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Popkultur

Zeitsprung: Am 18.10.1998 spielen Metallica im Playboy Mansion.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.10.1998."

von Christof Leim

Manche Gigs sind vielleicht ein bisschen cooler als andere. Das könnten Metallica sich zumindest gedacht haben, als sie eingeladen werden, am 18. Oktober 1998 im Playboy Mansion zu spielen. Leider gerät die Verbindung zum Magazin ein wenig zu innig, was später tief blicken lässt…

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Hört hier in Garage Inc. von Metallica rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Sicher, die Bude von Playboy-Chef Hugh Hefner in Los Angeles sieht nicht ganz schäbig aus und liegt in Sachen Luxus einigermaßen weit vorne. Auch hat sich in der Geschichte der Krachmusik noch nie ein Rockmusiker über umherlaufende Models beschwert. Aber letztendlich geht es an diesem 18. Oktober 1998 natürlich um Musik und gute Gespräche. Genauso wie es im Playboy vor allem auf die Interviews ankommt. Klar. Vielleicht gab’s sogar Schnittchen.

Metallica befinden sich damals gerade auf der Promotour zum Coveralbum Garage Inc und spielen auf Einladung der Southpark-Erfinder Trey Parker und Matt Stone auf einer Party zu deren neuem Film Orgazmo, die im Playboy Mansion stattfindet. Auf der Setlist stehen neun Songs, darunter zum allerersten Mal vor Publikum die Misfits-Nummer Die Die My Darling und der Bob Seger-Klassiker Turn The Page. Die Sause endet mit der herrlich unflätigen Schimpfwort-Tirade So What, im Original von der Anti-Nowhere League.


James Hetfield, Kirk Hammett, Lars Ulrich and Jason Newsted of Metallica, 1997 Billboard Rock and Roll Artist of the Year (RIAA Diamond Award) (Photo by SGranitz/WireImage)


Der „Playboy“ vom April 2001 mit dem fast schon erschreckenden Metallica-Interview

Allerdings freunden sich Metallica vielleicht ein bisschen zu sehr mit dem Playboy an, denn weniger als zwei Jahre später geben die Bandmitglieder dem Magazin getrennt voneinander einige erstaunlich offene Interviews. Darin lassen sie nicht nur die Hosen runter, sondern gehen alles andere als nett miteinander um. Nachlesen lässt sich das hier. Das Gespräch wird veröffentlicht in der Ausgabe April 2001, findet aber statt noch vor dem 17. Januar 2001 – dem Tag, an dem Bassist Jason Newsted offiziell aussteigt (die ganze unschöne Geschichte dazu findet ihr hier). Die Band steht zu diesem Zeitpunkt offensichtlich kurz vor dem Zusammenbruch und lässt die internen Gräben sehr durchblicken. Dass den vier Musikern beim Gespräch jeweils die die Zitate der Kollegen vorgelegt wurden, dürfte die Stimmung nicht gefördert haben. Es sollte mehrere Jahre dauern sowie ein Album wie St. Anger und die Neuaufstellung mit Robert Trujillo nötig machen, bis sie sich die mächtigen Metallica wieder zusammengerauft haben.

Aber immerhin: Auf den Fotos von dem Gig im Playboy-Manson, die man auf der Metallica-Homepage findet, wirken alle noch entspannt und bestens gut gelaunt…


Headerbild:  S Granitz/WireImage

Zeitsprung: Am 25.5.1982 spielen Metallica in einer Schule.

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Popkultur

40 Jahre „Welcome To Hell“: Wie Venom selbst Metallica und Slayer beeinflussten

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Foto: Fin Costello/Getty Images

Es war einmal eine Band, die härter, extremer und radikaler sein wollte als alle anderen. Dies ist die Geschichte von Venom und ihrem unheilvollen, rumpelnden, anstrengenden und dennoch unmessbar einflussreichen Debüt Welcome To Hell.

 von Björn Springorum

Hier könnt ihr Welcome To Hell von Venom anhören:

In der Geschichte der unheiligen Rockmusik hat man vielen Bands einen Pakt mit dem Teufel unterstellt. Led Zeppelin, Black Sabbath, AC/DC, sie alle schienen doch irgendwie mit dem Leibhaftigen im Bunde zu sein, schienen am Scheideweg ihre Seelen für den Rock’n’Roll verkauft zu haben. Kann man alles getrost vergessen. Im Grunde gibt es eigentlich nur eine Band, die im Bund mit dem Teufel zu sein scheint und direkt aus der Hölle (oder aus einem billigen Studio, je nachdem) zu uns spricht. Und diese Band heißt Venom.

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Satanischer als Sabbath, lauter als Motörhead

Ziele braucht der Mensch. Ein junger Typ namens Conrad Lant macht da keine Ausnahme. Er wächst in Nordengland auf, ist sieben Jahre alt als die erste Black Sabbath erscheint. Als Schüler spielt er in diversen Bands, nennt sich bald nur noch Cronos und formt bei seiner Arbeit in den eher für Folk genutzten Impulse Studios einen ehrgeizigen Plan: Eine Band, härter, skandalöser, lauter und schockierender als alles, was es davor gab. Satanischer als Black Sabbath, lauter als Motörhead (viel Glück!), mehr Pyro und Drama als KISS und mehr Leder als Judas Priest.

Kann man machen. Wie schon gesagt: Ziele braucht der Mensch. Cronos, der Mann für Gesang und Bass, meint es aber tatsächlich ernst, hat irgendwann mit Gitarrist Mantas und Drummer Abaddon eine Truppe zusammen, die als ultimative Besetzung in die Metal-Geschichte eingehen wird. Er überredet den Studiobesitzer von Impulse, seine Band zum Schmalhalstarif ein Demo aufnehmen zu lassen, dessen Lead-Track In League With Satan durchaus auf Beachtung stößt. Im Sommer 1981 nehmen Venom deswegen alles auf, was sie haben – in nur drei Tagen. Das Resultat ist Welcome To Hell, ein sagenhaft rohes und ungeschminktes Debüt, das der einem ersten Höhepunkt entgegenpreschenden NWOBHM-Manie  das Fürchten lehrt.

Türöffner für okkulten Lärm

Im Dezember 1981 schält sich Welcome To Hell aus der diabolischen Dunkelheit. Und läutet eine neue Ära ein. Die Produktion, die Attitüde und das blasphemische Image nehmen viel von dem vorweg, was sich später als Trademark in Speed, Thrash oder Black Metal etablieren wird. Insbesondere der Song Witching Hour darf als Blaupause für den extremen Metal gelten, als Türöffner in eine unheilvolle Welt des okkulten Lärms – anstrengend, gesanglich eigentlich nicht mehr feierlich, chaotisch und dennoch historisch relevanter als vieles andere. Selbst die rigorose, scheppernde Lo-Fi-Produktion und das übergroße Pentagramm auf dem Cover gehen in die Ursuppe des Black-Metal-Genres ein.

Keine Metallica ohne Venom

Das ist ja auch das seltsam Schöne an Welcome To Hell: Die Platte ist unerträglich, unstrukturiert und unausgegoren. Aber musikgeschichtlich von derart seltener Pionierleistung, dass man vor einem Großmaul wie Cronos trotzdem nur den Hut ziehen kann. Denn irgendwie hat er seine großen Pläne ja sogar wahrgemacht. Und den Metal mit pechschwarzer Farbe, Chaos und Höllenfeuer überzogen.

Für Venom war Welcome To Hell aber natürlich nur der Anfang. Insbesondere der Nachfolger Black Metal (1982) ist bis heute ein vielzitierter Einfluss unzähliger Bands und nicht zuletzt der Namensgeber dieses notorischen Genres, das in den frühen Neunzigern in Norwegen zu zweifelhaftem Ruhm gelangt. Mal ganz zu schweigen davon, dass es ohne Venom wahrscheinlich weder Metallica noch Slayer oder Megadeth geben würde. Und das ist ja irgendwie auch keine schöne Vorstellung.

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Popkultur

Interview mit Volbeat: „Du musst mit der Straße verheiratet sein.“

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Foto: Emma McIntyre/Getty Images

Die Pandemie hat Volbeat nicht weichgekocht. Im Gegenteil: Auf ihrem achten Album Servant Of The Mind klingen die Dänen so aggressiv und durchgreifend wie noch nie. Im Interview begibt sich Bandchef Michael Poulsen auf Ursachensuche.

 von Björn Springorum

Hier könnt ihr Servant Of The Mind von Volbeat anhören:

Vor rund 15 Jahren war die Kreuzung aus fettem Metal und Elvis eine mittelschwere Sensation. Insbesondere mit ihrer dritten Platte Guitar Gangsters & Cadillac Blood (2008) brillierten Volbeat mit hohem Wiedererkennungswert und einem letztlich einzigartigen Gemisch. In den letzten Jahren wurde das, vorsichtig ausgedrückt, ein kleines bisschen redundant. Für die Band offensichtlich auch: Auf Servant Of The Mind berufen sich Volbeat so ungestüm und hemmungslos auf ihre metallischen Wurzeln wie noch nie.

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Michael, mit Servants Of The Mind dürftet ihr die meisten eurer Hörer überraschen und viele erfreuen. Woher kommt denn diese neue Lust an Heavy Metal? Steckt dahinter etwa euer 20. Geburtstag, den ihr dieses Jahr feiert?

Gut möglich. Jeder ist ja immer von allem beeinflusst, was er selbst gerne hört. Doch nach all den Jahren und Alben können Volbeat sich mittlerweile auch selbst beeinflussen. Und nach 20 Jahren tun wir das auch. Es macht mir Spaß, unsere alten Sachen zu hören und weiterzuentwickeln. Doch als Musiker reifen wir ebenso wie als Menschen. Wir werden besser, wir entwickeln uns weiter, wir finden neue Werte, wir sehen Dinge anders. Irgendwann passten wir uns mit Volbeat musikalisch also eher den großen Arenen an, die wir zu spielen begonnen hatten. Und diesmal ließen wir eben einfach die Pferde mit uns durchgehen. Es waren ja eh keine Arenen in Sicht. Man hört den neuen Songs deswegen sehr deutlich an, dass wir Black Sabbath, The Cramps oder Entombed immer noch sehr gerne hören. (lacht)

„Ich spielte automatisch hart und aggressiv, wenn ich eine Gitarre in die Hand nahm.“

Kam das denn ganz natürlich? Oder war es am Ende doch geplant?

Ich fing in den frühen Neunzigern mit Death Metal an. Diese Musik ist seither in meinem Songwriting verankert. Natürlich kamen bei Volbeat von Anfang an mit Rock’n’Roll, Psychobilly oder Punk sehr viele andere Inspirationen hinzu, aber nach sieben Alben verspürte ich plötzlich wieder große Lust, etwas härter zu werden. Die harte Seite von Volbeat war immer da, sie kam in letzter Zeit nur nicht so prägnant zum Vorschein. Diesmal war es aber einfach an der Zeit. Es geschah ganz natürlich, als ich während des Lockdowns zuhause saß, keine Konzerte spielen konnte und viele alte Platten hörte. Ich konnte nur in den Proberaum gehen, also tat ich das.

Entstanden dann auch gleich neue Songs? Oder ging es nur darum, Dampf abzulassen?

Ich hatte es gar nicht vor, aber genau das passierte. Auf einmal hatte ich all diese Ideen und fing an, sie aufzunehmen. Es fühlte sich an, als würden wir noch mal ganz von vorn anfangen. Und genau dieses Gefühl brachte mich noch näher an unsere Wurzeln zurück. Ich spielte automatisch hart und aggressiv, wenn ich eine Gitarre in die Hand nahm. Und was soll ich sagen? Es machte riesigen Spaß! (lacht)

„Es kam uns so vor, als wären wir wieder 17 Jahre alt und zum ersten Mal gemeinsam im Studio.“

Klingt, als hätte es bei den Sessions zu Servant Of The Mind keine größeren Hindernisse oder Stolpersteine gegeben…

Nach drei Monaten hatten wir plötzlich 13 neue Songs fertig. Dann gingen wir zu Jacob Hansen, um sie aufzunehmen. Zweieinhalb Wochen später war die Platte im Kasten. Wir sahen uns an und fragten uns: Und was machen wir jetzt? (lacht) Wir waren uns erst unsicher, ob wir das Album auch gleich veröffentlichen sollen, weil ja immer noch niemand weiß, wie alles genau weitergeht. Es fühlte sich aber alles so gut, so frisch an, dass wir die Songs so schnell wie möglich veröffentlichen wollten. Es kam uns so vor, als wären wir wieder 17 Jahre alt und zum ersten Mal gemeinsam im Studio.

Untypisch ist für euch nicht nur diese neue Härte, sondern auch der Albumtitel Servant Of The Mind. Worum geht’s denn auf der Platte?

Es ist doch so: Wir wachen auf, kommen irgendwie durch den Tag und schlafen. Dabei sind wir eigentlich immer unseren Gedanken oder unserem Mindset ausgesetzt. Unsere Gedanken können uns an sehr dunkle Orte führen – oder sie sorgen dafür, dass es uns richtig gut geht. Diese beiden Extreme spielten in der Musik von Volbeat immer schon eine Rolle. Hat wohl mit der Dualität des Lebens zu tun.

„Früher fuhren wir mit Volbeat mit einem klapprigen Van durch die Gegend. Heute sehe ich bei unseren Shows 60 Leute mit Volbeat-Shirts, die für uns arbeiten.“

Kommen wir noch mal auf eure frühen Tage zurück: Wie hast du die Anfangszeit der Band erlebt?

Dazu reicht eigentlich eine einzige Anekdote: Als wir mal ins Studio gehen wollten und uns die Kohle fehlte, meinte unserer früherer Bassist, ihm werde schon etwas einfallen. Wir standen gerade erst im Studio, da klingelte das Telefon klingelt und seine Frau brüllte ihn an, was er mit ihren Möbeln gemacht hat. (lacht)

Und? Was hat er gemacht?

Na ja, er hat sie verkauft, um die Studiomiete zu bezahlen.

Ihr habt also immer alles für die Band gegeben?

Ja. Bei wem das nicht so war, der ist nicht mehr dabei. Volbeat ist meine Band, mein Arbeitsplatz, mein Leben. Früher fuhren wir mit Volbeat mit einem klapprigen Van durch die Gegend. Heute sehe ich bei unseren Shows 60 Leute mit Volbeat-Shirts, die für uns arbeiten. Das ist unfassbar! Ich wusste zwar immer, dass ich Musik machen möchte. Aber so etwas zu erleben, ist schwer zu beschreiben.

Dennoch braucht eine Band auch Hierarchien. Jemanden, der alles im Blick hat.

Bei Volbeat war ich von Tag eins der, der sich um alles gekümmert hat. Booking, Merchandise, ich machte sogar die Steuer für meine Bandkollegen. (lacht) So einen braucht es in jeder Band. Doch auch alle anderen müssen 150 Prozent hinter der Band stehen. Sie müssen bereit sein, eine Menge aufzugeben. Und das sind nicht viele. Manche wollen nicht monatelang auf Tour sein, manche wollen mehr Regelmäßigkeit in ihrem Leben. Aber dann funktioniert es nicht. Du musst alles opfern, deine Sicherheit, deine Freunde, deine Partner, deine Kohle. Du musst mit der Straße verheiratet sein. Anders geht es nicht.

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Zeitsprung: Am 6.12.1988 erliegt Roy Orbison einem Herzinfarkt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.12.1988.

von Timon Menge und Christof Leim

Denkt man an Roy Orbison, sieht man vor allem eines: schwarz. Mit seinen getönten Haaren, der stets dunklen Sonnenbrille, seinem schwarzen Anzug und der schwarzen Gitarre gibt der Texaner der Melancholie eine vier Oktaven starke Stimme. Songs wie Only The Lonely, Oh, Pretty Woman oder You Got It verzaubern Hunderttausende. Doch sein Weg verläuft alles andere als geradlinig…

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Hört hier in Roy Orbisons beste Songs rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.  

Orbisons Karriere beginnt, als er 1945 im Alter von neun Jahren einen Talentwettbewerb bei einem lokalen Radiosender zu Hause in Texas gewinnt und eine wöchentliche Show im Samstagabend-Programm bekommt. Sein erster öffentlicher Auftritt mit Band lässt deutlich länger auf sich warten: 1953, also acht Jahre später, treten er und The Wink Westerners in einer High School auf. Die Schule befindet sich in seiner langjährigen Heimatstadt Wink in Texas, einem Ort, der vor allem von der Ölindustrie lebt. Die Gruppe hatte Orbison bereits im Alter von 13 Jahren gegründet. Ein Jahr nach dem Konzert schließt Orbison die Schule ab und wechselt zum North Texas State College, um Geologie zu studieren.

Der nächste Schritt ins Musikerdasein folgt 1955: Der Gitarrist und Sänger reist mit seiner Band nach Dallas, um Columbia Records den Song Ooby Dooby vorzuspielen, geschrieben von seinen Studienkollegen Wade Lee Moore und Dick Penner. Das Stück gefällt der Plattenfirma zwar, Orbison selbst stößt allerdings auf weniger Gegenliebe. Stattdessen spielen Sid King And The Five Strings den Titel ein.



Die Musiker lassen sich durch den Rückschlag nicht entmutigen, treten in zahlreichen Radiosendungen auf und benennen sich in The Teen Kings um. Am 4. März 1956 nehmen sie Ooby Dooby doch noch auf, und zwar im Studio von Norman Petty, einem der wichtigsten Rock’n’Roll-Produzenten der Zeit. Am 19. März erscheint der Song über Weldon Rogers’ Plattenfirma Je-Wel Records, doch der Vertrag muss kurz nach Erscheinen der Single annulliert werden: Orbison ist noch minderjährig und hätte ihn gar nicht unterzeichnen dürfen.



Sam Phillips, Inhaber der legendären Vinylschmiede Sun Records, interessiert das nicht. Er bietet dem jungen Musiker einen neuen Vertrag, den dieser annimmt. Phillips gilt als Schlüsselfigur der Fünfziger und entdeckt nicht nur Elvis Presley, sondern auch Johnny Cash und Jerry Lee Lewis. Die Gruppe nimmt Ooby Dooby ein weiteres Mal auf, am 1. Mai 1956 erscheint die Single mit der B-Seite Go Go Go. Der Titel erreicht Platz 59 der nationalen Hitparade und verkauft sich mehr als 350.000 Mal. Um das Momentum zu nutzen, geht Orbison auf eine große Tournee mit Johnny Cash, Carl Perkins, Warren Smith, Sonny Burgess und Faron Young. Die Reise führt den Tross bis nach Kanada.


Im September folgt die zweite Single: You’re My Baby, ein Stück von Johnny Cash. Auf der B-Seite findet sich Rockhouse von Orbison und Harold Jenkins alias Conway Twitty. Der Erfolg mit Sun Records bleibt hinter den Erwartungen zurück, und Orbison wechselt zu RCA Records, wo inzwischen auch Elvis Presley unter Vertrag steht. Auch dort bleibt der Durchbruch aus. Orbison veröffentlicht zwei erfolglose Singles, der Vertrag wird nicht verlängert.

Der Nachwuchskünstler betätigt sich stattdessen als Songwriter für andere Leute. So spielt er den Everly Brothers während einer Konzertpause ein Lied vor, das er für seine Frau Claudette geschrieben hat. Die Brüder mögen das Stück, das einfach Claudette heißt, und nehmen es auf. Später schreibt er den Song Down The Line, interpretiert von Jerry Lee Lewis. Auch Buddy Holly und Rick Nelson greifen auf Orbisons Material zurück.



Ab 1959 kommt allmählich Land in Sicht. Orbison unterzeichnet einen Vertrag bei Fred Fosters Plattenfirma Monument Records. Foster erkennt das Potential des jungen Musikers und liegt goldrichtig: Mit Uptown landet gleich der zweite neue Song des Texaners in den Charts, wenn auch nur auf Platz 72. Orbison nutzt die schützenden Arme des neuen Labels, um seinen balladesken Stil weiterzuentwickeln. Am 9. Mai 1960 gelingt mit Only The Lonely (Know The Way I Feel) der nationale und internationale Durchbruch. Orbisons Falsetto beeindruckt Elvis Presley so sehr, dass er die Single gleich kistenweise kauft und an Freunde verteilt. Vier Jahre lang erreicht jeder Song von Orbison die Top 40.



Eines seiner größten Markenzeichen entsteht zufällig, als Orbison 1963 mit den Beatles durch Großbritannien tourt. Der stark weitsichtige Musiker vergisst seine Brille im Flugzeug und muss aus der Not heraus mit seiner Sonnenbrille auftreten, die ebenfalls seiner Sehstärke angepasst ist. Der Look kommt gut an, so dass man ihn im weiteren Verlauf seiner Karriere nur selten ohne Sonnenbrille sieht. (Während derselben Tour erhält er übrigens auch seinen Spitznamen „The Big O“.) Seine stets dunkle Kleidung vervollständigt das Bild des schüchternen, auf Anonymität bedachten Superstars.



Am 1. August 1964 nimmt Orbison dann die erfolgreichste Single seiner Karriere auf. Oh, Pretty Woman erreicht in unzähligen Ländern der Welt Platz 1 der Charts und verkauft sich noch im ersten Jahr mehr als sieben Millionen Mal. Als Orbison 1965 mit den Rolling Stones durch Australien tourt, inspiriert der Song Mick Jagger und Keith Richards sogar dazu, ein ähnliches Intro für (I Can’t Get No) Satisfaction zu schreiben.

Roy Orbison ohne Sonnenbrille, dafür mit seiner zweiten Frau Barbara Anne Marie Wellhöner

Nach dem späten aber erfolgreichen Start seines Musikerdaseins suchen ihn ab Mitte der Sechziger mehrere Schicksalsschläge heim. 1966 stirbt seine Frau Claudette bei einem Motorradunfall, 1968 kommen zwei seiner drei Söhne bei einem Hausbrand ums Leben. Am 25. Mai 1969 heiratet Orbison seine zweite Frau Barbara Anne Marie Wellhöner, geboren in Bielefeld. Sie überlebt ihren Mann auf den Tag genau um 23 Jahre.

Auch seine Karriere gerät ins Wanken: Beatbands dominieren die Charts, Orbison unterschreibt einen neuen Plattenvertrag über eine Million US-Dollar mit MGM. Die Klangqualität von Monument Records wird nicht mehr erreicht, und auch die kompositorische Klasse leidet, weil Orbison sich vertraglich dazu verpflichtet, regelmäßig neue Songs abzuliefern. Er spielt weiter Konzerte, doch es wird ruhiger um ihn.



Ein furioses Comeback gelingt ihm Ende der Achtziger Jahre mit Mystery Girl und der Single-Auskopplung You Got It. Im November 1988 tritt er beim Diamond Awards Festival in Belgien auf und präsentiert den brandneuen Song vor laufenden Kameras. Ein Raunen geht um die Welt: Roy Orbison ist zurück, besser denn je. Auch abseits seiner Solokarriere bewegt sich etwas: Er schließt sich mit Bob Dylan, Tom Petty, George Harrison und Jeff Lynne zu den Traveling Wilburys zusammen, einer Supergroup, deren Debüt Traveling Wilburys Vol. 1 millionenfach über die Ladentheken geht.

Leider bekommt Orbison den Erfolg seines Comebacks nicht mehr vollständig mit: Bereits seit seiner Kindheit leidet er an Herzproblemen und muss sich während der Siebziger einer Bypass-Operation unterziehen. Am 6. Dezember 1988 erliegt er kurz vor Mitternacht einem Herzinfarkt. Er wird in Los Angeles beigesetzt, Mystery Girl erscheint posthum.

Bis heute zweifelt niemand am Einfluss, den Orbison auf die Musikwelt genommen hat. Dreht sich der Rock’n’Roll üblicherweise um treibende Schlagzeugbeats, verzerrte Gitarren und rebellische Texte, findet all das in der melancholischen Musik des Texaners kaum statt. Stattdessen vergleicht man ihn mit klassisch ausgebildeten Musikern, sogar mit Opernsängern. Kein Wunder: Dank seiner Stimmgewalt füllt er jeden noch so großen Saal aus.

Orbison wird nur 52 Jahre alt. „I still have some love to give“, singt er in Handle With Care von den Traveling Wilburys. Man darf gar nicht darüber nachdenken, welch tolle Songs er sicher noch geschrieben hätte.

Zeitsprung: Am 29.10.1990 erscheint „Traveling Wilburys Vol. 3“.

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