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Popkultur

5 Dinge, die ihr über Ace Frehley noch nicht wusstet

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Ace Frehley schminkt sich. Foto: Fin Costello/Redferns/Getty Images

Man kennt ihn als „Spaceman“, als Gitarrenlegende und als Kiss-Gründungsmitglied. Von 1973 bis 1982 tourt er mit den Schminkerockern um die Welt, 1996 kommt es zu einer mehr als erfolgreichen Reunion. Mit Gitarrenunterricht hatte Ace Frehley nie viel am Hut, dennoch gehört er zu den größten Spielern aller Zeiten. Zu seinem Geburtstag haben wir fünf Dinge über den New Yorker rausgesucht, die ihr vielleicht noch nicht auf dem Schirm hattet.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch die größten Hits von Kiss anhören:

 1. Von Ace Frehley stammt das legendäre Kiss-Logo mit den zwei Blitzen.

Wir alle kennen es, doch in Deutschland sieht man es selten: Das legendäre Kiss-Logo mit den beiden nebeneinanderliegenden Blitzen in Form eines Doppel-S. Der erste Entwurf dafür stammt von Ex-Kiss-Gitarrist Ace Frehley; den Feinschliff übernimmt Gitarrist Paul Stanley. An die Ähnlichkeit zum Logo der nationalsozialistischen Schutzstaffel habe Frehley beim Design nicht gedacht, wie er laut Ultimate Classic Rock in einem Interview verrät: „Ich hatte dabei Blitze im Kopf.“ Doch in dieser Form haben die beiden Blitze in Deutschland nun einmal eine Bedeutung, mit der man nicht assoziiert werden möchte. Bewusst wurde Kiss die unliebsame Interpretation des Logos auf der ersten Europa-Tour im Jahr 1976, wie Bassist Gene Simmons berichtet. „Damals wurden wir von den ersten Leuten als Nazis bezeichnet“, erklärt er in Kiss: Behind The Mask. „Das war absolut lächerlich.“ Außerdem fügt Gene Simmons, der eigentlich Chaim Witz heißt und in Israel geboren wurde, hinzu: „Kiss sind zu 50% jüdisch.“ Damit meint er sich selbst und Paul Stanley (eigentlich: Stanley Bert Eisen) — und beide Familien der Kiss-Bandmitglieder haben auf die eine oder andere Art unter den Nazis gelitten. „Mein Vater hat unser Logo nie gemocht“, erklärt er 2014 in Face The Music. „Weil er der Meinung war, dass meine Version immer noch zu nah an den Nazi-Blitzen ist. So richtig klar wurde mir das Problem aber erst Jahre später, als ich mitbekam, dass unser Logo in Deutschland verboten worden war, weil Nazisymbolik dort illegal ist. Es war definitiv niemals meine Absicht auf den Rücken der Opfer der Geschichte eine Kontroverse auszulösen.“ Laut eigener Aussage habe Stanley schon versucht, Frehleys ersten Entwurf ein wenig zu entschärfen: „Aces Konzept war näher an der Nazi-SS.“

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In den letzten Jahren haben Kiss ihr Logo mit den zwei Blitzen teilweise auch in Deutschland benutzt.

Das Debüt von Kiss mit dem ikonischen, aber in Deutschland unliebsamen Blitz-Logo

2. 1976 hat er nach einem heftigen Stromschlag eine Show zu Ende gespielt.

Am 12. Dezember 1976 stehen Kiss im Civic Center in Lakeland (Florida) auf der Bühne und liefern eine Granatenshow ab, wie so oft in den Siebzigern. Doch an diesem Abend kostet der Auftritt Ace Frehley beinah das Leben. Nach der Performance des Songs Detroit Rock City gehen unsere liebsten Schminkemonster von der Bühne, Frehley hält sich an einem Metallgeländer fest. Durch einen technischen Fehler schließt er mit seiner Gitarre einen Stromkreis — und bekommt einen mächtigen Schlag. Zunächst nicht in der Lage sich zu bewegen, kann er sich schließlich doch befreien. „Wenn ich es nicht geschafft hätte loszulassen, wäre ich gestorben“, erzählt er später im Interview mit dem Lakeland Ledger. „Mein Leben ist schon vor meinem geistigen Auge vorbeigezogen.“

Ernsthaft verletzt hat sich unser Mann zum Glück nicht. Nur zehn Minuten später steht er unter tosendem Applaus wieder auf der Bühne und Kiss können weiter rocken. „Ich hatte kein Gefühl mehr in meinen Händen“, beschreibt Frehley die Lage während der Show. „Ich weiß nicht, wie ich das gemacht habe. Wahrscheinlich lag das nur am Adrenalin.“ Später entsteht aus dem Vorfall der Song Shock Me — das erste Stück, das Frehley je auf einem Kiss-Album gesungen hat.

3. 1978 haben alle Kiss-Mitglieder gleichzeitig ein Solo-Album veröffentlicht. Das von Ace Frehley war das erfolgreichste von ihnen.

In den Siebzigern räumen Kiss wirklich alles ab, was es im Rockgeschäft zu holen gibt. Ohne Ende Plattenverkäufe, ausverkaufte Hallen, Merchandise jenseits von Gut und Böse: Die geschminkten Rocker verdienen sich eine goldene Nase. Intern läuft es aber gar nicht mal so gut. Mit großem Erfolg gehen bisweilen auch große Egos einher und die vier Kiss-Mitglieder geraten zusehends aneinander. Gemeinsam mit ihrem Manager Bill Aucoin beschließen die Musiker, dass es so nicht weitergehen kann. Deshalb möchte jedes Bandmitglied ein Soloalbum veröffentlichen. (Es gibt auch Quellen, die darauf hinweisen, dass die Soloalben von Anfang an vorgesehen waren, wie Christof Leim im Zeitsprung-Artikel zu den vier Kiss-Soloalben berichtet.)

Das erfolgreichste der vier Kiss-Soloalben im Jahr 1978: Ace Frehley

Ace Frehley setzt auf ein geradliniges Rockalbum und landet mit seiner Interpretation des Glam-Rock-Klassikers New York Groove von Hello den einzigen Single-Hit der Quadrologie. Auch mit seinem Album gelingt Frehley im Vergleich zu seinen Bandkollegen der größte Erfolg. Nachdem die vier Platten am 18. September 1978 erscheinen, geht sein Werk am häufigsten über die Ladentheke. Insgesamt bleiben die Verkäufe der vier Soloalben aber hinter den kommerziellen Erwartungen zurück.

4. 2005 hat er in dem Film Remedy sein nicht Kiss-bezogenes Schauspieldebüt gegeben — an der Seite von Vincent Pastore und Frank Vincent aus der Serie The Sopranos.

Als Schauspieler tritt Ace Frehley 2005 in Erscheinung. Das Krimidrama Remedy handelt von einem Künstler aus New York City, der angibt, den Mord an seinem besten Freund mitbekommen zu haben. Weil er unter einem Drogenproblem leidet, kann er sich aber nicht an den genauen Hergang der Tat erinnern und gerät ins Visier der Ermittler. Wenn die Erinnerung weiter ausbleibt, droht ihm ein Aufenthalt im Gefängnis. Ace Frehley übernimmt in der Produktion die Rolle von Drogendealer Johnny.

5. Laut eigener Aussage hat Frehley einen IQ von 163.

Frehley scheint nicht nur rocken zu können, sondern auch ein heller Kopf zu sein. „Kiss haben mal einen IQ-Test gemacht und meiner war der Beste“, gibt er in einem Interview mit Loudersound zu Protokoll. „Ich denke, mein Gehirn war an dem Morgen gut in Form. Ich danke Gott für die guten Gene. Ich glaube, Paul hatte den niedrigsten Wert. Nein, das hat mich nicht überrascht. Ein Frontmann muss kein Genie sein, er muss die richtigen Moves draufhaben. Es gibt wahrscheinlich Leute, die laut IQ-Test brillant sind, das aber nicht hinbekommen. Gene hat das absolute Business-Gehirn. Ich halte mich selbst nicht für einen besonders guten Geschäftsmann. Wenn ich mit Zahlen zu tun habe, bekomme ich Kopfschmerzen. Ich arbeite mit der kreativen Seite meines Gehirns, nicht mit der analytischen.“

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Zeitsprung: Am 3.1.1973 spielen die vier Schminkemonster von Kiss zum ersten Mal zusammen.

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Popkultur

Zum 79. Geburtstag von Jimi Hendrix: Erneuerer, Mythos, unerreichtes Genie

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Jimi Hendrix
Foto: Svenska Dagbladet/AFP via Getty Images

Er prägte das E-Gitarrenspiel wie wenige andere, revolutionierte in den wenigen Jahren, die ihm vergönnt waren, die Rockmusik und ist noch immer die Messlatte für alles. Heute wäre James Marshall „Jimi“ Hendrix 79 Jahre alt geworden. Sein Einfluss ist nach wie vor allgegenwärtig.

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von Markus Brandstetter

Jimi Hendrix schaffte in der Gitarrenwelt das, was nach ihm wohl nur Eddie Van Halen gelang: diesen alles erschütternden Moment, der keinen Stein auf dem anderen ließ. Bei beiden gibt es hunderte, tausende ähnliche Geschichten prominenter Musiker und Musikerinnen, die von regelrechten Erweckungserlebnissen erzählen. Geschichten von dem Moment, in dem sie Hendrix im Fernsehen gesehen haben, gleichermaßen begeistert und fassungslos darüber, wie er spielte, wie ungewöhnlich, radikal und — je nach Song – auch wunderschön das klang. Es gab vor Hendrix großartige Gitarristen und Gitarristinnen und es gab nach Hendrix großartige Gitarristen und Gitarristinnen. Aber es gibt eben auch eine Zeitrechnung: die der Gitarre VOR Hendrix und Gitarre NACH Hendrix. Es ist das, was viele unserer Gitarrenheld*innen auch über den Moment berichten, an dem sie zum ersten Mal Eddie Van Halen gesehen oder gehört haben: Es war danach einfach alles anders und kein Stein blieb auf dem anderen.

Ynwgie Malmsteen über Hendrix: „Er hat alles auf den Kopf gestellt”

Aber was machte diese unglaubliche Anziehungskraft aus? Yngwie Malmsteen erzählte 2019 gegenüber dem deutschen Magazin Gitarre und Bass, es sei zunächst Hendrix’ Image gewesen, das ihn fasziniert habe, mit der Musik habe er sich erst später beschäftigt. „Es sind seine Songs, sein Sound, sein Auftreten, seine Erscheinung. Sein Spiel war gar nicht zwingend das, was mich faszinierte. Das war Blues-Musik auf Drogen. Aber er hat sie wie kein anderer gespielt“, erzählte Malmsteen dem Magazin, und fuhr fort: „Er hat alles auf den Kopf gestellt und von innen nach außen gekrempelt. Die Art, wie er auf der Bühne gespielt hat und wie er sich dabei gab, hat dazu beigetragen, dass er zu dem wurde, was er heute ist. Wenn er ruhig und nett in der Ecke herumgestanden und brav gespielt hätte, wäre er keine Legende geworden.“

Steve Vai: Hendrix war „elektrischer Zucker“

Eine weitere Gitarrenlegende, die von Hendrix maßgeblich geprägt wurde, ist Steve Vai. Der erklärte 2010 gegenüber Music Radar: „Es war wie elektrischer Zucker, um einen Ausdruck von Tom Waits zu gebrauchen. Ich war etwa 12 Jahre alt und lag mit Kopfhörern da und hörte mir Jimi an, wie er The Star Spangled Banner und Purple Haze spielte, wieder und wieder und wieder. Ich wusste nicht, wie er aussah, ich wusste gar nichts über ihn. Ich wusste nur, was auch immer er tat, wie auch immer er diese Klänge erzeugte, es war unglaublich. Ich war so aufgeregt und dachte: Wann immer dieser Typ in die Stadt kommt, um zu spielen, muss ich ihn sehen. Ich hatte keine Ahnung, dass er gestorben war.“

„Selbstvertrauen und Coolness für fünf Leute“

Auch für Vai bestand die Magie von Hendrix gleichermaßen in Hendrix’ Musik als auch seiner Person: „Irgendwann bekam ich ein Exemplar von Are You Experienced, und das war eine Offenbarung für mich. Die Songs waren zugänglich, sie waren schön, und Jimi hatte etwas, das extrem cool war. Coolness ist etwas, das aus deinem Inneren kommen muss. Es ist ein Selbstvertrauen, das man hat. Jimi hatte genug Selbstvertrauen und Coolness für fünf Leute.“

Hendrix’ Spiel

Es gibt unzählige Faktoren und Elemente, die Hendrix’ Spiel und Stil so einzigartig machten. Ein Teil der Magie bestand schon allein darin, wie Hendrix seine Gitarre zähmte. Das Set-up: ein Marshall-Stack, jede Menge Verzerrung und Rückkopplung, die alles andere als geräuscharmen Single-Coil-Tonabnehmer seiner Stratocaster — auch körperlich machte Hendrix beim Spielen den Eindruck, als würde er gerade einen wilden Mustang zureiten. Den er aber stets vollständig unter Kontrolle hatte.

Und dann war da Hendrix’ unvergleiche Fähigkeit, Rhythmus und Melodie miteinander verbinden, Akkordfolgen zu zerlegen, kleine Verzierungen und Licks einzubauen, seinen Gesang damit zu akzentuieren. Man hört das bei Stücken wie Little Wing, Bold As Love, Castles Made Of Sand oder The Wind Cries Mary — immer dann, wenn Hendrix runter vom Verzerrer ging. Er verschmolz in seinem Spiel mühelos verschiedene Stile, und ganz wichtig: Er schrieb auch phänomenale Stücke. Alles was er brauchte, war ein Trio und trotzdem klang seine Musik so voll wie ein Orchester.

Hendrix steht auch wie kein anderer für eine historische Phase der Gegenkultur, für den Bruch mit Erwartungen. Er war gleichermaßen Aushängeschild wie auch Erneuerer. Er schuf nicht nur ikonische Sounds, sondern auch ikonische Bilder — Woodstock, brennende Gitarre in Monterey. Hendrix war nicht nur Genie, sondern auch Projektionsfläche und Mythos. Eines steht wohl außer Frage: Ohne ihn wäre die Gitarre nicht da, wo sie heute ist.

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Der Tod des Hippie-Traums: Die letzten Tage von Jimi Hendrix

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Popkultur

Synths, Pathos & SM: „Non-Stop Erotic Cabaret“ von Soft Cell wird 40

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Soft Cell
Foto: Fin Costello/Redferns/Getty Images

Happy Birthday, Non-Stop Erotic Cabaret: Das wegweisende Album des englischen Synth-Pop-Duos Soft Cell wird 40 Jahre alt.

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von Markus Brandstetter

Hier könnt ihr Non-Stop Erotic Cabaret hören:

Manchmal passieren die besten Dinge mit limitierten Mitteln — anders gesagt: Meniger Möglichkeiten fördern in so mancher Situation die Kreativität. Als Soft Cell 1980 ins Studio gingen, hatten sie weder ein Riesenbudget noch die Mittel für eigenes State-of-the-Art-Equipment.

Wobei: Ein Instrument, das Sänger Marc Almond und Instrumentalist Dave Ball nutzten, war durchaus sündteuer: Dabei handelte es sich um ein NED Synclavier, eine Art früher digitaler Synthesizer, der von der New England Digital Corporation of Norwich produziert wurde. Der Synth, der in den 1980er- und 1990er-Jahren auf etlichen Produktionen zu hören war, kostete damals 120.000 Pfund — gehörte allerdings nicht der Band, sondern dem Produzenten Mike Thorne. Ansonsten war das technische Set-up eher überschaubar, als Herzstück fungierte eine ReVox Bandmaschine, dazu nutze die Band einen Drumcomputer von Roland und einen Synth-Bass von Korg. Damit schufen Soft Cell einen wegweisenden Sound.

Was vor Non-Stop Erotic Cabaret passierte

Monate bevor Non-Stop Erotic Cabaret erschien, veröffentlichte die Band ihre erste Single des kommenden Albums – den Song Tainted Love, ein 1965 erschienener, im Original von Gloria Jones gesungen und von Ed Cobb geschriebener und produzierter Song.

Zuvor hatte die Band bereits eine EP namens Mutant Moments veröffentlicht, für deren Aufnahme sie sich 2.000 Pfund von Dave Balls Mutter geliehen hatten. Dadurch waren Labels auf die Band aufmerksam geworden — unter anderem Some Bizarre Records, wo das Debütalbum erschien. Soft Cell hatten mit Memorabilia einen kleineren Hit in den Clubs landen können, der Ruhm ließ aber noch auf sich warten. Bis die Coverversion von Tainted Love erschien und zu einem großen Erfolg wurde, mit dem so keiner gerechnet hatte. Die Nummer ging in etlichen Ländern auf Platz eins der Charts, zwei weitere Top-5-Singles folgten mit den Stücken Bedsitter und Say Hello, Wave Goodbye.

Skandal mit SM-Video

Auch wenn Tainted Love vom Popularitätsfaktor musikalisch alles andere in den Schatten stellte — ein weiterer Song sorgte auch für jede Menge Gesprächsstoff: Das Video von Sex Dwarf wurde in Großbritannien aufgrund seiner expliziten SM-Szenen zum regelrechten Skandal. Das Video wurde zurückgezogen, Almond erklärte später sogar, es zu bereuen.

Es waren die Gegensätze zwischen den beiden Bandmitgliedern — Almonds Liebe zu Pathos und Dramatik, die Reibefläche zwischen den beiden Charakteren, die Soft Cell damals so gut funktionieren ließen. Sex, Club, Dekadenz, Rausch: Das waren die Eckpfeiler, die die Band auch wenige Jahre später implodieren ließen (1984 war Schluss — die erste Reunion folgte 2001).

Was Soft Cell heute über Non-Stop Erotic Cabaret sagen

40 Jahre ist Non-Stop Erotic Cabaret also alt — Dave Ball selbst zeigt sich positiv angetan davon, wie gut die Platte gealtert ist. „Was mich überrascht, ist, wie frisch Non-Stop Erotic Cabaret heute noch klingt. Ich nehme an, das liegt daran,dass wir beide 40 Jahre jünger waren, daher klingt Marcs Stimme jugendlicher und nicht so poliert wie heute. Mein Synthesizer-Spiel und meine Arrangements waren einfacher, obwohl ich immer versucht habe, bei meinem minimalistischen Stil zu bleiben“, zitiert ihn das Magazin Northern Life.

Almond ist ganz der Meinung seines Kollegen: „Wenn ich mich zurücklehne und darüber nachdenke, ist es schwer zu glauben, dass eine kleine Sammlung von Songs ein so langes Leben hatte, dass die Leute sie immer noch hören und genießen. Ich bin erstaunt, wie aktuell es immer noch klingt. Und textlich ist es immer noch relevant. Es fühlt sich überhaupt nicht so an, als wäre es 40 Jahre alt, aber der Gedanke, dass es so ist, macht mir ein bisschen Angst!“

Mit Non-Stop Erotic Cabaret leisteten Soft Cell jedenfalls Pionierarbeit — die sie heute selbst ordentlich feiern: Vor kurzem stand die wieder formierte Band in Glasgow und Manchester auf der Bühne — 2022 soll mit Happiness Not Included ein neues Album erscheinen.

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10 Songs, die durch Coverversionen berühmt wurden

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Popkultur

Zeitsprung: Am 27.11.1987 erscheint „Live…In The Raw“ von W.A.S.P.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 27.11.1987.

von Christof Leim

Ja, in den Achtzigern konnte man noch schocken: Damals sind W.A.S.P. die bösen Buben, weil sie „Blut“ aus Schädeln trinken und rohes Fleisch in die Menge werfen. Das ist für junge Metalheads natürlich cool, also verkaufen sich die ersten drei Alben ganz gut. Am 27. November 1987 erscheint das erste Livealbum der Truppe.

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Hört hier in Live…In The Raw rein:


Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.


1987 touren W.A.S.P. zu ihrer dritten Platte Inside The Electric Circus. Zwar haben sie ihre aufsehenerregende Bühnenshow da schon reduziert und machen kurz gesagt nicht mehr so viel Sauerei, aber bei den Konzerten gibt es weiter genug zu gucken. Die Bühne sieht wie ein Zirkuszelt aus, und die Pyrotechnik darf ordentlich rumballern. Frontmann Blackie Lawless trägt sogar eine Funkenkanone im Schritt. Die geht bei einer Show in Dublin auch mal nach hinten los, und zwar im Wortsinn, aber das ist eine andere – und für Blackie sehr schmerzhafte – Geschichte, wie er in diesem amüsanten Interview mit der Washington Post berichtet. Alles in allem bieten W.A.S.P. also herrlichen, nicht immer ganz ernst zu nehmenden Heavy Metal-Spaß, über den sich Eltern aufregen. Bestens.

Die bösen Männer im Metal der Achtziger: Blackie Lawless von W.A.S.P. Credit: Erin Combs/Getty Images

Um das für die Nachwelt festzuhalten, lässt die Band die letzten Konzerte ihrer US-Headliner-Tour aufzeichnen, insbesondere die Show am 10. März 1987 in der Long Beach Arena in Kalifornien. Das Ergebnis heißt Live…In The Raw und erscheint am 27. November 1987. Darauf hauen Blackie Lawless und seine Mannen ihre frühen Hits in ziemlich flotten Versionen raus. Von Wild Child über L.O.V.E. Machine bis zu I Wanna Be Somebody ist hier alles dabei.



Die Aufnahmen klingen etwas künstlich, was die Vermutung nahe legt, dass an diesem Livealbum nicht alles live ist. Insbesondere Passagen, in denen Blackie zu sich selbst Backing-Vocals zu singen scheint, machen doch stutzig. Vielleicht hat aber auch einer der anderen Kollegen eine ähnliche Stimme und trifft jeden Ton, man weiß es nicht. Letztendlich kann das der geneigten Fanschar notfalls auch egal sein, denn das Album macht Spaß.



Außerdem gibt es drei neue Songs, zwei davon in Liveversionen: Einer davon heißt The Manimal (sic!) und thematisiert die philosophischen Implikationen der hormonell bedingten zwischenmenschlichen Anziehungskraft. Oder kurz: Es geht ums Poppen. Insbesondere im Hard Rock der Achtziger stellt das nun gar keine Besonderheit dar, aber den Titel finden wir doch besonders, nun ja, hübsch.

Damals hat die Band Streit mit einer Organisation namens P.M.R.C., die böse Inhalte in der Musik verbieten will und davon ausgeht, dass der Bandname W.A.S.P. für „We Are Sexual Perverts“ steht. Diesem Verein verdankt die Welt zum Beispiel die berüchtigten „Parental Advisory“-Aufkleber. (Die gesamte Geschichte könnt ihr hier nachlesen.) Für jene Leute hat „Schwarzie Gesetzlos“ extra ein weiteres neues Lied mit dem Titel Harder Faster geschrieben, über das sie sich ordentlich aufregen können. Ganz am Ende der Platte findet sich schließlich noch ein Studiotrack: Scream Until You Like It (noch ein geiler Titel!), der in der Horrorkomödie Ghoulies II Verwendung findet.



Mit Live…In The Raw halten W.A.S.P. den überdrehten, aber nicht allzu ernst zu nehmenden Wahnsinn ihrer Shows stilecht fest und fangen den Geist der Ära auf unterhaltsame Weise ein. Das reicht für Platz 77 in den US-Charts. Nach der Veröffentlichung verabschiedet sich allerdings Drummer Steve Riley in Richtung L.A. Guns.

Im Rückblick stellt die Scheibe eine Zäsur zwischen den alten, krassen W.A.S.P. und den reiferen, ambitionierteren Tönen der nächsten Jahre dar. Dass Blackie mal intelligente sozialkritische Kommentare ablassen und gefeierte Konzeptalben wie The Crimson Idol (1992) veröffentlichen würde, lag 1987 nicht gerade auf der Hand.


Zeitsprung: Ab 13.5.1985 will das PMRC vor schlimmen Songtexten warnen.

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