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Zeitsprung: Ab 23.8.2007 erhält Brian May von Queen einen Doktortitel in Astrophysik.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 23.8.2007.

von Christof Leim

„Aber erstmal machst du die Ausbildung fertig!“ Wir wissen nicht, ob der Vater von Brian May damals ein solches Machtwort gesprochen hat. Sein Sohn jedenfalls studiert ordentlich Mathe und Physik. Die Forschungen zu seiner Doktorarbeit kann er jedoch nicht fertigstellen, weil ihm eine Kleinigkeit dazwischenkommt – die Weltkarriere als Gitarrist von Queen. Doch seine Faszination für die Wissenschaft verliert der Musiker nie: 32 Jahre nach dem Abbruch der Promotion meldet er sich wieder am Imperial College in London an.


Hört hier in Musik der Band rein, für die Dr. Brian May seine Studien ausgesetzt hatte:

Klickt auf „Listen“ für die ganze Playlist.

„Mein Interesse an Musik und Astronomie wurde zur gleichen Zeit geweckt“, sagte Brian May einmal gegenüber dem britischen Magazin Q. „Da war ich ungefähr acht. Diese beiden Dinge gingen für mich immer Hand in Hand, insofern gab es nie einen großen Sprung zwischen den Welten.“ Das klingt zwar plausibel, trotzdem passiert es nicht alle Tage, dass ein Rockmusiker mit Legendenstatus einen echten Doktortitel in einer „harten“ Wissenschaft wie der Astrophysik erlangt. Dr. Brian May von Queen hat das geschafft.

Aus heiterem Himmel kommt das nicht: In den Sechzigern studiert May Mathe und Physik am renommierten Imperial College in London und macht nicht nur den Abschluss als Bachelor Of Science, sondern erhält sogar die Auszeichnung ARCS für besondere Leistungen. 1970, im Alter von 23 Jahren, beginnt er eine Promotion und untersucht dafür „Radialgeschwindigkeiten in interplanetarem Staub“. Das klingt auf Englisch cooler und könnte ein 1a-Stoner-Rock-Albumtitel sein: „Radial Velocities in the Zodiacal Dust Cloud“. Wir gehen trotzdem davon aus, dass May diese Kenntnisse 1980 nicht in den Queen-Soundtrack zum Science Fiction-Film Flash Gordon einbringen konnte.

Keine Zeit für die Wissenschaft: Queen mit Brian May (2.v.l.)

Daneben spielt er in einer tollen kleinen Rockband namens Queen, die im Sommer 1971 zum ersten Mal in ihrer klassischen Besetzung auftritt und 1973 ihr Debütalbum veröffentlicht. Man braucht schließlich Hobbys. Allerdings wird aus Queen bald eine tolle große Rockband: 1974 erscheinen gleich zwei Platten (Queen II am 8. März, Sheer Heart Attack am 8. November), internationaler Erfolg stellt sich ein – und Brian May bricht seine Doktorarbeit ab. In den nächsten 17 Jahren werden Queen zu einer der erfolgreichsten Musikgruppen der Welt. Leider stirbt, wie wir alle wissen, der ikonische Sänger Freddie Mercury am 24. November 1991 an den Folgen einer AIDS-Erkrankung.



Brian May macht weiter Musik, doch eine Rechnung hat er noch offen: Im Oktober 2006, mit fast 60 Jahren, meldet er sich erneut am Imperial College an. Dabei sollte niemand an ein entspanntes Seniorenstudium denken: May muss aufholen, was in den vergangenen 32 Jahren in diesem Forschungsfeld (man könnte sagen: in der „Cosmic Dust-Szene“) passiert ist, darunter einige grundlegende Entdeckungen durch NASA-Satelliten. Glücklicherweise gibt es wenige wissenschaftliche Arbeiten in seinem Spezialgebiet, weswegen er seine Promotion tatsächlich fortsetzen kann. Dazu muss er sich allerdings reinknien und sein bisherigen Leben als internationaler Rockstar erstmal auf Eis legen, wie er in diesem Interview berichtet. Im August 2007 reicht er schließlich seine 48.000 Wörter starke Dissertation ein, bemerkenswerterweise ein Jahr früher als geplant. Wer mal schmökern möchte, kann sich Brian Mays Doktorarbeit hier runterladen.

Am 23. August 2007 schließlich stellt Brian May seine Forschungen einem wissenschaftlichen Gremium vor, das die Arbeit auf das Genaueste unter die Lupe nimmt. Das dreistündige Kolloquium bezeichnet May später als „sehr, sehr hart“, doch das stört ihn nicht. Gegenüber den BBC News erklärt er: „Das ist ein bisschen wie mit einem Album. Man muss damit bis zum Ende seiner Tage leben, also will man auch, dass alles perfekt ist.“

Astrophysiker Dr. Brian May beim Musikmachen – Pic: Raph_PH

Die Experten sind zufrieden: Brian May muss nur wenige Veränderungen vornehmen, die offizielle Anerkennung im folgenden Monat ist Formsache, die festliche Verleihung der Doktorwürde geschieht im Mai in der Royal Albert Hall. Damit hat Brian May, einer der erfolgreichsten Rockgitarristen der Welt, einen richtigen, echten Doktortitel in einem Fach erlangt, in dem das nicht als obligatorisch gilt und schon gar nicht nebenbei erledigt werden kann. Wir sind beeindruckt.

Dr. Brian May 2015 am ESO’s Paranal Observatory in Chile. Pic: ESO/G. Huedepohl


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