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Popkultur

12 Songs, die dem Rock’n’Roll ein Denkmal setzen

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Eine Zeitlang waren Trauernde der Überzeugung, dass der Rock’n’Roll 1959 zusammen mit Buddy Holly gestorben war. Später versuchten Punk und Grunge, das Genre von innen zu zersetzen. Mittlerweile herrscht allgemeine Uneinigkeit darüber, ob Rock tot ist, gerettet werden muss oder kurz vor der Wiederauferstehung steht. Aber egal, wo man in dieser Diskussion steht: Wenn man bei diesen zwölf Songs den Lautstärkenregler voll aufdreht, sollte man deutlich spüren, dass Rockmusik sehr lebendig ist.

von Oliver Mathis

12. Bill Haley And His Comets: (We’re Gonna) Rock Around The Clock (1954)

Die erste No. 1- Single in der Geschichte der Billboard Hot 100-Charts hat dem Rock’n’Roll nicht nur ein Denkmal gesetzt, sondern ihn auch in der Welt bekannt gemacht. Der Begriff stammt schon aus dem Jahr 1947, aber vor (We’re Gonna) Rock Around The Clock hatte kein anderer Song ein auch nur annähernd großes und breitgefächertes Publikum erreicht. Bevor sie den von Max Freedman und Jimmy DeKnight geschriebenen Song aufnahmen, waren Bill Haley und seine Bandkollegen bei hunderten von Highschool-Bällen aufgetreten und hatten mit den jeweiligen Lieblingssong der amerikanischen Teenager*innen auf den örtlichen Tanzflächen für Stimmung gesorgt. Und was die Jugend wollte, war der Rhythm’n’Blues der Afroamerikaner*innen. Aber wenn sie diese Musik nicht in den Schulaulas New Jerseys spielen durften, dann tat es auch ihr neues Lieblingsgenre. Aus kommerzieller Sicht war (We’re Gonna) Rock Around The Clock zunächst ein Schuss in den Ofen, aber als der Song für die Eröffnungssequenz des erfolgreichen MGM-Kinofilms Blackboard Jungle (über jugendliche Straftäter, natürlich) ausgewählt wurde, war er definitiv auf dem Weg zu einem unsterblichen Klassiker.


11. The Killers: Glamorous Indie Rock And Roll (2004)

Dieser Song erschien nach dem kommerziellen Höhepunkt der Rockmusik und war auch nur eine B-Seite. The Killers waren eine der größten Rockbands, die aus den vom Rap dominierten Nullerjahren hervorging, was nicht heißen soll, dass Brandon Flowers und der Rest der Band nicht furchtbar unverschämt sein konnten. Auf diesem Hot Fuss-Bonustrack (erst 2007 erschien er offiziell auf ihrer Raritäten-Compilation Sawdust), spottet Flowers über Kritiker, die meinten, die Band strebte hauptsächlich nach Indierock-Credibility und nicht nach dem internationalem Ruhm, den sie bald erreichen sollten. Die Riffs donnern, die Hooks sind hymnisch, aber Zeilen wie “Two of us flipping through a thrift store magazine” sprühen vor Sarkasmus. Gott sei Dank.


10. Billy Joel: It’s Still Rock And Roll To Me (1980)

Anfang der 1980er wurde der Pianoman nostalgisch. Er nahm den “Hot Funk” und “Cool Punk” der New Wave-Ära, zuckte dann mit den Schultern und rotzte diesen Titel aus, der aus dem Classic Rock Radio kaum noch wegzudenken ist. Billy Joel waren Vieles – berühmter Songwriter, kommerzielles Kraftzentrum –, aber er war nie wirklich cool. Auf dieser Ode an den Doo-Wop und den R&B, mit dem er aufgewachsen war, akzeptiert Joel seine eigene Schwerfälligkeit – wie die Rocklegende, die er nun mal ist.


9. Chuck Berry: Johnny B Goode (1958)

Chuck Berrys bekanntester Song hat dem Rock’n’Roll ein Denkmal gesetzt, das ist klar, aber er zeigte auch, was Rockmusik erreichen kann, wenn man sie richtig gut spielt: Sie kann einem das Konto füllen. Chuck konnte Riffs wie kein anderer und da er – nicht nur dank seines “Entengangs” – auch eine ordentliche Bühnenshow vorweisen konnte, war er auch immer der Erste, der allen erzählte, dass der Rock’n’Roll ihn reich machen würde. Johnny ist ein armer, Fast-Analphabet vom Land, der neben den Eisenbahnschienen Gitarre spielt und technisch so gut ist, dass er keine Rhythmusgrupe braucht – sein Timing orientiert er nur am Stampfen der Züge. Die Worte seiner Mutter bringen Berrys amerikanischen Traum auf den Punkt: “Someday you will be a man and you will be the leader of a big old band”.


8. Don McLean: American Pie (1971)

Es gibt einen Grund, warum dieser obskure, 8-minütige Folkrock-Song seit 50 Jahren untersucht wird wie ein Rosettastein der Babyboomer-Folklore: Don McLean hatte den Blickwinkel eines Barden auf das, was Amerikas liebstes Musikgenre zwischen Woodstock und Buddy Hollys Tod durchgemacht hatte. Aber der Song ist nicht unbedingt ein Liebesbrief an die 60er. Er handelt Attentate und den Vietnamkrieg ab, danach den Tod von Janis Joplin und die Trennung der Beatles, und kann sich der unangenehmen Erkenntnis nicht entziehen, dass seit dem 3. Februar 1959 nichts mehr ist, wie es war.


7. Elton John: Crocodile Rock (1972)

Crocodile Rock katapultierte das Publikum zurück in die Zeit, als sie zu Beatles-Songs aus der Jukebox tanzten. Mit einem elektrisierenden Riff auf der Farfisa-Orgel und dem seltsamen Falsett-Gesang wies ihnen Elton den Weg. Er nahm den Track selbst nie besonders ernst, aber er schaffte etwas, was ihm mit den Vorgänger-Singles Rocket Man und Tiny Dancer nicht gelungen war – er erreichte Platz 1 der Billboard Hot 100 Charts. Es war Elton Johns erste Nummer 1 in den USA und auch in Großbritannien. Und seine Darstellung des Flugzeugabsturzes von 1959 und der British Invasion (“The years went by and the rock just died/Suzie went and left us for some foreign guy”) ist eine ebenso gute Geschichtsstunde wie American Pie -, aber mit einer besseren Hook und in ungefähr der Hälfte der Zeit.


6. Grand Funk Railroad: We’re An American Band (1973)

Bevor sie ihren bekanntesten Song aufnehmen konnten, waren Grand Funk Railroad aus Flint, Michigan, in einen Rechtsstreit mit ihrem gerade gefeuerten Manager verstrickt. Sie hatten bereits sechs Alben veröffentlicht und es dabei nicht einmal in die Top 20 der Billboard Hot 100 geschafft. Aber ihr donnernder No. 1-Hit We’re An American Band machte den Ruf der Band und den ihrer Heimat schnell unsterblich. Inhaltlich sind die Strophen von Drummer Don Brewer fast auf dem Level von Almost Famous: Party machen mit Groupies in Omaha, Poker spielen mit einer Blueslegende aus Texas, und Gitarrist Mark Farmer jault von rechts nach links durch den legendären Refrain.


5. KISS: Detroit Rock City (1976)

“Flint Rock City”? “Detroit” klingt einfach besser. KISS wurden mit einem Livealbum, dem 1975 erschienenen Alive! zu Stars und die Rock’n’Roll-Harlekins schoben direkt diese Studiosingle nach, die die ganze Energie und das Feuer ihrer Konzerte transportierte. Sie ist eine ungezähmte, lebensmüde Doppelgitarren-Attacke, die die nächsten zehn Jahre Heavy Metal-Giganten eine Quelle der Inspiration sein sollte. Und eine Generation später wurde Detroit Rock City mit der gleichnamigen nostalgischen Komödie noch einmal verewigt.


4. Queen: We Will Rock You (1977)

Boom-boom, klatsch. Boom-boom, klatsch. Gitarrist Brian May schrieb We Will Rock You, um bei ihren Konzerten richtig laute Fangesänge anheizen zu können. Das Ergebnis ist ein zweiminütiger Torpedo, der seitdem Queen-Fans, Fußballfans, Basketballfans, Cheerleader*innen, Wettkampfzuschauer*innen, Zehnkampf-Zuschauer*innen … usw. Feuer unterm Hintern macht. Der Song ist ein akustischer Serotoninrausch: das Stampfen, der Gesang, das Gitarrensolo am Ende – und die Tatsache, dass man ihn oft direkt nach seiner A-Seite We Are the Champions hört, die eine ganz ähnliche Wirkung entfaltet.


3. Bob Seger: Old Time Rock And Roll (1979)

Ende der 70er war Disco riesig und machte auch keine Anstalten, wieder zu verschwinden. Aber dieser angegraute Rocker war nicht so glücklich. Und doch, anders als die meisten Vertreter der “Disco ist doof”-Fraktion, konnte man bei ihm immer noch mit dem Fuß wippen. “You’ll never even get me out on the floor”, faucht Seger in seinem Liebesbrief an die Blütezeit der Jukebox, begleitet von einem bluesigen Pianorock-Ausflug der Silver Bullet Band, der trotz allem… groovt.


2. Oasis: Rock’n’Roll Star (1994)

Der erste Track auf dem ersten Oasis-Album war der perfekte Einstieg für eine Band, die nichts dringender wollte als, die nächsten Beatles zu sein. Die kompletten fünf Minuten von Rock’n’Roll Star nehmen Oasis nicht einmal den Fuß vom Gaspedal und preschen weiter vorwärts mit mitreißenden Britpop-Riffs und einer unwiderstehlichen Ansage: vergiss Dein langweiliges Leben, fahr in die Stadt, mach Rockmusik, koste alles aus. Was für die Gallagher-Brüder folgte, sollte niemanden überraschen: der Ruhm, die Streitereien, der Excess.


1. Joan Jett And The Blackhearts: I Love Rock’n’Roll (1982)

Eine 70er-Jahre-Band namens The Arrows schrieb den Song, konnte ihn aber nicht zu einem Hit machen. Ein paar Jahre später verliebte sich Joan Jett in den Song, aber ihre Band, The Runaways, wollte ihn nicht covern. Doch die Wartezeit zahlte sich aus. Zusammen mit den Blackhearts nahm Jett eine selbstbewusste Coverversion von I Love Rock’n’Roll auf und brachte den Song damit an die Spitze der Billboard Hot 100, ohne dabei ihre rauhe Seite eingebüßt zu haben. Ein Hoch auf alle, die das Classic Rock-Publikum erfolgreich auf die Tanzfläche lockten, ohne dabei ihre Punk-Credibility aufzugeben.


Folgt der Rock Classics-Playlist für noch mehr zeitlose Rockhymnen:

Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 6.12.1994 erscheint „Vitalogy“ von Pearl Jam auf CD und Kassette.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.12.1994.

von Victoria Schaffrath und Christof Leim

1994 markiert den Wendepunkt für den Grunge: Nach Kurt Cobains Tod wenden sich die Medien gegen die Rock-Bewegung, während sich Pearl Jam im kalten Krieg mit Ticketmaster befinden. Die Jungs aus Seattle wagen mit Vitalogy den Befreiungsschlag und ebnen den Weg für Meisterwerke wie Yield. Am 6. Dezember 1994 erscheint das Album regulär auf CD…

Hört hier in Vitalogy rein: 

„Lives opened and trashed / Look, Ma, watch me crash“ intoniert Eddie Vedder im Opener Last Exit und fasst damit schon ziemlich gut zusammen, was da so in der Welt von Pearl Jam vor sich geht. Als Teil der Grunge-Szene von Seattle kommen sie mit ihrem Debüt Ten trotz kommerziellem Durchbruch nicht wirklich gut an, die Folgeplatte Vs. (1993) zementiert dafür ihren Platz zwischen Nirvana, Soundgarden und Alice In Chains. So sehr, dass der daraus resultierende Erfolg die Gruppe in eine schwere Sinnkrise stürzt. Dazu noch der Medienrummel um Kurt Cobains Suizid sowie eine Extraportion Streitigkeiten um Konzertpreise((LINK)) mit Ticketmaster. Kurzum: Der Boden unter den Bandgrundmauern wackelt.

Vorsicht, rissig

Die Aufnahmen für das dritte Album entstehen während der Tour zu Vs., die Sänger (und nun auch Gitarrist) Vedder, Bassist Jeff Ament, den Gitarristen Stone Gossard und Mike McCready und Schlagzeuger Dave Abbruzzese einiges abverlangt. Abbruzzese darf gegen Ende der Aufnahmen den Abflug machen, denn seine Kritik am Ticketmaster-Konflikt stößt auf. McCready wiederum merkt, dass sein Kokain- und Alkoholproblem die Gruppe gefährdet: „Nach dem die Band durchgestartet war, befand ich mich in meiner eigenen kleinen Welt.“ Er checkt zwischen Aufnahmen und Veröffentlichung in die Entzugsklinik ein.

An den Drums übernimmt Vedder-Vertrauter und ehemaliger Red Hot Chili Pepper Jack Irons, der positive Energie in den Laden bringt. Die braucht es dringend, denn der Sänger, der hier verstärkt die kreativen Zügel in die Hand nimmt, gerät nun mit Gossard aneinander. Für ersteren stellt der Führungswechsel eine natürliche Konsequenz dar: „Das war keine feindliche Übernahme. Ich fand, dass alle unsere Veröffentlichungen stellvertretend für mich standen. Da ich sowas wie das Gesicht der Band wurde, musste ich auch musikalisch mehr repräsentiert werden“, erzählt er später in der Dokumentation Pearl Jam Twenty

Lebenszeichen

Diese Kehrtwende äußert sich auch in, sagen wir mal, etwas wundersameren Werken wie Hey Foxymophandlemama, That’s Me, einer Soundcollage mit Äußerungen von Insassen einer Nervenklinik. Dagegen stehen aber Stücke wie das unangepasste Spin The Black Circle, Immortality und das wunderbare Better Man, die das umstrittene Album zu einem wichtigen Punkt der Bandgeschichte machen.

Ganz bewusst veröffentlichen Pearl Jam das Ding zunächst am 22. November 1994 auf Vinyl und für die damals gängigen Formate CD und Kassette gibt’s ein zweiwöchiges Embargo. Das zahlt sich aus, denn Vitalogy hält bis zur Veröffentlichung von Jack Whites Lazaretto 2014 den Rekord für die meisten Vinylverkäufe innerhalb einer Woche. Ab dem Nikolaustag 1994 stehen dann auch CDs und Kassetten zum Verkauf. Wie Kollege Chris Cornell in der Doku treffend bemerkt: „Amerikanische Rockbands lösen sich auf. Pearl Jam schafften es zusammenzubleiben.“ Vitalogy entpuppte sich dabei als der Kitt der beginnenden Risse.

Zeitsprung: Am 30.6.2000 passiert Schlimmes bei einer Pearl Jam-Show in Roskilde.

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Popkultur

10 Songs von Little Richard, die man kennen sollte

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Little Richard
Foto: Getty Images

„Wop bop a loo bop a lop bom bom“! Wenn diese Laute ertönen, wissen wir alle: Gleich legt Little Richard los, der Architekt des Rock’n’Roll, der Miterfinder dessen, was wir alle so sehr lieben. Die folgenden zehn Songs geben einen Einblick in die jahrzehntelange Karriere des virtuosen Künstlers.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der besten Songs von Little Richard anhören:

Zur Welt kam Little Richard am 5. Dezember 1932 in Macon, Georgia. Sein bürgerlicher Name: Richard Wayne Penniman. Als Schwarzer, homosexueller Mann, dürfte er es im Süden der USA mehr als nur schwer gehabt haben. Umso beeindruckender ist sein Lebenswerk, das aus unsterblichen Songs wie Tutti Frutti, Long Tall Sally, Good Golly, Miss Molly, Lucille und Rip It Up besteht. (Mehr dazu gleich.) Elvis Presley, Paul McCartney, Mick Jagger, Elton John, John Fogerty, Bob Dylan: Sie alle schauten und schauen zu ihm auf. Immerhin 87 Jahre wurde Little Richard alt. Am 9. Mai 2020 verstarb er in Tullahoma, Tennessee an den Folgen einer Knochenkrebserkrankung. Sein musikalisches Vermächtnis bleibt uns zum Glück erhalten.

1. Tutti Frutti (1955)

Little Richards größter Hit entsteht quasi aus Wut. Bei Aufnahme-Sessions im September 1955 regt sich der Künstler nämlich darüber auf, dass sich die animalische Energie seiner Live-Auftritte nicht so recht auf Band bannen lässt, also setzt er sich verärgert ans Piano. „Wop bop a loo bop a lop bom bom“, ruft er und haut wütend in die Tasten. Produzent Robert Blackwell möchte das Stück sofort aufnehmen.

2. Long Tall Sally (1956)

Was ein gut gepflegtes Adressbuch alles bewirken kann. Damit sie die Krankenhausrechnungen für ihre Tante Mary bezahlen kann, entwickelt Radio-DJ Honey Chile in den Fünfzigern die Grundidee für den Song Long Tall Sally und bietet das Stück Little Richards Produzent Robert Blackwell an. Der arbeitet die Komposition mit Richard weiter aus — und ein Hit war geboren!

3. Slippin’ And Slidin’ (1956)

Buddy Holly, die Beatles, Otis Redding, Shakin’ Stevens: Sie alle haben diesen Song gecovert oder zumindest öffentlichkeitswirksam zum Besten gegeben. Entstanden ist die Nummer im Februar 1956; ursprünglich diente sie als B-Seite für Long Tall Sally. Doch Slippin’ And Slidin’ markiert einen von Little Richards größten Hits, der bis heute auf zahlreichen Rock’n’Roll-Playlisten zu finden ist.

4. Rip It Up (1956)

„Well, it’s Saturday night, and I just got paid“ — Mit diesen Worten beginnt der nächste von Richards wichtigsten Songs. Zugegeben, allzu viel Tiefgang hat die Nummer nicht. Es geht im Wesentlichen darum, an einem Samstagabend zu feiern, sein Geld zu verjubeln und Mädels aufzureißen. Es handelt sich allerdings um einen Rock’n’Roll-Klassiker, der auch von Elvis Presley gecovert wurde.

5. Ready Teddy (1956)

Das gleiche gilt für Ready Teddy, der im Sommer 1956 auf der B-Seite von Rip It Up zu finden war. „I’m ready ready ready to rock’n’roll“, verkündet Richard in dem Song. Als hätten wir je daran gezweifelt! Einen seiner größten Auftritte hatte das Stück am 9. September 1956, als Elvis Presley Ready Teddy für 60 Millionen Fernsehzuschauer*innen in der Ed Sullivan Show zum Besten gab.

6. Lucille (1957)

Lucille ist nicht nur der Name von B.B. Kings Gitarre, sondern auch der Titel eines der größten Hits von Little Richard. Komponiert wurde das Stück von ihm selbst und einem Herrn namens Albert Collins, bei dem es sich allerdings nicht um den gleichnamigen Bluesgitarristen handelt. 1994 dichtete Richard den Song von Lucille in Rosita um und besang damit die gleichnamige Figur in der Sesamstraße.

7. Keep A-Knockin’ (1957)

Auch mit seiner erfolgreichen Single Keep A-Knockin’ trat Little Richard im Fernsehen auf, diesmal in der der Familien-Sitcom Full House. Inhaltlich beschäftigt sich die Nummer je nach Version mit einem Liebhaber, der vor verschlossener Tür steht — entweder, weil schon jemand anderes zu Besuch ist, oder, weil er sich daneben benommen hat. Ob es sich um einen autobiografischen Song handelt, können wir nur erahnen.

8. Good Golly, Miss Molly (1958)

Den Ausruf Good Golly, Miss Molly hörte Little Richard zum ersten Mal bei Jimmy Pennick, einem DJ aus den Südstaaten. Das Intro für den gleichnamigen Song entlieh Richard laut eigener Aussage dem Stück Rocket 88 von Ike Turner. „Ich mochte das Stück immer schon“, erzählte er mal in einem Interview. „Und ich habe das Riff oft für meine Konzerte benutzt. Als wir eine Einleitung gesucht haben, passte das einfach.“

9. Get Down With It (1967)

Diesen Song kennt ihr möglicherweise vor allem von den britischen Glam-Rockern Slade. Doch Noddy Holder und Co. entdeckten das Stück bloß, weil Little Richard es vor ihnen gecovert hatte. „Jahrelang , bis zum Ende unserer Karriere, war das der Song, mit dem wir unsere Sets vor den Zugaben beendeten“, erzählt Holder in einem aktuellen Interview mit Classic Rock. Die Vorarbeit dafür leistete Little Richard.

10. Mockingbird Sally (1972)

Bei Mockingbird Sally handelt es sich weder um das bekannteste, noch um das wichtigste Lied von Little Richard. Doch die Nummer ist vor allem eins: ein richtig guter Rock’n’Roll-Song. 1972 veröffentlicht, gehört das Stück schon zum Spätwerk des Künstlers. Begeisterung im Mainstream konnte Richard zu jener Zeit kaum noch entfachen. Doch seine Bedeutung für die Musikgeschichte kann gar nicht überschätzt werden.

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Zeitsprung: Am 14.9.1955 nimmt Little Richard „Tutti Frutti“ auf.

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Popkultur

Zeitsprung: Ab 5.12.1981 definieren Black Flag mit „Damaged“ das Hardcore-Genre.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 5.12.1981.

von Peter Hesse und Christof Leim

Am 5. Dezember 1981 lassen Black Flag mit neuem Sänger Henry Rollins ihr ungestümes Debütalbum Damaged auf die Welt los. In der Folgezeit werden die kalifornischen Krachmacher zu wichtigen Vertretern des Punk Rock, auch weil sie die Idee des DIY, des „Do-It-Yourself“, wie wenige beherzigen und umsetzen. Ihr Sound ist ebenso frisch: Hardcore nennt sich diese Variante, weil sie den Punk Rock noch aggressiver, schneller und ungestümer spielen. Die Szene steht applaudierend daneben und beklatscht die Scheibe als Meilenstein.

Hier könnt ihr euch Damaged von Black Flag anhören:

Punk ist nicht nur Punk, weil man bunte Haare hat. Der Masterplan dahinter umfasst mehr. Henry Rollins, Black-Flag-Frontmann von 1981 bis 1986, erklärt das in einer Radiosendung so: „Du bist gegen das Establishment? Gründe eine Band! Du kannst kein Instrument spielen? Schaff dir das drauf! Du hast kein Label, keinen Grafiker und niemanden, der Konzerte bucht? Auch das kannst du dir mit Fleiß und in kompletter Eigenregie draufschaffen.“

Vielseitige Inspirationen

Mit dieser Do-It-Yourself-Maxime – „Sei dein eigener ideologischer Macher!“ – fühlt sich Bandchef Greg Ginn als Gitarrist, Songwriter und Texter sehr wohl. Zunächst heißt seine Truppe noch Panic, die ersten professionellen Gehversuche als Black Flag datieren auf den Spätsommer 1978. Geprobt wird in einer Garage in Hermosa Beach, einem kleinen Kaff im Süden von Kalifornien. Privat schwört Ginn auf Black Sabbath und die Scorpions, im weiteren Verlauf der Achtziger lässt er sich von der Freejazz-Avantgarde eines Glenn Branca oder dem Jazzrock des Mahavishnu Orchestra inspirieren. 

Black Flag 1983 in London – Pic: Erica Echenberg/GettyImages.

Doch als musikalische Ziehväter gelten in der frühen Black-Flag-Phase vor allem die Stooges und die Ramones. „Wir haben nicht so viel in Genres gedacht“, erinnert sich Ginn. Mit dem ersten Sänger Keith Morris besucht er 1976 ein Konzert der Ramones in Los Angeles. „Nachdem wir sie gesehen hatten, war ich mir sicher: Wenn die das können, dann können wir das auch.“ 

Dreckig und ungestüm

Drei EPs bringen Black Flag von 1979 bis 1981 unter die Leute, Ende 1981 steht dann das Line-up für die erste vollständige Langspielplatte. Dabei sind: Greg Ginn (Leadgitarre), Dez Cadena (Rhythmusgitarre), Chuck Dukowski (Bass) und Robo (Schlagzeug), am Gesang ein Neuzugang namens Henry Rollins, heute unter anderem als Solokünstler, Autor und Spoken-Word-Held bekannt.

Diese Mannschaft nimmt mit dem ungestümen Selbstvertrauen der frühen Jugend in den Unicorn Studios am Santa Monica Boulevard in West-Hollywood das erste Album auf: Damaged. Die Stimmung in der Band ist gut in dieser Zeit; die fünf Mitglieder leben während der Arbeiten wie eine Punk-Rock-Kommune in einem anderen Teil des Studiogebäudes, wo sie auch die Songs einstudieren.

Die Lösung zur Tragödie

Als Markenzeichen des Black-Flag-Debüts erweist sich im betont brachialen Wall-Of-Sound-Klang vor allem der Gitarrenton von Greg Ginn. Seine Riffs und Soli klingen auf Stücken wie Gimmie Gimmie Gimmie oder What I See immer wie eine Mischung aus Distortion-Orgie, Autounfall und Blitzeinschlag. Dieses dreckige Grundriffing wird später im Death und Black Metal noch oft zitiert werden.

Die Texte bei Stücken wie Six Pack, Thirsty & Miserable oder TV Party drehen sich dabei um Alltagsbeschreibungen; im Song Depression singt Rollins gegen die bösen Geister in seinem Kopf an. Sein Selbstverständnis als Songschreiber beschreibt er so: „Iggy Pop sagte mal, dass Rock’n’Roll die Lösung für die menschliche Tragödie sein soll und dass Bands verzweifelt versuchen, dieses Problem zu lösen. Das habe ich auch irgendwie probiert.“ Seine Sensibilität stilisiert er mit vielen Kraftausdrücken,  – die Live-Konzerte werden zu ungestümen Brachialdarbietungen. 

Vom Untergrund in die Legendengalerie

Das Album erscheint am 5. Dezember 1981 über SST Records, das Ginn erneut in bester DIY-Manier neben Black Flag gegründet hatte. Hier erscheinen auch die ersten Lärmereien von Anti-Mainstream-Bands wie Minutemen, Hüsker Dü, Meat Puppets, Soundgarden, Sonic Youth und Dinosaur Jr. Damaged markiert damals nach ein paar Singles und EPs die erst siebte Veröffentlichung auf Label.

Anfangs beschränkt sich die Wirkung der Platte erwartungsgemäß auf die Punk-Szene und den Untergrund. Doch im Laufe der Jahre wird Damaged in der Punk-Weltgemeinde zusehends als Genreklassiker verehrt. Der Rolling Stone etwa schreibt: „Black Flag haben den L.A.-Hardcore definiert mit den brutalen Gitarren und dem angepissten Geschrei von Henry Rollins, insbesondere auf TV Party und Rise Above. Heute noch hören Punks diese Platte, und heute noch finden Eltern das fürchterlich.“ So muss es sein.

Zeitsprung: Am 30.11.2003 bekommt Joey Ramone seine eigene Straßenecke in New York.

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