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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.9.1965 wollen The Who einen Wachhund kaufen. Vergeblich, aber mit Folgen.

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Foto: Richard E. Aaron/Redferns/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.9.1965.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Die Jungs von The Who sind nicht gerade bekannt für einen ruhigen Lebensstil. Doch als sie 1965 auf die Erfolgsspur wechseln, überschlagen sich die Ereignisse ein wenig: So wird Roger Daltrey am Rücken verletzt, als hysterische Fans ihn bei einem Konzert in die Menge ziehen; bei einem anderen Auftritt stürmt das Publikum die Bühne und hinterlässt einen Schaden von über 10.000 Pfund. Und dann war da noch die Nummer mit dem Wachhund und den gestohlenen, aber eh zu leisen Verstärkern…

Hört euch das Debütalbum The Who Sings My Generation an:

Im Sommer 1965 starten The Who gerade richtig durch: Mit I Can’t Explain als erste Single landen sie zu Anfang des Jahres gleich einen Hit, mit Anyway, Anyhow, Anywhere führen sie den Erfolg fort, und das dazugehörige Album My Generation steht Ende des Jahres an. Dazwischen sind die Jungs ständig auf Tour. Grund genug für Manager Kit Lambert, seinen kleinen Volkswagen gegen einen geräumigen Van einzutauschen.

Mit dem Bandbus unterwegs

Nicht unbedingt ein Luxusschlitten, dieser Kleinbus. Lambert erinnert sich: „Ich hatte keine Lust mehr, alle in meinem Volkswagen herumzufahren. Also besorgte ich der Band einen Van. Er war nicht besonders gut lackiert, und an sonnigen Tagen schien unter dem The Who-Schriftzug noch die alte Beschriftung durch: ‚Billardtische, vor Ort aufgebaut!“ Gute Schlösser, um unser Zeug einzuschließen, bekamen wir auch nie und so wurden sie immer wieder geknackt.“

In dem Van befindet sich jedoch das teure Equipment der Band: Kurz zuvor waren The Who mit brandneuen Vox-AC100-Verstärkern ausgestattet worden, den ersten und damals einzigen 100-Watt-Verstärkern auf dem Markt. Also muss Manager Lambert sich etwas anderes einfallen lassen, um das wertvolle Gut angemessen zu schützen. Seine Idee: Ein vierbeiniger Wachmann mit möglichst furchteinflößendem Auftreten. 

Ironie des Schicksals

Am 4. September 1965 will Lambert deshalb Nägel mit Köpfen machen: Gemeinsam mit der Band besucht er das Tierheim in Battersea. Er ist fest entschlossen, einen Schäferhund zu rekrutieren, der den Van beschützen soll, wenn dieser gerade nicht anderweitig beaufsichtigt wird. Was dann passiert, kann man sich nicht ausdenken: Während die Truppe noch im Tierheim steht, wird der Van gestohlen! Mitsamt der teuren AC100s. Und ohne die lässt sich schlecht lärmen…

Da The Who und vor allem Gitarrist Pete Townshend mit der Zuverlässigkeit und dem Sound der Vox-Verstärker ohnehin nicht komplett zufrieden sind, nutzen sie die Gelegenheit und kontaktieren Jim Marshall höchstpersönlich, den Chef der legendären Amp-Schmiede.

Revolution bei Marshall

Sie bitten ihn, ein neues Gerät mit mehr Durchschlagskraft zu entwickeln. Marshall lässt sich nicht lange bitten und setzt die Wünsche seiner Kunden um: In Zusammenarbeit mit Pete Townshend kreiert er so den berühmten Marshall-Stack, bestehend aus zwei übereinander gestapelten 4×12‘‘-Lautsprecherboxen und einem Verstärker-Topteil oben drauf. Pete kann wieder aufdrehen, als gäbe es kein Morgen, und die Rockwelt ist um eine ikonische Klangwaffe reicher. Nur ob das mit dem Hund geklappt hat, wissen wir nicht…

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