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Popkultur

Warum Motörheads „No Sleep ’til Hammersmith“ die beste Live-Platte aller Zeiten ist

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Motörhead
Foto: Fin Costello/Redferns/Getty Images

Lektion in Lärm: Auch 40 Jahre später hat No Sleep ’til Hammersmith nichts von seiner rohen Faszination und seiner erschütternden Wirkung eingebüßt. Besser geht Rock’n’Roll nicht. Punkt.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr No Sleep ’til Hammersmith hören:

Müsste man Motörheads erste Live-Platte mit einem Wort zusammenfassen, man wäre mit „Raserei“ gut bedient. No Sleep ’til Hammersmith, erschienen vor 40 Jahren am 27. Juni 1981, ist eine Nachhilfestunde in Sachen Rock’n’Roll, ist das Brennglas auf eine Band, die genau im Moment der Aufzeichnung explodiert. Wenige Monate zuvor konnten Lemmy Kilmister, Eddie Clarke und Phil Taylor mit ihrem vierten Album Ace Of Spades erstmals von den Früchten des Erfolgs kosten, die Tour im darauffolgenden Frühjahr machte aus einer soliden und wohlwollend aufgenommenen Rock-Band einen weltweiten Kult. Und Lemmy zur Galionsfigur einer ganzen Musikrichtung.

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Ursuppe aus Krach und Rausch

Im März und April 1981 fängt das alles an. No Sleep ’til Hammersmith ist deswegen wie eine Zeitkapsel aus dem Frühjahr 1981, eine Büchse der Pandora, deren Öffnen bis heute überwältigt. Die Lautstärke, der schroffe Sound, die rohe, physisch spürbare Energie einer Band bei der Zündung, die wüste Schnelligkeit, mit der die Songs gespielt werden, der spürbare Drang in Lemmy, die Songs noch härter zu spielen: Dieses Live-Album ist nicht einfach nur ein Konzertmitschnitt. Es ist die sorgsam zur Ursuppe destillierte Essenz aus Krach, Rausch, Schall und Wahn.

Aufgenommen wird No Sleep ’til Hammersmith allerdings nicht im namensgebenden  Hammersmith Odeon in London. Sondern während der Short Sharp Pain In The Neck-Tour in Norfolk, Leeds, Belfast und Lemmys favorisiertem Newcastle. Den Namen verdankt die Tour übrigens Schlagzeuger Taylor, der bei den üblichen Aftershow-Spielchen mal auf den Kopf fiel. Um die historische Relevanz dieses Tondokuments einzuordnen, reicht schon der Opener: Motörhead steigen mit Ace Of Spades ein. Damals ein brandneuer Song, der präsentiert werden wollte, bis zu Lemmys Tod dann als einer ihrer größten Songs eher weiter hinten im Programm angesiedelt. Dazu kommen in der Originalversion zwei Songs vom Debüt Motörhead, der Titeltrack von Bomber und fünf Songs von Overkill.

Unter einem hämmernden Presslufthammer

In diesen 40 Minuten und ein paar Zerquetschten ist alles gesagt. Wirklich alles. Wer danach keine sausenden Ohren hat, hat die Platte zu leise gehört. Dreht man sie auf, entwickelt sie eine raumfüllende Präsenz, in der man auch 40 Jahre später das Dröhnen der glühenden Verstärker hören glaubt. Als würdest du unter einem hämmernden Presslufthammer liegen, während dir der Vorarbeiter ohne Unterlass mit einem Megafon Verwünschungen ins Ohr brüllt. Allein wie die Drums in Overkill lospoltern ist eine unfassbare Erfahrung. Die Gitarren sägen alles kurz und klein, Lemmys Bass klingt, als wäre er in einem Panzerschrank aufgenommen, sein röhrender Gesang ist unvergessen trotzig und rotzig.

No Sleep ’til Hammersmith ist nicht einfach nur Rock’n’Roll. Die Platte ist eine lustvolle Kakophonie, ein stumpfes Denkmal an die kompromisslose Verkommenheit eines Genres, runtergerotzt mit durchgedrücktem Gaspedal, als wolle Lemmy noch vor der Sperrstunde runter von der Bühne sein und an der Theke des nächsten Pubs sitzen.

In der Form ihres Lebens

Als die Platte im Juni 1981 erscheint, sind aus lokalen Heroen internationale Stars geworden, die gerade mit Ozzy Osbourne durch die USA touren. Eddie Clarke würde bald darauf aussteigen, gefolgt 1984 von Phil Taylor. No Sleep ’til Hammersmith ist aber viel mehr als die Himmelfahrt der ursprünglichen Motörhead-Besetzung in der Form ihres Lebens. Sondern in ihrem ungefilterten, wunderschönen Chaos die beste Live-Platte aller Zeiten.

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