielt er eine Nebenrolle. Zusätzlich tourt der Amerikaner jahrelang als mobiler Discjockey durch Deutschland.

Am 9. Juni 2009 stirbt Sondock im Alter von 74 Jahren in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt eine Frau, einen Sohn sowie eine Tochter. Beerdigt wird er auf dem Palm Cemetery in Orange County, Florida. Laut Welt hat Sondock einmal gesagt: „Ich verbreite keine Kultur. Ich bin ein Ami mit schlechtem Deutsch, der die Kinder mit Rock’n’Roll versaut.“ Musikdeutschland dankt ihm dafür. Rest in peace, alter Jockdiscey M.A.L.!

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