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Popkultur

Zeitsprung: Am 31.12.1969 schließt der Star-Club in Hamburg

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Foto: K & K Ulf Kruger OHG/Redferns/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 31.12.1969.

von Timon Menge und Christof Leim

Wann immer es um die Geschichte der Beatles und der Beatmusik im Allgemeinen geht, fällt ein Name: Star-Club. Doch auch andere Größen der Rockmusik geben sich in dem Hamburger Konzertschuppen die Klinke in die Hand, zum Beispiel Bill Haley, Cream, Jerry Lee Lewis und Jimi Hendrix. Am 31. Dezember 1969 schließt der legendäre Laden seine Pforten.

Hier könnt ihr euch Live At The Star-Club Hamburg von Jerry Lee Lewis anhören:

Die Grundstein für den Siegeszug der Beatmusik wird zu Beginn der Sechziger in London und Liverpool gelegt. Dort finden sich zu jener Zeit zahlreiche Schülerbands, die schnell ihre Proberäume verlassen und erste Auftritte in Kneipen und Clubs spielen. Das geschieht zu Beginn herrlich unprätentiös: Statt sich in aufwändige Kostüme zu werfen, treten die Künstlerinnen und Künstler in ihrer Straßen- oder Arbeitskleidung auf. Bei der Jugend zündet die neue Musik, innerhalb kürzester Zeit schwappt die Beat-Begeisterung über den Ärmelkanal und begeistert die Zuhörerschaft auch außerhalb Englands.

„Die Not hat ein Ende!“

Als der Beat Deutschland erreicht, führt sein erster Weg in die Hansestadt Hamburg, wo Läden wie das Top Ten, der Kaiserkeller und das Indra ihre Pforten öffnen. „Da war schon eine Menge los“, erinnert sich Szenelegende Achim Reichel in der neuen Dokumentation Star-Club – Das Ende. Doch wenig später bereichert noch ein weiterer Club die lokale Beat-Szene. So erhält Manfred Weissleder, der das Stern-Kino in St. Pauli betreibt, einen Vorschlag von Musikpromoter Horst Fascher. Der legt nahe, Weissleder solle das Kino in einen Musikclub umgestalten. Und so feiert am 13. April 1962 der Star-Club seine Eröffnung in der Großen Freiheit 39. Auf dem Plakat steht: „Die Not hat ein Ende! Die Zeit der Dorfmusik ist vorbei!“

Betrieben wird der neue „Hot-Spot“ von Weissleder persönlich, und fortan schreibt der Star-Club Musikgeschichte. Heute namhafte Künstler wie Bill Haley, Chuck Berry, Little Richard, Jimi Hendrix, Cream, Ray Charles, Fats Domino und Jerry Lee Lewis betreten die Bühnenbretter, Lewis spielt 1964 sogar ein Livealbum namens Live At The Star-Club, Hamburg ein. Die zweifelsohne berühmtesten Auftritte absolviert aber eine Gruppe, die in den folgenden zehn Jahren noch die Popkultur umkrempeln wird: The Beatles.

„Pro Nacht verloren wir zwei Liter Schweiß.“

Direkt zur Eröffnung spielen die vier Liverpooler im Star-Club, zu Beginn noch mit ihrem ersten Schlagzeuger Pete Best. „Es war ein hartes Pflaster“, berichtet der junge Ex-Beatle in der Doku Star-Club – Das Ende. „An den Wochenenden gab es Schlägereien, aber der Laden wurde damit schon fertig. Für uns war es harte Arbeit. Wir spielten bis zu sechs Stunden in der Nacht. Wir machten Show, wie die Deutschen sie lieben, mit viel Lärm. Alles tobte. Es war fast ein bisschen hysterisch. Pro Nacht verloren wir zwei Liter Schweiß, schätze ich.“ Am 31. Mai 1962 endet das erste Gastspiel der Beatles.

Nach Pete Bests Entlassung übernimmt Ringo Starr die Trommelstöcke und vervollständigt das legendäre Line-Up der „Fab Four“, das wir alle kennen. Vom 1. bis zum 14. November kehren die Briten in ihr Hamburger „Wohnzimmer“ zurück, in zwei Wochen spielt die Gruppe 28 Shows. Vom 18. Dezember bis zum 31. Dezember 1962 treten die Beatles erneut im Star-Club auf. Drei Monate später veröffentlichen sie ihr legendäres Debütalbum Please Please Me (1963) und landen prompt auf Platz eins der britischen Charts. Noch im August desselben Jahres spielen die Beatles ihren letzten Auftritt im Cavern Club in Liverpool und betreten die große Weltbühne. Der Rest ist Geschichte.

Legendenstatus genießen auch die Reibereien zwischen Star-Club, Gesetz und Politik. So sieht sich Inhaber Weissleder mit immer neuen Auflagen und Razzien konfrontiert. „Es gab viele Polizeikontrollen“, erinnert sich der Fotograf Robert Günther im Interview mit dem NDR. „Der Club war verhasst bei den Behörden und auch bei vielen Politikern. Sie haben alles versucht, den Laden dicht zu kriegen. Sie hatten ihn auf dem Kieker.“ Im Juni 1964 muss der Star-Club tatsächlich kurzzeitig schließen und zwar wegen „prügelnder Kellner“. Dem Erfolg des Konzeptes tut das keinen Abbruch: Mitte der Sechziger gibt es Ableger in ganz Deutschland, ob in Berlin, Köln, Bremen oder Kiel. Im September 1965 erobert die Beatmusik sogar das Fernsehen, und zwar in Form des Beat-Club.

Das Ende im Schatten der Diskothek

Jahrelang markiert der Star-Club das Epizentrum der Hamburger Musikwelt. Im Februar 1969 übernehmen Achim Reichel, Frank Dostal und Kuno Dreysse den Laden und buchen unter anderem Black Sabbath, die damals noch unter dem Namen Earth spielen. Allerdings befindet sich die Clubkultur im Niedergang, vor allem werktags bleibt das Publikum aus. Achim Reichel erinnert sich im Interview: „Manfred Weissleder, der Erfinder des Star-Clubs, war dabei, sich zurückzuziehen. Es gab vor uns noch andere Pächter, und denen ist es nicht gelungen, den Laden wieder flott zu kriegen. Wir haben gedacht: ‘Die haben ja alle keine Ahnung, und wir wissen das alles besser.’ Wir haben es dann versucht, aber die Zeichen der Zeit hatten sich verändert. Das neue Ding waren Diskotheken. Da stand dann so ein DJ hinter dem Pult und legte nur Singles auf. Und das war für die Leute plötzlich mehr, als die Bands tatsächlich live sehen zu können.“ Am 31. Dezember 1969 geben Hardin & York das letzte Konzert im Star-Club.

Gehört ab Februar 1969 zu den drei Pächtern des Star-Club: Achim Reichel – Pic: Screenshot aus Star-Club – Das Ende

Sex statt Beat

Anschließend entsteht in den Räumlichkeiten das Erotik-Theater Salambo, gegründet von René Durand. Der hat eine ganz eigene Erklärung für den Niedergang des Star-Club: „Er ist gestorben, weil er seine Tradition verfolgt hat. Heute gibt es eine andere Tradition und zwar Sex, Sex überall.“ 1983 brennen Konkurrenten das Salambo nieder, 1987 wird der ehemalige Star-Club schließlich abgerissen.

Reichel hätte sich einen würdigeren Abschied gewünscht: „Der Star-Club war für viele englische Bands eine Plattform“, stellt er fest. „Denen wurde gesagt: ‘Geht mal nach Hamburg. Da könnt ihr euch die Hörner abstoßen. Da müsst ihr die ganze Nacht mehrfach spielen, und wenn ihr dann zurückkommt, seid ihr fit. Es gab viele Bands, die im Star-Club spielten, noch mehr oder weniger ‚Nobodys‘ waren und hinterher riesige Karrieren machten. Insofern ist es irre bedauerlich, dass so ein Club wie der Star-Club, der so viel hervorgebracht hat, irgendwann einfach nur geschlossen, abgerissen und umgeblättert wurde.“ Heute erinnert ein Gedenkstein im Hinterhof der Großen Freiheit an die ehemalige Talentschmiede.

Die drei letzten Pächter des Star-Club einen Tag nach der Schließung: Achim Reichel, Kuno Dreysse und Frank Dostal – Pic: K & K Ulf Kruger OHG/Redferns/Getty Images

Zeitsprung: Am 25.9.1965 geht der „Beat-Club“ auf Sendung

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„Screaming Life“: Als Soundgarden mit ihrer ersten EP den Turbomodus einlegten

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Soundgarden
Foto: Alison S. Braun/CORBIS/Corbis via Getty Images

1987 brodelt der Grunge-Kessel in Seattle bereits gewaltig. Nirvana finden gerade zusammen, genau wie Alice In Chains. Doch eine Gruppe ist ihren Mitstreitern schon einen Schritt voraus. Am 1. Oktober 1987 bringen Soundgarden ihre erste EP Screaming Life raus. Vom Mainstream halten sie sich aber lieber noch ein bisschen fern.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch die beiden Soundgarden-EPs Screaming Life und Fopp anhören:

Genau genommen beginnt die Geschichte von Soundgarden bereits 1984. Zu jener Zeit bewegen sich Bassist Hiro Yamamoto und der trommelnde Sänger Chris Cornell unter dem Namen Shemps durch die Musikszene von Seattle. Als Yamamoto aussteigt, kommt Kim Thayil an Bord. Mit ihrem alten Bassisten bleibt die Gruppe trotzdem in Kontakt, was sich später auszahlen soll. Als die Geschichte von Shemps endet, treffen sich Yamamoto und Cornell nämlich wieder zum Jammen. Thayil stößt auch dazu und mit diesem Line-up gründen die drei Musiker eine Band, deren Namen wir alle kennen: Soundgarden.

Die ersten Schritte

Den Bandnamen entleiht das Trio einer Klangskulptur namens A Sound Garden, die auf dem Campus der National Oceanic And Atmospheric Administration in Seattle zu finden ist. Damit sich Cornell voll auf den Gesang konzentrieren kann, holen die Musiker Schlagzeuger Scott Sundquist an Bord. Ab da touren Soundgarden umher und erspielen sich in ihrer Umgebung einen Ruf als hervorragende Live-Band. 1986 nehmen sie für den Sampler Deep Six drei Songs auf: Heretic, Tears To Forget und All Your Lies. Stück Nummer zwei soll für die Gruppe später noch einmal eine Rolle spielen.

Auf der Zusammenstellung befinden sich Soundgarden in bester Gesellschaft. So sind auch Malfunkshun und Melvins auf dem Sampler zu finden. Weil es mit Soundgarden langsam bergauf geht, übernimmt Cornells zukünftige Frau Susan Silver das Management der Gruppe. Sundquist wird der Zeitaufwand zu groß und er möchte wieder mehr bei seiner Familie sein, weshalb er 1986 aussteigt. Auf seinen Hocker setzen Soundgarden den Trommler, der das klassische Line-up der Band vervollständigen soll: Matt Cameron. Wenig später startet die Truppe erst so richtig durch.

Screaming Life: Der Weg zur ersten Soundgarden-EP

Als Soundgarden wieder einmal live spielen, steht auch Radio-DJ Jonathan Poneman im Publikum. Er fasst einen Entschluss: Nicht nur, dass er der Band ihre erste Veröffentlichung sponsern möchte. Nein, er steckt gleich 20.000 US-Dollar in das Label Sub Pop. Betrieben wird die Plattenschmiede von Bruce Pavitt, einem Kumpel von Soundgarden. 1987 erscheint die erste Single Hunted Down; auf der B-Seite gibt es das Stück Nothing To Say zu hören. Außerdem erscheinen beide Nummern auf einer weiteren Compilation.

Der Radiosender KCMU, bei dem Poneman als DJ arbeitet, veröffentlicht zu jener Zeit einen Sampler namens Bands That Will Make Money und verschickt ihn an zahlreiche Plattenfirmen. Die wiederum zeigen brennendes Interesse an Soundgarden. Auf Gegenseitigkeit beruht das nicht: Obwohl die Band jede Menge Angebote bekommt, bleibt sie zunächst ihrem Label Sup Pop treu — und genau dort erscheint am 1. Oktober 1987 Screaming Life, die erste EP der Band. Darauf enthalten: das vorhin bereits erwähnte Stück Tears To Forget, die beiden Songs von der ersten Single sowie drei neue Stücke.

Ein Prediger vom Flohmarkt-Tonband

Eine nette Anekdote verbirgt sich hinter dem letzten Song Hand Of God: Kurz bevor die Aufnahmen für die EP beginnen, findet Produzent Jack Endino auf einem Flohmarkt einige Tonbänder. Darauf zu hören ist ein christlicher Prediger der frühen Fünfziger Jahre. Als Frontmann Chris Cornell das mitbekommt, hat er den Geistesblitz, den Mitschnitt in den Song Hand Of God einzubauen. Wie der Prediger auf der Tonaufnahme heißt, finden Soundgarden und Endino allerdings nicht mehr heraus, weil die Etiketten zu unleserlich sind.

Spätestens nach der Veröffentlichung ihrer ersten EP Screaming Life öffnen sich für Soundgarden alle Türen. Die Labels stehen Schlange, die Fans sowieso. „Jeder hat die EP geliebt“, verrät Frontmann Cornell 1989 in einem Interview. Doch obwohl sie alle Möglichkeiten der Welt haben, unterschreiben Soundgarden einen Plattenvertrag mit dem relativ kleinen Label SST Records. Dort veröffentlichen sie am 31. Oktober 1988 ihr erstes Album Ultramega OK. Das verläuft nicht unbedingt reibungslos, doch das ist wie so oft eine andere Geschichte.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 1.10.1984 erweisen sich die Ramones als „Too Tough To Die“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 1.10.1984.


von Peter Hesse und Christof Leim

Nach sieben Alben haben die Ramones sich ein bisschen verirrt, deshalb wollen sie mit Too Tough To Die zurück zum Sound der Anfangstage. Der Titel kommt dabei nicht von ungefähr, denn im Vorjahr wäre Johnny beinahe totgeschlagen worden. Am 1. Oktober 1984 erscheint die Platte.

Hier könnt ihr das Album anhören:

Keine Frage, die ersten Alben der Ramones sind legendär, stilprägend und großartig. Aber mit dem Beginn der Achtziger liegen die Nachfolger wie Blei in den Regalen. End Of The Century (1980) und Pleasant Dreams (1981) können weder künstlerisch noch  kommerziell überzeugen. Dabei hatte die Plattenfirma Sire wegen stagnierender Verkaufszahlen, mangelnder Präsenz im Radio und ausbleibender Chartsnotierungen sogar große Namen als Produzenten engagiert, etwa Motown-Legende Phil Spector. Doch damit schoß sich die Band ins eigene Bein: Die Ramones klangen nicht mehr wie sie klingen sollen. Zu glatt, zu poppig, zu verschnörkelt (zumindest, wenn Ramones-Maßstäbe anlegt). Nach Subterranean Jungle (1983) überwirft sich die Gang noch mit ihrem Drummer Marky, weil dessen Sauferei aus dem Ruder läuft. So kann es nicht weiter gehen. Gabba, Gabba, „Hey, was sollen wir jetzt machen?“

Einfacher ist besser

Mit Too Tough To Die wollen die New Yorker sich wieder stärker an ihren Vorbildern orientieren, also an The Who, den Kinks, den Beach Boys, Stooges, MC5 und dem amerikanischen Rock’n’Roll der Fünfziger. Das heißt: Einfache Harmonien und Strukturen sowie das völlige Fehlen von Soli, Intros oder Übergängen. Außerdem darf es darf ruhig wieder schneller und härter klingt. Zum Glück übernimmt das ausgeschiedene Gründungsmitglied Tommy Ramone erneut die Produktion, die er anpackt wie auf dem Debüt von 1976. Im Songwriting orientieren sich die Musiker ebenfalls an ihren Wurzeln.

 

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Die Aufnahmen für die neue Platte gehen trotzdem nicht leicht von der Hand, weil das Quartett in Wirklichkeit wie eine Freakshow agiert. Joey Ramone ist nach wie vor ein hippiehafter und unpünktlicher Träumer mit Zwangsstörungen. (Wenn er etwa in einem Hotel vor einem Aufzug steht, kann er den Etagenknopf nicht drücken – und wartet so lange, bis jemand kommt und das für ihn übernimmt.) Zwar fungiert Dee Dee in Sachen Songwriting weiter als das Kreativgenie, doch um seine Geister zu wecken, liegen nicht selten eimerweise Drogen auf dem Tisch. Und der neue Drummer Richie Ramone ist zwar am Schlagzeug eine saubere Taktmaschine, wird aber im Bandgefüge nicht gleichwertig behandelt. Stattdessen gibt man ihm stets zu verstehen, nur ein kleiner Angestellter im Ramones-Universum zu sein. Über allem schwebt Gitarrist Johnny Ramone, der mit militärischer Strenge, erzkonservativem Weltbild und vielen Kontrollmechanismen dafür sorgt, dass die Band nicht aus dem Ruder läuft. Einfach passiert bei diesem Quartett gar nichts, und so soll die neue Platte entstehen.

Fast verhängnisvolle Schlägerei

Leider steckt auch hinter dem Albumtitel Too Tough To Die eine wahre, leider unschöne Geschichte: In den frühen Morgenstunden des 15. August 1983, gerät Johnny in eine gewalttätige Auseinandersetzung vor seiner Wohnung im New Yorker East Village mit einem anderen Musiker, der mit Johnnys Freundin unterwegs ist. Anscheinend herrscht Uneinigkeit, wie offen die Beziehung zwischen der Dame und dem Gitarristen sein soll. Nach Zeitungsberichten startet Ramone (der eigentlich John Cummings heißt) deshalb einen Kampf – und erleidet einen lebensgefährlichen Schädelbruch. Es folgen eine Notoperation und eine mehrmonatige Pause.

Das Album erscheint schließlich am 1. Oktober 1984 mit einem markanten Cover, das die Silhouetten der Musiker in blauem Nebel zeigt. Wie der Fotograf George DuBose später berichtet, war das so gar nicht geplant: Schlussendlich erwies sich eine Fehlfunktion seiner Kamera als Glücksfall.

Ziel nicht erreicht

Zu den bekanntesten Liedern der Scheibe gehören Mama’s Boy, Too Tough To Die und Wart Hog, mit Durango 95 gibt es das einzige Ramones-Instrumental, und bei zwei Nummern singt Dee Dee. Amüsant fällt auch das Intro von Danger Zone aus, denn dabei fragt einer der Rocker: „Welchen Song spielen denn?“ 

Insgesamt klingt die Scheibe wieder roher und ursprünglicher. Doch trotz dieser Bemühungen wird sie nicht der große Wurf. Da helfen die schöne Melodie und der knackige Refrain der von Eurythmics-Kopf Dave Stewart produzierten Singleauskopplung Howling at the Moon (Sha-La-La) auch nicht. (Die Keyboards dazu spielt übrigens Benmont Tench von Tom Petty & The Heartbreakers.) Viele Kritiker und Fans vermissen in den Texten vor allem den typisch augenzwinkernden Ramones-Humor, der auf ihren frühen Alben so wichtig und witzig war. Die politisch und gesellschaftskritisch gefärbten Zeilen wie in Danger Zone oder Planet Earth wirken zu unbeholfen, bemüht und wenig glaubhaft. Es soll noch ein paar Jahre dauern, bis die Perlen dieses Albums, zum Beispiel I’m Not Afraid of Life oder Durango 95, für die Ewigkeitslisten entdeckt werden.

Zeitsprung: Am 6.8.1996 spielen die Ramones ihre letzte Show

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Zeitsprung: Am 30.9.1984 starten Kiss ihre problematische „Animalize“-Tour.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.9.1984."

von Christof Leim

Mit ihrem neuen Album Animalize können Kiss 1984 endlich wieder die Massen begeistern, nachhaltige Ruhe kommt allerdings weiterhin nicht ins Boot. Am 30. September 1984 startet die Welttour, doch der neue Gitarrist Mark St. John hat geschwollene Finger…

Hier könnt ihr Animalize anhören:

Mit Heaven’s On Fire landen Kiss 1984 einen mittelgroßen Hit. Endlich mal wieder. Die Single vom zwölften Kiss-Album Animalize erfreut sich großzügiger Einsätze im Rockradio und verschafft der Band nach vergleichsweise mageren Jahren wieder eine Platinauszeichnung. (Mehr zu dieser Phase der „Kisstory“ könnt ihr hier und hier nachlesen.) Jetzt steht die obligatorische Welttour an.

Auf der Platte hatte Mark St. John gespielt, der zweite neue Leadgitarrist in drei Jahren. Unproblematisch lief das nicht, weil St. John sich eines vor allem auf Geschwindigkeit und Virtuosität basierenden Stils befleißigt, der nicht so ganz zum basischen Hard Rock der Band passt. (Das zumindest erzählt Frontmann Paul Stanley in seiner Autobiografie Face The Music. Man darf aber annehmen, dass Kiss schon wussten, wenn sie da engagieren. In den Achtzigern ging es eben inspiriert von „König Edward“ Van Halen oft um instrumentale Pyrotechnik.) Aber immerhin: Kiss sind offiziell wieder vollzählig, die Platte läuft, und der ohne Zweifel musikalisch kompetente Mark Norton (wie St. John eigentlich heißt) spielt im Videoclip zu Heaven’s On Fire mit. Dann könnte es ja eigentlich ohne Drama und personelle Verwirrung vorwärts gehen, oder? Nicht ganz.

Tragische Probleme mit den Fingern

Als die Tour am 30. September 1984 im britischen Brighton startet, muss St. John/Norton aussetzen, denn er leidet mittlerweile unter reaktiver Arthritis (auch: Reiter-Krankheit), die seine Arme und vor allem Finger anschwellen lässt. Aus der personellen Konstanz wird also nichts. Für ihn übernimmt erstmal der New Yorker Bruce Kulick, der vorher unter anderem mit der Bat Out Of Hell-Tour von Meat Loaf unterwegs gewesen war. Die Kiss-Chefs kennen ihn über seinen Bruder Bob Kulick, der bereits 1973 mal vorgespielt und später heimlich im Studio ausgeholfen hatte. Bruce übernimmt sogar ebenfalls und auch inkognito ein paar Soloparts auf Animalize. Dabei erhält er schon den kryptischen Hinweis, sich erstmal nicht die Haare abzuschneiden…


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Der europäische Teil der Animalize World Tour dauert bis 5. November 1984 und beinhaltet auch sechs Shows in Deutschland (München, Offenbach, Nürnberg, Hannover, Düsseldorf, Ludwigshafen). Weil Kiss in den vergangenen Jahren kleinere Brötchen gebacken hatten und keiner mit dem Erfolg des Albums gerechnet hat, werden für die Termine die Bühnenaufbauten der Unmasked-Tour von 1980 (das war die mit Iron Maiden) einfach umdekoriert: Leopardenflecken und Tigerstreifen auf die Verstärker, fertig ist die visuelle Umsetzung des Animalize-Covers. Als Vorgruppe in Europa rockt übrigens eine Nachwuchsband aus New Jersey namens Bon Jovi mit, die sich nach eigenen Aussagen sehr genau anschaut, was die Veteranen so machen. Bei der ersten Show am 30. September stehen gleich fünf neue Songs auf der Kiss-Setlist, danach werden Burn Bitch Burn und Get All You Can Take nie mehr live gespielt. Ab 15. November geht es weiter für fünfeinhalb Monate quer durch Nordamerika, diesmal mit einem neuen und üppigeren Bühnenset. Als Supports fungieren Queensrÿche, W.A.S.P., Krokus und Dokken. 

Werbeanzeige für die US-Tour 1984: Dass hier noch das Line-up von 1983 abgebildet ist, zeigt die allgemeine Verwirrung zur Mannschaftsaufstellung von Kiss damals.

Kurzes Gastspiel, trauriges Ende

Eigentlich hat Mark St. John mit dem Job als Kiss-Leadgitarrist ja das große Los gezogen. Doch der unglückliche Flitzefinger spielt schlussendlich nur zweieinhalb Konzerte mit: Am 27. November steht er in Baltimore, Maryland für ein paar Songs auf Bühne, an den folgenden beiden Tagen für das ganze Set, danach muss Kulick wieder übernehmen. Weil es St. John gesundheitlich nicht besser geht, wird Bruce Kulick am 8. Dezember 1984 offiziell als neuer Sologitarrist verkündet. Seinem kurzzeitigen Vorgänger ergeht es in den Folgejahren nicht gut: Musikalische Projekte unter anderem mit Ex-Kiss-Trommler Peter Criss zünden nicht, Geschichten über Drogenprobleme machen die Runde, 2006 kommt St. John/Norton sogar zeitweilig ins Gefängnis, wo er in einer gewalttätigen Auseinandersetzung schwer verletzt wird. Wenige Monate später, am 5. April 2007, stirbt er mit 51 Jahren, auch an den Folgen der Attacke. Traurig.

Endlich mal Ruhe im Personalbüro: Ab Ende 1984 gehört Bruce Kulick (2.v.r.) offiziell zu Kiss und bleibt auch für zwölf Jahre.

Für Kiss geht die Show weiter, die Tour erweist sich als die erfolgreichste seit Jahren. Am 8. Dezember schneiden sie das Konzert in Detroit (Rock City) mit und veröffentlichen es als Animalize Live Uncensored. In dem Video regieren die Achtziger mit schreiend bunten Klamotten, anzüglichem Ansagen, Soloeinlagen aller Mitglieder und einem ziemlich flotten, quasi metallischen Tempo bei allen Songs.

Generell geht es jetzt aufwärts: Mit dem Lineup Paul Stanley, Gene Simmons, Eric Carr und Bruce Kulick kommt für ein paar Jahr endlich mal Stabilität ins Bandgefüge, und auch das nächste Album Asylum (1985) bekommt ein schickes Platinmäntelchen. Aber einfach bleiben die Achtziger für unsere Helden nicht. Mehr dazu erzählen wir ein andermal.

Warum Kiss das Make-up wieder anlegen mussten

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