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Popkultur

Zeitsprung: Am 12.7.1994 veröffentlicht Alice Cooper „The Last Temptation“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 12.7.1994.

von Christof Leim

Dass zu Beginn der Neunziger ein anderer Wind in der Rockmusik weht, weiß Alice Cooper als cleverer Veteran natürlich ganz genau. Deshalb klingt The Last Temptation ein wenig anders als die Vorgänger aus der Hair-Metal-Zeit. Für den Altmeister beginnt eine stilistische Findungsphase.

Hier könnt ihr The Last Temptation anhören:

Ein Comeback hat er nach harten Zeiten durchaus hinlegen können, der Schockrock-Gott. Drogenentzug und eine dreijährige Pause Mitte der Achtziger haben Alice Cooper gut getan; Constrictor (1986) und Raise Your Fist And Yell (1987) machen wieder Spaß. Mit Thrash (1989) und dem Monsterhit Poison wächst der Künstler sogar wieder zu einer veritable kommerzielle Größe. Spätestens bei Hey Stoopid von 1991 wird aber klar: Cooper klingt jetzt wie die anderen Kinder, die damals Headbanger’s Ball dominieren, nämlich nach griffigem, partyaffinen Hard Rock. Er benutzt sogar die gleichen Songwriter, die Bon Jovi und Konsorten zu Platinhelden gemacht haben, insbesondere Desmond Child. Doch die Hair-Metal-Blase platzt irgendwann, spätestens als Nirvana und Kollegen loslegen.

Alice Cooper 1994 – Pic: Dean Karr/Promo

Als 1994 ein neues Album ansteht, weiß Cooper genau, dass er mit hochproduzierten Partyhymnen nicht mehr ankommen sollte. Vielleicht hat er sogar selber keine Lust mehr darauf, denn der Stil hat sich durch Übersättigung selbst obsolet gemacht (wofür wahrscheinlich nicht mal Grunge nötig gewesen wäre, aber das ist eine andere Geschichte.).

Sein 13. Album The Last Temptation jedenfalls wagt einen Ausfallschritt zurück in die Garage und zu ursprünglichem Rock’n’Roll-Geist, verliert aber unentschlossen auf halben Wege die Puste. Das liegt wohl am Songmaterial, denn nicht viel bleibt hängen – trotz Beiträgen von Bryan-Adams-Kollaborateur Jim Vallance, Tommy Shaw (Styx) und Jack Blades (Night Ranger). Sogar Soundgarden-Frontmann und Grunge-Ikone Chris Cornell schreibt und singt bei zwei Stücken (Stolen Prayer und Unholy War) mit.

Das lustig-naive Lost In America und die Ballade It’s Me werden als Singles ausgekoppelt, Heavy Rotation erreichen sie weder im Radio noch auf Musikvideokanälen. Letzterer Song schafft es immerhin auf Platz 77 in Australien und Platz 34 in Großbritannien.

Kennt noch jemand die beiden Singles der Platte?

Eine Tour zur The Last Temptation findet nicht statt, 1995 spielt Cooper allerdings auf den Monsters Of Rock-Festivals. Hier stehen die beiden Auskopplungen sowie Cleansed By Fire und Sideshow auf den Setlisten, doch It’s Me fliegt nach nur vier Shows wieder raus, die anderen Stücke dürfen noch ein paar Jahre ran. Nach 2000 wird höchstens noch Lost In America live gespielt.

Viel Nachhall verursacht die Platte also nicht, aber immerhin gibt es eine Geschichte, ein Konzept dahinter. Das setzt der britische Fantasy-Autor Neil Gaiman in einer dreiteiligen Comicserie gleichen Namens um, die bei Marvel erscheint. Hier begegnet ei Jungen namens Steven (wie der Bub aus Welcome To My Nightmare!) einem mysteriösen „Showman“, der ihn in seine Theatershow entführen will, wo Steven niemals erwachsen werden muss. Natürlich sieht der Showman aus wie Alice Cooper höchstselbst, Teile des Comics sind im Video zu Lost In America zu sehen.

Titelbild des Comics von Neil Gaiman

Wie so viele Rocker aus der vergangenen Dekade befindet sich Alice Cooper Mitte der Neunziger in einer stilistischen Experimentierphase; das nächste Album Brutal Planet (2000) klingt dann auch wie es heißt. Aber das ist mal wieder eine andere Geschichte.


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