Zeitsprung: Am 16.10.1968 erscheint Hendrix’ „Electric Ladyland“

October 15, 2018
in Category: Platten



Zeitsprung: Am 16.10.1968 erscheint Hendrix’ „Electric Ladyland“

Zeitsprung: Am 16.10.1968 erscheint Hendrix’ „Electric Ladyland“

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 16.10.1968.

von Christof Leim und Tom Küppers

Auch wenn er nur 27 Jahre alt wurde, hat Jimi Hendrix Großes geleistet. Denn abseits von beeindruckenden spielerischen Fähigkeiten ging es dem Ausnahmegitarrist stets darum, seine musikalischen Visionen aus dem Kopf möglichst originalgetreu auf Tonträger zu bannen. Mit dem dritten, am 16. Oktober 1968 veröffentlichten Studioalbum Electric Ladyland kommt er diesem Ziel schon ziemlich nahe.


Zum Electric Ladyland geht es hier lang:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Mit ihren ersten beiden Alben und unzähligen mitreißenden Liveauftritten wird die Jimi Hendrix Experience Ende der Sechziger zu einer der größten Rockattraktionen der Welt. Der Startschuss für die Aufnahmen zu Electric Ladyland fällt offiziell im Juni 1967, erneut in den Londoner Olympic Studios mit Eddie Kramer an den Reglern.

Credit: Reprise Records: Jimi Hendrix, Mitch Mitchell und Noel Redding bei einer ihrer letzten gemeinsamen Fotosessions.

Schnell entstehen die Basictracks für eine von Jimis bekanntesten Coverversionen: Bob Dylan hat sein All Along The Watchtower zwar erst frisch veröffentlicht, Hendrix will den Song trotzdem unbedingt aufnehmen. London gilt seinerzeit als Partymetropole, weshalb sich niemand wundert, als kurz vor dem zwanzigsten Take plötzlich Rolling Stones-Gitarrist Brian Jones auftaucht. „Ich möchte korrigieren: Er torkelte rein“, erinnert sich Kramer später. Freunden kann Hendrix keinen Wunsch abschlagen, weswegen Jones kurzfristig auf dem Piano mitklimpern darf, bevor er nach zwei Versuchen umfällt. Andere behaupten hingegen, ein deutlich zu hörendes Vibraslap ginge auf Brians Kappe.


Auch Crosstown Traffic entsteht im Zuge der Londoner Sessions. Den superfuzzigen Sound erzielt Hendrix angeblich mit einem aus Kamm und Taschentuch selbst zusammengedengelten Kazoo. Glaubt man nicht? Dann bitte in der unten verlinkten Doku mal genau zuhören. Crosstown Traffic ist einer der wenigen Songs auf Electric Ladyland, bei denen wir die Originalbesetzung der Jimi Hendrix Experience mit Drummer Mitch Mitchell und Basser Noel Redding hören. Denn mittlerweile setzt Jimi im Geiste der gegenseitigen Inspiration gerne auf wechselnde Musiker, auch wenn der Auswahlprozess nicht für jedermann auf Anhieb nachvollziehbar scheint.


Eines Abends bringt Hendrix beispielsweise eine knapp 20 Personen starke Entourage mit ins Studio, darunter den legendären Organist Steve Winwood. „Es gab keine Noten, gar nichts“ erinnert sich der. Jimi erklärt kurz sein Vorhaben, Winwood legt auf den Tasten vor, Hendrix kontert, und fertig ist das fünfzehnminütige Voodoo Chile. Es habe jede Menge Methode dahinter gesteckt, meint Produzent Kramer. Der Gitarrist habe immer genau die Musiker eingeladen, mit denen er einen bestimmten Sound umsetzen wollte.


Irgendwann lernt Hendrix mit Gary Kellgren und Chris Stone zwei Herren kennen, die just in New York ein neues Studio mit sagenhaften zwölf Aufnahmespuren aufbauen – deutlich mehr als der damalige Standard. Dass die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen sind, interessiert Hendrix recht wenig: Er bucht kurzerhand den frühestmöglichen Termin. Einmal angekommen spielt er nicht nur die vorhandenen Tracks voll (zwischendurch wird auf 16 aufgerüstet), sondern erfindet zusammen mit Kramer revolutionäre Tricks und Effekte, die heute zum Handwerkszeug eines Musikers gehören. Auch beim Abmischen lassen beide ihrer Kreativität freie Bahn. Da werden Finger auf Bandspulen gedrückt oder Tape-Loops geschnitten – lauter Dinge, die vor ihnen noch niemand gewagt hat.


Bezüglich des Covers hat Hendrix ebenfalls klare Vorstellungen, die er der Plattenfirma detailliert mitteilt. Seine Vorschläge werden jedoch ignoriert. Die US-Version mit einem psychedelischen Porträt des Gitarristen mag noch akzeptabel sein, doch die britischen Kollegen wählen ein Motiv mit 19 nackten Frauen. Hendrix dazu fassungslos: „Das war nicht meine Entscheidung.“25 Jahre lassen sich die Toten Hosen für ihr Reich & sexy von diesem Cover beeinflussen.  

BU: Mit dem britischen Cover, fotografiert von David Montgomery, war Hendrix nicht so recht einverstanden.

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