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Popkultur

Ist Rockmusik tot? Nicht wenn ihr richtig hinhört!

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Ist Rockmusik tot? Alle Jahre wieder, so scheint es, läuten die großen Musikzeitschriften die Totenglocke für die Rockmusik. “Rock ist tot. Gott sei Dank!” schrillen die Headlines. “Rock’n’Roll ist tot. Diesmal wirklich!” lauten die ewig gleichen Vorhersagen. Und jedes Jahr werden diese Behauptungen mit den gleichen Beispielen belegt, die gar keinen Bezug zu der eigentlichen Frage haben.

von Caren Gibson

Zunächst diskutiert man die alten Helden. Die werden nicht jünger und auch wenn sie aktuell noch respektable Ticketverkäufe vorweisen können, werden sie natürlich irgendwann verschwinden. Danach wendet man sich aktuelleren Acts zu, die ebenfalls ohne große Mühe Hallen füllen. Und trotzdem wird die Frage offen gelassen, ob Bands wie Queens Of The Stone Age, Black Stone Cherry oder Twenty One Pilots je die luftigen Höhen eines Festival Headliners erreichen können.


Neue Helden, große Vorbilder: Hört hier in die Klassiker rein, die unsere neuen Rockstars inspiriert haben:

Für die ganze Playlist klickt auf “Listen”.

Was die “Experten” sagen

Manchmal mischen sich richtige Gelehrte ein. “Branchenexperten” tun ihre Meinung darüber kund, ob Rockmusik tot ist, und versuchen damit, der Unterhaltung mehr Gewicht zu verleihen. Dann klinken sich Musiker ein und erklären, dass Rockbands immer wieder die gleichen, vorhersehbaren Ideen und Riffs hochwürgen, meistens um ihre alten, vorhersehbaren Ideen und Riffs zu promoten; und überhaupt, sind das nicht genau die Leute, die den Kurs ändern und von dem Eisberg wegsteuern könnten, auf den wir uns zubewegen?

Aber 2017 veränderte sich die Musiklandschaft. Eine Studie von Nielsen in den USA kam zu dem Ergebnis, dass Hip-Hop und R&B zum allerersten Mal als meistkonsumierte Genre an der Rockmusik vorbeigezogen waren. Die Studie berücksichtigte Albumverkäufe, Downloads sowie Audio- und Videostreams und in den gesamten Top 10 tauchen nur zwei Künstler auf, die weder aus dem Hip-Hop noch aus dem R&B kommen (nämlich Ed Sheeran und Taylor Swift). Außerdem haben diese Genres einen großen Beitrag zum Aufstieg von On-Demand Streamingdiensten in den USA geleistet.

Absolut nicht selbstzerstörerisch: Metallica waren 2017 die erfolgreichste Rockband. Photo: Ross Halfin

Weiterhin kam der Report zu dem Ergebnis, dass Metallica der erfolgreichste Rockact 2017 waren, was an der 2016 erschienen Sammlung aufpolierter, neu verpackter und erweiterter Reissues, Hardwired… To Self-Destruct, lag, die auch die Thrash-Klassiker Ride The Lightning und Master Of Puppets enthielt. Vielleicht wollten sie mit diesem nochmaligen Verkauf ihres Backkatalogs Kapital aus ihrer Langlebigkeit schlagen, denn natürlich sind es vor allem die Albumverkäufe, die im Rock wirklich etwas bedeuten.

Michael Jackson steht mit rund 66 Millionen verkauften Exemplaren von Thriller immer noch auf Platz 1 der meistverkauften Nicht-Compilation Alben aller Zeiten. Aber es gibt weitere Alben, die immerhin die 40-Millionen-Marke geknackt haben, darunter die Eagles mit ihren Greatest Hits (1971-75) und Hotel California, AC/DCs Back In Black, Pink Floyds The Dark Side Of The Moon, Meat Loafs Bat Out Of Hell und Rumours von Fleetwood Mac. Whitney Houston und die Bee Gees sind die einzigen anderen Künstler, die ein Album mit über 40 Millionen Verkäufen vorweisen können.

Etwas genauer hinschauen

Aber: Jedes einzelne dieser Alben aus dem Rockbereich erschien in den 70ern, sodass sie über 40 Jahre Zeit hatten, diese Zahlen zu erreichen. Und da Verkaufszahlen dieser Art im freien Fall sind und Chartpositionen von Streams und Airplay gestützt werden, sieht die Lage für Rockmusik langsam etwas düster aus. Wenn man allerdings etwas genauer hinschaut, dann rumort es dort und es deutet einiges darauf hin, dass das Herz des alten Köters noch kräftig schlägt.

Nehmen wir zum Beispiel Imagine Dragons: Im August 2018 wurde das Quartett aus Las Vegas zur ersten Band in der Geschichte der Charts, die Platz 1 bis 4 der Billboard Hot Rock Songs Charts besetzten. Und das war kein Ausreißer. Ihre aktuelle Single Natural stieg auf Platz 4 der Charts ein und die drei vorhergehenden Singles Thunder, Whatever It Takes und Believer, die allesamt von ihrem aktuellen Album Evolve stammen, haben jeweils 22, 17 bzw. 29 Wochen auf Platz 1 verbracht.



Ihr Weg zum Erfolg war langsam aber konstant. Gegründet wurde die Band 2008, als Frontmann Dan Reynolds an der Brigham Young University in Utah auf Drummer Andrew Tolman traf. Die Beiden taten sich mit dem Gitarristen Wayne Sermon und dem Bassisten Ben McKee zusammen und veröffentlichten ab 2009 drei EPs. Ab 2011 konnte man den zukünftigen Erfolg schon fast riechen, aber bis zu ihrem Durchbruch dauerte es noch weitere drei Jahre. Erst als die Electro-Rocker 2014 für ihren Hit Radioactive mit dem Grammy für die Beste Rock Performance ausgezeichnet wurden, waren sie in aller Munde und verbrachten unglaubliche 18 Monate in den Billboard Hot 100.

Mittlerweile haben Imagine Dragons drei Alben veröffentlicht und bewegen sich damit irgendwo zwischen Rock, Electropop und R&B. Einige sind nicht der Meinung, dass sie mit ihrem oftmals poppigen Sound wirklich würdige Nachfolger für die großen Rocklegenden sein können. Aber Rock hatte schon immer ein paar Finger auf dem Synthesizer und auch die Tendenz, mit einem radiofreundlicheren Sound zu experimentieren. Denken wir nur an Bon Jovi, die Mitte bis Ende der 80er regelmäßig das obere Ende der Singlecharts angriffen, oder U2, die gerne mal mit einem Synthesizer-lastigen Popsound experimentierten. Man könnte das sogar bis zu den Beatles zurückverfolgen, deren Einflüsse vom Merseybeat-Rock von Love Me Do bis zu dem schrägen I Am The Walrus und dem knallharten Back In The USSR überhaupt keine Grenzen zu kennen schienen.

Ob man den Hybrid-Sound von Imagine Dragons nun als Rock bezeichnen will oder nicht – auf jeden Fall hat er ihnen Arenen auf der ganzen Welt gefüllt. Und auch wenn die Fans in diesen Locations oft eine gewisse Distanz zu den Künstlern bemängeln, ist ihre Musik in der Lage, das Publikum auch hier auf persönlicher Ebene zu erreichen. Vielleicht ist es diese gemeinsame Ebene, die die Rocker aus Nevada zu einer langfristig erfolgreichen Band machen wird. Immerhin sind es üblicherweise die Spätzünder, die am längsten brennen.

Shakedown Special

Wer es etwas rauer mag, für den lassen Tyler Bryant & The Shakedown Erinnerungen an eine Zeit Anfang bis Mitte der 2000er Jahre wach werden, als Garage Rocker wie Black Rebel Motorcycle Club als Retter der Rockmusik gehandelt wurden. Ihre Coolness erinnert an ihre Wahlheimat Nashville, Tennessee, und sowohl ihr Stammbaum als auch ihre bisherige Laufbahn lassen auf eine lange Karriere hoffen.



Schon als er mit sechs Jahren anfing, Gitarre zu spielen und sein Handwerk von dem erfahrenen Bluesveteranen und Mentor Roosevelt Twitty erlernte, wusste Bryant ganz genau, dass er ein Rockstar werden würde. Er war ziemlich frühreif und bald wurde Gitarrenlegende Eric Clapton auf sein außergewöhnliches Talent aufmerksam. 2007 lud er den damals 15-Jährigen ein, bei seinem Crossroads Guitar Festival in Chicago aufzutreten.

Die Band The Shakedown entstand, als Bryant mit 17 aus seiner Heimatstadt Honey Grove, Texas, nach Nashville zog. Es dauerte nicht einmal eine Woche, da hatte der Sänger und Gitarrist schon die Bekanntschaft von Drummer Caleb Crosby gemacht. Die Chemie stimmte und so gründeten sie das Fundament ihrer jetzigen Band. Sie lernten den Gitarristen Graham Whitford – Sohn des Aerosmith-Gitarristen Brad – kennen und überredeten ihn, Boston zu verlassen. Und schließlich stieß noch Bassist Noah Denney dazu.

Mit ihrer aufregenden Mischung aus Southern-, Blues- und Roots-Rock erarbeiten sich Tyler Bryant & The Shakedown ihr Publikum auf traditionelle Art und Weise: durch unermüdliches Touren. Seit ihrem ersten Auftritt als Support von REO Speedwagon in Amarillio ist die Band fast ununterbrochen unterwegs, hat die Bühne mit Acts wie AC/DC, Aerosmith, BB King, Jeff Beck und ZZ Top geteilt und einige ausgewählte Termine auf Guns N’ Roses’ Not In This Lifetime…-Tour gespielt. Diese Band stellt sich selbst in eine Reihe mit den Großen der Hardrock-Welt und sie ist absolut in der Lage, mit ihnen mitzuhalten.

Bands wie Tyler Bryant & The Shakedown passen gut in eine bestimmte Schublade, aber es gibt auch solche, die man fast als Anomalie bezeichnen möchte. Eine davon ist Broken Witt Rebels. Wenn man in das selbstbenannte Debütalbum reinhört, denkt man sofort an Cowboyhüte und Stiefel. Aber der Opener Loose Change wäre der perfekte Soundtrack für eine abgerockte Bar in Nashville, wohingegen der sanfte Southern Groove von Shake Me Down eher auf eine Herkunft aus Georgia oder Mississippi schließen lässt.



Das gleiche gilt für die Texte. Snake Eyes zum Beispiel: “Here in the south/Where the river runs dry/I’m gonna hang from the noose, baby/If you tell me no lie”. Diese Bluesrocker können nur von einem Ort kommen, oder? Dann dürfte es die Leute überraschen zu hören, dass Frontmann Danny Core ein Maler und Tapezierer aus Birmingham in England ist.

Broken Witt Rebels wurden 2013 gegründet und bezeichnen sich selbst als Brüder. Core und Bassist Luke Davis waren schon vor der Grundschule befreundet und gründeten die Band, als sie beide als Maler arbeiteten. Aber neben dem Southern Rock’n’Roll-Vibe brachte Gitarrist James Tranter Blues- und Hardrockeinflüsse und, dank seiner Leidenschaft für Jimi Hendrix, Jimmy Page, Eric Clapton und Oasis, die der Grund für sein Musikstudium und seinen erstklassigen Abschluss waren, auch ein Ohr für Pop.

Aber an diesen Rockern aus den englischen Midlands ist noch viel mehr dran als nur ihr Sound. Ihre Musik hat erstaunlich viel Soul und das bekommen einfache Nachahmer so garantiert nicht hin. Soul lernt man nicht aus einem Notenbuch, der kommt aus dem Herzen. Was außerdem aus dem tiefsten Inneren kommt, ist ihre Hartnäckigkeit und ihr Wille, groß rauszukommen. Sie haben sogar ihre Jobs hingeschmissen, um ausgiebig auf Tour zu gehen, denn nur so können sie ihren Namen und ihre Musik verbreiten.

Aber wie gut sind sie den nun? Wenn man der Band Glauben schenkt, sind sie fantastisch. Und sie sagen das ohne jede Arroganz. Die Behauptung kommt von einer Band, die weiß, dass sie etwas zu bieten hat und die selbstbewusst genug ist, um hart dafür zu arbeiten und sich auf endlosen Tourneen zu beweisen: zumindest wenn sie nicht gerade ihrem Produktionseifer nachgehen. Nichtmal ein Jahr nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums hat die Band die Aufnahmen zum Nachfolger abgeschlossen. Vielleicht gibt es eine leichte Diskrepanz zwischen ihrem ‘Jungs auf Tour’-Look und ihrer Musik, aber eigentlich bedeutet es doch nur, dass die genau von da kommt, wo sie herkommen soll, nämlich aus dem Herzen. Und mit einem Riecher für den Mainstream, der an Kings of Leon erinnert, warum sollen sie da nicht ähnlich erfolgreich werden?

Für den Erfolg geboren

Wenn ein Gespür für kommerzielle Musik ein Faktor für Erfolg ist, dann haben einige ein angeborenes Talent für Songwriting. Ein Beispiel ist der in Nashville geborene Jaren Johnston, der, wenn er nicht gerade Hits für Countrystars wie Keith Urban, Tim McGraw und Jake Owen schreibt, als Frontmann von The Cadillac Three in Erscheung tritt. Als Sohn eines Musikers – Jerry Ray Johnston, Drummer der 80s Countryband Bandana – war er vielleicht dafür geboren.



Johnstons eigene Karriere begann mit der Band American Bang. Sie waren bei Warner unter Vertrag und mit ihren zwei Studioalben und der Single Wild And Young relativ erfolgreich, schnupperten sogar an den Charts. Nach ihrer Auflösung, gründete Johnston mit seinen Highschool-Freunden und ebenfalls Ex-American Bang-Mitgliedern Kelby Ray und Neil Mason die Vorstufe der Cadillac Three. Und mit zwei gefragten Songwritern in ihrer Mitte – Masons Auftragsbuch enthält Namen wie Jake Owen, Kelly Clarkson und Rascal Flatts – gibt es an neuen Songs keinen Mangel.

Für The Cadillac Three passte Country und Southern Rock perfekt zusammen und das Ergebnis ist so stark wie die “Whiskey-auf-der-Veranda”-Atmosphäre, die auch die Geschichten ihrer Songs prägt. Sie weichen kaum von der Heiligen Dreifaltigkeit des Southern Rock ab (also Whiskey, Frauen und das Leben in den Südstaaten), aber es fühlt sich an, wie wenn man eine alte Jeans anzieht: Es ist ein Basic, das es schon seit Jahrzehnten gibt, das aber einfach extrem bequem ist.

Wie eine moderne Version von Lynyrd Skynyrd oder den Allman Brothers Band für das 21. Jahrhundert macht es den Cadillac Three überhaupt nichts aus, einen Gig nach dem anderen zu spielen und dabei vor und zurück über den Atlantik zu fliegen. 2015 hatten sie am Freitag eine Show in den Staaten und flogen dann nach England zum Download Festival, wo sie am Samstag auftraten. Kaum war der letzte Akkord verklungen, waren sie schon auf dem Rückweg in die USA, wo sie am Sonntag bei einem weiteren Festival gebucht waren.

Sie erfinden den Rock’n’Roll nicht neu, aber da er ja nicht kaputt ist, warum sollte man ihn reparieren? Kelby Ray meint, dass es vor allem die Ehrlichkeit in ihrer Musik ist, die die Leute begeistert und mit der sie eine Beziehung zu den Fans aufbauen. Sie tragen ihr Herz auf der Zunge und schließlich geht es doch beim Rock’n’Roll vor allem um den Spaß.



Mit ihrem aktuellen Album Legacy, das legt der Titel schon nahe, wollen sie ihre Musik aus einer anderen Richtung angehen, nämlich mit der Frage, was sie hinterlassen werden und wofür man sich an sie erinnern wird. Und da sie zwei sehr erfolgreiche Songwriter haben, können sich The Cadillac Three die Rosinen aus ihrem Katalog herauspicken. Eigentlich sollte der Titel verschiedenen Künstlern wie Tim McGraw, Faith Hill oder Eric Church angeboten werden. Aber dann hörte Mason ihn und meinte, dass sie selbst damit arbeiten sollten. Es fühlte sich einfach richtig an. The Cadillac Three können offenbar Hits auf Knopfdruck liefern. Dem Fortgang ihrer Karriere ist folglich nach oben keine Grenzen gesetzt.

Aber wo Whiskey und sorgloser Southern Rock Hand in Hand gehen, wird es für einige gefährlich. Nach dem Tod eines früheren Bandkollegen, der Probleme mit Alkohol hatte, dachte Rich Moss, seine Musikkarriere wäre vorbei. Aber wenn man einmal Rock’n’Roll-Blut geleckt hat, kommt man da schwer wieder von los. Nach vier Jahren Pause gründete Moss 2012 die Band Stone Broken.

Foto: Paul Harries

 

Der erste Song, den er mit seinen Bandkollegen, dem Gitarristen Chris Davis, Bassist Kieron Conroy und Drummer Robyn Haycock, schrieb, hieß This Life und er wurde quasi ihr Erfolgsrezept für die Zukunft. “Es geht darum, sich das rauszusuchen, was man gut kann und es zu nutzen, denn man hat nur ein Leben, nur einen Versuch”, sagt Moss. “Als wir die Band gründeten, waren wir viel reifer und wussten, wie der Hase läuft in dieser Branche. Darum waren wir uns einig, dass wir keine halben Sachen machen wollten.”

Nach der Veröffentlichung ihres Debütalbums All In Time konnten die Rocksender den hymnischen Hardrock mit den stadiontauglichen Riffs und Refrains gar nicht schnell genug auf ihre Playlisten setzen. The Cadillac Three hatten immer Schwierigkeiten, ins Radio zu kommen, aber Stone Broken haben offenbar einen Sound, der einen Nerv trifft. Es ist derselbe Weg, den Def Leppard in den 80ern mit Pyromania und Hysteria gegangen sind. Und nun, etwas über 35 Jahre später, flirtet wieder eine neue britische Hardrockband mit dem Mainstream.

Ihr zweites Album Ain’t Always Easy ist voller gewaltiger Riffs und Refrains. Stone Broken sind selbstbewusst und haben keinen Zweifel an den Zielen, die sie sich gesteckt haben: Sie wollen in Arenen spielen – genau wie die Bands, die sie inspiriert haben, so wie Black Stone Cherry und Alter Bridge. Und mit Songs wie Worth Fighting For, Let Me See It All und I Believe scheint sich die Band fast selbst anzutreiben und zu motivieren. Melodien und Riffs, mit denen man Stadien füllen kann, haben sie schon. Das ist die halbe Miete.



Nach Legendenstatus streben

Einige Bands orientieren sich an anderen aktuellen Künstlern, um sich zu positionieren. Andere greifen direkt nach den Sternen und streben nach Legendenstatus. Greta Van Fleet müssen ihren Weg in den Mainstream zwar noch finden, aber wenn man sieht, was für eine Welle sie gerade machen, kann es nicht mehr lange dauern.

Gegründet wurde die Band 2012 von drei Brüdern: den Zwillingen Josh und Jake Kiszka (Gesang und Gitarre) und dem Bassisten Sam Kiszka. Im folgenden Jahr stieß ihr langjähriger Freund und Drummer Danny Wagner dazu. Ein früher Track der Hardrocker aus Michigan wurde in einer Chevy-Werbung in der Region eingesetzt, aber auf mehr Aufmerksamkeit musste die Band bis 2017 warten. Der Stein geriet erst ins Rollen, als ihr Track Highway Tune im Januar 2016 in der US-Version der Comedy/Drama-Serie Shameless eingesetzt wurde. Ein Jahr später wurde der Song veröffentlicht und iTunes und Apple Music machten Greta Van Fleet zum Künstler der Woche. Damit öffneten sich die Schleusen im wahrsten Sinne des Wortes. Ende des Jahres heimsten sie schon Awards ein und eröffneten einen Abend für die Rocklegende Bob Seger. Und natürlich war ihre erste Tour innerhalb von fünf Minuten komplett ausverkauft.



Reden wir nicht lange um den heißen Brei herum: Sänger Josh klingt verdammt nach Robert Plant. Die Ähnlichkeit hat der Led Zeppelin-Sänger selbst schon anerkannt. Andererseits haben schon viele versucht, dem legendären Frontmann nahezukommen, und auf ganzer Linie versagt. Bei Josh ist das einfach das, was aus seinem Mund kommt, wenn er singt. Und auch wenn das junge Quartett nicht leugnet, dass sie die britischen Rockikonen mögen, legen sie doch großen Wert darauf, dass ihre Einflüsse sehr viel vielseitiger sind.

Die Mitglieder von Greta Van Fleet wuchsen mit alten Vinyls auf und da überrascht es nicht, dass ihr Sound viele Einflüsse aus den 60er und 70er Jahren aufweist und dass es sich dabei fast ausschließlich um Rock- und Blues-Acts handelt. Aber obwohl ihre wichtigsten Inspirationsquellen z. B. The Who, Cream, Jimi Hendrix, Black Sabbath, Deep Purple, Janis Joplin, John Lee Hooker und Muddy Waters heißen, hatten sie nie vor, eine Rock’n’Roll-Band zu werden. Aber sie spielen mit dem Herzen, nicht dem Kopf, und so entsteht aus dem Chemie zwischen den vier Musikern unweigerlich Rock’n’Roll.

Greta Van Fleet haben noch nicht einmal ihr Debütalbum veröffentlicht (bisher gibt es nur die Doppel-EP From The Fires), trotzdem legen sie für sich selbst einen hohen Maßstab an. Einige Bands sind dafür berühmt, unvergessliche Debütalben veröffentlicht zu haben – Greta Van Fleet denken da insbesondere an Van Halen, The Black Crowes und Led Zeppelin. Das möchte die junge Band ebenfalls erreichen und unbedingt ein Debütalbum produzieren, über das man noch lange reden wird.

Ohne viel künstliches Tamtam erregt diese kleine Band aus der Kleinstadt Frankenmuth in Michigan gerade viel Aufmerksamkeit in der Rockwelt. Im September 2017 traten Greta Van Fleet zum ersten Mal in Großbritannien, im winzigen, in einer dunklen Seitengasse in Camden versteckten Black Heart Pub auf. Und jetzt hat die junge Rockband über einen Monat vor Erscheinen ihres Debütalbums Anthem Of The Peaceful Army einfach mal zwei Abende im Kentish Town Forum im April 2019 ausverkauft, und die anderen Daten sind nicht weit davon entfernt.



Das vielleicht Beeindruckendste an Greta Van Fleet ist allerdings, dass sie erst 19 (Sam und Danny) und 22 (die Zwillinge) Jahre alt sind. Alter ist natürlich kein Hindernis, aber es bedeutet, dass sie noch wachsen werden und man unmöglich vorhersehen kann, was sie mit mehr Zeit und Erfahrung alles erreichen können. Könnten sie die Retter der Rockmusik sein, die Medien und Festivalveranstalter so verzweifelt suchen? Auf jeden Fall wird es in Großbritannien bald sehr viel mehr Menschen geben, die die Band live sehen, als die 100, die das bisher von sich behaupten können.

Ist Rockmusik tot?… Passt auf!

Mit ständig sinkenden Albumverkäufen in den letzten Jahren mag Michael Jackson für alle Ewigkeit auf Platz 1 der bestverkauften Alben aller Zeiten sitzen. Und Hip-Hop und R&B können gerne im Bereich Streaming und Radio glänzen. Im Livebereich hält die Rockmusik immer noch das Zepter in der Hand. 2017 verdienten Guns N’ Roses mit ihrer Not In This Lifetime…-Tour fast eine halbe Milliarde Dollar. Das ist die vierterfolgreichste Tour aller Zeiten nach den Rockgiganten Coldplay, The Rolling Stones und U2.

Unterm Strich ist die Rockmusik der größte Überlebenskünstler der Musikwelt und hat dem Auf und Ab wechselnder Trends für über sieben Jahrzehnte widerstanden. Legenden werden nicht über Nacht geboren und auch wenn man sich das heute schwer vorstellen kann: Es gab eine Zeit vor Led Zeppelin, The Who, The Beatles, The Rolling Stones, Black Sabbath, usw. Sie alle waren mal unbekannte Bands und nur mit der Zeit und dank ihrer Langlebigkeit können sie über soviele Jahre begeistern. Rockmusik überlebt alle kulturellen Trends und genau um dagegen zu rebellieren gibt es alle der genannten Bands. Wird eine von ihnen 2028 als Headliner bei den großen Festivals auftreten? Wenn wir eine Zeitmaschine hätten, könnten wir es herausfinden.


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Zum 10. Todestag von Ravi Shankar: Wie die Sitar in die Pop- und Rockmusik kam

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Ravi Shankar
Foto: Express Newspapers/Getty Images

Am 11. Dezember 2022 jährt sich Ravi Shankars Todestag zum 10. Mal. Wir erinnern uns an den indischen Ausnahmemusiker — und daran, wie er die westliche Pop- und Rockmusik prägte.

von Markus Brandstetter

Alle Augen und Ohren waren auf Ravi Shankar gerichtet, als der indische Sitar-Spieler an einem Sonntagnachmittag im Juli 1967 die Bühne des Monterey Pop Festivals erklomm und dort gemeinsam mit Ustad Alla Rakha (Tabla) und Kamala Chakravarty (Tanpura) ein hypnotisches, mitreißendes Konzert spielte. Die anwesenden Zuhörer und Zuhörerinnen, darunter auch Jimi Hendrix (der wenig später sein legendäres Konzert auf demselben Festival spielte, bei dem er seine Gitarre verbrannte), waren gebannt von der Komplexität und der Kraft der Ragas.

„Ich sah einige sehr berühmte Leute aus dem Bereich der Rock- und Popmusik. Es war sehr merkwürdig. Sie saßen einfach da, hörten mir zu, schwangen mit und hatten Spaß. Ich hatte sie am Abend zuvor auftreten sehen und sie waren so anders. Danach hatte ich Angst, weil ihre Art, die Show zu präsentieren, so anders ist als unsere. Damals habe ich es nicht bemerkt, ich war aufgeregt, aber später haben mir so viele Leute erzählt, wie sehr das ihr Leben verändert hat, das war sehr bewegend“, erinnerte sich Ravi Shankar an den Auftritt. Und auch wenn er bereits lange davor in der westlichen Welt Fuß gefasst hatte, so war das Monterey Pop Festival der Wende- und eigentliche Startpunkt für ihn: „All die jungen Leute waren so frisch und leidenschaftlich und fühlten sich so sehr von meiner Musik angezogen. Von dem Moment an, als ich meinen ersten Schlag auf dem Instrument (Sitar) machte, wusste ich, dass wir miteinander verbunden waren.“

Ravi Shankar distanziert sich von Woodstock

Es dauerte aber nicht lange, bis Shankars Sympathie für die Populär- und Gegenkultur etwas getrübt wurde. Zwei Jahre nach dem Monterey Pop Festival trat er auf dem legendären Woodstock Festival auf. Allerdings fand er die Drogenaffinität der Festivalbesucher und -besucherinnen alles andere als angenehm — und distanzierte sich später von der Hippie-Gemeinschaft. „Ich fühle mich ziemlich verletzt, wenn ich sehe, dass Drogen mit unserer Musik in Verbindung gebracht werden. Für uns ist die Musik die Religion. Der schnellste Weg zur Frömmigkeit führt über die Musik. Ich mag es nicht, wenn eine schlechte Sache mit der Musik in Verbindung gebracht wird“, so der Musiker. Für Shankar sollten der Rausch, die Ekstase und die spirituelle Verbindung ausschließlich durch die Musik und in der Musik passieren.

Zwei Jahre später, am 23. November 1971, war Shankar — gemeinsam mit seinem Freund George Harrison (dazu gleich mehr) — in der Dick Cavett Show zu Gast, und sprach genau über dieses Thema.

Ravi Shankar und George Harrison

Gehen wir aber gleich ein paar Jahre zurück: Bevor Shankar mit seinem Auftritt auf dem Monterey Pop dem Rock-Publikum die Kunst der Ragas zeigte, war es vor allem einer, der die Sitar in der Popmusik bekannt machte: George Harrison. Der stieß während Dreharbeiten in einem indischen Restaurant auf den Klang der Sitar und war fasziniert.  Wie seine Witwe Olivia Harrison erklärte, war indische Musik für ihren Mann eine Art Erweckungserlebnis: „Als George indische Musik hörte, war das wirklich der Auslöser, es war wie eine Glocke, die in seinem Kopf ertönte. Es weckte nicht nur den Wunsch, mehr Musik zu hören, sondern auch zu verstehen, was in der indischen Philosophie vor sich ging. Es war eine einzigartige Abwechslung.“ Im Jahr 1966 kam es im Haus eines gemeinsamen Freundes zum ersten Treffen zwischen Harrison und Shankar. Die Sitar-Legende erinnerte sich daran: „Ich hatte damals von den Beatles gehört, aber ich wusste nicht, wie populär sie waren. Ich habe alle vier getroffen, aber bei George hat es sofort Klick gemacht. Er sagte, er wolle [Sitar] richtig lernen. Ich sagte, dass es nicht nur darum geht, Akkorde zu lernen, wie bei der Gitarre. Man braucht mindestens ein Jahr, um Sitar richtig zu lernen, weil das Instrument so schwer zu halten ist. Dann schneidet man sich die Finger so ab [zeigt die Spitzen von zwei Fingern – lila, mit Schwielen]. Er sagte, er würde es versuchen. Er schien so nett und aufrichtig zu sein, dass ich ihm das glaubte.“ Harrison wurde zum Schüler Shankars, verbrachte Zeit bei ihm in Indien.

Shankar hasste den Beatles-Song Norwegian Wood

Der Beatles-Song Norwegian Wood, bei dem Harrison Sitar spielte, wurde allerdings ein Jahr vor dem Zusammentreffen veröffentlicht. „Ich erzählte ihm, man habe mir gesagt, er habe die Sitar benutzt, obwohl ich das Lied Norwegian Wood nicht gehört hatte. Es schien ihm ziemlich peinlich zu sein, und es stellte sich heraus, dass er nur ein paar Sitzungen mit einem indischen Burschen gehabt hatte, der in London war, um zu sehen, wie das Instrument gehalten werden sollte und um die Grundlagen des Spiels zu lernen“, erinnerte sich Shankar laut Far Out Magazine. „Norwegian Wood hat angeblich so viel Aufsehen erregt, aber als ich das Lied schließlich hörte, dachte ich, es sei ein seltsamer Klang, der auf der Sitar erzeugt worden war.” Gegenüber dem US-amerikanischen Rolling Stone gestand Shankar, das Beatles-Lied grauenhaft gefunden zu haben, er habe Harrison dies aber nie gesagt: „Um die Wahrheit zu sagen, musste ich meinen Mund halten. Es wurde mir von meinen Nichten und Neffen vorgespielt […] Ich konnte es nicht glauben, weil es für mich so schrecklich klang.“

Wie man richtig Sitar spielt, brachte Shankar seinem prominenten Schüler schließlich bei — unter anderem im Jahr 1968, als dieser ihn in Indien besuchte. Filmdokumente aus dieser Zeit belegen dies. Es kam später immer wieder zu Zusammenarbeiten und Zusammentreffen der beiden Musiker.

Sitarklänge sollte es bei den Beatles daraufhin bei mehreren Stücken geben — nämlich bei Tomorrow Never Knows, Within You Without You und The Inner Light.

Auch dem legendären US-amerikanischen Violinisten Yehudi Menuhin kommt eine wichtige Rolle in der Bekanntmachung Shankars zu. Menuhin war es, der Shankar einlud, in New York City zu spielen und somit der US-Metropole klassische, indische Musik vorzustellen. Der Geiger war bereits in den 1950er-Jahren während einer Indienreise auf die Musik des indischen Virtuosen gestoßen.

Bei Shankars New-York-Gastspiel hatte es sich längst nicht um seinen ersten Auftritt im Westen gehandelt, bereits als Kind ging er mit der Tanzgruppe seines Bruders auf Tour, damals noch als Tänzer und Musiker. Später nahm ihn der Multiinstrumentalist und Komponist Allauddin Khan unter seine Fittiche. Shankar studierte unter Khan indische Klassik, kombinierte später indische mit westlicher Klassik. Aber zurück zu Menuhin: Als Shankar durch den Violinisten erneut im Westen Fuß fasste, bemerkte er das Potenzial indischer Musik hier. Er tourte durch die USA, Großbritannien und Europa, nahm 1956 in London seine erste EP Three Ragas auf. Das gemeinsame Album von Shankar und Menuhin, West Meets East, wurde 1967 zum Welterfolg.

Ravi Shankar ging als einer der wichtigsten Protagonisten der Weltmusik aller Zeiten in die Geschichte ein. Dabei handelte es sich bei seiner Musik, das sei abschließend gesagt, um keine für den westlichen Markt verwässerte Light-Version indischer Musik. Shankar brachte Kulturen zusammen. Er starb am 11. Dezember 2012 und hinterließ zwei Kinder, die selbst beide Weltstars sind: Sitar-Virtuosin Anoushka Shankar und Jazz-Pop-Superstar Norah Jones.

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„The Concert For Bangladesh“: Die Mutter aller Benefizkonzerte wird 50

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Bowie, Banken und Urin: 5 Dinge, die ihr über Placebo-Dandy Brian Molko noch nicht wusstet

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Brian Molko
Foto: Ricardo Rubio/Europa Press via Getty Images

Die Geschichte der Rockmusik wäre ohne Placebo und vor allem ihren androgynen Frontmann Brian Molko anders verlaufen. Zum 50. Geburtstag des ewig jungen Peter Pan des Rock’n’Roll haben wir mal ein paar Dinge zusammengetragen, die ihr vielleicht noch nicht wusstet. Aber Achtung: Eins ist ziemlich eklig.

von Björn Springorum

Ach, Brian Molko. Was war da los, als er in den Neunzigern mit Placebo die Alternative-Rock-Welt im Sturm erobert und mit Eyeliner, aufwühlenden Texten über Mental Health, Obsession, Sucht und Femininität einen dringend benötigten Gegenpol zum ewigen Schwanzvergleich der Alphamännchen liefert. Brian Molko, dieser zierliche, verletzlich wirkende Künstler mit den traurigen Augen, wird zur Ikone, zur Galionsfigur einer ganzen Generation. Zu seinem 50. Geburtstag blicken wir auf die unbekannte Seite des Sängers und seine teilweise gewöhnungsbedürftigen Marotten.

1. Brian, der Banker

Wenn es nach Brian Molkos Vater gegangen wäre, einem jüdischen Amerikaner mit französischen und italienischen Wurzeln, wäre der junge Brian ein Banker geworden. Molkos Reaktion ist Rebellion und Aufbegehren, er legt sich sein androgynes Image zu, trägt Nagellack und Lippenstift. Seine Schule verlässt er bald darauf, weil er gemobbt wird, und findet erst in seinem Schauspielstudium in London Erfüllung. Indirekt ist es also Molkos Vater zu verdanken, dass es Placebo überhaupt gibt. Thanks, Dad!

2. Mittelfinger für Homophobie

Brian Molko ist bisexuell. Zu Beginn seines meteoritenhaften Aufstiegs zum Idol und Sexsymbol spielt er gern mit Geschlechterklischees, um gegen Homophobie in der Musik vorzugehen. „Ich wollte, dass homophobe Typen zu unseren Konzerten kommen und denken: ‚Wow, mir gefällt die Sängerin. Ist die heiß!‘ Später würden sie dann herausfinden, dass der Sänger Brian heißt, was dann vielleicht dazu führt, dass man sich ein paar Fragen stellt.“

3. Dreckige Stiefel

Der Song, der Brian Molkos Leben ganz offiziell ändert, ist Dirty Boots vom wegweisenden Sonic-Youth-Album Goo. „Mein Kumpel Nick und ich waren 16, er kam zu mir, wir rauchten einen Joint, löschten das Licht und legten Goo auf“, erinnert sich Molko mal. „Damals spielte ich seit drei Jahren Gitarre, aber alles, was ich glaubte, mit einer elektrischen Gitarre tun zu können, löste sich an diesem Tag in Luft auf. Ein ganzes Universum neuer Möglichkeiten lag vor mir. Bis heute sind Sonic Youth wahrscheinlich mein größter Einfluss. Sie sind die größte Rock’n’Roll-Band aller Zeiten.“

4. Rat vom Starman

Die Freundschaft zwischen Brian Molko und David Bowie gehörte zu den besonders heilsamen Momenten in diesem ganzen irrsinnigen Rock’n’Roll-Karneval. Erst gehen Placebo auf Einladung von Bowie mit ihm auf Tour, später nehmen sie gemeinsam Without You I’m Nothing auf. Das wichtigste Detail dieser Beziehung liegt jedoch im Einfluss, den Bowie auf den damals sehr unsicheren, eskalativen, berauschten Molko hat: „David machte mich zu einem besseren Menschen. Mir wurde das aber erst nach seinem Tod klar. Damals war ich bei Weitem zu

5. Angepisst

Vor vielen Jahren gaben Placebo regelmäßig Meet And Greets für Wettbewerbsgewinner*innen. Bei einem kommt es zu einer unschönen Szene, Molko wird sehr unangenehm belästigt. Seither pinkelte er vor einem dieser Treffen stets auf seinen Zeigefinger. „Sie liefen alle mit ein klein wenig Molko-DNA davon“, sagte er mal. Ist aber lange her, wie er versichert.

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10 Songs, die jeder Placebo-Fan kennen muss

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Popkultur

Tarja im Interview über 15 Jahre „My Winter Storm“: „Ich spürte, dass ein neues Kapitel in meinem Leben begann“

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Tarja
Foto: Frank Hoensch /Getty Images

15 Jahre ist es her, dass Tarja Soile Susanna Turunen Cabuli — besser bekannt nur unter ihrem Vornamen Tarja — ihr Soloalbum My Winter Storm veröffentlichte. Der Longplayer war zwar genaugenommen nicht ihr Solo-Debüt (das war nämlich das finnischsprachige Weihnachtsalbum Henkäys ikuisuudesta, das noch während ihrer Zeit bei Nightwish erschien) – aber ohne Zweifel ein riesengroßer Befreiungsschlag und Meilenstein in ihrem Leben. Zwei Jahre trennten sich Nightwish von Tarja — jene Band, die sie mitgegründet und mit ihrer Stimme so maßgeblich geprägt hatte. Ein schwerer Schlag und ein großer Wendepunkt für die finnische Musikerin.. Umso erfreulicher war es natürlich, dass My Winter Storm bei Fans voll ins Schwarze traf. Das Album wurde zum Riesenerfolg — und zum Fundament für eine immer noch erfolgreiche Solokarriere. Im uDiscover-Interview spricht Tarja darüber, wie alles begann — und wie es sich anfühlt, in Buchform auf ihre Karriere zurückzublicken.

von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr euch My Winter Storm anhören:

Dein Soloalbum My Winter Storm wird dieses Jahr 15 Jahre alt. Kannst du ein wenig über deine Einstellung zu dieser Zeit erzählen – und woran du dich am meisten an diese Zeit erinnerst?

Der Beginn meiner Solokarriere war für mich persönlich eine super spannende Zeit. Ich wollte schon an meiner eigenen Musik arbeiten, als ich noch in der Band war, aber als es dann wirklich losging, fühlte sich alles wie ein Traum an. Jede Person, die mit mir arbeitete, war neu für mich, und ich musste erst einmal Vertrauen zu ihr fassen. Das war schwer, zumal ich nach dem, was mit mir und der Band passiert war, leider jegliches Vertrauen in die Menschheit verloren hatte. Ich war nicht stark genug, um einigen Leuten gegenüberzutreten und ihnen zu sagen, dass mir die Dinge nicht gefielen, wie sie liefen, aber ich habe es irgendwie geschafft, meine Stimme zu finden. Auch das Songschreiben war neu für mich, und ich war mir nicht sicher, ob ich es in mir hatte oder nicht. Erst nach einigen Jahren und mehr Erfahrung begann ich mich beim Songschreiben wohl zu fühlen und hatte keine Angst mehr davor. Für mich klingt mein Debüt-Rockalbum ziemlich unschuldig und erinnert mich daran, wie nervös ich damals war, aber es hat mich beflügelt, meine Karriere zu starten und auf eine bessere Zukunft zu hoffen.

Hattest du von Anfang an eine feste Vorstellung, wohin du mit deiner Solokarriere gehen wolltest?

Auf jeden Fall. Ich hatte ein kristallklares Bild davon, was ich erreichen wollte, aber ich war mir nicht so sicher, wie ich es erreichen sollte. Um meine Ziele zu erreichen, brauchte ich Menschen, die mir helfen, und ich musste mein Selbstvertrauen finden, um sie zu führen. Das war nicht leicht, aber ich bin immer meinem Herzen gefolgt, und nie hat mir jemand gesagt, was ich mit meiner Kunst tun sollte.

My Winter Storm war ein riesiger Erfolg. Es wurde in verschiedenen Ländern mit Gold oder Platin ausgezeichnet — auch in Deutschland. Ich kann mir vorstellen, dass ein solcher kommerzieller Erfolg eine große Erleichterung nach der ganzen Band-Situation gewesen sein muss?

Natürlich war es das, aber was mich noch glücklicher machte, war die Tatsache, dass ich endlich frei war, mich selbst auszudrücken. Ich spürte, dass ein neues Kapitel in meinem Leben begann, und ich war froh, diese Seite aufzuschlagen und weiterzumachen. Es war die Zeit, in der ich produktiv, kreativ und frei sein konnte.


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In Deutschland bist du vor allem in der Metal- und Rockszene bekannt, in Finnland reicht deine Popularität weit darüber hinaus. Ist das für dich ein spürbarer Unterschied, was den Kontakt zu den Fans in beiden Ländern angeht und wie du wahrgenommen wirst?

Ja, das ist ein großer Unterschied. In Finnland bin ich eine Berühmtheit, eine öffentliche Person, wenn man so will. Mein Privatleben ist Gegenstand des Medieninteresses, und manchmal war es für mich ziemlich schwierig, damit umzugehen. Das ist auch einer der Gründe, warum ich nicht mehr in meinem Heimatland lebe. Als Künstlerin stehe ich gerne im Mittelpunkt, aber als Einzelperson bin ich nicht bereit, diese Last zu tragen. Seit Beginn meiner Karriere war mir klar, dass ich diese beiden Dinge in meinem Leben getrennt halten möchte. Mein Privatleben gehört mir. Das brauche ich, um mit einem gesunden Herzen Musik machen zu können.

Finnland scheint ein sehr gutes Umfeld für Musiker zu sein, da viele großartige Bands und Künstler von dort kommen, nicht nur im Rock und Metal, sondern auch im Jazz – in gewisser Weise vergleichbar mit Island. Siehst du das auch so – und wenn ja: warum denkst du, dass das so ist?

Du hast die Landschaft erwähnt. Sie ist ein inspirierender und wichtiger Einfluss für die Künstler in meinem Land, und das war schon immer so. Finnland ist ein ziemlich großes Land mit viel Natur und natürlichen Ressourcen, aber nicht zu vielen Menschen und überfüllten Orten. Unsere Natur ist sehr wichtig für uns. Wir wissen sie zu schätzen und sind stolz auf das, was wir haben. Es ist ziemlich schwierig, die dunklen und kalten Winter zu überstehen, und wenn im Frühling die Sonne am Himmel erscheint, ist jeder ein bisschen überwältigt von der Energie, die von ihr ausgeht. Jede Jahreszeit ist sehr unterschiedlich und dennoch inspirierend.

Letztes Jahr hast du dein Buch Singing In My Blood veröffentlicht, das du im ersten Jahr des Lockdowns geschrieben und zusammengestellt hast. Wie hat sich dieser Rückblick auf deine bisherige Karriere angefühlt, vor allem in einer sehr seltsamen Zeit wie dieser, in der alles still stand?

Die Arbeit an dem Buchprojekt war für mich teilweise wie eine Therapie. Es hat mir bewusst gemacht, wie reich mein Leben war und wie viel ich als Mensch schon erlebt habe. Es hat mich Dankbarkeit spüren lassen. Gerade wenn die Welt stillzustehen schien, musste ich mich auf das Buch konzentrieren, um das Gefühl zu haben, dass ich noch lebe. Es war wundervoll, Hunderte von Fotos durchzugehen, Menschen zu interviewen, die im Laufe der Jahre mit mir gearbeitet haben, und die Erinnerungen wieder aufleben zu lassen, die ich vergessen hatte. Ich habe die Arbeit an dem Buch wirklich genossen.

Was hättest du zu Beginn deiner Karriere gerne gewusst, was du heute weißt?

Ich hätte einige Änderungen an meinen Lebensumständen auf Tournee vorgenommen, um Stresssituationen zu vermeiden und mich zu schonen.

Du veröffentlichst gerade deine erste Best-of-Platte veröffentlicht. Im Grunde habe ich dazu die gleiche Frage wie bei dem Buch: Was war das für ein Gefühl, an einem solchen Rückblick zu arbeiten?

Der emotionalste Teil war für mich die Erkenntnis, dass es mir gelungen ist, eine lange Karriere aufzubauen, in der ich mich frei fühle, meine Kunst zu schaffen, ohne dass jemand die Fäden zieht und mir sagt, was ich tun soll. Die Jahre sind ziemlich schnell vergangen und ich habe es geschafft, an mehreren erfüllenden Veröffentlichungen und Projekten zu arbeiten. Es hat lange gedauert, an dieser Veröffentlichung zu arbeiten. Es ist ein Album, das mir genauso wichtig ist wie jedes andere von mir und ich war froh, es zusammenzustellen; ein Paket aus drei Alben und einer Live-Show. Ich bin meinen Fans einfach super dankbar für ihre Unterstützung und Liebe. Ohne sie würde ich meinen Traum nicht leben.

Es gibt einen neuen Song auf dem Album namens Eye Of The Storm. Kannst du ein wenig über diesen Song erzählen?

Der Song ist schon vor langer Zeit entstanden. Ich erinnere mich, dass ich damals auf der Suche nach meinem Platz in der Welt war. Ich hatte sowohl in Finnland als auch in Argentinien ein Haus und sogar ein Sommerhaus in Antigua in der Karibik, wohin ich zwischen meinen Tourneen fuhr, um mich zu erholen. Wir waren damals als Familie ständig auf Reisen. Ich war gerade erst Mutter geworden und war mir nicht sicher, wo ich hingehöre und was mein Herz will, also schrieb ich ein Lied darüber. Künstlerisch war ich zu der Zeit bereit, die Welt zu erobern und wollte alle neuen Informationen aufsaugen und alles über Musik lernen, aber persönlich fühlte ich einen Aufruhr in mir. Der Song ist von zwei sehr wichtigen Ländern in meinem Leben inspiriert, Argentinien und Finnland. Man kann auch einen Einfluss von Astor Piazzola und Jean Sibelius darin hören.   Nach vielen Jahren und vielen Entscheidungen hatte ich das Gefühl, dass ich bereit war, diesen Song zu veröffentlichen, weil ich endlich Frieden in mir selbst gefunden habe und mich großartig fühle. Diese Best-Of-Veröffentlichung fühlte sich wie der perfekte Ort dafür an.

Du hast kürzlich in einem Interview erwähnt, dass du während der Pandemie sehr produktiv warst. Auf welche neuen Projekte können wir uns freuen – und wird es ein neues Album geben?

Ich arbeite derzeit an drei Albumveröffentlichungen gleichzeitig! Ihr könnt in den nächsten Monaten Single- und Albumveröffentlichungen von meinem elektronischen Projekt Outlanders erwarten. Außerdem schreibe ich Songs für die kommende Rock-Veröffentlichung, die ihr 2024 erwarten könnt. Was das dritte Album angeht… das ist noch ein Geheimnis. Im nächsten Jahr gibt es eine Menge Tourneen: die letzten In the Raw-Touren im Februar und März in Europa und Best of-Konzerte im Rest des Jahres. Am Ende des Jahres gibt es natürlich noch eine Weihnachtskonzerttournee …und vieles mehr. Ich hoffe, wir sehen uns irgendwo unterwegs!

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