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Popkultur

12 Songs, die dem Rock’n’Roll ein Denkmal setzen

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Eine Zeitlang waren Trauernde der Überzeugung, dass der Rock’n’Roll 1959 zusammen mit Buddy Holly gestorben war. Später versuchten Punk und Grunge, das Genre von innen zu zersetzen. Mittlerweile herrscht allgemeine Uneinigkeit darüber, ob Rock tot ist, gerettet werden muss oder kurz vor der Wiederauferstehung steht. Aber egal, wo man in dieser Diskussion steht: Wenn man bei diesen zwölf Songs den Lautstärkenregler voll aufdreht, sollte man deutlich spüren, dass Rockmusik sehr lebendig ist.

von Oliver Mathis

12. Bill Haley And His Comets: (We’re Gonna) Rock Around The Clock (1954)

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Die erste No. 1- Single in der Geschichte der Billboard Hot 100-Charts hat dem Rock’n’Roll nicht nur ein Denkmal gesetzt, sondern ihn auch in der Welt bekannt gemacht. Der Begriff stammt schon aus dem Jahr 1947, aber vor (We’re Gonna) Rock Around The Clock hatte kein anderer Song ein auch nur annähernd großes und breitgefächertes Publikum erreicht. Bevor sie den von Max Freedman und Jimmy DeKnight geschriebenen Song aufnahmen, waren Bill Haley und seine Bandkollegen bei hunderten von Highschool-Bällen aufgetreten und hatten mit den jeweiligen Lieblingssong der amerikanischen Teenager*innen auf den örtlichen Tanzflächen für Stimmung gesorgt. Und was die Jugend wollte, war der Rhythm’n’Blues der Afroamerikaner*innen. Aber wenn sie diese Musik nicht in den Schulaulas New Jerseys spielen durften, dann tat es auch ihr neues Lieblingsgenre. Aus kommerzieller Sicht war (We’re Gonna) Rock Around The Clock zunächst ein Schuss in den Ofen, aber als der Song für die Eröffnungssequenz des erfolgreichen MGM-Kinofilms Blackboard Jungle (über jugendliche Straftäter, natürlich) ausgewählt wurde, war er definitiv auf dem Weg zu einem unsterblichen Klassiker.


11. The Killers: Glamorous Indie Rock And Roll (2004)

Dieser Song erschien nach dem kommerziellen Höhepunkt der Rockmusik und war auch nur eine B-Seite. The Killers waren eine der größten Rockbands, die aus den vom Rap dominierten Nullerjahren hervorging, was nicht heißen soll, dass Brandon Flowers und der Rest der Band nicht furchtbar unverschämt sein konnten. Auf diesem Hot Fuss-Bonustrack (erst 2007 erschien er offiziell auf ihrer Raritäten-Compilation Sawdust), spottet Flowers über Kritiker, die meinten, die Band strebte hauptsächlich nach Indierock-Credibility und nicht nach dem internationalem Ruhm, den sie bald erreichen sollten. Die Riffs donnern, die Hooks sind hymnisch, aber Zeilen wie “Two of us flipping through a thrift store magazine” sprühen vor Sarkasmus. Gott sei Dank.


10. Billy Joel: It’s Still Rock And Roll To Me (1980)

Anfang der 1980er wurde der Pianoman nostalgisch. Er nahm den “Hot Funk” und “Cool Punk” der New Wave-Ära, zuckte dann mit den Schultern und rotzte diesen Titel aus, der aus dem Classic Rock Radio kaum noch wegzudenken ist. Billy Joel waren Vieles – berühmter Songwriter, kommerzielles Kraftzentrum –, aber er war nie wirklich cool. Auf dieser Ode an den Doo-Wop und den R&B, mit dem er aufgewachsen war, akzeptiert Joel seine eigene Schwerfälligkeit – wie die Rocklegende, die er nun mal ist.


9. Chuck Berry: Johnny B Goode (1958)

Chuck Berrys bekanntester Song hat dem Rock’n’Roll ein Denkmal gesetzt, das ist klar, aber er zeigte auch, was Rockmusik erreichen kann, wenn man sie richtig gut spielt: Sie kann einem das Konto füllen. Chuck konnte Riffs wie kein anderer und da er – nicht nur dank seines “Entengangs” – auch eine ordentliche Bühnenshow vorweisen konnte, war er auch immer der Erste, der allen erzählte, dass der Rock’n’Roll ihn reich machen würde. Johnny ist ein armer, Fast-Analphabet vom Land, der neben den Eisenbahnschienen Gitarre spielt und technisch so gut ist, dass er keine Rhythmusgrupe braucht – sein Timing orientiert er nur am Stampfen der Züge. Die Worte seiner Mutter bringen Berrys amerikanischen Traum auf den Punkt: “Someday you will be a man and you will be the leader of a big old band”.


8. Don McLean: American Pie (1971)

Es gibt einen Grund, warum dieser obskure, 8-minütige Folkrock-Song seit 50 Jahren untersucht wird wie ein Rosettastein der Babyboomer-Folklore: Don McLean hatte den Blickwinkel eines Barden auf das, was Amerikas liebstes Musikgenre zwischen Woodstock und Buddy Hollys Tod durchgemacht hatte. Aber der Song ist nicht unbedingt ein Liebesbrief an die 60er. Er handelt Attentate und den Vietnamkrieg ab, danach den Tod von Janis Joplin und die Trennung der Beatles, und kann sich der unangenehmen Erkenntnis nicht entziehen, dass seit dem 3. Februar 1959 nichts mehr ist, wie es war.


7. Elton John: Crocodile Rock (1972)

Crocodile Rock katapultierte das Publikum zurück in die Zeit, als sie zu Beatles-Songs aus der Jukebox tanzten. Mit einem elektrisierenden Riff auf der Farfisa-Orgel und dem seltsamen Falsett-Gesang wies ihnen Elton den Weg. Er nahm den Track selbst nie besonders ernst, aber er schaffte etwas, was ihm mit den Vorgänger-Singles Rocket Man und Tiny Dancer nicht gelungen war – er erreichte Platz 1 der Billboard Hot 100 Charts. Es war Elton Johns erste Nummer 1 in den USA und auch in Großbritannien. Und seine Darstellung des Flugzeugabsturzes von 1959 und der British Invasion (“The years went by and the rock just died/Suzie went and left us for some foreign guy”) ist eine ebenso gute Geschichtsstunde wie American Pie -, aber mit einer besseren Hook und in ungefähr der Hälfte der Zeit.


6. Grand Funk Railroad: We’re An American Band (1973)

Bevor sie ihren bekanntesten Song aufnehmen konnten, waren Grand Funk Railroad aus Flint, Michigan, in einen Rechtsstreit mit ihrem gerade gefeuerten Manager verstrickt. Sie hatten bereits sechs Alben veröffentlicht und es dabei nicht einmal in die Top 20 der Billboard Hot 100 geschafft. Aber ihr donnernder No. 1-Hit We’re An American Band machte den Ruf der Band und den ihrer Heimat schnell unsterblich. Inhaltlich sind die Strophen von Drummer Don Brewer fast auf dem Level von Almost Famous: Party machen mit Groupies in Omaha, Poker spielen mit einer Blueslegende aus Texas, und Gitarrist Mark Farmer jault von rechts nach links durch den legendären Refrain.


5. KISS: Detroit Rock City (1976)

“Flint Rock City”? “Detroit” klingt einfach besser. KISS wurden mit einem Livealbum, dem 1975 erschienenen Alive! zu Stars und die Rock’n’Roll-Harlekins schoben direkt diese Studiosingle nach, die die ganze Energie und das Feuer ihrer Konzerte transportierte. Sie ist eine ungezähmte, lebensmüde Doppelgitarren-Attacke, die die nächsten zehn Jahre Heavy Metal-Giganten eine Quelle der Inspiration sein sollte. Und eine Generation später wurde Detroit Rock City mit der gleichnamigen nostalgischen Komödie noch einmal verewigt.


4. Queen: We Will Rock You (1977)

Boom-boom, klatsch. Boom-boom, klatsch. Gitarrist Brian May schrieb We Will Rock You, um bei ihren Konzerten richtig laute Fangesänge anheizen zu können. Das Ergebnis ist ein zweiminütiger Torpedo, der seitdem Queen-Fans, Fußballfans, Basketballfans, Cheerleader*innen, Wettkampfzuschauer*innen, Zehnkampf-Zuschauer*innen … usw. Feuer unterm Hintern macht. Der Song ist ein akustischer Serotoninrausch: das Stampfen, der Gesang, das Gitarrensolo am Ende – und die Tatsache, dass man ihn oft direkt nach seiner A-Seite We Are the Champions hört, die eine ganz ähnliche Wirkung entfaltet.


3. Bob Seger: Old Time Rock And Roll (1979)

Ende der 70er war Disco riesig und machte auch keine Anstalten, wieder zu verschwinden. Aber dieser angegraute Rocker war nicht so glücklich. Und doch, anders als die meisten Vertreter der “Disco ist doof”-Fraktion, konnte man bei ihm immer noch mit dem Fuß wippen. “You’ll never even get me out on the floor”, faucht Seger in seinem Liebesbrief an die Blütezeit der Jukebox, begleitet von einem bluesigen Pianorock-Ausflug der Silver Bullet Band, der trotz allem… groovt.


2. Oasis: Rock’n’Roll Star (1994)

Der erste Track auf dem ersten Oasis-Album war der perfekte Einstieg für eine Band, die nichts dringender wollte als, die nächsten Beatles zu sein. Die kompletten fünf Minuten von Rock’n’Roll Star nehmen Oasis nicht einmal den Fuß vom Gaspedal und preschen weiter vorwärts mit mitreißenden Britpop-Riffs und einer unwiderstehlichen Ansage: vergiss Dein langweiliges Leben, fahr in die Stadt, mach Rockmusik, koste alles aus. Was für die Gallagher-Brüder folgte, sollte niemanden überraschen: der Ruhm, die Streitereien, der Excess.


1. Joan Jett And The Blackhearts: I Love Rock’n’Roll (1982)

Eine 70er-Jahre-Band namens The Arrows schrieb den Song, konnte ihn aber nicht zu einem Hit machen. Ein paar Jahre später verliebte sich Joan Jett in den Song, aber ihre Band, The Runaways, wollte ihn nicht covern. Doch die Wartezeit zahlte sich aus. Zusammen mit den Blackhearts nahm Jett eine selbstbewusste Coverversion von I Love Rock’n’Roll auf und brachte den Song damit an die Spitze der Billboard Hot 100, ohne dabei ihre rauhe Seite eingebüßt zu haben. Ein Hoch auf alle, die das Classic Rock-Publikum erfolgreich auf die Tanzfläche lockten, ohne dabei ihre Punk-Credibility aufzugeben.


Folgt der Rock Classics-Playlist für noch mehr zeitlose Rockhymnen:

Für die ganze Playlist klickt auf „Listen“.


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Popkultur

Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.1.1974.

von Christof Leim

Im Januar 1974 spielen Fleetwood Mac Konzerte in den USA. Das wäre eigentlich ein Grund zur Freude für Classic Rock-Fans, doch leider steht da niemand auf der Bühne, der auf den aktuellen Platten oder den letzten Touren gespielt hat. Anders formuliert: Nur der Name Fleetwood Mac geht auf Tour, die Band blöderweise nicht. Das finden Besucher und Veranstalter natürlich befremdlich, zumal sie das oft erst am Showtag erfahren. Was ist da passiert und wer steckt hinter den „Fakewood Mac“?

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Hört hier in die damals aktuelle Platte Mystery To Me rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Wer sich Anfang 1974 ein Konzertticket für Fleetwood Mac kauft, der erwartet auf der Bühne die Musiker der gerade neuen Platte Mystery To Me: Schlagzeuger Mick Fleetwood und Bassist John McVie zum Beispiel, dazu Sängerin Christine McVie und die Gitarristen Bob Welch und Bob Weston. Doch schon bei der ersten Show der Tour am 18. Januar 1974 ist keine einzige Person dieses Line-ups anwesend. Niemand. Stattdessen spielen fünf Unbekannte Fleetwood Mac-Songs.

Da muss also etwas vorgefallen sein. In einem Artikel des Rolling Stone von damals erzählt der Manager Clifford Davis: „Ich habe mich entschieden, etwas an der Band zu ändern, insbesondere auf der Bühne. Und das habe ich getan. Ich war immer schon der Anführer, der entscheidet, wer mitspielt und wer nicht.“ Eine krasse Ansage, aber Davis geht noch weiter: „Ich möchte endlich den Eindruck zerstreuen, dass dies Mick Fleetwoods Band ist. Diese Band war immer schon meine Band.“

Die echte Band Ende 1973: Welch, Fleetwood, McVie, McVie (v.l.) – Pic: Promo

Doch wie kommt der Mann dazu? In jenen Jahren verlieren Fleetwood Mac ständig ihre Gitarristen: Danny Kirwan fliegt 1972 raus, was den Abbruch einer Tour bedeutet. Im Herbst 1973 wird dann Bob Weston gefeuert, weil Drummer Mick kann es nicht länger mit ansehen, dass sein Kollege ein Verhältnis mit seiner Frau Jenny hat und damit auch in der Öffentlichkeit nicht hinter dem Berg hält. Autsch. Damit endet auch die erste Tour zu Mystery To Me vorzeitig. Dem Manager passt das gar nicht, angeblich nennt er das „unprofessionell“. Als die Musiker dann sogar eine Pause einlegen wollen, in der Mick sich um seine unvermeidliche Scheidung kümmern muss, stellt er kurzerhand eine Ersatztruppe zusammen und schickt sie in den USA auf die Straße.

Das Ersatzaufgebot besteht aus Musikern der Band Legs, die eine Single unter der Ägide des Managers veröffentlicht hatte: Sänger Elmer Gantry, Gitarrist Kirby Gregory, Bassist Paul Martinez und  Pianist John Wilkinson. „Ich habe mich aber entschieden, Mick zu behalten“, erklärt Davis im Rolling Stone. Allerdings habe der kurzfristig wegen privater Probleme wieder zurück nach England fliegen müssen. Also setzt sich Craig Collinge hinter das Schlagzeug.

Der erste Auftritt findet statt in Pittsburgh am 18. Januar 1974. Wenig überraschend gibt es dort umgehend Streit mit dem Veranstalter, und auch die Fans sind nicht erbaut. Deshalb muss Davis von nun an jeden Abend auf der Bühne verkünden, dass ganz neue Musiker spielen werden und Mick Fleetwood selbst, so ein Ärger, es leider nicht geschafft habe. Gut kommt das nicht an, doch es wird noch schlimmer: Eine Woche später rollt der Tross nach New York, wo 30 Minuten vor der Show feststeht, dass Elmer Gantry nicht singen können wird. „Das ist mir noch nie passiert“, röchelt er gegenüber dem Rolling Stone. Dummerweise hat sich ausgerechnet für diesen Abend die versammelte Musikpresse angekündigt. Noch doofer allerdings: Niemand sagt den Veranstaltern rechtzeitig Bescheid. Die hätten mit ein wenig mehr Vorlauf die Sause noch absagen können, jetzt aber stehen nach den Vorgruppen Kiss und Silverhead 3.400 Fans in der Halle und warten. Also fällt die Entscheidung, die „Band“ ohne Frontmann auf die Bühne zu schicken. Nach einer halben Stunde Boogie-Jam machen 800 Fans von dem Angebot Gebrauch, ihr Geld zurückzubekommen…

Das kann alles nicht lange gut gehen. Es gibt sogar die Geschichte, dass der langjährige Tourmanager John Courage irgendwann das Equipment versteckt und so dafür sorgt, dass die Konzertreise unter falscher Flagge gestört und abgebrochen wird. Kein Wunder also, dass der Spuk der„Fakewood Mac“ ziemlich schnell wieder vorbei ist und Clifford Davis mit Anlauf gefeuert wird. Ein unvermeidbares gerichtliches Nachspiel klärt zwar die Namensrechte eindeutig zu Gunsten der echten Fleetwood Mac, doch es bremst die Band mehrere Monate aus.

Die Musiker der Zweitbesetzung kehren zurück nach England und gründen die Band Stretch, die im November 1975 einen Hit landet mit dem Song Why Did You Do It?. Dessen Text kann mal an als klassisches Beziehungsdrama lesen, aber die meisten Kommentatoren sehen hier eine direkte Attacke auf Mick Fleetwood – weil der sich schließlich von der unglücklichen Tour zurückgezogen habe (was der weiterhin dementiert). Fleetwood Mac verstärken sich indes mit dem Gitarristen Lindsey Buckingham und der Sängerin Stevie Nicks und gehen in den Folgejahren durch die Decke. Der Rest ist Geschichte…



Titelfoto: Michael Putland/Getty Images

Zeitsprung: Am 11.7.1975 starten Fleetwood Mac ihrem gleichnamigen Album durch.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.1.1949 erblickt Mick Taylor das Licht der Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Mick Taylor zählt zu den versiertesten Gitarristen der Rockgeschichte und hat die Diskografie gleich zwei großer Bands mitgeprägt: John Mayall’s Bluesbreakers und The Rolling Stones. Als Solomusiker tourt er seit 1974 um die Welt. Am 17. Januar feiert Taylor Geburtstag.

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Hört hier in sein Soloalbum Mick Taylor rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.

Der Jugendliche

Mick Taylor kommt am 17. Januar 1949 in Welwyn Garden City in England zur Welt und wächst im Ort Hatfield auf. In seiner Jugend gründet er die Bands The Juniors und The Strangers, mit denen er sogar im Fernsehen auftritt und eine erste Single veröffentlicht. Ab 1965 spielt er als Mitglied von The Gods mit Musikern wie Brian Glascock (später bei Dolly Parton und Iggy Pop), mit seinem Bruder John Taylor (Jethro Tull), Ken Hensley und Lee Kerslake (beide Uriah Heep) sowie Greg Lake (King Crimson, Emerson, Lake & Palmer).

Der Bluesbreaker

Etwa zur selben Zeit besucht Taylor ein Konzert von John Mayall’s Bluesbreakers in seiner Geburtsstadt. Als Mayalls Gitarrist Eric Clapton aus ungewissen Gründen nicht auftaucht, fragt Taylor den britischen Bluesveteranen in der Pause kuzerhand, ob er einspringen soll. Nach kurzer Bedenkzeit ist Mayall einverstanden. Später sagt Taylor dazu: „Ich habe in dem Moment gar nicht daran gedacht, dass das eine tolle Gelegenheit ist. Ich wollte bloß auf die Bühne und Gitarre spielen.“



Der junge Gitarrist beeindruckt den Bandleader so sehr, dass die beiden ihre Telefonnummern austauschen. Als Mayall ein Jahr später einen Ersatz für Peter Green sucht, erinnert er sich an das Nachwuchstalent. Von 1966 bis 1969 tourt Taylor mit der Gruppe, spielt Alben wie Crusade (1967), Bare Wires (1968) und Blues From Laurel Canyon (1968) ein. Er profiliert sich als hervorragender Blues-Gitarrist mit Jazz-Einflüssen, seine Karriere nimmt Fahrt auf.

Mick Taylor mit den Stones 1972 – Pic: Larry Rogers/Wikimedia Commons

Der Rolling Stone

Als die Rolling Stones im Juni 1969 ihren Gitarristen Brian Jones feuern, legen John Mayall und Stones-Keyboarder Ian Stewart bei Mick Jagger ein gutes Wort für Taylor ein. Die Stones laden ihn ein, nehmen einige Songs mit ihm auf – und rekrutieren den damals 20-jährigen als neues Mitglied. Sein Bühnendebüt gibt er am 5. Juli 1969 bei einem kostenlosen Konzert im Londoner Hyde Park. Mehr als eine Viertelmillion Zuschauer pilgern zu der Show, nicht zuletzt deshalb, weil sich das Konzert spontan zu einem Brian Jones-Tribut entwickelt: Der Stones-Mitgründer war zwei Tage vorher gestorben.



In den kommenden Jahren gestaltet Taylor eine wichtige Phasen der Truppe mit: So spielt er nicht nur die legendären Platten Let It Bleed (1969) und das Livealbum Get Yer Ya-Ya’s Out! (1970) ein, sondern auch die Klassiker Sticky Fingers (1971) und Exile On Main St. (1972). Im Zuge der Aufnahmen zu It’s Only Rock ’n Roll (1974) kommt es jedoch zu Querelen zwischen den Musikern. So hat Taylor nach eigenen Aussagen die Songs Till The Next Goodbye und Time Waits For No One mitverfasst, wird aber nicht als Songschreiber genannt. Überhaupt: Bei ihm stellt sich das Gefühl ein, mit den Rolling Stones alles erreicht zu haben. Außerdem ist dem Gitarristen der immense Drogenkonsum der Gruppe nicht geheuer. Im Dezember 1974 verlässt er die Band, seine Nachfolge tritt Ron Wood von Faces an, nachdem sich diese aufgelöst haben.



1995 sagt Mick Jagger in einem Interview mit dem Rolling Stone über Taylor: „Er hat Großes geleistet und für mehr Musikalität in der Gruppe gesorgt. Sein Stil ist sehr flüssig und melodisch. Das hatten wir vorher nicht und haben es bis heute nicht. Weder Keith noch Ronnie Wood spielen wie er. Es war sehr gut für mich, mit ihm zu arbeiten.“ Kein Wunder also, dass sich die Wege der Musiker auch in folgenden Jahrzehnten kreuzen und Taylor immer wieder mit seinen alten Kollegen auf der Bühne steht.



Der Solokünstler

Nach seiner Zeit bei den Stones widmet sich Mick Taylor den unterschiedlichsten Projekten. So spielt er mit Mike Oldfield, Little Feat, Bob Dylan, Carla Olson, Alvin Lee und Mark Knopfler, heuert gelegentlich bei seinem alten Arbeitgeber John Mayall an und gründet eine Band mit Jack Bruce von Cream. 1977 unterschreibt er einen Solo-Plattenvertrag mit Columbia Records, 1979 erscheint sein erstes Album Mick Taylor. Seine zweite Platte unter eigenem Namen lässt bis 1998 auf sich warten und trägt den Titel A Stone’s Throw.

Der Gitarrist

Taylor erzählt mit jedem Solo eine Geschichte anstatt bloß sein handwerkliches Können unter Beweis zu stellen. Da verwundert es nicht, dass zum Beispiel Slash von Guns N’ Roses den Briten als Einfluss nennt. New York Times-Musikjournalist Robert Palmer bringt Mick Taylors Karriere folgendermaßen auf den Punkt: „Er ist der fähigste Gitarrist, der jemals für die Rolling Stones gespielt hat. Taylor war nie ein Rocker oder gar eine Rampensau, sondern ein Blues-Gitarrist mit dem melodischen Gespür eines Jazz-Musikers.“ Respekt. Wir sagen: Happy Birthday!



Titelfoto: Dina Regine/Wiki Commons

Zeitsprung: Am 5.12.1968 feiern die Rolling Stones “Beggar’s Banquet” – mit einer Tortenschlacht.

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„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

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Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

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Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

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