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Popkultur

5 Wahrheiten über R.E.M

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Für alle Insider*innen, jahrzehntelangen Fans, Neugierigen und Einsteiger*innen: Hier nehmen wir uns mal ein paar Minuten Zeit und prüfen gängige Klischees und Falschannahmen der Musikwelt… Wir nehmen uns also ein Genre oder eine*n Künstler*innen und schauen wie stichhaltig die gemeinhin als richtig wahrgenommenen Annahmen sind. Zieht eure kugelsicheren Westen an, denn der Beschuss mit gängigen Klischees erfolgt diesmal zu einer Band, die bereits früh vom Ende der Welt singt, Aktivismus nicht mit Publicity gleichsetzt und wahrscheinlich eine der sympathischsten Rockbands der Welt ist. Es geht um niemand anderes als R.E.M!


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Als die Band R.E.M. im Jahr 1987 den Song It’s The End Of The World As We Know It veröffentlichte, dachten sie – so zumindest lassen ihre Lyrics vermuten – an den Raubbau, der mit der Natur betrieben wird und an die dummen Menschen, die ihren Heimatplaneten zerstören. Jetzt bekommt dieses Lied jedoch eine auch apokalyptische Bedeutung.

Und ob man R.E.M. nun als rockende Wahrsager-Barden oder „nur” als einflussreiche und politische Band verstehen will, hier kommen einige weniger bekannte Fakten zu der großen Alternativ-Band der 80er- und 90er-Jahre.

1. Wir bleiben gleich beim Thema: Donald Trump verwendete im September 2015 bei einer Wahlkampfveranstaltung seines damaligen Kontrahenten Ted Cruz besagtes It’s The End Of The World As We Now It (And I Feel Fine) – und R.E.M. waren nicht begeistert

Was sich Donald Trump bei dieser Aktion gedacht hat, weiß nur er selbst. Ist er des Englischen nicht mächtig? Hatte er und sein Wahlkampfteam schlicht zu wenig Zeit, die Lyrics des Songs zu lesen? Jedenfalls marschierte Trump, damals noch einer von mehreren Kandidat*innen der Republikaner, zu besagtem Song auf die Bühne, um anschließend Barack Obamas Atomdeal zwischen den USA und dem Iran niederzumähen.

Daraufhin reagierte R.E.M.-Sänger Michael Stipe empört über die unautorisierte Verwendung des Songs. Dem Magazin The Daily Beast sagte Stipe: „Go f*ck yourselves, the lot of you — you sad, attention-grabbing, power-hungry little men.” Er verbitte sich die Verwendung seiner Musik für die Kampagne Trumps. Etwas diplomatischer hieß es dann auf der Facebook-Seite der Band, es stünde in dieser Wahl weitaus mehr auf dem Spiel und darauf werde man sich konzentrieren.

In dem Song heißt es an einer Stelle übrigens:

Eye of a hurricane, listen to yourself churn.

World serves its own needs, dummy, serve your own needs.

Feed it off an aux speak, grunt, no strength.

The ladder starts to clatter with fear fight, down, height.

Wire in a fire, representing seven games

In a government for hire and a combat site.

Die Welt ist ins Wanken geraten, die neue Regierung geht aus einer Schlacht hervor. So sahen es R.E.M. im Jahr 1987. Da war übrigens Ronald Reagan an der Macht, auch kein zimperlicher Republikaner. Der Song von R.E.M. hat nun wieder eine drängende Aktualität bekommen.

2. Michael Stipe hasste den Song Shiny Happy People abgrundtief

Hatten R.E.M. sich diesen Song zur Ermutigung geschrieben? Wenn das Leben mal ein Arschloch ist sozusagen? Jedenfalls konnte Sänger Michael Stipe eigenen Angaben zufolge seine poppige Ode an die fröhlichen, hübschen Menschen nicht mehr hören. Er sagte ein paar Jahre später in einem Interview, er hasse diesen Song. Ups. Doof nur, dass dieser 1991 auf Platz 10 der Billboard Hot 100 landete und ihn die Fans natürlich auf jedem Konzert hören wollten.

Im schönen Video zum Song singt und tanzt übrigens die bezaubernde Kate Pierson von der Band The B-52s. Wenn man Pierson zusieht – dieser shiny, happy person – wird einem jedenfalls wieder warm ums Herz. Und selbst Stipe soll irgendwann seinen Frieden mit Shiny Happy People geschlossen haben. Die Message ist ja auch eine schöne:

Meet me in the crowd, people, people

Throw your love around, love me, love me

Take it into town, happy, happy

Put it in the ground where the flowers grow

Gold and silver shine

3. Der Namensfindungsprozess: Von Slut Bank zu R.E.M.

Es kursieren ja die aberwitzigsten Mythen über den Bandnamen und es lohnt, sich etwas durchs Dickicht der Märchen zu kämpfen. Dem Buch Remarks – The Story of R.E.M. zufolge, das von der Band autorisiert wurde, baten die Bandmitglieder ihre Freund*innen, ihnen Namensvorschläge zu machen. Sie sollten diese dann auf die Außenwände der umgebauten Kirche schreiben, in der die Band zu dieser Zeit residierte. Dass dabei Vorschläge wie Cans of Piss, Twisted Kites oder auch Slut Bank herauskamen, hätte man sich denken können.

Angeblich soll auch R.E.M. einer der Vorschläge gewesen sein. Auch wenn das Akronym bekanntermaßen für jene Schlafphase steht, in der sich unsere Augen unkontrolliert bewegen und wir intensiv träumen, gefiel der Band an den Buchstaben, dass sie viel Freiraum für Interpretationen ließen. Unbestätigt bleibt aber die Geschichte, dass Stipe an schlimmen Schlafstörungen gelitten haben soll und sich in der Folge viel mit dem Thema Schlaf beschäftigt hat.

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4. R.E.M.’s Aktivismus – Nicht nur für ein bisschen Publicity

Die meisten großen Bands und Superstars der amerikanischen Musikszene setzen sich in irgendeiner Weise für politische Belange ein – seien es die Rechte von People of Color, Latinos und LGBTQ-Menschen, sei es die Umwelt, seien es Fälle von Menschenrechtsverletzungen in anderen Ländern, der Umgang mit Geflüchteten oder die Alphabetisierung des Landes. Doch die vielseitigen Initiativen von R.E.M. gehen über den Aktivismus der meisten Künstler*innen hinaus. Sie scheinen ein Selbstzweck zu sein, erwachsen aus ehrlicher Anteilnahme der Bandmitglieder an politischen Themen im In- und Ausland. Dabei wird die Berühmtheit der Band systematisch genutzt, um wichtigen Themen größere Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Die Band wurde völlig zurecht von der Los Angeles Times als eine der liberalsten und politisch korrektesten Bands der USA bezeichnet. Besonders bemerkenswert ist dabei, dass sich die vier Musiker die meiste Zeit einig zu sein scheinen über ihren politischen Aktivismus, den sie verfolgen.

Hilfe für Opfer von Hurrikan Dorian: R.E.M. stellen unveröffentlichten Song zur Verfügung

R.E.M. setzte sich über die Jahre für Menschenrechte, Feminismus oder den Schutz der Umwelt ein. Auf Konzerten ermutigte sie ihre Fans, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, sie sprach sich für mehr Waffenkontrolle, gegen Rassismus und für die Befreiung der Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi aus dem Hausarrest in Burma aus. Stipe war ein aktiver Unterstützer des demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry, als dieser gegen George W. Bush antrat. Und auch in ihrer Heimatstadt Athens in Georgia setzen sich die Bandmitglieder in der Stadtpolitik ein. Letztendlich scheint es so, als hätten R.E.M. das Herz eindeutig am richtigen Fleck.

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5. No drugs, no ego, no money – R.E.M. definierten das Rockstar-Image neu

Liest man sich querbeet durchs Internet und durch die Masse an R.E.M.-Artikeln, so findet man vor allem eines nicht: böse Geschichten über drogeninduzierte Zusammenbrüche, Orgien, Alkoholismus, Ausfälligkeiten und Allüren. Das hat damit zu tun, dass die Band aus vier College-Freunden über die 17 Jahre ihres Bestehens einen festen Regelkatalog beibehalten hat.

Der Gitarrist Peter Buck erklärte dazu einmal, er habe seine Jugend damit verbracht, die Biografien von seinen musikalischen Idolen zu studieren und schnell gemerkt, dass viele Bands mit den gleichen Themen Probleme hatten: plötzlicher Ruhm gepaart mit Allmachtsfantasien, Groupies, die plötzlich frei verfügbar erscheinen, zu viel Alkohol und zu viele Drogen.

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„Basically, it’s money, ego and drugs. If you know that from the start, then you avoid the traps”, erzählt Buck. Die R.E.M.-Regeln beinhalteten zum Beispiel, dass alle vier Musiker stets in den Credits für das Songwriting genannt wurden und dass man nicht für irgendwelche Produkte warb. Außerdem sollten die Albencover ohne Gesichter der Band auskommen. Zudem machte man nicht Musik, um besonders viel Geld zu verdienen. Oder, wie Buck es ausdrückte: „We went into this all agreeing that we would rather be beautiful losers than rock stars.”

Es wundert dann auch nicht, dass eine kleine Flugzeugepisode, in der Buck einen nicht ganz so charmanten Auftritt als betrunkener Rüpel hat, weit und breit die einzige Geschichte ist, die eine Ausfälligkeit der Band dokumentiert. Auch alle Supportacts, mit denen R.E.M. über die Jahre getourt sind, wissen nur Gutes zu berichten. Statt Koks und Whiskey gibt es im Backstagebereich Früchte, ein vegetarisches Buffet und Mineralwasser. Wer so lange Rockstar sein will, muss eben auf seinen Vitamin- und Elektrolythaushalt achten.

R.E.M. veröffentlichen massive Neuauflage von Meilenstein-Album „Monster“!

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Popkultur

Der Boss kommt: Bruce Springsteen spielt drei Deutschlandkonzerte!

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Bruce Springsteen
Foto: Jamie Squire/Getty Images

2023 wird ein guter Sommer: Bruce Springsteen & The E Street Band kommen nächstes Jahr im Juni und Juli für drei Open-Air-Shows nach Deutschland. Freuen können sich Düsseldorf, Hamburg und München.

von Björn Springorum

Es sind die ersten Live-Dates von Bruce Springsteen und seiner E Street Band seit Abschluss der „The River“-Tour von 2016, mit der er in München und Berlin Halt machte: Für den Sommer 2023 haben der Boss und seine Kollegen jetzt eine endlich mal wieder eine ordentliche Europatour angekündigt. Und zu feiern gibt es viel: Seit ihrer letzte Reise durch die Alte Welt sind mit Western Stars und Letter To You bereits zwei neue, ganz hervorragende Springsteen-Platten erschienen.

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„Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen“

Hier die genauen Daten für Deutschland:

21.06.2023 Düsseldorf, Merkur Spiel Arena

15.07.2023 Hamburg, Volksparkstadion

23.07.2023 München, Olympiastadion

Im deutschsprachigen Ausland kommen zudem Zürich (13. Juni) und wien (18. Juli) in den Genuss einer Audienz beim Boss. Der Vorverkauf für alle Shows startet am 3. Juni 2022, um zehn Uhr morgens. Springsteen selbst kommentiert diese frohe Kunde wie folgt: „Nach sechs Jahren freue ich mich, endlich wieder unseren großartigen und loyalen Fans zu begegnen. Ich kann es kaum erwarten, die Bühne mit der legendären E Street Band zu teilen. Wir sehen euch da draußen im nächsten Sommer und darüber hinaus!“

Die aktuell E-Street-Band-Besetzung liest sich derzeit wie folgt: Roy Bittan (Piano, Synthesizer) Nils Lofgren (Gitarre), Patti Scialfa (Gitarre, Gesang), Garry Tallent (Bass), Stevie Van Zandt (Gítarre, Gesang), Max Weinberg (Drums), Soozie Tyrell (Violine, Gitarre, Gesang), Jake Clemons (Saxophon) und Charlie Giordano (Keyboards).

Allgemeiner Vorverkaufsstart:

Fr., 03.06.2022, 10:00 Uhr

www.livenation.de/artist-bruce-springsteen-and-the-e-street-band-1975

www.ticketmaster.de

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Zeitsprung: Am 3.5.1984 erscheint „Dancing In The Dark“ von Bruce Springsteen.

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Zeitsprung: Am 24.5.1974 erscheint „Diamond Dogs“ von David Bowie.

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Diamond Dogs

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 24.5.1974.

von Timon Menge und Christof Leim

Mit seinem achten Studioalbum Diamond Dogs hat David Bowie am 24. Mai 1974 eine seiner wechselhaftesten, aber auch interessantesten Platten veröffentlicht. Als eine der Vorlagen dient der berühmte Roman 1984 von George Orwell. Ein paar Kompromisse musste Bowie allerdings eingehen.

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Hört hier Diamond Dogs:


Als David Bowie Anfang 1974 zu seinem achten Wurf ansetzt, liegt die Beerdigung seiner wohl bekanntesten Kunstfigur Ziggy Stardust gerade einmal ein halbes Jahr zurück. Für Diamond Dogs kramt der britische Musiker den Charakter schon wieder hervor, wenn auch unter dem Namen Halloween Jack. Zumindest sind optische Ähnlichkeiten nicht von der Hand zu weisen. Die Geschichte beginnt allerdings bei einer der berühmtesten Dystopien aller Zeiten.



Heute wissen wir: George Orwells Jahrhundertwerk 1984 wurde von der Realität in vielerlei Hinsicht nicht nur ein-, sondern sogar überholt. Zu Beginn der Siebziger treibt David Bowie eine Begeisterung für den gesellschaftskritischen Roman um, sogar auf die Bühne möchte er das Buch bringen. Weil er nicht die nötigen Rechte dazu erhält, setzt er auf einen alternativen Plan und will das fremde Material mit seinen eigenen Vorstellungen einer postapokalyptischen Welt verschmelzen. Das Ergebnis: Songtitel wie 1984 oder Big Brother. Später mischt er die Ideen dann doch mit thematisch weiter gefassten Entwürfen, wodurch sich das Album zu einer komplexen und bunt gemischten Sache entwickelt.

Bowie während der Tour zu Diamond Dogs im Juni 1974 – Pic: Promo/MainMan

Auf der Plattenhülle sieht man Bowie als Fantasiewesen, zur Hälfte Mensch, zur Hälfte Hund. Nach Erscheinen löst diese Zeichnung des belgischen Malers Guy Peellaert eine Kontroverse aus, denn öffnet man das komplette Cover, kommen in der Urfassung die Genitalien des Geschöpfes zum Vorschein. Das geht natürlich nicht, also wird das Album schnell wieder vom Markt genommen und die entsprechende Stelle übermalt. Heute wechseln Originalexemplare für mehrere Tausend Euro den Besitzer.



Musikalisch orientiert sich die Platte teilweise am Glam der vorherigen Kompositionen Bowies. Mit Songs wie Rock ‘n‘ Roll With Me, 1984 oder Sweet Thing/Candidate/Sweet Thing (Reprise) liefert der Ausnahmekünstler allerdings auch einen Vorgeschmack auf die kommenden Jahre. Für letzteres Lied bedient er sich erstmals der Cut-Up-Technik, die vor allem von Autor Williams S. Burroughs bekannt gemacht wurde. Bei dieser Methode werden Texte in ihre Bestandteile zerlegt, um sie anschließend neu zusammenzusetzen — ein Vorgehen, das Bowie weitere 25 Jahre begleiten soll und viele seiner Songs prägt.



Mit Diamond Dogs schafft Bowie gerade rechtzeitig den schrittweisen Absprung vom Glam Rock, der in den Jahren danach zu einer Talfahrt ansetzt, von der er sich nicht mehr erholt. Laut eigener Aussage handelt es sich bei Diamond Dogs um noch deutlich mehr, nämlich ein „sehr politisches Album. Mein Protest. Es entspricht mir mehr als all meine bisherigen.“ In den britischen und in den kanadischen Charts erreicht die Scheibe Platz eins, in den USA Platz fünf — zu jener Zeit Bowies Bestwert.

Zeitsprung: Am 12.11.1964 setzt sich David Bowie für den Schutz langhaariger Männer ein.

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„The Wall“ als Film: Roger Waters’ holpriger Weg ins Kino

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Pink Floyd spielen "The Wall"
Foto: Rob Verhorst/Redferns/Getty Images

Als Pink Floyd im Jahr 1979 ihr monumentales Konzeptalbum The Wall vorlegen, denkt Mastermind Roger Waters schon längst über eine Verfilmung der Geschichte nach. Genau dazu kommt es wenig später auch — allerdings auf großen Umwegen, mit viel Streit und einem enttäuschenden Ergebnis.

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von Timon Menge

Hier könnt ihr euch The Wall von Pink Floyd anhören:

Mitte der Siebziger hängt der Haussegen bei Pink Floyd mächtig schief. Frontmann Roger Waters reißt Stück für Stück die kreativen Belange an sich, Gitarrist David Gilmour fühlt sich deshalb übergangen. Keyboarder Richard Wright kommt ohnehin zu kurz, doch die Schuld dafür gibt sich der typische Klassenstille später selbst. Als sich die Musiker auch noch um Tantiemen streiten und Gilmour zum ersten Mal Papa wird, übernimmt Waters noch mehr künstlerische Kontrolle. Quasi im Alleingang schreibt er das Konzeptalbum The Wall, das eine Kette von Ereignissen nach sich zieht. Da wären zum Beispiel der Rauswurf von Keyboarder Wright oder die aufwändige The Wall-Tour. Waters hat mit der Platte aber noch etwas anderes vor: Er möchte die Geschichte als Film auf die große Leinwand bringen.

The Wall: ein autobiografisch angehauchtes Meisterwerk

Die Handlung von The Wall lässt tief in Waters’ eigene Biografie blicken: Rockmusiker Pink leidet unter dem Tod seines Vaters im Zweiten Weltkrieg, unter seiner überfürsorglichen Mutter und unter seinem Dasein als Rockstar, der sich zunehmend von seinem Publikum isoliert fühlt — genau wie Waters während der ersten Pink-Floyd-Stadion-Shows im Rahmen der In The Flesh-Tour. Auch Schulprobleme aus der Kindheit und schwierige Liebesbeziehungen machen Pink zu schaffen. So demütigt ein Lehrer ihn zum Beispiel, indem er Pinks Gedichte laut vor der Klasse vorliest. Später findet der Rockstar heraus, dass ihn seine Frau betrügt und versucht, den Schmerz mithilfe eines Groupies und schließlich mit Drogen zu bekämpfen. Jede Enttäuschung sorgt für „another brick in the wall“, die Pink um sich errichtet. Am Ende laufen all seine negativen Erfahrungen zusammen.

Einen Film plant Waters schon vor der Produktion des Albums. Live-Aufnahmen sollen darin vorkommen, genauso wie Animationen aus dem Pinsel von Gerald Scarfe, der schon die LP von The Wall gestaltete. Auf dem Regiestuhl sollen Alan Parker und Michael Seresin sitzen, Waters möchte als Pink vor die Kamera treten. Doch dann kommt alles anders: Waters eignet sich nicht als Schauspieler, stattdessen übernimmt Boomtown-Rats-Frontmann Bob Geldof die Rolle. Der erzählt seinem Manager im Taxi noch, wie bescheuert er den Film findet — nicht wissend, dass Roger Waters’ Bruder am Steuer des Wagens sitzt. Live-Mitschnitte von Pink Floyd ergeben nach Waters’ Ausscheiden aus dem Cast keinen Sinn mehr, Seresin verlässt das Projekt daraufhin komplett. Übrig bleiben Parker, Waters und Scarfe. Harmonisch verläuft die Zusammenarbeit der Drei allerdings nicht …

Viel Ego, viel Film

Immer wieder geraten Musiker Waters, Regisseur Parker und Animateur Scarfe aufgrund ihrer Egos aneinander. Parker beschreibt den Filmprozess sogar als „eine der schlimmsten Erfahrungen meines kreativen Lebens“. Scarfe wiederum gibt in einem Interview mit dem Pink-Floyd-Magazin Floydian Slip zu Protokoll, er habe während der Dreharbeiten stets eine Flasche Whiskey im Gepäck gehabt. „Ich saß gegen neun Uhr morgens in meinem Auto und hatte eine Flasche Jack Daniel’s auf dem Beifahrersitz“, so Scarfe. „Ich trinke nicht viel, aber damals musste ich morgens einen Schluck nehmen, weil ich wusste, was auf mich zukam, und dass ich mich in irgendeiner Weise stärken musste.“ Roger Waters selbst genießt die Arbeit am The-Wall-Film auch nicht gerade, bezeichnet sie aber schlicht als „sehr zermürbende und unangenehme Erfahrung“.

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Die Premiere des Streifens geht am 23. Mai 1982 in Cannes über die Bühne, drei Wochen später folgt die Erstaufführung in London. David Gilmour und Nick Mason erscheinen als Gäste, Geldof und Scarfe lassen sich die Premiere natürlich ebenfalls nicht entgehen — genauso wenig wie Pete Townshend von The Who, Roger Taylor von Queen und Sting von The Police. Richard Wright bleibt wegen seines Rauswurfs zuhause. Zwölf Millionen US-Dollar kostet der The-Wall-Film unterm Strich, fast das Doppelte spielt er ein. Eigentlich handelt es sich bei dem Streifen also um einen Erfolg, doch Roger Waters ist nicht zufrieden. „Ich war am Ende ein bisschen enttäuscht“, verrät er 1988 in einem Interview. „Ich habe keinerlei Sympathie für den Hauptcharakter empfunden. Der Film war so ein Feuerwerk für die Sinne, dass ich als Zuschauer gar keine Chance hatte, mich richtig darauf einzulassen.“

„Was zum Teufel war das?“

Regie-Legende Steven Spielberg soll ein wenig direktere Worte gefunden haben und nach der Premiere in Cannes gefragt haben: „Was zum Teufel war das denn?“ The-Wall-Regisseur Parker behauptet später, dass ihn diese Reaktion gefreut habe: „In der Tat, ‚Was zum Teufel war das?‘ Niemand hatte so etwas bisher gesehen — eine wilde Mischung aus Live-Action, Storytelling und Surrealismus.“ Heute hat die The-Wall-Verfilmung ihren festen Platz in der Popkultur, nicht zuletzt aufgrund der charakteristischen Animationen von Scarfe. Zu den Sternstunden der Pink-Floyd-Geschichte zählt der Streifen aber sicher nicht.

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Die Alben von Pink Floyd im Ranking — die besten Platten der Prog-Legenden

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