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Popkultur

Zeitsprung: Am 18.1.1980 hat eine große Klappe Konsequenzen für das „Studio 54“.

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Foto: Allan Tannenbaum/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.1.1980.

von Christof Leim

Champagner, Sex und Drogen unter der Discokugel: Das Studio 54 in Manhattan gilt in den letzten Jahren der Siebziger als die Partyzentrale von New York City. Die beiden Chefs Steve Rubell und Ian Schrager verdienen Millionen, aber dummerweise erzählen sie ein bisschen zu laut davon. Das hat am 18. Januar 1980 Konsequenzen…

Hier könnt ihr euch die passenden Discokracher anhören:

Damals überzieht gerade ein regelrechter Disco-Boom den Planeten: Der Film Saturday Night Fever und sein Soundtrack brechen 1977 alle Rekorde, Elton John versucht sich an einer Discoplatte, Blondie landen mit dem äußerst tanzbaren Heart Of Glass einen Hit, und Paul Stanley schreibt inspiriert von genau dieser Szene den erfolgreichsten Kiss-Song, nämlich I Was Made For Lovin’ You. Es gibt sogar ein Star-Wars-Discoalbum (kein Witz) und selbstverständlich eine entsprechende Gegenbewegung, die in Albernheiten wie der legendären „Disco Demolition Night“ gipfelt. Ein Album wie die Compilation A Night At Studio 54 mit den Krachern der Stunde, nahtlos ineinander übergehend abgemischt, schafft es damals bis auf Platz 21 der Charts.

Party ohne Grenzen

Derweil steigen im Studio 54 an der West 54th Street legendäre und ausschweifende Partys, die aus dem ehemaligen TV-Studio einen der bekanntesten Nachtclubs der Welt machen. Weißes Pulver, Separees, ein Raum mit abwaschbaren Gummiwänden, ein exklusiver Keller für Sie-wissen-schon und eine Tanzfläche mit ungekannt aufwändiger Lichtshow – alles da.

Nur die Schönen, Aufregenden oder Berühmten dürfen rein, diktatorisch am Eingang selektiert von einem der beiden Chefs, Steve Rubell. Zu den Stammgästen gehören Andy Warhol, Liza Minelli, Bianca und Mick Jagger, Diana Ross, John Travolta, Arnold Schwarzenegger, Sylvester Stallone, Calvin Klein, Debbie Harry, Cher und Liz Taylor. Als die Band Chic einmal abgewiesen wird, obwohl Grace Jones sie eingeladen hatte, schreiben sie darüber den Song Le Freak, der zu ihrem größten Hit wird.

Selbstvergleich mit der Mafia

Die Geschäfte laufen hervorragend, so hervorragend, dass Rubell im Dezember 1978 in New Yorker Zeitungen damit zitiert wird, der Club habe im ersten Jahr sieben Millionen Dollar eingebracht. „Nur die Mafia macht mehr Geld“, heißt es weiter. Keine gute Idee, denn das wird keinesfalls überlesen. Allerdings wird nicht etwa die Mafia eifersüchtig, sondern die Steuerbehörde.

Ian Schrager und Steve Rubell

Ian Schrager und Steve Rubell, die beiden Könige des Studio 54, im Jahr 1977 (Foto: Tim Boxer/Hulton Archive/Getty Images)

Am 14. Dezember 1978 bekommen die Betreiber Steve Rubell und Ian Schrager Besuch, den sie nicht an der Tür abwimmeln können, nämlich Leute vom IRS, vom „Internal Revenue Service“. Die finden Säcke voller Geld, Finanzdokumente und einen ordentlichen Vorrat an Kokain. Nach damaligen Berichten entdeckt die Polizei einiges davon unter Deckenfliesen im Büro – wie im Film. Rubell und Schrager werden angeklagt wegen Steuerhinterziehung, weil sie 2,5 Millionen Dollar unterschlagen haben sollen, und zwar mit einem System, das Rubell damals als „Cash rein, Cash raus, abschöpfen“ beschreibt. Kurz: Alles in bar, und dann Kassenzettel und Frischgeld verschwinden lassen, als hätte die Transaktion nie stattgefunden. Dagegen hätte vermutlich nicht mal eine Endsiebziger-Bonpflicht geholfen.

Uncle Sam will mitfeiern

Klappe halten wäre indes für Schrager und Rubell gut gewesen, aber dafür ist es zu spät: Am 18. Januar 1980 werden die beiden zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Dieses Urteil markiert den Anfang vom Ende des Studio 54, denn schon im Februar schließt es seine Pforten – nach einer zünftigen Abschiedsparty versteht sich, die den Titel „The End Of Modern-Day Gomorrah“ trägt. Im Herbst 1981 macht der Laden zwar wieder für ein paar Jahre auf, aber der vormalige hedonistische Wahnsinn lässt sich – mit HIV auf dem Vormarsch und Discomusik auf dem Abstellgleis – wohl nicht reproduzieren…

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