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Popkultur

12 Songs, die dem Rock’n’Roll ein Denkmal setzen

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Eine Zeitlang waren Trauernde der Überzeugung, dass der Rock’n’Roll 1959 zusammen mit Buddy Holly gestorben war. Später versuchten Punk und Grunge, das Genre von innen zu zersetzen. Mittlerweile herrscht allgemeine Uneinigkeit darüber, ob Rock tot ist, gerettet werden muss oder kurz vor der Wiederauferstehung steht. Aber egal, wo man in dieser Diskussion steht: Wenn man bei diesen zwölf Songs den Lautstärkenregler voll aufdreht, sollte man deutlich spüren, dass Rockmusik sehr lebendig ist.

von Oliver Mathis

12. Bill Haley And His Comets: (We’re Gonna) Rock Around The Clock (1954)

Die erste No. 1- Single in der Geschichte der Billboard Hot 100-Charts hat dem Rock’n’Roll nicht nur ein Denkmal gesetzt, sondern ihn auch in der Welt bekannt gemacht. Der Begriff stammt schon aus dem Jahr 1947, aber vor (We’re Gonna) Rock Around The Clock hatte kein anderer Song ein auch nur annähernd großes und breitgefächertes Publikum erreicht. Bevor sie den von Max Freedman und Jimmy DeKnight geschriebenen Song aufnahmen, waren Bill Haley und seine Bandkollegen bei hunderten von Highschool-Bällen aufgetreten und hatten mit den jeweiligen Lieblingssong der amerikanischen Teenager*innen auf den örtlichen Tanzflächen für Stimmung gesorgt. Und was die Jugend wollte, war der Rhythm’n’Blues der Afroamerikaner*innen. Aber wenn sie diese Musik nicht in den Schulaulas New Jerseys spielen durften, dann tat es auch ihr neues Lieblingsgenre. Aus kommerzieller Sicht war (We’re Gonna) Rock Around The Clock zunächst ein Schuss in den Ofen, aber als der Song für die Eröffnungssequenz des erfolgreichen MGM-Kinofilms Blackboard Jungle (über jugendliche Straftäter, natürlich) ausgewählt wurde, war er definitiv auf dem Weg zu einem unsterblichen Klassiker.


11. The Killers: Glamorous Indie Rock And Roll (2004)

Dieser Song erschien nach dem kommerziellen Höhepunkt der Rockmusik und war auch nur eine B-Seite. The Killers waren eine der größten Rockbands, die aus den vom Rap dominierten Nullerjahren hervorging, was nicht heißen soll, dass Brandon Flowers und der Rest der Band nicht furchtbar unverschämt sein konnten. Auf diesem Hot Fuss-Bonustrack (erst 2007 erschien er offiziell auf ihrer Raritäten-Compilation Sawdust), spottet Flowers über Kritiker, die meinten, die Band strebte hauptsächlich nach Indierock-Credibility und nicht nach dem internationalem Ruhm, den sie bald erreichen sollten. Die Riffs donnern, die Hooks sind hymnisch, aber Zeilen wie “Two of us flipping through a thrift store magazine” sprühen vor Sarkasmus. Gott sei Dank.


10. Billy Joel: It’s Still Rock And Roll To Me (1980)

Anfang der 1980er wurde der Pianoman nostalgisch. Er nahm den “Hot Funk” und “Cool Punk” der New Wave-Ära, zuckte dann mit den Schultern und rotzte diesen Titel aus, der aus dem Classic Rock Radio kaum noch wegzudenken ist. Billy Joel waren Vieles – berühmter Songwriter, kommerzielles Kraftzentrum –, aber er war nie wirklich cool. Auf dieser Ode an den Doo-Wop und den R&B, mit dem er aufgewachsen war, akzeptiert Joel seine eigene Schwerfälligkeit – wie die Rocklegende, die er nun mal ist.


9. Chuck Berry: Johnny B Goode (1958)

Chuck Berrys bekanntester Song hat dem Rock’n’Roll ein Denkmal gesetzt, das ist klar, aber er zeigte auch, was Rockmusik erreichen kann, wenn man sie richtig gut spielt: Sie kann einem das Konto füllen. Chuck konnte Riffs wie kein anderer und da er – nicht nur dank seines “Entengangs” – auch eine ordentliche Bühnenshow vorweisen konnte, war er auch immer der Erste, der allen erzählte, dass der Rock’n’Roll ihn reich machen würde. Johnny ist ein armer, Fast-Analphabet vom Land, der neben den Eisenbahnschienen Gitarre spielt und technisch so gut ist, dass er keine Rhythmusgrupe braucht – sein Timing orientiert er nur am Stampfen der Züge. Die Worte seiner Mutter bringen Berrys amerikanischen Traum auf den Punkt: “Someday you will be a man and you will be the leader of a big old band”.


8. Don McLean: American Pie (1971)

Es gibt einen Grund, warum dieser obskure, 8-minütige Folkrock-Song seit 50 Jahren untersucht wird wie ein Rosettastein der Babyboomer-Folklore: Don McLean hatte den Blickwinkel eines Barden auf das, was Amerikas liebstes Musikgenre zwischen Woodstock und Buddy Hollys Tod durchgemacht hatte. Aber der Song ist nicht unbedingt ein Liebesbrief an die 60er. Er handelt Attentate und den Vietnamkrieg ab, danach den Tod von Janis Joplin und die Trennung der Beatles, und kann sich der unangenehmen Erkenntnis nicht entziehen, dass seit dem 3. Februar 1959 nichts mehr ist, wie es war.


7. Elton John: Crocodile Rock (1972)

Crocodile Rock katapultierte das Publikum zurück in die Zeit, als sie zu Beatles-Songs aus der Jukebox tanzten. Mit einem elektrisierenden Riff auf der Farfisa-Orgel und dem seltsamen Falsett-Gesang wies ihnen Elton den Weg. Er nahm den Track selbst nie besonders ernst, aber er schaffte etwas, was ihm mit den Vorgänger-Singles Rocket Man und Tiny Dancer nicht gelungen war – er erreichte Platz 1 der Billboard Hot 100 Charts. Es war Elton Johns erste Nummer 1 in den USA und auch in Großbritannien. Und seine Darstellung des Flugzeugabsturzes von 1959 und der British Invasion (“The years went by and the rock just died/Suzie went and left us for some foreign guy”) ist eine ebenso gute Geschichtsstunde wie American Pie -, aber mit einer besseren Hook und in ungefähr der Hälfte der Zeit.


6. Grand Funk Railroad: We’re An American Band (1973)

Bevor sie ihren bekanntesten Song aufnehmen konnten, waren Grand Funk Railroad aus Flint, Michigan, in einen Rechtsstreit mit ihrem gerade gefeuerten Manager verstrickt. Sie hatten bereits sechs Alben veröffentlicht und es dabei nicht einmal in die Top 20 der Billboard Hot 100 geschafft. Aber ihr donnernder No. 1-Hit We’re An American Band machte den Ruf der Band und den ihrer Heimat schnell unsterblich. Inhaltlich sind die Strophen von Drummer Don Brewer fast auf dem Level von Almost Famous: Party machen mit Groupies in Omaha, Poker spielen mit einer Blueslegende aus Texas, und Gitarrist Mark Farmer jault von rechts nach links durch den legendären Refrain.


5. KISS: Detroit Rock City (1976)

“Flint Rock City”? “Detroit” klingt einfach besser. KISS wurden mit einem Livealbum, dem 1975 erschienenen Alive! zu Stars und die Rock’n’Roll-Harlekins schoben direkt diese Studiosingle nach, die die ganze Energie und das Feuer ihrer Konzerte transportierte. Sie ist eine ungezähmte, lebensmüde Doppelgitarren-Attacke, die die nächsten zehn Jahre Heavy Metal-Giganten eine Quelle der Inspiration sein sollte. Und eine Generation später wurde Detroit Rock City mit der gleichnamigen nostalgischen Komödie noch einmal verewigt.


4. Queen: We Will Rock You (1977)

Boom-boom, klatsch. Boom-boom, klatsch. Gitarrist Brian May schrieb We Will Rock You, um bei ihren Konzerten richtig laute Fangesänge anheizen zu können. Das Ergebnis ist ein zweiminütiger Torpedo, der seitdem Queen-Fans, Fußballfans, Basketballfans, Cheerleader*innen, Wettkampfzuschauer*innen, Zehnkampf-Zuschauer*innen … usw. Feuer unterm Hintern macht. Der Song ist ein akustischer Serotoninrausch: das Stampfen, der Gesang, das Gitarrensolo am Ende – und die Tatsache, dass man ihn oft direkt nach seiner A-Seite We Are the Champions hört, die eine ganz ähnliche Wirkung entfaltet.


3. Bob Seger: Old Time Rock And Roll (1979)

Ende der 70er war Disco riesig und machte auch keine Anstalten, wieder zu verschwinden. Aber dieser angegraute Rocker war nicht so glücklich. Und doch, anders als die meisten Vertreter der “Disco ist doof”-Fraktion, konnte man bei ihm immer noch mit dem Fuß wippen. “You’ll never even get me out on the floor”, faucht Seger in seinem Liebesbrief an die Blütezeit der Jukebox, begleitet von einem bluesigen Pianorock-Ausflug der Silver Bullet Band, der trotz allem… groovt.


2. Oasis: Rock’n’Roll Star (1994)

Der erste Track auf dem ersten Oasis-Album war der perfekte Einstieg für eine Band, die nichts dringender wollte als, die nächsten Beatles zu sein. Die kompletten fünf Minuten von Rock’n’Roll Star nehmen Oasis nicht einmal den Fuß vom Gaspedal und preschen weiter vorwärts mit mitreißenden Britpop-Riffs und einer unwiderstehlichen Ansage: vergiss Dein langweiliges Leben, fahr in die Stadt, mach Rockmusik, koste alles aus. Was für die Gallagher-Brüder folgte, sollte niemanden überraschen: der Ruhm, die Streitereien, der Excess.


1. Joan Jett And The Blackhearts: I Love Rock’n’Roll (1982)

Eine 70er-Jahre-Band namens The Arrows schrieb den Song, konnte ihn aber nicht zu einem Hit machen. Ein paar Jahre später verliebte sich Joan Jett in den Song, aber ihre Band, The Runaways, wollte ihn nicht covern. Doch die Wartezeit zahlte sich aus. Zusammen mit den Blackhearts nahm Jett eine selbstbewusste Coverversion von I Love Rock’n’Roll auf und brachte den Song damit an die Spitze der Billboard Hot 100, ohne dabei ihre rauhe Seite eingebüßt zu haben. Ein Hoch auf alle, die das Classic Rock-Publikum erfolgreich auf die Tanzfläche lockten, ohne dabei ihre Punk-Credibility aufzugeben.


Folgt der Rock Classics-Playlist für noch mehr zeitlose Rockhymnen:

Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 30.6.1975 treten Cher und Gregg Allman vor den Traualtar.

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Foto: Frank Edwards/Fotos International/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 30.6.1975.

von Sina Buchwitz und Christof Leim

Vom Traualtar zum Scheidungsanwalt und zurück: Am 30. Juni 1975 heiratet Cherilyn „Cher“ Sarkisian ihren zweiten Ehemann Gregory LeNoir Allman, vier Tage nach Chers offizieller Scheidung von Sonny Bono. Für Gregg ist es bereits die dritte Vermählung. Doch das junge Glück währt nur kurz; neun Tage später will Cher die Ehe auflösen lassen. Letztlich gehen aus der turbulenten Verbindung doch noch ein Kind und ein Album hervor, bevor sie 1979 tatsächlich endet. 

Hört hier das gemeinsame Album Two The Hard Way: 

Als Cher und Gregg Allman im Januar 1975 zum ersten Mal aufeinandertreffen, stehen die Sterne eigentlich schon schlecht für die beiden: Cher befindet sich mitten in der Scheidungsschlacht mit ihrem ersten Ehemann Sonny Bono und kämpft im Zuge dessen auch um das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Chastity. In Greggs Leben läuft es derweil nicht weniger chaotisch. Sein Alkohol- und Drogenkonsum nimmt Ausmaße an, der nicht nur die Allman Brothers Band zu zerreißen droht, sondern auch für Ermittlungen der Drogenvollzugsbehörde sorgt. 

Blitzbegegnung

Dennoch schlägt die Begegnung zwischen den beiden ein wie ein Blitz: „Sie roch so, wie ich mir den Geruch einer Meerjungfrau vorstelle“, erinnert sich Allman an das erste Treffen bei einem seiner Konzerte. Dass seine Auserwählte zu dem Zeitpunkt eigentlich ein Date mit Musikmagnat David Geffen verbringt, beeindruckt ihn wenig: „Ich war so unhöflich, ich sagte David nicht einmal ‚Hallo‘, weil ich so geblendet von ihr war.“ Cher gibt Gregg ihre Telefonnummer. Bis zum ersten Anruf vergehen keine 24 Stunden.

Bereits die erste Verabredung endet dank Allman im Desaster: Als Abschluss des Abends liegt er, berauscht vom Heroin, bewusstlos in der Ecke. Cher ignoriert die Warnzeichen jedoch und lässt sich auf eine zweite Verabredung ein. Dieses Mal läuft es besser. In einer Disco trinkt Gregg sich genug Mut an, um mit seiner Angebeteten zu tanzen. Im Anschluss geht es zu Cher nach Hause, wo die beiden sich im Rosengarten näherkommen. 

Eine Ehe wie eine Achterbahn

Ab da passiert alles im Eiltempo. Rund sechs Monate nach dem ersten Treffen, am 30. Juni 1975, heiraten die beiden in Las Vegas. Fans und Presse sind außer sich: Zum einen, weil die Tinte auf Chers und Sonnys Scheidungspapieren noch nicht trocken ist, zum anderen, weil die Popsängerin und der Southern-Rock-Pionier ein derart ungleiches Paar abgeben. Das scheint auch ihr bald zu dämmern – nur neun Tage nach der Eheschließung ruft sie ihren Gatten an, um ihm zu sagen, dass es vorbei ist. Doch der? Ist „so high, dass er mich noch nicht mal versteht“, erinnert sich die Pop-Diva. 

Innerhalb eines Monats gelingt es Allman, seine Frau zurückzugewinnen. Doch die Achterbahnfahrt der Gefühle geht weiter, als im Jahr darauf die Sonny And Cher Show, die erste TV-Sendung mit einem geschiedenen Ehepaar, wieder über die Bildschirme flimmert. Dieses Mal ist es Gregg, der die Scheidung einreicht und sie wieder zurückzieht, als er herausfindet, dass seine Frau schwanger ist. 

Noch eine Chance

Der gemeinsame Sohn Elijah Blue wird am 10. Juli 1976 geboren und scheint das Paar miteinander zu versöhnen. Dem Magazin People gegenüber verrät Cher: „Gregory hat aufgehört zu trinken und Drogen zu nehmen. Ich habe ihn schon immer geliebt, aber bisher dachte ich, es würde nicht halten. Zum ersten Mal fühlen wir uns wirklich wie verheiratete Leute.“ 

Allmans Solokarriere nimmt derweil wieder Fahrt auf. Das gemeinsame Album Two The Hard Way, welches im November 1977 erscheint, soll ihre Liebe unterstreichen. Bei Fans und Kritikern wird die Platte jedoch eher belächelt; zu unterschiedlich scheinen die beiden Musiker zu sein. 

Es hilft nichts

Nur zwei Monate nach der Veröffentlichung lassen sich Cher und Gregg zum letzten Mal scheiden. Und dieses Mal zählt’s. Während die dunkelhaarige Schöne sich unter anderem mit Kiss-Gründer Gene Simmons tröstet, zieht es Allman noch im selben Jahr wieder vor den Traualtar. 1979 veröffentlicht Cher mit My Song (Too Far Gone) einen Titel für ihren Verflossenen: 

Now he’s too far gone to hold me, 

Too far gone, he doesn’t wanna know me

Too far gone, and he doesn’t really know 

No, he’ll never get to know his son

Trotzdem spricht sie auch sehr positiv von der gemeinsamen Zeit: „Niemand hat mich jemals so glücklich gemacht wie Gregory“, sagt Cher in einem Interview. Als Gregg Allman 2017 stirbt, zollt die Sängerin ihrem Exmann Tribut. 

Zeitsprung: Am 1.5.1967 heiraten Elvis Presley und Priscilla Ann Beaulieu.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 29.6.1980 singt Brian Johnson seine erste Show mit AC/DC.

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Foto: Paul Natkin/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 29.6.1980."

von Christof Leim

Kein einfacher Job: Nur vier Monate nach dem Tod von Bon Scott steht Brian Johnson am 29. Juni 1980 im belgischen Namur zum ersten Mal mit AC/DC auf der Bühne, im Gepäck das noch unveröffentlichte Back In Black. Doch die Tickets gehen weg wie nix Gutes. Und unser Mann ist so nervös, dass er zu zwei Songs den gleichen Text singt…

Hier gibt es das unerreichte Back In Black zu hören:

Wie schnell das bei AC/DC geht damals. Statt zu trauern, muss der Rock weiter rollen: Am 19. Februar 1980 stirbt ihr unvergleichlicher Sänger Bon Scott (alles dazu hier), am 1. April 1980 stellen sie bereits Brian Johnson als den neuen Mann am Mikro vor. Kurz danach nimmt die Band bereits auf den Bahamas Back In Black auf, Ende Mai ist das Ding im Kasten (und wird im Laufe der Jahre völlig zu Recht zum je nach Zählung zweiterfolgreichsten Album aller Zeiten).

Es zählt auf dem Platz

Doch Rock’n’Roll-Geschichte wird vor allem auf der Bühne geschrieben. Deshalb buchen AC/DC vier Wochen vor Veröffentlichung der Platte ein halbes Dutzend kleine Shows in Benelux zum Aufwärmen. Das Line-up: Brian Johnson (Gesang), Angus Young (Gitarre), Malcolm Young (Gitarre), Cliff Williams (Bass), Phil Rudd (Schlagzeug). Der Start wird für den 29. Juni 1980 in der belgischen Kleinstadt Namur geplant. Eine riesige Sache soll das nicht werden, heißt es (wie mit Sabbath mit Dio in Ostfriesland), doch die Tickets für diesen Sonntagabend gehen weg wie nichts Gutes, weswegen die Show in größere Hallen verlegt wird und im großen Palais Des Expositions landet. Um 20 Uhr soll es losgehen, doch die Verantwortlichen bitten mehrmals um Aufschub, weil sie die Räumlichkeiten noch erweitern wollen, denn es seien mehr Leute gekommen als erwartet.

Vollgas: AC/DC unterwegs in Europa 1980 mit ihrem neuen Sänger – Foto: Michael Putland/Getty Images

Und Brian Johnson ist nervös. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich arbeitete der 32-Jährige vier Monate vorher noch in einer Autowerkstatt in Newcastle und hatte mit seiner Musikkarriere (als Sänger von Geordie) bereits abgeschlossen. „Überall hielten die Leute Banner hoch, auf denen stand: ‚Rest in peace, Bon‘!“, erinnert er sich in einem Interview. „Ich habe mich echt gefragt, worauf ich mich da eingelassen hatte. Das konnte doch nicht gut gehen! Aber in der Mitte war ein riesiges Plakat zu sehen mit ‚Alles Gute, Brian!‘ Und mehr brauchte ich nicht – Abfahrt!“

Die Nerven

Trotzdem ist Brian so angespannt, dass er sogar den gleichen Text für zwei Songs singt, also (mindestens) einmal falsch. Im gleichen Interview erinnert er sich an Bad Boy Boogie: „Ich konnte gar nichts hören. Das Publikum hat bestimmt gedacht, ich sei sehr ‚Avantgarde’. Malcolm hat mich nur angesehen und gefragt: ‚Was zum Teufel war das?‘“

 

Auf dem Plan stehen gleich sieben Stücke von Back In Black, mehr als von jedem anderen AC/DC-Album bis dato. Diese Show markiert laut setlist.fm den Konzerteinstand von Hells Bells (als Opener), Back In Black, What Do You Do For Money Honey, Rock And Roll Ain’t Noise Pollution, und Shoot To Thrill. Sogar das selten gespielte Given The Dog A Bone steht auf dem Plan und Shake A Leg als erste Zugabe (laut mancher Quellen zum ersten und einzigen Mal auf einer AC/DC-Setlist). Das immergrüne You Shook Me All Night Long fehlt hingegen noch für ein paar Wochen, wie auch die sehr detaillierte Seite highwaytoacdc.com aufführt. (In besagtem Interview erwähnt Brian die Nummer zwar beiläufig, aber das verbuchen wir nach Tausenden von Einsätzen des Stücks mal als Verwechslung.)

Magische Musikgeschichte

Das Problem mit den neuen Liedern: Die Leute kennen sie noch nicht – und reagieren verhaltener. „Oh Scheiße!“, denkt sich der Sänger, „Sie mögen das Zeug ja gar nicht. Der Abend war schon traumatisch“. Aber doch irgendwie geil: Jahre später nennt Brian die Show gegenüber Ultimate Classic Rock „magisch“. Das glauben wir gerne. Wir wären am liebsten dabei gewesen. Und der Rest ist Geschichte…

Nachtrag: Der Song Bedlam In Belgium von Flick Of The Switch (1983) handelt übrigens nicht von diesem 29. Juni 1980, sondern von einer früheren Show der Band, bei der sie die Bühne pünktlich verlassen sollte, aber nicht wollte – was die Polizei auf den Plan rief.

Zeitsprung: Am 19.2.1980 stirbt der große Bon Scott von AC/DC.

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Popkultur

„Pictures At Eleven“ wird 40: Robert Plants Neuanfang mit Phil Collins

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Robert Plant
Titelfoto: Fin Costello/Getty Images

Um ein Haar wäre Robert Plant nach dem Ende von Led Zeppelin Lehrer an einer Waldorfschule geworden. Dann entscheidet er sich doch für die Musik, hört auf Phil Collins und veröffentlicht vor 40 Jahren sein Solodebüt Pictures At Eleven.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Pictures At Eleven anhören:

Der tragische Tod von Jon Bonham am 25. September 1980 besiegelt auch das Ende von Led Zeppelin. Die geplante USA-Tournee wird abgesagt, statt ihren Schlagzeuger zu ersetzen, geben Robert Plant, Jimmy Page und John Paul Jones ihre Auflösung bekannt. Am 4. Dezember 1980 tragen sie die größte und wichtigste Rockband der Siebziger mit einem Statement zu Grabe, das nur mit Led Zeppelin unterzeichnet wird: „Wir möchten verkünden, dass der Verlust unseres engen Freundes und die tiefe Harmonie zwischen und uns unserem Manager dazu geführt haben, dass wir nicht so weitermachen können wir bisher“, heißt es in dem offiziellen Schreiben.

Rudolf Steiner statt Rock‘n‘Roll

Led Zeppelin lösen sich auf, und für einige Zeit sieht es so aus, als würde Robert Plant die Musik an den Nagel hängen. Die zwölf Jahre als Frontmann von Led Zeppelin haben ihn reich und berühmt gemacht, aber natürlich auch ordentlich an seine Grenzen gebracht. Niemand feierte auf Tourneen zuvor derartige Exzesse wie Led Zeppelin. Plant will Lehrer werden und folgt der Rudolf-Steiner-Philosophie – hierzulande besonders durch die Waldorfschulen bekannt. Und irgendwie passt dieser holistische Ansatz doch auch zu diesem Sänger und Texter, der sich immer schon an den Mysterien der Welt abgearbeitet hat, aber auch ein gutes Fantasy-Buch wie Tolkiens Der Herr der Ringe oder walisische Mythologie zu schätzen wusste.

Er wird sogar zur Ausbildung zugelassen, überlegt es sich dann aber doch noch mal anders. Und legt 1982 den Grundstein für eine Solokarriere, die zwar bei Weitem nicht mit den exorbitanten Erfolgen von Led Zeppelin mithalten kann; dafür beflügelt ihn die neugefundene Freiheit, endlich einmal nicht nur auf seinen Brustkorb, seine Haare und seinen Banshee-Gesang reduziert zu werden. Und dafür müssen wir einem gewissen Phil Collins danken. Der ist im Jahr zuvor ebenfalls erstmals als Solokünstler in Erscheinung getreten und hat mit Face Value ordentlich vorgelegt. Jetzt ermutigt er die Hard-Rock-Sirene, es mal als Solitär zu versuchen und stellt ihm gleich noch seine Dienste als Drummer in Aussicht.

„Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst.“

Robert Plant erinnert sich viele Jahre später daran: „Eines Tages kontaktierte mich ein Schlagzeuger und sagte: ‚Ich liebe Bonham so sehr, dass ich hinter dir sitzen will, wenn du singst. Es war Phil Collins. Seien Karriere nahm gerade richtig Fahrt auf und er war total beseelt und positiv und wusste mich zu ermutigen. Niemand konnte sich ausmalen, wie schwierig es damals für mich war, nach allem, was passierte, einen anderen Weg einzuschlagen.“

Das Problem ist ja aber nicht nur ein fehlender Schlagzeuger, sondern auch ein fehlender Komponist. Das war bislang natürlich immer eher Jimmy Pages reich gewesen. Es bringt aber natürlich Vorteile mit sich, der Rockgott der Siebziger schlechthin gewesen zu sein: Robert Plants Adressbuch ist voller spannender Menschen mit einem gerüttelt Maß an Talent und großem Interesse, am ersten Alleingang des Sängers mitzuwirken. Mit dem Gitarristen Robbie Blunt findet er nicht nur ein Bandmitglied, sondern auch einen begabten Komponisten, der sich darauf versteht, gemeinsam mit Plant ein Album zu schreiben, das gleichzeitig nah am Led-Zep-Sound ist und zugleich neue Aromen einbaut.

Befreiungsschlag

Was ab September 1981 in den Rockfield Studios in Wales entsteht, ist ein hervorragendes Hard-Rock-Album mit elektronischen Anleihen, angetrieben von den Schlagzeugern Phil Collins und Cozy Powell und ausgerichtet an Plants mächtigen Schreien. Vielleicht enthält es kein Stairway To Heaven oder kein Kashmir; dafür bietet es einige Songs, die man sich in einem anderen Band-Setup auch auf einem Album von Led Zeppelin vorstellen könnte. Gewollt war das nicht, so Page: „Ich habe viel Schmerzen und Mühen auf mich genommen, meinen eigenen Sound zu kreieren“, sagte er mal. „Irgendwann mitten in den Aufnahmen fragte ich einend er Tontechniker, der auch mit Zeppelin auf Tour war: ‚Ist es zu nah dran? Denn wenn es zu nah ist, hören wir auf!‘ Und er sagte: ‚Aber nein, die Stimmung ist eine völlig andere.‘“ Die Stimmung vielleicht schon. Dennoch sind Slow Dancer und Burning Down On One Side 1982 willkommene Refugien für die immer noch geschockten Zeppelin-Fans.

Sicher spielen Collins und Powell anders als Bonham, sicher hat Robbie Blunts expressiver Stil nichts von Jimmy Page. Doch die Melodien, die epische Breite, die orientalische Verspieltheit und der massive, harte Sound, all das findet sich auch auf Pictures At Eleven. Letzten Endes kann man sich eben immer nur so weit von seinen Schatten lösen wie man es selbst fertig bringt. Für Plant wird das Album zum Befreiungsschlag. Er singt, er komponiert, er produziert – und legt den Grundstein für eine Solokarriere, die auch noch 40 Jahre später blüht.

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Zeitsprung: Am 28.6.2010 verklagt der Folk-Musiker Jake Holmes Led Zeppelin.

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