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Popkultur

Zeitsprung: Am 11.11.1985 veröffentlicht Pete Townshend das visuelle Album „White City: A Novel“.

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Foto: Cover

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.11.1985.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Als Pete Townshend am 11. November 1985 sein Solowerk White City: A Novel veröffentlicht, haben sich zwei Elemente der Musikwelt längst etabliert: Konzeptalben und Musikvideos. Nach Rockopern wie Tommy und Quadrophenia beschließt der ambitionierte The Who-Gitarrist, mit White City: A Novel beides zu verbinden. Ein einstündiger Film zur Musik vereint Akustisches, Optisches und tiefgründigen Inhalt.

Hört euch hier White City: A Novel an: 

In den Achtzigern sind The-Who-Fans bereits einiges gewohnt, wenn es um die großen Visionen von Pete Townshend geht; egal, ob es sich dabei nun um Konzeptalben für die Band handelt oder um Soloprojekte. So liefert er bereits zum Album All The Best Cowboys Have Chinese Eyes 1982 passende Konzeptvideos zu sechs der enthaltenen Songs. 

Musik für alle Sinne

Townshend setzt jedoch noch einen drauf und komponiert mit White City: A Novel einen musikalischen Meilenstein für alle Sinne. Bereits der Titel gibt Aufschluss über den thematischen Inhalt der Platte. Namensgeber ist hier nämlich White City, der Distrikt im Westen Londons, nördlich von Shepherds Bush, in dem Pete aufgewachsen ist. Oberflächlich betrachtet handelt das Album somit von seiner Kindheit, doch bereits im ersten Song wird der düstere Ton deutlich: „Give blood, but you may find that blood is not enough!“

Tatsächlich reichen die Themen von sozialen Missständen über Geschlechterrollen bis hin zur wachsenden Unzufriedenheit, die mit der steigenden Arbeitslosigkeit einhergeht. Townshend selbst erzählt in einem Interview mit dem Magazin SPIN: „Eigentlich wollte ich das Album Die Tragödie des Jungen nennen. Mit der Entwicklung des Feminismus in der westlichen Gesellschaft und der Fähigkeit der Frauen, Kinder zu gebären und sie großzuziehen, können Frauen die Zukunft gestalten. Ich lehne den Feminismus nicht ab, aber ich denke, dass Männer eine eigene Version dessen haben sollten.“

Geschlechterrollen und sozialer Zerfall

Diese Ideen werden im Film von Regisseur Richard Lowenstein visualisiert. Hier trifft Townshend ein befreundetes Paar, gespielt von Andrew Wilde und Frances Barber, deren Ehe in Gefahr ist. Zunächst scheint der Grund hierfür bei den sinkenden Lebensstandards in White City zu liegen, doch das entpuppt sich lediglich als Gipfel des Eisbergs. 

In White City beschäftigt sich Townshend eigenen Angaben zufolge auch mit der Frage nach der „rohen Männlichkeit“, wie sie von der Gesellschaft häufig festgeschrieben wird: Während Gewalt durch den geschichtlichen Kontext von Eroberungen und Kriegsführungen einerseits betrachtet wird als fester Bestandteil der Demonstration von Männlichkeit, wird ebendiese andererseits (natürlich zurecht) bestraft, wenn Männer sie in vermeintlich ausweglosen Situationen als Werkzeug nutzen. 

Pete berichtet von seinen Erfahrungen aus einem englischen Frauenhaus, für das er gearbeitet hat: „Häusliche Gewalt gilt oft als letztes Mittel für Männer, die sich verloren und entmannt fühlen. Die populäre Lösung besteht darin, Männer von ihren Frauen und Kindern zu trennen, da sich die Gesellschaft weigert, häusliche Gewalt zu tolerieren. Doch seit Millionen von Jahren ist es Gewalt, mit der wir unsere Länder regieren.“ 

Große Ambitionen, wenig Songs

Ganz schön ambitioniert, einen solch schwierigen Themenkomplex in nur neun Songs behandeln zu wollen. So wundert es nicht, dass White City weitaus weniger stringent erscheint als Vorgänger wie Quadrophenia. Vielmehr fallen die Texte vage aus und offen für Interpretation. Musikalisch wechseln sich ruhigere Stücke (I Am Secure) mit energiegeladenen Tracks (Face The Face) stimmig ab. Für den ohrwurmigen Titeltrack White City Fighting kann Townshend David Gilmour von Pink Floyd begeistern. 

Über das Album sagt der The-Who-Gitarrist selbst: „Bei White City bin ich sehr stolz darauf, dass ich einmal in meinem Leben über Dinge spreche, von denen ich selbst etwas weiß, anstatt nur als Beobachter zu agieren. Das hier sind keine Meinungen. White City nennt Tatsachen – und zwar solche, an denen ich selbst arbeite.“ Bis heute setzt sich Townshend zum Beispiel für benachteiligte und kranke Kinder ein.

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