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Popkultur

Der mysteriöse Tod von Brian Epstein

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Brian Epstein
Foto: Evening Standard/Getty Images

Vor 53 Jahren stirbt der Beatles-Manager Brian Epstein an einer Überdosis Schlaftabletten. Die Umstände seines Todes geben bis heute Rätsel auf.

von Björn Springorum

Am Tag nach seinem Tod kennen die Titelseiten der englischen Presse nur dieses eine Thema: Der Prinz des Pop ist tot. Der Beatles-Macher ist ums Leben gekommen. Mit nur 32 Jahren stirbt Brian Epstein am 27. August 1967 in seinem Londoner Haus in der Chapel Street. Dort, am noblen Grosvenor Place 24 direkt an der Chapel Street, hatte er die letzten zweieinhalb Jahre gelebt, rauschende Feste gefeiert und sich ganz allgemein so verhalten, wie es sonst nur die ganz großen Rockstars tun würden.

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Der Architekt der größten Band der Welt

Brian Epstein ist natürlich selbst ein großer Rockstar. Er ist der, der die Beatles vielleicht nicht entdeckt, aber doch zumindest ihr weltveränderndes Potential erkannt hat. Schon 1961, mit Mitte 20, nimmt er sie unter Vertrag, redet ihnen die Lederjacken aus und steckt sie in Anzüge. Sein Deal: 25 Prozent aller Einnahmen für die nächsten fünf Jahre. Natürlich konnte damals niemand damit rechnen, was mit dieser Band passieren würde, doch man muss kein Mathegenie sein, um zu dem Schluss zu kommen, dass es ab 1963 sehr schnell sehr lukrativ für den jungen Epstein wird. Und natürlich nicht ganz zu Unrecht: Er erfindet die größte und erfolgreichste Pop-Band der Welt, leidet aber mit dem zunehmenden Erfolg seiner Zöglinge mehr und mehr unter Minderwertigkeitskomplexen. In ihrer Gegenwart fühlt er sich zunehmend unwohl, höchstwahrscheinlich zusätzlich befeuert durch seine Zuneigung, die er für John Lennon empfindet.

The Beatles: Biopic über Manager Brian Epstein in Planung

Denn was von den Beatles damals niemand weiß und allerhöchstens ahnt: Epstein ist homosexuell. Im Swinging London mag das zu dieser Zeit noch einfacher gewesen sein als auf dem englischen Land, doch auch dort, im Epizentrum der britischen Popkultur, kann ein grandios erfolgreicher Manager nicht einfach offen schwul sein. Schon sein ganzes Leben leidet Epstein unter seinen vollkommen natürlichen Neigungen, sucht schon in Liverpool sogenannte rough-trade-Bekanntschaften, also heruntergekommene Männer, die für Sex bezahlt werden.

Drogen und Glücksspiel

Sein Erfolg und sein Geld können das alles nicht kitten. Insbesondere Lennon, der irgendwann kapiert hat, wie viel er Epstein bedeutet, macht sich in seiner typischen Art gern lustig über den Manager und seine sexuelle Orientierung, was Epstein wiederum in tiefe Verzweiflung stürzt. Umso mehr noch, wenn man weiß, dass die beiden sogar mal zusammen in den Urlaub gefahren sind. Zärtlichkeiten inklusive. 1967 ist er entfremdet von den Beatles, taucht nur selten zu normalen Geschäftszeiten in seinem Londoner Büro auf, verfällt Drogen und Glücksspiel und geht den Beatles weitgehend aus dem Weg. Deswegen ist er auch kein Teil der Delegation, die sich mit den Beatles auf den Weg nach Wales gemacht hat, um den Maharishi Mahesh Yogi zu treffen. Das letzte Mal, dass die Beatles ihren Manager lebendig sehen, ist am 23. August 1967, als er kurz bei ihrer Aufnahmesession in den Chappell Recording Studios in Mayfair vorbeischaut.

Stattdessen will er das Wochenende mit einigen Freunden in seinem Landsitz in East Sussex verbringen. Enttäuscht von den Gästen ändert er seine Pläne und fährt angetrunken zurück nach London, um im West End einen draufzumachen. Nachdem sein Butler den gesamten nächsten Tag nichts von ihm hört, ist er zunehmend besorgt. Weil Pete Brown, der Leiter des Epstein-Musikladens in Liverpool, in dem der junge Brian seine Karriere begann, ebenfalls nicht erreichbar ist, fährt seine Assistentin Joanne Newfield zu Epsteins Londoner Haus. Auch sie kann nichts erreichen, sodass es schließlich der Arzt John Galway ist, der die Tür zu Epsteins Schlafzimmer aufbricht und den Pop-Prinzen in seinem Pyjama tot in seinem Bett findet. „Ich habe noch nie einen derart bleichen Arzt gesehen“, würde Newfield später sagen. „Wir waren alle so bleich.“

Gab es einen Abschiedsbrief?

Die Todesursache scheint schnell geklärt: eine Überdosis Schlaftabletten. Die sind nicht unüblich für einen wie Epstein, der erst kurz vor seinem Tod in einer Entzugsklinik war, um von Amphetaminen loszukommen. In Verbindung mit Alkohol können diese Schlaftabletten aber eben schnell gefährlich werden – vor allem, wenn man gleich sechs davon schluckt. Einem wie Epstein, der sowohl den Tabletten als auch dem Alkohol reichlich und oft zusprach, müsste das eigentlich bewusst gewesen sein.

Brisant werden die Umstände seines tragischen Todes besonders dann, wenn man Peter Browns Memoiren glaubt. Darin verkündet er, einige Zeit vor seinem Tod einen Abschiedsbrief und ein Testament bei Epstein entdeckt zu haben. Auf dem Brief steht eine einfache, aber eindeutige Botschaft: This is all too much, and I can’t take it anymore. Epstein bittet Brown inständig, die Sache für sich zu behalten, um niemanden zu beunruhigen. Wenn es stimmt, was Brown schreibt, dann war das die falsche Entscheidung. Brian Epstein stirbt so, wie er sich schon die vergangenen Jahre gefühlt hat: einsam.

Hatte Epstein seinen Selbstmord von langer Hand geplant? War er deswegen unter dem Vorwand, unzufrieden mit den Gästen zu sein, nach London zurückgefahren, um in aller Ruhe den letzten Schritt zu gehen? Wie man es auch dreht und wendet, es wird nicht weniger tragisch. Wie so oft, haben seine engsten Vertrauten nicht genau hingeschaut oder vielleicht sogar weggeschaut. Was wäre gewesen, wenn Brown seine Entdeckung öffentlich gemacht und der Arzt daraufhin alle Medikamente abgesetzt hätte? Alles Spekulationen. Brian Epstein fühlte sich gefangen in einem goldenen Käfig. Ob sein Tod nun also Selbstmord war oder nicht: Er war ein unglücklicher Mann, den alles Geld der Welt nicht retten konnte.

Von Epsteins Beerdigung bleiben die erschütterten Beatles fern, um nicht noch mehr Mediengerangel zu provozieren. Sie befinden sich seit dem 27. August 1967 in einer Schockstarre, in der schon das Ende der Band gärt. Die Frage, wer dem Verwalter des größten Pop-Imperiums aller Zeiten nachfolgen soll, spaltet die Band. Paul McCartney spricht sich für seinen frischgebackenen Schwiegervater Lee Eastman aus, während der Rest der Band den Finger für Stones-Manager Allan Klein hebt. Letztlich tritt Klein die Nachfolge Epsteins an. Doch die Kluft in deshalb der Band ist zu diesem Zeitpunkt schon unüberwindbar groß. Brian Epstein hat vielleicht nicht immer die besten Deals für die Beatles ausgehandelt. Aber er hat sein Herz und seine Seele für sie gegeben. Er hat sie zusammengehalten. Es war der Band tragischerweise nur nie bewusst.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 18.1.1974 gehen falsche Fleetwood Mac auf Tour – ganz offiziell.

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"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 18.1.1974.

von Christof Leim

Im Januar 1974 spielen Fleetwood Mac Konzerte in den USA. Das wäre eigentlich ein Grund zur Freude für Classic Rock-Fans, doch leider steht da niemand auf der Bühne, der auf den aktuellen Platten oder den letzten Touren gespielt hat. Anders formuliert: Nur der Name Fleetwood Mac geht auf Tour, die Band blöderweise nicht. Das finden Besucher und Veranstalter natürlich befremdlich, zumal sie das oft erst am Showtag erfahren. Was ist da passiert und wer steckt hinter den „Fakewood Mac“?

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Hört hier in die damals aktuelle Platte Mystery To Me rein:

Klickt auf „Listen“ für das volle Programm.

Wer sich Anfang 1974 ein Konzertticket für Fleetwood Mac kauft, der erwartet auf der Bühne die Musiker der gerade neuen Platte Mystery To Me: Schlagzeuger Mick Fleetwood und Bassist John McVie zum Beispiel, dazu Sängerin Christine McVie und die Gitarristen Bob Welch und Bob Weston. Doch schon bei der ersten Show der Tour am 18. Januar 1974 ist keine einzige Person dieses Line-ups anwesend. Niemand. Stattdessen spielen fünf Unbekannte Fleetwood Mac-Songs.

Da muss also etwas vorgefallen sein. In einem Artikel des Rolling Stone von damals erzählt der Manager Clifford Davis: „Ich habe mich entschieden, etwas an der Band zu ändern, insbesondere auf der Bühne. Und das habe ich getan. Ich war immer schon der Anführer, der entscheidet, wer mitspielt und wer nicht.“ Eine krasse Ansage, aber Davis geht noch weiter: „Ich möchte endlich den Eindruck zerstreuen, dass dies Mick Fleetwoods Band ist. Diese Band war immer schon meine Band.“

Die echte Band Ende 1973: Welch, Fleetwood, McVie, McVie (v.l.) – Pic: Promo

Doch wie kommt der Mann dazu? In jenen Jahren verlieren Fleetwood Mac ständig ihre Gitarristen: Danny Kirwan fliegt 1972 raus, was den Abbruch einer Tour bedeutet. Im Herbst 1973 wird dann Bob Weston gefeuert, weil Drummer Mick kann es nicht länger mit ansehen, dass sein Kollege ein Verhältnis mit seiner Frau Jenny hat und damit auch in der Öffentlichkeit nicht hinter dem Berg hält. Autsch. Damit endet auch die erste Tour zu Mystery To Me vorzeitig. Dem Manager passt das gar nicht, angeblich nennt er das „unprofessionell“. Als die Musiker dann sogar eine Pause einlegen wollen, in der Mick sich um seine unvermeidliche Scheidung kümmern muss, stellt er kurzerhand eine Ersatztruppe zusammen und schickt sie in den USA auf die Straße.

Das Ersatzaufgebot besteht aus Musikern der Band Legs, die eine Single unter der Ägide des Managers veröffentlicht hatte: Sänger Elmer Gantry, Gitarrist Kirby Gregory, Bassist Paul Martinez und  Pianist John Wilkinson. „Ich habe mich aber entschieden, Mick zu behalten“, erklärt Davis im Rolling Stone. Allerdings habe der kurzfristig wegen privater Probleme wieder zurück nach England fliegen müssen. Also setzt sich Craig Collinge hinter das Schlagzeug.

Der erste Auftritt findet statt in Pittsburgh am 18. Januar 1974. Wenig überraschend gibt es dort umgehend Streit mit dem Veranstalter, und auch die Fans sind nicht erbaut. Deshalb muss Davis von nun an jeden Abend auf der Bühne verkünden, dass ganz neue Musiker spielen werden und Mick Fleetwood selbst, so ein Ärger, es leider nicht geschafft habe. Gut kommt das nicht an, doch es wird noch schlimmer: Eine Woche später rollt der Tross nach New York, wo 30 Minuten vor der Show feststeht, dass Elmer Gantry nicht singen können wird. „Das ist mir noch nie passiert“, röchelt er gegenüber dem Rolling Stone. Dummerweise hat sich ausgerechnet für diesen Abend die versammelte Musikpresse angekündigt. Noch doofer allerdings: Niemand sagt den Veranstaltern rechtzeitig Bescheid. Die hätten mit ein wenig mehr Vorlauf die Sause noch absagen können, jetzt aber stehen nach den Vorgruppen Kiss und Silverhead 3.400 Fans in der Halle und warten. Also fällt die Entscheidung, die „Band“ ohne Frontmann auf die Bühne zu schicken. Nach einer halben Stunde Boogie-Jam machen 800 Fans von dem Angebot Gebrauch, ihr Geld zurückzubekommen…

Das kann alles nicht lange gut gehen. Es gibt sogar die Geschichte, dass der langjährige Tourmanager John Courage irgendwann das Equipment versteckt und so dafür sorgt, dass die Konzertreise unter falscher Flagge gestört und abgebrochen wird. Kein Wunder also, dass der Spuk der„Fakewood Mac“ ziemlich schnell wieder vorbei ist und Clifford Davis mit Anlauf gefeuert wird. Ein unvermeidbares gerichtliches Nachspiel klärt zwar die Namensrechte eindeutig zu Gunsten der echten Fleetwood Mac, doch es bremst die Band mehrere Monate aus.

Die Musiker der Zweitbesetzung kehren zurück nach England und gründen die Band Stretch, die im November 1975 einen Hit landet mit dem Song Why Did You Do It?. Dessen Text kann mal an als klassisches Beziehungsdrama lesen, aber die meisten Kommentatoren sehen hier eine direkte Attacke auf Mick Fleetwood – weil der sich schließlich von der unglücklichen Tour zurückgezogen habe (was der weiterhin dementiert). Fleetwood Mac verstärken sich indes mit dem Gitarristen Lindsey Buckingham und der Sängerin Stevie Nicks und gehen in den Folgejahren durch die Decke. Der Rest ist Geschichte…



Titelfoto: Michael Putland/Getty Images

Zeitsprung: Am 11.7.1975 starten Fleetwood Mac ihrem gleichnamigen Album durch.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 17.1.1949 erblickt Mick Taylor das Licht der Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 17.1.1949.

von Timon Menge und Christof Leim

Mick Taylor zählt zu den versiertesten Gitarristen der Rockgeschichte und hat die Diskografie gleich zwei großer Bands mitgeprägt: John Mayall’s Bluesbreakers und The Rolling Stones. Als Solomusiker tourt er seit 1974 um die Welt. Am 17. Januar feiert Taylor Geburtstag.

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Hört hier in sein Soloalbum Mick Taylor rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.

Der Jugendliche

Mick Taylor kommt am 17. Januar 1949 in Welwyn Garden City in England zur Welt und wächst im Ort Hatfield auf. In seiner Jugend gründet er die Bands The Juniors und The Strangers, mit denen er sogar im Fernsehen auftritt und eine erste Single veröffentlicht. Ab 1965 spielt er als Mitglied von The Gods mit Musikern wie Brian Glascock (später bei Dolly Parton und Iggy Pop), mit seinem Bruder John Taylor (Jethro Tull), Ken Hensley und Lee Kerslake (beide Uriah Heep) sowie Greg Lake (King Crimson, Emerson, Lake & Palmer).

Der Bluesbreaker

Etwa zur selben Zeit besucht Taylor ein Konzert von John Mayall’s Bluesbreakers in seiner Geburtsstadt. Als Mayalls Gitarrist Eric Clapton aus ungewissen Gründen nicht auftaucht, fragt Taylor den britischen Bluesveteranen in der Pause kuzerhand, ob er einspringen soll. Nach kurzer Bedenkzeit ist Mayall einverstanden. Später sagt Taylor dazu: „Ich habe in dem Moment gar nicht daran gedacht, dass das eine tolle Gelegenheit ist. Ich wollte bloß auf die Bühne und Gitarre spielen.“



Der junge Gitarrist beeindruckt den Bandleader so sehr, dass die beiden ihre Telefonnummern austauschen. Als Mayall ein Jahr später einen Ersatz für Peter Green sucht, erinnert er sich an das Nachwuchstalent. Von 1966 bis 1969 tourt Taylor mit der Gruppe, spielt Alben wie Crusade (1967), Bare Wires (1968) und Blues From Laurel Canyon (1968) ein. Er profiliert sich als hervorragender Blues-Gitarrist mit Jazz-Einflüssen, seine Karriere nimmt Fahrt auf.

Mick Taylor mit den Stones 1972 – Pic: Larry Rogers/Wikimedia Commons

Der Rolling Stone

Als die Rolling Stones im Juni 1969 ihren Gitarristen Brian Jones feuern, legen John Mayall und Stones-Keyboarder Ian Stewart bei Mick Jagger ein gutes Wort für Taylor ein. Die Stones laden ihn ein, nehmen einige Songs mit ihm auf – und rekrutieren den damals 20-jährigen als neues Mitglied. Sein Bühnendebüt gibt er am 5. Juli 1969 bei einem kostenlosen Konzert im Londoner Hyde Park. Mehr als eine Viertelmillion Zuschauer pilgern zu der Show, nicht zuletzt deshalb, weil sich das Konzert spontan zu einem Brian Jones-Tribut entwickelt: Der Stones-Mitgründer war zwei Tage vorher gestorben.



In den kommenden Jahren gestaltet Taylor eine wichtige Phasen der Truppe mit: So spielt er nicht nur die legendären Platten Let It Bleed (1969) und das Livealbum Get Yer Ya-Ya’s Out! (1970) ein, sondern auch die Klassiker Sticky Fingers (1971) und Exile On Main St. (1972). Im Zuge der Aufnahmen zu It’s Only Rock ’n Roll (1974) kommt es jedoch zu Querelen zwischen den Musikern. So hat Taylor nach eigenen Aussagen die Songs Till The Next Goodbye und Time Waits For No One mitverfasst, wird aber nicht als Songschreiber genannt. Überhaupt: Bei ihm stellt sich das Gefühl ein, mit den Rolling Stones alles erreicht zu haben. Außerdem ist dem Gitarristen der immense Drogenkonsum der Gruppe nicht geheuer. Im Dezember 1974 verlässt er die Band, seine Nachfolge tritt Ron Wood von Faces an, nachdem sich diese aufgelöst haben.



1995 sagt Mick Jagger in einem Interview mit dem Rolling Stone über Taylor: „Er hat Großes geleistet und für mehr Musikalität in der Gruppe gesorgt. Sein Stil ist sehr flüssig und melodisch. Das hatten wir vorher nicht und haben es bis heute nicht. Weder Keith noch Ronnie Wood spielen wie er. Es war sehr gut für mich, mit ihm zu arbeiten.“ Kein Wunder also, dass sich die Wege der Musiker auch in folgenden Jahrzehnten kreuzen und Taylor immer wieder mit seinen alten Kollegen auf der Bühne steht.



Der Solokünstler

Nach seiner Zeit bei den Stones widmet sich Mick Taylor den unterschiedlichsten Projekten. So spielt er mit Mike Oldfield, Little Feat, Bob Dylan, Carla Olson, Alvin Lee und Mark Knopfler, heuert gelegentlich bei seinem alten Arbeitgeber John Mayall an und gründet eine Band mit Jack Bruce von Cream. 1977 unterschreibt er einen Solo-Plattenvertrag mit Columbia Records, 1979 erscheint sein erstes Album Mick Taylor. Seine zweite Platte unter eigenem Namen lässt bis 1998 auf sich warten und trägt den Titel A Stone’s Throw.

Der Gitarrist

Taylor erzählt mit jedem Solo eine Geschichte anstatt bloß sein handwerkliches Können unter Beweis zu stellen. Da verwundert es nicht, dass zum Beispiel Slash von Guns N’ Roses den Briten als Einfluss nennt. New York Times-Musikjournalist Robert Palmer bringt Mick Taylors Karriere folgendermaßen auf den Punkt: „Er ist der fähigste Gitarrist, der jemals für die Rolling Stones gespielt hat. Taylor war nie ein Rocker oder gar eine Rampensau, sondern ein Blues-Gitarrist mit dem melodischen Gespür eines Jazz-Musikers.“ Respekt. Wir sagen: Happy Birthday!



Titelfoto: Dina Regine/Wiki Commons

Zeitsprung: Am 5.12.1968 feiern die Rolling Stones “Beggar’s Banquet” – mit einer Tortenschlacht.

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Popkultur

„Der Triumph des Jazz“: Die musikalischen Einflüsse des Martin Luther King, Jr.

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Martin Luther King Jr.
Foto: Donald Uhrbrock/Getty Images

Am 15. Januar 2022 hätte die US-amerikanische Bürgerrechtsikone Martin Luther King ihren 93. Geburtstag gefeiert. Zu Ehren Kings möchten wir an dieser Stelle seine Verbindung zur Musikkultur ein wenig näher beleuchten.

von Markus Brandstetter

Die Bilder und Worte sind fest im kollektiven Bewusstsein verankert, selbst wenn man zu jener Zeit noch nicht auf der Welt war: Im August 1963 fanden sich über 200.000 Menschen in Washington, DC zum „Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit“ (englischer Titel: March on Washington for Jobs and Freedom) zusammen.

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Vor dem Lincoln Memorial hielt Martin Luther King seine berühmte Rede, deren Worte „I have a dream“ in die Geschichte eingingen. Musik war (nicht nur) an diesem Tag ein wesentlicher Bestandteil der Proteste. Bob Dylan und Joan Baez traten auf, Peter, Paul & Mary, Odetta Holmes, Mahalia Jackson und der Eva Jessye Choir, auch Harry Belafonte war anwesend. Für King war Musik aber weit mehr als eine akustische Untermalung — er sah sie als Mittel zur Veränderung an — und, im Falle von Jazz, Triumph der Schwarzen — dazu später mehr.

Kings musikalischer Background

Für Martin Luther King, das schreibt der US-amerikanische Autor Alfonso Pollard in seinem Artikel The Extraordinary Influences of Dr. Martin Luther King, Jr., habe Musik seit seiner Kindheit eine bedeutende Rolle gespielt. Kings Mutter Alberta King spielte hier wohl die Schlüsselrolle: Sie war Chorleiterin und Organistin in der Ebenezer Baptist Church. Auch Kings spätere Ehefrau Coretta Scott, die er an der Universität kennenlernte, war Kirchenchorleiterin, außerdem Sopranistin und Multiinstrumentalistin.

Geht es nach Pollard, gab es in Kings musikalischer Sozialisation zwei große Säulen: die Gospelmusik zum einen, zeitgenössische Sängerinnen wie Mahalia Jackson, Sister Rosetta Tharpe, Nina Simone, Miriam Makeba zum anderen. Später wurde auch Jazz für ihn immer wichtiger — eine Musik, die er als „triumphal“ bezeichnete. Damit meinte er den Triumph der Afroamerikaner*innen über die Unterdrückung, über Ungerechtigkeit, Kummer, Tragödien.

Der Triumph des Jazz

1964 wurde King gebeten, die Eröffnungsrede auf dem JazzFest Berlin (damals „Berliner Jazztage“ genannt) zu halten. In seiner Rede sprach er über eben dieses Triumphale im Jazz: „Gott hat viele Dinge aus der Unterdrückung heraus geschaffen. Er hat seine Geschöpfe mit der Fähigkeit ausgestattet, zu erschaffen, und aus dieser Fähigkeit sind die süßen Lieder der Trauer und der Freude hervorgegangen, die es dem Menschen ermöglicht haben, mit seiner Umwelt und vielen verschiedenen Situationen zurechtzukommen. Der Jazz spricht für das Leben. Der Blues erzählt von den Schwierigkeiten des Lebens, und wenn man einen Moment nachdenkt, wird man feststellen, dass er die härtesten Realitäten des Lebens in Musik umsetzt, um dann mit neuer Hoffnung oder einem Gefühl des Triumphs wieder herauszukommen.“

„Die letzte Bastion des Elitismus“

Wie die Verbindung Kings zur klassischen Musik ist, ist indes nicht hinreichend beleuchtet. Der US-Dirigent Paul Freeman (1936-2015) berichtete einst in einem Interview von ein Zusammentreffen mit dem Bürgerrechtler. Als dieser ihn fragte, was er in Atlanta mache, erklärte ihm Freeman, er habe ein Engagement als Gastdirigent des Atlanta Symphony Orchestra. Die Antwort von King darauf kann als sozialkritisch bis sarkastisch gelesen werden: „Ah, die letzte Bastion des Elitismus! Glory, Halleluja!“ Freeman, dessen erklärte Mission es war, die Klassik (sowohl als Musiker*in als auch als Hörer*in) für alle zugänglich zu machen, sah dies aber nicht als Seitenhieb, sondern als Inspiration, sein Ziel zu verfolgen.

Nachzusehen ist dies in diesem Interview:

Wie wichtig King war, zeigen zahlreiche Tribute. Soul-Legende Stevie Wonder war ausschlaggebend dafür, dass Martin Luther Kings Geburtstag zum Feiertag erklärt wurde — und widmete ihm das Stück Happy Birthday. U2 schrieben Pride (In The Name Of Love) über ihn, James Taylor zollte ihm mit Shed A Little Light Tribut — und natürlich darf man Nina Simones Stück Why (The King Of Love Is Dead) nicht vergessen, dass sie drei Tage nach seinem Tod vorstellte.

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