Zeitsprung: Am 26.2.1979 erscheint die Musik zu „The Great Rock’n’Roll Swindle“.

February 22, 2019
in Category: Popkultur



Zeitsprung: Am 26.2.1979 erscheint die Musik zu „The Great Rock’n’Roll Swindle“.

Zeitsprung: Am 26.2.1979 erscheint die Musik zu „The Great Rock’n’Roll Swindle“.

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.2.1979.

von Christof Leim und Timon Menge

Als die Sex Pistols am 26. Februar 1979 The Great Rock ’n’ Roll Swindle veröffentlichen, bescheren sie der Welt kein neues „richtiges“ Album. Zumal es die Band zu jener Zeit gar nicht mehr gibt, und Sid Vicious bereits tot ist. Es handelt sich vielmehr um den Soundtrack zum gleichnamigen Film, eine der krudesten Veröffentlichungen der Musikgeschichte. Ein bisschen ist hier der Name Programm…


Hört hier in The Great Rock ’n’ Roll Swindle rein:

Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.

Nach nur ein paar wilden Jahren ist Schluss bei den Sex Pistols: Anfang 1979 hat Frontmann Johnny Rotten die Band längst verlassen und beschreitet neue Wege, Bassist Sid Vicious erlag am 2. Februar seiner Heroinsucht. Die Kuh „Sex Pistols“ weiter zu melken, bietet sich trotzdem an: Sid Vicious’ Tod hat weltweit Aufmerksamkeit erregt. Rotten sorgt indes mit Public Image Ltd für Schlagzeilen, mit ihrem Debüt First Issue gelingt der Gruppe der Sprung in die Top 40 von Großbritannien. Der Haken: Die Fans wissen, dass die Sex Pistols schon lange nicht mehr existieren und wundern sich über The Great Rock ’n’ Roll Swindle.



Die Anhänger der britischen Punkpioniere kritisieren unter anderem, dass sowohl Soundtrack als auch Film mit dem Namen der Band beworben werden. Drahtzieher der Angelegenheit: der durchaus umstrittene Pistols-Manager Malcolm McLaren, der die Veröffentlichung der Filmmusik nicht nur nach vorne treibt, sondern sich mangels Alternativen sogar höchstpersönlich hinter das Mikrofon stellt (You Need Hands).

Weil Johnny Rotten nicht für neue Aufnahmen zur Verfügung steht, greift McLaren außerdem auf Studio-Outtakes aus dem Jahr 1976 zurück. Auch ein Livemitschnitt des kontroversen Pistols-Songs Belsen Was A Gas sowie eine bisher unveröffentlichte Version des Hits Anarchy In The UK landen auf dem Soundtrack. Fragwürdige Ergänzungen wie Who Killed Bambi? rufen erst recht das Misstrauen der Fans hervor.



Nichtsdestotrotz enthält das Album einige Perlen, vor allem Sid Vicious stellt sein Showtalent unter Beweis — zum Beispiel anhand der beiden Eddie Cochran-Cover Something Else und C’mon Everybody. Mit Vicious’ Interpretation des Sinatra-Songs My Way schießt er den Vogel endgültig ab und funktioniert den Klassiker mit jeder Menge Ironie in eine Farce um. Britischer geht es kaum.



Auch Pistols-Gitarrist Steve Jones und Schlagzeuger Paul Cook können der Welt zeigen, dass sie nicht nur „die Typen im Hintergrund“ waren. Stets im Schatten der charismatischen Vorzeigepunks Rotten und Vicious, steuern die beiden Musiker Songs wie Silly Thing und Lonely Boy zu dem Soundtrack bei — Stücke, die auch dem einzigen „richtigen“ Album Never Mind The Bollocks, Here’s The Sex Pistols (1977) gut zu Gesicht gestanden hätten.



In Großbritannien erreicht die Filmmusik Goldstatus und steigt auf Platz sieben der Charts ein. Zwischen 1978 und 1979 gehen vier Top-10-Singles aus der Veröffentlichung hervor und zwar die doppelte A-Seite No One Is Innocent/My Way, Silly Thing, C’mon Everybody und Something Else. Letztere erreicht sogar Platz drei und bleibt somit bis heute die erfolgreichste Sex Pistols-Single aller Zeiten. Bis zur Veröffentlichung des eigentlichen Films dauert es allerdings noch stolze 15 Monate (Mai 1980), aber Punk hat ja auch nichts mit „pünktlich“ zu tun.

Man kann von The Great Rock ’n’ Roll Swindle halten, was man möchte: Der Film und die dazugehörige Musik bleiben bis heute legendär und halten mit Songs wie God Save The Queen (Symphony) Absurditäten bereit, die eindrucksvoll unter Beweis stellen, dass man den Nachlass der Sex Pistols selbst durch die Beimischung von Hochkultur nicht entschärfen kann.


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