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Popkultur

Zeitsprung: Am 19.4.1974 läuft der Film „Son Of Dracula“ mit Ringo Starr an.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 19.4.1974.

von Timon Menge und Christof Leim

Ein Dracula-Film mit Ringo Starr in einer Hauptrolle sowie Gastauftritten von Keith Moon, Peter Frampton und John Bonham: Was kann da schon schiefgehen? Einiges. Am 19. April 1974 flimmert der Streifen zum ersten Mal über die US-Leinwände.


Hört hier in die besten Songs von Ringo Starr rein:

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Als Ringo Starr im August 1972 beschließt, einen Rock’n’Roll-Dracula-Film zu drehen, sind die Beatles bereits seit zwei Jahren Geschichte. So hat sich der ehemalige Schlagzeuger der britischen Legenden in den Monaten zuvor bereits diversen Musikprojekten gewidmet, stellt sich für 200 Motels von Frank Zappa sowie den Italowestern Blindman, der Vollstrecker vor die Kamera. Mit der T.-Rex-Dokumentation Born To Boogie gibt er sein Regiedebüt. Sein nächstes Projekt heißt dann Son Of Dracula.

Die Handlung: Graf Downes Vater Graf Dracula wird von einem Auftragskiller ermordet. Merlin (Ringo Starr), ein Vertrauter der Familie, ruft Downe aus dem Urlaub zurück, um ihn darauf vorzubereiten, den Familienthron zu übernehmen. Downe möchte das allerdings gar nicht und wünscht sich stattdessen, menschlich und sterblich zu werden — besonders, nachdem er eine Frau namens Amber kennenlernt, in die er sich verliebt. Er nimmt Kontakt zu Dr. Van Helsing auf, der die Verwandlung durchführen soll. Downes Umfeld sieht das gar nicht gerne…

Harry Nilsson als Graf Downe und Ringo Starr als Zauberer Merlin während der Dreharbeiten zu „Son Of Dracula“

Um das Filmprojekt zu realisieren, schließt sich Starr mit US-Songschreiber Harry Edward Nilsson III zusammen, der vorher unter anderem erfolgreich für The Monkees komponiert hat. Der Kontakt zu den Beatles kam zustande, nachdem die Briten 1968 im Rahmen einer Pressekonferenz nach ihrer amerikanischen Lieblingsband gefragt wurden und einhellig mit „Nilsson“ antworteten. Es folgt eine gemeinsame Mitgliedschaft von Lennon und Nilsson in Alice Coopers Trinkerclub The Hollywood Vampires, zu dessen unregelmäßigen Gästen auch Starr zählt. Als Darsteller kann der Ex-Beatle zudem Keith Moon von The Who, John Bonham von Led Zeppelin und Peter Frampton gewinnen.



Der Soundtrack zum Film erscheint am 1. April 1974 und enthält in erster Linie Songs von Nilsson sowie Instrumentalstücke des Grammy-prämierten Songschreibers Paul Buckmaster, den man nicht zuletzt wegen seiner Zusammenarbeit mit Größen wie David Bowie, Elton John, den Rolling Stones, Miles Davis oder später Guns N’ Roses kennt. Die meisten von Nilssons Werken sind bereits auf dessen Alben Nilsson Schmilsson und Son Of Schmilsson erschienen, mit Daybreak schreibt er aber auch einen neuen Song. An den Aufnahmen nimmt auch Beatles-Kollege George Harrison teil.



Obwohl die Dreharbeiten bereits im November 1972 abgeschlossen sind, dauert es noch weitere anderthalb Jahre, bis der Film im Kino anläuft. Das Problem: Keiner interessiert sich dafür. Nach der Fertigstellung des Streifens zeigt sich auch Starr unzufrieden und ruft den britischen Autor Douglas Adams (Per Anhalter durch die Galaxis) sowie Graham Chapman an, seines Zeichens Mitglied des britischen Komikerkollektivs Monty Python. Gemeinsam mit Gagschreiber Bernard McKenna sollen die beiden ein frisches Drehbuch für Son Of Dracula verfassen, das als neue Tonspur über den Film gelegt werden soll. Auch einen runderneuerten Soundtrack gibt Starr in Auftrag, doch die Rettungsmaßnahmen werden verworfen. Stattdessen versuchen die Macher den ursprünglichen Streifen doch noch zu vermarkten, scheitern allerdings kläglich, wie Starr später einräumt: „Niemand wollte den Film haben.“

Nicht umsonst der Spaßvogel bei den Beatles: Ringo Starr als Zauberer Merlin

Son Of Dracula wird nur wenige Male im Fernsehen ausgestrahlt, eine offizielle Veröffentlichung auf VHS oder gar DVD findet nie statt. Zwar bringt Nilsson 1982 eine Videokopie mit zur Beatlefest-Convention in New York, damit der Film dort gezeigt werden kann, doch die meisten Besucher der Veranstaltung ignorieren die Vorführung. Laut Journalist Peter Palmiere gesteht Starr ihm gegenüber in den späten Achtzigern, dass eine Kopie des Films auf seinem heimischen Fernseher liegt, er es aber nicht ertrage, sie anzusehen.


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